Nr. 55 Erstes Blatt
M- Jahrgang
Dienstag, 6. Marz 1934
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General-Anzeiger für Oberhessen
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wagen besteigen sehen, der kurz daraus in
An anderer Stelle bringt „Echo de Paris" eine lange Kombination seitens Dijons entsandten Sonderberichterstatters, in der behauptet wird, daß Prince gar nicht mehr lebend in Dijon gewesen sei, dah das in Dijon aufgegebene Telegramm an seine Frau ebenso gefälscht gewesen sei, wie der Meldezettel im Hotel und dah Prince während einer vier Minuten dauernden Durchfahrt durch einen Tunnel gelö- t e t und die Leiche aus dem Zug geworfen sei, wo die Mörder sie später auf den Schienen festgebunden hätten.
Line sensationelle Nachricht traf in den Abendstunden aus Dijon ein. Ein medizinischer Sachverständiger, der mit der genauen Untersuchung der Lungen, der Nieren und der Leber Prince' beauftragt war, Hal einwandfrei seslgestellt, dah sich in diesen Organen ein Giftstoff befindet, dessen genaue Zusammensetzung infolge dee
Paris, ö.März. (DNv. Funkspruch.) „Echo de Paris" bringt heute neue aufsehenerregende Mitteilungen zum Fall Prince. Ein Mitarbeiter des Blattes will bei dem Wagenwäscher der Garage, in der der Wagen des inzwischen verhafteten Privatsekretärs Staviskys untergestellt war, erfahren haben, dah der Wagen in der Nacht zum 2 1. Februar, also in der Nacht des Todes des Gerichtsrates Prince nicht in der Garage war. Der Wagenwäscher soll sich erinnern, dah dieFrau des Privatsekretärs, wenn sie den Wagen benutzte, stets von einem grohen weih-s ch warzen Hunde begleitet gewesen sei. Nach Zeitungsberichten habe man nun unweit des Ortes, wo sich die Leiche von Prince befunden habe, eine Frau mit einem weihen Hund einen Kraft-
Die neue Mandschurei alsZnteressensetd der Großmächte.
Die Persöntichkeii Kaiser Puyis als Garant wirtschaftlichen Wiederaufstiegs.—Amerika und England hegen Hoffnungen für ihren Handel.
Estlands Deutschtum.
Von C. v. Kügelgen.
Richard Bahr schließt sein Kapitel über die Balten in dem kürzlich erschienenen Werk „Volk jenseits der Grenzen" mit einer lehrreichen Anekdote. Als Graf Alexander Keyserling einmal seinem Göttinger Studienfreund Bismarck über die Baltischen Provinzen erzählte, soll dieser mit dem Wort Friedrichs des Grohen gefragt haben: „Kerls, wollt ihr denn ewig leben?" Eine solche Gesinnung, meint Bahr, wäre heute unerträglich, und er weist daraus hin, daß für das militärisch schwache Nachkriegs-Deutschland es von wesenhafter Bedeutung sei, daß an den baltischen Gestaden jene „Kerls leben. Als Wächter und Verwalter eines reichen deutschen Erbes und als Stützen westlicher Kultur gegen anarchische Gewalten des Ostens.
Daß die Balten die historische Ausgabe Estlands nicht allein und nicht aus eigener Kraft zu vollführen vermögen, ist ihnen bewußt. Das geht schon aus ihrer geringen Zahl hervor. Man rechnet in Estland mit 20—25 000 Balten, nachdem Krieg und Revolution etwa die Hälfte von ihnen vernichtet und versprengt haben. Rur in enger Zusammenarbeit mit der Million Esten, mit denen sie die einst deutschen Städte und in schwächerem Maße das flache Land teilen, kann die kleine Schar der Balten wesentliche Wirkungsmöglichkeiten ausüben. Freilich müssen sie, um das zu tun, sich am Leben erhalten, d. h. also Deutsche bleiben mit ihrer alten Kultur und Überlieferung. Der estländische Staat hat bekanntlich nach der kulturzerstörenden Agrarrevolution als wertvolle Frucht baltisch-estnischer Zusammenarbeit als erster in Europa seinen Volksgruppen eine Kulturautonomie geschenkt.
Arbeiter in Frage kommt, 90 v. H. der industriellen Betriebe der Staaten umfassen. An der Tagung nehmen auch die Vertreter der noch unkodifizierten Wirtschaftszweige teil. Die insgesamt 3500 Vertreter haben sich die Aufgabe gestellt, die in den letzten acht Monaten zutage getretenen Unklarheiten und Mißstände des Code-Systems gemeinsam mit der Regierung zu beseitigen.
Roosevelt erklärte u. a., er wolle die Ursache der Krise, aus der Amerika sich langsam aufraffe, durch den Wahlspruch charakterisieren: „Jeder für sich e I b ft; d e r Teufel greift den letzten", Bereicherung auf Kosten anderer, Uebertragung einer Industrie aus einer in die andere Stadt, unlauterer Wettbewerb, schwindelhafter Aktienhandel in gigantischem Ausmaß, fehlende Planwirtschaft und so gut wie keine sozialen Rücksichten eien Hauptmerkmale des bisherigen Systems gewesen. Was seitdem zur Bekämpfung der Krise und zum Wiederaufbau der Wirtschaft getan worden sei, ei weder Kommunismus noch Faschismus, noch Kollektivismus, sondern Anwendung der guten demokratischen Grundsätze, die in Amerika jahrelang in Vergessenheit geraten seien, als Amerika sich von Sondergruppen habe regieren lassen.
Durch das NJRA-Gesetz sei die Zusammen-
oder republikanisches Experiment.
Wir können unter diesen Umständen — fährt die „Morning Post" fort — nur mit Bedauern erfahren, daß Britannien, das so lange ein Freund und Unterstützer der Manschu-Dynastie gewesen ist, bei der Thronbesteigung gänzlich unvertreten war. Allerdings hat weder England noch irgendeine andere Großmacht den neuen Staat anerkannt; Japan natürlich ausgenommen. Wir nehmen an, daß die Empfindlichkeiten Chinas und des Völkerbundes zu berücksichtigen waren. Aber diese unglücklichen Entwicklungen sind bereits in den „historischen Hintergrund" verschwunden." — Das Blatt schließt mit dem wiederholten Hinweis auf die Vereinigten Staaten, die ihre Haltung zu dem neuen Staate ändern wollen und spricht den selbstlosen Wunsch aus, daß sich dort auch für den englischen Handel ein gutes Feld eröffnen würde. — Andererseits darf nicht übersehen werden, daß die Errichtung eines neuen Kaiserreichs in der Mandschurei, unter dem Schutze Japans und vor den Toren der Mongolei, in Moskau viel Mißtrauen hervorgerufen hat. Die japanischen Blätter hatten gemeldet, daß Rußland bereits neue Divisionen in der Mongolei versammelt, die Russen bestreiten das. Auf alle Fälle ergeben sich neue Reibungsflächen, denen ein neuer amen- -anischer Vorschlag zur Schaffung eines allgemeinen Nichtangriffspaktes entgegentreten will.
Die Am des wirtschaftlichen Wiederaufbaus in USA. Roosevelts Programm des Ausgleichs.
Washington, 5. März. (DNB.) Roosevelt eröffnete am Montag die Konferenz der £ireftoren der NJRA-Codes, die bis letzt bereits 600 Wirtschaftszweige, und, soweit die Zahl der beschäftigten
Das Programm der Oreimächte konserenz in Rom.
politischer Konsultativpakt und wirtschaftliches liegionalabkommen.
arbeit von Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf der einen Seite und Verteiler und Verbraucher auf der anderen Seite m die Wege geleitet worden. Die große Mehrheit des amerikanischen Volkes habe diesem neuen Ziel, das ein Ausgleich zwischen Landwirtschaft und Industrie, zwischen Hersteller und Verbraucher, zwischen Unternehmer und Arbeiter sowie zwischen Einfuhr und Ausfuhr sei, begeistert zugestimmt. Er begrüße jede aufbauende Kritik, halte jedoch ein rein negatives Bekritteln des großen Werkes, das die Nation jetzt vor sich habe, für unpatriotisch. Er wolle ganz klar sagen, daß man zu den alten Methoden und den alten Verhältnissen nicht zu- rückkehren werde. , „
Die in den letzten Wochen vorgebrachten Be- schwerden richteten sich auch nicht gegen die Regierung oder gegen das NJRA-System, sondern gegen beftimmte Lücken in den Verordnungen und bewiesen, daß er den richtigen ®eg gegangen sei. Die Industrie dürfe nicht den Gewinn, sondern die Schaffung von Kaufkraft als erstes und höchstes Gebot betrachten. Denn 90 v. H des Volkes lebten von Gehältern und I Löhnen, und deren Kaufkraft fei lebenswichtig für I die gesamte amerikanische Wirtschaft.
N-U-N Reich qeaenüber einem normalen, Kultur und, wag en besteig en egen -er WÄst fordernden Verhältnis Platz macht. iRichlung Paris zuruckgefahren fei.
rung erhalten hat und ein Transportwesen, das nicht nur Straßen und Bahnen, sondern auch einen ausgedehnten Flugdienst einschließt. Der Kontrast zwischen den Räubereien der „Kriegsherren" und Banditen, die die Beuten aus reichen Provinzen unter sich teilen und einer tatkräftigen Regierung übt bereits seine Wirkung auf die Wohl- ahrt des Volkes aus. Diese Anzeichen lassen mit Vertrauen auf den Erfolg dieser neuen und ältesten aller Regierungen blicken, die sich auf ererbte Rechte tützt und wahrscheinlich viel bester für die Geister ihrer Untertanen paßt, als irgendein demokratisches
AM Kombinationen Über die Ermordung des Gerichtsrats prince.
War die Frau von Staviskys Privatsekretär beteiligt? - Lft prince vor der Ermordung mit Chloroform betäubt worden?
London, 5. März. (Priv.-Tel.) Die Feierlichkeiten der Einsetzung des neuen mandschurischen K a t f e' r s sind nun glücklich vorbei und das befürchtete Attentat auf den „Sohn des Himmels" ist ausgeblieben. Puyi, der bisherige Chef der Verwaltung von Mandfchukuo, Sproß der alten Man- dschu-Dynastie von China, hat als Kaiser bekanntlich den Namen „Sang T e h" angenommen. Er trug bei den Feierlichkeiten d i e Uniform eines Feldmarschalls seiner Armee. „Aber es ind. noch andere Anzeichen vorhanden", sagt die „Morning Post", daß er nicht nur der Fürst seiner dahingeschiedenen Dynastie ist, der sich an dem starken Arme Japans festhält. Des Kaisers alter eng- li cher Erzieher, Sir Reginald John st o n hat eine hohe Meinung sowohl von dessen Charakter wie von seinen Fähigkeiten. Die Fortschritte in der Beruhigung seines Landes sind nicht nur das Ergebnis der Arbeit seiner japanischen Freunde und Beschützer, sondern zum großen Teil auf des Kaisers eigene Politik, die Fähigkeiten seiner chinesischen und Mandschu-Minister und den Widerhall, den er bei) einen alten Gefolgsleuten und Untertanen gefunden hat, zurückzuführen. Es gibt bereits viele Zeichen der Stabilität des neuen Staates, der eine neue Wäh -
Scholle lassen die Balten ihren Kampf um Heimatrecht fortsetzen. Sie haben auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens am Neubau des Landes mitgear- b eitet. Das ist nicht vergebens gewesen und tragt seine Früchte selbst in dem am stärksten Zerstörten Bezirk, i n d e r b a 111 s ch e n L a n d w i r t s ch a f t. Hier wurde nach der radikalen Agrarreform em Teil des enteigneten Gutsbesitzes nicht aufgeteilt, um die wertvollen Rasseherden zu retten Dadurch wurden manche von den alten bewahrten Gutsbesitzern zuerst als Pächter, dann als Besitzer von Stammhöfen dem Lande erhalten. Ihre Leistungen in Viehzucht und Ackerkultur werden von den Esten bereitwillig anerkannt. Zahlreiche Prämiierungen bei landwirtschaftlichen Anstellungen und Wettbewerben legen von dieser wertvollen Kulturarbeit der über das ganze Land verstreuten mitten im 23olf arbeitenden baltischen Landwirte Zeugnis ab.
Dieser Arbeit für Estland in engster Gemeinsamkeit mit dem estnischen Volk kann der Geist der Erneuerung der Gemeinnutz vor Eigennutz stellt, nur förderlich fein. Von ihm sind und bleiben die Balten erfaßt. Ihr heißes Wünschen geht dahin, daß alle ihre Volksgenossen vom nationalsozialistischen Ideengut, das baltischer Geistesart so nahe liegt, ganz durchdrungen werden. Dann so hoffen sie, wird es ihnen auch gelingen, das Mißtrauen der estnischen Schollengenossen gegen bas neue Deutschland zu überwinden. Sie würden nichts mehr begrüßen als wenn die für Estland jo schädliche Ferndsellgkelt dem
Die Entstehung eines innerlich starken Deutschen . Reiches hat nun in den Baltischen Staaten, wie in . vielen anderen, eine Welle der Beunruhigung her- oorgerufen. Sie wurde in Estland noch künstlich genährt im Innern durch die Sozialdemokraten, von | außen durch kommunistische Einflüsterungen und das chmähliche Hetzblatt der Emigranten in Riga, „Europa-Ost". Der Staat Esti ist ja mit seinen , Kommunisten fertig geworden, was seine internationale Lage nicht wenig gefestigt hat. Die estnische Sozialdemokratie, nach dem großen Land- ' raub gesättigt, hatte sich auf ihre Grundsätze natio- , naler Duldung besonnen. Doch infolge der Nieder- , werfung des Marxismus in Deutschland sind auch , die Sozialisten Estlands, wie schon vorher die der ( anderen baltifchen Staaten, Träger chauvinisti- . scher Angriffslust gegen die Deutschen geworden. .
Die Erkenntnis, daß nationalsozialistisches Ideen- , gut an den Grenzen des Reiches nicht Halt macht, drängte die estnischen Sozialdemokraten und auch die bürgerlichen Parteien um so mehr in Abwehr, als im Lande eine mächtige Partei, die der „Freiheitskämpfer" entstand, die auf faschistischen Grundsätzen beruht. Die „Freiheitskämpfer", die in der Kammer noch keine Rolle spielen, errangen bei einer von ihnen vorgeschlagenen Volksbefragung einen glänzenden Sieg über alle bürgerlichen Parteien und die Sozialdemokratie. Das von ihnen durchgesetzte verfassungsändernde Gesetz macht der bisherigen absoluten Parlamentsherrschaft ein Ende, indem es u. a. das Amt eines vom Volk gewählten Staatspräsidenten schafft anstelle des bisherigen Staatsältesten in Person des Kammerpräsidenten.
Während so bei allen estnischen Parteien, mit Ausnahme der „Freiheitskämpfer", Argwohn und Haß gegen den Nationalsozialismus wuchsen, machte die große Erweckung des deutschen Volkes auf die Balten einen erhebenden Eindruck. Viele der herrlichen Ideen, die das deutsche Volk ergriffen, fanden hier begeisterten Widerhall, wie die der moralischen Wiedergeburt, der Führerverantwortlichkeit und der Hingabe an das Volk. Andere Seiten, etwa die Behandlung der Judenfrage, wurden abgelehnt. Durch die verschiedene Einstellung zum deutschen Nationalsozialismus entfernen sich die Kurven der weltanschaulichen und stimmungsgemäßen Entwicklung bei den alten estnischen Parteien und bet den Balten schnell voneinander. Die Gefahr rouroe nicht erkannt. Daher führten das Hervortreten der baltischen Nationalsozialisten in Reval und ihr Anspruch auf die politische Leitung l0rer genoßen zu einem schweren Mißerfolg auf der ganzen Linie. Wohl sahen die .klügsten politischen Köpfe der Esten bald ein, daß die baltischen Rationalsozialisten, wie das ihr Führer, o. Zur- Mühlen, verkündet hatte, loyal im.estnischen Staate Mitarbeiten wollten, also keine Gefahr bedeuteten? aber man benutzte das Hervortreten der Balten, um die Freiheitskämpfer zu treffen, Die das Auftauchen des beutf(f)en K
in Estland ermöglicht hätten. Diese schüttelten da - auf prompt jede Gemeinsamkeit nut den Balten all
von ihrem Recht Gebrauch und ftz
traten brndjten eine scharfe Interpellniwn und Ge- STÄB-LKFL LLSLEtzZi tums fest zusammen, indem Gemeinsinnl und Disziplin schnell alle Gegensätze verschwinden eßen. Demnächst wird auch die Leitung der Kult tunq wohl im alten Bestände wiedergewahtt werden
Staatliches Denken und unaustilgbare Oieve z
Wien, 5. März. (DNB.) Der Budapester Berichterstatter des Neuen Wiener Tageblattes erklärt, daß das Programm der am 14. März in Rom beginnenden Dreimächtekonferenz neben den wirtschaftlichen Fragen den Abschluß eines Konsultativpaktes zwischen Italien, Oesterreich und Ungarn vvrsehe. Der Abschluß einer Zollunion sei nicht vorgesehen, dagegen würde ein Regio- nalpakt angestrebt. Man rechne damit, daß die Tschechoslowakei früher oder später beitreten werde. Schwieriger fei jedoch der Interessenausgleich mit Deutschland, da die vorgesehene Triester Freihafenzone eine empfindliche Schädigung des Hafenbetriebes von Hamburg und Bremen nach sich ziehen würde.
In dem Konsultativpakt werde die völlige Ueber- einstimmung der drei Mächte in den sie gemeinsam berührenden Fragen festgestellt und darüber hinaus vereinbart, in Zukunft eine gemeinschaftliche Verständigung in allen großen internationalen Fragen herbeizuführen. Der Konsultativpakt solle formal für d e n Beitritt der übrigen Mächte offengehal- t e n werden. Wie weit jedoch eine direkte Aufforderung an bestimmte, an den südosteuropäischen Fragen direkt interessierten Mächte erfolgen soll, scheine noch nicht festzustehen. Man soll in römischen Kreisen eine Formel suchen, die vor allem den Beitritt der Mächte der Kleinen En- t e n t e ermöglichen würde. Ueber den praktischen Wert eines Konsultativpaktes bestehen jedoch in Budapest Zweifel, da eine Ueberwindung der in den südosteuropäischen Fragen bestehenden Gegensätze und Schwierigkeiten durch einen derartigen rein formalen Pakt nicht erwartet wird.
Auf der Rückreise von Berlin nach Sofia hatte, wie jetzt bekannt wird, König Boris eine Zusammenkunft mit König Alexander von S ü d s l a w i e n. Auf der Station Mladenowatz,
50 Kilometer südlich von Belgrad, stieg König Alexander m den Orientexpreß und begleitete König Boris bis zur nächsten Station, Tschuprija. Beide Könige blieben miteinander ungefähr eine Stunde im Gespräch. Obwohl in einer amtlichen Mitteilung der private Charakter dieses Zusammentreffens betont wird, nimmt man in politischen Kreisen an, daß sich die Unterhaltung um den Balkanpakt und um Fragen der großen europäischen Politik gedreht habe.
Sucht Rumänien nach einem neuen Kurs?
Budapest, 3. März. (DNB.) Der Bericht- erstatter der katholischen „Nernzeti Ujsag" berichtet feinem Blatte aus Bukarest, Rumänien sei nicht wie Prag wegen der italienische-öfterreichlsch-unga- rischen Verhandlungen in Nervosität geraten, sondern warte in aller Ruhe die Entwicklung ab. Der Berichterstatter will dahin unterrichtet worden sein, daß Rumänien am lieb st en aus der Kleinen Entente ausscheiden möchte. Man weife in rumänischen Kreisen darauf hin, daß aus dem bisherigen Verhältnis innerhalb der Kleinen Entente in'der Hauptsache die Tschechoslowakei Nutzen ziehe, indem sie ihre Jn- dustrieerzeugnisse in den beiden anderen Staaten umsetze. Während Südslawien auffällig von der Tschechoslowakei in der Abnahme landwirtschaftlicher Erzeugnisse bevorzugt werde, werde Rumänien diesbezüglich äußerst ftief- mütterlich behandelt, so daß das weitere Verbleiben Rumäniens in der Kleinen Entente keinen Wert habe. Ein Abschwenken Rumäniens । sei, dem Berichterstatter zufolge, bald zu erwarten, da der Einfluß Titulescus stark im Schwinden begriffen fei.


