Nr. 232 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Donnerstag, 4. Oktober 1934
Das Landestreffen der DAI in Wiesbaden
und die Ab-
2.
Der vollendete Aufmarsch der Kreise steht
mit
Auflösung nach der Kundgebung verboten.
können nur die vorgesehenen Sonderzüge benutzt
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werden. Die Benutzung eines anderen Zuges ist! Im übrigen wird von allen Teilnehmern die ge- nicht möglich. Die Rückfahrt erfolgt geschlossen vom wohnte Zucht und Disziplin erwartet, damit der Standquartier. Das Betreten des Bahnhofs ist gewaltige Eindruck des Aufmarsches durch keinerlei nur für Formationen möglich. I Ausfälle beeinträchtigt wird.
Ausfälle beeinträchtigt wird.
für Formationen möglich.
nur
Aus der Provinzialhauptstadt
der auf
vier Partei- Angelegenheit
3.
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1.
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3.
feuerwerk stattfinden.
Dann beginnt der gewaltige Abtransport Teilnehmer vom Landestreffen. Sonderzug Sonderzug wird Wiesbaden verlassen.
Es wird wie folgt angelreten: Uniformierte, Teilnehmer im Festanzug der DAF., sonstige Teilnehmer.
Bekanntmachungen zum Landestreffen.
Die Teilnehmer sammeln sich zur Bahnfahrt in ihrem Kreis nach Anweisung des Kreiswalters. Nach Ankunft des Zuges im Bahnhof Wiesbaden muß folgendes beachtet werden:
Der Bahnsteig wird sofort geräumt und außerhalb des Bahnhofes in Zwölfer-Reihen angetreten.
Verpflegung.
Am Samstag und Sonntag bleiben die Geschäfte geöffnet. Die Verpflegung erfolgt in Restaurationen, Massen- und Privatquartieren. Als Mittagessen wird ein Eintopfgericht verabreicht zum Preise von 25 Pfennig. Jeder Teilnehmer hat hierfür einen Löffel mitzubringen.
Wenige Tage trennen uns von dem größten Aufmarsch, den Wiesbaden je erlebte. Unzählige Kameraden der DAF. aus allen Teilen des Gaues werden am 6. und 7. Oktober nach Wiesbaden kommen.
ohne Grund befiehlt man beim Militär den Truppen den Gesang während eines anstrengenden Marsches. Man weiß, daß die Abwechslung neue Frische in die erschöpften Menschen bringt.
Nicht ohne Grund haben Kinder zwischen jeder Unterrichtsstunde eine Pause. Ohne diese Entspannung wären sie einfach nicht aufnahmefähig. Aus den Momenten der Entspannung, der Loslösung vom Gewohnheitsmäßigen, dem Sichhinggeben der Dinge, die tief in uns schlummern, kommt die Beglückung, die uns die Kraft gibt, unser Tagewerk und unser Leben im besten Sinne zu vollenden. Wir müssen einsehen, daß die Arbeit allein nicht genügt, und daß sie unterbrochen werden muß, um unsere seelischen und geistigen Güter von ihr nicht erdrücken zu lassen.
Nur der Zusammenklang von Arbeit, seelischer Entwicklung und geistiger Beweglichkeit kann den Rhythmus ergeben, den ein Mensch braucht, um sich wohl zu fühlen und über sich selbst hinaus an der Entwicklung mitzuwirken.
Daten für Donnerstag, 4. Oktober.
1515: der Maler Lukas Cranach d. I. in Wittenberg geboren (gestorben 1586); — 1669: der Maler Rembrandt Harmensz van Ryn in Amsterdam gestorben (geboren 1606); — 1830: der Generalfeldmarschall Graf Dorck von Wartenburg gestorben (geboren 1759); — 1865: der Schriftsteller Max Halbe in Güttland (Westpreußen) geboren.
Der Leiter des Kreises begibt sich zu dem durch ein Schild gekennzeichneten Quartieramt. Hier erhält er folgendes:
1. den Namen des Standquartiers,
Der Samstag.
Samstag nachmittag um 4 Uhr findet die feierliche Eröffnung des Landestreffens mit einem Kongreß sämtlicher Amtswalter der DAF. des Gaues im großen Saale des Pau- linenschlößchens statt. Um 6.30 Uhr ist gemeinsames Abendessen in sämtlichen Sälen des Paulinenschlößchens. Der Kreisleiter und Oberbürgermeister von Wiesbaden Pg. Piekarski wird die Amtswalter hierbei begrüßen. Um 8 Uhr abends veranstaltet der Reichssender Frankfurt einen großen Bunten Abend unter Mitwirkung von Frankfurter und Mainzer Künstlern und des Landes- Sinfonie-Orchesters in allen Sälen des Paulinenschlößchens. Gleichzeitig wird um 8.15 Uhr im Kurhaus Wiesbaden ein chorisches Spiel „Der Weckruf der Arbeit" von Till Kaiser-Wiederstein mit 350 Mitwirkenden ausgeführt. Im Stadion „Unter den Eichen" wird am Abend ein,großes V o l k s f e st stattfinden. 9.45 Uhr wird dann im Kurhausgarten ein großes Feuerwerk abgebrannt.
Der Sonntag.
Am Sonntag wird Sonderzug auf Sonderzug in Wiesbaden eintreffen und die Hauptteilnehmer zum Landestreffen bringen. Um 7 Uhr morgens beginnt das große Wecken durch sämtliche Kapellen der DAF. unter Mitwirkung der HI. und des Arbeitsdienstes. Dann werden die Vorbereitungen zu dem großen Appell getrüffen, der um 11 Uhr auf dem Wiesbadener Exerzierplatz stattfindet und bei dem der Führer der ÄAF., Pg. Dr. R o b e r t L e y , Gauleiter Sprenger und Landesobmann der NSBO., Willi Becker, sprechen werden. 2000 Fahnen der NSBO. und der NS.-Hago werden sich am Aufmarsch beteiligen. 100 neue Fahnen werden durch Dr. Ley geweiht. Das Aufmarschgelände ist so gelegen, daß der Aufmarsch in kürzester Zeit beendet ist. Um 1.30 Uhr ist der Appell bereits beendet und die Kolonnen marschieren in ihre Standquartiere zur Verpflegung. Eine große Anzahl wird auch in einem riesigen Zelt, das auf dem Aufmarschgelände errichtet ist, verpflegt. Um 3 Uhr nachmittags beginnt ein Fußball - Städtewettkampf Wiesbaden gegen Mainz, verbunden mit sportlichen und turnerischen Darbietungen. Um 4.30 Uhr nachmittags wird im Stadion „Unter den Eichen" D o l k s f e st veranstaltet. 50 auserwählte Werkchöre und Werkkapellen aus Hessen-Nassau werden ihre Kräfte in einem Wettstreit messen. Der Gou- stoßtrupp vom Amte „Volkstum und Heimat" wird spielen und tanzen. Wiesbadener Gesangvereine werden die DAF.-Mitglieder durch Darbietungen erfreuen. Abends um 8.30 Uhr wird im Paulinen- schlößchen abermals ein großer Bunter Abend vom Reichssender Frankfurt veranstaltet, der unter Leitung des Intendanten und Gaukulturwartes Fricke steht. Abends um 9.45 Uhr wird dann im Stadion „Unter den Eichen" das große Schluß-
die genaue Zeit des Antretens marfchzeit zum Festplatz, die genauen Verpflegungsplatze, außerdem erhält jeder Kreis genossen zugeteilt, die über alle des Kreises in Wiesbaden orientiert sind und deren Anordnungen wegen der An- und Ab- Marschwege, als auch zum Kundgebungsplatz und zurück, genau befolgt werden müssen. Diese vier Parteigenossen stehen für den Kreis während seiner Anwesenheit in Wiesbaden von seiner Ankunft bis zur endgültigen Abfahrt zur Verfügung. Jeder Kreis erhält beim Quartieramt ein Schild mit der Aufschrift seines
der Front nach der Tribüne. Vor der Tribüne nehmen die Gau-Kapelle, die NSBO.-Kapelle Wiesbaden und eine Kapelle des Kreises Groß-Frank- furt Aufstellung. Nach Abschluß der Kundgebung marschieren zuerst die Fahnen vom Platze. Danach treten die Kreise ab, nachdem von der Tribüne durch den Lautsprecher deren Namen bekanntgegeben wurden.
Der Aufmarsch
auf dem Festplatz, sowie die Aufstellung wird von der Tribüne durch Lautsprecher bekanntgegeben.
Die Fahnengruppen
der einzelnen Kreise marschieren geschlossen bis zum Aufmarschplatz, wo sie in Empfang genommen und zur Polizei-Unterkunft in der Gersdorffstraße geführt werden. Die von den Kreisen mitgebrachten Kapellen verbleiben bei ihren Formationen.
Die Auflösung der Formationen nach dem Abmarsch erfolgt vor dem Standquartier.
Für rechtzeitiges Antreten zum Anmarsch ist der Kreiswalter der DAF. verantwortlich. Ebenso trägt der Kreiswalter für rechtzeitiges Antreten abends, zum Abmarsch nach dem Bahnhof und für vollzählige Anwesenheit seiner Mitglieder die Verantwortung.
Das Rauchen ist vom Antreten ab bis zur
Kreises.
Die O u a r t i e r k a r t e n für Privat- und Massenquartiere werden am Bahnhof am Samstag, 6. Oktober, ausgegeben. Es ist Vorsorge getroffen, daß jeder Kreis ein eigenes Standquartier erhält.
An- und Abfahrt der Züge.
Für die Anfahrt am Samstag sind bisher 6 und für den Sonntag 46 Sonderzüge vorgesehen. Soweit wie möglich fahren die Kreise geschlossen in eigenen Sonderzügen. Die Kreise bestellen den verantwortlichen Transportführer, der für das disziplinierte Verhalten seines Zuges verantwortlich ist und das Bahnpersonal unterstützen muß. Die Teilnehmer der Sonderzüge erhalten eine Ermäßigung von 75 v. H. Diese gilt auch für die Anfahrt bis zu den Sonderzügen. Die Fahrkarten werden durch die Kreiswalter, beziehungsweise Ortsgruppenwal- ter den Teilnehmern zugestellt. Bei der Rückfahrt
Rhythmus des Alltags.
Jeder hat seinen eigenen Entspannungsrhythmus und muß versuchen, das zu finden, was ihm wahre Beglückung bringt. Es ist sicher im Anfang schwer, sich aus der Arbeit heraus zu lösen und vielleicht nur für ein paar Minuten eine ganz andere Welt einzuschalten. Immer wieder wird der Gedanke an verlorene Zeit uns beherrschen und die Umstellung erschweren, aber mit ehrlichem Willen ist es bald erreicht.
Nichts ist zu klein und zu unbedeutend, um nicht Entspannung und Beglückung zu werden. Ein Kapitel eines Buches, ein kleiner Spaziergang, der dem Körper wohltut und die Augen erfreut, ein wenig Musik, das Zeendedenken eines Gedankens, der uns beschäftigt hat, das Spiel eines Tieres, die Umgliederung der Zeit, die Beschäftigung mit irgendeinem Interessengebiet, welches außerhalb der zu verrichtenden Arbeit liegt, kann genügen.
Man nimmt oft irrtümlich an, daß eine Unterbrechung der Arbeit schadet. Das Gegenteil ist der Fall. Der Entspannte wird mit viel größerer Intensität an seine Arbeit Herangehen und sie ausführen, als der an ihr müde werdende Mensch. Denken Sie einmal daran, wenn Sie als Kind eine Aufgabe nicht lösen konnten und sie verzweifelt beiseite legten. Nach einer Stunde, in der Sie sich mit ganz anderen Dingen beschäftigt hatten, gelang es spielend.
Kein Mensch verträgt ein ewiges Einerlei, es macht Nerven weich und das Gehirn stumpf. Nicht
Sammlungsgenehmigung für die Innere Mission.
Die Hessische Regierung (Innere Verwaltung) gibt in einem Schreiben an die Kreisämter, Polizeidirektionen, Polizeiämter und an das Staatspolizeiamt folgendes bekannt:
„Der Reichsschatzmeister der- NSDAP, hat namens des Stellvertreters des Führers und im Einvernehmen mit dem Herrn Reichsminister der Finanzen dem Zentralausschuß für die Innere Mission der Deutschen Evangelischen Kirche in Berlin-Dahlem die Genehmigung zur Sammlung von Sach- und Naturalspenden im ganzen Reich für die Zwecke der Inneren Mission in der Zeit vom 23. September bis 7. Oktober 1934 erteilt."
Oer Großflugtag in Gießen.
Im heutigen Anzeigenteil lädt die Flieger-Ortsgruppe Gießen des Deutschen Luftsport-Verbandes (DLV.) zu dem Großflugtag in Gießen am kommenden Sonntag auf dem Gelände des Flughafens ein. Bekanntlich wird bei dieser Veranstaltung der Weltmeister im Kunstflug, Gerhard F i e f e 1 e r, seine sensationellen Flugleistungen zeigen, die staunende Bewunderung in zahlreichen großen Städten Europas gefunden haben. Ferner werden flugsportliche Leistungen der Flieger der Landesgruppe VII Süd-West des DLV. gezeigt, bie' ebenfalls viel Neues auf dem Gebiete der Sportfliegerei bringen werden. Erfreulicherweise hat es die Gießener Flieger-Ortsgruppe fertiggebracht, trotz sehr hoher Unkosten die Eintrittspreise in volkstümlichen, außerordentlich niedrigen Grenzen zu halten, so daß jedermann der Besuch dieser einzigartigen, sehenswerten Veranstaltung möglich ist.
In einer Bekanntmachung des Kreisamts Gießen im heutigen Anzeigenteil wird eine Polizeiverordnung für die Flugveranstaltung am kommenden Sonntag veröffentlicht, in der die Absperrmaßnahmen zur öffentlichen Kenntnis gebracht werden. Unsere Leser seien auf diese wichtige Bekanntmachung ebenfalls hingewiesen.
Gaar-Hilfswerk und Saar-AbstimmungS-Kalender. Bereits vor einigen Tagen wurde auf die großzügige Aktion hingewiesen, die mit dem Saar- Abstimmungskalender zugunsten des Winterhilfswerks an der Saar eingeleitet ist. Hundert Tage läuft der Kalelnder und hundert Tage vor der Abstimmung sollen dem treuen Gedenken an die Saar gelten.
Der Abstimmungskalender, der am 5. Oktober in jedem deutschen Arbeitsraum hängen soll, ist in seiner künstlerischen wie inhaltlichen Aufmachung ein Meisterwerk, an dem alle Beteiligten gern, freudig und selbstlos mitgearbeitet haben. Hundert Blatt erzählen vom deutschen Saarland, dem Saarvolk, der Saarwirtschaft, erzählen von den tausend und abertausend Fäden, die die Saar mit dem Gleich verknüpfen. Bild und Text zeigen die völkische, politische und wirtschaftliche Verbundenheit des Saarlandes mit dem Reich.
Der Abstimmungskalender ist vom ersten bis zum letzten Blatt ein wertvolles Aufklärungswerk, das den Willen der Saardeutschen kundtut: Das deutsche Saarland zurück zum Reich!
Der Abstimmungskalender gibt ein anschauliches Bild von dem Leben und Schaffen an der Saar. Zahlreiche selten schöne Naturaufnahmen sind zerstreut über die hundert Blatt, Kleinode deutscher Naturschönheiten, die 15 Jahre hindurch vom Mutterlande getrennt waren.
Das Leben an der Saar ist in allen feinen Sitten und Gebräuchen geschildert. Von dem saar- deutschen Arbeiter und Bauern, von Arbeitsstätte, von Heim und Hof erzählen Dutzende von Blättern dieses Kalenders. Sowohl im Text, wie im Bild ist in diesem Abstimmungskalender ein Meisterwerk geschaffen.
Der Kalender ist in jeder Buchhandlung zu haben! Preis 1 Mk. Jeder deutsche Volks-
„Ein Mann will nach Oeuischland."
Lichtspielhaus.
Viele werden den Roman von Fred Andreas kennen, der vor einiger Zeit erschienen ist und die Vorlage für das Drehbuch lieferte; der Autor selbst schrieb es zusammen mit Philipp Lothar May- ring: es weicht in nicht unwesentlichen Teilen vorn Roman ab, aber die Grundgedanken blieben hier und dort unverändert. Dieser Film kam gerade zur rechten Zeit und ist in diesen Wochen, wo wir des Kriegsausbruchs vor 20 Jahren gedacht haben und noch immer gedenken, von besonderer Aktualität. Hier haben wir die Odyssee eines deutschen Ingenieurs, der vom Ausbruch des Weltbrandes drüben in Venezuela überrascht wird und von Heimweh, von Liebe, Sorge und Pflichtbewußtsein getrieben, sich den Weg zurück erkämpft in die alte Heimat, um sich einzusetzen mit den Millionen seiner Landsleute für die um Tod und Leben kämpfende Nation. Ein sehr guter Stoff, weil er ein an sich belangloses Einzel- schicksal in den großen Zusammenhang rückt und es in eine Sphäre erhebt, wo es allgemeinere Geltung beansprucht: was hier geschildert wird, könnte in allen Teilen — so abenteuerlich es manchmal anmutet — nichts weiter sein als eine Chronik, ein in Bilder übersetztes Tagebuch, ein Tatsachenbericht aus dem Jahre 1914, der vergessen wurde, weil damals mehr auf dem Spiel stand als das Schicksal eines einzelnen Mannes. Aber das Schicksal dieses Mannes ist so oder so — abgewandelt in unzähligen Varianten, Episoden und Einzelzügen — doch das Schicksal von Hunderten und Tausenden unserer Leute gewesen, die alle den gleichen Weg gemacht haben auf zahllosen gefährlichen Umwegen, alle das gleiche Ziel gesunden (oder auch nicht gefunden) — aber in jedem Fall heißen Herzens gesucht haben. Darauf allein kommt es an, nicht darauf im letzten Grunde, wo die Flucht übers Meer einmal endete. Freilich ist diese Bilderfolge nach einem Roman gemacht, und wir sehen keinen Grund, etwas dagegen einzuwenden, daß sie bei aller Wirklichkeit auch sehr romanhafte Züge trägt, denn nicht nur für die späte Chronik, sondern erst recht auch für den Roman liefert noch immer das wirkliche Leben den besten und unerschöpflichen Stoff. Also haben wir hier nicht allein die Odyssee und ein wenig sogar die Robinsonade eines Heimkehrers (mit feinen Kameraden) anno 14, sondern auch die Herzensgeschichte des Mannes, der nach Deutschland will. Und gerade weil der Gefühlsstrom, der ihn da hineintreibt, sich mit jenem andern kreuzt, und weil er nur von einem von beiden sich tragen lassen kann
und darf, darum ist diese Liebesgeschichte innerhalb des Heimkehrerromans kein Zugeständnis etwa ans Publikum, keine unwürdig verkleinernde Episode in einem ernsten Epos vor weltgeschichtlichen Hintergründen, sondern sie stellt den Mann gleichsam zwischen zwei Feuer und vor die große Entscheidung seines Lebens. Er findet den einzigen Weg, der in solcher Lage möglich ist, und der Roman, soweit es sich hier um einen handelt, wird dadurch nicht schlechter, weil er — auf eine überraschende Weise — trotzdem glücklich endet.
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Der Schauspieler Paul Wegener stellt sich mit diesem Film xum erstenmal als Regisseur der Öffentlichkeit. (Zwar erscheint er auch, gegen Ende, in einer kleinen Rolle als Darsteller, aber das ist hier belanglos.) Seine Inszenierung ist ausgezeichnet: man erlebt einen Film, der von leidenschaftlichem Impuls und gewaltiger Spannung vorwärts getrieben wird; eine aufregende Sache ist das, aber nicht nur aufregend wie ein Kriminalfilm im stürmischen Ablauf seiner Tatbestände und Ereignisse, sondern erregend aus einer tieferen Schicht des Bewußtseins und Mitempfindens, weil ja, wie wir schon andeuteten, die endgültige Entscheidung in diesem Fall nicht äußerlich, sondern nur ganz innen erlebt und sichtbar werden kann. Das ist Wegener, von vielen prächtigen Einzelheiten zu schweigen, imponierend gelungen; dies und das merkwürdige und oft fast verwirrende Nebeneinander von Wirklichkeit und Erfindung.
Die Ufa hat neben einem bedeutenden materiellen Aufwand auch eine Besetzung von hohem Rang zur Verfügung gestellt. Karl Ludwig Diehl in der männlichen Hauptrolle: man hat ihn oft in ähnlichen Masken, in ähnlichem Umkreis spielen sehen, aber nicht immer wurde so viel beherrschte und doch erwärmende Vertiefung einer Gestalt von ihm gefordert, wie er sie hier überzeugend aufbringt. Neben ihm Brigitte H o r n e y : eine herrliche Rolle; gespielt mit dem vollen Einsatz der Persönlichkeit; beherrscht und ohne große Geste oder lautes Wort werden die beiden regierenden Jnnenkräfte geformt, welche die Handlung dieser Frau bestimmen: Leidenschaft eines zärtlichen Herzens und fast männliche Kraft des Willens. — Dann muß man Speel - m a n 3 nennen mit hohem Lob: lange nicht mehr gesehen, erfreuliche Wiederbegegung mit einem Schauspieler von Temperament, Humor und innerer Gesundheit. Unter den vielen anderen: Schur, Leibelt, Hadank, Zesch-Ballot; Wege- n e r nannten wir schon.
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Im Beiprogramm: schöne Aufnahmen von der adriatischen Küste und einen luftigen, technisch sehr interessanten Farbenfilm; gerührtes Wiedersehen mit den Tricks der jeligen Mickymaus.
„Kabale und Liebe ' in Frankfurt.
Die Eröffnung der diesjährigen Spielzeit im Frankfurter Schauspielhaus stand bereits im Zeichen des Schillerjahres. Zu Ehren des großen Toten bildete die Neuinszenierung von „K a- bale und Liebe" den Auftakt zu dem Winter 1934/35. Die große Theaterwirkung des Stückes zeigte sich besonders in seinen beiden Kulminationspunkten, im dritten und fünften Akt. Hier wächst die Dramatik dieses Jugendwerkes ins Grandiose. Nach dem dritten und fünften Akt gab es begeisterten und langanhaltenden Beifall. Mit großem Temperament setzte sich Joachim Gottschalk für die Rolle des Ferdinand ein, während Hanni Hoeß - r i ch eine sehr sympathische Luise gab. Als Auftakt zu dem Drama und zum Spieliahr trug Hermann Schömberg Schillers vielzitierte Abhandlung „Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet" vor.
Hochzeit im Reich der Mitte.
Im Reich der Mitte wird auch heute noch in vornehmen Familien die Hochzeit nach den alten Sitten und Gebräuchen gefeiert. Beim ersten Hahnenschrei begibt sich der künftige Gatte, von allen männlichen Verwandten begleitet, nach dem Buddhatempel und stellt vor dem Altar des Gottes seine Geschlechter- tnfeln auf, um sich die Ahnen gnädig zu stimmen. Dann geht der Zug zur Wohnung der Braut, am hellen Tage von Laternenträgern geleitet, die eine letzte Erinnerung an den alten Gebrauch der Nachtheiraten sind. Im zweiten Hof ihres Hauses wartet die Verlobte, schwer mit Schmuck beladen, einen Blumenkranz auf dem Haar und unter dem weichen Schleier das Gesicht dick geschminkt, die Ankunft des Bräutigams. Der Bräutigam überreicht zunächst dem Schwiegervater eine wilde Ente, die in China das Symbol der Liebe und Treue ist, bann treten sich die beiden neuen Ehegatten zum ersten Mal gegenüber, grüßen sich feierlich und knien nieder, um den Himmel und die Erde anzubeten; sie sind nun für ihr Leben vereint. Dann steigt jeder der beiden Angetrauten in eine schön geschmückte Sänfte und nun werden sie in feierlichem Aufzug durch die Straßen getragen nach ihrem neuen Heim, wobei ihr ganzes Mobilar hinter ihnen hergeschleppt wird. So wogt eine bunte Fülle von Gegenständen hinter ihnen her, das Brautbett neben einem Vogelkäfig, Kochgeschirr neben Lampen, Stühle und Reissäcke alles wird mit feierlicher Würde dahergebracht. Vor dem neuen Heim angelangf, schlägt der Gatte mit seinem Fächer gegen die Sänfte seiner Frau und lädt sie ein, mit ihm das Haus zu betreten, wobei wieder eine Unzahl tiefer Verbeugungen sich vollzieht. Ein kurzes Festmahl wird eingenommen, dann
sind die Ehegatten endlich allein. Sie sitzen einander gegenüber, eme Zeit lang im tiefften Stillschweigen verharrend, wie es die Wohlerzogenheit gebietet, dann erhebt sich der Gatte, verbeugt sich und reicht seiner Frau eine Tasse Tee, aus der beide feierlich ihre Lippen benetzen. Darauf tanzen sie mit langsam gravitätischen Schritten vor dem Altar der Ahnen einen seltsamen Hochzeitstc^iz.
Sochschulnacknchten.
Der Privatdozent Dr. Walter Dieter an der Universität Kiel ist zum o. Professor für Augenheilkunde an der Universität Breslau ernannt worden.
Der Privatdozent Dr. Erhard T o r n i e r an der Universität» K i e l ist zum o. Professor für Mathematik der Universität Göttingen ernannt worden.
Der Privatdozent Dr. Otto Stickl an der Universität Greifswald ist zum o. Professor für Hygiene in Greifswald ernannt worden.
Dre ao. Professor Dr. Hans Knauer an der Universität Breslau hat einen Ruf auf das Ordinariat für Kinderheilkunde an der Universität Bonn angenommen.
Der Chefarzt Professor Dr. Grütz in Wuppertal-Elberfeld ist zum o. Professor in der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn ernannt worden.
Der Pfarrer W. Schmidt in Bethel bei Bielefeld ist zum o. Professor für Theologie an der Universität Münster ernannt worden.
An der Deutschen Universität Prag sind der ao. Professor für historische Hilfswissenschaften und Geschichte des Mittelalters Dr. Heinz Zatschet, der ao. Professor für Mathematik Dr. Karl Löw- ner, der ao. Professor für Strafrecht und Strafprozeßrecht Dr. Edgar M. F o 11 i n , der ao. Professor für allgemeine und experimentelle Pathologie Dr. Julius R i h l und der ao. Professor für griechische Altertumskunde und Epigraphik Dr. Viktor Ehrenberg zu ordentlichen Professoren ernannt worden.
Der Präsident des staatlichen Materialprüfungsamtes in Berlin Geheimrat Professor Dr.-Jng. e. h. Robert Otzen ist im Städtischen Krankenhaus in Hannover nach kurzem schweren Leiden im Alter von 62 Jahren g e ft o r b e n. Länger als ein Vierteljahrhundert, von 1905 bis 1932, gehörte er dem Lehrkörper der Technischen Hochschule Hannover an. Fast zwei Jahrzehnte hindurch hat Geh. Rat Otzen als ordentlicher Professor zahllose Bauingenieure in der Kunst des Stahl-, Beton- und Eisenbetonbaues ausgebildet.


