Nr. 284 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Mittwoch, 5. Dezember 1934
Bücher unter dem Weihnachtsbaum
Kinderbücher und Zugendschrifien
Große Autoren deutscher Geschichtsschreibung
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— Zdenko von Kraft, Wettlauf nach dem B o d e n f e e. Eine lustige Wandererzählung für die Jugend. 128 Seiten. Mit farbigem Titel« bild und 11 ganzseitigen Textbildern von Franz Bilko-Baden. In Ganzleinen gebunden mit farbigem Schutzumschlag 3,50 RM. Herold-Verlag R. & E. Lenk, Stuttgart-»^. — (506) — Sieben Freunde treten den Wettlauf an. Sie bilden zwei Gruppen. In beiden wird zusammengehalten, und nach dem Ziel gedrängt. Welche der zwei Gruppen erreicht es wohl früher? Es hieße die Erzählung vorwegnehmen, wollte man's hier ausspinnen. Der Wanderweg die Schwäbische Alb empor und jenseits die Senke nach dem Bodensee wieder hinunter, belebt sich mit handfesten Abenteuern, von denen das schönste den Wettlauf nach dem Bodensee beschließt, der zugleich ein Wettlauf um aufrechte, anständige Gesinnung, ein Wettlauf um Treue und Kameradschaft und, für den einen der sieben Wettläufer, sogar ein Wettlauf um seinen Brotberuf und seine Zukunft wird.
— Paul G. Ehrhardt, Der Flieger- Robinson. Abenteuerliche Erlebnisse eines Ozeanfliegers. Mit einem Geleitwort von Wolf Hirth. 200 Seiten. Mit zehn Vollbildern von Willy Planck. In Ganzleinen gebunden mit farbigem Schutzumschlag 3,80 RM. Dem Ozeanflieger Hermann Köhl gewidmet. Herold-Verlag R. & E. Lenk, Statt- gart=W. — (507) — Die Geschichte eines Jungfliegers, der die Welt umfliegen will und dabei in
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— Hans Friedrich Blunck: Die große Fahrt. Ein Roman von Seefahrern, Entdeckern, Bauern und Gottesmännern. Preis in Leinen gebunden 4,80 RM. Verlag Albert Langen / Georg Müller in München. 1934. — (472) — Hans Friedrich Blunck, der aus seiner von Bauern und Seefahrern gebildeten Ahnenschaft heraus immer wieder Kunde gibt von Fernsehnsucht und Heimatgebundenheit nordischer Menschen, berichtet von der bisher fast unbekannten Entdeckung Amerikas durch zwei deutsche Seefahrer zwanzig Jahre vor Chri- stoph Columbus. Es ist ein abenteuerliches Leben, das der in Hildesheim geborene Diderik Pining bereits hinter sich hat, als er zum ersten Mal von Island und Grönland nach Westen fährt und ein neues Land entdeckt. Freibeuter war er mit seinem Kameraden Pothorst, einer der berüchtigten ©liefen- deeler, die sich den Teufel um das Recht bürgerlicher Kaufleute scherten. Aber dann stieg er in Island empor zu Ruhm und Macht. Die wilde Fahrfreude des nordischen Menschen gibt keine Ruhe. Seit er das neue Land sah, ist er besessen von dem Plan, junge Menschen von allen nordischen Ländern hinüberzuführen, um drüben ein neues Reich der Gerechtigkeit und Freiheit zu gründen. Sein Sohn soll ein Reiner sein, der das neue Volk führt, nicht belastet vom Unrecht, vom Wust der Vorurteile der alten Welt. Aber in Island selbst rühren sich die Gegenkräfte. Die Bauern wollen auf heimischer
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Geopolitik.
— Raumüberwindende Mächte. Unter Mitwirkung einer Reihe von Gelehrten heraus- gegeben von Prof. Dr. Karl Haushofer. Mit 53 Kartenskizzen und graphischen Darstellungen. lPreis geb. 10,80 Mark. Verlag B. G. Teubner, Leipzig Ci. — (363) — Dieses Buch schließt als Dritter Band des Gesamtwertes „Macht und Erde" :oen Ring grundlegender Darstellungen, die mit Kjellens „Großmächte" begannen und mit dem Sam- -melbanb „Jenseits der Großmächte" fortgesetzt wurden und das von Rudolf Kjellön, dem bedeutenden tchwedifchen Geographen, kurz vor dem Kriege entworfene geopolitische Weltbild nach allen Seiten jusbauen und begrenzen. Die geopolitische Betrach- ungsroeife, die Erkenntnis der Staaten als Lebensformen, als organische Einheiten, deren Einzel- ■aftoren zusammengenommen über die Lebenskraft ar Völker Aufschluß geben, diese Betrachtungsweise dank der unermüdlichen Forschungs- und Auf- ü'ärungsarbeit der Nachfolger Kjell6ns namentlich .inter den deutschen Geographen in den letzten wahren schon fast unbewußt fester Besitz weiter wlitisch interessierter Kreise geworden. Wurden in m früheren Bänden die einzelnen, im Raum i’beneinanber stehenden politischen Gebilde in ihren Lbensformen dargestellt, so unternimmt dieser iüchlußband nun, wie schon der Titel andeutet, den versuch, die in der Beziehung von Macht und Erde liegenben Kräfte darzustellen, die über den be= o enzten Raum der bisher betrachteten Gebilde hin- imsfireben, die den Raum zu überwinden trachten, c»er doch von dem Wunsche beseelt sind, ihn zu !I herrschen. Es liegt in der Natur der Dinge, daß liefe Tendenz um so schwieriger zu erfassen und zu urbeutlichen ist, je mehr sich die Behandlung des lroblems auf unwägbare geistige Strömungen er- frech. So sind auch die zu diesem Thema beige- 'ruerten Aufsätze nicht gleich leicht zu erfassen. Als teifpiel einer besonders klaren Lösung der gestell- im Aufgabe sei aus der Fülle des in dem Buch erarbeiteten Gedankengutes Oberhummers ausge- ;iid)nete Darstellung der Weltreligionen heraus- | ^griffen. Nennen wir noch, um lediglich einen | imbrucf von ber Mannigfaltigkeit bet Anregungen geben, bie bas Buch vermittelt, Haushofers rniperamentoolle Derteibigung ber geopolitischen Lhre in ben beiden Beiträgen: „Staat, Raum und :hib[tbeftimmung" und „Kulturkreise und Kultur- H?isüberschneibungen", ferner Keyserlingks Dar« stllung ber internationalen Bewegungen, Schmibt- slohrs fesselnbe Schilberung ber Sprache als raum» iserroinbenbe Macht, so ist bas nur ein Bruchteil Hfen, was hier als Ergebnis intensiver Forschung jiiammengetragen ist zu Nutz unb Frommen einer loseren politischen Schulung unseres Volkes, bem hiute nichts nötiger tut als bie rechte Erkenntnis Dyn inneren Wert ber politischen Kräfte unseres Mbilbes. —e.
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— Es ist eine bankbare Aufgabe, zur Vertiefung bes Geschichtsbilds breiter Volkskreise baburch bei» zutraaen, baß bie Möglichkeit geschaffen wirb, auch ben Laien an bie großen klassischen Darstellungen ber Weltgeschichte heranzuführen. Dieser Aufgabe bienen vorzüglich bie Ausgaben bes Phaibon-Ver- lags, bie bie Hauptwerke ber Kulturgeschichtsschreibung großer beutscher Autoren in bem burchweg ungekürzten Text bes Originals, aber befreit von bem kritisch-wissenschaftlichen Apparat bringen unb ihnen als Ergänzung ein Bilberwerk beifügen, bas ausschließlich zeitgenössische Darstellungen enthält unb baher, unter Verrneibung jeben unwissenschaftlichen Kitsches, gerabe bem Laien, bem ber Weg zu ben Quellen meist verschlossen fein wirb, ein ausgezeichnetes unb einroanbfreies Anschauungsmaterial bietet. Diese für alle uns bekannten Phaibon-Ausgaben geltenden Feststellungen finb er» forberlich, um bies einer wahren Volksbilbung bienenbe Unternehmen von früheren ähnlichen, aber burch üblen Kitsch ber Bebilberung unb zurechtgeschnittenen Text tatsächlich unbrauchbaren sogen, „populären" Unternehmen zu unterscheiben. Mommsens „Römische Geschichte" hat mit Fug unb Recht bie Reihe ber Phaibon-Ausgade eröffnet. Ihr folgte als Nachtrag, ebenfalls mit einem aufschlußreichen Geleitwort von Ebuarb Norben versehen, „Das Weltreich ber Cäsaren", ber einst 30 Jahre später erschienene 5. Banb ber Mommsenschen Geschichte unb bie aus bem ersten Teil zusammengetragenen Kapitel über Literatur, Kunst unb Kultur im vorchristlichen Rom. Beibe Werke würben hier früher schon besprochen. Nun ist soeben als wertvolle Ergänzung Lubwig Frieb- laenbers „Sittengeschichte Roms" herausgekommen (mit 120 Kupfertiefbruckbilbern nach antiken Vorlagen, ungekürzte Textausgabe, Preis 4,80 Mark — 459). Der unglückliche Titel ift, nach bem heutigen Sprachgebrauch burchaus irreführenb. Es ist eine burch bie Fülle bes Stoffes unb feine ungemein anschauliche Darstellung bis heute nicht übertroffene Kulturgeschichte Roms zur Kaiserzeit. Frieblaenber beginnt mit einer farbigen Schilberung bes Lebens unb Treibens in ber Stabt Rom bes ersten nachchristlichen Jahrhunberts; bie gesellschaftliche Schichtung, bie Stellung ber Frau, alle Zweige ber Kunst unb Literatur werben auf Grunb exakter Quellenforschung bis in bie Details beutlich gemacht unb in ben Schlußkapiteln wirb auch über Religion unb Philosophie ber Zeit ein ausreicfjenb lebenbiger Einbruck vermittelt. Die Auswahl ber Silber berücksichtigt vornehmlich solche Funbe, bie in ©e- brauchsgegenstänben bes täglichen Lebens ober in Darstellungen auf Vasen, Denkmälern, Gemälben bie Höhe ber Lebenskultur einbrucksvoll veranschaulichen. Die weiteren neu herausgekommenen Bände der Phaidon-Ausgabe treten an bie Stufe ber Neuheit. Leopolb von Rankes Deutsche Geschichte im Zeitalter ber Deformation (mit 120 Kupfertiefbruckbilbern nach zeitgenössischen Vorlagen, ungekürzte Textausgabe, Preis 4,80 Mark — 519) oerbinbet wie kaum ein ähnliches Werk ber Geschichtsschreibung wissenschaftliche ©rünblichkeit mit Kraft unb Plastik ber Dar-
nch Wilhelm Lc> )r- Friedrich Uz Wiot, für Den ft Weiter: fjanj der Anzeigen: i- Druck unb & ", und Steindl, llich in Gießen. '5 einschließlich j Werten 15 Pf. > und Samstags li 15 Pf. mehr. iom 2. Juli W
-- Gerharb Bohlrnann: Der verges- 1h e Kaiser. Roman. Preis geheftet 4,50, in Kleinen 6,50 Mark. Verlag PH. Reclam jun., 5?-ojig. — (473) — Aus bem Uebermaß ber 'üherproduktion bes vergangenen Jahres ist von bemann3 Jean-D'Arc-Roman „Die silberne Jung- la'l" ein starker Einbruck haften geblieben. Zu bem «um Buch scheint ber Dichter bie Vision in ben faltigen Trümmern bes spätrömischen Kaiser- ^,-lstes von Spalato an ber grellfarbigen felszer- ü::eten Küste Dalmatiens zu empfangen. Der ver- Mne Kaiser ist Diokletian, besten Name burch jun große Reichsreform aus ber großen Reihe k spätrömischen Militärkaiser auch über bie Chile hinaus unvergessen bleibt. Der balmatinische ^erfnabe, ber vom Glabiator zum Führer ber Sdorianer aufsteigt und mit gleichgesinnten Heer- fiüErn einem altersschwachen Imperator die Herr- jftlt entreißt, sucht in gewaltiger Kraftanstrengung ndi einmal dem drohenden Zerfall des Reichs vor- zümgen. Die Grenzen werden gegen die andrin- fi en Germanen und Perser gesichert, die Ver- ctLung straff aegliebert unb burch Teilung über» fttich unb schlagfertig gestaltet. Der Kaiser sieht 1 hü :9Bert vollbracht, einem Gelübbe gemäß, zieht । e tyt) in seine balmatinische Heimat zurück. Aber ffüi. Mitregenten unb Nachfolger geraten schnell
bänbchen Nr. 459, bas vor kurzem erschienen ist, nennt sich Bilberbogengeschichte unb bars als ein bichterisches Weihnachtsmärchen für kleine unb große Leute gelten, als ein miniaturhaftes Gegenstück zu „Klick" aus bem Spielzeuglaben, ben wir voriges Jahr hier besprochen haben, unb ein wenig auch zum „Sternenbaum", besten sich bie Leser bes Gießener Anzeigers aus ben Familienblättern erinnern werben. Das „ßanb ohne Tränen" ist die bunte Welt, bas weihnachtliche Paradies eines Spielzeuglabens, traumhaft unb boch in schöner Wirklichkeit bevölkert mit Puppen unb Soldaten, mit Nußknackern und Matrosen, mit Teddybären und einer Weihnachtskrippe unb noch manchen anbern Dingen, bie bas Herz ber Kinber erfreuen. In einer lyrisch- melobramatischen Folge von Silbern gehen zwei arme unb sehnsüchtige Kinber, Hans unb Grete, burch bie zauberhaft geöftneteSchaufensterscheibe in bas weihnachtliche Parabies vieler Herrlichkeiten ein unb beginnen mit ben Spielzeugkameraben eine märchenhafte Reise. Das ist alles mit Musik begleitet, von vielfältigem Chorgesang belebt, ganz auf weihnachtliche Stimmung unb kinbertümlichen Ton gestellt, bennoch spürt man, etwa in ber sanften Weise Des „großen Spielzeugkameraben", baß hier ein echter unb ernsthafter Dichter am Werke war. Willy Har werth hat bem hübschen Bänbchen einen luftigen bunten Umschlag gegeben, ber bem Inhalt entspricht unb bas Ganze zu einer freunblichen unb festlichen Gabe unter bem Lichterbaum macht, -y-
stellung. Heute, wo Fragen des Glaubens wieder die Seelen von Millionen unserer Volksgenossen zutiefst bewegen, wo man sich wieder besinnt auf bie Quellen unb ©runblagen bes reformatorischen Bekenntnisses, kommt biefe Neuausgabe ber Rankeschen Reformationsgeschichte bem Verlangen entgegen, eine Geschichtsepoche kennenzulernen, bie politisch wie weltanschaulich ebenso eine Zeiten- roenbe war, wie wir unsere Gegenwart empfinben. Das unbestechliche Urteil unseres größten beutschen Geschichtsschreibers ist ber zuverlässige Maßstab für bie Erkenntnis ber Dinge, bie heute roieberum in unseren Herzen brennen. Die ber Neuausgabe beigegebenen Silber aller bebeutenben Persönlichleiten ber Zeit unb Proben bes Schrifttums unterstützen bas Verstänbnis ber Zeit. Was bie Reformation für ben Norben, war bie Renaissance für ben ©üben unb kein besserer Führer in biefe großartige, an kraftvollen politischen Führern wie an genialen Künstlern unb bahnbrechenben Gelehrten so verschwenberisch reiche Welt bes Umbruchs vom Mittelalter zur Neuzeit als Jacob Surck- harbts Kultur der Renaissance, mit deren Neuausgabe ber Phaibon-Verlag seine bisherigen Leistungen noch übertroffen hat. (Ungekürzte Textausgabe mit Anmerkungen unb 421 Kupfertiefbruckabbilbungen nach zeitgenössischen Vorlagen in Ganzleinen gebunben 4,80 Mark. — 544) Wilhelm Waetzolbt, ber frühere Direktor der preußischen Staatsmuseen, hat der schönen Ausgabe ein Nachwort mit auf ben Weg gegeben, bas die eigenartig Persönlichkeit des großen Vaster Forschers und die tieferen Gründe feines ungewöhnlichen Einflusses auf Kunstaefühl und Lebensbetrachtung von Generationen feinsinnig gedeutet. Waetzoldt sagt mit Recht, solche Zaubergewalt pflege nur von Süchern auszugehen, die Wissenschaft und Kunstwerk zugleich sind, bei dem ein Poet dem Historiker über die Schulter geblickt und ihm ins Ohr geflüstert hat wie der Engel dem Evangelisten Matthäus. Das edelste Geschenk, bas bie Musen bem universalen Manne in bie Wiege gelegt hatten, war bie bichterische Anlage, bie als Einfühlungsfähigkeit in frembe Menschen, Zeiten, Anschauungen, als Schmiegsamkeit der Phantasie, als Gabe intuitiven Verstehens der charakteristischen Situationen, als bildhafte Vision und als Kunst der Sprachbeherrschung sich regte. So haben wir in Vurckhardts Kultur der Renaissance eine der köstlichsten Früchte deutscher Geschichtsschreibung, die in einer Reihe großer klassischer Autoren mit Fug und Recht besonders herausgehoben zu werden verdient. Die Neuausgabe kommt dem Gefühl für die Geschlossenheit des Werkes dadurch entgegen, daß es die Silber in einem zweiten Teil zusammenfaßt, ber besten Glieberung nur in großen Zügen an ben Gang bes Textes hält. Es ist hier mit befonberer Sorgfalt alles bas aus ber Ueberfülle bes Materials ausgewählt unb ver- ftänbnisvoll zusammengestellt worben, was einen lebenbigen Einbruck von ben beroegenben Kräften ber Zeit, ber Vielseitigkeit ihres Schaffens, ber Neuartigkeit ihrer Gebauten geben kann. —e.
Neue Bücher mit Bildern.
21 u 5 meinem kleinen Garten. Scheren- schnitte unb Worte von 21. M. Schwinbt. Preis 2,85 Mk. Hessischer Heimat-Verlag, Darmstadt 1934. — (424) — Dieies Such kann als ein Gegenstück zu ben bekannten SlumLnbüchem von Rudolf Koch gelten; was bort gezeichnet unb farbig ausgemalt war, erscheint hier als Silhouette, unb es ist erstaunlich, mit welcher unverwechselbaren Deutlichkeit unb do- tonischen Realistik der Charakter jeder Slume fest- gehalten ist, es sei nun Anemone ober Hahnenfuß, Storchschnabel ober Klatschmohn. Dennoch hat die Art ber Darstellung nichts nüchtern Lehrhaftes an sich, sondern es wirken alle Blätter sehr anmutig unb gewissermaßen poetisch auf den Leser, was durch die jedem Scherenschnitt beigegebenen Verse noch unterstrichen wird. So mag das Gartenbuch des Darm, ftäbter Graphikers Schwindt, aus einem heiter-besinnlichen Gemüt hervorgegangen, vielen gerade heute nicht nur Belehrung unb Anregung, sondern auch Freube an der Natur wie an der selten geübten Kunst des Scherenschnittes vermitteln.
— Ein überaus anmutiges Bändchen ist unter der Nummer 236 in der illustrierten Reihe der Insel- Bücherei des Insel-Verlags erschienen: Wer will unter die Soldaten. Deutsche Soldatenlieder mit farbigen Bildern von Fritz Kredel. Preis 80 Pfennig. — (545) — Aus bem reichen Schatz ber beutschen ©olbatenlieber ist hier eine Auswahl ber schönsten unb markantesten zusammengestellt. Neben schon historischen unb literarisch berühmt gerooebenen — wie „Wohlauf, Kameraden", „Zu Straß- bürg auf der Schanz'", „Kein schön'rer Tob ist in ber Welt", „Morgenrot, Morgenrot" unb „So leben wir, so leben wir" — finden wir ganz gegenwärtige und noch heute von Unzähligen gesungene Lie- ber wie „Ein Schiftlein sah ich fahren", „Ich hatt' einen Kameraden", „Drei Lilien", „Lippe-Detmold" unb „Schatz, ach Schatz, reife nicht so weit von hier"; und wenn die Sammlung, literarisch betrachtet, etwa von Schiller über Brentano, Hauff unb Uh land bis zu Löns und Zuckermann führt, so stehen daneben mit gleichem Anspruch auch die namenlosen Lieder, die im Volk von Mund zu Mund von Jahrhundert zu Jahrhundert weiterleben und oft nach Volksliedweise „zersungen" werden. Den besonderen Reiz der kleinen Sammlung bilden 'die mehrfarbigen Bilder von Kredel, der mit Liebe, viel Humor und genauer Sachkenntnis an seine Aufgabe herangegangen ist. Und wenn die bunten Soldatenfiguren zu Fuß und zu Pferd auch aussehen, als kämen sie aus der Nürnberger Spielzeugschachtel, so kann man sich im Register davon überzeugen, daß hier nichts von ungefähr gezeichnet und gemalt wurde, sondern von einem, der in den historischen Uniformen der deutschen Armee genau Bescheid weiß: zu jedem Bild ist hinten der Truppen- teil angegeben, und mir hier freuen uns besonders über die Musketiere der Hesten-Darmstädtischen Leibbrigade von 1803 und den vom Jnfanterie-Leib- regiment „Großherzogin" (3. Grohh. Hess.) Nr. 117 von 1913. — Das Bändchen wird sehr schnell die weite Verbreitung finden, die es verdient.
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— Im Propyläen-Verlag, Berlin, erschienen die ersten beiden Bände einer neuen Serie „Bücher bes Leben s". Banb 1: Dr. Karl With: Das Hohelieb ber Sonne. Ein Buch vom Quell bes Lebens. 128 Seiten, mit 157 Bilbern im Text. Kartoniert 3 Mk. — Banb 2: Dr. Karl With: Mutter unb Kinb. Ein Buch vom kostbarsten Lebensgut. 128 Seiten, mit 152 Bildern im Text. Kartoniert 3 Mk. — (489/90) — Karl With, bekannt durch seine Reisen und Forschungen, seine vielseitigen Arbeiten auf dem Gebiet ber Kunst unb Kultur, hat mit ber Serie „Bücher bes Lebens" eine Buchform geschaffen, bie ebenso neuartig wie sesselnb unb volkstümlich ist. Jeber bieser Bände behandelt in zusammenfassender Gesamt- schau, die den Leser durch die verschiedenartigsten Wissensgebiete hindurchführt, ein großes Lebensgebiet. Der erste Band erzählt von der Sonne, von ihrem Wanbel, ihrem Wesen und ihrem Wirken, von ber Kraft der Sonne, die Menschen, Tieren unb Pflanzen Licht, Leben unb Wärme fpenbet. Von ber Bewegung von Sonne unb Erbe, von Frühling unb Sommer, Herbst unb Winter, von Sonnenverehrung unb Lichtglauben ber Völker, von Sonnengöttern unb Lichthelden, ben Zeichen und Symbolen, ben Festen unb Volksgebräuchen. — Der zweite Banb erschließt die unerschöpfliche Erlebnisfülle, die im Erleben zwischen Mutter unb Kind beschlossen liegt. Vom Wunder der Geburt an verfolgt es das Werden des Kinbes unb schil- bert, wie das Kind, von der Mutter betreut, aufwächst, bis cs größer geworden das Elternhaus verläßt. Das Buch geht zu den Tieren und zu fremden Völkern, es umfaßt Alltag und Feiertag im Leben der Mutter, es berichtet vom Leben der Familie und vom Leben der Gottesmutter Maria. Doch so weit auch diese Wege scheinen, immer führen sie ins Menschliche unb zu uns selbst zurück.
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Deutsche Crzähler.
— Hans Caroffa: Eine Kindheit und üurmanblungen einer Jugend. 380 <5eile.. 5 Mark. Im Insel-Verlag zu Leipzig. — (401) — vorigen Jahre Haden wir Carossas Lebens- guoentbud) „Führung und Geleit" an dieser Stelle diqprochen; nun legt uns der Insel-Verlag bie beiben 'K-rftufen bazu, bie bas Ganze zur Einheit fügen, a.: ben Weihnachtstisch: ben Freunben bes Dichters pur schon bekannt, in ber nun erfolgten Vereini- -mg dennoch wie etwas Neues wirkend. Man lieft oldes wiederum, spürt die innere Zusammengehö- ’r'lteit, die Beziehungen, die zwischen den beiden '^igendbüchern sich spinnen und von diesen zu jenem D-nöerbaren Buch der Reife und des Rückblicks von b: Mittagshöhe des Lebens führen. Und während mn wieder blättert unb, aufs neue angezogen unb "01 verzaubert, sich festliest, jenes Kinberkapitel „Der ■gutberer" etwa ober ben köstlichen „Einstanb" im Emiinar, spürt man, wie sehr biefe Schilberungen ikr den privaten Umkreis hinausreichen ins Allge- tninere unb menschlich Gültige, spürt man in jebem le einfachen, klaren, zuchtoollen Sätze, wie biefe lHzeichnungen aus dichterischen Händen kommen, -lut einer Weisheit und männlichen Reife geschrieben niirben, welche um die Geheimnisse unb bie ent- h ibenbe Bedeutung einer zum Leben erwachenden nti erwachsenden, erst noch paradiesisch-unbewußt -fd regenden Kinder- und Knabenseele weiß. Man ?rrt da ab unb zu auch ben Arzt Carossa zwischen ! li Zeilen, viel häufiger aber unb immer roieber le- gütigen unb heiter-gelassenen Kenner bes ichschlichen Herzens, bem nichts ferner läge, als ft selbstgefällig in ben Bilbern seiner Jugenb zu iqgeln: er selber hat bie Quintessenz dieser Auf- Ahnungen andeutend zusammengefaßt mit den Torten: „Was einer in seinen ersten zehn Jahren jibebt und getan hat, bas wirb er immer lieben, in-ner tun." Nicht besser als mit biesen einfachen Inten kann man bem Buch von ber Kinbheit unb von itr Verwanblungen einer Jugenb seinen Stanbort «weifen. Es ist übrigens auch äußerlich ein schöner in? stattlicher Banb geworben, ber bas nämliche Ge- »:.b trägt wie bas Lebensgebenkbuch, neben bas es üe Freunbe bes Dichters mit Freuden stellen
einen Orkan gerät, der ihn inmitten des Stillen Ozeans zum Landen zwingt. Auf einer kleinen, unbekannten, unbewohnten Insel erlebt der kühne Mann eine siebenjährige Robinsonade, bis es ihm gelingt, mit Hilfe eines felbftgebauten Segelflugzeuges die Wasserwüste zu überqueren und bewohnte Gestade zu erreichen. Ein Buch voll Abenteuer, dabei durchtränkt von reichem technischem Wissen, von einem Fachmann geschrieben, eine Fundgrube für alle jungen Freunde des Flugsportes.
— Kasperle-Bastelbuch. Eine Anleitung zur Herstellung von Handpuppen aus verschiedenem Material, von Bühnen und Kulissen, von Ella unb Fritz Martini. Farbiger Pappbanb, 32 Seiten mit Photos unb Zeichnungen. Preis RM. 1,20. Verlag Otto Maier, Ravensburg. —(542)— Ein Heft, entstauben aus ber praktischen Arbeit im Werklehrerseminar, aus bem lebenbigen Spiel mit Kinbern, bas allen Bastel- unb Spiellustigen ausprobierte Vorschläge machen will. Einleitenb ift ein kurzer Ueberblid gegeben über Herkunft unb Entstehung bes Puppenspiels. Dann wirb aus führlich die Herstellung von Kasperle-Köpfen aus verschiedenem Material beschrieben. Große, klare Photos veranschaulichen im einzelnen Material unb Arbeitsgang unb zeigen als Beispiel jeweils einige fertige Köpfe unb Puppen. Im zweiten Teil finb Anregungen gegeben zur Setleibung unb Ausstattung ber Figuren.
roieber auf eigene, falsche Wege, bie Spannung im Innern wächst, bie Grenzoölker, bie die starke Hanb Diokletians nicht mehr spüren, fallen wieber ins Reich ein. Diokletian bietet feine Hilfe an, aber aus selbstgerechtem Trotz wirb sie erst angenommen, als es zu spät ist. Nach einer furchtbaren Schlacht am Po brechen bie Germanen in Mittelitalien ein. Diokletian kehrt nach Spalato zurück. In ben Trümmern seines von einem Brand zerstörten Palastes suchen Christen Zuflucht vor ben anbrängenben Reiterhorben slawischer Völker. Ein unbekannter alter Mann kauert im Schatten ber neuerrichteten christlichen Kirche: ber vergessene Kaiser. — Schon bieser äußere Umriß bes Romans beutet an, baß es sich nur ganz annähernb um ben historischen Diokletian hanbelt, es geht dem Dichter sehr viel mehr um bas innere Gesicht ber Zeit, bie erhellt war von bem fahlen Licht ber unter« gehenben römischen Welt unb ben grellzuckenben Blitzen ber furchtbaren Schlachten, in benen bie Germanen sich ben Eintritt in ben Kreis ber alten Völker erkämpfen. In biefe mit großartigem Schwung unb ungeheurer Farbigkeit gefchilberte Atmosphäre stellt ber Dichter bie tragische Gestalt bes Diokletian, besten Schicksal es ist, burch Macht unb Einsamkeit einen Weg zu gehen, an besten Enbe ber Abgrunb geistert. —e.
— Friebrich Schnack: ßanb ohne Träne n. Eine Bilberbogengeschichte. 49 Seiten. Im Insel-Verlag zu ßeipzig. — (501) — Das neue Insel-
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