D.32 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzelgel für Gberyenen-
Mittwoch, I. Zebruar 1934
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Aus der Provinzialhauptstadt
Der Umgang mit Wunden.
Aufnahme.
Kontrast.
spielte den konzertierenden
lichen Schauplatz der Natur, in erfreulichen
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Vielmehr war ihm darum zu tun, der Sache auf' den Grund zu gehen und das Problem auf seine Weise ins Reine zu bringen. Wie das geschieht, ist zu bekannt, als daß man es hier wiederholen müßte. (Wer es noch nicht oder nicht mehr weiß, soll nicht um das Vergnügen gebracht werden, es im Theater aus erster f)anb auf sich wirken zu taffen.)
Wenn sich auch die Konzertreise, um die es sich hier handelt, in der immerhin ungewöhnlichen Form eines ehelichen Seitenfprunges vollzieht, so wird erstens schon bald nach der Abreise deutlich, wo der kleine Ausflug ins Grüne enden muß: nämlich genau da, von wo er ausging-, und außerdem war dem Dichter keineswegs an einer pikanten Ausnutzung der spielerisch geschaffenen Situation übers Kreuz gelegen, woran mancher andere Lustspielschreiber sich mit Vergnügen hätte genug sein lassen. Vahrs Betrachtung der Dinge ist nicht frivol, sondern nur ironisch und immer gespeist aus einer weisen Einsicht in die geheimen Regungen und die Schwächen des menschlichen Herzens.
Kurt L ü p k e spielte den Dr. Jura, eine der liebenswürdigsten Erfindungen Hermann Bahrs, mit völlig heiterem und gelassenem Gemüt und jener schönen Selbstverständlichkeit, die ihre Wirkung noch nie verfehlt hat. Hansi Stadlers Delfine hingegen war von einem heftigen und zit
ternden Temperament, das sich in kleinen Schreien und hohen Quietschtönen stürmisch entlud. Fräulein Flemming erging sich mit Hingebung in den schwärmerischen und ziemlich überspannten Tiraden der Musikschülerin Eva Gerndl. Herr Geiger und Frau Schubert-Jüngling machten mit derbem Humor das gebirglerische Ehepaar Pollinger.
einer Heilsalbe.
Es gibt eine Anzahl von Substanzen, besonders
ström, und alle fanden sie den Führer, der ihrer nicht müde wurde.
Harmsens Nachhauseweg unter den Sternen des Herbstyimmels, die den Nachtregenschleier durchdrangen, war ein Heimfinden aus Irrtum und
Vielleicht eine Stunde lang beobachte ich dieses Treiben, wundere mich, daß die andern Tierkinder gar nicht mitmachen, die Löwen nicht und auch nicht die Tigerlein. Plötzlich, ohne Ursache eigentlich, faucht eines aus dem Tigerknäuel und knurrt ärgerlich. Als sei so etwas ansteckend, gucken nun sechs glasklare Augenpaare neidisch auf den spielenden Bruder, und ein Chor von Brummen setzt ein. Nur die Löwen bleiben gelangweilt, sind unbeteiligt.
Auch der Tigersohn kümmert sich nicht um diese Palastrevolution, treibt weiter das amüsante Spiel zwischen Milchschüsseln und Kletterbaum. Aber das Feuer der Empörung schwelt fort, trotzdem im Augenblick Stille herrscht. Zischend protestiert. von neuem der Zornige im Hintergrund.
Wie bei einem richtigen, ausgewachsenen Tiger sträubt sich dem Katzenkind die Halskrause und der Bart. Ja, der entrüstete Bengalensohn zwängt sich aus dem Geschwisterhaufen, schiebt Kopf, Brust und Vorderfüße nach vorn, hinten schlängelt sich aufgeregt eine Andeutung von Schweif, kein Zweifel, der Tiger rüstet zum Angriff. Und er knurrt, grollt, dumpf, Gefahr verkündend.
Das wird meinen Löwenkindern zu ungemütlich. Sie bringen sich auf alle Fälle in Sicherheit, schlüpfen unter den Baumstamm, während der Hauptheld weiter mit seinen Schüsseln spielt.
Aber etwas anderes ereignet sich noch dazu: die fünf in der Ecke zurückgebliebener Tiger fühlen die Lücke in ihrem Wärmeknäuel, sie kuscheln sich noch mehr zusammen, und weil der sechste ja einwandfrei einen neidischen Charakter hat, paßt ihm das schlecht. Er verzichtet auf Angriff und Ueberfall, dreht um, schimpft gegen seine Kameraden und setzt alle Kräfte ein, um wieder In ihren Gemeinschaftsstaat zu gelangen.
Nach vielem Drehen, Puffen, Kratzen und Schimpfen gelingt es auch, und dann ist die ursprüngliche Ordnung von neuem hergestellt, nur daß eines der lieben Katzengesichter zornig auf den selbstvergessen in der Mitte weiter tobenden Tigersohn starrt, und mit geringen Pausen dringt ein giftiges „chchch" aus dem Hintergrund zu mir her.
Maßnahme:
Aufforstung einer 6 ha großen meindewaldfläche, Heimbach
Aufforstung einer 5 ha großen meindewaldfläche, Lindfchied
schädlichen Treiben zu, sondern wird mit den ihr zu Gebote stehenden Mitteln durchgreifen und dabei auch vor der Anwendung schärfster Strafen nicht Halt machen!
KOAL., Bezirksleitung Gießen, (kreise Gießen, Alsfeld, Lauterbach, Schotten.) Die Reichsleitung des KDAJ. hat die Abhaltung von Schulungsabenden im Rahmen der Veranstaltungen des KDAJ. angeordnet. Es finden statt am Mittwoch, 14. Februar, und am 2 8. Februar, 20.30 Uhr, pünktlich, im Cafs Ebel, Gießen, Burggraben, Schulungs - und Sprechabende über das Programm der NSDAP^ Technik und Wirtschaft im Dritten Reich, sowie sonstige Fragen politischer, weltanschaulicher und technischer Art. Teilnahme an den Schulungsabenden ist für alle Mitglieder des KDAJ. Pflicht, Gäste sind willkommen.
Der Bezirk Hessen-Nassau 6 des KDAJ. umfaßt das nördliche Oberhessen, und zwar die Kreise Gießen, Alsfeld, Lauterbach, Schotten. Anschrift der Bezirksleitung ist: Gießen, Postfach 81, Postscheckkonto Nr. 260 80 Frankfurt a. M., Obering. 2L Kurz, Gießen.
Die Kreise Friedberg und Büdingen bilden den ! Bezirk 4; Bezirksleiter ist Pg. H. Fischer, Friedberg, Städtisches Hochbauamt.
Auf die täglich einlaufenden Anfragen bezüglich der Reichskammer der Technik wird darauf hingewiesen, daß der KDAJ. nach wie vor die parteiamtlich anerkannte Berufsorganisation der Architekten, Ingenieure und Chemiker ist. Die Bildung der Reichskammer geht nicht gegen den KDAJ., sondern unter ständiger Mitarbeit der Führer desselben, vonstatten. Kein KDAJ.-Mitglied wird zur Reichskammer der Technik zu spät kommen, Heichsbund Volkstum und Heimat, LandschastHheinfranken-Aaffau Hessen
Der Reichsbund wird jetzt an allen Orten des Gebietes mit der praktischen Volkstumsarbeit einsetzen. Hierzu sollen auch alle Sing-, Tanz- und Laienspielgruppen, sowie die Volksbildungsvereine und Volkshochschulen herangezogen werden. Alle diese Vereinigungen in unserem Gebiet werden darum aufgefordert, baldigst ihre Anschrift der Ge»
Hochsckulnakbrickten.
Der o. Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Freiburg i. B., Dr. H. Heimst e l, erhielt einen Ruf an die Universität Leip« Zig.
Professor Dr. E. W o l g a st von der Universität R o st o ck hat einen Ruf auf das erledigte Ordinariat für Kirchenrecht, Völkerrecht, internationales Privatrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Würzburg erhalten.
Kampf den Schwähern!
Das Staatspresseamt teilt mit: In letzter Zeit, besonders seit Verkündung des Gesetzes über den Neuaufbau des Reichs, machen sich wieder jene Elemente unangenehm bemerkbar, deren ganze Tätigkeit darin besteht, ihre mehr oder weniger lebhafte Phantasie frei laufen zu lassen und ihre Volksgenossen mit den unsinnigsten Gerüchten zu überschwemmen. Wieviel besser wäre es, wenn diese Gerüchtemacher ihre unbezähmbare „Arbeitsfreudigkeit" statt dazu benutzen wollten, für das Volksganze nutzbringende Arbeit zu leisten und sei es auch nur, indem sie sich einen Maulkorb anlegten. Alle jene Schwätzer sollen sich gesagt sein lassen: Die Regierung sieht nicht mehr länger diesem volks
geschulte Hände dürfen die Wunde berühren. Bis der Arzt kommt, ist Schutz und Ruhe die erste und beste Hilfe, die dem Verletzten erwiesen werden kann. Dr. med. M. G.
Intendant König ,, Professor, den reisenden Pianisten, den umschwärmten und verehrten Meister: nervös und komisch aufgeregt, beladen mit der Bürde seines Ruhmes, ungeschickt und nah) wie ein Kind und dabei in steter Sorge vor dem Altwerden. Man kann ihm nicht bös sein, und die Lösung, die Bahr für ihn bereit hält, ist die einzig mögliche und richtige. Sein Glück ist, daß er eins so gute und so kluge Frau hat, wie sie von Maria Koch mit ruhiger Ueberlegenheit, taktvoll, gescheit und mit einer leisen, nie verletzenden Ironie gegeben wurde.
Hitler schafft Arbeit!
Neue Maßnahmen im Reinhard-Programm zur Arbeitsbeschaffung im Rhein-Main-Gebiet:
Daß diese Einstellung Ton und Charakter der Aufführung bestimmte, war das Verdienst der Spielleitung von Wolfgang Kühne, der, was nur lächerlich war, auch unbeschwert so wirken ließ, selbst ohne etliche Uebertreibung zu scheuen: der aber auch die ernsthafteren und nachdenklichen Partien so formte, wie sie gemeint sind und duf den Beschauer wirken sollen. — Herrn Löfflers Bühnenbilder stellten den städtischen und den länd- Ereignisse, Zivilisation und
Tagewerkez Ge-
Die Neueinstudierung fand eine sehr freundliche hth.
Aufforstungen Bad Schmalbach
Aufforstungen von Oedland und Schlagflächen, Rüdesheim
Aufforstung einer 9 ha großen Gemeindewaldfläche, Hausen v. d. h.
Abtrieb einer Riederwaldfläche von Radelholz in der Staatsoberförsterei Idstein und Aufforstung von Radelholz, preuh. Staat, Forstverwaltung
Aufforstung einer Oedlandfläche von 3 ha, Riedergladbach
Umwandlung von ertraglosem Riederwald in Hochwald, Erbach (Rheingau)
Abtrieb von 5 ha wertlosem Riederwald (angekaufter Bauernwald) und Umwandlung in Hochwald, preuh. Staat, Forstverwaltung
Aufforstung von 8 ha Oedland
Aufforstung von 7 ha Oedland
Zweifel. Vieles ging ihm durch den Kopf, und fein Herz war bewegt. Große fordernde Augen sah er vor sich, fühlte die warme vertrauende Hand. Langsam zog er die Fäuste aus dem Mantel. Unter einer Laterne hielt er den Schritt an. Zum erstenmal war Liebe und Achtung in seinem Blick, ein Verstummen ohne Hoß und Bitterkeit, als er die Risse und Schwielen betrachtete. Diese Hände ..., dachte er. Haben keine Arbeit gescheut, packten die Karre so hart wie den Kohlenmeißel. Spielten mit dem Buben, drückten dem Vater die Augen zu. Wie lange war das her! Wurden verführt, aber blieben, was sie waren: rauh und rechtschaffen! Und nun hatte der Führer sie ergriffen. Sv hatte er sie
Was Wedekind seinerzeit bitter ernst nahm, bot Suhr nur Anlaß zu einem (im wesentlichen) heite- ren Intermezzo. Er bringt die Pointe auf eine eim jache und durchaus lustspielmäßige Formel, dieses Konzert ist gar kein Konzert. Da er aber barauf verzichtet, die Pointe erst im letzten Akt abzuschie- »m, und sie gutwillig gleich zu Anfang preisglbt, verzichtet er auch auf eine schwankhafte Ausbeutung vcheliegender Effekte.
Hände und Herzen.
Eine Preisarbeit des deutschen Lournalistenwettbewerbs.
geroirr aus dem unsichtbaren Apparat auf den pechschwarzen Platz in die vielen tausend Menschen ein. Im Augenblick war die Straße erhellt. Ein Auto hupte. Schutzpolizei im Tschako, Sturmriemen verhängt, ein zwei, drei, vier Reihen hintereinander. Und wieder Hupensignal. Vorsichtig wuchteten ein paar Reifen heran. Hinter der Windschutzscheibe hochaufgerichtet eine Gestalt im hellen Trenchcoat, ohne Hut, ein Schnitt dunklen Haares wehte in die
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Und da riß der Hauer Will Harmsen die Fäuste ergnffen. Will Harnsten mußte seine Hande ta ten, aus den Taschen und reckte sie der schmalen Hand ob er wollte oder nicht, und mit einem guten stillen entgegen, die sich sekundenlang in sie hineinlegte. | Lächeln trug er sie heim.
andere Hände tasteten sich aus dem Menschen-1
verstärken. Auch im Perubalsam verfügen wir über ein Mittel, das, in frische Wunden längstens innerhalb der ersten 24 Stunden nach einer Verletzung eingebracht, das Auskeimen von Bakterien und damit die nachfolgende Entzündung zu verhindern pflegt. Streupulver werden häufig mit gutem Nutzen bei frischen heilenden Wunden verwandt.
Sobald die erste Sorge um die frisch erworbene Wunde sich gelegt hat und die Gefahr der Infektion überwunden ist, taucht beim Kranken die Sorge um die Narbe auf. Es ist oft von entscheidender Bedeutung für das Schicksal des Kranken, daß eine Wunde nicht nur heilt, sondern auch gut heilt, ohne Entstellungen ober Verunstaltungen zu hinterlassen. Gerabe in den späteren Stadien der Wundheilung, die für die Narbenbildung entscheidend sind, kommt die Bestrahlung zu ihrem Recht. Hier setzt nun die Bestrahlung der Wunden mit der künstlichen Höhensonne ein. Es hat sich herausgestellt, daß die Lichtnarbe weich, schmiegsam und blutreich ist. Aber auch schon während der Wundheilung kann die Bestrahlung den Heilungsprozeß wesentlich fördern. Natürlich ist es nötig, daß sachgemäße Hände sie vornehmen. Eine Ueberbestrahluna kann zu entzündlichen Reaktionen führen, die den Heilungsverlauf schädigen können. Bei frischen uninfizierten Wunden darf nur ganz milde bestrahlt werden, bann trocknen die Wunden schnell, das Wundfeld säubert sich und die Bildung des neuen Gewebes wird angeregt. Bei infizierten Wunden entfaltet die künstliche Höhensonne einen kräftigen desinfizierenden und reinigenden Einfluß.
Die wichtigste Grundregel bei der Wundbehandlung bleibt, nicht durch übereilte Maßnahmen Schädigungen zu schaffen, die schwer wieder gut gemacht । werden können. Nur aeschulte Hände dürfen die
linke Stirn. Große ernste Augen.
Will Harmsen starrte durch Regenschleier in ein Gesicht nahe vor dem seinen. Jetzt hob der Führer die Hand, beugte sich halb aus dem offenen Wagen.
Ml", rief er, als er von Hetzern und Dvlksver- r. lern hörte, und er schrie es so laut, daß die Um sehenden die Gesichter zu ihm hoben und der Alte rät der Regentraufe am Filz einen ganzen Schub Nasser auf seinen Hintermann entleerte. „Ver- znhung", sagte er demütig, aber da war schon wie- frr die Stimme und um sie her ein unbeschreibliches kaufen, als lärmten hundert Sirenen zugleich über, irs gioi eine zuiöuyi uu“ yC|V..v^
b n Himmel. Und plötzlich brach das Stimmen-j Farbstoffen, die die Wundheilung erleichtern und
Gießener Gtadttheater
Hermann Bahr: „Das Konzert"
Es ist schon bald sieben Jahre her, seit wir dieses, taistspiel zuletzt hier gesehen haben. Gerade, atef inan vor drei Wochen beschloß, es zur Feier oon( L ahrs 70. Geburtstage wieder hervorzuholen, ( k,m die Nachricht, daß der Unermüdliche eben ge=| l'tnrben sei: so wurde aus der Geburtstagsfeier eine ÜItenehrung.
Don dem in vielen Bänden niedergelegten Werk, b:s Hermann Bahr, der Schriftsteller, der Kritiker, dir Publizist und Essayist hinterlassen hat, sind seine Theaterstücke am leichtesten und weitesten ins Publi- him gedrungen, und von den Theaterstücken wiederum eben das „Konzert", bas immer noch auf den Lpielplänen erscheint unb gern gesehen und gehört xirb.
Dennoch muß jede heutige Aufführung wie eine 3~innerung wirken; Erinnerung nicht nur an den olerreichischen Menschen und Dichter Hermann kuhr, sondern auch an eine uns schon sehr fern airüdte Welt. Vieles von dem, was hier verhandelt Mb als Problem zur Diskussion gestellt wird, ist licht mehr aktuell: aktuell nämlich deshalb nicht, ii-il die Voraussetzungen für gewisse Situationen Md gewisse daraus sich ergebende Fragestellungen einfach nicht mehr vorhanden sind
'Es gibt da Lustspielfiguren, die als menschliche I*)pen heute gar nicht mehr vorkommen. Das ist ein Umstand, Der den drei Akten einen einiger ofcen historischen Akzent verleihen mußte; daß dies ur bedingt zugegeben werden kann, liegt baran, bi‘6 die besten Szenen des Stückes eben doch noch etwas mehr enthalten als ein bloßes amüsantes und ein wenig nachdenkliches Spiel mit ©orten: baß sie »ielmehr ihren bramatischen Nerv und Antrieb aus einer sehr menschlichen Gefühlsspannung erhalten, umb bas menschliche Gefühl wirb ja nie veralten aber aus ber Mode kommen können.
Wir veröffentlichen heute die vierte der fünf Preisarbeiten aus dem Journalistenwettbe- werb „Mit Hitler in die Macht". Wir verwerfen gleichzeitig auf die in den letzten Nummern des „Gießener Anzeigers" bereits erschienenen Preisarbeiten und auf die Bedingungen für den Leser- W e 11 b e ro e r b in der Samstag-Ausgabe. Für die richtige Lösung sind tausend Mark ausgesetzt.
NSK. Als ber Baß ber Lambertiglocken zum siebenten Male erdröhnte, bog Will Harmsen um fce Ecke der Tystenallee. Vom hastigen Laufen war ' irr in Schweiß geraten. Dreckig wie er vor der Kohle sand, hatte er in der Waschkaue schnell die Kleider ^wechselt, ein paarmal durch die Luft gespuckt, und far bann in ben regnerischen Herbstabend hinaus. I nb kam oerbammt doch zu spät, denn kurz nach fchs Uhr hatte die SS. die Zugänge zur Ausstel- ftngshalle abgeriegelt. Bitten und Protestieren war imfonft. Die Front der schwarzen Leiber gab dem Memmen einlaßbegehrender Menschen zwar nach, wer zerreißen ließ sie sich nicht. Der Kanzler, der zi den Frauen und Männern der Roten Erde jpre- ten wollte, war schon durch. „Aus", knurrte Harm- j:n, und am liebsten hätte er wie der Steiger ! idden geflucht. Da stand er mit seinem Fahrschein ius Dritte Reich, und natürlich sauste ihm der För- i-rkorb hart an der Nase vorbei. So ein Deubels- isch! Zu was war es gut, daß er hier in der Nässe isrumschlich, daß ihm der Wind die Jacke durchlüftete, wenn er den Mann nun doch nicht zu | 'Ihen bekam! An einer Gaslaterne, die ihr trübes : ('-eleud)t in die Gegend streute, machte er halt, (irgendwo aus dem Dunkel rumorte ein Laut- 1 frecher. „Achtung, Achtung!", bellte eine heisere stimme, „der Reichskanzler hat das Wort!" Der siührer sprach.
Will Harmsen hatte die Hände in den Taschen sines fadenscheinigen Mantels vergraben, den Kra- <-n hochgestellt und die blaue Schirmmütze tief über he Ohren gezogen. „Immerhin etwas fürs Geld". I.igte er sich und musterte aus verkniffenen Augen jine Nachbarn, die er um mehr als Haupteslänge iberragte. Links neben ihm stand ein alter Mann. Nil! konnte senkrecht in den Kniff des abgetragenen hutes niedersehen, in dem sich das Regenwasser tiie in einer Dachrinne sammelte. Jetzt vernahm jormsen die Stimme metallen über sich.
„Was verlangen wir denn Großes von der Aelt!", jagte sie schneidend durchs Dunkel. Und wch einer Pause, einsam und beherrscht „Arbeiten tmUen wir!" Klatschend schlug Harmsen der Regen r s Gesicht. Aber ihm wurde warm. So sprechen . . Donnerwetter! Da konnte sich der Schmitt, der i nmer noch das Maul weit aufrih, glatt hinter i i-rkriechen. War ja auch man nur so'n Spricht! i ttas hatte er neulich im Pütt gemeckert? Schlimmer cs der Zar wäre Hitler, den Krieg wolle er. Und tjas Krieg ist ..., na, das brauchte Harmsen ums Überreden keiner erzählen!
Als habe die Stimme um die heimlichen Ein- nünöe des Mannes unter der Laterne gewußt, er- tmte sie wieder dicht vor seinen Ohren. „Wir Front- sildaten haben die Schrecken des Krieges erlebt .. Qi:n Wahnsinn, an Krieg auch nur zu denken ...!" L.ill Harmsen nickte schwerfällig. Langsam begann ; e sich der Führung dieser Stimme anzuvertrauen, ta da aus dem Dunkel zu ihm herüberhämmerte
Viertelstunde mit sieben Dgerkindern.
Von Paul Eipper.
Ich stand kürzlich — für zwei Tage in Holland — von morgens bis abends vor der Raubtierkinderstube im Amsterdamer Zoo. Zehn Lebewesen waren darin, alle ungefähr gleich groß, so etwa, wie ein mittlerer Rehpinscher, nur kugeliger, auf niedrigen Beinen. Drei Löwen sitzen im Vordergrund, mollig dicke Kinder, die noch die weißen Flecken auf dem goldgelben Fell haben. Sie starren irgendwo hin, vielleicht auf die Pelikane im See, vielleicht auf ein Sandkorn am Boden; sichtlich sind sie gelangweilt. Ganz hinten, in der linken Ecke ihrer Behausung, hocken sechs junge Tiger. Es hat lange Zeit gedauert, bis ich die Zahl sechs einwandfrei feststellen konnte. Eigentlich sah man nur Streifen, schwarze, braunrote, gelbe, da und dort ein Ohr, ein Schwänzchen, weiße Kreise und Ringel; die jungen Geschöpfe haben sich zu einem Rattenkönig zusammenge- tnäuelt, zu einer Anhäufung atmender, seidig glänzender Fellkörper, und wie bei einer indischen Fabelgottheit erkennt man an den verschiedensten Ecken ein Gesicht. Aber kein verzerrtes, nein: Liebe, gutmütig verträumte Kindergesichter mit großen, lichten Kugelaugen, sanft, doch immerhin Tigergesichter!
Die Sechs dort hinten frieren an diesem nebeligen Tag; warum sollten sie sich sonst so eng zusammenkuscheln? Aber da ist noch ein siebter Tigersohn, für den die Umwelt schon richtige Verlockungen hat. Er tapst auf seinen breiten Ausleger-Pfoten krummbeinig und mutig mitten durch den Raum, spielt mit den beiden leergetrunkenen Milchschüsseln, und weil sie aus Blech sind, klappern sie tüchtig, sobald er dagegen stößt.
Das macht ihm wohl Spaß: er schleicht sich immer wieder an, wuchtet mit der vorderen Hand und dem
Jeder Arzt weiß, wie erschreckend die Unkenntnis selbst der „vernünftigsten" Laien bei der Selbstbehandlung von Wunden ist. Soviel auch zur Aufklärung hier getan worden ist, immer wieder tut eine Wiederholung der wichtigsten Grundregeln der Wundbehandlung not. Fast jede Wunde kommt | unter Verhältnissen zustande, die die Möglichkeit i einer nachfolgenden Infektion wahrscheinlich macht. Man soll daher jede Zufallswunde als infiziert betrachten, dann werden wir in den meisten Fällen rechtzeitig Maßnahmen treffen können, um die Gefahr einer Wundentzündung zu bannen. Nicht wenige Wunden werden erst nachträglich durch unsachgemäße Behandlungsversuche, durch Drücken oder Quetschen oder Säubern infiziert. Die erste Hilfeleistung soll sich auf die provisorische Blutstillung, das Bedecken mit steriler Gaze oder frischen Wäschestücken oder auf die Ruhigstellung des verletzten Teiles beschränken. Dann müssen wir verhüten, daß die am Wundrand und in der Wundnachbarschaft sitzenden Keime nachträglich in die Wunde gelangen. Zu diesem Zwecke genügt meist das Bestreichen mit Jodtinktur. Waschen mit Seife ist zu vermeiden, allenfalls ist Abreiben der Umgebung mit Benzin oder Aether gestattet.
In die Wunde eingedrungene Fremdkörper versucht man durch einen matten Strahl steriler Kochsalzlösung ob-r 3 v.H. Wasserstoffsuperoxyd zu entfernen. Bei Wunden, die mit Erde verunreinigt sind, ist stets die Notwendigkeit einer Schutzimpfung gegen Wundstarrkrampf in Betracht zu ziehen. Man sollte daher niemals versäumen, derartige Wunden so bald als möglich dem Arzt zu zeigen. Wunden, bei denen erhebliche Teile des Gewebes geschädigt und lebensunfähig gemacht worden find, müssen mitunter Umschnitten ober chirurgisch gesäubert werden. Ob Wunden genäht werden dürfen ober nicht, hängt vor allem bavon ab, in welchem Maße wir die Wunde als infiziert betrachten müssen unb ob Schädigungen des Gewebes vorliegen, die die Heilung stören würden. Je glatter die Wundränder sind, je reiner das verletzende Instrument war, je , weniger die Wunde mit schmutzigen Gegenständen in Berührung gekommen ist, desto eher darf genäht werden. Schußwunden dürfen nie genäht werden, auch alle anderen gequetschten oder Rißwunden : wird man offen behandeln müssen. Wundflächen, > die zu heilen beginnen, werden mit sterilem 93er- : bandstoff bedeckt ober, da die heilenden Stellen beim - Entfernen trockenen Verbandstoffs leicht bluten, mit
Kopf die eine Pfanne hoch, so lang, bis sie lieber- gewicht bekommt, polternd wegrollt. Dann erschrickt I er, klettert über ben schräg liegenden Baumstaum I und macht einen Katzenbuckel, hüpft entsetzt davon.!


