NS.-Gemeinschaft„Krast durch^reude"
Hamburg-Seefahrt vom 8. bis 16. September.
Die Teilnehmer dieser Fahrt wollen den Preis von 53,— RM. sofort an uns einzahlen. Die Fahr, und Schiffskarten können Freitag abgeholt werden.
Oer Flieger.
Nicht das Streben nach Ruhm zeichnet ihn aus, sondern Kameradschaft und Treue, diese Mannestugenden, die die graue Front des Großen Krieges standhalten ließ gegen eine Welt von Feinden, bis Verrat zu tiefster Erniedrigung führte!
Still und unermüdlich seine Arbeit, echt in der Kameradentreue und Kameradschaft, die alles um- schließt und zusammenschweißtl Kameradschaft und
^D^Zliegen heißt siegen über
Örune Cotrjrr Zeiten und weiten!
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werde Mitglied im Deutschen Lustsvort.Verbandl
Kameradentreue zeichnen die Saat des Großen Krieges, den Kampf um Deutschlands Wiederauf- stehuna, sind die Wegweiser in Deutschlands Zukunft!
Flieäergeist ist nichts anderes als Kameradschaft und Kameradentreue in höchster Vollendung in allem Tun und handeln, früher wie heute und in alle Zukunft. Lern' diesen Geist begreifen, und Du wirst ermessen, was die Luftfahrt für Deines Volkes Dasein bedeutet!
hilf auch Du, deutsche Luftfahrt von Versailles zu befreien! Werde Mitglied im Deutschen Luft- sport'Verbandk
Anmeldungen bei: Flieger-Ortsgruppe Gießen sKreisamt), Fernruf 2951, 2952.
Nicht ohne Quartierkarte zum Neichsparteitog.
Das Gau-Organisationsamt teilt mit: Es wird ill wiederholten Malen darauf hingewiesen, daß grauen, die vom Gau Ovganisationsamt über ihre Kreise und Ortsgruppen keine Quartierkarten be- lommen haben, nicht nach Nürnberg fahren dürfen, is sei denn, daß ihnen in Nürnberg bereits schrift- sch Quartier durch Verwandte usw. zugesagt wurde, fcllen Frauen, die ohne Quartier sind, müssen die Rückreise unverzüglich antreten, da Nürnberg keine !^nterkunftsmöglichkeiten für Frauen mehr hat.
neuer Rechner der Gießener Kreiskaffe.
Wie im neuesten Amtsverkündigungsblatt be° Icanntgegeben wird, ist dem Kreiskasse-Oberbuch- solter Mank mit Wirkung vom 1.Juli 1934 ab lie Kreiskasse-Rechnerstelle übertragen worden.
Kreiskasserechner Mank ist damit an die Stelle !ss auf sein Nachsuchen aus Gesundheitsrücksichten 'n den Ruhestand versetzten Kreiskassedirektors Schäfer getreten. Die Dienstbezeichnung „Kreis- Inssedirektor" ist durch die Dienstbezeichnung „Kreis- lllsserechner" ersetzt worden. Kreiskassedirektor i. R. Schäfer war seit Anfang März 1929 als Nach- folger des verstorbenen Kreiskassedirektors K a u ß ri.it der Verwaltung der Kreiskasse Gießen beauflagt.
Mit ordentlichem Gebiß zum Arbeitsdienst.
Nack Mitteilung des Meldeamts für den Frei- riilligen Arbeitsdienst, Meldestelle Gießen, müssen häufig Bewerber für den Freiwilligen Arbeitsdienst rsegen des schlechten Zahnzustandes zunächst abge- rnesen werden. Dies bedeutet nicht nur für den ^ltaat durch Vornahme einer nochmaligen ärztlichen Versuchung Mehrkosten, sondern verursacht auch
Roman von Anny von panhuys.
^Ilrheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (6.)
!b Fortsetzung Nachdruck verboten!
'Er selbst nahm sich zusammen, damit man ihm irahts anmerken sollte. Doch ließ sich das nicht erzwingen. Er wenigstens konnte es nicht. Oft merk- l('i seine Schüler, daß seine Gedanken sich flüchtig amt von ihnen entfernten, denn er ließ Fehler d. rchgehen, die er niemals vorher hatte durchgehen le sen. Er ertappte sich manchmal selbst dabei, daß ei an die Symphonie dachte und alles um sich bnrum vergessen hatte, spottete dann heimlich über sitz.
Was wollte er denn eigentlich? Warum machte er sich immer nervöser? Das Ergebnis der Verlags- piüifung konnte noch Wochen, wenn nicht gar Mo- ntrte auf sich warten lassen Er kannte das ja hin- länglich, und wenn man schließlich übergenug ge- v-rtet und zwischen hangen und Bangen die Ner- Dn zerrieben, kehrte die Arbeit zurück ins Haus nri einem gedruckten Wisch oder ein paar höflich vkUhnenden Sätzen.
Ls war vier Uhr, und Suse Beßler trat zum Uräerricht in das ihr längst bekannte Zimmer. Sie bunte trotz aller Talentlosigkeit jetzt schon leidlich feöuflg einige Tonleitern spielen und zwei Volks- Ilevchen.
heute schien ihr Lehrer ziemlich zufrieden mit ihr, cfcr sie verwünschte die Stunde trotzdem. Jetzt hatte sie die Komödie doch bald satt.
Wenn sie geahnt hätte, daß ihr Ziel sich so lange bi > ausschieben würde, hätte sie es doch lieber Erich N irten überlassen, auf irgendeine Weise die Taler njseinen Besitz zu bringen. Schließlich saß sie nach '!7»m Vierteljahr noch hier und mußte auf dem vier herumstümpern
Sie merkte deutlich, wie unaufmerksam ihr Leh- ii jetzt war. Wer weiß, was der für Morgen hatte! (zr ging, während sie Fingerübungen machte, leise
15 rr den Teppich, trat ans Fenster, als hätte er sie Miessen, um sie unvermittelt anzufahren.
,Aber Fräulein Zolfmann, passen Sie doch ein eeiig auf, sonst kommen Sie niemals weiter!"
Qieder stand er am Fenster — sie hörte, wie er fe plötzlich öffnete, einen Gruß erwiderte und das er fier wieder schloß.
C ie klimperte weiter, bis er hinter ihr sagte: „Litte, hören Sie einen Augenblick auf. Entschul- am Sie, ich möchte gern einen wichtigen Brief lei, den ich eben erhalten habe"
Eie nahm die Finger von den Tasten und seufzte irilich. Ganz steife Finger hatte sie von der ver- ;i=n, erzwungenen Handhaltung
Reichs-Parteitag 1934 und Gießener SA.
Die Gießener $2L fährt am Samstag, 8. September, morgens 5 Uhr (Antreten 4 Uhr auf dem Jnnenhof des Standartengebäudes), mit dem Sonderzug Nr. 1816 und trifft um 12.53 Uhr in Nürnberg (Bahnhof Duhenteich) ein. Von dort wird in das Zeltlager Langwaffer (Nähe des Duhenteichs) marschiert und in den Zelten 3 und 4 Quartier bezogen.
Die Rückfahrt erfolgt am Mittwoch, 12. September, vormittags 11.04 Uhr ab
Nürnberg mit Sonderzug 1816. Die Nürnbergfahrer treffen am Mittwoch, 12. September, abends 17.57 Uhr, wieder auf dem Bahnhof Gießen ein, von wo aus sie mit Musik zum Slandartengebäude geleitet werden.
Während des Aufmarsches in Nürnberg am Sonntag, 9. September, marschiert die Gießener SA. in der Marschgruppe A an vierter Stelle.
Neuordnung der evangelischen Kirchenchöre.
ELP. Am 24. Juni haben sich die ehemaligen Kirchenchorverbände Hessen-Darmstadt, Nassau und Frankfurt a. M. zu einem „Landesverband Nassau-Hessen" zusammengeschlossen. Der neue Landesverband ist in gleicher Weise dem Landesbischof, wie dem vom Herrn Reichsbisckof bestätigten Reicks- obmann der evangelischen Kircyenchöre Deutschlanos, Oberlandeskirchenrat D. Mahrenholz- Hannover, unterstellt. Zu seinem dauernden Stellvertreter in der Führung oer Geschäfte des Landesobmannes der Kirchenchöre in Nassau-Hessen hat der Landes- bischof Lic. Dr. Dietrich den Pfarrer Dr. Michel- Wiesbaden ernannt. Die kirchenregimentliche Aufsicht über das Kirchenchorwesen hat er dem Oberlandeskirchenrat Olff übertragen.
Der Landesverband gliedert sich in fünf Propsteiverbände: Propsteiobmann für Nassau ist zunächst Prof. v. Schlosser-Herborn, dessen dauernder Stellvertreter ist Pfarrer Fries-Wiesbaden, Propsteiobmann für Frankfurt a. M. ist Amtsbaurat Keller Frankfurt a. M.-Oberrad, für Rheinhessen Propst Colin-Mainz, Stellvertreter Pfarrer Job-Mainz, für Starkenburg Pfarrer Jrle- Darmstadt, Stellvertreter Pfarrer Knodt-Ober-Klin- gen, für Oberhefsen Propst Knodt- Gießen,
Stellvertreter Dekan Widmann- Schotten. Lan- desoerbandschormeister ist Studienrat B o r n g ä s - s e r - Darmstadt, Stellvertreter ist Dr. Holle- Frankfurt a. M. Auf Grund des Reichsgesetzes betr. Reicksmusikkammer ist es allen nicht angeschlossenen Kirchenchören verboten, sich irgendwie zu betätigen.
Die letzte Verantwortung für die Tätigkeit des Chores trägt der Pfarrer. Neben ihm stehen in der Führung des Chores der Chorleiter und ein Vertrauensmann der Chorsängerschaft. Diese vereinbaren unter sich, wer von ihnen die Geschäfte des Chores verantwortlich zu führen hat. Jeder Chorleiter ist verpflichtet, innerhalb von 2 Jahren an mindestens einer Chorleiterschulungswoche teilzunehmen.
Mit dieser Neuregelung find alle Chöre ihres etwaigen seitherigen Vereinscharakters entkleidet und zu kirchlichen, gottesdienstlichen Organen er- hoben worden. Die Chorleiter (Dirigenten) find nun nicht mehr „Vereinsangestellte", sondern Träger eines kirchlichen Amtes und unterstehen der kirchlichen Disziplin und Lehrzucht. Sie sind von den Kirchenvorständen zu berufen und vom Propsteiob- mann zu bestätigen.
den sich meldenden Personen unnötige Ausgaben und Zeitverlust. Es wird daher empfoylen, daß Personen, die die Absicht haben, sich für den Freiwilligen Arbeitsdienst zu melden, zuvor sich die Zähne in Ordnung bringen lassen.
Neuordnung im Evangelischen Bund.
ELP. Die seitherigen Hauptvereine des Evangelischen Bundes, Hessen und Wiesbaden-Frankfurt, haben beschlossen, einen neuen Hauptverein mit der Bezeichnung Hessen-Nassau zu bilden. Die beiden sich vereinigenden Hauptoereine haben übereinstimmend Pfarrer Dr. B e r g € r (Darmstadt) zum Bundesführer des neuen Hauptoereins ernannt.
Aus der evangelischen Liebestätigkeit.
ELP. Der Vorstand der Kinderheilan- ftalt „Elifabethhaus" in Bad-Nau- Heim hielt dieser Tage seine Jahresversammlung ab Der Vorsitzende des Vorstandes, Pfarrer Knodt (Bad-Nauheim), erstattete den Jahresbericht für 1933. Daraus fei folgendes hervorgehoben: Obwohl die Zahl der Kinder im vorigen Jahr zurückgegangen ist, konnten doch immerhin 627 Kinder an 25 866 Verpflegungstagen in der Anstalt versorgt werden. Der Preis für die einzelnen Kuren wurde wieder herabgesetzt, die Zahl der Freibetten erhöht. So durfte das Haus, eine Anstalt der Inneren Mission, in hervorragendem Maße feinen Beitrag zur Linderung der Nöte unseres Volkes geben.
Nach dem Bericht des Anstaltsarztes, Sanitätsrats Dr. Heß, wurden in 1933 insgesamt 7781 Bäder abgegeben, 1442 Bestrahlungen mit Höhensonne vorgenommen und 474 Inhalationen verabreicht. Die meisten der aufgenommenen Kinder konnten gut erholt nach Hause zurückkehren. Aus
Sie wandte sich um, ein ganz eigentümlicher Laut war an ihr Ohr gedrungen. Sie machte große Augen. Was war denn mit Olden nur los? Der fah ja mehr als befremdend aus. Er hielt einen offenen, großformatigen Briefbogen in den Händen und starrte darauf hin, als läse er etwas ganz Besonderes Um seinen Mund lag ein Lächeln, als ob er einen Haupttreffer in der Lotterie gemacht hätte, und feine Augen zwinkerten fo eigentümlich, als wollte er meinen.
Er fühlte ihren scharfen, hellen Blick und begegnete ihm etwas verwirrt.
„Fräulein Zolfmann, gestatten Sie, daß ich für ein paar Minuten zu meiner Frau gehe!" bat er. „3d) muß ihr eine sehr wichtige Mitteilung machen, die mir der Briefträger eben gebracht hat." Fast übermütig setzte er hinzu: „Ich muß meiner Frau diesen Brief vorlesen, es ist ein so erfreulicher Brief. Heben Sie derweil allein!"
Weg war er. Wie ein vergnügter Junge war er aus dem Zimmer gelaufen
Suse Beßler dachte flüchtig, während sie auf die sich hinter dem Manne schließende Tür schaute: Dem mußte ja wirklich ein ganz besonders guter Brief ins Haus geflogen fein! Aber gleichzeitig durchzuckte sie der Gedanke: Jetzt war es soweit, jetzt war der Augenblick da, auf den sie schon seit ein paar Wochen gewartet hatte! Sie sprang auf, lauschte an der Tür und zog den Schreibtischkasten auf.
Sie hatte Glück. Alle fünf Taler waren da, nicht einmal eine der Broschen fehlte Schon hatte sie alle Taler in ihr Taschentuch gewickelt — und nun brachte sie das kleine Päckchen in eine von außen unsichtbare Tasche ihres Rockes unter, die sie eigens zu dem Zweck angebracht hatte, seit sie wußte, sie mußte eines Tages die Taler hier entwenden und aus dem Hause tragen
Schnell schob sie den Kasten wieder fest zu und nahm am Klavier Platz, quälte sich mit Fingerübungen ab
In der Küche bei Frau und Tochter aber stand Werner Olden und las den beiden vor, was der Verlag geschrieben hatte.
Da stand:
„Sehr verehrter Herr Olden!
Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, daß Ihre Symphonie: .Die wilde Jagd', unser ganz besonderes Interesse erweckte — kurz gesagt: uns außerordentlich gefallen hat. Wir beabsichtigen, das Werk gelegentlich eines Herbstkonzertes hier in Mainz zur Aufführung zu bringen, und haben uns mit Vorlage Ihres Werkes bereits mit dem Dirigenten des Beethoven-Orchesters, Herrn von Eberbach, in Verbindung gefetzt, der von Ihrer Arbeit begeistert tft.
Wir erhoffen einen vollen Erfolg, und es wäre uns sehr angenehm, wenn Sie uns sobald wie möglich besuchen würden, damit wir einen Vor
dem ärztlichen Bericht ging wieder hervor, daß neben den rachitischen, blutarmen, unterernährten und nervösen Kindern in zunehmendem Maße Herzkranke dem Elifabethhaus überwiesen werden. Es wurde ferner mitgeteilt, daß im Winter im Dienst der Winterhilfe täglich bis zu 50 Personen im Haus verpflegt wurden.
Im Anschluß an die Vorstandsfitzung wurde eine Besichtigung des Hauses vorgenommen, wobei mit besonderem Interesse die im letzten Jahre vorgenommenen baulichen Veränderungen und Herstellungen in Augenschein genommen wurden. Das Jahr 1933 war insofern ein bewegtes Jahr auch für diese Anstalt, als in ihm die Umstellung der Fürsorge auf den neuen Staat vor sich ging. Es ist Grund zu berechtigter Hoffnung, daß im laufenden Jahr die Zahl der Kuren die des Vorjahres wesentlich übersteigen wird.
Die berufliche Vertretung der ehemaligen Berufssoldaten.
Das Heeresverordnungsblatt Nr. 23 vom 21. August 1934 enthält eine Vereinbarung zwischen dem Organisationsamt der Deutschen Arbeitsfront und dem Führer des Reichstreubundes ehemaliger Berufssoldaten, die besagt, daß der Reichstreubund für alle aus der neuen Wehrmacht entlassenen Berufssoldaten, soweit diese Versorgungsanwärter sind, die allein zuständige berufliche Vertretung darstellt, gleichgültig, ob und in welchen Betrieben sie beschäftigt werden. Dasselbe gilt für diejenigen abgefundenen Versorgungsanwärter, die noch keine Beschäftigung gefunden haben. Diejenigen abgefundenen Versorgungsanwärter, die inzwischen eine Beschäftigung im öffentlichen oder privaten Dienst 1 gefunden haben, finden ihre berufliche Vertretung
vertrag aufsetzen können, der nach dem Konzert in einen endgültigen Vertrag umgewandelt werden soll.
Wir sehen mit Vergnügen Ihrem Besuch entgegen."
Werner Olden schwenkte das Blatt hin und her.
,Lst das nicht zum Verrücktwerden schön?"
Seine Frau nickte stumm. Sie vermochte jetzt nicht zu sprechen, die große Freude saß ihr wie ein Würgen im Halse. Sie wußte, wenn sie jetzt zu reden versucht hätte, wäre nur lautes Schluchzen aus ihrer Kehle gekommen.
,Donata streckte dem Vater die Hand hin.
„Herzlichen Glückwunsch, Vater!"
Es klang warm, aber Werner Olden schien der Glückwunsch der Tochter nicht warm genug. In ihm war ein Durcheinander von Freude und Glück, daß ihm Donatas Worte nur matt ins Ohr glitten.
Er sah sie an.
„Kommt der Glückwunsch von Herzen?"
Sie erwiderte seinen Blick groß und offen.
„Ich muß mich doch freuen, Vater! Ich weiß doch, was die Nachricht für dich bedeutet. Kann denn einer das besser wissen als Mutter und ich? Ich freue mich unsagbar!"
Er warf den Brief auf den Küchentisch.
„Mädel, zwischen uns steht eine Scheidewand, seit letzthin, seit dem vertrackten Abend, wo ich — na, offen heraus: wo ich mich gar nicht wie ein richtiger, guter Vater aufführte. Die Dörner hatte mir Gift eingespritzt, das wirkte zu stark. Lachen könnte ich heute darüber"
Er bat:
„Gib mir die Hand, Mädel, ich habe mich sehr klein benommen. Wie klein, das empfinde ich jetzt voll und ganz, nachdem das überwältigend Große zu mir gekommen ist Sei gut, Mädel, und wenn dein Herz wirklich ganz stark an dem Manne da drüben in Sachsenhausen hängt, dann bringe ihn her, Mutter und ich wollen ihn kennenlernen."
Da schlang Donata die Arme um den Hals des Vaters, und die unsichtbare und doch merkbare Scheidewand zwischen ihnen schwand, als wäre sie niemals dagewesen.
Es war sehr still in der ziemlich großen Wohnküche, in der man auch die Mahlzeiten ein^unehmen pflegte, und in die Stille klang es hinein:
Ueb immer Treu und Redlichkeit bis an dein kühles Grab, und weiche keinen Finger breit von Gottes Wegen ab.
Mit beiden Händen die gleichen Töne auf zwei nebeneinanderliegenden Oktaven klimperte Suse Beßler, kindlich unfertig, die Melodie aus der Klavierschule herunter
Werner Olden lachte laut auf.
„Habe ja ganz vergessen, daß meine Unterrichtsstunde noch nicht zu Ende ist. Zum Glück kommt nach der Zolfmann heute niemand mehr. Da braust
in den ihren Berufen entsprechenden Organisationen der Deutschen Arbeitsfront. Für diese im Arbeitsverhältnis stehenden abgefundenen Versorgungsanwärter ist der Reichstreubund ebenso wie für alle übrigen ehemaligen Berufssoldaten die vom Herrn Reichswehrminister allein zugelassene kameradschaftliche Organisation ehemaliger Angehöriger der neuen Wehrmacht, der die Aufgabe gestellt ist, Wehrwillen, Soldatenkameradschaft und Truppenteilüberlieferung zu pflegen.
Vogelschutz beginnt im Herbst.
Vogelschutz dient nicht nur der Erhaltung eines schönen Naturbildes, nicht nur der Freude am Gesang unserer Vogel, sondern hat auch einen durchaus wirtschaftlichen Nutzen. Wenn z. B. ein Meisenpaar — nach den Berechnungen der Biologischen Reichsanstalt — im Laufe eines Jahres 1% Zentner Insekten vertilgt, so sehen wir schon daraus die Bedeutung unserer Vögel bei der Schädlingsbekämpfung Im Herbst, wenn nur noch die winterharten Vögel in unserem Lande geblieben sind, darunter die Meisen, haben wir dafür zu sorgen, daß sie auch durch den Winter kommen. Das Wichtigste ist, daß wir schon jetzt Nistkästen, Nisthöhlen und andere Hilfsmittel bereitstellen Vor allen Dingen find aus den Nistkästen, die im Sommer bewohnt waren, die alten Geniste zu entfernen, weil sie stark mit Ungeziefer durchsetzt sind. Dann sind die richtigen Füttergeräte an Bäumen, aber auch an den Fenstern anzubringen. Die insektenfressenden Klein- vögel können höchstens einen Tag ohne Nahrung leben. Bei Schneefällen kann also das Verhängnis sehr leicht über sie hereinbrechen. Es ist dann durchaus falsch, einfach Brotkrumen oder anderes Futter auf die Fensterbretter zu streuen, wo es vom Winde verweht ober vom Schnee zugedeckt wird. Hier sind also Futterglocken auszuhängen und Futterhölzer (vor allem für Meisen) mit Hanfsamen und Rindertalg auszugießen. Man sollte die Kinder in dieses wohltätige Werk einspannen. Gerade sie gewinnen am schnellsten Freude an der Sorge für die Vögel. Aber auch schon jetzt muß die Arbeit für die Bereitstellung guten Singvogelfutters beginnen: Beeren und Sonnenblumenkerne sollten jetzt gesammelt und trocken aufbewahrt werden, damit sie sich ohne 3U schimmeln in den Winter hinein halten und dann ausgestreut werden können.
Angriffsgeist und Leistungswille der deutschen Angestellten.
Man schreibt uns: Als vor wenigen Wochen die Reichsführung der deutschen Angestelltenschaft ihren Mitarbeitern die „Generalstabskarte" für die Gestaltung der kommenden Berufserziehungsarbeit übersandte und „Antreten zum gemeinschaftlichen Befehlsempfang" erteilte, schrieb der Herausgeber folgende treffende Worte:
„Deutschland rüstet zu Immer neuen Arbeitsschlachten. Eine Offensive gegen die Arbeitslosigkeit folgt der anderen. Der unbändige Wille, aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen, muß zu immer weiterer Tätigkeit in dieser Richtung wachgehalten werden. Wenn auch dieses Ziel ein durchaus friedliches ist, bedarf es zur Durchsetzung doch stärkster kämpferischer Willensanstrengung. Der Führer hat dazu den Befehl gegeben, und alle, die irgendwie zur Erreichung dieses Zieles beitragen können, haben bis zum heutigen Tage diesem Befehl freudig Folge geleistet."
Einen Teil der Gesamtaufbauarbeit haben die Deutsche Arbeitsfront und die von ihr beauftragten Reichsgruppen zu leisten. Für diese große Aufgabe wurde bereits das Handwerkszeug geschaffen und Richtlinien herausgegeben. Die Mitarbeiter im Lande haben sofort die Vorbereitungen begonnen. Auch die Gießener Vertreter der deutschen Angestelltenschaft und der hiesigen Berufs- gemeinschaften, der Kaufmannsgehilfen, der weiblichen Angestellten, der Techniker und Werkmeister, der Büro- und Behördenangestellten haben sich bereits eingehend in gemeinsamen Sitzungen und Besprechungen mit den Fragen der Berufs- und Erziehungsarbeit für das Win-
du uns einen prima Kaffee, Mütterchen, und Donata holt Kuchen! Das Feinste vom Feinen. Heute wird geschlemmt — den Tag von heute sollt Ihr nicht vergessen, diesen wundervollen Freudentag."
Gleich darauf betrat er wieder das Musikzimmer, lobte die blonde Schülerin:
„Sie sind wirklich brav, haben fleißig geübt während meiner Abwesenheit."
Sie nickte:
„Ich will doch auch vorwärtskornrnen!"
Beide waren froh, als die Stunde zu Ende war, beide hatten jetzt gar kein Interesse mehr an dem Unterricht. Suse Beßler aber atmete erst richtig auf, als sie in der Elektrischen saß; sie hatte doch damit rechnen müssen, daß der Musiklehrer noch in ihrer Gegenwart den Schreibtischkasten aufziehen und die Taler vermissen könnte. Aber er hatte gar nicht daran gedacht. Es war ihr sehr zustatten gekommen, daß er durch irgendeine frohe Nachricht ganz durcheinandergebracht worden war.
Sie hatte die Taler; aber niemand konnte ihr das beweisen — niemand. Ein paar Stunden wollte sie noch bei Olden nehmen, dann mußte die Quälerei aufhören.
Sie sah dem Wiedersehen mit Merten besonders ungeduldig entgegen — man hatte sich in einer Sachsenhäuser Apfelweinwirtschaft veravredet.
Dreizehntes Kapitel.
Detlef Westkamp ließ noch einmal den Blick über die Dahlien gleiten, die breitbuschig eine Seite des Gartens säumten. Wie herrlich waren die Köpfe der bunten, großen Blumen, wie leuchteten die Farben! Gelb und rot, erdbeerfarben und schneeweiß. Oh, ihr lieben, schönen Blumengesichter!, dachte er fast zärtlich, wie wird sich meine Liebste freuen, wenn ich sie hier an euch vorbeiführe!
Dahlien waren seine Lieblinge; er hegte und pflegte sie täglich besonders und vergaß darüber manchmal, daß die Blumen der Westkampschen Gärtnerei eigentlich zurücktreten mußten vor den Kartoffeln und Krautköpsen, dem Obst und den Küchenkräutern.
Die Sonne war eben untergegangen, ein mattes Rot wie das Zeichen eines fernen Brandes säumte den Horizont, dort, wo er sich zur Erde niederzusenken schien, und aus dem Boden quoll schon leicht abendliche Frische. Aber eigentlich war es noch immer sommerlich. Der Herbst in diesem Jahre war überhaupt feiten schön!, dachte Westkamp und blickte seiner Mutter entgegen, die den breiten Mittelweg entlang auf ihn zukam.
Sie nickte ihm zu:
„Bist wieder bei deinen Lieblingskindern, Bub, bei den Dahlien! Sag — bleibst du heute Abend zu Hause? Ich gehe bann auch nicht fort; sonst möchte ich mal zu Ella Hill, ich war schon lange nicht mehr bei ihr."
(Fortsetzung folgt.)


