Nr. 232 Drittes Blatt
Girtzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)
Donnerstag, 4- Oktober (934
Am 87. Geburtstage des toten Reichspräsidenten
„Ich kenne die Dame zu wenig, um mir schon heute ein Urteil bilden zu können, und ich glaube nicht, daß Ihnen Fräulein Kranz dankbar dafür ist, wenn Sie sie — ich meine — sozusagen — einem Manne anbieten."
„Das hätte ich getan? I du meine Güte! Wenn Sie das so auffassen, dann hätte ich allerdings lieber schweigen sollen. Also dann tun Sie, als hätten Sie nichts gehört."
„Jawohl, Herr Professor!"
Der Professor stand dann allein an einer Säule, die mit Rosen umwunden war, und er strich sich den roten Vollbart, dachte: Ein schwieriger Charakter. Ein sehr, sehr schwieriger Mensch!"
Berten hatte ihn lächelnd beobachtet, hatte ihm die Gedanken direkt von der Stirn abgelesen.
Mila Kranz!
Die schöne schlanke Frau mit dem berauschenden Duft des blonden, schimernden Haares, den wundersamen blauen Augen, den kleinen weißen Zähnen, die da waren wie Perlen. Und den müden, und dock so aufreizenden Bewegungen.
Und die Männer waren toll nach dieser Frau!
Sie aber hatte so offen gezeigt, daß nur er ihr gefiel! Er, Arndt von Berken!
Eine Filmschauspielerin!
Ein Vorurteil war da gewesen!
Eine Künstlerin wird nie eine Gutsfrau sein können! Und es wird ihr auf dem Lande, in der Stille eines Schlosses nicht lange gefallen. Das Weltkind will wieder hinaus! Und fort ist das Glück, das kurze, berauschende Glück!
Aber es gab Ausnahmen!
Die schöne Maria von Rankenbühl!
Die ehemalige sächsische Hofschauspielerin!
Die war eine wundervolle Gutsfrau geworden, lebte seit fünfzehn Jahren in Lürhofen, und Gottfried von Rankenbühl war der glücklichste Mensch unter der Sonne.
„Dir kann ich's ja sagen, Berken! Meine Frau war früher sächsische Hofschauspielerin. Wenn aber die Damen hier im Umkreise das gewußt hätten, dann hätten sie immer und ewig was an ihr aus- zuseßen gehabt. Da sie nur wissen, daß meine Frau die Tochter eines Gutsbesitzers ist, was, nebenbei gesagt, nicht mal 'ne Lüge ist. Der Vater besitzt wirklich ein Gut, aber seine Tochter hat's dem alten Herrn erst gekauft — so, siehst du, so wurde sie liebevoll im Kreise der Damen ausgenommen. Die Leute wollen es — dos' zeigt ihr Benehmen — selber nicht, daß man ihnen immer alles auf die Nase bindet. Und meine Frau hat sich nie zurückgesehnt. Sie liebte mich so sehr, daß sie auf all das glänzende Leben gern verzichtet hat."
Und Gottfried von Rankenbühl hatte einen gewaltigen Schluck des guten Mosels getrunken, der vor ihnen auf dem Tisch gestanden hatte.
Mila Kranz!
Ob sie auch auf alles verzichten konnte, wenn er sie hierher nach dem stillen, schönen Berkenhofen
Reichswehr hält die Ehrenwache am Sarge des verewigten Feldmarschalls und Reichspräsidenten von Hindenburg im Turm des Tannenberg-Denkmals.
Wie wird der „-1934er" werden?
Ein Zahrhundert-Weinchen. - Gchvn hängt der Strohwisch an der Stange.
In diesen Tagen rüstet man, früher denn in den letzten Jahren, allenthalben in den deutschen Reben- geländen zum frohesten Fest des Jahres: zur Weinlese. Hoffnung und Gebet haben die Reben i bewacht und umklungen, und der Himmel hat der j deutschen Winzer Sehnsucht und Glauben nicht zu- ‘ schänden werden lassen —: das wird ein Weinchen werden, dieser 1934er, wie ihn jedes Jahrhundert ' meist nur einmal kennt und schenkt; die Kenner , werden sich vermutlich einige Flaschen von ihm im Keller aufbewahren bis an ihr Lebensende, um ab und an bei besonders feierlicher Gelegenheit noch einmal die Sonne und den Duft dieses'unbeschreiblich sonnigen Sommers und Herbstes 1934 Gegen- : wart werden zu lassen in vertrautem Kreis, dem die Geister des 1934er Wärme und Heiterkeit und köstliches Labsal schenken werden.
Der letzte große und edle Weinjahrgang ist für I Deutschland der 19 2 1er gewesen Er ist berühmt und gesegnet bei allen Kennern in aller Welt. Der 1934er jedoch soll ihn allen Anzeichen nach noch übertreffen, so wird uns von den Fachleuten des Rheinlandes, der Mosel, der Nahe, der Ahr, 'der Schwabengaue versichert —: er wird ein so- genanntek Jahrhundertwein sein, der dritte 34er, der zu Weltruhm gelangt.
Schon im Jahre 1734 hat herrlicher Wein die deutschen Lande gesegnet. „Diel und gar köstlich gut!" vermelden uns die Chroniken und wissen ! ähnliches von dem Gottessegen des Jahres 1834 auszusagen: „Der Winter ganz gelind", so findet man in der Rheingauer Geschichts- und Wein- chronik ausgezeichnet, „weder Schnee noch Eis, ständig heftiger Wind, Frühjahr zeitig, naß und kühl, WMWM
Vornan von Gert Gothberg
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.).
5. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Weinblüte Johanni ganz vorüber, Mai bis Oktober beständig Schönwetter, viel Hitze, wenig Regen, klein Wasser. Den 8. Oktober, abends zehn Uhr, noch 16 Grad Wärme. Die Qualität des Weines außergewöhnlich feingärig, jedoch im allgemeinen nicht fett und dick, ein vollkommener Herbst. Viel und sehr gut, ganz vorzüglich, Gott allen Dank und Preis!"
Solch Rühmen und Danken wird wohl die Chronik nun auch einmal von dem 1934er vermelden. Denn die Sonne dieses Sommers, die ansonsten dem Landmann gelegentlich viel Sorge bereitet hat, ist des Winzers Segen gewesen am Rhein, an der Mosel, am Main. Schon im frühen April begann der Austrieb der Reben. Selbst die gefürchteten Eisheiligen haben nicht gestört durch ihren berüchtigten Frost. Die ganze Folgezeit lieh die Reben in bester Gesundheit zu prallster Fülle reifen. Hundert Tage sind seit beendeter Blüte vergangen, in diesen Tagen segnete nichts als Sonne die Trauben, die das Licht und die Wärme des Himmelsgestirns zu seltener Süße wandelten, als welche sie bald wärmend unser Blut durchrieseln wird.
In dem berühmten Markgräflerland allerdings wird es, wie gemeldet wird, quantitativ nur einen durchschnittlichen Herbst geben. Aber es kommt ja auch nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität an, und die wird einen Rekord bedeuten, wie man ihn auch hier seit einem Jahrhundert nicht mehr erlebt hat — das kann mann nach den Ergebnissen der Frühlese schon heute feststellen.
Im Schwabenlande sind die Weinberge bereits
Es war sehr gemütlich im großen, schönen Wohnzimmer von Berkenhof. Und einmal ging der Blick Des Brudes über die Schwester hin, und in seinen Blick kam etwas Grübelndes.
Brigitte lebte hier jahraus, jahrein, und nie beanspruchte sie etwas für sich. Wenn sie nun auch endlich einmal auf Reisen ginge? Irgendwohin? Er wollte chr doch den Vorschlag machen.
„Brigitte, ich überlege mir eben, daß du doch eigentlich gar nichts hast. Reise doch auch einmal! Wirklich!. Ich muß sehen, einmal ohne dich auszu- lommeir."
„Ich? Nein! Reise du! Ich habe ja genug gesehen non bei Welt. Früher, als die Eltern noch lebten mb du noch ein dummer Bub warst. Laß nur gut ein. Ich fühle mich hier sehr wohl, und ich bin nun nal zwölf Jahre älter als du und bemuttere dich lieber weiter."
„Alter Kerl!"
i Arndt war ganz gerührt und nahm die Schwester i nnfach in seine Arme, küßte sie herzlich.
Brigitte lachte und sträubte sich auch, aber im J Grunde genommen freute sie sich doch über die j teltene Liebkosung. Sie sagte jetzt lachend: [ „Heb dir das nur alles auf! Die Küsse und so. | Wirst es brauchen können."
„Meinst du? Na — vielleicht!"
Und sie lachten beide herzlich.
Und sie hatten auch beide denselben Gedanken — ■ : ämlich, daß es wirklich nicht nötig sei, jetzt schon । (inen dritten Menschen hierher zu bringen, weil es doch jetzt so gemütlich und friedlich war.
Arndt von Berken aber dachte an eine schöne, schlanke, blonde Frau. Er hatte sie auf einem Atelier- ] pst des berühmten Bildhauers Benigfen kennen- 1 gelernt.
: Mila Kranz!
j , Die gefeierte Filmschauspielerin!
Und auch jetzt schlug sein Herz laut und schnell, i . OL5 er an sie dachte. Er hatte mit ihr getanzt.
Und der berühmte Bildhauer hatte nachher zu llm gesagt:
„Lieber Herr von Berken, Sie haben bei der schönsten Frau mächtige Chancen. Mila Kranz ist schr zurückhaltend sonst. Aber heute läßt sie es sich je ziemlich deutlich merken, wie sehr Sie ihr ge- fetten. Gefällt sie Ihnen auch?"
Der berühmte Künstler hatte ihn, n<rio fragend abgesehen, mit den offenen, klaren Augen eines Nndes, und dabei erzählte man sich doch ganz tolle Sachen von dem berühmten Manne. Er, Berken, ktte gesagt:
geschlossen, früher als sonst; schon hängt der Strohwisch an der Stange, schon fließt der „Heurige" aus der Kelter, schon lacht allenthalben Gesang und Triumph —: „Guet, guet bat en unser Herrgott wachsa lassa, unsre Woi!"
Qualitäts -Rotweine werden von der Ahr erwartet. Der Behang der Reben ist allenthalben gut, die Mostgewichte sind allgemein höher als in den Vorjahren, und der Säuregehalt ist auffallend zurückgegangen. Man hofft, nach noch einigen wenigen Sonnentagen, auf solch günstige Most- gewichte, daß man annimmt, auf jegliche Zuckerung verzichten zu können.
Trauer herrscht in diesen Tagen nur in einem der deutschen Weingebiete; es handelt sich um die Gemarkung Lorchhausen und das N i erst e i n e r Gebiet. Hier sind während des Sommers mehrere lokale Unwetter niedergegangen, haben alle Hoffnung der Winzer vernichtet — schon zum fünften Male hintereinander muß hier mit einer Mißernte gerechnet werden.
Ueberall sonst hat man bereits die Vorberet- tunaen getroffen, die süße gärende Flut in die Fässer zu zwingen. Für das Küferhandwerk aller Weinbaugebiete herrscht schon seit Wochen Hochbetrieb und Hochkonjunktur, man ist überbeschäfstgt mit der Schaffung neuer Fässer, da es überall an Behältnissen mangelt, weil selbst der kühnste Optimist solch eine wunderreiche Ernte nicht erwartet hat. Dieser Segen wird sich alsdann über den deutschen Binnenmarkt ergießen, denn der einheimische Verbrauch und Bedarf macht neuerdings wett, was an Ausfuhr oerlorengegangen ist. In Deutschland hat sich der Weingenuß überall neue Freunde geschaffen, und sie werden alle bald auf ihrer Zunge die Glut des Sommers nachschmecken können, der nun hinter uns liegt und einmündete in die lichtbeschwingte Berauschtheit dieses gesegneten Herbstes.
In diesem Sinne allenthalben allen Brüdern und Schwestern ein „Prosit 1934er!"
Oberheffen.
Flieger-Werbeabend in Alsfeld.
— Alsfeld, 3. Oft. Der neugegründete Stützpunkt Alsfeld im Deutschen Luftsportverband veranstaltete im großen Saale des „Deutschen Hauses" einen Werbeabend. Ortsgruppenleiter Kimmel, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Stützpunkts Alsfeld, betonte in seiner Begrühungs- und Eröffnungsansprache die Notwendigkeit des Fliegens und deren hohe Bedeutung für die Erziehung zur Kameradschaft und Einsatzbereitschaft. Der neugegründete Stützpunkt Alsfeld, der bereits 60 Mitglieder umfaßt, verheiße einen vielversprechenden Erfolg. In der Gemarkung Alsfeld sei durchaus geeignetes Gelände für den Segelflug vorhanden. Man fei bereits eifrig mit dem Modellbau tätig, und wenn hier die erforderlichen Arbeiten geleistet feien, werde mit dem Bau eines Segelflugzeuges für den Stützpunkt Alsfeld begonnen werden.
Untergruppenführer Graf Solms sprach hierauf über Wesen und Bedeutung der deutschen Fliegerei. Er wies darauf hin, daß die deutsche Segelfliegerei keine Modesache und Sensation sei, sondern ernste Arbeit mit dem Ziele der Verantwortlichkeit gegenüber jedem einzelnen und dem gesamten Volke. Der Friedensvertrag von Versailles habe das gesamte Flugwesen in unserem Vaterland unterbunden, aber in zäher Arbeit habe man den Segelflugsport aufgebaut und damit die deutsche Fliegerei zu hohen Ehren gebracht. Aufgabe des Flugsports sei es, die jungen Menschen im Geiste des Nationalsozialismus und der Kameradschaft zu erziehen. Gerade weil dem Flugsport enge Fesseln angelegt feien, wende er sich an das ganze deutsche Volk, damit sich dieses geschlossen hinter den deutschen Flugsport stelle. Die Fliegerei in Oberhessen habe bereits Hervorragendes geleistet, und die Bevölkerung sei für den Flugsport ihrer ganzen bodenmäßigen Bindung nach besonders geeignet. Er bezeichnete die Werbung für den Flugsport als eine vaterländische Pflicht.
Im Anschluß an die mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen des Redners wurden zwei interessante Filme über den Rhön-Segelflug- Wettbewerb 1934 vor geführt. Den musikalischen Teil des Abends bestritt der Musikzug der Gruppe 223 des Freiwilligen Arbeitsdienstes Alsfeld mit feinen schneidig und exakt vorgetragenen Weisen.
Landkreis Gießen.
* Alten-Buseck, 3. Okt. Der Weißbinderlehrling Heinrich Braun erlitt durch einen unglücklichen Sturz einen Bruch der Zehen- partie des rechten Fußes. Er wurde zur
Behandlung in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht.
! L i n d e n st r u t h, 4. Okt. Dem fünfjährigen Söhnchen des Weißbinders Ludwig Hartung von hier fiel gestern nachmittag beim Spiel mit anderen Kindern eine Ernteleiter auf das Bein, so daß ein komplizierter Oberschenkelbruch die Folge war. Das bedauernswerte Kind mußte auf Veranlassung des Arztes in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden.
* Leihgestern, 4. Okt. Am morgigen Freitag, 5. Oktober, feiern die Eheleute Wagenmeister i. R. Konrad Seipp und Frau Anna Elisabeth, geb. Sauber, das Fest der goldenen Hochzeit.
ED Hungen, 3. Okt. Dank der Opferwilligkeit zahlreicher Spender und der Zusammenarbeit vieler Helfer wurde jetzt, wie alljährlich im Herbst üblich, wieder ein Eisenbahnwagen mit Kartoffeln und sonstigen Naturalliebesgaben für das Elifabethenstift in Darmstadt verladen. Folgende Gemeinden haben dazu beigetragen: Hungen, Langsdorf, Bettenhausen, Trais-Horloff, Inheiden, Utphe, Rodheim, Steinheim, Rabertshausen, Villin- gen, Nonnenroth und Langd. Langd hat auch das Evangelische Schwesternhaus Gießen mit einer Spende bedacht.
Kreis Schotten.
)—( Ruppertsburg, 3. Okt. In körperlicher und geistiger Frische vollendete der hiesige Landwirt und Makler Jost Meckel sein 85. Lebensjahr. Er ist Altveteran aus dem Kriege 1870/71, den er im 2. Großh. Hess. Infanterie-Regiment mitmachte. Dem treuen Alten brachten der hiesige Männergesangverein und der Posaunenchor ein Ständchen. Der 1. Vorsitzende des Vereins, Wilhelm Port II., sprach in beredten, begeisterten Worten über die Verdienste des Veteranen als Krieger und Sänger. Er half den Gesangverein vor 45 Jahren gründen und ist seit 5 Jahren Ehrenmitglied. Schöne Vaterlandschöre, die Lieblingslieder des Geehrten, erklangen. Und zum „Lobe den Herrn, den mächtigen König" durch Posaunenchor geblasen, war Grund genug da. Tiefgerührt dankte Herr Meckel. Für ihn sprach noch sein Freund Bommers- h e i m aus Langsdorf Dankesworte, die von allen Versammelten mit Beifall aufgenommen wurden.
Kreis Büdingen.
* Geiß-Nidda, 3. Okt. Durch einen unglücklichen Sturz erlitt der hiesige Einwohner Otto Lind II. eine Brustquetschung und einen 'Bruch des linken Beines. Er mußte zur Behandlung nach Gießen gebracht werden.
holte? Und er würde den Leuten kurz und bündig jagen: Meine Frau war Filmschauspielerin! Ich fordere die nötige Achtung für meine Frau!"
Das heißt, sagen würde er es nicht. Aber sie würden aus seinem Blick ganz genau ersehen können, wie er die Stellung seiner Frau sehen wollte. Arndt von Berken richtete sich auf, strich über die Augen. Wahrhaftig, da hatte er mit offenen Augen allerlei dummes Zeug zusammengeträumt. Denn er hatte doch nie ernstlich daran gedacht, die schöne blonde Künstlerin heiraten zu wollen?
Aber es zog ihn nach Berlin!
Wie mit geheimnisvollen Banden zog es ihn wieder nach Berlin Und Udo war noch immer dort. Der tolle Udo von Bodenstein! Der hatte ihm gestern einen Brief geschrieben.
Du Glückspilz!
Mila Kranz lievt Dich! Stell' Dir das vor! Stell' Dir das bloß vor! Prinz Reizeckstein ist ab- geblitzt. Bankier Bornfeld auch! Und ausgerechnet Du mußt daher kommen, und die reizende Frau liebt Dich! Ist es denkbar! Komm Du so schnell wie möglich wieder her. Wir waren vorgestern bei ihr zum Tee! Wir, heißt auf deutsch Prinz Reizenstein, Bankier Bornfeld, Professor Benig- sen, Axel Feller, der Maler, der neueste Stern des Filmhimmels: Jan Walnikoff und — ja — zum Donnerwetter, was bin denn für ein Flegel? Die Veradi war mit da!
Die Berani!
Du kennst doch: Das Hexenlied? Der Film, der von sich reden machte? Die Hexe, die wundervolle junge Hexe war die Berani! Die große, schlanke, wundervolle, schwarze Berani!
Du! Ich bin hin!
Wir wären uns einig. Du blond, ich schwarz! Du die Mila Kranz! Ich die Liane Berani! Zanken werden wir uns also nicht. Komm, sag' ich Dir! Der Prinz ist wahnsinnig vor Liebe und sieht ganz blaß und aufgeregt aus. Nimm sie Seiner Durchlaucht vor der Nase weg! Der muß doch nicht denken, daß ausgerechnet er —! Komm, so schnell als möglich. Mila Kranz hat sich bei mir nach Dir erkundigt, wollte dies und jenes wissen. Du bist einfach zu beneiden, Arndt!
Grüße Dein verehrtes Fräulein Schwester. Und sei Du gegrüßt von Deinem toll verliebten
Udo Bodenstein."
So hatte der Brief gelautet.
Arndt von Berken freute sich nicht. Er hatte nur gedacht: Nun weiß sie, daß ich vermögend bin. Udo wird alles gesagt haben. Und vielleicht sucht sie sich eben doch nur einen reichen Mann.
Gleich darauf hatte er den Gedanken verworfen.
„Wenn sie den Bankier Bornfeld haben kann, braucht sie nicht noch weiter nach einem reichen Manne zu suchen. Der kann der schönen Frau alles bieten. Mehr als ich! Denn er wird für ihre Launen und Wünsche viel mehr Verständnis haben als ich." „Du bist mit deinen Gedanken heute fehr weit
fort von mir und Berkenhofen", sagte nach einer Weile Brigitte. Aber sie zeigte bei ihren Worten ein gutes, nachsichtiges Lächeln, wie es nur zuweilen eine Mutter haben kann.
„Verzeih! Ja, ich unterhalte dich heute schlecht. Aber du hast recht. Meine Gedanken schweifen tatsächlich immer wieder weg von hier."
„Es macht nichts. Ich lese noch ein bißchen", sagte sie gutmütig. Aber sie beobachtete ihn nachher noch einige Male, und es entging ihr nicht, daß er sehr unruhig war.
Da lächelte sie nicht mehr. Sie dachte nur: Er denkt an diese Berliner Künstlerin. Und eigentlich war er immer klug und besonnen. Aber es kann trotzdem sein, daß er hier nicht wieder loskommt. Nun, es ist aber immerhin möglich, daß auch diese Künstlerin froh ist, in ein stilles, gesichertes Leben zu kommen. Und wenn sie ihn liebt, meinen schönen, stolzen Arndt, dann wird sie ihm ja doch auch hier ein wahres, großes Glück geben können. Wie kommt es aber, daß ich bei der ganzen Geschichte solch ein dummes Herzklopfen habe? Seit wann mischt sich denn mein altes dummes Herz in etwas hinein, wenn ich mir dies oder das überlege? Es ist eben doch die Angst, daß der Arndt nicht auf dem rechten Wege ist.
Es war gemütlich im Zimmer. Gewiß! Aber doch spürten es beide, daß etwas Störendes mit da war.
War Mila Kranz schon jetzt der Störenfried im alten Schloß Berkenhofen?
„Dann viel Vergnügen — und schreib mir ab und zu. Du wohnst wieder im ,Kaiserhost?"
„Ja! Natürlich! Man fühlt sich wohl dort. Und ich bin nicht gern heute in diesem und morgen in einem anderen Hotel. Uebrigens: Gerhard Osten kommt auch noch ein paar Wochen nach Berlin. Er schrieb mir, daß er schon ganz eingeschlafen wäre auf feinem Gute zwischen Rüben und Kartoffeln."
„Na — er wird die Augen schon aufreißen, dafür sorgt schon der famose Udo!" sagte Brigitte trocken.
Er lachte.
„Für schlechte Laune ist Udo Bodenstein die richtige Medizin. Und du hast ihn ja auch gern, Brigitte!"
„Ja, das stimmt! Ein froher, guter Kerl ist er ja nun bestimmt. Und für seinen sträflichen Leichtsinn kann mich ja keiner verantwortlich machen. Gerhard Osten mag doch auch mal hierher kommen, später. Ich kenne ihn doch noch von früher her. Hör mal, ein bißchen verschlafen war der aber schon immer — nicht wahr? Der hat nie gesehen, wenn's einer wirklich gut mit ihm meinte. Der wäre damals beinahe auf Emmeline Belach reinaefaüen. Weißt du, die wollte ihn sich doch angeln. Da hab' ich ihr das verdorben, das Spiel. Und sie hat sich bann wütend zurückgezogen. Der arme Kerl hätte ja eine Hölle bekommen an der Seite der lieben Emmeline."
„Ach, bann hattest b u ihn bamals eingeschlofsen, als man in in Belach erwartete?"
lFortsetzung folgt!)


