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teile der Zinssenkung für den Realkredit über den 30. September 1935 hinaus erhalten wollen, haben die Möglichkeit, die Eröffnung des Entschuldungs­verfahrens nach dem Gesetz zur Regelung der land­wirtschaftlichen Schuldverhältnisse vom 1. Juni 1933 in der Zeit vom 1. August bis 15. September 1935 zu beantragen. Das Verfahren darf jedoch in diesen Fällen nicht vor dem 1. Oktober 1935 eröffnet wer­den. Die neuen gesetzlichen Bestimmungen treten mit dem 1. Oktober in Kraft.

Neuordnung der evangelischen Landeskirche Württembergs.

Berlin, 3. Okt. (DRB.) Durch K i r ch e n g e - f e tz vom 28. September hat das Geistliche Mini­sterium der Deutschen Evangelischen Kirche einige Organe der Landeskirche Württemberg u m g e b i l - d e t, wie dies auch bei den Eingliederungen der üb­rigen Landeskirchen erfolgte.

Der Landeskirchentag wird umgebildet in die Landessynode, die aus dem Landesbischof als Präsidenten, 18 Mitgliedern und einem Vertre- tre der theologischen Fakultät der Universität Tübin­gen besteht. 12 Mitglieder der Landessynode werden vom Landesbischof aus den bisheri­gen Mitgliedern des Landeskirchen- t a g e s berufen. Für die Berufung wird die Zusam­mensetzung des bisherigen Landeskirchentages nach deren Wahl von 23. Juli 1933 zugrunde gelegt. Sechs weitere Mitglieder werden vom Landesbischof ernannt. Die Hälfte der Mit­glieder müssen Laien sein. Rach Bildung der Lan­dessynode gilt der bisherige Landeskirchentaq als aufgelöst.

Der Landeskirchenausschuß besteht in Zukunft aus dem Landesbischof und zwei Mitglie­dern, von denen eins vom Landesbischof ernannt, das andere von der Landessynode aus ihrer Mitte gewählt wird. Der Landesbischof ernennt weiter die Mitglieder des kirchlichen Disziplinarge­richtes, den Vorsitzenden, zwei Mitglieder aus der kirchlichen Verwaltung, zwei Mitglieder aus der Landessynode und zwei Mitglieder, die ein kirch­liches Hauptamt bekleiden müssen.

Die Befugnisse des Landesbischofs übernimmt bis auf weiteres der von der Deutschen Evangelischen Kirche bestellte geistliche Kom­missar.

Die Verfassung der evangelischen Landeskirche Württemberg ist nunmehr der Verfassung der üb­rigen Landeskirchen innerhalb der Deutschen Evan­gelischen Kirche angeglichen.

In Ergänzung der Meldung über die Notwen­digkeit der Einsetzung eines Kommissars für die württembergische Landeskirche teilt die kirchenamtliche Presse st elle mit:

Nunmehr liegt der Bericht vor, den die bis­herigen Beamten der landeskirchlichen Kassenver­waltung über die kassenmäßigen Vor­gänge bei der Evangelischen Landeskirche Würt­temberg gegeben haben. Danach haben sich bereits im April d. I. der Landesbischof WurmundOber- kirchenrat Dr. Schauffler die alleinigen Voll­machten über Guthaben der Landeskirche in Höhe von 1 621 038 Mark übertragen lassen. Es heißt in dem Bericht:Dieser Betrag ist in unge­wöhnlicher Weise der ordentlichen Verwaltung durch den Kassenleiter entzogen worden. Ein derartiges Eingreifen dürfte in einer öffentlichen Verwaltung wohl einzig daltehen."

So veranlaßte Oberkirchenrat Dr. Schauffler auch am 6. September, also nach vollzogener Eingliede­rung der Landeskirche in die Deutsche Evangelische Kirche, die Ueberweifung von insgesamt 230 000 Mark aus landeskirchlichen Mitteln an die Bas­ler M i s sionsge s e l lschaft und an die sog.Bekenntnissynode" in Barmen, zu Händen des Superintendenten i. R. K o ch (Oeyn­hausen). Ein Verwendungszweck ist nicht angegeben. Dbr Kassierer des württembergischen Oberkirchen­rates machte schriftlich und mündlich Bedenken gegen die Ueberweisungen geltend. Seine Einwen­dungen wurden jedoch von Dr. Schauffler zurück­gewiesen und die Ueberweifung angeordnet. Gleich­zeitig erhielt die Registratur des Oberkirchenrates den Auftrag, den Einlaufsvermerk für das Schrei­ben des Kassierers, in dem dessen Bedenken geltend gemacht wurden, so zu löschen, daß er nicht mehr sichtbar lei.

Aeichsbifchos Müller spricht in Stuttgart.

Stuttgart, 3. Okt. Reichsbischof Müller sprach in Stuttgart in einer großen Bersammlung au der Bevölkerung der Landeshauptstadt. Unter den Anwesenden bemerkte man u. a. auch Reichs­statthalter Murr und Ministerpräsident M e r - genthaler und den kommissarischen Landes­bischof der Evangelischen Landeskirche Württem­bergs, Eberhard Krauß. Ausgehend vom Er­lebnis des Frontkämpfers zeichnete der Reichsbischof das Wachsen und Werden des neuen Volksbewußtfeins, das in der nationalsozialistischen Bewegung und zuletzt im nationalsozialistischen Staat seinen Ausdruck gefunden hat. Er kam dann auf jenes große Erlebnis zu sprechen, das ihm durch die Bekanntschaft mit dem Füh­rer und Reichskanzler Adolf Hitler wurde. Solange er lebe und arbeite, bleibe er dem Führer treu bis zum Letzten. In der Kampfzeit habe die nationalsozialistische Bewegung im Kamp > gegen Marxismus und Bolschewismus das Werk der Deutschen Evangelischen Kirche getan. Deshalb bedauere er, daß Pastoren aus dieser Kirche den '2öeg zu Adolf Hitler immer noch nicht gefunden hätten. Wenn die evangelische Kirche an dieser Volksbewegung vorbeigehe, oder wenn diese Dolks- I bewegung an der evangelischen Kirche vorbeigehe, dann sei es mit ihr und damit mit der evangelischen Kirche aus. Deshalb sei es notwendig geworden, !das nationalsozialistische Erlebnis in die Kirche hineinzutragen. Unsere 'Pastoren dürfen nicht über dem Volke stehen und : oon den Kanzeln auf das Volk herabreden, sondern ! sollen mitten im Volke stehen. Kein einziger Pfar- irer ist in Deutschland brotlos geworden, und kein «einziger Pfarrer ist je gehindert worden, das «Evangelium zu verkünden. Das Innenleben der Deutschen Evangelischen Kirche müsse ganz au «Christum gegründet sein. Mit dem Rufe:Christus jfür die Kirche, die Kirche für Christus!" schloß Meichsbischof Müller seine Rede.

Grußielegramm des Gustav-Adolf- BereinS an den Führer.

Königsberg i. Pr., 3. Okt. (DNB.) Die '78. Hauptversammlung des Gustao-Adolf-Vereins «richtete an den Führer und Reichskanz- Uer folgendes Telegramm:

Zur Hauptversammlung in Königsberg vereint entbietet das Gustav-Adolf-Werk aller deutschen evangelischen Kirchen innerhalb und außerhalb der Grenzen des Reiches dem Führer unseres Volkes und Haupt unseres Reiches ehrerbietigen Gruß Wir geloben unentwegte Gefolg- chaft in der Erfüllung der uns durch mehr als ein Jahrhundert anvertrauten Aufgabe, für die Glaubensgenossen in derZerstreu- ung, besonders für die bedrängten evangelischen Volksgenossen in aller Welt, Fürsorge zu üben als Werkzeug des gesamten deutschen Protestantismus. Wir erbitten des Füh­rers Schutz und Förderung für unsere Arbeit.

Eröffnung des Deutschen Vibel- tages in Salle.

H a l l e a. d. S., 3. Okt. (DNB.) In Halle wurde durch eine eindrucksvolle Kundgebung der Deutsche Bibeltag 1934 eröffnet. Bischof Peter (Magde­burg), dem oon der Reichskirchenregierung das Protektorat über die Deutschen Bibelfeiern über­tragen wurde, wies darauf hin, daß die Luther­bibel sich durch die Jahrhunderte als ein deutsches Buch erwiesen habe, von dem die gesamte deutsche Kultur beeinflußt worden sei. Das sei auch kein Wunder, denn in der Bibel werde eine Sprache gesprochen, die nicht zuletzt vom gemeinen Mann verstanden wer­den könne. Luthers Sprache habe die Möglichkeit einer Verständigung von Ost nach West und von Süden nach Norden über alle Grenzen und Unter­schiede der Mundarten hinweg geschaffen. Das Bibeljubiläum habe es weiter mit dem reli­giösen Gehalt der Bibel zu tun. Im deutschen Volk sei eine starke Sehnsucht nach Offenbarung

und Gott lebendig. Deshalb entspreche es einer inneren Notwendigkeit, wenn gerade die Besten dieses Volkes ihr Leben auf die Bibel gründeten. Allen Verdrehungen und Entstellungen zum Trotz werde man die Bibel in der evangelischen Kirche nicht fahren lassen, son­dern sich immer mutig und fest zu ihr bekennen. Der Bibeltag solle nicht im Verborgenen oder im Winkel, sondern vor aller Welt gefeiert werden. Wir wollen es der ganzen Welt zeigen", so er­klärte der Bischof", daß wir im Dritten Reich einen Bibeltag erleben, der das Wort Gottes zu seinem Panier macht!" Namens des Reichs­bischofs erklärte er dann den Deutschen Bibeltag für eröffnet.

Es folgten mehrere Grußworte, u. a. von Berg­rat Abel, der als Bergmann, Hausvater und Grenzdeutscher oon den unvergänglichen Werten der Bibel sprach und nut den Worten schloß:Wir schaffendes Volk in Mitteldeutschland streben hin zur Bibel!" Generalsuperintendent i. R. Professor D. Schöttler umriß die geschichtliche Bedeutung Halles als einer Werkstatt der deutschen Bibel. Professor D. Hans Schmidt, der Vorsitzende des theologischen Fakultätentages, zeigte an Beispielen die Meisterschaft lutherischer Sprachschöpfung. Der Vikar der Deutschen Evangelischen Kirche v. En­ge l k e ging von der Kritik aus, die vielfach an der Bibel geübt wird. Man müsse durch die Nebel­wand, die sich vielfach vor die Bibel gelegt habe, hindurchstoßen und von neuem erkennen, worin die unverlierbare Bedeutung dieses Buches der Bücher besteht. Christus spreche durch seine Person das Wort der Ordnung in alle menschlichen Ver­hältnisse der Unordnung und Krankheit hinein. An ihm müsse die Welt zur Erkenntnis ihrer Schuld kommen, an ihm werde sie aber auch zum Glau-

I ben gelangen.

Allen Ansprüchen gewachsen!

Organisation und Aufgabe des Textileinzelhandels.

Drei Tatsachen sind es, die gerade in diesen Ta­gen den Textileinzelhandel und damit auch die Tex­tilindustrie in den Vordergrund des wirtschaftspoli­tischen Interesses rücken; die Königsberger Tagung des Reichsbundes des Textilyandels, die Verordnung der Reichsregierung über die Pflichtorganisation des Einzelhan­dels, die für den Textilhandel insofern von beson­derer Bedeutung ist, weil der vor einem Jahr ge­bildete Reichsbund schon eine Vertretung dieses Wirtschaftszweiges auf Grund der neuen Ordnung darstellt, und die Rohstoffrage, die in Verbin­dung mit der Faser st osfverordnung der Reichsregierung in diesem Gewerbezweig von aus- chlaggebender Bedeutung wird.

Bernhard Köhler, der Leiter der Kommission für Wirtschaftspolitik in der Reichsleitung der NSDAP, hat in Königsberg lautTextilzeitung" (Nr. 229) betont, daß die Gewerbefreiheit nicht in dem Willen bestehen darf, die Konkur­renz mit allen Mitteln zu beseitigen. Um das zu verhindern, mußte die Gewerbefreiheit eingeschränkt und besser geordnet werden, damit der Tüchtige auf sei ne m Platz ungehin­dert arbeiten kann. Deshalb wurden auch die Pflichtorganisationen gegründet, die weniger mit Markt ordnung als mit Sitten Ordnung zu tun haben. Die Partei denke nicht daran, den privaten Kapitalismus zu einem staatlichen Kapitalismus zu machen. Es ist sehr bemerkenswert, daß in Königs­berg oon allen zuständigen Seiten betont wurde, daß im nächsten Frühjahr alle Ansprüche an Mode und Qualität für den Bedarf b e- r i e ö i g t werden können. Die Preispolitik der Re- sierung baut sich darauf auf, daß sich die Wirtschaft auf die Mengenkonjunktur stützt, nicht aber auf eine Preiskonjunktur. Gerade um die Interessen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer einander auszugleichen, muß ein labiles Preisniveau vorhanden sein.

Der Textileinzelhandel ist Brücke und Verbindung zu zahlreichen Berufsgruppen der Industrie und des gesamten geroerblidjen Lebens. Der Reichsbund des gesamten Textilemzelhandels umfaßt allein 14 Fachgruppen, die regional in 13 Landesgruppen untergeteilt find. Dadurch wird die für diesen Ein­zelhandelszweig außerordentlich bedeutsame Fach- arbeit, die sich natürlich nur auf Fach­te n n t n i f f e aufbauen kann, für die Gesamt­organisation gesichert. Der Einzelhandel mit Tex­tilien umfaßt nach einer Aufstellung derTextil­zeitung" zur Zeit 90 945 Betriebe mit 311013 be­schäftigten Personen. Rund 56 000 Geschäfte betreiben den Handel mit Web-, Wirk-, Strick-, Kurz- und Besatzwaren. An zweiter Stelle steht mit 9000 Betrieben der Einzel­handel mit Textilwaren aller Art. Hierbei handelt es sich allerdings um kaufhausähnliche Ge­schäfte, die im Durchschnitt zehn Personen beschäf­tigen. Mehr als 5000 Betriebe umfaßt der Handel mit Wäsche und Weißwaren, sowie der Handel mit Hüten, Handschuhen und Stöcken. Rund 4000 Betriebe führen Herren- kleidung, während Damenkleidung nur in 1700 Geschäften vertrieben wird. An letzter Stelle steht der Einzelhandel mit Kürschnerwaren. Gegenüber dem Jahre 1925 ist die Gesamtzahl der Betriebe um 1,8 v. H., die Zahl der beschäftigten Personen um 6,2 v. H. zurückgegangen. Im gesam­ten Einzelhandel ist demgegenüber sowohl in der Zahl der Betriebe als auch in der Zahl der be­schäftigten Personen eine Steigerung zu verzeich­nen.

Die U m s a tz e n t w i ck l u n g des Textileinzel­handels ist deshalb besonders bemerkenswert, weil sie zum Teil andere Kurven zeigt als die des übri­gen Einzelhandels. Der Rückgang des Textileinzel- handels setzt bereits im Jahre 1929 ein, in welchem der übrige Einzelhandel sich noch halten konnte. Die Umsatzverluste in den Jahren bis 1932 waren beim Textileinzelhandel mit 56,6 v. H. gegen­über 1928 (zu 1932) bedeutend stärker als die Verluste des übrigen Handels mit 38,6 v. H. im Durchschnitt. Dann brad)te der politische Um­schwung 1933 dem Einzelhandel mit Textilien be­trächtliche Umsatz st eigerungen, so daß 1933 der Umsatz im Textilfachhandel sogar um 0,7 v. H. höher war als 1932, während im übrigen Handel die Umsätze noch um 3,7 v. H. zurückgegan­gen waren. Die Umsatzsteigerung im Textilfach- yandel ist auch deshalb bemerkenswert, weil d i e Preise für Bekleidungsgegenstände 1933 noch um 5 v.H. gesunken sind. Der Umsatzverlauf innerhalb dieses Gewerbes zeigt auch hier, daß die Fachgeschäfte bei der Belebung besser abgeschnitten haben als die Waren- und Kaufhäuser. Zwei Drittel der Umsatzzunahme seit 1933 entfallen auf den Kauf größerer Mengen oder besserer Qualitäten, ein Drittel auf Erhöhung

des Preisindex. Der Fachhandel mit Textilwaren hat im August 1934 gegenüber August 1933 eine Umsatzzunahme von 27,1 v. H. erzielt, so daß ge­rade in allerjüngster Zeit in dieser Branche außer­ordentliche Erfolge erzielt werden konnten.

Der Textileinzelhandel arbeitet auf das engste mit der Textilindustrie zusammen. In der Industrie hat eine Arbeitsstreckung auf Grund der Faserstoffverordnung stattfinden müssen, die sich so auswirkt, daß die tägliche Arbeitszeit von 7,43 Stunden im Juli auf 6,85 im August ge­senkt werden mußte. Die Zahl der beschäftig­ten Arbeiter ist gleich geblieben, die der A n - ge stellten sogar noch gestiegen. Die Produktion ist ihrer Menge nach im Juli noch bedeutender ge­worden als im Juni und hat sich im August gehal­ten. In der Bekleidungsindustrie ist der Beschäf­tigungsgrad stark gestiegen, sowohl was die Zahl der beschäftigten Personen anbetrifft, als auch der geleisteten Arbeitsstunden. Selbst im Vergleich zum Nachkriegsrekordjahr 1927 ist nur noch ein Er­zeugungsrückgang von 7,5 v. H. in diesem Industrie­zweig zu verzeichnen. Durch den Vergleich mit 1927 soll gezeigt werden, daß ein größerer Teil der Textilproduktion der letzten Monate noch in den Lägern der Industrie und des Handels liegen muß. Die Lagerbestände des Textileinzelhandels dürften heute nur um 10 v. H. kleiner fein als 1927, in welchem der höchste Nachkriegsstand er­reicht worden war. Damit dürfte eine 40prozentige Lagervermehrung stattgefunden haben.

Von den mannigfachen Problemen, die den Tertil- einzelhandel in Königsberg beschäftigten, interessiert den Verbraucher am meisten die Beantwortung der Frage: Ist für die Zukunft der Bekleidungs­bedarf der Bevölkerung gesichert? Diese Frage ist klar und deutlich beantwortet worden. Auf den Mitgliederversammlungen der einzelnen Reichsfach­gruppen wurde oon den Geschäftsführern die über­einstimmende Erklärung abgegeben, daß für die Herbst- und Winterfaison nicht mit den ge­ring st en Schwierigkeiten hinsichtlich der Bekleidungsversorgung der Bevölkerung zu rechnen ist. Auch im Frühjahr werden wir ohne nennens­werte Schwierigkeiten den gewohnten Bedarf der Bevölkerung befriedigen können. Voraussetzung allerdings ist, daß in normalem Umfange, also w i e bisher, gekauft wird.

Der Führer des Textileinzelhandels, Tengel- mann, der übrigens in das Präsidium des Ge­samtverbandes des deutschen Einzelhandels (Pflicht- organifation) berufen worden ist, hat der Meinung Ausdruck gegeben, daß d i e Mischgewebe sich durchsetzen werden. Er sei überzeugt, daß jeder, der sie gründlich tennengelernt habe, aus innerer Ueberzeugung sich für die Mischgewebe einsetzen werde. Jedenfalls möge der Verbraucher davon überzeugt sein, daß in Zukunft die Industrie nur solche Mischgewebe herausbringt, die sich durch ihre hohe Qualität und nicht durch eine geschickte Reklame durchsetzen werden.

Meine politische Nachrichten.

Der Führer und Reichskanzler hat an den König von Bulgarien aus Anlaß des Jahrestages seiner Thronbesteigung nachstehendes Telegramm gerichtet:Eure Majestät bitte ich, an« läßlich der Wiederkehr des Tages der Thronbesteigung meinen aufrichtigsten Glück­wunsch entgegenzunehmen. Ich verbinde hiermit meine herzlichsten Wünsche für Eurer Majestät Wohlergehen und das weitere Gedeihen Bulga­riens. Adolf Hitler, Deutscher Reichskanzler."

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Ihre Majestät dieGattinÄesKönigsvon A f g h a n i st a n hat am 23. September d. I. einem Sohn das Leden geschenkt, welchem der Name Prinz Ahmed Shah Khan gegeben worden ist. Der Führer und Reichskanzler hat dem König von Afghanistan aus diesem Anlaß durch fren deut­schen Gesandten in Kabul seine Glückwünsche aussprechen lassen. *

Die 3 0 0 dienstä11esten poli 1 ischen Lei- ter der NSDAP, aus dem ganzen Reiche wer- den vom 5. bis 7. Oktober Gäste der Gaulei- tung Sachsens in Dresden fein. Im Rahmen dieses Treffens wird auch eine Gauleiterta­gung stattfinden.

Der deutsche Gesandte Herr von Papen ist nach einem kurzen Aufenthalt in Ungarn, roo er i n Budapest auch dem Ministerpräsidenten Göm - bös einen Besuch ab stattete, nach Wien zurück- gekehrt und hat die Geschäfte der Gesandtschaft wie- der übernommen.

Der deutsche Botschafter in Moskau Graf von der Schulenburg hat am Mittwoch im Kreml dem Vorsitzenden des Zentralexekutivkomitees sein Beglaubigungsschreiben überreicht.

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In Wilhelmshaven wurde der KreuzerEm» d e n" wieder in Dienst gestellt.

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Am 4. Oktober werden im polnischen Außen« ministerium die deutsch-polnischen B e - stprechungen über Pressefragen fortge­setzt. Zu den Verhandlungen treffen Ministerialrat Dr. Jahnke, Meyer-Heidenhagen, Ge­heimrat A s ch m a n n und Konsul Schonberg in Warschau ein.

Der ehemalige österreichische Minister und Land­bundführer B a ch i n g e r wurde auf freien Fuß ge­setzt. Bachinger war unter der Beschuldigung, in den Putsch vom 25. Juli verwickelt gewesen zu sein, ver­haftet worden.

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Wie zuverlässig verlautet, ist die ursprünglich für Mitte dieses Monats vorgesehene Reise Barthous nach Rom auf Ende des Monats ober Anfang November verschoben worden. In gut unter­richteten politischen Kreisen erklärt man dazu, daß dieser Aufschub in engem Zusammenhänge mit der bevorstehenden Pariser Reise des südslawischen Königs stehe.

Das schwedische Kronprinzenpaar traf in Ankara, der türkischen Hauptstadt, ein. Am Mittag stattete der Kronprinz in der Villa des Ghazi einen Besuch ab, während die Kronprinzessin die Gatinnen der Minister empfing. Nach einem Frühstück mit dem Außenminister besichtigte bas Kronprinzenpaar bas Ethnographische Museum und bas Hygienische Institut. Am Abenb gab ber Ghazi ein Festbankett.

Kunst und Wissenschaft.

Reichsminister Rust besichkigl ein Universiläts-Jnstiluk.

Reichsminister R u st besichtigte eingehend das Hydrotherapeutische Institut der Universität Ber­lin. An die Besichtigung schloß sich ein Vortrag des Leiters des Instituts, Professor Dr. Janson. Reichsminister Rust hat Prof. Dr. Janson als Refe­renten in das preußische Kultusministerium be­rufen.

Gustav Gründgens

zum Intendanten des Staatsschauspiels ernannt.

Der preußische Ministerpräsident hat den bis­herigen Intendanten des Staatlichen Schauspiel­hauses Berlin, Herrn Dr. U l b r i ch, nachdem dieser mehrere Monate einen Sonderauftrag erledigt hat, bis auf weiteres als Sachverständigen in seinen Stab übernommen. Zum Intendanten des Staatlichen Schauspielhauses hat der Ministerpräsi­dent Herrn Gustav Gründgens ernannt, der das Staatliche Schauspielhaus seit mehreren Mona­ten als kommissarischer Intendant geleitet hat.

Zwei Jahre im Sibirischen Eismeer. Heim­kehr einer russischen Expedition unter weiblicher Leitung.

Nach über zwei Jahren ist jetzt eine sowjet- rus s (sch e Arktis-Expedition nach Lenin­grad zurückgekehrt. Die aus vier Personen bestehende Forschergruppe hat auf dem Tairnyr-Archipel im westlichen Teil des Sibirischen Eismeeres zwei­mal überwintern müssen, ehe ihr die Rückkehr ermöglicht werden konnte. Die Forscher haben auf ihrem eigentlichen Expeditionsgebiet, dem menschen­leeren Nordland (Sewernaja Semlja), kartographi­sche sowie pflanzen- und tierkundliche und geolo­gische Arbeiten ausgeführt; auch die Eisbewegun­gen wurden wissenschaftlich beobachtet.

Die Expedition, die von der Arktisforscherin Frau Nina D e m m e geleitet wurde und zu der der Meteorologe Senkow sowie ein Funker und ein Koch gehörten, wurde am 16. August 1932 durch den EisbrecherRussanow" auf Nordland abgesetzt. Versuch, sie im Herbst 1933 wieder abzuholen, miß­lang, da der EisbrecherSedow" wegen unüber­windlicher Schwierigkeiten umkehren mußte. So waren die Expeditionsteilnehmer gezwungen, einen zweiten Winter über auf Nordland zu bleiben, was natürlich nur unter größten Schwierigkeiten möglich war. Zwar reichten die Kohlenvorräte noch aus, aber der Holz- und Petroleumbestand war bald er­schöpft. Der Vorrat an Nahrungsmitteln wurde durch Jagd auf Eisbären ergänzt, von denen im Laufe der beiden Winter 19 erlegt wurden.

Auch im Sommer dieses Jahres vermochte sich kein Hilfsschiff den Weg nach Nordland zu bahnen. Man entschloß sich daher zur Entsendung eines Was- serflugzeuges, das am 27. August auf einer inzwi­schen eisfrei gewordenen Insel niedergehen und die Expedition an Bord nehmen konnte. Nach 2Vrstün- digem Fluge war Kap Tscheljuskin erreicht, wo der EisbrecherSibirjakow" die Forscher übernahm. Heber die Inselgruppe von Sewernaja Semlja, die nun wieder völlig menschenleer daliegt, führte im Juli 1931 auch der Arktisflug des LuftschiffesGraf Zeppelin".

Wettervoraussage.

An der Südseite des Tiefdruckgebiets über Ir­land, das sich noch vertieft hat, wird weiterhin ozeanische Luft mit lebhafter Bewegung nach dem Festland befördert. Somit hält das wechselhafte und unfreundliche Wetter noch an. Die von Norden sich ausbreitende Kaltluft veranlaßt allgemein niedrige Temperaturwerte und wird stellenweise zu schauerar-tigen Niederschlägen führen.

Aussichten für Freitag: Wechselhaftes, meist wolkiges Wetter mit vereinzelten Regen­schauern, im ganzen kühl, lebhafte Luftbewegung.

Aussichten für Samstag: Fortdauer der herrschenden Wetterlage.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VIII. 34: 10100. Druck und Derlagt Brühl'sche Universitäts-Buch. und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

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