Das nationalsozialistische Deutschland kämpfi für ein neues Europa.
Kür einen wahrhaften Frieden in Zusammenarbeit mit allen lebendigen Kräften der Bölter.
Nach dem Scheitern der Abrüstüngsoerhandlungen auf Grund des englischen Planes — eine Tatsache, die nun aller Welt offenbar geworden ist — sieht sich Europa vor einer Lage, die mit den bisherigen Methoden der Politik kaum zu lösen sein dürfte Wo aber keine neuen Ideen ins Leben treten, werden immer die abgesunkenen versuchen, wieder zur Macht zu kommen. Wir sehen bedenkliche Anzeichen nach dieser Richtung in ganz Europa. Reichsminister Dr. Göbbels hat dem Berliner Korrespondenten der Pariser Zeitung „Matin" gegenüber geäußert: „Ich bin im Zweifel, ob das französische Volk sich auch hinreichend unsere Lage klarzumachen sucht ..." Dieser Satz hat eine schwere wörtliche Bedeutung. Denn es kommt tatsächlich darauf an, ob die Völker untereinander sich begreifen, ob sie fähig sind, ihre Werte gegenseitig richtig zu erfassen. Das französische Volk will zweifellos Frieden, aber einen Frieden, der französisch aus- sieht. Der Vorgeschichtsforscher Leo Frobenius hat in diesen Tagen einen Aufsatz veröffentlicht, in dem er die zu einem Mittelpunkt hinstrebende Art des französischen Volkes, ja, der westlichen Völker überhaupt in seinen erdgeschichtlichen Betrachtungen darstellt. Hier liegt also Sch i ck s a l vor, Schicksal der Volksartung, Blut- und Seelenschicksal, mit dem der Geschichte gestaltende Politiker rechnen muß.
Dr. Goebbels hat weiterhin davon gesprochen, daß es sich heute darum handele, die Geister wieder, zu beruhigen. Die Geister, die in Unruhe geraten sind und die eine Gefahr für den europäischen Frieden darstellen, offenbaren sich in immer neuen Aeußerungen eines Willens, der Verständnislosigkeit gegenüber den neuen Ideen verrät, die in Deutschland ihren inneren machtmäßigen Ausdruck gefunden haben. So geht der ö st e r - reichische Legitismus in immer breiterer Front zum Angriff vor. Zn Wien gehen Extrablätter um, die davon sprechen, daß Otto von Habsburg vor den Toren stehe. Neben einer üblen Hetze gegen den Nationalsozialismus und das Reich kömmt darin zum Ausdruck, daß die Unabhängigkeit Oesterreichs nur durch die Wiederherstellung der legitimen Monarchie dauernd gesichert werden könne. Mächtige französische Kreise stünden dem Gedanken einer habsburgischen Restauration äußerst wohlwollend gegenüber. Wenn man sich der guten Beziehungen der Kaiserin Zita und ihrer Brüder aus dem Hause Bourbon-Parma zu den führenden französischen Kreisen erinnert, so zeigt sich hier eine europäische Reaktion, die auch bei aller Unwahrscheinlichkeit naher Verwirklichung ihrer Pläne gefährlich genug ist. Denn hier erhebt sich mit einer abgesunkenen Idee ein Menschentypus, dessen Gegensätzlichkeit zum deutsch-völkischen Wesen lange genug deutlich geworden ist.
Schon tauchen auch wieder Schlagworte auf, die aus jener Sphäre in unseliger Erinnerung sind. Der „Völkische Beobachter" weist darauf hin, daß die „Agentur Radio" aus Rom meldet, die Beziehungen Frankreichs und Italiens durchliefen gerade jetzt eine historische Stunde. Es wird von „pangermanischer Gefahr" gesprochen, einem Schlagwort, das immer dann benutzt wurde, wenn es aalt, deutsches Volkstum zu unterdrücken.
Von den aktuellen Folgerungen gan$ abgesehen, die aus diesen Anzeichen gezogen werden müssen, ist der große Aspekt das wichtigste, den diese europäische Reaktion bietet. Sie stellt dem Wortsinne nach ganz zweifellos ein „Reagieren" auf die innere Kräftigung Deutschlands dar und darf als solche nicht überraschen. Sie zeigt aber zugleich, wie in Europa die geistigen Kräfte geartet und gelagert sind. Wir stehen in Deutschland im Lager der Revolution gegen das alte und morsche Europa, das zum Weltkriege und zu der unseligen Mißordnung von 1919 'führte. Wir haben bewiesen, daß wir es mit allen Völkern, die mit uns zum gesunden Wachstum streben, ehrlich meinen. Wir sind bemüht, Europa sein Gleichgewicht zurückzugeben, jenes Gleichgewicht, das freilich nicht in der Ordnung von Versailles begründet liegt, sondern das von den wirklichen lebendigen Kräften der Völker in echter Friedensliebe konstruktiv nach dem Plane Adolf Hitlers neu begründet werden könnte.
Legitimisten verhandeln in Wien.
Die Negierung Dollfutz rückt ab.
Budapest, 6. März. (DNB.) Wie der Wiener Berichterstatter des „Magyar Orszag" mitteilt, haben am Dienstagvormittag auf drei Tage anberaumte Verhandlungen zwischen den österreichischen und den ungarischen Legitimisten begonnen. Als Vertreter Otto v. Habsburgs ist Graf Heinrich D e g e n f e l d - Schomburg in Wien eingetroffen. Der österreichische Staatssekretär für das Heerwesen Fürst Schönburg-Hartenstein soll den Beratungsteilnehmern einen großen Empfang in seinem Palais geben wollen.
In Kreisen der Legimisten wird für die Auffassung Propaganda gemacht, daß die alleinige Lösung der österreichischen Unabhängigkeitsfrage die monarchistische Lösung darstelle.
In maßgebenden Regierungskreisen zeichnet sich jedoch immer deutlicher eine grundsätzlich ablehnende Haltung ab, während bisher der österreichische Legitimismus von der Regierung mit einem gewissen Wohlwollen behandelt wurde, da die Regierung dadurch auch in diesen Kreisen Anhänger zu gewinnen hoffte. Die Regierung bezeichnet jetzt die Verhandlungen der Legitimistenführer als eine rein private Angelegenheit und betont, daß ein Empfang der Legi- timistenführer durch ein Mitglied der' Regierung nicht in Frage kommen könne. Angesichts der verstärkten Tätigkeit der Legitimisten wird in maßgebenden Regierungskreisen unumwunden erklärt, daß die monarchische Frage gegenwärtig unter keinen Umständen aktuell sei. Innerhalb der Regierung besteht vorläufig noch keine Einigkeit, ob tatsächlich die Aufhebung der Habsburger Gesetze in die neue Verfassung ausgenommen werden soll.
Die Einheitsgewerkschaft in Oesterreich.
Wien, 6. März. (DNB.) Nach einer Regierungsverordnung wird zur Vorbereitung des berufsständischen Aufbaues als Interessenvertretung der
Arbeiter und Angestellten der Gewerkschaftsbund der Oesterreichischen Arbeiter und Angestellten geschaffen. Der Gewerkschaftsbund, dem die Vertretung der arbeitsrechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Belange der Arbeiter und Angestellten obliegt, hat seine Aufgaben im vaterländischen und sozialen Geist unter Ausschluß jeder parteipolitischen Tätigkeit zu erfüllen. Der Gewerkschaftsbund ist eine Einrichtung öffentlichen Rechtes und berufen, Kollektivverträge abzuschließen, berufliche und soziale Einrichtungen für die Mitglieder des Gewerkschaftsbundes zu schaffen. Der Beitritt ist frei. Die Auf
nahme kann abgelehnt werden, wenn der sich meldende Arbeiter u. a. wegen staatsfeindlicher Betätigung verurteilt wurde.
Der Gewerkschaftsbund wird in fünf Berufsgruppen aufgeteilt. Die Rechte und Pflichten der bisherigen Gewerkschaften erlöschen mit dem Inkrafttreten der Verordnung. Der Vorsitzende und die Mitglieder des Vorstandes des Gewerkschaftsbundes werden vom Bundesminister für soziale Verwaltung berufen. Das Gesamtvermögen der aufgelösten sozialdemokratischen Gewerkschaften geht in das Eigentum des Gewerkschaftsbundes über.
Will Frankreich sich in die ilalienischen
Donaupläne einschallen?
Ein Anerbieten zur gemeinsamen Erschließung Nordafrikas als Gegenleistung
Eine Budapester Information
Budapest, 6. März. (DNB.) Wie der Pariser Berichterstatter des „Az Eft" meldet, soll zwischen Frankreich und Italien eine Einigung über das Donaubecken-Problem zu erwarten sein. Der zur Zeit wegen der nordafrikanischen Kolonien bestehende Gegensatz solle durch ein Rebereinkommen über die gemeinsame wirtschaftliche Erschließung Nordafrikas ausgeglichen werden. Italien würde im Austausch dagegen Frankreich einen Einfluß in seiner Donaupolitik gewähren. Bon einem bekannten französischen Politiker will der Berichterstatter wissen, daß Frankreich jeder Politik zustimme, die eine Lösung der verworrenen europäischen Verhältnisse bedeute. Die österreichischen Ereignisse hätten in Frankreich große Bestürzung hervorgerufen. In Frankreich breche die Erkenntnis der Notwendigkeit einer Revision der Verträge allmählich durch, jedoch nur in bezug auf die Verträge von Trianon und St.Germain. An eine Versailler Revision sei nicht zu denken.
Alles stock«.
London wartet aufdiefranzösischeAntwort
London, 6. März. (DNB.) Großsiegelbewahrer Eden erstattete am Dienstag dem Abrüstungsausschuß des Kabinetts Bericht über seine Besprechungen in den europäischen Hauptstädten. Ehe die britische Regierung endgültig zu der Lage auf dem Gebiet der Abrüstung Stellung nimmt, will sie die Antwort Frankreichs auf das britische Memorandum abwarten. In unterrichteten Kreisen glaubt man nicht, daß das Büro der Abrüstungskonferenz vor dem 10. April einberufen wird.
Reuter erfährt, daß die französische Antwort auf die britische Denkschrift erst nächste Woche zu erwarten sei. Als Grund für diese Verzögerung wurde angegeben, daß das französische Kabinett
nicht allein für eine Entscheidung zuständig sei, sondern daß auch der nationale Verteidigungsrat befragt werden müsse. Das britische Kabinett werde also zu dem Ergebnis der Reise Edens frühestens in der nächsten Woche endgültig Stellung nehmen können.
BULGARI BH
MB
Die Karte zeigt die neue Mächte-Gruppierung in Südost-Europg. Der neue Staatenblock ist vollschwarz gezeichnet, während die Kleine Entente durch graue Tönung kenntlich gemacht ist. Der vor kurzem geschaffene Balkan-Block wurde durch Schraffierung gekennzeichnet. Ihm geören, wie aus der Karte hervorgeht, auch die beiden Länder der Kleinen Entente, Rumänien und Jugoslawien, an.
Gegen dieIllusion von Versailles.
Niemals kann ein großes Volk dauernd im Zustand minderen Rechts gehalten werden.—Nur eine Abrüstungskonvention kann die Katastrophe eines Rüstungswettlaufs verhindern.
Sensationelle Rede des belgischen Ministerpräsidenten An die Adresse des französischen Alliierten
Brüssel, 6. März. (DNB.) Im Senat wandte sich der Ministerpräsident de Brocqueoille in einer Erklärung der Regierung zur Abrüstungsfrage gegen die Auffassung, daß eine militärische E r st a rkung Deutschlands durch eine Aktion des Völkerbundes oder durch einen Präventiv-Krieg verhindert werden könne bzw. solle.
Eine Völkerbundsinvestigation auf Grund des Artikels 213 des Versailler Vertrags komme nicht in Frage, da mindestens zwei der ständigen Ratsmächte, England und Italien, sich weigern würden, eine solche Untersuchung anzuordnen. Das zweite Mittel, den Präventiv - Krieg ins Auge zu fassen, sei Wahnsinn und Verbrechen. Das einzige Mittet, die Wiederaufrüstung Deutschlands zu verhindern, sei gewiß der sofortige Krieg. Ich weigere mich aber, das Land in ein solches Abenteuer zu stürzen. Ich empfinde die Bitterkeit der Situation. Sie ist d i e Folge einer großen Illusion der Menschen, die im Versailler Vertrag die geschichtliche Lehre und Wahrheit übersehen und geglaubt haben, daß es möglich fei, eine große Nation dauernd im Zu stand der Abrüstung zu halten.
Wie konnte man sich einbilden, daß 27 Nationen, die im Augenblick „alliiert und affociiert" waren, sich auch in Zukunft darin einig seien, Deutschland, dessen Einheit der Versailler Vertrag besiegelt hat, das aufzuerlegen, was Napoleon, der Alleinherrscher von fast ganz Europa, Preußen gegenüber nicht vermocht hat? Wo hat man jemals gesehen, daß solche Klauseln (des Versailler Vertrags) bte Umstände überlebten, aus denen sie geboren wurden? Das heutige Deutschland ist nicht mehr das Deutschland vom 11.November 1918, und was ist hingegen aus dem gemeinsamen Willen der 27 Alliierten geworden, die den Vertrag von 1919 zu verteidigen haben?
Es ist das unabänderliche Gesetz der Geschichte, daß ein Besiegter sich früher oder später wieder erhebt. Die großen Mächte haben dies feit langem begriffen. In Genf und in Beratungen unter sich sind Frankreich, England und Italien Ende
1932 dazu gekommen, Deutschland das Recht gleicher Behandlung zuzuerkennen. Wir wenden uns also von unnützem Bedauern und vergeblichen Hoffnungen ab und sehen das Problem so an, wie es sich uns heute im März 1934 darstellt. Man muß den Mut haben, der Wirklichkeit ins Auge zu sehen. Träume führen zu nichts, manchmal aber in die Katastrophe.
Es handelt sich nicht darum, ob und in welchem Ausmaß man die Aufrüstung Deutschlands dulden wird, sondern in erster Linie darum, einen Rüstungswettlauf zu vermeiden, der zum Krieg führt. Darin liegt die Gefahr, die alle Völker Europas, Deutschland nicht ausgeschlossen, bedroht. Der Abschluß einer internationalen Konvention, durch die die Rüstungen begrenzt werden sollen, ist das einzige Mittel, um einen Rüstungswettlauf und damit den Krieg zu vermeiden. Die Genfer Besprechungen haben zu nichts geführt. Sie sind unter einer neuen Form und mit neuen Formeln wieder ausgenommen worden. Die ganze Welt ist daran interessiert, daß sie zum Erfolg führen. Alle Länder wissen, was ein Rüstungswettlauf bedeuten würde. Deutschland könne ebensowenig wie die anderen die unglaublichen Lasten auf sich nehmen, die ein Rüstungswettlauf in der gegenwärtigen
Krise mit sich bringen würde.
Zum Schluß erinnerte der Ministerpräsident an das Ergebnis des Weltkrieges und die geographische Lage Belgiens, die es erfordere, daß kein Element der Sicherheit vernachlässigt werden dürfe. Belgien wolle den Frieden der Sicherheit. Die Regierung habe den Mut, um der Sicherung des Friedens willen von der Bevölkerung Opfer zu verlangen, die ihre Kräfte beinahe schon überstiegen. Es werde in Europa keinen Frieden geben, solange die Sicherheit Belgiens bedroht sei. Die Regierung werde sich mit allen Mitteln dafür einsetzen, daß eine Konvention zustande komme, die Belgien ein Minimum von Opfern und ein Maximum von Sicherheit bringe. In dieser Beziehung könne Belgien auf die Mitwirkung Frankreichs, Englands und Italiens zählen.
Frankreich isoliert.
London, 7. März. (DNB.-Funkspruch.) Die Senatsrede des belgischen Ministerpräsidenten de Brocqueoille wird nur von einigen Blättern wiedergegeben. „Morning Post" nennt sie eine große Ueberraschung. „Daily Herold" sagt, Frankreich stehe v ö l l i g v e r l a s s e n da. Die belgische
Regierung, die in ihrer Außenpolitik bisher immer gehorsam der französischen Führung gefolgt sei, habe in ihrer Verzweiflung beschlossen, in der Abrüstungsfrage ihre eigenen Wege zu gehen.
Heftige Kritik bei den Brüsseler Französlingen. Barthou wird in Brüssel erwartet.
Brüssel, 7. März. (Havas.) Der französische Außenminister Barthou wird Anfang nächster Woche zu einer Besprechung mit dem belgischen Außenminister Hymans nach Brüssel kommen.
Die Rede des Ministerpräsidenten de Brocqueoille wird von den Kreisen, die sich restlos Frankreich verschrieben fühlen, scharf verurteilt. Brocque- ville habe einen Standpunkt eingenommen, der zur französischen Politik in Gegensatz stehe. Die rechtskonservative „Nation Belge" spricht von einem „T h e a t e r c o u p" und behauptet, daß der Ministerpräsident sich einer Politik „völlig e r Preisgabe" angeschlossen ' Seine Erklärungen seien geeignet, alle guten Bürger mit Erstaunen und Schmerz zu erfüllen. Er mache einen Strich durch den ganzen Teil V des Versailler Vertrags. Wie könne man nach so viel Erfahrungen der Vergangenheit noch glauben, daß Deutschland eine Konvention, die seine Rüstungen begrenze, einhalten werde. De Brocqueoille habe sich einer Art „Neo-Briandismus" angeschlossen in dem Augenblick, wo in Frankreich der „Briandis- mus" erledigt sei.
Vor dem Generalstreik in Madrid.
Was wird die Regierung tun?
Madrid, 8. März. (DNB.) Die Gewerkschaft der Bauarbeiter, die am Dienstag in den passiven Streik getreten ist, beschloß in den Abendstunden, am Mittwoch in den Genralstreik zu treten. Dieser Beschluß betrifft außer der Hauptstadt noch die gesamte Provinz Madrid, so daß fast zehntausend Arbeiter vom Streik erfaßt werden. Auch der Streik in der M a d r i d e r Z e i t u n g „A B C", der bereits mehrere Tage dauert, hat sich verschärft. In Madrid sind an drei Stellen Bomben explodiert, die aber nur Sachschaden anrichteten. In Vigo plünderte eine Gruppe Arbeitsloser unter Führung eines. Matrosen der Kriegsmarine mehrere Läden. Als Die Polizei eingriff, wurde sie mit einem Steinhagel empfangen, so daß sie zur Schußwaffe greifen mußte. Es wurden mehrere Verletzte gemeldet. In Santander kam es vielfach zu Ausschreitungen streikender Arbeiter, wobei ebenfalls mehrere Teilnehmer verletzt wurden.
Die Leitung des marxistischen Gewerkschaftsbundes gab in der Nacht zum Mittwoch eine Erklärung heraus, in der es heißt, daß die Gewerkschaften nicht gewillt seien, den Kampf aufju geben, ober sich auf Vergleiche einzu- lafsen. Sämtliche im UGT. (Sozialistischer Gewerkschaftsbund) vereinigten Verbände würden zur Unterstützung der Bauarbeiter, der Metallarbeiter und der Drucker (die beiden letzten Gruppen beginnen den Streik am Freitag) eingesetzt werden, wenn der Proteststreik bis Freitag abend nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt haben sollte. Die drei Gruppen umfassen etwa 200 000 Arbeiter.
Die Erklärung der Leitung des Gewerkschaftsbundes ist eine glatte Kampfansage der Marxisten an die Regierung Le'rroux, die sich in Schweigen hüllt. Wenn die Arbeitgeber nicht auf der ganzen Linie nachgeben, ist wohl mit ziemlicher Sicherheit für Montag mit dem Generalstreik der gesamten organisierten Arbeiterschaft Madrids zu rechnen.
Besserung
aus dem Baumwollmarki.
Die letzte Ursache der Weltwirtschaftskrise ist das Mißverhältnis zwischen internationaler Produktion und internationalem Verbrauch. Die Krise führt bann bazu, baß bie Produktion eingeschränkt wird, und sie ist beendet, wenn der Verbrauch die verminderte Produktion wieder eingehott hat. Auf einigen Gebieten der Weltwirtschaft scheint dieser Zeitpunkt der Wiederher st ellung des Gleichaewichts zwischen Erzeugung und Konsum jeijT endlich erreicht zu fein. Das beweisen die Preis st eigerungen einer Reihevon wichtigen industriellen Roh st offen, wie Wolle, Gummi usw. Aber auch der Weltbaum- w o l l m a r k t ist neuerdings in bie Gleichgewichtslage zurückgekehrt. Die Erhebungen der Internationalen Baumwoll-Spinnereivereinigung über Erzeugung, Verbrauch unb Vorratshaltung zeigen eine wesentliche Besserung der Lage auf der ganzen Linie. Der Verbrauch von Baumwolle ist im letzten halben Jahre nach den vorliegenden Berichten um etwa 5 Prozent gelt i e g e n. Der Mehrkonsum erstreckt sich im Gegensatz zum Vorjahr diesmal nicht nur auf die amerikanische und die ostindische, sondern auch auf die ägyptische und die in anderen Ländern gewonnene Baumwolle. Die Welt - Baumwollvorräte waren zwar am 1. Februar 1934 noch um beinahe 700 000 Ballen größer als vor einem Jahre. Aber die Vorratssteigerung erstreckt sich zu zwei Dritteln auf die ostindische Baumwolle und wird infolge der schnellen Verbrauchszunahme sehr bald ausgeglichen sein. Die W e l t s p i n d e l z a h l bat etwas ab genommen, so daß der auf jede Spindel entfallende Konsum beträchtlich zuqenom- men hat.
Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses.
Frankfurt a. M., 7. März. (DNB.) Der „Badische Beobachter" teilt u. a. folgende Stellungnahme des Erzbischofs Groeber Freiburg, mit:
. Der Herr Erzbischof erkannte ausdrücklich an, baß die in ber Ausführungsverordnung vom 0' D/zember 1933 zum Reichsgesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses Aerzten, Heilkundigen und Anstaltsleitern auferlegte A n z e i g e p f l ich t in keiner Weife den katholischen Glaubensgrundsätzen widerstreite und von den gläubigen Katholiken ohne G e - Wissenskonflikt erfüllt werden könne. Den genannten Personen ist durch die angeführten Bestimmungen der Ausführungsverordnung die Pflicht auferlegt, dem zuständigen Amtsarzt unverzüglich Anzeige zu erstatten, wenn ihnen ein Fall von Erbkrankheit bekannt wird . " — Diese klare Stellungnahme eines hohen geistlichen Würdenträgers wird wesentlich dazu beitragen, falschen Auslegungen einer früher bekanntgegebenen dogmatischen Lehrmeinung der Kirche entgegenzu-


