bundsfreundlich und versucht alles, um die zusammengebrochene Autorität des Völkerbundes zu heben, aber die Arbeiterpartei will nicht wieder in einen fe st ländischen Krieg verwickelt werden und Henderson versicherte, man denke sogar an den Generalstreik. Dabei hat Henderson merkwürdigerweise das System der Barthou- schen Ostpakte anerkannt, das die Regierung insofern ablehnte, als sie besondere Bindungen daraus ablehnte! Hier zeigt sich die Ideologie der Marxisten in einem merkwürdigen Licht.
Währenddessen versucht die Regierung, den politischen Wagen mit alten Mähren zu bespannen. Die Mitglieder der Regierung unterstützen Frankreich, soweit es ohne direkte' englische Bindungen geht, gegen Deutschland, in dem man merkwürdigerweise den Feind wittert. Die Regierungspresse ist noch voll Abneigung gegen Deutschland und bewegt sich in einem merkwürdig tantenhaften Ton, aber die vermeintliche Gefahr für den Frieden, Italien, hat man doch in der Erklärung für Oester- reich zurückgedrängt. Jrn übrigen läßt man die Dinge laufen. Auch dieses Charakteristikum einer rein defensiven und nur auf Abstellung der gröbsten Auswüchse gerichteten Politik ist typisch für England.
Die Konservativen fordern Verstärkung der englischen Rüstung.
London, 4. Oft. (DRB.) Eine Tagung der Konservativen Partei in Bristol befaßte sich vor allem mit der Verteidigung des Br 1t1 • f cf) e n Reichs. Die Opposition unter Führung von Lord Lloyd ging gegen die „ungenügenden" Rüstungsmaßnahmen der Regierung vor. Diesen Angriff beantwortete Schatzkanzler Neville Chamberlain. Er erklärte u a., Großbritannien habe auf dem ®ßkiete Der Abrüstung ein Beispiel gegeben. Wahrend der letzten Jahre sei keinerlei nenn e n s - werter Fortschritt gemacht worden, mit der Pflicht der Regierung sei es unvereinbar, das Der- teidigungswesen des Landes auf dem gegenwärtigen Stande zu belassen. Die Regierung sei sich der Gefahren der Lage durchaus be w u ht; sie sei fest etnschlossen, ihnen zu begegnen. Die Regierung habe sich viele Monate lang mit der Prüfung der gesamten Lage und mit dem Entwerfen angemessener Pläne befaßt. Sie habe die Einzelheiten dieser Pläne noch nicht bekanntgegeben, weil sie in der einen oder anderen Richtung möglicherweise noch abgeändert werden müßten.
Lord Lloyd hat eine Entschließung eingebracht. Zu ihrer Begründung wies er darauf hin, wie stark gefährdet England gegenwärtig sei, und wie sehr es einem Angriff zur See und in der Luft ausgesetzt sei. Diese Entschließuna wurde von der Konferenz mit geringfügigen Abänderungen einstimmig angenommen. Es wurde ferner mit großer Mehrheit eine Entschließung angenommen, in der die Regierung aufgefordert wird, dem Parlament Vorschläge über eine unverzügliche R e ■ form d e s Oberhauses vorzulegen.
Oie Arbeiterpartei lehnt marxistische Methoden ab.
London, 4. Okt. (DNB.) Ein Abänderungsantrag zugunsten teilweiser und begrenzter Beschlagnahme von Kapital, für die sich Sir Stafford Cripps, der Führer des linksradikalen Flügels der englischen Arbeiterpartei, auf der Partei» konferenz in Southport eingesetzt hatte, wurde mit der Riesenmehrheit von 2118 000 gegen 149 000 Stimmen abgelehnt. Die Konferenz erörterte das Aktionsprogramm für die nächsten Neuwahlen. Cripps erklärte in der Begründung des Antrages: Wenn wir wirklich einen sozialistischen Staat und nicht nur die Sozialisierung von ein oder zwei Industrien innerhalb des Kapitalismus erzielen wollen, so müssen mir uns endgültig auf den Standpunkt stellen, daß der Kapitalwert der Industrie durch die Arbeiter dieses Landes geschaffen worden ist, und daß sie nichts für diese Industriellen zu zahlen haben, wenn sie die Industrie in ihren eigenen Besitz zurück- nehmen werden.
Das Führerprinzip in der Konnnunalverwaliung
Eine Rede des Reichsinnenministers.
DNB. Stettin, 4. Okt. Bei der Einführung des Oberbürgermeisters Faber und des Bürger- meisters Czirnick in Stettin hielt Reichsminister Dr. Frick eine Ansprache, in der er unter anderem ausführte: Der ursprüngliche Gedanke, daß die Bürgerschaft sich ihren obersten Beamten, ihren Führer und Meister selb st wählen sollte, war unter dem verderblichen Einfluß des Parteienstaates meist zu einem üblen Schacher aus- geartet.. Als Bürgermeister wurde vielfach nicht etwa derjenige gewählt, der nach Fähigkeiten und Leistungen für diesen Posten der geeignetste Mann war, sondern zumeist eine Kompromiß- natur, die von vornherein auf eine eigene, selbständige Führung der Stadtverwaltung verzichtete, dafür aber den maßgeblichen Parteien möglichst freien Spielraum gewährte. Die Versprechungen, die der Gewählte hatte eingehen müssen, um die Stimmen der Wahlkörperschaften zu erlangen, hafteten seiner Amtsführung als eine schwere Fessel an und beeinflußten seine Maßnahmen häufig genug gegen seine eigene bessere Ueberzeugung.
Diesem unwürdigen Parteiensystem hat der neue Staat ein Ende gemacht und damit zugleich die Stellung des leitenden Gemeindebeamten von all den Hemmungen und Fesseln befreit, die einer erfolgreichen Verwaltungsarbeit hindernd im Wege standen. Nach dem Grundsatz des Führer- prinzips und der Führerauslese bestimmt heute der Staat im Einvernehmen mit der politischen Leitung den für den Bürgermeisterposten geeignetsten Mann und hat dabei kein anderes Ziel im Auge, als die Führung der Stadt solchen Persönlichkeiten anzuoertrauen, die die Gewähr dafür bieten, daß diese in Einklang mit den Richtlinien der S t a a t s f ü h r u n g ausgeübt wird, wie sie von unserem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler festgelegt sind. Die Ge- meinben sind die einzelnen Zellen des Staates, und es ist undenkbar, daß sie in einem anderen Geiste geleitet werden als der Staat selbst. Gewiß, jede Gemeinde hat ihr Eigenleben, ihre besonderen Bedürfnisse und Interessen, aber niemals dürfen diese dem Staatswohl vorangestellt werden. Nur in dem Rahmen der allgemeinen Staatspolitik darf auch die Gemeindepolitik geführt werden, durchdrungen von dem Vertrauen und der Gewißheit, daß die Staatsführung bei ihren Maßnahmen stets auch das Wohl der Gemeinden im Auge hat, und ihren berechtigten Wünschen und Sorgen alle Zeit Verständnis entgegenbringt und Hilfe gewährt, wo es nötig ist.
Generalstreik in Spanien.
Oie Antwort der Marxisten auf das neue Kabinett Lerroux.
Das spanische Kabinett endgültig gebildet.
M a d r i b, 5. Okt. (DNB.) Am Donnerstag würbe die endgültige Liste des neuen Kabinetts Lerroux bekanntgegeben. Das Kriegsmmisterium erhielt Hidalgo (radikal), das Innenministerium Eloy Vaguero (radikal), das Verkehrsministerium I a l o n (radikal) und das Industrie- und Han- delsministerium Orozco (radikal). Zum Minister für öffentliche Arbeiten wurde der Agrarier C i b berufen. Da in ber vorläufigen Liste einem Rabikalen biefer Posten zugeschrieben worben war, haben somit bie Agrarier zwei Vertreter unb bie Rabikalen neben bem Mini- fterpräfibenten sieben Vertreter in ber Regierung.
Besonders bemerkenswert bei ber Zusammensetzung ber neuen Regierung ist, baß ber Katholischen Volksaktion brei wichtige Ministerien zugeteilt wurden, unb zwar bas Arbeits-, bas Justiz- unb bas Landwirtschaftsministerium, bie für bie Durchführung ber von ber Katholischen Volksaktion angestrebten sozialpolitischen Maßnahmen sehr bebeutenb finb. Die Bestrebungen ber Volksaktion bie von ben Sozialisten geschaffene Lanbwirtfchaftsreform von marxistischen Uebertreibern zu befreien, sowie für bie katholischen Arbeitervereinigungen zuminbest bie Gleichberechtigung neben ben marxistischen Arbeiterverbänden zu erkämpfen, bürsten also in ber spanischen Innenpolitik ber nächsten Zeit mit besonberem Nachbruck vertreten werben.
Der Generalstreik.
Madrid, 5. Ott. (DNB. - Funkspruch.) Der Ruck nach r e ch l s, der in der neuen Zusammensetzung des spanischen Kabinetts zum Ausdruck kommt, und der den Regierungskurs für die nächste Zeit in Spanien bestimmen wird, hat allen Anzeichen nach die marxistisch-separatistische Front veranlaßt, l o s z u s ch t a g e n, wie sie es schon seit geraumer Zeit angedroht hatte. Der Generalstreik war bis Mitternacht zwar noch nicht offiziell erklärt, Ls stand aber schon mit ziemlicher Sicherheit fest, daß noch in den ersten Morgenstun
den des Freitags die Weisung zum allgemeinen Streik ausgegeben würde. 3m Madrider Verkehrsleben zeigten sich aber bereits schon am Abend die er st en Anzeichen des Kommenden. Straßenbahnen, Untergrundbahnen und Taxameter hatten den Verkehr eingestellt. Nachdem in der Nacht zum Freitag von den marxistischen Gewerkschaften d e r G e n e r a l st r e i k erklärt wor- den ist als Antwort daraus, daß der Staatspräsident den Weg für eine antimarxistische Regierung freigemacht hat, gleicht Madrid gegenwärtig einer toten Stadt. Es verkehren weder Autobusse noch Straßenbahnen, noch Untergrundbahnen: man befürchtet, daß die lebenswichtigen Betriebe im Laufe der nächsten Stunden ebenfalls stillgelegt werden. Auch die Telephonverbindungen in das Ausland sind außerordentlich erschwert. Ferner ist damit zu rechnen, daß d i e Zeitungen nicht mehr erscheinen.
Fast gleichzeitig treffen von verschiedenen Punkten der Stadt Meldungen über Schießereien zwischen der Polizei und Marxisten ein. Die Zusammenstöße dauerten noch in den frühen Morgenstunden an und hatten bis dahin drei Todesopfer gefordert. Außerdem soll es zahlreiche verwundete gegeben haben. Etwa 200 Personen sind verhaftet worden, desgleichen konnten von der Polizei große Bestände an Waffen und Munition beschlagnahmt werden.
Verdächtiger Waffentransport auf einem spanischen Dampfer.
Pari-, 5. Okt, (DNB. Funkspruch., „Le Jour" meldet aus Bordeaux, daß anBorbdesDamp- f e rs „T u r q u e f a", ber wegen falscher Zollerklärung im Hafen von Bordeaux unter polizeiliche Bewachung gestellt würbe, 20 Maschinengewehre, mehrere tausenb Gewehre unb viele Kisten mit Munition festgestellt worben finb. Angeblich hanbelt es sich um einen für Antwerpen bestimmten spanischen Transport. Man nimmt aber an, baß bas Schiff in Wirklichkeit nach einem Hafen in Portugal bestimmt war.
Warum wurde Barthous Komreise verschoben?
Schwierigkeiten noch nicht gellärt.-Oie Aussprache mit Südslawien.
Paris, 5. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die Vertagung ber Rornreise Barthous auf Anfang November geht, wie „Petit Parisien" behauptet, auf ben gemeinsamen Beschluß von Rom unb Paris zurück. Inzwischen werbe ber b i p l o m a t i s ch e Meinungsaustausch zur Vorbereitung ber Begegnung rege fortgesetzt. Es sei klar, baß bie Ergebnisse ber Unterrebung Mussolini-Barthou auf biese Weise fruchtbringenber ausfallen würben. Es hanbele sich nicht nur um eine Freundschafts- funbgebung, fonbern um ben Versuch, eine dauerhafte Verftänbigung zu erzielen, bie eine spätere engere Zusammenarbeit auf vielen Gebieten ermöglichen würbe.
Der römische Berichterstatter bes „Matin" ist offenherziger. Er gibt zu, baß die Borver- hanblungen über bie französisch-italienischen Fragen noch nicht weit genug gebieten seien. Wenn auch bie Stellung ber Italiener in Tunis burch eine einfache Fortbauer bes bestehenben Zustanbes geregelt werben könnte, lasse bie Frage ber lydischen Grenze aller- hanb technische Schwierigkeiten auftauchen, bie nicht überstürzt beseitigt werben könnten. Auch bie Frage ber italienisch-sübslawischen Beziehungen, deren Regelung für die Klärung der österreichischen Angelegenheiten unerläßlich fei, lasse sich nicht in einigen Tagen abmachen. König Alexander von Südslawien werde e r ft am 10. Oktober in Paris eintreffen unb, wenn ber französische Vermittlungsversuch nutzbringenb sein solle, brauche man einige Wochen.
Auch bas „Oeuvre", bas unter Hinweis auf angebliche beutsche Bemühungen in Wien unb Rom Deutschland grundlos verdächtigt, die italienisch-französische Annäherung durchkreuzen zu wollen, muß trotz allem zur Schau getragenen Optimismus zugeben, daß die Verhandlungen Barthous mit König Alexander von Südslawien nicht leicht sein werden.
„Le Jour" fragt nach den wahren Gründen für die Verschiebung ber Rornreise Barthous. In gut unterrichteten Kreisen vermutet man, baß ber
französisch-italienische Meinungsaustausch feit etwa 14 Tagen sich schwieriger gestalte, als ursprünglich angenommen würbe, unb zwar hauptsächlich w e - gen ber mitteleuropäischen Fragen. Die Formel einer vernünftigen italienisch-sübslawischen Verftänbigung sei anscheinenb noch längst nicht gesunden. Von ihr aber hänge die Lösung der österreichischen Frage ab, die Deutschland und feit kurzem auch andere Länder verhindern wollten.
Das südslawische Königspaar nach Paris adgereist.
Belgrad, 5. Okt. (DNB.) König Alexander und Königin Maria von Südslawien verließen Belgrad, um sich nach Frankreich zu begeben, wo sie dem Präsidenten der französischen Republik den geplanten offiziellen Besuch abstatten werden. Die Fürstlichkeiten werden von Außenminister Ief - titsch begleitet. König Alexander fährt zuerst a n bie dalmatische Küste. Dort wird er an Bord des Torpedobootszerstörers „Dubrownik" gehen, mit dem er die Reise durch das Adriatische- und Mittelländische Meer nach Korsika antritt. Bei Korsika wird er von der französischen Mittel- meerflotte erwartet, die ihn nach M a r s a i l l e geleiten wird. Die Ankunft in Paris ist für den 9. Oktober vorgesehen.
Politische Kreise sind ber Ansicht, daß die Verhandlungen des Königs in Paris sich in elfter Linie um die italienisch-französische Annäherungsbestrebungen drehen werden. Danach soll die österreichische Frage die Hauptrolle spielen. Der Belgrader Havasvertreter erhielt vom südslawischen Außenminister. eine Erklärung, in der ber Staatsbesuch bes Königs als Äunbgebung ber Verbun- benheit Süd slawiens mit Frankreich bezeichnet wird. Er sei überzeugt, daß die Frankreich-Reise es erlauben werde, in einer engen Zusammenarbeit die Lösung der Fragen zu finden, die durch die Verteidigung der gemeinsamen Belange aufgeworfen würden.
Doumerguewamtvor der kommunistischen Gefahr in Frankreich.
Eine neue Hundfunkansprac^ des französischen Ministerpräsidenten.
DNB. Paris, 4. Okt. Am Donnerstagabend sprach Ministerpräsident Doumergue erneut im Rundfunk. Er bezeichnete sich als ergebenen Verteidiger der freien französischen I n - st i t u t i o n e n , kündigte jedoch Reformen an, die diese Institutionen durch die Schaffung einer Regierung mit genügend Autorität vervollständigen sollen, so daß die Regierung gewiß sei, zur Erfüllung ihrer Ausgabe lange genug leben zu können. Die Erfahrung habe bewiesen, daß die französischen Regierungen Diese Autorität nicht mehr gehabt hätten. Wenn ein Land so weit gekommen sei, dann trete Unordnung ein, und auf s i e folge Anarchie. Die Anarchie ziehe unvermeidlich die Diktatur entweder eines Mannes oder einiger Männer ober eines siegreichen Landes nach sich. Er wolle Frankreich ein solches Schicksal ersparen.
Die von ihm geplanten Bestimmungen würden die Institution des Parlaments, die von verschiedenen Seiten sichtlich bedroht sei, f e ft i • g e n. Seine Absicht gehe dahin, eine Minister- Präsidentschaft zu schaffen, die über ein ständiges Büro und ein ausgesuchtes Personal verfüge. Außer dem Statistischen Amt würde der Ministerpräsidentschaft das Generalsekretariat des Obersten Rates der Landesverteidigung und bet neu
Zu organisierende Wirtschaftsrat angegliedert werden. Dieser Wirtschaftsrat werde aus von der Regierung bestimmten qualifizierten Vertretern der Wirtschaft des Landes zusammengesetzt sein. Er werde nur beratende Befugnisse haben. Zur Verstärkung des nationalen Wirtschaftsrates werde eine Anzahl regionaler Wirtschafts- räte geschaffen werden. Die Tatsache, daß bas Fehlen ber Verantwortung zum System erhoben worben fei, habe alle Ressorts verfälscht unb bie Autorität oerminbert, ja mitunter überhaupt beseitigt. Doumergue betonte bann bie Not- roenbigfeit ber ’unbebingten Trennung ber politischen und der richterlichen Gewalt. Er erwähnte, daß er an eine Reform der Pensionsgesetzgebung denke. Er versprach, Vorkehrungen zur Bekämpfung der Getreide-, Wein- und Arbeitslosenkrise.
Zur Außenpolitik führte er u. a. aus: Frankreich hege feine Rachsucht gegen ein anderes Land. Es werde sich stets gerne zu allen Ententen bereit finden, deren aufrichtiges Ziel die Aufrechterhaltung des Friedens sein werde, selbstverständlich unter der Bedingung, daß keine dieser Ententen Frankreich verpflichte, auf etwas zu verzichten, was es für feine Sicherheit als unerläßlich ansehe. Die- ienigen- dis wirklich den Frieden Wollten» seien nicht
die, die sich damit begnügten, „Frieden" zu blöken unb bie Arme zu verschränken. Jene beschwörten, wie er gerne zugeben wolle, unbewußt eines Tages den Krieg über ihr Land herauf. Die Leute, die diese Gefahr abwenden wollten, hielten ihr Land in demZustand einer guten Verte i b i g u n g für den Fall, daß es angegriffen werden sollte.
Ein Bürgerkrieg morgen wäre Krieg mit dem Auslande beinahe unmittelbar darauf. Deshalb hätte er bie Regierungsgewalt behalten, als er gesehen habe, wie sich unter bem Namen „Gemeinsame Front" bie gestern noch feinblichen Brüber vereinigten, bie sich infolge ihrer Programme logischerweise unter bem kommuni st ischen Banner hätten verschmelzen müssen. Das Programm, bas bie Gemeinsame Front im Falle ihres Erfolges anwenben würbe, wäre: Abschaffung ber Legalität unb ber Souveränität bes Volkes, Einführung ber Diktatur einiger bevorrechtigter Führer, Einführung ber Gewalt, b. h. Bürgerkrieg unb feine Folgen, Beseitigung ber Freiheit, vor allem ber Eigentumsfreiheit, Beseitigung bes Privateigentums unb eines jeben Eigentumsrechtes, ein Recht, baß bas Jahr 1789 unseren Vätern gegeben habe.
Doumergue beleuchtete bann bie Unaufrichtigkeit unb Zweibeutigkeit bes kommunistischen Programms. Daß kommunistische Lehrsätze in Ländern angenommen und angewandt werden könnten, die sich durch ihr Temperament, ihre Ge- schichte, ihre Denkart und ihre Bestrebungen von Frankreich unterscheiden, sei möglich. Daß andere Länder, um sich ber Entwicklung biefer Lehre bei sich zu wibersetzen. zu etwas harten Mittel gegriffen hätten, sei sicher. Frankreich mische sich in bie Innenpolitik ber anberen ßänber nicht ein. Aber Frankreich habe bas Recht, baraus Lehren zu ziehen. Um jebe Gefahr einer Diktatur zu permeiben, müsse man ber gemeinsamen kommunistisch- sozialistischen Front bie gmeinsame Front ber Freiheit und des Vaterlandes entgegenstellen.
Lebhaftes Echo.
Paris, 5. Okt. (DNB.-Funkspruch.) Die Rundfunkrede Doumergues findet in ber Pariser Presse ein lautes Echo. Die Rechtsblätter lassen ihrer Freube freien Lauf, bie marxistischen Organe antworten mit verstärktem Haß, währenb bie radikal- sozialistische Presse offensichtlich betreten ist. „Echo be Paris" freut sich über bie Erklärung Doumergues, baß ein Bürgerkrieg zwangsläufig ben auswärtigen Krieg nach sich ziehen würbe, was nach Ansicht bes Blattes nur bahin gebeutet werben könne, bas Deutschland) auf Frankreichs innenpolitische Schwierigkeiten warte.
Das rabikalsozialistische „Oeuvre" ist enttäuscht barüber, baß Doumergue nicht bie versprochene wirtschaftliche Rebe gehalten hat. Das Lanb verlange bie volle Wahrheit. Man habe gehofft, baß Doumergue barüber Auskunft geben würbe, warum Fleisch unb Gemüse, bie ber Bauer stockbillig abgebe, im Einzelhanbel kaum erschwinglich seien. Empört stellt ber sozialistische „P o p u l a i r e" fest, baß ber Ministerpräsibent in ben Wahlfelb - 3 u g eingreife. Am fommenben Sonntag würbe bas arbeitenbe Volk in Massen gegen bie nationale Einheit, gegen bie Reaktion, gegen ben Faschismus unb gegen ben Kapitalismus stimmen. Die kommunistische „H u m a n i t 6" ruft aus, bie einzige Antwort auf brefen Angriff gegen bie Einheitsfront laute: Hinein in bie gemeinsame Front! Vlad) biefer Rebe müsse ber gewerkschaftliche Zusammenschluß zwischen Sozialisten unb Kommunisten erfolgen.
Der Saarabstimmungs- Kalender.
Hundert Erinnerungsblätter.
„Es wirb keine glücklichere Stunde geben für dieses neue Deutschland als bie, in ber wir die Tore aufreißen können unb Euch mieber in Deutschland sehe n." Diese Botschaft des Führers und Reichskanzlers finden wir am 5. Oktober in jedem deutschen Arbeitraum! Sie steht auf bem er ft en Blatt bes Saar- Abstimmungskalenders, der 100 Tage bis zur Saar-Abstimmung läuft! Treue und Liebe der Nation, das Zusammengehörigkeitsgefühl des Mutterlandes mit der deutschen Saar liegen in den Worten des Führers! Sie zeugen von dem naturgewollten Verlangen, die deutsche Westmark zurückzuführen ins Reich!
Und so wie das erste Blatt des Saar-Abstim- mungstalenbers legen auch die anderen Zeugnis ab von den tausend unb aber tausend Fäden, die das deutsche Saarland mit dem Mutterlande verknüpfen! Die Blätter zeigen die saarländische Wirtschaft in ihren Beziehungen zum Wirtschaftsraum des Reiches, wir sehen den Anteil des Saargebiets an der deutschen Produktion, wir sehen bie Zukunft bes Saarbergbaus, wir lesen von dem Wiederaufbauprogramm für bas Saargebiet nach seiner Rückgliederung ins Reich unb von vielen anderen Aufgaben um den Wiederaufstieg der Saar wirtschaft! Die saarländische Wirtschaft will zurück zum Reich, der saardeutsche Arbeiter unb Bauer will heim, und in dem lOOtägigen Saarkampf wollen wir unsere Brüder an der Saar darin unterstützen!
100 Tage^Saarhilfe! Jeder deutsche Volksgenosse bringt sein Siaropfer durch Erwerb bes Kalenders! In jedem deutschen Arbeitsraum soll am 5. Oktober ein Abstimmungskalenüer hängen!
Das Wiuierprogramm des Rundfunks.
Ausbau des unterhaltenden Teils.
München, 4. Okt. (DNB.) Die Intendanten sämtlicher deutschen Rundfunksender erörterten mit Reichssendeleiter Hadamovsky das künstlerische Programm der künftigen Rundfunkarbeit. Den Ausgangspunkt der Programmgestaltung bildet der Ausbau des Unterhaltungsteils. Denn jeder Rundfunkhörer hat einmal das Recht auf Entspannung nach der Arbeit. Es soll leichte, wechselnde, gute Unterhaltung mit besten Kräften geboten werden. Es werden künftig für den Unterhaltungsteil die großen Rundfunkorchester und die besten außerhalb des Rundfunk stehenden Unterhaltungsorchester herangezogen. Es ist auch bereits eine enge Zusammenarbeit mit bem Berufs- oerbanb ber beutschen Komponisten angebahnt, Hauptziel ist eine Steigerung bes Niveaus in Form unb Ausführung. Dabei wird ein reget Programmaustausch zwischen den Sendern erfolgen.
Der Rundfunk wird weiter zur Wiederholung guter Programme übergehen. Der Rundfunk ist keine Zeitung und kein Nachrichen^ sondern ein künstlerisches JnjtrumsW


