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auf feine Lurch die gewaltigen Rüstungen feiner Nachbarn ständig bedrohte Sicherheit unmöglich länger verzichten kann. Unter diesen Voraussetzun­gen i-st Deutschland bereit, sich einer gleichmäßig auf alle Mächte angewandten Kontrolle des Rüstungsstandes zu unterwerfen, wie es auch zur erneuten Bekundung feines Friedenswillens allen seinen Nachbarn den Abschluß von Nichtangriffs­pakten anbietet. Einer Verlängerung des ebenso unwürdigen wie gefahrdrohenden Zwischenzustan- Les, in dem es nun schon seit Jahren gehalten wird, kann es indessen nicht zustimmen. Darauf scheint aber die französische Verschleppungstaktik hinaus­zulaufen, wenn sie wieder auf Pläne zurückgreift, die schon vor drei Monaten von Deutschland als völlig indiskutabel zurückgewiesen worden sind.

Das gänzlich Unfruchtbare dieser sich im Kreise drohenden Politik Frankreichs ist wohl auch den Engländern auf die Nerven gefallen. Sir John Simons Weihnachtsbesuch in Paris und Rom galt der Sondierung neuer Möglich­keiten. Bei Paul-Boncour scheint er damit wenig Glück gehabt zu haben. Die Fühlungnahme mit Mussolini dürfte jedoch eher zu einer Verständigung über eine gemeinsame Marschroute geführt haben, wenn auch die amtliche Verlautbarung kaum er­kennen läßt, in welcher Richtung man eine Lösung der gegenwärtigen europäischen Schwierigkeiten zu finden hofft, da Frankreich sowohl in der Ab­rüstungsfrage wie in der dem italienischen Regie­rungschef besonders am Herzen liegenden Frage einer Reform des Völkerbundes jedem neuartigen Gedanken den gleichen sturen Widerstand entgegen­setzt. Sollte Sir John Simon mit der Hoffnung nach Rom gekommen sein, in Mussolini einen Bun­desgenossen für die Rettung der Abrüstungskonfe­renz und des Völkerbundes zu finden, der ihm einen peinlichen Entschluß gegenüber seinen Pariser Freunden vielleicht ersparen könnte, so wird sich der britische Außenminister vermutlich sehr getäuscht haben. Denn der Duce ist ein viel zu kluger Real­politiker, als daß er, um England aus der selbst­verschuldeten Sackgasse herauszuhelfen, nun seine zurückhaltende Politik vorzeitig aufgäbe. Er sieht die unüberwindliche Abneigung Frankreichs gegen jede Rüstungsoermmderung und erkennt die Berechti­gung Deutschlands, bei dieser Sachlage das Mindest­maß an Defensiowaffen zu fordern, dessen seine nationale Sicherheit bedarf. Auch seine scharfe Kritik am Völkerbund in feiner gegenwärtig fien Form als Instrument der Sieger von Der- ailles ist durchaus schöpferischer Natur. Die Be- reiung von den Fesseln von Versailles durch eine Herauslösung der Völkerbundssatzung aus den Friödensverträgen ist, ebenso wie die Befreiung von den Fesseln eines auf die internationale Politik übertragenen überspitzten demokratisch-parlamen­tarischen Systems, wohl geeignet, an die Stelle fruchtlosen Debattierens eine ertragreiche Arbeit zu -setzen, wenn Rechte und Pflichten der Großmächte Len erhöhten Verantwortlichkeiten entsprechend in Las richtige Verhältnis gebracht werden zu den unbegründeten Ansprüchen der kleinen Staaten. Nur wenn die europäischen Großmächte mit etwas mehr Zivilkourage als bisher die Angelegenheiten Les Kontinents entschlossen in die Hand nehmen ohne Rücksicht auf ein etwa zur Schau gestelltes Scirnrunzetn der Kleinen Ennnte oder anderer Nutznießer eines überlebten Systems, wird Europa in der Weltpolitik wieder seine Stimme in die Waagschale werfen können.

Mussolini trifft sich in dieser Auffassung einer europäischen Selbsthilfe mit dem Präsidenten Roosevelt, der in feiner Neuiahrsbolscha.t an den Kongreß der Vereinigten Staaten über die Weiter, üyrung des wirlscyastlichcn Ausbau­werks auch die amerikanische Außenpolitik kurz streifte. Amerika schwört in Zukunft jeder Jn- terventionspolitik ab, eine Verbeugung vor den südamerikanischen Staaten, die auf der panamerika­nischen Konferenz in Montevideo diesen sehr emp­findlichen Punkt zur Sprache gebracht hatten. Ame­rika lehnt aber auch jede Einflußnahme auf die politische Gestaltung Europas ab, wenn es auch zur Mitarbeit an praktischen Abrüstungsmaßnahmen und an einer Belebung des Welthandels bereit ist. Ader Roosevelt erwartet von Europa eine Berei­nigung der eigenen Angelegenheiten. Diese aber wird weder durch die sterlle Politik Frankreichs noch durch das Störungsfeuer gefördert, das Ruß­land neuerdings gegen Westen zu richten beliebt. Nach den Erfolgen der Amerikareise, des Besuchs in Rom und des französischen Liebeswerbens ist offenbar Herrn Litwinow trotz der immer nach recht kritischen Lage in Dftafien der Kamm bedenk­lich geschwollen. Er und fein Kollege Molotow haben in Reden vor dem Rätekongreß sich keine Mühe gegeben, ihre Antipathie gegen das national; sozialistische Deutschland au verbergen. Mögen sie, der Aerger über den Zusammenbruch des Kommu­nismus in Deutschland läßt das begreifen. Unver­ständlich aber und unverzeihlich ist die dreiste Un­terstellung, Deutschland habe den Völkerbund ver­lassen, um in Ruhe aufrüsten zu können. Reichs­kanzler und Reichsregierung haben auch den öst­lichen Nachbarn und Sowjetrußland gegenüber ihren entschlossenen Willen zum Frieden feierlich betont, so daß fein Zweifel an der Ehrlichkeit der deutschen Friedensabsichten erlaubt ist. Nun bringt der dem neuen Regime in Deutschland nicht gerade vorurteilslos gegenüberstehendeDaily Herald", das Blatt der englischen Labourpartei, die Nachricht von einem polnisch-russischen Garantiepaktangebot an Finnland und die baltischen Randstaaten Estland, Litauen und Lettland. Moskau hat sofort dementiert und auch in den baltischen Hauptstädten will man von einem solchen Angebot nichts wissen. Es wäre also jedes Wort darüber überflüssig, man könnte die Meldung des englischen Blattes als Zeitungsente ober Versuchsballon abtun, wenn nicht die Unter­stellung, das Garantiepaktangebot wäre durch die Gefahr vor einem deutschen Uebergriff ausgelöft worden, schärfste Zurückweisung verdiente. Es hieße doch den Bock zum Gärtner machen, wollte z. B. Finnland den Schutz seiner Unabhängigkeit dem gleichen Rußland anoertrauen, gegen dessen bolsche­wistische Horden es mit der Hilfe deutscher Truppen Freiheit und Unabhängigkeit erst hatte erkämpfen müssen, oder wollte Litauen die gleiche Be­schützerrolle den Polen zuweisen, die durch den allem Völkerrecht Hohn sprechenden Ueberfall der Soldateska des Generals Zeligowfki im Oktober 1920 sich in den Besitz der alten litauischen Haupt- tadt Wilna gesetzt haben. So sehen also die Be- chützer aus, die sich die baltischen Staaten ausge- ucht haben sollten gegen eine deutsche Bedrohung, )ie nur in der Phantasie berufsmäßiger Unruhs­tifter und Brunnenvergifter existiert. Das national- ozialistische Deutschland hat auch gegenüber den Staaten des Nahen Ostens Gedanken des Friedens. Die Besprechungen mit Polen sind dafür der beste Beweis. Ebenso wie Deutschland das Recht für sich in Anspruch nimmt, seiner völkischen Eigenart ge­mäß feinen Staat zu bauen, lehnt es Deutschland ab, durch Zwangsmaßnahmen irgendwelcher Art

Die SA hat keine militärischen Aufgaben

StabSchesKöhmklärtdieWettöffentlichkeitüberdenwahrenEharakterderSAauf

Sofia, 5. Jan. (DNB.) Die bulgarische Tages­zeitungNefawissimost" veröffentlicht eine Unter­redung, die der Reichsminister und Stabschef der SA., Ernst Röhm, dem Berliner Vertreter des Blattes gewährt hat. Der Stabschef führte u. a. aus: Durch den Nationalsozialismus ist Deutschland aus dem Brückenkopf eines tödlichen Angriffes auf die Welt zu einem festen Bollwerk gegen den Bolschewismus geworden. Die verant- wortungs-, gewissen- und vaterlandslosen Pamphle­ten behaupten immer wieder: Unsere politi­schen Kampforganisationen trügen m i - litärischen Charakter und könnten dadurch au einer Bedrohung des Friedens der Welt werden. Als verantwortlicher Stabschef der SA. wende ich mich im Hinblick auf die Tatsache, daß wir nichts zu verheimlichen haben, an die Weltöffentlichkeit, um darzulegen, was es mit diesen Einheiten auf sich hat. Die SA. läßt sich mit keinem Heer, mit keiner Miliz vergleichen, denn sie ist keines von ihnen. Allen genannten Heeren ist der Begriff der bewaffneten Macht eigen. Das gerade aber ist nach dem ausgesprochenen Wil­len Adolf Hitlers die SA nicht. Der SA. ist die Aufgabe gesetzt, den neuen deutschen Staat zu formen und den deutschen Menschen zu einem lebendigen Glied dieses nationalsozialisti­schen Staates zu erziehen. Zwischen der Reichswehr

und der SA. bestehen keinerlei Bindungen. So war aych das Reichsheer bei der national­sozialistischen Revolution gänzlich unbeteiligt ein Vorgang, der in der Geschichte der Revolution wohl beispiellos dasteht. Im übrigen habe ich bisher nicht gehört, daß irgend jemand an Der Uniformier rungber zahlreichen Verbände unse­rer Nachbarstaaten Anstoß genommen hätte. Dabei ist heute fast die gesamte Jugend in England, Frankreich, Italien, in den Vereinigten Staaten, in Polen und in Rußland nicht nur mit Uniformen be­kleidet, die denen der entsprechenden Armeen ähneln, sondern sie wird sogar von Heeresangehöri- g en ganz offen mit der Waffe für den Kriegsdienst ausgebildet. Deutschland ist sich der Ungunst seiner mititärgeographischen Lage bewußt und hat deshalb das größte Interesse an der Aufrechterhaltung eines ehrlichen Friedens. Die deutschen Jndustriereviere liegen fast sämtlich in der Reichweite der Geschütze unserer Nachbarn. Den Tausenden und aber Tausenden Kriegsflugzeugen hat Deutsch­land nicht ein einziges entgegenzusetzen. Der nationalsozialistifche Staat ist endgültig unwider­ruflich, damit müssen fd) £»ine Feinde drinnen und draußen abfinden, denn der Staat ist das Volk und das Volk ist der Staat."

Riefenfehlbetrag im amerikanischen Staatshaushalt.

Astronomische Summen für den Aufbau der Volkswirtschaft. Zn 2 Zähren will Roosevelt den Haushalt balancieren.

Washington, 4. Ian. Präsident Roosevell hat nun am Donnerstag dem Kongreß den Haus- haltsvoranfchlag für das im Juni begin­nende Haushaltsjahr vorgelegt. Don den Ausga­ben, die mit 5960 Millionen Dollar veranschlagt werden, entfallen 3237 Mill. Dollar auf den ordent- lichen Haushalt, während der Rest für die mit dem Wiederaufbau der Volkswirtschaft betrauten Verwaltungen bestimmt ist. Für die Stützung von Banken, Sparkassen und Bau­sparkassen sowie für den Freiwilligen A r - b e i t s d i e n st, die Durchführung öffentlicher Bau- ten usw. werden zusätzlich 2000 Millionen Dollar benötigt.

Da die Einnahmen mit 3679 Millionen Dollar veranschlagt werden, muß man mit einem Fehl­betrag von rund 2 000 Millionen Dollar rechnen, was für das laufende und kommende Haushaltsjahr zusammen die phan­tastische Summe von 9000 Millionen Dollar ausmacht. Die öffentliche schwebende Schuld wird Ende Juni 1935 auf rund 32 000 Millionen Dollar angewaä fcn sein.

Präsident Roosevelt gibt zu, daß feine Botschaft brutal offen" sei und nichts verschleiere, er müsse jedoch bemerken, daß er nicht ganz die Summen aus- gegeben habe, die ihm der Kongreß im Juni bewil­ligt habe. Man müsse bedenken, daß es sich bei den Ausgaben zum Teil um Kapitalanlagen handle, die dazu verwendet würden, um die Ver­einigten Staaten neu aufzubauen. Im Jahre 1936 müsse der gesamte Haushalt ausbalanciert fein.

Durch scharfe Sparmaßnahmen fei der ordent­liche Hausyalt um 6 8 4 Millionen Dollar herabgesetzt worden. Der Marinehaus­halt betrage 315 Millionen und sehe eine Er­höhung der Zahl der Matrosen und Seesoldaten um rund 4000 Mann vor. 55 Millionen Dollar seien für Neubauten ausgeworfen. Der Heereshaus- halt weife einen Voranschlag von rund 280 Mil­lionen Dollar auf. Für den Flugdienst seien 24 Millionen Dollar ausgeworfen worden. Es soll­ten 4 4 8 neue Flugzeuge angeschafft werden und 185 000 Mann Miliz, sowie 125 000 Reserve­offiziers-Anwärter ausgebildet werden. Der Haus­halt für das Auswärtige Amt sieht intereffanter- weise keine Kosten für die Abrüstungsabordnung vor.

Die (Eintreibung der alliierten Kriegsschulden soll energisch versucht werden.

Die Ansicht des Kongresses in Der Frage der nicht­zahlenden alliierten Kriegsschuldner ist unverändert. Sie zeigte sich in der ersten Sitzung z. B. durch starkes Beifallsklatschen, als Roosevelt Finn­land als einzigen treuen Zahler lobte. Nach wie vor ist das Parlament nicht gesonnen, Frankreich und dessen früheren Verbündeten die Kriegsschulden ohne Gegenleistung zu erlassen. Ueberbies brachte der Abgeordnete Kniskes im Re­präsentantenhaus einen Gesetzentwurf ein. Der eine Verdreifachung der Zollsätze für Die Waren aus Denjenigen Ländern vorsieht, die nicht mehr als 10 v. H. ihrer bereits fällig gewordenen Kriegsschuldenzahlungen geleistet haben.

Londoner Echo.

London, 5. Jan. (DNB.) Zu Präsident Roose­velts Haushalt mit seinenastronomischen Zahlen" sagt dieMorningpost": Unleugbar übernimmt der Präsident ein großes Risiko, Denn er verpfändet die Zukunft in der Hoffnung auf Er­holung. Sollte er keinen Erfolg haben, wird das Land für nichts und wieder nichts mit einer ge­waltigen Schuldenlast belegt fein. Ob die Besorg­nis der Kritiker begründet ist, läßt sich auf Grund der früheren Erfahrungen nicht beurteilen, Denn ein solches Experiment ist noch niemals in An­griff genommen worden. ImDaily Telegraph"" heißt es, der amerikanische Präsident behandele Das Erholungsproblem w i e ein Kriegsproblem. Er führe feine Nation in einen verzweifelten Kampf um Die wirtschaftliche Selbsterhaltung. Es sei nicht einzusehen, warum die Berechnungen des Präsidenten enttäuscht werden sollen. Das gesamte Erholungsdefizit von neun Milliarden Dollar werde ungefähr der Summe entsprechen, um die sich Die Schulden Der Vereinig­ten Staaten während Der zehn toten Jahre nach Dem Krieg vermindert hätten.Financial limes'' meint, Sowjetrußland werde vielleicht etwas eifer­süchtig sein, daß Präsident Roosevelt mit feinem Dreijahresplan Rußlands Urheberrecht verletzt habe. Wie es den Vereinigten Staaten 1936 ergehen werde, wenn alle Regierungsaufwendungen durch entsprechende Einnahmen aus einem ausge­glichenen Budget bestritten werden sol­len, sei eine Frage für sich. Die Außenwelt müsse jeden Gedanken an eine baldige Stabilisierung Des Dollars aufgeben. In dem Dreijahresplan ist Die Weigerung enthalten, auf irgendein ausländisches Interesse Rücksicht zu nehmen.

Teile fremder Völker in seinen Staatsraum einzu­beziehen oder seinen Nachbarn die Achtung ihrer völkischen Eigenart zu versagen.

Oie Zuspitzung der Lage in Oesterreich.

Großes Interesse der englischen Presse.

London, 6. Ian. (DNB. Funksvruch.) Die wachsende Zuspitzung der Lage in Oesterreich nimmt

werden konnte. In Lamprechtshausen tarn es zu lauten Mißfallenskundgebungen ge­gen die Bischöfe. In Zell am See verließ ein Großteil Der Kirchenbesucher Das Gotteshaus. In HundsDorf an Der Glocknerstraße weigerte s i ch ein Franziskanerpater, Der Den Auftrag erhielt. Den Hirtenbrief zu verlesen; er erklärte, Daß er aus­gesprochene Parteipolitik von der Kan­zel herab nicht treiben wolle. Der Pater wurde daraufhin sofort strafweise nach Marburg a. d. Drau versetzt.

in der englischen Presse einen breiten Raum ein. Der Wiener Berichterstatter DesDialy Tele­graph" meldet, unparteiische Beobachter berich­teten, Laß die Unzufriedenheit in den österreichischen Provinzen hauptsäch­lich infolge des Darnieberliegens der Fremden­industrie -T- s i ch rasch einem Höhepunkts nähere. Der Berichterstatter will wissen, daß eine für den heutigen Samstag geplante große n a t i o - j nolsozialistische Kundgebung in Wien im letzten Augenblick abgesagt worden sei und I folgerte Daraus, daß die Nationalsozialisten eine I wichtige AenLerung in Der Haltung der österreichi­schen Regierung erwarteten. In großer Aufmachung' berichtet der sozialistischeDaily H e r a Id" seinen Lesern, daß Dollfuß insgeheim die gleichzeitige Un­terdrückung sämtlicher Parteien mit Ausnahme Der Vaterländischen Front und die Ausschreibung einer Wahl vorbereite, an Der nur die Kandidaten Der Vaterländischen Front teilnehmen Dürften.

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Wie DerOesterreichische Pressedienst" meldet, kam es bei Verlesung des Hirtenbriefes des österreichischen Episkopats gegen den National- sozialismus in verschiedenen Orten zu Zwischenfäl- len. Aus Dem Bundesland Salzburg, das rein katholisch ist, werden ein paar Beispiele gemeldet: $n Anthering verließen die Baue n während Des Geschimpfes über den Nationalsozialismus die Kirche. In Gröding entstand so lautes Husten und Gemurmel, daß kein Wort verstanden

Festnahme katholiscker Geistlicher in Württemberg.

Stuttgart, 5.Jan. (DNB.) Die politische Po­lizei hat zwei katholische Geistliche fest- genommen und in das Schutzhaftlager Kuhberg gebracht. 20 Schutzhäftlinge, Die als Opfer gewissen­loser Verführer anzusehen sind, wurden gleichzeitig aus Dem Lager Kuhberg entlassen.

Don zuständiger Seite wird Dazu mit« geteilt, Daß sich die politische Polizei infolge Der wachsenden Erregung in einzelnen Orten über die

. politische Betätigung von Geistlichen nach sorgfäl- I tiger Prüfung aller Umstände zu Gegenmaßnahmen 1 habe entschließen müssen. Es wird auf verschiedene I Beispiele politischer Agitation durch katholische Pfarrer hingewiesen. So habe ein Geistlicher zur Hinrichtung von sechs Kölner Kom­munisten eine Heilige Messe abgehal- t e n und sich mit den ihm anvertrauten Kindern im Religionsunterricht über diese Hinrichtung aus­einandergesetzt. Ein anderer habe von Der Kanzel herab Die nationalsozialistische Bewe­gung geschmäht. Ein Dritter Geistlicher habe an einem Abend, an dem Die ganze Welt die Rede des Kanzlers anhörte, seinen Katholischen Gesellen- verein mit unaufschiebbarer Tagesordnung einbe­rufen und so Das A b h ö r e n Der Rede ver- hinbert.

Schärfere Strafverfolgung von Kon ursvergehen.

Berlin, 5. Ian. (Adz.) Die Strafoorschriften Der Konkursordnung ermöglichen es, Personen zur Verantwortung zu ziehen, die sich nicht recht­zeitig ihren Gläubigern offenbart unb durch Den Fortbetrieb ihres an sich überschulderen Unternehmens die Gläubiger geschädigt haben. Zahlreiche Zuwiderhandlungen gegen die Strafbestimmungen der Konkursordnung bleiben ungesühnt, weil sich niemand findet, der Den Tat­bestand aufdeckt und Anzeige erstattet. Seit Jahren ist immer wieder Darüber Beschwerde geführt mor­den, daß Personen, die ihre Gläubiger in unver­antwortlicher Weise geschädigt haben. Straffrei blei­ben und vielfach sogar ein neues Geschäft errichten oder das bisherige Unternehmen weiter führen. Die Berliner Industrie- und Handelskammer hat mit Vertretern der beteiligten Ministerien, Konkursrich­tern, Konkursverwaltern und Angehörigen Der Wirt­schaft über eine Abstellung Dieses Mißstandes be­raten. Man stellte fest, Daß zwar in allen Konkurs­fällen eine strafrechtliche Nachprüfung erfolgt, be- zeichnete es aber als Mangel, daß in Den meisten Fällen, in Denen Die Eröffnung des Konkursver­fahrens wegen Geringfügigkeit Der Masse abge­lehnt wird, c ine strafrechtliche Nachprü­fung nicht vorgenommen wird. Es soll des­halb bei der Industrie- unb Handelskammer eine Stelle eingerichtet werden, Die diese Nack Prüfung vornimmt. Die Industrie- und Handelskammer er­wartet, Daß ihr bei den Der Allgemeinheit Dienenden Prüfungen keine Schwierigkeiten erwachsen. Sollte etwa durch Vorenthalten der Geschäfts­bücher die Vornahme Der Prüfungen erschwert werden, so reichen die geltenden Bestimmungen aus, um derartige Störungsversuche zu verhindern. Grgen Mißbrauch der Neichszuschüffe

für Znstandsebungen.

Berlin, 5. Jan. (VDZ.) Mit Den für Jnstanb- fetzungs-, Ergänzungs- und Umbauarbeiten bereit- gestellten Reichszuschüssen sollen vor allem Ar­beitsgelegenheiten im Winter geschaf­fen werden. Eine mißbräuchliche Aus­nutzung Der Reichsmittel durch betrügerische An­gaben muß deshalb unter allen Umständen ver­hindert werden. Bei betrügerischen Angaben ist ein ausgezahlter Zuschuß zurückzufordern und eine strafrechtliche Verfolgung herbeizuführen. Der Reichsarbeitsminister betont, daß es wichtig ist, von vornherein von Betrugsverfucken abju« schrecken. Hierzu rft erforderlich, daß sofort nach Festellung des versuchten oder vollendeten Betruges sofort eine Bekanntmachung in Der Presse erfolgt. Durch allerschärfste Maßnahmen gegen derartige Personen, Die aus Eigennutz Die Interessen Der Volksgesamtheit schädigen und Die Auswirkung Der Maßnahmen der Reichsregierung sabotieren, kann eine abschreckende Wirkung erzielt werden. Eine Nachprüfung der einzelnen Aufträge muß sich ins­besondere Darauf erstrecken, ob Die in Den endgül­tigen Rechnungen angegebenen Arbeiten auch tat­sächlich ausgeführt sind. Es ist beabsichtigt, außerdem noch einer zusätzliche Prüfung durch Reichs st eilen erfolgen zu lassen. Eingliederung enllastener Schutzhäst-

linge in die Volksgemeinschaft.

Berlin, 5. Jan. (DNB.) Der preußische Mi­nisterpräsident hat aus Anlaß der Weihnachts - am n e ft i e zum Ausdruck gebracht, daß die Schutz- Häftlinge, die nunmehr zur Entlassung gekommen sind, sich nicht als Ausge st oßene betrach­ten sollen, sondern sich bemühen müssen, den W-g zur Volksgemeinschaft zurückzufinden. Den Entlas­senen darf seitens der Behörden und der Oeffent- lichkeit keine besondere Schwierigkeit bereitet werden, da der Zweck der Entlassungsaktion erst Dann vollständig erreicht wird, wenn Die ent­lassenen Schutzhäftlinge als vollgültige Volksgenos­sen behandelt roerDen. Der preußische Ministerprä­sident will nicht, daß diese Volksgenossen nur des­halb, weil sie in einem Konzentrationslager waren, benachteiligt werden sollen; so daß ihnen z. B. die Aufnahme eines A r b e i t s v e r h ä 11 n i s - f e 5 nur allein aus dem Grund unmöglich gemacht wird, weil sie ehemalige Schutzhäftlinge sind. Es wird erwartet, daß schon Die örtlichen Dienststellen im Bewußtsein ihrer Verantwortung als Organe des nationalsozialistischen Staates den früheren Häftlingen Förderung und Unterstützung angedeihen lassen. Die Fürsorge für Die entlassenen Häftlinge ist am wirksamsten durchzuführen, wenn sie bereits bei den untersten Organen des Staates einsetzt und von dort in das Volk hinausgetragen wird. Die Aufsichtsbehörden haben deshalb nicht nur Darüber zu wachen, Daß Die Beamten in Dieser Hinsicht ihre Pflicht erfüllen, sondern daß über­haupt auf keiner Stelle durch Die Außerachtlassung dieser Richtlinien Das Einigungswerk Des Führers sabotiert wird.

Gleichzeitige Gehaltszahlung in Reich und Preußen.

Berlin, 5. Jan. (DNB.) Nachdem Die Zahlung Des letzten Viertels der Beamtengehälter in Preu­ßen in diesem Monat bereits am 15. erfolgt, hat der preußische Finanzminister nunmehr ange­ordnet, daß im Monat Februar eine weitere Vorverlegung ftattfinbet unb den Beamten Die zweite Hälfte Der Gehälter bereits am 10. Februar in voller Höhe ausgezahlt wird. Damit werden wieder für die Gehaltszahlung in Preußen Die gleichen Termine festgesetzt, wie sie für Die Auszahlung Der Gehälter an die R e ich sbeamten gelten. Sofern es die Kaffen- Verhältnisse Des preußischen Staates irgendwie zu- lassen, wird diese einheitliche Zahlungsweise künftig beibehalten werden.

Oer neue Befehlshaber im Wehr­kreis III.

B - rlIn, 5. San. (DNB.) Als Nachfolger des zum Chef Der Heeresleitung ernannten General leutnants Freiherrn v. Fritsch ist Oberst v. W i tz l e b e n, Jnfanteriesührer VI, zum Som- mandeuxder 3. D i v i s-i o n und Befehlshaber im Wehrkreis III ernannt, und zwar unter Beför­derung zum Generalmajor.

Generalmajor v. Witzleben wurde 1881 in Bres- lau geboren. Er ist verheiratet. Sein Vater war Offizier. Nach dem Besuch der Kadettenanstalt trat er 1901 als Leutnant in Das ©renaDierregiment Nr. 7 ein. Bei Ausbruch Des Kriegs rückte er als Brigadeadiutant ins Feld. Nach längerem Front­dienst wurde er 1917 Generalstabsoffizier. Nach dem Krieg wurde er Kompaniechef, bann in Den Ge­neralstab ber 4. Division versetzt; 1926 trat Witz- leben als Generalstabsoffizier zum Jnfanteriefüh« rer III in Potsdam. 1928 wurde er Bataillonskom- manbeur im Infanterieregiment 6, 1930 Chef bes Stabs Der 6. Division. 1931 zum Oberst befördert,