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schwer verletzt. In Nancn durchzogen Anhänger derAction Franchise" und der Patriotischen Ju- gendoerbände die Straßen. Auch hier wurde berit­tene Polizei eingesetzt und von den Demonstranten mit Waffen aller Art empfangen. Jn Boulogne- s u r - M e r veranstalteten 500 bis 600 Arbeitslose einen Strußenumzüg. Sie sangen dabei die Inter­nationale und verlangten Arbeit oder Brot. Eick

Polizeikommissar, der sich den Demonstranten ent­gegenstellte, wurde niedergeschlagen. (Eine Person wurde verhaftet. Selbst in Algier kam es zu Zu­sammenstößen zwischen patriotischen Jugendver­bänden und Polizei. Auf beiden Seiten gab es Ver­letzte. Bei allen diesen Kundgebungen sind viele Ver­haftungen oorgenommen worden.

besser fein als überhaupt kein A b - kommen. Die liberale Opposition werde den tief­sten Stand gutheißen, auf dem eine allgemeine Vereinbarung für die Abrüstung erzielt werden könne. Die britische Denkschrift sehe ein gewisses Maß des Wiederaufrüstens für Deutschland vor. Dies sei das unvermeidliche Ergebnis des Grund­satzes der Gleichberechtigung.

Ls könne von keinem Deutschen er- wartet werden, daß er für immer eine Stel­lung einnehme, in der die Deutschen ent­waffnet seien, während alle ihre Ttachbarn bewaffnet seien.

Wenn der britische Plan in all seinen Folgerungen durchgeführt werde, so würde ein weit größeres Maß der Abrüstung in den europäischen Staaten stattfinden. Der Arbeiterabgeordnete Cook er­ging sich in heftigen Angriffen auf das neue Deutsch­land. Der liberale Abgeordnete Mander wies auf die Absicht Oesterreichs hin, den Völkerbund an­zurufen. Wenn die Angelegenheit vor den Rat komme, werde es sehr schwierig sein, Beweise zu erbringen, die jedermann befriedigten. Er schlage daher die Einsetzung eines Ausschusses zur Fest­stellung der Tatsachen vor.

<5ir Austen Chamberlain

erklärte, er habe es nie für möglich gehalten, daß von den nicht durch den Versailler Vertrag gebun­denen Mächten eine Abrüstung auf den Stand der besiegten Mächte gefordert werde. Er habe nie­mals Deutschland das Recht auf volle Gleichheit mit den nicht vom Versailler Ver­trag betroffenen Mächten zugestanden. Seiner An­sicht nach werde das englische Volk niemals be­reit fein, sich zu besonderen Maßnahmen zu ver­pflichten unter Umständen, die man in keiner Weise voraussehen könne. Starker Beifall erhob sich, als Chamberlain erklärte, daß diese Frage mit zu wenig Wirklichkeitssinn behandelt werde. Abrüstung be­deute nicht nur Rüstungsherabsetzung, sondern nachbarliche Beziehungen zwischen den Staaten. Das deutsch-polnische Abkom­men sei eine große Sache für die Welt, aller­dings immer unter der Bedingung, daß es von den früheren Verpflichtungen nichts wegnehme, sondern ihnen etwas hinzufüge. Er wäre jedoch viel be­friedigender gewesen, wenn Deutschland sich be­mühte, dasselbe mit Oesterreich zu tun, was es mit Polen getan habe.

Mit den Zugeständnissen an Deutschland sei man bereits ziemlich weit gegangen. Die Zeit sei gekommen, wo man ganz klar andeuten müsse, daß es Grenzen gebe. Chamberlain glaubte dann den Sah Sir John Simons als gefährlich" (!) bezeichnen zu sollen, daß die deutschen Gleichberechtigungsfor- derungen nicht verweigert werden können. Er wünsche vor Abschluß der Debatte eine Erklärung dieses Satzes. Er forderte, daß Simon jede etwa dahingehende Auslegung seiner Worte, daß er die deutsche Gleich­heit zur See angenommen habe oder an­nehmen wolle, zurückweise. Er hatte es für seine wichtig, daß Deutschland in dieser Ange­legenheit keinem Mißverständnis unterliege. Ls sei sehr wichtig für den Frieden, daß der Cha­rakter der entmilitarisierten Zone aufrecht erhalten bleibe.

hier griff der Außenminister ein und er­klärte, es sei nicht in den Absichten der Regie­rung, was irgendeine Aenderung der Lage hin­sichtlich der entmilitarisierten Zone mit sich bringe. Wenn er die Bezeichnung- slungsgleichheit" benutzt habe, dann müsie das irrtümlicherweise geschehen sein. Die Bezeichnung, die er im Sinne hatte und die im Weißbuch benutzt sei, heißeGleichheit der Rechte in der Angelegenheit der Rüstungen". Er beabsichtige nicht, darüber hinauszugehen. Die Seerüstungen sind in § 17 des Weißbuchs als ein vollständig getrennter Gegenstand und als Gegenstand für völlig getrennte Ver­handlungen dargestellt.

Chamberlain erwiderte daraus, daß die Erklärung Simons seiner Ansicht nach große Folgen habe. Er halte die im Weißbuch von England aufgestellte Forderung, Deutschland solle in den Völkerbund zu­rückkehren, für sehr bedeutsam. Nach seiner Mei­nung sollte England ein Abrüstungsabkommen nicht unterzeichnen, wenn Deutschland diese Forderung nicht erfüllen wolle.

Der Lord^rotzsieaelbewabrer Cden erklärte zum Abschluß der Aussprache über die öster­reichische Frage, Oesterreich sei im Begriff, sei­nen Streit mit Deutschland dem Völkerbund vorzulegen. Es gebe nichts, was die englische Re­gierung veranlassen könnte, sich in die inneren An­gelegenheiten eines anderen Landes einzumischen, aber auch Oesterreich habe das Recht, welches Eng­land voll anerkenne, zu verlangen, daß keine Ein­mischung in seine inneren Angelegenheiten durch irgendein anderes Land stattfinden solle. Augen­blicklich wisse die englische Regierung noch nicht, wie die Beweise beschaffen sein würden, auf die die österreichische Regierung ihre Klage gegen Deutsch­land stützen wolle.

Auf die Frage eines Sozialisten, ob die eng­lische Regierung bereit sei, auf b en deut­schen Stand abzurüsten, wenn andere Regierungen dazu bereit wären, erwiderte Eden, die Politik des englischen Vereinbarungs­entwurfes gehe in gewisser Hinsicht auf den deutschen Stand herab. Denn aber der Frage­steller meine, ob die ennlische Regierung dafür sei, die englische Flotte morgen zu versenken, dann laute die Antwort: Rein!

Die englische Regierung habe es stets klargemacht, daß sie eine achtmonatige Dienstzeit für die Armee mit allgemeiner Dienst- pflicht vorziebe. Aber angesichts der Stellung­nahme anderer Mächte sage die englische Denkschrift nur, daß, wenn ein Abkommen über eine zwölf­monatige Dienstzeit erreicht werde, Eng­land zustimmen würde. Die Rückkehr Deutschlands in den Völkerbund habe nicht nur die englische Re­gierung gefordert, sondern auch Mussolini, der ge­sagt habe, das grundlegende Gegenstück zu der An­nahme der deutschen Forderungen würde ein Ver­sprechen Deutschlands sein, nach Genf zurückzu­kehren. Die englische Regierung sei in voller Ueber- einstimmunq mit der italienischen.

Denn die englischen Vorschläge angenommen würden, könnte kein Land seine Rüstungen stark erhöhen. Aber manche würden in der Lage fein, sie stark herabzusehen. Es würde kein R ü - ftungswettreuoeu geben. Die Staaten

Vertrauensvotum für das Kabinett

Paris, 6. Febr. (DNB.) Die Vorstellung der französischen Regierung vor der Kammer vollzog sich am Dienstagnachmittag unter stark nervöser Spannung. Als die Regierung den Sitzungssaal be­trat, wurde sie auf der Linken mit Beifall, auf der Rechten mit lärmenden Zwischenrufen empfangen. Ministerpräsident D a l a d i e r betrat sofort die Tribüne und verlas die Regierungser­klärung. hierbei wurde er häufig durch Zwischen­rufe von rechts unterbrochen, während die Linke mit anhaltendem Beifall antwortete. In dem lär­menden Durcheinander, das Daladier häufig zwang, mit dem Verlesen einzuhalten, kam es schließlich zu einem erregten Wortwechsel zwischen So­zialisten und Kommunisten, der in Tätlichkeiten aus­zuarten drohte. In dem unerhörten Lärm konnte niemand sein eigenes Wort verstehen. Einige Ab­geordnete schrien:Es lebe Chiappe!", während die Sozialisten und Kommunisten die Verhaftung des bisherigen Polizeipräfekten forderten.

Rufe wieEs lebe Sowjetrußland" wurden laut, mit Pultdeckeln wurde geklatscht, und in dem lau­ten Geheul und Gepfeife mußte der Kammerpräsi­dent die Sitzung unterbrechen noch ehe der Minister­präsident die Verlesung seiner Erklärung beendet hatte. Nach Wiederaufnahme der Sitzung konnte Daladier die Regierungserklärung beenden. Die Erklärung wurde auf der Linken mit Beifall und auf der Rechten durch nicht endende Zwischenrufe ausgenommen.

Oie Regierungserklärung besagte u. a.:

(Seit einem Monat hat der Skandal, der aus einigen individuellen Schwächen entstanden ist, die Arbeit der Kammer gelähmt, die Parteien flegeneinianber gestellt, das Land demora­lisiert. Wir kommen aus dieser Atmosphäre, in der man nicht atmen kann, nur heraus, wenn wir mit Mut und (Energie volle Klarheit schaffen. Ab­gesehen von den Fehlern, die restlos bestraft wer­den müssen, hat die Regierung in gewissen öffent­lichen Verwaltungen eine Lockerung der Wach­samkeit und ein nachlassendes Verant­wortungsgefühl festgestellt, die eine Erneue­rung der Beamtenschaft erforderlich machen. Sie wer­den uns sagen, ob wir richtig gehandelt haben, in dem wir hie Autorität des republikani­schen Staates wiederher stellten und es ablehnten, sie zugunsten unverantwortlicher Verwal­tungen auseinanderfallen zu lassen.

Während der Untersuchungsausschuß, der sich aus Vertretern aller Parteien zusammensetzt, für die Herstellung der ganzen Wahrheit Sorge tragen wird, muß in den Parlamenten b i e gesetzgebenbe Arbeit lieber ausgenommen werben, die durch die Parteileidenschaften gehindert wurde, die aber für das Leben des Landes unentbehrlich ist.

Gegenüber dem unruhigen und zwiespältigen Europa bestätigen wir aufs neue den Friedens- und Sicherheitswillen Frankreichs, dessen gesamte Politik sich in folgende zwei Begriffe zusammenfassen läßt: Internationale Zu­sammenarbeit und nationale Vertei­digung, Treue gegenüber dem Völkerbund und unseren erprobten Freundschaften. In dem Bewußt­sein, daß Frankreich einen allzu eindeutigen Beweis seines Friedensstrebens lieferte, als daß es etwas von dem klaren Urteil der Völker zu fürchten hätte, werden wir weder aus Blindheit, noch aus Schwäche die Verantwortung dafür übernehmen, unser Land zusammen mit ganz Europa in neue Katastrophen gleiten zu lassen. Der Fried ist ein Ideal. Es genügt nicht, dieses Ideal nur zu wünschen, sondern man muß es in ehrlicher Arbeit verwirklichen. In schwierigen Zeiten haben unsere großen Vorfahren die Energie besessen, die demokra­tischen Methoden aufrecht zu erhalten. Heute müssen die vereinigten Republikaner ihrem Beispiel folgen, wenn sie das Gedeihen eines der wenigen freiheit­lich regierten Länder, die noch in der Welt übrig,

geblieben sind, sichern wollen. An Ihre Einigkeit appellieren wir im Interesse des Vaterlandes." Giurmszeueu in der Kammer. Daladier sagt der Straße den Kampf an.

Nach Verlesung der Regierungserklärung gab der Kammerpräsident die Liste der Interpellatio­nen bekannt. Der Ministerpräsident erklärte sich mit der sofortigen Behandlung der Anfragen Dom- manges, Ä)barneaarays und Franklin-Bouillons, sowie denen der Kommunistengruppe einverstanden und forderte die Vertagung aller anderen Anfra­gen. Zu diesem Antrag stellte Daladier die Ver­trauensfrage. Die Abstimmung ergab 300 gegen 217 Stimmen für die 9tegienr g. Nach den Reden einiger Abgeordneter betonte

Ministerpräsident Daladier seinen festen Entschluß, das Regime gegenüber den Kundgebungen zu schützen. Er zweifelte daran, daß diese Kundgebungen gewisser ehemaliger Kriegsteil­nehmer wirklich dem Wunsch derer entsprächen, die den Krieg mitgemacht hätten. Es seien von den Verhafteten die meisten er ft nach 1900 geboren.Ich will nicht", fo rief Daladier aus, daß in Frankreich eine vierte Macht in Form von Straßenkundgebungen aufkommt." Schließlich schlug er eine kurze Unter­brechung der Sitzung vor, damit sich die Fraktionen über ihre Redner schlüssig werden könnten. Schon dieser Vorschlag löste heftigen Lärm aus, so daß der Präsident, nur mit Mühe die Ordnung wieder herstellen konnte.

Als dann der Abg. Henri haye auf seinen An­trag auf namentliche Abstimmung über die Zulassung seiner Interpellation bestand, Dala­dier aber daraufhin zur Vermeidung unnötigen Zeitverlustes beantragte, die Behandlung sämt­licher Interpellationen zu vertagen, erhob sich ein in der französischen Kammer kaum je dagewesener Sturm. Sprechchöre, Pult­konzerte, heulen und Schreien durchtobten mi­nutenlang den Saal. Währenddessen bestieg T a r d i e u, vom wütenden Geheul der Linken begrüßt, die Tribüne. Die Rechte sprang auf und klatschte ihm Beifall, doch kam Tardleu nicht zu Wort. Ein ganz unbeschreiblicher Krach setzte ein. Die Kommunisten stimmten die Internationale an, andere sangen die Marseil­laise. Schließlich blieb dem Präsidenten nichts anderes übrig, als die Sitzung wieder z u vertagen. Rach kurzer Pause wurde die Sitzung wieder fortgesetzt. Tardleu protestierte cr"n die vom Ministerpräsidenten beantragte Vertagung sämtlicher Interpellationen, konnte sich aber kaum Gehör verschaffen, da er von links wiederholt unterbrochen wurde.

Während eine reguläre Schlacht wenige hundert Meter von der Kammer im Gange war, wurde die Sitzung in höchster Erregung fortgesetzt. L6on Blum erklärte im Namen feiner Fraktion, daß er für die Vertagung gemäß Antrag stimmen würde. Zur Rechten gewandt, betonte er, daß es mehr ein Kampf- als ein Vertrauensvotum fei. Die Worte Blums find im allgemeinen Lärm kaum zu ver­nehmen. Während Franklin-Bouillon feine Stellungnahme zur Abstimmung entwickelt, entsteht wieder ein unbeschreibliches Getöse. Don rechts wer­den Rufe laut:Daladier, haben Sie Befehl erteilt zum Schießen?" Unter dem allge­meinen Durcheinander wird die Sitzung wieder un­terbrochen und schließlich um 20.30 Uhr mit der Abstimmung über die Zurück st ellung aller Interpellationen, für die die Regierung die Vertrauensfrage gestellt hatte, abgeschlossen. Ein dahingehender Antrag wurde mit 3 6 0 gegen 220 Stimmen angenommen.

3« elfter Stunde.

Simon und Cden begründen die Zweckmäßigkeit der englischen Abrüstungs- denkschrist vor dem Unterhaus.

London, 6. Febr. (DNB.) Das Unterhaus war am Dienstag in Erwartung der großen Debatte über die Abrüstungsfrage bis auf den letzten Platz gefüllt. In der Diplomatenloge drängten sich die Vertreter der auswärtigen Missionen: u. a. bemerkte man den deutschen Botschafter von H o e s ch.

Der Staatssekretär des Aeußeren, Sir John Simon,

erinnerte gleich daran, daß er in der Debatte vom 21. Dezember nicht in der Lage war, eine Erklärung abzuaeben, weil damals Verhandlungen mit ande­ren Ländern im Gange waren. Er betonte, daß sich die Lage jetztverändert und entwickelt hat", und daß daher eine Prüfung der Lage möglich und zweckdienlich sei. Der Zeittaum vertraulichen, zweiseitigen Meinungsaustausches sei zweckdienlich gewesen, aber es scheine der britischen Regierung, als ob diese Methode Gefahr laufe, nutzlos zu werden. Obgleich ernste Meinungsverschieden­heiten weiterhin beständen, habe eine genügend große Annäherung ftattgefunben, um eine neue Belebung durch eine Aktion der britischen Regierung zu rechtfertigen. Dies sei der Grund für die Veröffentlichung des britischen Weißbuches. Die (Erörterungen der letzten Zeit, fuhr Sir John Si­mon fort, haben klar und eindeutig zum Ausdruck gebracht, daß der Schlüssel für eine A b - r ü ft ungsoereinbarung wenigstens so­weit Westeuropa in Betracht kommt in einer Uebereinfunft zwischen Deutschland und Frankreich liegt.

Simon stellte fest,daß man sich Deutschlands Anspruch auf Gleichberechtigung der Rüstungen nicht widersetzen kann und darf, weil wenig Wahrscheinlichkeit auf Frieden in der Welt besteht, wenn man versucht, ein gro­ßes Land und eine große Rasse unter eine min­derwertige Jurisdiktion zu sehen".

Diese Frage müsse in dem neuen Abkommen ent­halten sein. Desgleichen könne keine Lösung gefunden werden auf einer Grundlage, daß alle Nationen in der ganzen Welt sofort alleWaf- fen a u f g e b e n , die Deutschland unter dem Ver­trag von Versailles vorenthalten seien. Das eng­lische Weißbuch entspringe dem Geist des Realis­mus. Die Zeit arbeitet gegen die Freunde der Ab­rüstung. Tapfere Worte seien vielleicht anspornen­der, aber weniger nutzbringend. Der britische Plan sei ein Versuch, eine Grundlage für eine Verein­barung zu bieten. Der Lordsiegelbewahrer Eden werde möglichst bald Paris, Rom und Berlin be­suchen, um den britischen Standpunkt darzulegen und die Ansichten der Regierungen über das britische Schriftstück in Erfahrung zu bringen.

3ebcs neue Abkommen müsse ein gewisses Wiederaufrüsten Deutschlands ins Auge fassen, aber die britische Regierung würde mit Widerstreben eine Regelung in Betracht liehen, die Gleichberechtigung ohne irgend­welche Abrüstung in irgendeinem Teile

der Welt vorsehe.

Großbritannien gehe keine neue Bindung ein, mem jedoch sein Aeußerstes tun, um alle Ver- !riUn9!n. 9e*reu 3U erfüllen, die es eingegangen ift. Großbritannien ist entschlossen, alles zu tun, mas möglich ist, um trotz aller Schwierigkeiten mternationale Verhandlungen über die Abrüstung zustandezubringen, und in jeder Weise das Friedens- gefuge der Welt zu stärken und so uns selbst und andere von den Gefahren und Lasten zu befreien, öie auf einen schließlichen Mißerfolg folgen würden. Oer Führer der Oppositions-Liberalen

Sir Herbert Samuel

erklärte, die britischen Vorschläge erzeugten keinerlei Begeisterung auf irgendeiner Seite. Aber ein Ab­kommen in Richtung der britischen Denkschrift würde

würden ihre eigenen Verpflichtungen und Pro­gramme und diejenigen ihrer Rachbarn auf die Dauer von zehn Jahren kennen. Regulie­rung würde an die Stelle der Rivalität und Begrenzung an die Stelle des laissezfaire treten. Dies würden beträchtliche Gewinne fein, und das Reinergebnis würde ein beträchtliches

Maß an Abrüstung fein.

Wenn die Staaten der Welt die englischen Vorschläge oder etwas sehr Aehnliches nicht annähmen, dann würde es zu keiner Abrüstungsvereinbarung kommen. Die englische Regierung fordere die Re­gierungen auf, diese Vorschläge mit g e r i n g ft möglicher Verzögerung anzunehmen, und zwar nicht, weil diese oder jene Regierung als Ergebnis einige kleine Vorteile erhalten würde, sondern weil durch ihre Annahme und nur durch ihre Annahme in dieser elften Stunde die Welt die größte Wohltat der Staatskunst ernten würde, nämlich größeres Vertrauen zwischen den Völkern. Die Aussprache wurde dann ohne Ab­stimmung geschlossen.

Oie deutsch-polnische Verständigung.

Das Echo im Warschauer Sejm.

Warschau, 6. Febr. (DNB.) Im Sejm kam das deutsch-polnische Abkommen zur Debatte. Als Vertreter der nationaldemokratischen Opposition nahm Abg. Stronski in längeren Ausführungen hierzu durchaus zustimmend Stellung. Er erklärte, feine Partei erblicke in dem Inhalt des Abkommens mit Deutschland keinerlei Gefahren. Wenn der Reichskanzler erklärt habe, es werde im Lauf von zehn Jahren keinerlei Gewalt angewendet werden, fo habe dies fein Gewicht. Der Redner begrüßte ferner die Verständigung zwischen Dan­zig und Polen. Mit besonderer Befriedigung hob er auch die Annäherung an Sowjet­rußland hervor. Polen dürfe nicht zulassen, daß sich in Frankreich und den Staaten der Kleinen (Entente die Meinung verstärke, Polen schenke Bünd­nissen und guten Beziehungen zu den befreundeten Staaten keine Beachtung mehr. Schließlich stellte Stronski noch einmal fest, daß der Vertrag mit Deutschland recht nützlich sei. Er enthalte nicht böse, sondern vielmehr gute Dinge.

Der sozialistische Redner äußerte sich zum deutsch-polnischen Abkommen ablehnend. Eine Annäherung an Sowjetrußland sei wünschenswert. Der Vorsitzende der deutschen Sejm­fraktion F r a n z - Kattowitz begrüßte das deutsch- polnische Abkommen und wies darauf hin, daß sich die deutsche Minderheit in Polen in allen ihren Teilen dem polnischen Staat gegenüber durchaus loyal verhalte. Der Redner brachte eine Reihe von Beschwerden der deutschen Minderheit, namentlich in Oberschlesien, vor. Der ukrainische Vertreter S e - wicki stellte eine Verschlechterung der Lage des ukrainischen Volkes in Polen, ganz besonders aber in der Sowjetukraine, fest, wo sich eine ungeheure Hungersnot ausbreite. Alle Oppositionsredner brachten in ihren Reden formale Bedenken gegen die neue Staatsverfassung zum Ausdruck.

Cin Staatskommiffar für die Oanziger Stadlbürgerschaff.

Danzig, 6. Febr. (DNB.) Da die Danziger Stadtbürgerfchaft nicht aus Mitgliedern zusammen­gesetzt ist, die die Durchführung der zur Behebung der Not von Volk und Staat in der Stadt Danzig erforderlichen Maßnahmen gewährleisten, hat der Senat zur Hebung dieses politischen Notstandes den Stadtoerordnetenvorsteher Pg.Hans Eggert zum S t a a t s k o m m i s s a r für die Stadtbürgerschaft eingesetzt. Der Staatskommissar hat die Aufgabe, an Stelle der Stadtbürgerschaft die die­ser obliegenden Beschlüsse zu fassen. Durch die Einsetzung des Staatskommissars wird ein s ch n e l- les und reibungsloses Arbeiten der Verwaltung der Stadt Danzig, frei von parlamentarischen Auswüchsen, im nationalsoziali­stischen Sinne, an dem es bisher häufig gefehlt hat, gewährleistet.

Bulgarien bleibt dem Battan­pakt fern.

Sofia, 6. Febr. (DNB.) (Bulgarische Telegra­phenagentur) Der südslawische Außenminister setzte am Sonntag spät abends den bulgarischen Gesand­ten in Belgrad von der Paraphierung des Paktes der Balkanoerständigung in Kenntnis. Er teilte ihm bei dieser Gelegenheit mit, daß die Unterzeichnung des Paktes in einigen Tagen in Athen ftattfinben werde, wo der bulgari­sche Gesandte in Griechenland den Wortlaut des Paktes erhalten werde. Entsprechende Mttteilungen wurden dem bulgarischen Gesandten in Belgrad von den Belgrader Gesandten Rumäniens, Griechenlands und der Türkei gemacht.

Hierzu wird von zuständiger bulgarischer Seite mitgeteilt: Von Anfang an nahm Bulgarien den Standpunkt ein, daß ein Nichtangriffspakt im Rahmen des Völkerbundes und ent­sprechend dem Geiste des Kelloggpaktes das best- geeignete Mittel zur Festigung des Friedens zwischen den Balkanvölkern darstelle. Die Nachbarn Bulgariens haben zu einer anderen M e - t h o d e ihre Zuflucht genommen. In bulgarischen politischen Kreisen ist man jedoch nach wie vor der Ansicht, daß der Standpunkt Bulgariens der zu- rieden st eilend st e war angesichts der Tat- ache, daß er dem Völkerbundspakt am meisten ent- pricht.

Kommunistische Ausschreitungen in Bulgarien.

Sofia, 6. Febr. (DNB.) Im Dorfe (Totema Ko- nare bei Philippopel kam es zu schweren kom­munistischen Ausschreitungen. Trotz polizeilichen Verbotes versuchten die Kommunisten, als unab­hängige Arbeiterpartei getarnt, eine Versammlung abzuhalten, auf der ein Philippopeler Rechtsanwalt sprechen sollte. Als die Polizei den Redner festneh­men und abführen wollte, stürzten sich einige 50 Kommunisten auf sie und entrissen ihr den Verhafteten, der dann aus dem Dorf eilte und eine staatsfeindliche Rede hielt. Als die Polizei erneut gegen die Versammlung vorging, wurde sie mit Steinwürfen empfangen. Die be­drängten Beamten mußten schließlich von der Schußwaffe Gebrauch machen. Als vier K o m - m uni st en von den Kugeln getroffen niederstürzten, brach eine furchtbare Panik aus, in der es dem Rechtsanwalt gelang, in einem Dauern­wagen versteckt, ckus dem Dorfe zu flüchten. Er konnte später dingfest gemacht werden.