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Nr. 208 Zweites vlatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Donnerstag, 6. September

Frankreichs Saardenkschrist für den Völkerbund.

Ein untauglicher Versuch der Stimmungsmache für die Beibehaltung des Völkerbundsregimes.

Paris, 5. Sept. (DNB.) Die französische Regie­rung veröffentlicht eine Denkschrift, die sie an den Generalsekretär des Völkerbundes gerichtet hat und in der sie den Dreierausschuß auffordert, schon jetzt zu gewissen Fragen Stellung zu nehmen, die nach der Abstimmung im Saargebiet auf­treten werden.

Von den drei Fragen, über die die französische Regierung einen grundsätzlichen Beschluß herbeige­führt sehen möchte, steht an erster Stelle die juri- stische Frage. Die französische Regierung sei bereit zu erklären, daß, falls das Saargebiet oder ein Teil desselben mitFrankreich vereinigt werden, alle Einwohner vor dem Gesetze gleich würden, daß sie vollen Schutz ihres Lebens und ihrer Freiheit genießen und ohne Unterschied der Sprache, Rasse oder Religion die gleichen politischen- und Bürger­rechte genießen würden wie alle französische Staatsangehörigen. Frankreich wünscht, daß eine entsprechende Bestimmung unter allen Umständen in den Entscheidungen des Rates enthalten sein möge.

Die französische Denkschrift erklärt dann, daß der Rat, falls das Saargebiet sich für die Bei­behaltung des gegenwärtigen Zu­standes entscheiden sollte, bevollmächtigt sei, die endgültige Ordnung den dauernden Inter­essen des Gebiets und den allgemeinen Interessen anzupassen. Es sei seine Pflicht, die allgemeinen Llmen dieses Regimes schon jetzt festzulegen, damit die Abstimmenden eine klare Vorstellung von der Lage gewinnen könnten, die sich gegebenen­falls aus der Abstimmung ergeben würde. Frank­reich wolle schon jetzt erklären, daß es ihm berechtigt erscheine, daß die Saarbevölkerung sinnvoll in weitem Maße zur Mitarbeit herangezogen würde, ebenso wie es nichts dagegen einzuwenden habe, daß den schon aus der Bevölkerung heraus ge­äußerten Wünschen Rechnung getragen würde, die darauf hinzielten, die Möglichkeit offenzuhalten, dieses Statut in der Weise abzuän- Lern, daß es gegebenenfalls den Lehren der Er­fahrung, den ständigen Interessen des Gebiets und den allgemeinen Interessen enspricht. Die Denkschrift «nthält dann eine Reihe von Einzelforderungen, die zur Sicherstellung der im Laufe der letzten 15 ^Zahre erworbenen Rechte im Saargebiet dienen sollen. Zur Garantierung aller dieser Rechte wünscht !die französische Regierung die Einsetzung eines N^e mischten Schiedsgerichtes, das im saargebiet noch 15 Jahre nach der Volksabstim­mung amtieren soll.

Die Denkschrift wendet sich dann der Berg- merksfrage zu und erklärt, daß Frankreich, falls das Saargebiet sich für die Beibehal­tung des Völkerbundsregimes ent- cheiden sollte, bereit sein würde, dem Gebiet unter angemessenen Bedingungen einen größeren Teil der Gruben zu überlassen. Im Falle einer Rückkehr des Saargebietes u Deutschland könne die französische Regie­rung indessen nicht darauf verzichten, daß Deutsch­land die Minen zurückkauft, und das Eigentum an den Bergwerken nicht aufgeben, be- l or eine zufriedenstellende Regelung gefunden sei. Die Denkschrift sucht dann auseinanderzusetzen, daß ! ie im Versailler Vertrag vorgesehenen Bestimmungen hinsichtlich des Rückkaufs der Gruben liurch Deutschland zu einer langen Verzöge­rung führen würden, die zu vielen Unzuträglich- lsiten führen können. Um dem zu begegnen, wünscht !öe französische Regierung eine unter Mitwirkung lees Völkerbundsrates erzielte deutsch-fran- jösische Verständigung über die Frage des ^ückkaufpreises und der Zahlungsbedingungen, die Isr Rat schon vor der Volksabstimmung gutheißen Innne. Es sei Aufgabe Deutschlands, hinsichtlich der Zahlungsbedingungen Vorschläge zu machen.

Schon um dem gegenwärtigen Abzug frem­den Kapitals aus dem Saargebiet zu begeg­nen, müsse der Rat schon bald eine grundsätzliche Entscheidung in dieser Frage treffen. Würde das Saaraebiet an Frankreich fallen, so bliebe der Franken die Währung des Landes. Aber auch im Falle einer Beibehaltung des Völ­kerbundsregimes sehe die französische Regie­rung keinerlei Bedenken dagegen, daß der Fran­ken die Währungseinheit des Gebietes bleibe.

Uebrigens sei Frankreich in diesem Falle ge­neigt, zu prüfen, welche Maßnahmen getrost i werden können, um dem Saargebiet Krediterlc ' terungen zu gewähren. Falls eine Rückgliede­rung des Saargebietes an Deutsch­land stattfinde, müßten die im Saargebiet zirku­lierenden Franken zur Regelung der privaten und öffentlichen auswärtigen Schulden dienen, die Deutschland infolge der Zuteilung des Saargebietes zu übernehmen haben werde.

Die französische Denkschrift bringt keine Ueber- raschungen. Der Gedanke, gewisse, nach der Ab­stimmung zu regelnde technische Fragen des Saar- aebietes möglichst frühzeitig zu klären, hat viel­leicht manches für sich. Eine unbedingte Notwendig­keit dafür liegt allerdings nicht vor, da schon der Versailler Vertrag genügend klare R i ch t l i n i e n enthält, die nach der Abstimmung eine schnelle Erledigung dieser Frage ermöglichen. Darüber, daß die Klärung solcher Fragen, die erst nach der Abstimmung aktuell werden, n i ch t V o r- bedingung der Abstimmung selb st ist, kann kein Streit bestehen. Die Vorbereitunaen für die dem Termin nach endgültig festgesetzte Abstim­mung dürfen also dadurch nicht beeinträchtigt werden.

Selbstverständliche Voraussetzung für die alsbal­dige Behandlung der in Rede stehenden Fragen ist aber, daß dabei keinerlei Versuch gemacht wird, die Abstimmung in dem einen oder anderen Sinne zu beeinflussen. In dieser Hinsicht können manche Teile der französi­schen Denkschrift zu Zweifeln Anlaß geben. Man könnte darin z. B. den Versuch sehen, der Bevölke­rung des Saargebiets durch besondere Vorschläge und Maßnahmen die Beibehaltung des gegenwärtigen Regimes schmackhaft zu machen. Ebenso müssen natürlich alle Ge­danken als vertragswidrig und unzulässig zurück­gewiesen werden, die etwa darauf abzielen sollten, dem Saargebiet nach seiner Rückgliederung an Deutschland noch irgendwie den Charakter eines Gebietes mit einem besonderen inter­nationalen Regime zu geben. Wenn Maß­nahmen dieser oder jener Art mit dem Hinweis auf die Interessen der Bevölkerung begründet werden, so braucht sich hierüber im Grunde weder der Völ­kerbund noch eine fremde Regierung den Kopf zu zerbrechen. Die Bevölkerung weiß genau und hat es auf der Koblenzer Kundgebung noch einmal deut­lich gehört, daß ihre Interessen n irgens besser aufgehoben sein können als bei i h r c r * eigenen nationalen Regierung.

Das pariser Echo der Proklamation des Führers.

Paris, 6. Sept. (DRV. Funkspruch.) Der Er­klärung des Führers und Reichskanzlers wird brei­tester Raum gewährt.Journal" bezeichnet die Er­klärung als sehr geschickt und sehr vernünftig und sehr gemäßigt im Ton.Petit Journal" unter­streicht den Willen zur Annäherung an Frankreich. Dieser traditionelle Appell an Frankreich" werde nach Auffassung desJour" leider durch die Er­

innerung an Deutschlands Austritt aus dem Völ­kerbund und die Forderung nach Gleichberechtigung zunichte gemacht. Auch derMatin" glaubt diese Schlußfolgerung ziehen zu müssen. Pangermanis­mus oder Frieden es gäbe keine andere Wahl.

Homme Libre" schreibt u.a.: Es ist immer das­selbe Schauspiel: Einen Tag bietet man uns Ver­handlungen an und am nächsten Tag folgen die heftigsten Forderungen. Wir wünschen unserem ehemaligen Gegner keine neuen Schwierigkeiten. Sag verdient gelegentlich des Parteitages betont zu werden. Wir haben stets alles getan, um ihm zu helfen. Wir suchen nur die internationale Zusam­menarbeit und militärischen und wirtschaftlichen Frieden. Aber wir wollen, daß sie aufrichtig und loyal ist. Es ist nicht unser Fehler, wenn Deutsch­land bisher nichts getan hat, um seinen guten Willen zu beweisen.L'Ordre" sagt u.a.: Wir kennen seit langem die Geschichte vornFriedens­willen in Ehre", doch findet man in der Erklärung eine versteckte Anspielung auf die Beharrlichkeit in der Unversöhnlichkeit. So habe der Führer stolz an den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund erinnert und zu verstehen gegeben, daß er noch nicht sobald nach Genf zurückkehren werde. Immer­hin verschließe er der Rückkehr nicht hermetisch die Tür. Aber natürlich werde er seinen Preis fordern.

Oie (Saboteure des Friedens. Im Netz der amerikanischen Rüstungs­industrie.

Washington, 9. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Bundesfenatsausschuß zur Untersuchung über die amerikanische Rüstungsindustrie beschäftigte sich am Mittwoch mit den englisch-amerikanischen U. - Bootlieferungen nach Südamerika. Dabei kam ans Tageslicht, daß die amerikanische Electric B o a t Company, die mit der eng­lischen Rüstungsfirma Vickers Armstrong zu­sammenarbeitete, den Einfluß der Marinemissionen der Vereinigten Staaten benutzte, um Waffen- ge schäfte besonders mitPeru und Bra­silien zu tätigen. Es wurde festgestellt, daß die Electric Boat Company an Juan Leguia, den Sohn des damaligen peruanischen Präsidenten, große Summen Bestechungsgelder zahlte, um die überschuldete peruanische Regierung zum Ankauf veralteter U. - Boote und zur Vergebung wertvoller Konzessionen an nordamerikanische Oelkonzerne und Schiffahrts­linien zu bewegen, um den peruanischen Kredit zwecks Ausnahme einer neuen 18-Millionen-Dollar- Anleihe für Rüstungszwecke zu heben. Diese von vornherein wertlose peruanische Anleihe wurde 1928 von Banken der Vereinigten Staaten dem Publikum angedreht, wofür Leguia 450000 Dollar angeblicher Kommifsionsgebühren erhielt.

Die Untersuchung ergab ferner, daß ein Sohn Clemenceaus viele Jahre hindurch Agent der Firma Vickers war und daß die Electric Boat Company im Jahre 1928 eine Europa- reife der Gattin und des Sohnes des amerikanischen Kapitäns Howe, des damaligen. Führers der Marinemission der Vereinigten Staaten in Peru, bezahlte.

Der peruanische Agent der Electric Boat Com­pany versuchte, allerdings vergeblich, als peruani­scher Abgeordneter an der Abrüstungskonferenz teilzunehmen, um die Festsetzung von U = Boot-Bauraten z u sabotieren; die bolivianische Revolution im Jahre 19201 wurde mit Geldern der Rüstungskon- zerne finanziert; die Rüstungskonzerne ver-' anlaßten nacheinander Peru und Chile zum An­kauf von je sechs O-Booten und Columbien zum Ankauf von zwei Flußkanonenbooten.

Bus oder Welt.

Schweres Autounglück in Paderborn. Lin Toter, mehrere Schwerverletzte.

In einer 8-Kurve in der Nähe des Neuhauser

Bahnhofs in Paderborn fuhr ein mit 14 Militär­

personen besetzter Kraftwagen in voller Fahrt gegen einen Baum. Der Anprall war fo jtarf, daß sämtliche Insassen Verletzungen er­litten. Einige Soldaten wurden lebensgefähtt l i ch verletzt. Einer von diesen ist bereits geftort oen, mit dem Ableben eines zweiten muß eben* aüs gerechnet werden. Das durch den Zusammen- stoß auslaufende Benzin fing Feuer und setzts den Wagen sofort in Brand. Die Insassen konnten nur mit großer Mühe aus dem brennenden Wagen gerettet werden, da sie z.T. durch die erlittenen Verletzungen nicht imstande waren, sich aus dem Wagen zu befreien, so daß sie außer den Verletzung gen auch noch erhebliche Brandwunden davontrugen-

Beerdigung auf Probe.

Der französische Bauer Louis Chevalier aus bet! Gegend von Lille hat sich im Laufe feines 70jäh. ngen Lebens eine eigenartige Theorie zugelegt. El ist zu der Erkenntnis gelangt, daß der Mensch nirgends so gut aufgehoben sei, w i ö im Sarge. Einen solchen hat er sich nach seinem Geschmack Herstellen lassen und darin eine Gene, ralprobe seiner künftigen Beerdi. gung vornehmen lassen. Er ließ sich, von bren­nenden Kerzen und Kränzen umgeben, aufbahren, photographieren und im Leichenwagen durchs Dorf fahren. Nach der Probe hielt der Bauer Kritik und ordnete verschiedene Aenderungen für die endgül­tige Trauerfeier an. In feiner freien Zeit schmückt der Bauer seinen Sarg mit kleinen Malereien aus,

Hunbfunfprogromm.

Freitag, 7. September.

5.50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6.40t Frühmeldungen. 6.55: Frühkonzert. 7.25: Früh, konzert. 8.15 bis 8.35: Gymnastik. 9.45: Eigens Sendung. 10: Nachrichten. 10.45: Praktische Rat. schlüge für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. 13: Saardienst. Nachrichten. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskonzert II. 13.50: Nachrichten. 14: Mittags- konzert III. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrich- tcn. 15.10: Für die Frau. Kinder-Unarten, Eltern- Irrtümer! 16: Nachmittagskonzert. 17.30: Eduard Mörtke. Zum 130. Geburtstag. 17.45: Lieder von Hugo Wolf. 18: Stunde der Jugend. 18.25: Bis- vlarck und die deutsche Sozialversicherung. Ein Rückblick. (Zwiegespräch.) 18.50: Unterhaltungskon­zert. 19.45: Politischer Kurzbericht. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der Nation. Der unbekannte Weber. 20.45: Aus der Stadt aufs Land zurück! Gesprächs am Abend. 21.10: Volksmusik. 22.20: Nachrichten. 22.35: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.45: Sportvorschau. 23: Die Ebernburg. Funkfolqe. 24 bis 1: Nachtmusik.

Berliner Frühbörse.

Berlin, 6. Sept. (DNB. Funkspruch). Mangels besonderer Anregungen aus der Wirtschaft blieb das vorbörsliche Geschäft fast ohne jeden Umsatz. Auch für die bevorstehende Börse wird kaum mit einer Belebung zu rechnen sein. Es ist indessen nicht ausgeschlossen, daß sich das Interesse breiterer Kreise wieder dem Rentenmarkt zuwendet, jeden­falls will man bereits Tauschoperationen von Aktien in Renten festgestellt haben. Kurstaxen waren bis- her noch nicht zu hören, lediglich für Farben nannte man 147,50 v. H.

Am Devisenmarkt errechnete sich der Dollar mit 2,472, das englische Pund mit 12,36.

Wettervoraussage.

lieber dem nördlichen Europa kommt es zur Ent­wicklung eines kräftigen Hochdruckgebietes, so daß die Wetterlage beständig bleibt. Nach verbreiteten Dunst- und Nebelbildungen in der Frühe wird es daher tagsüber aufheiternd, wobei die Sonnenstrahl lung die Temperaturen kräftig ansteigen läßt. In der Nacht erfolgt allerdings starke Abkühlung.

Aussichten für Freitag: Morgens dun- stig, sonst aufheiternd, trocken, tagsüber warm, nachts starke Abkühlung.

Ausfichten für Samstag: Fortdauer der Wetterlage.

Oie Csardasfürstin" a s Film.

Eröffnung der Winterspielzeit des Lichtspielhauses.

Als wir vor nunmehr sieben Jahren die Origi- ml-Csardasfürstin" im Gießener Theater sahen mb hörten, haben wir baran erinnert, wie ber ipjiefenerfolg biefer Operette, bie im letzten Kriegs- jchr bas Allerneueste war, sich mit ungebrochener Siärfe unb Frische im Wanbel der Zeit erhalten h:.t; und man muß sich fast darüber wundern, daß bs Ufa, auf der Suche nach zugkräftigen Operetten- iTDÜDen, erst in ihrer jüngsten Produktion auf die­se» Stück gestoßen ist. Die Wirkung aufs Publikum fc eint uns, nach den gestrigen Eindrücken zu schlie- 3 in, keineswegs schwächer zu sein als bei der Bühnenfassung. Die Bearbeiter das Drehbuch it mmt von H. Zerle tt, B. E. Lüthge und B org Jacoby waren klug genug, die zün- 'nbe Partitur von Emmerich K ä l m ä n mit ihren p itzigen, melodisch und rhythmisch außerordentlich ?e»chickt instrumentierten Hauptschlagern unver- iiöert zu übernehmen, wodurch der wesentlichste Till eines großen Erfolges von vornherein garan­tiert war. Die Spielführung (Georg Jacoby) c es überdies verstanden, in einer von Tempo, nrv Temperament blitzenden, großzügig angelegten, ilisfigen Inszenierung die charakteristischen Motive

Librettos in ihrer raffinierten Mischung von oiQe.ra und Ernst, von Sentimentalität und Laune :rth vor der Kamera lebendig und eindrucksvoll M Geltung zu bringen. Neben dem rein Musika- iifäjen, das ja in der Vorlage festgelegt war und liljglich übernommen zu werden brauchte, wurde ie bühnenmäßige Durchschlagskraft der mehr als imantifchen Handlung ingroßen" Szenen effekt- herausgestellt: so sehr, daß es ein paar Mal rjiihrlich ernst zu werden droht wie in der ojen Oper oder im Gesellschaftsstück; aber keine o 'ge, zum Schluß ist alles in schönster Ordnung, ui mit der traditionellen operettengerechten Dop- il «erlobung findet auch der Film den einzig mög- h n und vom Zuschauer erwarteten Abschluß. Die 04 Ausführung wird von einer treffsicher und vrländnisvoll ausgewählten Besetzung getragen. Icrtha Eggerth hat sich mit der Titelrolle über- u end nach vorn gespielt: ihre Sylva Varescu, biib übrigens, war mit bestechender Leichtigkeit gingen und vor allem mit ausgesprochenem Ge- bl ffer die starken komödiantischen Möglichkeiten iir Rolle gespielt. Als ihren Partner sieht man

Im

Winter 1930 trat ich auf einem ber letzten

Punta Arenas.

Oas Gärtchen.

Von Heinrich Hauser.

sind die Heimat ber Albatrosse, ber Sturmmöven, i>er Pinguine, ber Seehunbe; in ihren Buchten gebären bie Wale. Tiere, die den Menschen fremd und unheimlich sind in ihrer Fähigkeit, in eisigen

über Wasser. Ein Spritzer Seewasser hätte meinen Garten zerstört. So hielt ich ihn bei Sturm in

Ich lebte mich in ihn hinein, kannte bald die Krüm­mung jedes Grashalms, kannte jeden der winzig kleinen Käfer, die mit den Pflanzen gekommen waren und auf ihnen weiterlebten. Die Blümchen gingen ein, aber das Gras lebte, und die Kiefer gedieh.

In meiner Phantasie wuchs ber Garten. Ich führte meine Augen dicht an ihn heron^ dann wuch-

Hans Söhnker, der für den Prinzen Edwin einen anständigen, von fatalen Tenormanieren an­genehm abftechenden Darstellungsstil gefunden hat. Paul Kemp, der mit allerlei Harlekinaden leb­hafte Heiterkeit entfesselt, und die niedliche und be­gabte Inge L i st vom jüngsten Theaternachwuchs bilden als Boni und Stasi das obligate zweite Paar. Hörbiger, der den Grafen Feri mit lie­benswürdig menschlichen Zügen ausstattet, Ida Wüst und Hans Junkermann verdienen be­sondere Hervorhebung im Ensemble.

*

Mit derCsardasfürstin" scheint das Licht­spielhaus für die Eröffnung seiner Winter­spielzeit die rechte Wahl getroffen zu haben. Im Beiprogramm ist neben einer neuen Wochenschau der , FilmAltgermanische Bauernkul - t u r" zu beachten, der vom Stabsamt des Reichs­bauernführers in Berlin herausgebracht wurde und ein gegenwärtig besonders aktuelles Thema behan­delt; mit dem Film ist ein Preisausschreiben ver­bunden, an dem sich jeder deutschstämmige Volks­genosse beteiligen kann.

Meeren in den Stürmen der Polarnacht sich zu er­halten, und doch von seltsamer Menschenähnlichkeit.

Kahl, von den Winden gemäht, vom Frost in Dann geschlagen sind bie weiten Ebenen unb Hoch­flächen. Und doch deckt sie ein Schimmer von Grün, den man durchs Fernrohr von den Schiffen aus er­blicken kann. Und doch ist der Mensch auch in dieses Land ber Geister eingedrungen: seine Schafherden weiden auf den Ebenen, und der Boden birat Gold.

Heber kahle Hänge starren Lehms, über Fels­trümmer, ankämpfend gegen einen pfeifenden Sturm wanderte ich landein. Eine heftige Sehnsucht nach Erde, nach Pflanzen, nach etwas Lebendem, was grünt und wächst, hatte mich gepackt. Es gab nichts Grünes auf unferm Schiff; die Stürme von Kap Horn hatten die paar Blumentöpfe in der Kajüte zerschlagen, die Pflanzen in Seewasser erstickt.

Ich wußte, ich würde auch auf der Heimreise nichts Grünes mehr zu sehen bekommen, und da kam mir plötzlich der Gedanke: Ich will einen Gar-

meiner Koje, unter ber Decke.. Ich stützte die Decke mit Hölzern ab, damit sie nicht auf die Pflanzen drückte. Ja, ich schlief mit meinem Garten.

ten haben, einen winzig kleinen Garten.

Ick sammelte alle meine Taschen voll Erde. In den Windschatten der Felsblöcke und Baumstümpfe, in vertrocknete Strombetten hockte ich mich hin, grub Pflanzen aus: winzige Blümchen mit gelben Blüten, die im Wind zitterten, zarte Triebe von Krüppelbirken mit ihren Wurzeln, ein paar Gräser, Moose, den Trieb einer Kiefer, wie ein kleiner . ... _________ __, _______ ... Besen.

großen Segelschiffe eine Reise an. Ich fühlte, daß Als ich damit an Bord kam, fühlte ich mich glück- das meine letzte Reise als Seemann sein würde, lich: ich hatte einen Garten in der Tasche, eine kleine Sie ging rund um Kap Horn nach Chile und durch Welt, meine kleine Welt. Suchte mir die größte die Magalhaesstraße zurück. Margarinedose, hämmerte die Ränder glatt, bohrte

die Magalhaesstraße zurück. Margarinedose, hämmerte die Ränder glatt, bohrte

Eines Tages stand ich nach mehr als hundert- Löcher unten hinein unb pflanzte meinen Garten, tägiger Seefahrt an Land, am Ende der Welt, in Er sollte es gut bei mir haben.

Punta Arenas. Die ganze Heimreise lang pflegte ich meinen

Es war die unheimlichste, die wildeste, die ödeste, Garten und freute mich an ihm. Er gab mir mehr Landschaft, die ich je erblickte. Einer Insel der-1 zu tun, als Binnenländer sich vor stell en können, monen gleicht dieTierra del Fuego", das Feuer-trotz feiner Winzigkeit. Ein schwer beladenes Segel­land. Wie Raubtiergebisse, so stellen die Gebirge sich , schiff in der Kap Horn-Gegend ist mehr unter als fletschend den Polarstürmen entgegen; die Grate rc "" ~ " ......

messerscharf, die Klüfte und Schründe vereist. An den zerfetzten und zerrissenen Küsten wachsen die Regenwälder, Urwälder, bleich aus Sonnenmangel, gebeugt und zerfurcht von Stürmen, triefend in ewiger Nässe, pelzig von Moosen, die das Holz überwuchern, der Boden voll Fallgruben verfaulter Riesenbäume im Sumpf.

Die umbrandeten Felsinseln, Geisterburgen gleich.

sen die Zwergbirken vor mir zu großen Bäumen auf. Ich stellte mir vor, ich hätte ein Haus in mei­nem Garten. Ich baute mir ein Blockhaus aus Holzstäbchen, schnitt Fenster hinein und Türen. Ich teerte sogar die Fugen. Ein richtiges Haus sollte es sein.

In Hamburg durfte ich meinen Garten nicht an Land nehmen. Die Einfuhr überseeischer Pflanzen war verboten, ich hätte sie zur Untersuchung sechs Wochen lang in Quarantäne geben müssen. Dazu mar keine Zeit; ich ließ den Garten an Bord zurück.

Aber von nun an trug ich ihn im Herzen. Ich wußte, ich würde versuchen, ihn im großen mir zu schaffen: ein kleines Haus, ein Garten, ein Wald nahebei, eine Flinte zum Jagen, ein paar Angel­ruten für den Vach. Jetzt hatte ich ein Ziel im Leben. Zum erstenmal.

Blutarmut,Sonnenlicht und Vitamine.

Europäische Kinder leiden in der Gegend des Aequators, besonders in Indo-China, vielfach an Blutarmut. Man hat für diese auffällige Ersehet» nung die feuchte Wärme und das Sumpffieber ver­antwortlich machen wollen. Aber auch in Gegen­den wie Saigon, wo das Sumpffieber sehr selten ist, zeigen Kinder schon nach einem Aufenthalt von em oder zwei Jahren starke Blutarmut, und so hat man neue Forschungen nach der Ursache dieser Er­krankung angestellt. Nach einem Bericht imNa­turforscher" ergab sich dabei, daß die Blutarmut auf das Fehlen von Vitaminen, besonders des anti­rachitischen Vitamins D, zurückzuführen ist. Dieses Vitamin bildet sich ja bekanntlich durch die ultra­violetten Strahlen der Sonne aus dem Ergosterin, das in der Haut und dem Blute des Menschen ent­halten ist. In den Gebieten des Aequators hält nun die Wasserdampf-Schicht der Luft diese ultra­violetten Strahlen in starkem Maße zurück, wie die Beobachtungen in Indo-China zeigten. Die Sonne bräunt hier auch weniger als etwa in Italien. Die auffallendste Folge dieser Erscheinung ist der Man­gel an Vitaminen in den Früchten dieser Gegend. Die Aerzte in Indo-China verordnen deshalb den kleinen Kindern Orangensaft aus Kalifornien und nicht aus den einheimischen Drangen.Wir müssen also sagen", heißt es in dem Bericht über diese Untersuchungen,daß in diesem Lande der kräftigen Sonne die Kinder durch Lichtmangel blutarm sind, wie wenn sie in einem Keller lebten." Um die geringe Wirkung der Ultra-Strahlen im Sonnen­licht zu ersetzen, wird jetzt in Indo-China die künstliche Höhensonne zur Lichtbestrahlung benutzt gerade so wie in den nördlichen Ländern Europa^