Verlobung des Erzherzogs Otto mit Prinzessin Maria von Italien?
London, 5. Sept. (DNB. Funkspruch.) In der hiesigen Presse werden Meldungen von einer angeblichen Verlobung des 22jährigen Erzherzogs Otto von Habsburg mit der Tochter des italienischen Königspaares Prinzessin Maria von Italien veröffentlicht. Der Erzherzog weile gegenwärtig als
Französische NoiieiWlilik.
Ein wichtiges Glied in der Kette der französischen Rüstungen ist der Ausbau der Kriegsmarine. Frankreich hat diesen Ausbau in den Jahren nach dem Weltkrieg planmäßig und mit großer Sorgfalt betrieben, und heute fährt unter der blau-weitz-roten Trikolore eine Kriegsflotte, die nur von denen der Vereinigten Staaten, Englands und Japans übertroffen wird. Drei Punkte sind es, auf die die schiffsbaufreudigen Kreise Frankreichs immer wieder Hinweisen, wenn es heißt, das Parlament zur Gewährung neuer Kredite zu veranlassen. Zunächst betont man, daß die Aufrechterhaltung einer starken Flotte im Interesse der „Sicherheit" notwendig sei, da die nördliche, die westliche und die südliche Grenze vom Meere gebildet wird. Sodann weist man darauf hin, daß Frankreich heute die zweitgrößte Kolonialmacht der Erde ist und in der Laae sein müsse, den Schutz der weitoerstreuten Kolonien und ihre Verbindung mit dem Mutterlande durch seine Kriegsschiffe zu gewährleisten. Schließlich ist es die Frage der Parität mit der italienischen Flotte, die der französischen Admiralität Sorge bereitet.
Dieser französisch-italienische Paritätsstreit trat bereite bei der Washingtoner Flottenkonferenz von 1922 zutage. Damals mußte Frankreich die Enttäuschung erleben, daß man den Italienern die gleiche Quote für Linienschiffe und Flugzeugträger zubilligte, die ihm selbst eingeräumt worden war. Man hat das in Paris nie ganz verwinden können und die Teilnahme der beiden lateinischen Staaten an dem Londoner Flottenabkommen von 1930 scheiterte denn auch an Frankreichs Weigerung, das Recht der italienischen Parität in allen Schiffsklassen vertraglich anzuerkennen.
An Grohkampfschiffen besitzt Frankreich heute drei der „Jean-Bart"- und drei der „Lor- raine"-Klasse, deren Panzerung und Bestückung den modernen Erfordernissen angepaßt sind. Außerdem geht die erste „Dunkerque" ihrer Vollendung entgegen. Der Bau dieses Linienschiffs von 26 000 Tonnen wurde sonderbarerweise mit dem Hinweis auf den 10 000-Tonnen-Kreuzer „Deutschland" gefordert. Wie wenig stichhaltig diese Begründung war, wird sofort klar, wenn man die Bestückung der beiden Schiffe vergleicht: den sechs 280-Millimeter-Geschützen der „Deutschland" stehen nicht weniger als acht 330-Millimeter-Geschütze und sechzehn 130-Millimeter-Geschütze der „Dunkerque" gegenüber! Italien mochte wohl auch seine Bedenken über die wahren Gedankengänge der französischen Admiralität haben, denn es beschloß im Juni zur Sicherung seiner Ueberlegenheit im Mittelmeer den Bau zweier Großkampfschiffe, die beide die im Rahmen des Washingtoner Abkommens festgesetzte Höchstgrenze von 35 000 Tonnen haben sollen. Die französische Presse gab ihrem Mißfallen und ihrer Entrüstung über diesen Schritt beredten Ausdruck, während die Admiralität sofortige Gegenmaßnahmen forderte. Das Parlament stimmte denn auch vor einigen Wochen mit großer Mehrheit dem Bau einer zweiten „Dunkerque" zu. Gleichzeitig kündigt man drohend den Bau eines 35 000-Tonnen- Linienschiffes an, falls die italienische Regierung nicht auf die Ausführung ihrer Pläne verzichten sollte.
Diese vorläufige Zurückhaltung wurde wohl in erster Linie veranlaßt durch die Hoffnung, daß die große Flottenkonferenz des kommenden Jahres ohnehin eine Herabsetzung der M a x i rna l t o n n a g e für Linienschiffe beschließen wird und so den Bau der italienischen Ueber-Dreadnoughts unmöglich macht. Man weiß sehr wohl in Paris, daß eine Herabsetzung der Höchsttonnage für Linienschiffe von England dringend gewünscht wird, und der französische Marineminister Pietri, der kürzlich zu den Flottenbesprechungen in London weilte, ließ dort wissen, daß Frankreich diese Bestrebungen grundsätzlich unterstützt. Es heißt, daß auch in anderen Punkten, die auf der kommenden Flottenkonferenz zur Debatte stehen, eine Einigung zwischen Paris und London zustande gekommen sei. Auf den bisherigen Konferenzen hatte Frankreich stets einen Gesamtschiffsraum gefordert, um dann innerhalb dieser Tonnenzahl Schiffe aller Klassen nach eigenem Ermessen zu bauen. Die englische Tendenz geht hingegen dahin, in den einzelnen Schiffsklassen bereits eine genaue Begrenzung f e st z u l e g e n. Erfahrungsgemäß verleitet die Begrenzung nach Gesamtschiffsraum sehr leicht zu einem Wettrüsten verschiedener Staaten in einzelnen Schiffsklassen, da ein Staat auf den Schiffsneubau eines anderen sofort mit einem Neubau seinerseits anwortet — ein Verfahren, das Frankreich und Italien schon seit Jahren anwenden. Wenn nun die französische Regierung sich damit einverstanden erklärt hat, in Zukunft einer genauen Festsetzung innerhalb der einzelnen Schiffs- klassen zuzustimmen, so darf man annehmen, daß sie diese Konzession an London nicht ohne Gegengabe gemacht hat. Gerüchte wollen wissen, daß die Engländer den Franzosen eine Flottengleichheit mit den Italienern im M i t- telmeer garantiert haben. Ob die britische Admiralität sogar eine Wahrnehmung der militärischen Interessen Frankreichs im Atlantischen Ozean zugesichert hat, scheint immerhin sehr fraglich, obgleich eine solche Entwicklung zweifellos zu den Pariser Wunschträumen gehört.
Die französische und englische Auffassung geht dagegen in der Frage der U.-Boot-Waffe stark auseinander. Man hat in Frankreich von jeher neben dem Bau von Torpedobooten den U.-Booten ein ganz besonderes Interesse entgegengebracht, mit dem (Erfolg, daß die französische Unterseeflotte heute kaum ihresgleichen haben dürfte. Reben dem größten Tauchboot der Welt „Surcouf" liegen allein 30 Boote der 1500-Tonnen-Klasse und mehr als 50 kleinere Schiffe in den französischen Kriegshäfen. Es ist weiter nicht verwunderlich, daß England nur ungern diese ihm fürchterliche Waffe in so großer Zahl und so großer Vollkommenheit in der Hand einer anderen Macht sieht. Frankreich aber sieht gerade in dieser Waffe den Hauptgaranten seiner „Sicherheit" zur See, und sollte England auf der kommenden Flottenkonferenz auf eine ganze oder teilweise Abschaffung der U.-Boote drängen, so wird es von französischer Seite den hartnäckigsten Widerstand zu erwarten haben.
Gast des Königs von Schweden in Stockholm. Der König und die Königin von Italien hätten am Dienstag in Begleitung der 20jährigen Prinzessin der vormaligen Kaiserin Zita in Diareggio einen Besuch abgestattet. Die amtliche Bekanntgabe der Verlobung werde er st in einiger Zei t erfolgen. Eine Bestätigung dieser Meldungen liegt weder in Stockholm noch in Rom vor.
Die Schweiz gegen die Ausnahme der Sowjetunion in den Völkerbund.
Eindeutiger Beschluß des Bundesrats.
Vern, 4. Sept (DAV.) Der schweizerische Vundersrat hat heute e i n st i m m i g auf Antrag seines politischen Departements und auf Antrag der Delegation für auswärtige Angelegenheiten beschlossen, daß die schweizerische Völker- bundsdelegalion bei der Abstimmung über die
Aufnahme der Sorojefunton tn den Völkerbund e l n „Rein" a b z u g e b e n habe.
„Journal de Geneve wirft die Frage auf, warum die Befürworter der russischen Anwartschaft Befürchtungen haben, das beim Eintritt anderer Staaten, wie z. B. Finnlands angewandte normale Verfahren anzuwenden, das eine Aussprache darüber vorsieht, inwiefern die Anwärterstaaten den Erfordernissen des Völkerbundes entsprechen. Ob es den Freunden Sowjetrußlands unmöglich sei, darzulegen, daß Sowjetrußland die durch den Pakt verlangten Bürgschaften gewährleistet? Man versuche mit allen Mitteln, eine Aussprache zu unterdrücken, in der offensichtliche Übertretungen internationaler Verträge vonseiten Rußlands wie z. B. bezüglich Georgiens, zur Sprache kommen müßten. Die Schweiz müsse, falls sich kein anderer Staat dazu bereit finde, ver- längen, daß statt einer einfachen Einladung das gewöhnlich bei A u f n a h m e g e s u ch e n beobachtete Verfahren beobachtet werde.
Die schlimmsten Feinde des Wellfriedens
Enthüllungen über die internationale Zusammenarbeit der Rüstungsindustrie.
Washington, 4. Sept. (DAV.) heute begann der Unterausschuß des Bundessenates mit einer Untersuchung über die amerikanische Rüstungsindustrie. Es soll nachgewiesen werden, daß ein internationaler Ring besteht, der sich die Rüstungsaufträge gegenseitig z u s ch i e b t, der die geheimsten Rüstungspläne und Waffenpatenle den Regierungen, die ihm Aufträge erteilen, verrät, und der gegen jede Abrüstung agitiert. Am Dienstag wurden zunächst der Präsident und zwei Direktoren der Elektric Boat Company, der einzigen amerikanischen Privatfirma, die U-Boote baut, vernommen. Sie gaben zu, daß sie ein umfassendes Abkommen mit der englischen R ü st u n g s f i r m a Vickers Armstrong and Co. in London abgeschlossen hätten, daß ihre Patente u. a. auch beim Vau japanischer U-Boote verwendet würden, und daß sie Sir Basil Z a h a r o f f für Aufträge der spanischen Regierung fast eine Million Dollars als
Vermittlungsgebühr gezahlt hätten. Ferner wurden Briefe von Sir Charles L r a v e n von der Firma Vickers verlesen, worin dieser noch im Jahre 1932 die Electric Boat Company um strengste Verschwiegenheit ersucht, da die britische Regierung nicht erfahren dürfe, daß Vickers mit einem amerikanischen Konzern zusammenarbeite. In weiteren Briefen beklagt sich Lraven darüber, daß „die störenden Verhandlungen in Genf über die Abrüstung die Aufträge der britischen Regierung auf U-Bootkreuzer aufhalten". Die Elektric Boat Company hat von jedem in der ganzen Welt gebauten U-Boot Tantiemen erhalten. Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses Aye wies auf die R i e f e n g e w i n n e an diesem Kriegsmaterial hin, das man unbekümmert um Vaterland oder die Geheimnisse der Landesverteidigung an alle fremden Staaten, sogar an Japan, verschachert habe, nur um feine eigene Tasche zu füllen.
Ser Reichsparleilag im Scho des Auslandes.
Erste preffestimmen aus Paris und London.
P a r i s^ 5. Sept. (DNB. Funkspruch.) Eine ganze Reihe von Pariser Blättern hat zum Nürnberger Parteitag Sonderberichterstatter entsandt, die den Eindruck der Ordnung, der Disziplin und des Organisationsgeistes hervorheben und die Bedeutung der Tagung in der Besiegelung des Bundes zwischen Nationalsozialismus und Wehrmacht erblicken wollen. „Figaro" zieht folgenden Schluß: Der Parteitag ist eine allgemeine Mobilmachung fast sämtlicher kämpferischer Kräfte und regt sehr zum Nachdenken an. — „Petit Journal" hebt die Liebenswürdigkeit hervor, mit der die ausländischen Journalisten behan- handelt werden. — Das „Oeuvre" ergeht sich in zynischen und abfälligen Bemerkungen. — Der „Ami du Peuple" knüpft an die Rede von Rudolf Heß auf dem Straßenkongreß und an seinen Appell zur deutsch-französischen Verständigung an. Derartige Worte, von einem engen Mitarbeiter des Führers ausgesprochen, so fügt das Blatt in schulmeisterischem Ton hinzu, würden sicher ein
günstigeres Echo finden, wenn sie nicht „durch den Waffenlärm und den Schritt der Legionen erschüttert" würden.
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Alle englischen Blätter bringen lange und anschauliche Berichte über den gestrigen Auftakt zur Eröffnung des Nürnberger Parteitages. Das Bild der festlich geschmückten Stadt mit den an sie grenzenden riesigen Zeltlagern und der Jubel bei der Ankunft des Führers werden mit großer Ausführlichkeit geschildert. Der Berichterstatter der „Morning Post" sagt, Hitler sei wie ein König begrüßt worden. Der Parteikongreß sei die wirkliche Vereinigung der Nation, die echte Nationalversammlung. Zur Rede Dr. Dietrichs vor der Presse bemerkt der Berichterstatter, sie bedeute einen der Auslandpresse gebotenen Oelzweig. Das Programm der Tagung wird von den englischen Blättern genau mitgeteilt. Jede wichtige Zeitung ist in Nürnberg durch einen Sonderberichterstatter vertreten.
Unverminderte Vedeutung der preffe.
Das Barometer der Wettpolitik. - Recht verstandene Pressefreiheit.
Oer Reichspressechef der RSOAP. empfängt die in- und ausländische presse.
Nürnberg, 4. Sept. (DNB.) Vor dem eigentlichen Beginn des Parteitages hatte der Reichspressechef der NSDAP. SS.-Gruppenführer Dr. Dietrich die Vertreter der in- und ausländischen Presse zu einem Tee-Empfang in den Industrie- und Kulturverein geladen. Mehr als 600 Schriftleiter, darunter eine große Zahl ausländischer Berichterstatter und Korrespondenten, füllten den geschmackvoll heraerichteten Festsaal. Unter den Gästen bemerkte man den Auslandspressechef der NSDAP. Dr. H a n f st a e n g l, Oberbürgermeister Liebel (Nürnberg), den Führer des Reichsverbandes der Deutschen Presse Gruppenführer Weiß, die Pressechefs zahlreicher Organisationen der NSDAP, und viele andere. Dr. Dietrich nahm alsbald das Wort zu einer großen Rede an die Pressevertreter, in der er u. a. erklärte:
Die Presse nimmt hier auf dem Reichsparteitag einen Platz ein, der ihrer Bedeutung und der Größe ihrer verantwortungsvollen Aufgabe entspricht. 16 Millionen Zeitungen kommen Tag für Tag in die Hände der deutschen Volksgenossen. Bei 17,7 Millionen Haushaltungen in Deutschland ergibt sich, daß beinahe in jeder Haushaltung eine Tageszeitung gelesen wird. Mindestens drei Viertel aller erwachsenen Deutschen werden mit Sicherheit tagtäglich von der Einflußsphäre der Tageszeitungen erfaßt. Wenn man von der Auflagenhöhe absieht, dann ist Deutschland mit 3097 Zeitungen das zeitungsreichste Land d e r W e l t.
Es wird heute hier und da behauptet, die Zahl der Zeitungsleser sei in Deutschland im Zeichen des Aationalfozialismus erheblich zurückgegangen. Diese auf falschen Zahlenangaben beruhende Behauptung ist unzutreffend. Wan muh zunächst beachten, daß der Aational- sozialismus die Ehrlichkeit im Zeitungsgewerbe wiederhergestellt hat. Durch die Bestimmung, daß die Auflagenziffern veröffentlicht werden müssen, ist endlich mit dem Unfug aufgeräumt worden, daß zahlreiche Zeitungen früher meist überhöhte Austageziffern angaben, um hohe Anzeigenaufträge hereinzuholen. Zwar ist die Anzahl der Zeitungen nach der nationalsozialistischen Revolution in Deutschland zurückgegangen, weil der Zersplitte-
rung auch im Zeitungswesen durch gesunde Zusammenfassung und Erhöhung jcr Leistungsfähigkeit ein Ziel gesetzt worden ist. Aber nachdem das Uebergangsstadium nunmehr überschritten ist, kann von einem erfolgten Rückgang der Gesamtauflage der deutschen Zeitungen nicht gesprochen werden.
Die Presse ist und bleibt ein unerhört wirksames politisches Instrument nicht nur im nationalen, sondern auch im internationalen Leben. Man hat die Presse früher die „Siebte Großmacht" genannt. Nicht zu Unrecht. Ich möchte sie heute bezeichnen als das Barometer der Weltpolitik, ohne das Politik zu treiben gar nicht mehr möglich ist. Diese Macht, die der Presse als Ganzem gegeben ist, legt ihr auch eine ungeheuer schwere Verantwortung auf. Soweit die Presse Ereignisse und Tatsachen wahrheitsgetreu berichtet und soweit sie die wirkliche Meinung ihrer Völker zum Ausdruck bringt, leistet sie wertvolle und nützliche Arbeit. In dem Maße aber, in dem andere Mächte, privater oder überstaatlicher Art, die Herrschaft über die geistige Souveränität des Journalisten besitzen, kann die Presse zu einer öffentlichen Gefahr werden. Zu einer Gefahr für das innerpolitische Leben eines Volkes ebenso wie letzten Endes auch für den Frieden der Welt. Wir in Deutschland sind dieser Gefahr energisch entgegengetreten.
Der nationalsozialistische Staat hak die volks- verhehenden und völkervergiflenden marxistischen und kommunistischen Zeitungen beseitigt. In entsprechender Weise entfernte die Berufs- vereinigung der deutschen Journalisten die journalistischen Schädlinge aus ihren eigenen Reihen. Dieser Reinigungsaufgabe folgte dann die positive Aufbauarbeit durch das Schrift- l e i t e r g e s e h vom Oktober 1933. In weniger als Jahresfrist hat sich der für den Inhalt der deutschen Presse nur sich selb st und dem Staate verantwortliche Journalist e n st a n d in einer Weise entwickelt, die in bezug auf journalistische Anständigkeit und selbstverständliche nationale Disziplin h ö ch st e Anerkennung verdient und findet. Ich bin glücklich, meine Herren Kollegen von der deutschen Presse, Ihnen das ausdrücklich zur Kenntnis geben zu können.
Man sollte im Ausland nicht den Fehler begehen, diese Reform ausschließlich unter dem liberalistischen Aspekt der Pressefreiheit zu sehen. Gewiß, die
„Pressefreiheit" ist ein Begriff, der tief lm liberalen Denken, vor allem der englisch sprechenden Völker, verankert ist. Aber zwei Seelen wohnen in seiner Brust. Das neue Deutschland hat aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt, den bloßen Begriff und das Wesen der Pressefreiheit voneinander zu unterscheiden. Es hat erfahren müssen, daß man diese Freiheit verantwortungs- bewußt nützen, aber auch verantwortungslos mißbrauchen kann. Leider hat das deutsche Volk, das seine eigene Presse einem gründlichen Reinigungsprozeß unterzogen hat, allen Grund, sich heute über die Behandlung zu beklagen, die ihm vielfach von einem Teil der Auslandspresse durch wahrheitswidrige Berichter st attung zugefügt wird. Weit davon entfernt, diesen Vorwurf zu verallgemeinern und dem ehrlich bemühten ausländischen Kollegen das Recht der Kritik in Deutschland zu bestreiten, glaube ich doch, daß die Journalisten aller Länder in ihrem eigenen Interesse handeln würden, wenn sie selbst dafür sorgten, daß schlechte, der Wahrheit feindliche Elemente sich aus ihren Reihen entfernen. Denn d i e Wahrheit ist das Fundament, mit dem die Macht der Presse steht und fällt. Und daß man die Wahrheit über Deutschland berichtet, das ist die einzige Forderung, die wir an die Presse stellen. Nachdem Dr. Dietrich dann in eindrucksvollen Zahlen ein Bild der Lei- ftungen des nationalsozialistischen Deutschland umrissen hatte, erklärte er zum Schluß: Der Reichsparteitag entwickelt sich in Nürnberg immer mehr zu einem deutschen Nationalkongreß, man möchte sagen zu einem Volkstag der deutschen Nation im besten Sinne des Wortes. Durch die Nationalsozialistische Partei ist der erste deutsche Führerstaat Wirklichkeit geworden. Der Führer der Partei ist heute das vom Volk erkorene, mit allen Vollmachten und Machtmitteln ausgestattete deutsche Staatsoberhaupt, nur sich selbst und dem Volke verantwortlich. Die Verfassung aber, die er dem Staate gibt, ist das im Kampf erprobte Entwicklungsgesetz der nationalsozia» l i st i s ch e n Bewegung selbst. Die Nationalsozialistische Partei ist damit als alleiniger Träger des Staates fest und unzerstörbar in ihm verankert. Ihre Führung ist die Führung dieses Staates, und aus ihrer Führerhierarchie werden in Zukunft dem Staate die Führer erwach- s e n. Sie ist die eiserne Klammer der Einheit der Nation heute und für alle Zukunft.
Keine einheitliche Streiklage in LlSA.
Neuyork, 4. Sept. (DNB.) lieber den Generalstreik der Textilarbeiter sind zuverlässige Ziffern immer noch nicht zu erlangen. Man spricht indessen von etwa 250 000 Streikenden, was etwa der Hälfte aller Textilarbeiter entsprechen würde. Der Präsident des Institutes der Baumwollindustrie erklärt, daß mindestens eine Viertelmil» Hon Baumwollarbeiter noch arbei« t e n. Der Generalsekretär der Seidenarbeitergewerkschaft Schweizer schätzt die Zahl der Streikenden i n der Seidenindustrie augenblicklich auf 60 v. H. Er erwartet, daß sich die Zahl ab Dienstagabend auf 80 v. H. erhöhen wird. In den Mittelpunkten der Spinnereien in Newhampshire (Massachusetts), Nord- und Südcarolina haben die Betriebe größtenteils geschlossen, während in Maine, Connecticut, Rhode Island zum Teil weitergearbeitet wird. Die Streikleitung sandte Streikorganisatoren in alle Bezirke, wo weiterverarbeitende Industrie ansässig ist und erklärte, daß der Streik bis aum Wochenende überall durchgeführt werden würde.
In Neu-England und den Südstaaten legen die Streikposten allenthalben eine große Geschäftigkeit an den Tag. An einigen Stellen ist es zu Zusammenstößen deh Streikenden mit Polizeibeamten sowie mit den privaten Schutztruppen der Fabrikleitungen gekommen. Die Behörden haben aus Furcht vor Blutvergießen umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Die Erklärung des Neuyorker Sicherheitskommissars Hopkins, daß die Regierung die Streikenden nicht unter ft ützen werde, hat eine außerordentlich entmutigende Wirkung auf die Arbeiterschaft gehabt. Die Gewerkschaften verfügen über feine bedeutenden Mittel, so daß die Entscheidung der Regierung einen großen Einfluß auf die Dauer des Streikes haben dürfte. Opiumschmuqgler als Menschenräuber.
Als der französische Dampfer „Champlain" anfangs August in Neuyork eintraf, warteten vier Opiumschmuggler -in einem Kraftwagen auf zwei Päckchen Rauschaift. Nachdem sie von einem Mitglied der Schiffsbesatzung die Nachricht erhalten hatten, daß die Päckchen von einem Matrosen namens Rozen beim Reinigen des Schiffes aus ihrem B e r ft e cf entfernt worden waren, lockten sie Rozen durch eine falsche Nachricht in ihren ^raftroagen, fesselten ihn und hielten ihn seitdem zeitweise in Neuyork und zeitweise in Philadelphia gefangen. Als Rozen ihnen erklärte, er habe geglaubt, die Päckchen enthielten Bomben und habe sie deshalb ins Meer geworfen, folterten sie ihn. Die Verbrecher hielten brennende Zigaretten an seine Augenlider und drohten ihn zu blenden. Um weiteren Qualen zu entgehen, erzählte Rozen schließlich, er habe die Päckchen für 45 Dollar verkauft. Hierauf versuchten die Schmuggler von der in Frankreich lebenden Frau Rozens 40 000 Franken zu erpressen. Frau Rozen benachrichtigte jedoch die Polizei, auf deren Ersuchen die amerikanische Bundespolizei am Dienstag einen Mann namens Mancuso und dessen Frau verhaftete. Der Bundesanwalt erklärte, baf) er auf Grund des sogenannten Menschenraubgesetzes die Todesstrafe gegen die Verhafteten beantragen werde.
Kunst und Wissenschaft.
Tagung der deutschen Geschlchts- und Altertums- vereine in Wiesbaden.
Die stark besuchte Tagung des Gesamtvereins her deutschen Geschichts - und Altertumsvereine in Wiesbaden wurde durch eine Begrüßungsfeier eröffnet. Der Vorsitzende, Unioersi- tätsprofessor Dr. Hoppe (Berlin), gedachte des verstorbenen Reichspräsidenten. In dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler lebe aber das Wollen des Verewigten fort. In einem Telegramm grüßt die Tagung der Geschichts- und Altertumsforscher den Führer und Reichskanzler als den Schöpfer deutscher Geschichte, und gelobt, ihre Arbeit fruchtbar zu machen, auf daß aus der Vergangenheit die Kraft für die Zukunft erwachse. Weiter führte der Vorsitzende aus, daß die Wissenschaft nicht um des Forschens willen forsche; ein einziges letztes Ziel fei ihr gesetzt: das Volk. In die Kulturarbeit des Dritten Reiches müsse auch die Landesgeschichte eingesetzt werden.


