erfennung; er erwarte, daß in der Frage der Staatsreform, in der sich die Alliance g e - schlossen hinter den Ministerpräsi- d e n i e n stellen wolle, der Führer der Radikalsozialisten zum Entgegenkommen bereit sei, damit das Werk Doumergues, von dem das Schicksal des Landes abhänge, vollendet werden könne. Die Ausführungen Flandins, insbesondere feine Andeutungen über ein engeres Zusammengehen mit den Radikalsozialisten, wurden von der Versammlung mit großem Beifall ausgenommen.
So ist trotz aller Krisenstimmung nicht gesagt, daß Doumergue nicht doch die Oberhand behält. Jedenfalls rühren alle Anhänger des Burgfriedenskabinetts eifrig die Trommel. Einige Blätter oer- sucken mit der „bedrohlichen außen poli- tischen Lage" Stimmung zu machen. U. a. schreibt der „Petit Parisien": Man betont, daß das Parlament einen schweren, ja den schlimmsten Fehler begehen würde, in der jetzigen St unde eine Regierungskrise auszulösen. 3m Hin
blick auf die S a a r a b st i m m u n g organisiert sich Deutschland mehr und mehr. Der geschlossenen Front der Beherrscher Deutschlands muß Frankreich eine starke Regierung entgegenstellen können. Unsere Freunde und Verbündeten wünschen das ebenso sehr wie unsere Bevölkerung. Diese Regierung aber ist das B u r a f r i e d e n s k a b i- nett Doumergue. Der Dölkerbundsrat soll am 21. November seine Saarverhandlungen aufnehmen. Die Persönlichkeiten, die uns dabei vertreten wer- den, müssen ihre Vorbereitungen in Ruhe vollenden können. Auf einer Bezirkstagung der Neu- sozialistischen Partei in Toulon hat sich der Abgeordnete Renaudel gegen die marxistische Front, aber für die Einheitsfront der Links- Parteien ausgesprochen. Renaudel befürchtet, daß Doumergue trotz des Widerstandes der Kammer feine Pläne durchbringen werde und daß man dann sehr bald mit äußerst ernsten Ereignissen rechnen müsse. Blut werde fließen und der Aufruhr werde durch die Straßen tobten.
Doumelgues Appell an das Volk.
Der Kampf gegen den überspitzten Parlamentarismus.
Der Ministerpräsident vor dem Mikrophon.
Stärkung der Bolkssouveränität gegen das Parlament.
Paris, 3.Rov. (DNB.) Die Rundfunkrede, die Ministerpräsident Doumergue am Samstag ge- halten hat, gibt über die Absichten des Ministerpräsidenten unzweideutig Aufschluß. Der Ministerpräsident stellte seine Ausführungen unter das Motto: „Nach der Finanzsanierung die Wirtschaf t s s a n i e r u n g". Die Wiederher siel- jung der Regierungsautorität sei das einzige wirksame Mittel, alle für die Wirtschafts, gesundung geeigneten Dinge wirksam werden zu lassen.
Wenn der jetzige Ausland forldauere, werde bald allenthalben die Anarchie platz greifen, deren erste Opfer die Bürger des Landes fein würden. Gewiß gebe es im Parlament wertvolle Persönlichkeiten, aber sie könnten sich in dem Wirrwarr der Parteien und der Parteikämpfe nicht durchsetzen. Die parteigruppchen vertrödelten ihre Zeil damit, sich gegenseitig zu bekämpfen, um eine Wacht zu erobern, mit der sie nichts Vernünftiges anzufangen wüßten. Denn demnach erroiefen fei, daß die Unsicherheit der Regierung eines Tages für das demokratische Regime todbringend werden könnte, müsse man fragen, ob die Ursache nicht in den Lücken und Unvollkommenheiten der Verfassung zu suchen sei. Deshalb fei nichts notwendiger, als eine Staatsreform durch eine wohlüberlegte Revision der Verfassung.
Seine Pläne hätten in gewissen Kreisen erhebliche Erregung ausgelöst. Man habe ihm zwar nicht vorgeworfen, er wolle für sich persönlich d i e Diktatur, aber er bereite anderen den Weg. Als Diktaturanwärter komme aber, soweit er sehe, nur die marxistische Front in Frage. Er werde nötigenfalls das Land auffordern, sich zu äußern. Diese Volksbefragung fei nur im Wege von Neuwahlen möglich. Er wünsche nicht, zur Auslösung der Kammer zu schreiten, aber er würde nicht zögern, davon Gebrauch zu machen, wenn er entgegen seiner Ermächti- gung dazu gezwungen sein sollte.
Bei der augenblicklichen Lage müsse schnell gehandelt werden. Wenn man der Regierung die Kredite verweigern wolle, die sie brauche, um den Staatsbetrieb vor der Verabschiedung des Haushaltsplanes für 1935
und vor der Durchführung der Revision sicher- zustellen, so müsse er sagen, daß ohne diese Kredite die Regierung inmitten ihrer Ausgaben lahmgelegt und nur noch die Möglichkeit haben werde, abzutreten. Um dieser Gefahr zu begegnen, werde sie sofort bei Wiederzusammentritt der Kammer die Bewilligung des Haushallszwölftel verlangen, wenn die rechtzeitige Bewilligung verweigert werde, würde das bedeuten, daß das Parlament nicht nur der Revision der Verfassung feindlich gegenüberstehe, sondern daß es dem Ministerpräsidenten auch nicht die Möglichkeit lassen wolle, das Land aufzufordern, in dieser ernsten Frage selbst zn entscheiden. Ausnahmsweise vorgenommene Wahlen würden es den Wählern gestatten, ihre Stimmen nur solchen Kandidaten zu geben, die bereit seien, unverzüglich die Bestimmungen, die zur Verbesserung und gleichzeitig zur Unterstreichung des demokratischen Charakters der Verfassung unerläßlich seien, zu verabschieden.
Der Ministerpräsident wandte sich dagegen, daß die von ihm vorgenommenen Verfassungsänderungen antidemokratisch oder gefährlich seien. Durch sie würde lediglich dem Volk eine viel wirksamere Kontrolle über seine parlamentari- lchen Vertreter gegeben. Das Recht zur Auflösung des Parlaments stehe in einer wirklich demokratischen Verfassung nicht einer parlamentarischen Versamm- hing zu, sondern nur dem Staatsoberhaupt, das nur davon auf Vorschlag der Regierung Gebrauch mache. Ein Mißbrauch des Auf- lösungsrechts würde darin bestehen, wenn die Auf- lösung der Kammer im er st en Jahre ihrer Gesetzgebungsperiode ohne große Schwierigkeiten vorgenommen werden könnte. Denn während die- ses ersten Jahres suche sich in der neuen Kammer eine stabile Mehrheit zu bilden. Deshalb schlage er ein Fahr als Frist für die Auslösung vor. Der Ministerpräsident entwickelte dann seine weiteren bekannten Reformpläne über die Stellung des Ministerpräsidenten, die Verabschiedung des Staatshaushaltsplanes, die Stellung der Beamten im Staat u[m. und betonte zum Schluß erneut, daß seine Pläne nicht auf Schwächung, sondern auf eine Stärkung des demokratischen Regimes abzielten. Nur so werde die Schaffung einer persönlichen Regierungsgewalt und das Herannahen der Diktatur unmöglich gemacht werden können. Er sei gewillt, nach besten Kräften zu Han- bellt. Man dürfe von ihm nicht erwarten, daß er sich auf irgendwelche Kompromisse zwischen dem, was er für gut halte, und dem, was ihm als schlecht erscheinen würde, einlassen könnte. Er denke nur an das allgemeine Wohl.
Wird die Regierungskommission gegen den Emigrantenterror einschreiten?
Eine Aufforderung des Landesleiters pirro.
Die Deutsche Front wahrt äußerste Disziplin.
Ausschluß von Provokateuren und Heißspornen.
Saarbrücken, 3. Nov. (DNB.) Der Landesleiter der Deutschen Front, Pirro, veröffentlicht einen Aufruf an die Mitglieder der Deutschen Front, in dem es u. a. heißt:
Die Lage an der Saar beginnt durch unverantwortliche gegnerische Machenschaften plötzlich sehr ernst zu werden. Die Franzosen drohen mit dem militärischen Einmarsch ins Saargebiet. Ich verstehe euch, daß ihr die Nachrichten über die drohende Besetzung unseres Heimatgaues mit größter Ent- rüftung aufnehmt. Ich verstehe auch die bitteren Fragen, die ihr in diesem Augenblick an die verantwortlichen Behörden richtet.
Ist es den verantwortlichen Stellen bekannt, daß in rückgliederungsfeindlichen Versammlungen und Zeitungen nun schon seit Monaten in maßloser und verleumderischer Weise gegen das deutsche Volk, das Deutsche Reich und seinen Führer gehetzt wird, daß in den Versammlungen der Emigranten und unserer Gegner die Verordnungen der Regierungskommission dauernd übertreten werden, daß die Emigranten planmäßig zum Bandenkrieg ausgebildet werden, daß die Emigranten das ihnen gegen den Dillen der gesamten Bevölkerung gewahrte Gastrechl mißbrauchen und durch Unruhestiftung und tägliche Terrorfalle die öffentliche Ruhe und Ordnung gefährden, daß die Emigranten ihr gefährliches Spiel unter dem Schuh der Bergwerksdirektion treiben?
Die Regierungsfommiffion steht vor einer geschichtlich hoch bedeutsamen Entscheidung. Entweder sie bannt — was ihr sehr leicht fallen wird — mit ihren Machtmitteln jeglichen Terror, insbesondere den der (Emigran
ten, sie verbietet ihnen das öffentliche Auftreten in Versammlungen und das Mitarbeiten an saarländischen Zeitungen — und der ganze Terrorspuk ist verflogen und endgültig beseitigt — oder sie ruft die französischen Truppen ins Gebiet — dann wird das Unglück, das sie schließlich über Europa und die abendländische Kultur bringt, unabsehbar sein.
Euch aber, ihr deutschen Männer und Frauen an der Saar, fordere ich in dieser ernsten Stunde nochmals zur äußer st en Disziplin auf. Gewiß, eine solche Aufforderung ist nicht mehr nötig; ihr habt durch Monate hindurch bewiesen, daß ihr um eures Vaterlandes und des Friedens willen Zucht zu wahren versteht. Bewahrt nun diese Zucht auch weiterhin trotz der ungeheuren Spannung, in die euch die Bereitstellung einmarschbereiter Truppen an der Grenze des Saargebietes versetzt hat.
Gleichzeitig ordne ich an:
1. Mitglieder der Deutschen Front, die meinem Gebot zuwiderhandeln und keine Disziplin wahren, sind nicht nur aus der Deutschen Front sofort auszustoßen, sondern auch gegebenen- falls der Staatsanwaltschaft zu übergeben.
2 Wer durch eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft nachweislich die Verurteilung eines Terroristen, der sich in die Reihen der Deutschen Front e i n g e s ch l i ch e n hat, er» aielt, erhält von der Deutschen Front eine B e • lohnung von 1000 Franken.
Eine englische Stimme der Verminst.
London 5. Nov. (DNB.-Funkspruch.) „News Ehronicle schreibt, in britischen Regierungskreisen |ei man sich nicht darüber klar, ob für eine Ent- sendung von Truppen ins Saargebiet ein Er - f" ch e n des Präsidenten der Saarkorn- rn l s s l o n K n o x genügen oder ob ein Beschluß b e s V o lkerbundsrates notwendig sein würde. 3m ersten Fall würde in einer Zeit ner- vojer Spannung eine sehr große Verant.
Wirtschastssteuerung, die Herrschaft des gefunden Menfchenverf a i-S. Eine handelspolitische Betrachtung für jedermann.
Don Hanns Deyben.
Die Fülle der Erscheinungen, die auf jeden Be- trachter des politischen Lebens im neuen Deutschland einstürmen, hat bislang viele davon abgehal- ten, ihre Aufmerksamkeit auch den Dingen zuzuwenden, die in aller Stille $um Wohle des Volksganzen heranreifen. Noch immer scheint nämlich beim Zeitungsleser — soweit er nicht selbst in der Wirtschaft steht — eine gewisse Neigung vorhanden zu sein, den volkswirtschaftlichen und Handelspolitik sehen Teil seines Blattes zu überschlagen, weil er im Gegensatz zu den eben erwähnten politischen Vorgängen nicht „interessant" genug erscheint. Vielleicht mag diese Abneigung gegen die Wirtschaftspolitik auch daher kommen, daß in den vergangenen Fahren Volk und Leserschaft zu oft und zu viel mit wirtschaftspolitischen Vokabeln und Theorien überschüttet wurden, aus denen zuletzt niemand mehr klug wurde, und die es ja auch keineswegs, wie die bittere Erfahrung lehrte — zustande brachten, eine geordnete Volkswirtschaft und den ersehnten Volkswohlstand herbeizuführen.
Heute hat sich das Blatt gewendet. Fntellektuelle Wirtfchaftstheorien sind über Bord geworfen, an ihre Stelle trat d i e volkswirtschaftliche Tat. Diese Tat findet ihren Ausdruck darin, daß der neue Staat wirtschaftspolitisch nur das unternimmt, was dem unmittelbaren Nutzen des Volkes dient. Dazu war notwendig und wurde erreicht, daß die Wirtschaft von ihrem alles beherrschenden Thron gestürzt und zur Dienerin des Allgemeinwohls gemacht wurde. Der neue Staat errichtet also keine national-ökonomischen Lehrgebäude, sondern begnügt sich damit, die Wirtschaft zu beaufsichtigen und sie zu lenken.
Statt dieser Erklärungen ein Beispiel. Gerade in diesen Tagen wurde für Preußen eine neue Verordnung über neuzuerrichtende Gast- und Schankwirtschaften verkündet, worin die Sperre für Schankerlaubnisse noch verschärft wird. Fn der Begründung wird erklärt, daß die erweiterte Gasthaussperre im allgemeinen volkswirtschaftlichen Fnteresse ergangen sei, um die im Gaststättengewerbe angelegten Kapitalien sowohl den Fn- hadern als vor allem auch der deutschen Volkswirtschaft zu erhalten. Bei der jetzigen Lage des Gewerbes müsse damit gerechnet werden, daß durch die Neuerrichtung von Gaststätten nicht nur die in neuen Unternehmungen angelegten Anlagewerte und Betriebsvermögen gefährdet sind, sondern darüber hinaus auch die vorhandenen Betriebe in ihrem Bestand bedroht werden.
Denjenigen Volksgenossen, die nun im Begriff standen, eine neue Gaststätte zu eröffnen um aus ihr ihren Lebensunterhalt zu ziehen, mögen derartige Verordnungen als eine unbillige Härte erscheinen. Sie mögen vielleicht zunächst mit einem Schein des Rechts von einer „diktatorischen" Bevormundung des Staates sprechen, die es im liberalen Staate nicht gegeben habe. Sehr schnell aber sind derartige Gedankengänge gerade vom Blickpunkt des einzelnen aus zu widerlegen und zwar mit der Frage: „Was tat der liberale Staat für dich, wenn nun deine neu errichtete Gaststätte nicht gedeihen konnte?" Die Antwort: Der liberale Staat tat für dich nichts! Unerbittlich sandte er feine Vollstreckungsbeamten solange bis dir der letzte Pfennig aus der Tasche geholt war. Aber diese Vollstreckungsbeamten besuchten auch die be- nachbarten Gaststätten, die nun ihrerseits wegen
der neu aufgetauchten Konkurrenz nicht mehr leben und sterben konnten. Der wirtschaftliche Mißerfolg dehnte sich natürlich auch auf die Angestellten, Handwerker und Arbeiter aus, die irgendwie mit den Betrieben in Beziehung standen. Nicht zuletzt aus diesen Gründen der uneingeschränkten „Wirtschaftsfreiheit" entstand ja die erschreckende Mil- lionenziffer der Arbeitslosen, weil jeder Unternehmer nur an seinen (oft vermeintlichen) Vorteil und Eigennutz dachte.
Mit anderen Worten: es werden heute nicht mehr theoretische Abhandlungen verfaßt darüber, welche „Richtung" oder „wirtschaftliche Weltanschauung" wohl die beste sei, über welchen Streit der Gelehrten auch noch der Rest der bestehenden Betriebe zugrunde gehen würde, sondern der neue Staat be. obachtet von einem erhöhten Punkt, gewissermaßen von einem Feldherrnhügel aus das gesamte deutsche Wirtschaftsfeld, mißt nüchtern Tatsachenvorteile gegen Tatsachennachteile ab, schickt dann feine Hilfstruppen d. h. seine wirtschaftlichen Verordnungen an die Stelle des wirtschaftlichen Kampffeldes, die ihm als die bedrohlichsten erscheinen, wobei natürlich nicht parteiisch, sondern vom Standpunkt des Gefamtwohls, des Gemeinnutzes vorgegangen wird.
Die neue Wirtschaftspolitik hat daher gar nichts gemein mit dem, was einstmals mit „Planwirtschaft" und „Sozialisierung" bezeichnet wurde. Diese Wirtschaftspolitiker oder besser: „diese Wirtschaftstheoretiker wollten V* im Grunde nichts anderes als das, was in Sowjet- Rußland jeden Tag immer wieder so unheilvoll in Erscheinung tritt: die Verstaatlichung aller Wirtschaftsbetriebe.
Nein! Nach wie vor soll der Wirtschaftsunterneh. mer, sei er nun ein kleiner Gastwirt oder ein mächtiger Großindustrieller, frei und nach eigenem Urteilsvermögen feinen Betrieb errichten und führen. Denn diese Tätigkeit des Wirtschaftlichen kann (und will) ihm der Staat nicht ab- nehmen. Wo aber das Urteilsvermögen des einzelnen im Hinblick auf die Allgemeinheit, auf das Volk aufhört, da schaltet sich der Staat als Ordner ein. Auf einem Schiff — und wir all« fahren ja im selben Schiff — haben Matrosen und Heizer ihr verantwortungsvolles Amt an der ihnen zugewiesenen Stelle auszuführen. Den Ueberblick über die Fahrt ins Wohin hat aber nur der auf erhöhtem Beobachtungsposten, auf der Komando- Brücke stehende Kapitän, der das Schiff steuert.
Betrachten wir so die neue Wirtschaftspolitik, die keine Wirtschastsdiktatur, sondern nur e int Wirtschafts st euerung ist, so vermag auch der Unbefangene, der Nichtfachmann fein Urteil abzugeben, ob diese Art Wirtschaftspolitik gut ober schlecht ist. Er bedarf dazu keiner gelehrten, wissenschaftlichen Vorbildung, sondern vermag sich nun auch mit feinem gesunden Menschenverstand in her Wirtschaftspolitik zurecht zu finden, nicht zuletzt deswegen, weil sich der neue Staat vorgenommen hat, auf allen Gebieten des Volkslebens nur mit dem gesunden Menschenverstand zu regieren. Daß das in den weitaus meisten Fällen im Stillen geschieht, ist aber kein Grund für den deutschen Volksgenossen, sich mit den Vorgängen der neuen Wirtschaftspolitik zu beschäftigen. Vielmehr eröffnet eine derartige Beschäftigung auch denen den Mick in eine gesegnete Zukunft, die bisher an der Oberfläche der Ereignisse hängen blieben.
wortung In die Hände eines einzigen Mannes gelegt werden. Uebrigens schenkten die meisten Beobachter den französischen Gerüchten über die Möglichkeit eines nationalsozialistischen Putsches vor dem 13. 3anuar wenig Glauben. Man sage, wenn ein Bauer eine Kuh verkauft habe, dann stehle er sie nicht einen Tag vor ihrer Ablieferung. Nur die Ueberzeugung, daß die Franzosen den Völkerbund zu überreden versuchten, das Abstimmungsergebnis nicht zu beachten, könnte für die Deutschen eine Herausforderung buben. 3n deutschen wie in französischen Kreisen glaube man, daß viel von Der britischen Politik abhängen werde. „Es scheine nicht", daß die britische Regierung dem Vorschläge günstig gegenüberstehe, für den Fall einer Entscheidung zugunsten der Fortdauer der Völkerbundskontrolle eine zweite Abstimmung in fünf ober zehn Fahren vorzusehen. Ein solcher Schritt sei nicht im Versailler Vertrag vorgesehen und würde nur einen g e - fährlichen deutsch-französischen Streit verlängern. Hoffentlich werde der britische Vertreter im Völkerbundsrat am 21. November deut- lich machen, daß seine Regierung eine faire Abstimmung und die Durchführung ihres Ergebnisses wünsche. Dies würde auch die Gefahr militärischer Abenteuer vermindern.
Endlich das Winterhilfswerk im Saargediet genehmigt.
Saarbrücken, 4.Nov. (DNB.) Nach wo- chenlangern Stillschweigen hat jetzt die Regierungskommission endlich auf die Anfrage der karitativen Verbände des Saargebietes vom 5. Oktober hin das saarländische Winterhilfswerk genehmigt. Schon seit Monaten gingen langwierige und mühsame Verhandlungen um das Winter- Hilfswerk, das zunächst verboten wurde, da die Sozialabteilung der Deutschen Front eingeschaltet war. Hierin erblickte die Regierungskommission nach alten Methoden eine Störung der Abstimmungsvorbereitungen und nahm allein diese Mitarbeit zu wohltätigen Zwecken zum Anlaß, das gesamte Winterhilfswerk zu verbieten Nunmehr hat sie sich jedoch endlich entschlossen, das so dringend notwendige Unterstützungswerk der notleidenden Saarländer zu genehmigen.
Es muß außerordentlich bedauert werden, daß so viel wertvolle Zeit verstreichen muhte, ehe mit dem Winterhilfswerk begonnen werden konnte. Vorarbeit und Durchführung konn- ten nicht rechtzeitig in Angriff genommen werden, da die Erlaubnis der Regierungskommission unnoti- aerweise Wochen auf sich warten ließ. Ein kostbarer Monat ging für die Betreuung der Aerm- ften des Saargebietes zwecklos verloren. Die karitativen Verbände des Saargebietes haben sich, nachdem die Genehmigung bekannt wurde, mit einem Aufruf an die Saarbevölkerung gewandt und um die Hilfe aller für alle im Geiste christlicher Nächstenliebe und wahrer Volksgemeinschaft für den
kommenden Winter gebeten. Fn dem Aufruf wird besonders hervorgehoben, daß unterschiedslos alle Hilfsbedürftigen der saarländischen Bevölkerung zusätzlich unterstützt würden. Der Aufruf ist vom EaritasrVerband der Inneren Mifsion und dem Roten Kreuz unterzeichnet.
Des Jägers Mitarbeit am Winterhilfswerk.
Ein Aufruf des Reichsjägermeisters.
Berlin, 3. Nov. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler hat zum Winterhilfswerk 1934/35 aufgerufen. Bereits im Vorjahre haben sich wohl die meisten Fäger an dem Winterhilfs- werk beteiligt, und so ihre soziale Verbundenheit gerade mit den Schichten unseres Volkes bewiesen, die nur dadurch vor der Not bewahrt bleiben, daß jeder hilft, der zu helfen vermag.
Fch rufe daher die deutsche Jäger- schäft auf, sich für das Winterhilfswerk 1934/35 mit aller Kraft einzusetzen. Fch bestimme, daß die Jagderträgnisse einer Woche, und zwar der Woche vom 9. bis 15. Dezember dem Winterhilfswerk zur Verfügung ge st eilt werden, damit durch das Wildpret gerade in denWeihnachtstagen den notleidenden Volksgenossen eine Freude bereitet wird.
Wegen der Ablieferung des Wildes setzen sich die Kreisjägermeister mit den zuständigen Kreisbeauftragten des Winterhilfswerkes in Verbindung und treffen die für die Ablieferung notwendigen Vereinbarungen, lieber den Erfolg des Winter- Hilfswerkes haben mir die Kreisjägermeister auf dem Dienstwege zum 1. Februar 1935 zu berichten unter möglichst genauer Zahlenangabe, welche Mengen von Wild aus den einzelnen Kreisen dem Winterhilfswerk zur Verfügung gestellt worden sind-
Ich verlasse mich auf die bisher bewährte Dosis- Verbundenheit der deutschen Fägerschaft und erwarte, daß jeder deutsche Fäger seine Pflicht lut.
gez. Goring
Mit Büchse und Mikrophon durch die Schorfheide.
In das große Naturschutzgebiet Schorfheide in Brandenburg führte der Rundfunk seine Hörer in einer einzigartigen Sendung. Sieben Mikrophone waren aufgebaut worden, um das Leben des Waldes für die Hörer einzufangen. Der Versuch, bei dem z. T. mit einem tragbaren Kurzwellensender bas Wild beschlichen wurde, ist gelungen. Die Hörer wurden durch bas Wisentgehege geführt. Mit dem Kurzwellensender ging es dann auf einen Pirschgang, bei dem ein Damhirsch zur Strecke gebracht wurde, weiter in das Siewertgehege, in dem alle bei uns lebenden Tierarten gehalten werden. Ein Besuch wurde dem schlichten Blockhaus des verewigten Reichs-! Präsidenten vonHindenburg abgestattet. Darm


