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ITr. 70 Zweites Blatt

Glehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Montag, 5. Zebruar 195|

dürfnis nach Entspannung in dieser Weise^reagieren mußte; denn Reger war eine durchaus unerotische Natur, innerlich keusch, fast von prüder Empfind­lichkeit.

Alle diese Menschlichkeiten sind der Gegenpol seiner geistigen Konzentriertheit, die er braucyte im Kampfe mit der Welt, um sich und sein Werk durchzusetzen. Als ein Genie des Fleißes lebte er nur, um zu arbeiten. Seine geistige Aktivität kannte keine Ermüdung. Die Opuszahl 146 zeugt dafür. Da­mit verband sich eine fast übermäßig ausgedehnte Konzerttätigkeit; es kam vor, daß er in einem Mo­nat 25 Mal nicht im Bett schlafen konnte, um seinen Verpflichtungen an den verschiedenen Orten nach­kommen zu können. Seiner dämonischen Leistungs­kraft war er sich bewußt und verfiel daher leicht ins Extrem. Seine ungeheuere Arbeitskraft wurde für ihn schicksalhaft, Ruhe ersehnte er sich nur, gönnte er sich nicht.Er mußte immer weiter schrei­ben, bis er einst nimmer auswache."

Ueber die spezielle Schaffenstätigkeit vermochte der Vortragende als Augenzeuge viele Belege zu geben: Wie Reger alle seine Werke bis zum Letz­ten im Kopf ausreifen ließ, wie er sie dann nie­derschrieb ohne Konzept, sich nicht stören lassend durch angeregte Unterhaltung mit greunbän und fremdes Musizieren, darin stark an Mozart erin­nernd. Erscheint so sein Schaffen triebhaft und un­reflektiert, so wird es dennoch gezügelt durch un­erbittliche Selbstkritik, dienur erduldet, was vor ihm selbst besteht". Dieser Gabe der unmittelbaren geistigen Konzentration stand ein absolutes Gehör, ein geübtes Auge, stete Wachheit und Geistesgegen­wart zur Seite. Stets beherrscht er die Situation und erweist sich als feiner Menschenkenner und Be­obachter. Furchtlos steht er seinen Widersachern gegenüber Andrerseits zeigt er wieder ein zartes Kindergemüt, das Freude an der Natur, an Kin­dern und Tieren findet. Seinen Freunden gegen­über ist er stets opferwillig, hilfsbereit und voll Zartheit. Zum Schluß ließ der Vortragende noch einen Blick tun in Max Regers tiefe Religio­sität, die, ohne dogmatisch gebunden zu sein, auf dem Urgrund metaphysischer Gewißheit und religiöser Frömmigkeit beruht. Eine Persönlichkeit wie Reger war nur auf deutschem Boden möglich:Er ist Die reinste Manifestation deutschen Geistes." In unsrer hoffnungsfrohen Zeit wird er ein Kraftzentrum sein, das Energie ausstrahlt tn aufgeschlossene deut­sche Herzen.

Eingerahmt wurde der Vortrag durch Klavier­werke Max Regers, die Ludwig Kaiser aus Kas­sel in feinfühliger Art zu gestalten wußte. Dieser

Pianist, dessen Entwicklung ich schon seit über einem Jahrzehnt interessiert verfolgen konnte, hat in den letzten Jahren einen starken Aufschwung genommen. Nicht nur daß das Technische ausgeglichener und flüs­siger geworden ist, sondern daß seine Auffassungs­kraft unendlich gewonnen hat. Die StückeA u s meinem Tagebuch" op. 82 wurden zu Ein­blicken in Regers intimstes persönliches Erleben, mit Griffsicherheit in ihrer Eigenart erfaßt. Die Va­riationen über einen Menuettsatz von Telemann op. 134 bestätigten durch das Nachschaffen des So­listen, wie unendlich vielseitig sich Max Regers Phantasie an dem Thema zu entzünden vermochte, zunächst in gebundener Figuration, dann immer mehr der freien persönlichen Durchdringung und Ausdeutung Raum gebend. Nach der choralartigen Innerlichkeit und Versunkenheit der letzten Varia­tion erwuchs die Fuge zunächst rokokohaft-grazil dann aber in der thematischen Bereicherung sich immer mehr steigernd und türmend, sich zu giganti­schen Akzenten erhebend, ausklingend in machtvoller Coda Dr. H.

Deutsche Plastik deee Mittelalters

In den Räumen des O b e r h e s s i f d) e n u n ft» Vereins hielt Professor Dr. Rauch am Sams- tognachmittag im Zusammenhang mit der gegen­wärtigen Ausstellung photographischer Aufnahmen des Marburger Kunstinstituts einen Vortrag über deutsche Plastik des Mittelalters. Es wurde u. a. etwa folgendes ausgeführt: Alle alte deutsche Kunst ist Ausdruckskunst, d. h. Mittel zum Zweck des see­lischen Ausdrucks. Eine neue und bis dahin uner­hörte geistige Haltung findet die deutsche Kunst im 13 Jahrhundert, an der Wende vom Romani­schen zur Gotik. In drei Kulturräumen, im Werk dreier großen Hauptmeister sammelt sich der ganze Reichtum dieser Entwicklung: in den Plastiken der Dome von Straßburg, Bamberg und Naumburg. Ihnen gemeinsam sind die aus der nordfranzösischen Schule überkommenen Formelemente. Die Gotik, als gewaltigste Kunstumwälzung im europäischen Mittelalter, verleiht zum ersten Male dem Norden gegenüber der südlichen Welt ein eigenes künstle­risches Gesicht. Zum ersten Mal beansprucht jetzt die Plastik selbständige Geltung neben der Architek­tur. Der Meister von Straßburg steht der franzö­sischen Tradition am nächsten. Sein Wesensbild wurde immer an Hand der Bildaufnahmen ent­wickelt im Zusammenhang mit den neuen Tenden­zen in der Architektur. (Neues Raumgefühl, Le-

tonung der Vertikalen, Vergeistigung und möglichste Auflösung der Materie.) Zusammengefaßt: in den Figuren des Straßburger Meisters gewinnt die deutsche Kunst einen neuen geistigen Ausddruck in Figuren und Köpfen, Vertiefung und Verinner­lichung gegenüber der wesentlich formal gesteigerten Eleganz der französischen Vorbilder. Eine neue eigene Note kennzeichnet die Figuren des Bam­berger Meisters, ein neues Körpergefühl, das sich etwa in der charakteristischen Gewandbehandlung ankündigt und durchsetzt. Als Krönung dieses Stiles, als Zusammenfassung eines unerhörten seelischen Reichtums in einer einzigen Gestalt darf der vom Geheimnis umwitterte berühmte Bamberger Reiter gelten. Im Werk des Naumburger Meisters kann die Fortführung und Gipfelung der in Straßburg und Bamberg begonnenen plastischen Entwicklung gefunden werden. Freilich gehört hier vor allem zum bestimmenden Gesamteindruck die auf den Marburger Photos nicht miteinbezogene Raum- Wirkung wesentlich dazu. In der individuellen Fülle und Durchgeistigung der Naumburger Köpfe und Gestalten, zumal der weiblichen Figuren, ist viel­leicht die stärkste Steigerung der mittelalterlichen deutschen Kunst zu erblicken. Von der Naumburger Plastik her ergeben sich Parallelen zu gewissen bildhauerischen Einzelformen (Lettner-Fragmenten) des Domes zu Mainz; doch wurde eine Identität beider Meister vom Vortragenden bestritten. Zur Andeutung des stammesindividuellen Reichtums der deutschen Palastik wurden bann einige Beispiele ber stark bobenständigen niedersächsischen Plastik heran- aezogen. Eine Äruppe romanischer Kruzifixe gab Anlaß sowohl zu einer abgrenzenden Charakteri­sierung ber typisch romanischen Wesenszüge unb Formelemente als auch zu einem bemerkenswerten Hinweis auf bie von hier in einer gewaltigen Stei­gerung des Ausdrucks sich vollziehenden Entwick­lung zu den Hauptwerken der Hochgotik. Ein Lieb­lingsmotiv der Kunst des 14. Jahrhunderts war die mater dolorosa, die schmerzliche Mutter Gottes; dieses Motiv hat, wie an Hand der hier zugäng­lichen Bildbeispiele gezeigt wurde, in einer un» endlichen Fülle ihre Gestaltung in der deutschen Plastik gefunden: besonders auch in unserem mittel­rheinischen Kulturtreise. Eine neue und letzte Stei­gerung erfuhr d>e deutsche Kunst des Mittelalters in der Holzplastik, wofür die vielgestaltige Figuren­reihe am Chorgestühl des Ulmer Münsters eindring­lich Zeugnis ablegt. Ein zahlreiches Auditorium folgte den anregenden Ausführungen von Professor Rauch mit lebhafter Aufmerksamkeit.

Oie Festigung polens

gegenüber unmittelbar verantwort-

LNachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Warschau, 28. Januar 1934. l i ch ist. Schließlich wird der Senat, der nach , q 3 4 ift für «Bolen em histo- bem der Auslese durch eine besonders hier-

uaortioer Ausdrucks! °?i und N berufene Jt8rper|*ak der fog. ..Legion der £ eine [Slhafte « - r d r e n st o ° l i e n" gewählt werden soll, zu Äufterliff nidit Das Er überragenden Stellung erhoben und als In-

Der 2 6. Januar

So war der mnerpolitifche Kampf des Marschalls

il eine neue gemeinsame Grund- für die künftige Gestaltung freundschaftlicher

Schicksal eine neue

polar-LanMast am Brandenburger Tor

ze zwischen den beiden Nachbarländern eingeleitet, foöern viel mehr noch ein dauerhafter

Am Pariser Platz türmen sich gewaltige Schneehügel, hinter denen das Brandenburger Tor fast verschwindet so glaubt man wenigstens, wenn man dieses Bild betrachtet, das ein scherzhafter Photograph aus der Frosch-Perspektive aufnahm.

kommens haben sowohl in polnischen Regierungs­kreisen als auch in der Öffentlichkeit des Landes lebhafte Befriedigung und Genugtuung ausgelöst. Und mit Recht gibt ein Regierungsblatt der be­stimmten Hoffnung Ausdruck, dieses Abkommen werde nunmehr der Ausgangspunkt sein für die Regelung einer Reihe weiterer Fragen wirtschaft­licher und kultureller Natur. So ist dieser Berliner Vertrag nach polnischer Meinung nicht allein nur der Ausdruck einer Friedensbereitschaft beider Län­der, sondern vielmehr ein Beweis des Mu­tes, den die Reichsregierung und die Regierung der Republik Polen gezeigt haben, indem sie in der Zeit allgemeiner Verneinung mit dem Willen zu einer positiven Lösung an die schweren Fragen herangetreten sind.

läge s . . .....

Beziehungen geschaffen Gerade diese beiden vor­springenden Merkmale des deutsch-polnischen Ab­

land

Als der polnisch-sowjetrussische Nichtangriffspakt zustande kam, da fehlte es namentlich in Polen nicht an Stimmen, die darin dos Entstehen einer neuen Front gegen das erwachte Deutschland ver- niuteten und nicht zuletzt wünschten. Durch die da­mals vielfach hemmungslos aufgepeitschte Stim­mung in Polen schien sich die Spannung zwischen Deutschland und Polen bis zum äußersten zu ver­schärfen. Da war es Reichskanzler Adolf Hitler.

daß am gleichen Tage, als dem innerpolitischen Werk die Krone aufgesetzt wurde, auch die bedeut­samste Entscheidung in der Außenpolitik Polens ge­fallen ist: Der Abschluß des lOjährigenVer- ständigungsabkommens mit Deutsch -

Suforifäre Staatsverfasiung. - Derständigungsabkommen mit Deutschland.

Don unserem A.-Äerichterstatter.

Der durch jeme mutigen und gewichtigen Erklärun­gen über das Verhältnis Deutschlands zu Polen den Bann gebrochen und einen lichteren Ausblick für die Zukunft eröffnet hatte. Es lag nun an Polen, die ausgestreckte Hand zu ergreifen. Marschall Pil- s u d s k i, dem zugestandenermaßen nie feindliche Gefühle dem deutschen Volke gegenüber nachgesagt werden können, hatte den Mut, trotz der ringsum das neu- Deutschland angeifernden feindlichen Welt, die Hand des Reichskanzlers zu ergreifen und so den Weg einer neuen Politik zu be­schreiten, der in überaus kurzer Zeit zu dem Ergebnis vom 26. Januar d. I. geführt und nach dem maßgeblichen Regierungsblatt, derGazeta Polska" eine neue Lage in Europa geschaf­fen hat

Diese neue Situation in Europa ist vor allen Dingen in zwiefacher Hinsicht von bahnbrechender Bedeutung Einmal wurde der Beweis erbracht, daß die deutsch-polnische Spannung entgegen der vielfach in der Welt mit Vorliebe vertretenen Mei­nung keinesfalls einen dauernden B e - standteil der unlösbaren europäischen Probleme darstellt. Ferner wurde unabhängig von den be­stehenden internationalen Institutionen, vornehm­lich des Völkerbundes unb beren wechselvollem

bei neuen polnischen Staates gefestigt erheben wirb. I u- a- w der Aenderuna ber Staatsverfassung ihren Lurch den Abschluß bes Vertrages mit Deutsch-' beredtesten Ausbruck fanb, beschleunigt fortgesetzt. lOiD würbe nicht nur eine Befriebung ber Beziehun- Vielleicht ist es nicht nur ein symbolhafter Zufall,

Aiiebenszustanb in biefem Teil Europas ge- jictert. Unb durch bie Annahme ber neuen polni- d;ri Verfassung ist ber achtjährige Kampf um bie Stlaltung ber innerpolitischen Staatsform in Polen Dicklich z u Enbe geführt; em neuer Zeitab- mrift ber ruhigen Aufbauarbeit kann beginnen, öinn ein polnisches Regierungsblatt erklärt, baß )ei Abschluß eines solchen Freunbschaftsvertrages tu dann herbeigeführt werden kann, wenn an der sptze der beiden Völker Männer von histo- :i chem Ausmaß stehen, deren Machtstellung :it im Volke verankert ist, so hat es damit das ttqe und schicksalverbundene Wechselspiel zwischen .ftnem und Außenpolitik in seinem innersten Wesen :u,ezeigt. Die beiden großen Männer, der Führer IMf Hitler und Marschall Josef Pilsudski, ?n durch ihre historische Tat, jeder auf seine Art, ^iqUnumstößlichkeit &er Wahrheit wieder bestätigt, Üaf nur ein g e f e ft i g t e r und einheitlich .. e ührter Staat in der Lage ist, eine ziel- nnr kraftvolle Außenpolitik zu führen.

ks ist entschieden das Verdienst der Führerper- ^»liichkeit Marschall Pilsudskis, daß er als «rsl-r mit rücksichtsloser Offenheit auf die Ursachen 'M Schäden der polnischen Verfassung vom .7 März 1921 hingewiesen und mit starkem Zu- <; bie Herrschaft des Sejm gebrochen jof Auch in den Jahren von 1923 bis zum Mai- im urz 1926, als sich Pilsudski von der aktiven poli- iif(f?n Tätigkeit äußerlich zurückzog, hat der Kampf nn eine neue Staatsform nicht geruht. Und als' j er Marschall im Mai 1926 die Geschicke Polens iDie' er in seine Hände nahm, geschah das unter der .'los. ng:Um die moralische Wiedergeburt des (Stpites" Die neue, am 26. Januar d. I. durch Len Sejm, vielmehr durch feine regierungstreue Mehrheit, angenommene Staatsverfaffung gründet f'd) auf den ursprünglichen Entwurf, der bereits im' 'We 1926 vorn Regierungsblock eingebracht und im Februar 1931 abgeändert wurde. In ihren wich- Imten Zügen aber wurde diese Aenderung durch La? bedeutsame Interview Marschall Pilsudski inj lscf-e 1930 bestimmt, wonach der Staatsprä- fi bent nicht, wie bis'jetzt, durch die Nationalver- f imiilung, sondern durch Volksabstimmung {, ii ä l) I e n und mit Machtbefugnissen auszustat- 1 Hilft, die ihm vom Parlament und ande- iiei Staats st eilen völlig unabhängig iiötNen. Dieser Leitgedanke bildet die Grundsäule, < llf iber ber Bau ber neuen Staatsoerfassung fußt. (ÄePeht in ihren Grundzügen ferner vor, baß b i e , leg i e r u n g burch ben Staatspräsiben- t:tr, bem nahezu unumschränkte Vollmachten ein- Sierciiimt werben, ernannt wirb unb nur i h m

rrifi)er Tag von einzigartiger

roiittragenber Bedeutung. Durch eine schicksalhafte Fügung sind zwei Tatsachen, die äußerlich nicht das gc ingfte miteinander zu tun haben, zu einem gro- ßm Ereignis geworden, das in seiner überwäl- tusnben Auswirkungsmöglichkeit auch zu einem einigen Ergebnis führt: Zur enbgültigen unb tat- siiwlichen Festigung bes polnischen . -------v-r.- ----,

S aat sgefüges nach innen unb außen, von Anfang an von bem Gebauten erfüllt, ben pol- S> bewirkt biefes Ergebnis, baß biete beiben Tat- Nischen Staat innerlich zu untermauern unb zu soqen in ihrer wesentlichen politischen Gestaltungs- festigen, um so erst bie erforberliche Grunblage für ttijt gewissermaßen innerlich miteinanber aufs ?me folgerichtige unb mutige Außenpolitik zu en fte verbunben sind. Das b e u t s ch - p o l n i f ch e schaffen. Je naher der Zeitpunkt heranrückte, wo V rstänbigungsabkommen unb bie neue meittragenbe außenpolitische Entscheibungen brin- 6 aat-versassung Polens sinb bie beiben genb notroenbig würben, um so energischer unb ziel- en'cheibenben Tatsachen, bie für lange Jahre bie bewußter wurden die Arbeiten an der inneren Giandlage bilden werden, auf der sich der Bau > Festigung des polnischen Staatsgebäudes, wie sie l ° - . r « i i _ . c _ ri i _.. ... ___ v I II n in hör önhörnn a hrtr IUvah

ftrument und Stütze der Regierung eingesetzt. Auf diese Weise ist in Polen eine auf autoritärer Grundlage aufgebaute Regierungsform zur , Tatsache geworden.

MM. W

Gießener Konzertverein.

VI. Konzert: Reger-Abend.

penft am Freunde war es, daß Professor Dr.

Stein aus Berlin trotz der ungeheuren '.lüb-itslaft, die durch die Neuorganifierung der L.Al'chen Musikverhältnisse auf seinen Schultern ruhl es ermöglichte, hier in Gießen Persönliches 1M Menschliches über M ar Reger zu berichten. 2Do5 war für jeden echten Reger-Verehrer eine be­sondere Freude und zugleich Erlebnis. Denn das 88ilb von Max Reger als Mensch war leider man- Mjfsch verzerrt worden. Gerade Professor Stein scheint für diese Mission besonders berufen, da ihn llbig* Jahre innigster Vertrautheit mit Max Reger verbunden haben. Seine schlichte, natürliche Art zu tiebei, getragen von warmem Menschentum und GEm für Humor, knüpften schnell das Band zwi­schen Rednerpult und dem Hörer.

Ausgehend von ber Tatsache, daß Reger, der Miller, von vielen nicht verstanden wurde, be­achtete er kurz sein Schaffenswerk, um dann über­aus anschaulich zu zeigen, welcher Mensch bei Reger titidir dem Werke steht. Als ein Feind aller Pose ii:nb jeglicher Künstlereitelkeit umgab sich Max Reger giein gegen Fremde mit einem Stachelzaun der Ba- malii.it und setzte sich damit vielen Mißdeutungen am?. Freunden gegenüber ließ er sein Menschentum WberDig werden und sich in einen Strom voll ele= imeniorer Kraft und Lebensfülle in die Werke er- M-n, damit Beethovens Ausspruch bestätigend: jMt ist die Moral der Menschen, die sich vor amtieren auszeichnen."

vhon rein äußerlich prägte sich in der Statur rScgus starke Gegensätzlichkeit aus. Dem kraftvollen, M Zyklopisch zu nennenden Körper selbst waren anmutige Züge eigen, so fein Kinn mit dem Grüd- ogei Der robusten Gesundheit, ein Erbteil bäu- visihir Ahnen, entsprach eine fast animalische Ur» flbojt; seine Freude am Essen, die der Vortragende mit irefflidjen Beispielen belegte, wie er Regers MmLe an einem kräftigen Trunk von dem Vor- DDiir| der Alkoholergebenheit befreite.

Pysische Kraft und seelische Gesundheit standen Biei hm in engster Wechselbeziehung. Er besaß eine umbei'iegbare Frohnatur, immer war er bereit zu OEdie-yroorten, Schnurrpfeifereien, aufgeknöpft zu ?3ioben unverwüstlichen Humors. Köstlich waren die SMpiele der Doppelsinnigkeit, die Reger vielen Worten unterzulegen wußte. Alles Pathetische, Meietliche haßte er, um so größere Freude hatte er cm geistreichen Witzen. Es erscheint, daß sein Be­

Hitler schafft Arbeit!

Deilere Maßnahmen im Reinhard-Programm zur Arbeitsbeschaffung im Rhein-Main-Gebiet:

Maßnahme Tagewerke

Umwandlung ertraglosen Niederwaldes in Hochwald, Riederjosbach 340

Aufforstung von 7 ha Gemeindeödlanb, Gemeinde Dorfweil 240

Umwandlung ertraglosen Niederwaldes in Hochwald, Münster i. T. 595

Umwandlung ertraglosen Niederwaldes in Hochwald, Gemeinde Eppstein 479

Umwandlung ertraglosen Niederwaldes in Hochwald, Nordenftad 425

Umwandlung ertraglosen Niederwaldes in Hochwald, Kriftel 515

Umwandlung ertraglosen Niederwaldes in Hochwald, Hornau 425

Aufforstung einer Waldftäche von 4,5 ha,

Obergladdach 300

Aufforstung im Stadtwald Herborn 600

Aufforstung einer 6 ha großen Ge­meindewaldfläche, Varftadt 480

Aufforstung einer 3 ha großen Ge­meindewaldfläche, Ramfchied 240

Aufforstung einer 6 ha großen Ge­meinbewaldfläche, Adolfseck 480

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Regierungsbaumeister Kohl, Leiter des Landessiedlungsamtes.

Das Staatspresseamt teilt mit: Das hessische Lanbessieblungsamt ist nunmehr ber Abteilung le (Lanbwirtschaft) unterstellt unb mit ber Sieblungs» stelle zusammengelegt worben. Als Leiter würbe Regierungsbaumeister Pg. Kohl- Darmstabt be­stimmt. Damit werben alle gehässigen Anwürfe, bie gegen Pg. Kohl seitens seiner Wibersacher aus ber Systemzeit erhoben worben sinb, einbeutig roiberlegt unb bestätigt, baß bas Verhalten unb Hanbeln von Pg. Kohl in jeber Hinsicht korrekt war.

Gefängnis für Vergehen gegen das Arbeitszeitgefeh.

LPD. Mainz, 3. Febr. Der 64jährige Bäcker­meister Jakob Weiganb aus Mainz ist 14mal wegen Vergehens gegen das Gesetz betreffend Ar­beitszeit in den Bäckereibetrieben vorbestraft, zu­letzt mit einem Monat Gefängnis. Trotzdem 3roang er feine Gehilfen weiter, um 3 Uhr mit der Arbeit zu beginnen, obwohl bie tägliche Arbeitszeit vor 5 Uhr nicht beginnen barf. Mehrere feiner Gehilfen würben infolge Ueberanftrengung bei ber Arbeit krank. Der Richter verurteilte ben Meister zu b r e i Monaten Gefängnis und ordnete wegen Fluchtverdachtes die sofortige Verhaftung an. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr Gefängnis beantragt.

ßin Fuhrmann und zwei Pferde getötet.

LPD. Frankfurt a. M., 3. Febr. Gestern gegen Abend erfolgte auf der Schwanheimer Straße in der Nähe ber Staustufe Griesheim ein Z u - f a m m e n ft o fj zwischen einem Pferdefuhr­werk und einem Lastkraftwagen. Der Füh­rer des Pferdefuhrwerks wurde derart schwer ver­letzt, daß er kurz nach seiner Einlieferung in das Höchster Krankenhaus [t a r b. Ein Pferd wurde auf der Stelle getötet, während das andere so schwer verletzt wurde, daß es getötet werden mußte. Der Sohn des Pferdehalters konnte sich durch Bei- feitefpringen retten. Die Ursache des Zusammen­stoßes ist noch nicht geklärt.