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Deutschland wünscht die Wiederaufrichtung eines normalen Welthandels.

Staatssekretär Funk begrüßt den Internationalen Hotelierkongreß in Berlin.

DNB. Berlin, 3. Okt. In den festlich mit den Farben des Dritten Reiches und den Fahnen sämt­licher Kulturstaaten der Erde geschmückten Reichs- tagssaal bei Kroll wurde am Mittwoch der In­ternationale Hotelierkongreß eröffnet. Dem Festakt war eine feierliche Kranzniederlegung am Ehrenmal vorausgegangen. Der Präsident des Hotelbesitzervereins, Burkard - Spillmann (Luzern), wies auf die internationale Krise im Hotelgewerbe hin. Der Fremdenverkehr, der den Staaten zahlreiche Einnahmequellen erschließe, müsse unter staatlichen Schutz gestellt werden. Im Gast­land Deutschland seien diese Fragen bereits ener­gisch in Angriff genommen worden. Anschließend übermittelte

Staatssekretär Funk

die besten Wünsche der Reichsregierung und ins­besondere des für das Fremdenverkehrswesen zu­ständigen Reichsministers Dr. Goebbels. Der Staatssekretär führte dann u. a. weiter aus: Wir heißen Sie, meine Herren Hotelbesitzer aus allen Ländern der Welt, herzlich willkommen und sind überzeugt, daß Ihnen der Aufenthalt in unserem deutschen Vaterlande die besten Eindrücke vermitteln wird, so daß Sie als Freunde des neuen Deutschlands in Ihre Heimatländer zurück- kehrsn werden und dort berichten können, wie das junge Deutschland in einer neuen herrlichen Volks­gemeinschaft sich bemüht, Staat, Kultur und Wirtschaft neu aufzubauen und mit neuem Leben zu erfüllen. Sie werden bei Ihrem Aufenthalt in Deutschland erkennen, daß alles ganz anders ist, als es in einer feindseligen Einstellung zur nationalsozialistischen Staatsform und Weltanschauung im Auslande dargestellt wird. Dabei sind Sie besonders berufen, die Wahrheit über Deutschland zu verkünden, denn das Hotel­gewerbe ist auf gute Beziehungen der Völker unter­einander im besonderen Maße angewiesen. Wir heißen jeden Ausländer, der nach Deutsch­land kommt, herzlich willkommen, weil wir keinen Zweifel haben, daß er zu einem Propagandisten für uns wird, wenn er die Dinge in Deutschland objektiv und neutral beobachtet und der Wahrheit die Ehre gi bt. Die wirtschaftliche Zerrüttung, in die die Welt verfallen ist, wird von Ihrem Gewerbe be- onders schwer empfunden. Das Hotelgewerbe ist tark konjunkturempfindlich und ein einer Barometer der Wirtschaftslage. Die deutsche Regierung bemüht sich mit allen Kräften, zur Be­seitigung der schweren Wirtschaftsnöte der Welt das ihrige beizutragen, denn Deutschland hat kein Interesse d.aran, wenn sich der Welt­handel auf einer Einbahnstraße bewegt, auf der man nur nehmen und nicht geben will. Diese Straße muß schließlich in einer Sackgasse enden.

Die Wiederaufrichtung eines normalen Han­delsverkehrs in der Well liegt durchaus auch im deutschen Interesse, und wir werden nichts unversucht lassen, um die zur Zeit bestehenden Schwierigkeiten zu beseitigen. Dies wird aber nur möglich sein, wenn man sich zu einer Generalbereinigung entschließt und die maßgebenden Wirtschaftsländer der Welt sich auf einen Plan einigen, der einen gesunden Ausgleich zwischen Rohstoff- und Industrie­ländern herbeiführt, und wenn die Regierun­gen von Geld- und Währungsexperimenten ab­sehen, die keine Lösung bringen können und schließlich immer nur zu neuen Kapitalverlusten und neuen Erschwerungen des Weltverkehrs führen müssen.

Der deutsche Reichsbankpräsident und Wirtschafts­minister Dr. Schacht hat immer wieder erklärt, daß Deutschland solche Experimente nicht mitmachen kann und wird. Andererseits wird Deutschland unter dem Druck dieser verfehlten Wirtschasts- methoden gezwungen, aus der Devisennot eine R o h st o f f t u g e n d zu machen, d. h. synthe­tische Rohstoffe zu erzeugen, was eines Tages viel­leicht einmal die Rohstoffländer vor eine völ­lig neue, für sie keineswegs erfreuliche Situation stellen könnte. Besser wäre es schon, man kehrte wieder zur Natur zurück und gebe Deutschland für gute Ware gutes Geld, damit es kaufen und verkaufen kann, um auf diese Weise wieder wirtschaftlich stark und unabhängig zu werden. Aber so oder so, dieses Ziel wird die nationalsozialistische Regierung a u f jeden Fall erreichen.

Auch im Fremdenverkehr vertreten wir unbeschadet des Primats der nationalen Pflichten und Belange grundsätzlich - durchaus den Stand­punkt der Freizügigkeit und bedauern es selbst sehr, daß zur Zeit für Deutschland auf diesem Gebiete so große Schwierigkeiten bestehen. Die Deutschen sind immer ein reisefreudiges Volk ge­wesen, das Ausland verdankt dem Deutschen hin­sichtlich der Entdeckung landschaftlicher Schönheiten und historischer Sehenswürdigkeiten außerordentlich viel, denn die Deutschen sind in dieser Hinsicht die besten Propagandisten auch für den Fremdenver­kehr des Auslandes gewesen. Wir sehen als ein gutes Zeichen an, daß das internationale Hotel­gewerbe mit dieser Tagung eine anerkennens­werte Solidarität und den Mut zur Objektivität bekundete und wünschen sehr, daß dieser Geist auch auf andere Wirtschaftszweige und auf die Regierungen der Staaten übergreifen möge. In diesem Sinne wünscht die deutsche Reichsregie- rung Ihrer Tagung einen vollen Erfolg.

Nach kurzen Begrüßungsansprachen weiterer Ehrengäste sprach noch der Führer des deutschen Gaststättengewerbes in der Gruppe Handel der Gesamtorganisation der deutschen Wirtschaft, Fritz Dressen (Bad Godesberg), ferner die Ehren­mitglieder und ehemaligen Präsidenten des Ver­eins, Francis T o w l e (London) und Nils T r u i s- s o n (Stockholm). Dann hielt

Reichsfachgruppenleiter des Reherbergungs- gewerbes im Reichseinheitsverband des deut­schen Gaststättengewerbes, Friß Gabler- Heidelberg,

einen Vortrag über Fremdenverkehrspolitik und Beherbergungsgewerbe im neuen Deutschland. Er führte u. a. aus, daß es sich bei der Fremdenver­

kehrsfrage vor allem um dreierlei handele: Ein­mal um die Ausschaltung des zweckwidri­gen Nebeneinanders im organischen Aufbau und um die Zusammenfassung aller Kräfte zum gleichgerichteten Handeln. Ferner werde eine vorbildliche deutsche Gastlichkeit angestrebt, die sich ohne Unterschied nach Klasse, Stand, Religion und Na­tion betätigt. Endlich sei es notwendig, aus der praktischen Erfahrung heraus zu han­deln, wobei neben der Werbung vor allem dem Leistungswillen und der Wertung der Leistungs­fähigkeit der gewerbsmäßigen Verkehrsträger sach­kundige Fürsorge zu widmen sei. Die grundsätzliche Einstellung der NSDAP, erklärte Gabler an einem internen Erlaß des Gaues Baden, wonach jeder Nationalsozialist sich jedem Fremden gegenüber in hohem Maße zuvorkommend und hilfs­bereit zeigen müsse:Ein freundliches Verhalten der gesamten Bevölkerung gegenüber den Erholung suchenden Fremden im Sinne alter deutscher Gast­freundschaft gibt unserem Lande mit der Zeit eine größere Anziehungskraft, als es die ausgedehntes^ Propaganda vermag."

Als Abschluß des heutigen Vormittags sprach Syndikus Dr. Bloemers-Köln über den Begriff der

Jnternationalität, wie er vom IHV. verstanden und planmäßig vorgelebt wird. Am Nachmittag wurden die Tagungsteilnehmer im Rathaus bei einem Tee- Empfang von Oberbürgermeister Dr. Sahm be­grüßt. Am Abend fand dieser erste Kongreßtag mit einer Festvorstellung in der StaatsoperDer flie­gende Holländer" und mit einem Empfang im Hotel Adlon seinen Abschluß.

Die Teilnehmer haben an den Führer fol­gendes Telegramm gesandt:Dem Führer und Kanzler des Deutschen Reiches und Volkes Adolf Hitler entbietet der zum Internationalen Hote­lierkongreß im Reichstagssaal zu Berlin mit 6 0 0 Mitgliedern aus 23 Ländern tagende internationale Hotelbesitzerverein, Sitz Köln, ehr­erbietigen Dank für die dem Verein seit 65 Jahren in Deutschland gewährten G a st r e ch t e. Der Kongreß folgk'aufmerksam den gewaltigen Be­strebungen Deutschlands zur Lösung seiner großen inneren Aufgaben und unterstützt lebhaft jeden gegenseitigen Fremdenverkehr, der außer seiner wirtschaftlichen Bedeutung das hohe Ziel der Völ­kerverständigung und des Friedens zu erreichen versucht. Gez. Präsident Burkhard-Spill­mann, Luzern."

Wer hütet das Reich?"

Wohin zieht der politische Kurs in Oesterreich unter dem Regime Echuschnigg-Starhemberg?

Fragen an den Vundeskanzler.

Berlin, 3. Okt. (DNB.) In derBerliner Bör­senzeitung" erscheint unter der Überschrift:Wer hütetdas Reich?" ein Artikel, der eine grund­legende politische und kulturpolitische Aussprache mit dem heutigen Oe st erreich bringt. Der nicht genannte Verfasser stellt an die Spitze die von dem neuen Oesterreich zur Rechtfertigung seiner Po­litik vorgebrachten Thesen: 1. Das Oe st erreiche r- t u m sei der legitimierte Treuhänder der ge­samtdeutschen Idee gegen die Verfälschung des Deutschtums im Dritten Reich. 2. Das neue Oesterreich habe als christlich-katholischer Staat seine besondere deutsche Kulturmission gegen die Welle des «christlichen kulturzerstörenden ,/brau­nen Bolschewismus". 3. Es sei Fortsetzer und Er- füller der alten O st m a r k m i s s i o n. 4. Das neue Oesterreich hüte denechtenReichsgedanken, die Idee des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation und damit die letzte große Zukunft der Deutschen.

Der Verfasser stellt fest, daß, vom Reich und von den Ideen des Nationalsozialismus aus gesehen, die Furcht vor gewaltsamerGleichschaltung" oder gar Annexion ein Phantom der Propaganda oder gar Unkenntnis sei. Wäre zur Zeit des Umschwungs im Reich oder später in Wien eine österreichische Regierung gewesen, die durch Wort und Tat die gesamt-deutsche Solidari­tät bewiesen und der geschichtlichen Größe des Augenblicks Verständnis entgegengebracht hätte, dann wäre das Auseinanderleben niemals möglich gewesen.

Dem gesamtdeutschen Denken widerstreitet es, dem neuen Oesterreich eine betont, ja ausschließlich katholische Aufgabe zuzuschreiben. Das Schicksal hat uns Deutschen unter allen Völkern in Glaubensdingen die Last der Spaltung auf­erlegt. Die Spaltung ist durch Jahrhunderte hin­durch auch eine politische Spaltung gewesen. Wer gesamtdeutsch denkt, darf sie nicht aufs neue aus dem Religiösen ins Politische durch­brechen lassen, sonst wird das Bekenntnis zum Gesamtdeutschtum ein Lippenbekenntnis. Wir wis­sen nicht, ob Schuschnigg die Errichtung des neuen Oesterreich in den Formen eines Kirchen- st a a t e s ganz billigt. Wir wissen aber, daß sich vom politischen Katholizismus des Reiches zum neuen Oesterreich Fäden spinnen, die letzten Endes bei der Rhein- und Mainlinie und beim Verrat am gesamtdeutschen Gedanken enden müssen. Die Geschichte hat uns Deutschen 400 Jahre lang eingebläut, daß es auf konfessioneller Basis eine gesamtdeutsche Zukunft nicht gibt. Wenn das neue Oesterreich also betont, daß es gesamtdeutsch sei, daß es in der deutschen Zukunft noch eine-ent- scheidende Rolle zu spielen habe, und wenn es seinen Staat im Gegensatz zum Reich auf be­tont konfessionellem Boden errichtet, dann liegt hier ein unlösbarer Wider­spruch vor.

Auch den Anspruch einer besonderen Ostmark- Mission Oesterreichs im Donauraum, dem man ja nach dem Auditorium bald ein deutsches, bald ein europäisch-pazifistisches Gesicht gibt, weist der

Verfasser das heutige Fehlen aller Voraussetzungen nach. Man wolle großösterreichische Mission treiben und doch Kleinösterreich bleiben, es sei denn, man steuere auf die R e st a u r a t i o n hin, und damit bekäme dieser Missionsgedanke eine aggressive Ten­denz. Bleibe also nur die Mission im Auftrage der anderen, die man dieeuropäische" nennt, mit deren Hilfe diese anderen das Gesamtdeutsch­tum und sein Einigungswerk auseinander- s pr e n g e n können.

Am widerspruchvollsten erscheine die Ideologie des Bundeskanzlers in der anspruchvollsten Formu­lierung, daß das heutige OesterreichHüter des Reiches" sei. Als sich in Florenz Bundes­kanzler Schuschnigg und Mussolini trafen, standen im Lichte ihrer stolzesten und letzten ge­schichtlichen Auffassung gesehen einander gegenüber der Vertreter desSacrum Imperium Romanum deutscher Nation" und der Vertreter desImperium Romanum Restituendum" (Heiliges römisches Reich deutscher Nation und Wiederherzustellendes römi­sches Weltreich. D. Red.) Wie rätselhaft erscheine in diesem Licht die österreichische Ideologie und die österreichische Jtalienpolitik! Wer den Anspruch desSacrum Imperium Romanum" im Ernst auf­wirft, der verneint das Dritte Reich nicht nur, son­dern bedroht es geistig,historisch und politisch. Denn ohne Zerfall der Dritten Reiches ist ein anderes nicht möglich. Scheint nicht das neue Oesterreich Monat um Monat in der Erwartung und in dem Wunsche gelebt zu haben, daß es zer­fallen möge? Starhemberg,der auszuplaudern pflegt, was andere nur denken, hat es vor kurzem so formuliert:Dieses neue Oesterreich ist und muß der Zufluchtsort und die Auffangstellung des echten Deutschtums, ja die Festung sein, von der die Gegenrevolution des Deutschtums gegen die Bar­barei des Nordens ihren Ausgang nimmt." Diese Entwicklung könnte nur bei der Verleugnung der Geschichte und in der Preisgabe der gesamtdeutschen Solidarität enden. Liegt aber bei den Legitimisten nicht der Wunsch nahe, dieKrone Karls des Großen" auf dem Haupte eines Habsburgers glänzen zu sehen.

Wir haben bis hierher unterstellt, daß wir es mit ernsthaften Gedanken zu tun haben. Als zweite Möglichkeit bliebe nur die Annahme daß wir es mit Bluff oder Tarnung einer plan­mäßig antideutschen Politik zu tun haben, einer Politik, die die gottgegebene Gemein­schaft aller Deutschen leugnet, die nicht Hüter und Mehrer, sondern Sprenger desReiches" wäre und nicht davor zurückschreckte, im Reich lie­ber das zersetzende Chaos als den einenden Natio­nalsozialismus herrschen zu sehen. Wir schaudern vor diesem Blick in den Abgrund brudermörderischer Zwietracht zurück. Wir vertrauen darauf, daß das deutsche Gewissen, dieser höchste Richter über Deutschland und Oesterreich, den Lärm des Mißtrauens, der Verkennung und Verleumdung übertönen wird, und daß wir diesen Kampf um und in Deutschösterreich in absehbarer Zeit als das be­endet sehen können, was er im Lichte der ge­samtdeutschen Geschichte ist: Die letzte Phase der deutschen Bruderkriege in Europa"

Ich bin ein auslandsdeutscher Lehrer.

Ein Mott zur Volksdeutschen Opserwoche.

Von....

vom 1. bis 15. Oktober findet im ganzen Reich die Volksdeutsche Opferwoche statt, deren Erträgnisse den deutschen Schulen im Ausland zugute kommen.

Die bedeutsam die Rolle der Schule im Leben und Denken der Ausländsdeutschen ist, beweist der nachstehende Aufsatz eines aus­landsdeutschen Lehrers.

Ich bin der dritte Sohn eines deutschen Bauern. Das Geschlecht sitzt nachweislich seit 4 50 Jah­ren a u f seiner Scholle, unnachweislich wohl seit 600 und mehr Jahren. Seit Generationen ist es bei uns Brauch, daß der dritte Sohn Pfar­rer oder Lehrer wird. Es find immer mehr Kinder im Dorf, als der Boden Herren gebrauchen kann.

Vier Jahre Dorfschule unter meinem Oheim, der Lehrer war. Vier Jahrgänge aufgeteilt in zwei Klassen. Die eine Klasse hatte Unterricht von 8 bis 11, die andere von 11 bis 1 Uhr. In den vorderen Bänken der niedrigere, in den hinteren

Banken der höhere Jahrgang damit die Großen die Klemen nicht verdecken. Alle zwei Tage eine Abwechslung dann hält der Herr Pfarrer den Unterricht. Dafür sißt mein Oheim, der Lehrer im Pfarrhaus und macht Schreibarbeit. Sonntags muß er auch an der Orgel sitzen und den Kinder­chor dirigieren. Das war damals so und ist heute nicht viel anders.

Danach vier Jahre Gymnasium in der Stadt M. Wir Dorfkinder wohnten fast alle im Alumnat", einem ehrwürdigen Schülerheim, das heute noch unverändert besteht. Das kann der Va- ter gerade noch bezahlen. Das Schulgeld wurde ihm erlassen, weil ich ein guter Schüler war. Jeden Freitag kam die Mutter auf den Markt und brachte das mit an Brot, Speck und Wurst, was die Alum­natsleitung einsparen mußte. So wurde der Frei­tag zum Festtag.

In den Sommerferien im Herbst gab es noch besondere Ernte- oder Weinleseferien wenn die Stadtkindersich erholten", mußte ich daheim die bunte Schülermütze an den Nagel hängen und wieder Bauernbursch sein. Das tat nicht wohl. Aber ich weiß heute, daß ich nur durch Arbeit Bauer bleiben konnte, und daß ich Bauer sein muß, wenn ich auf dem Lande lehren will. Der Bauer, auch das Bauernkind, er*

öffnet sich nur dem, der seinesgleichen ist und den Umgang versteht mit Acker und Gerät.

Als die vier Jahre Gymnasium um waren, kam ich auf das Seminar nach H. Wir wohnten alle in der Anstalt, waren fast alle Bauernburschen, wurden, wenn wir in die Stadt gingen, etwas über die Schulter angesehen von den Gymnasiasten, die sich schon als halbe Studenten fühlten. Wir haben ihnen freilich nachgeeifert, Bänder und Mützen ge­tragen, Kneipen veranstaltet und was so dazu ge­hört. Vier Jahre währte das Seminar. Da wird aus dem Bauernburschen der junge Lehrer gemacht. Der Unterricht war vernünftig und maß­voll, man hat uns nicht zu Intellektuellen gemacht und abgedrängt von unserer ersten Bestimmung, Bauer zu sein mit anderen Mitteln. Man hat uns freilich auch nicht gesagt: dies und das ist eure Aufgabe im Bereich des großen deutschen Volks­tums, eure volkspolitische Aufgabe. Das war da- mals noch nicht modern. Die deutschen Stämme im Ausland lebten jeder für sich ihr Dasein. Aber unser Instinkt war größer, als die Unter­lassung unserer Lehrmeister. Da wir Bauern waren, wußten wir schon, was es heißt, und daß es nottut, um die Scholle zu kämpfen und u m d i e deutsche Seele im K i n d e. So ist es ein wahres Glück, daß nach unserem alten Brauch Bauernsöhne Lehrer werden, denn sie wissen, das Feld zu bestellen.

Ich war dannKandidat", Hilfslehrer, in einem kleinen Dorf neben einem hochbetagten Lehrer, der nur unwillig etwas aus der Hand gab, weil er gar so sehr an seiner Aufgabe hing. Ich tat, was ich im Seminar gelernt hatte und noch viel mehr das, was ich an meinem Oheim gesehen hatte. Zum wirklichen, selbständigen Unterrichten kam ich nicht, und das war gut denn so war ich entbehrlich, als ein heißer Wunsch in Erfüllung ging: Ich durfte nach Deutschland fahren! Ein Stipendium hatte dies möglich gemacht. Als ich Abschied nahm vVn meinem alten Lehrer, ging ihm das Herz auf und die Erinnerungen entströmten ihm an eine Zeit, da er selber Deutsch­land erlebt hatte. Und was er sagte, klang wie ein erschütterndes Glaubensbekenntnis. Es waren wohl fünf Jahrzehnte vergangen feit diesem seinem Erlebnis. Aber er trug es wie ein Heiligtum wohl behütet durch sein Leben und erfüllt^ alt und gebrechlich noch ein Gelöbnis, für Deutschland zu wirken in den Herzen deutscher Kinder. Für das große Deutschland aller Deutschen! Da wurde mir klar, was ich vorher nur ganz unbestimmt gefühlt hatte, und die winzige Scholle, der ich mein Leben weihen sollte, war Deutschland, mochte sie auch in weitester Ferne von ihm liegen.

Ich habe Deutschland dann erlebt in seiner tiefsten Schmach und Erniedrigung, 1923/24. Ich war da­bei, als in München eine Hoffnung zerbrach und doch das neue Reich geboren wurde. Ich lernte im Daumel der Enttäuschungen, der Aergernisse, der Verzweiflung eines ganzen Volkes, Land und Volk zu lieben, wie man eine Mutter lieben lernt, wenn sie krank und gebrechlich wurde. Es kam die Zeit der Versuchung: Hier bleiben, hier kämpfen, hier fällt die Entscheidung! Ich wurde in meiner Abwesenheit zum Lehrer gewählt eines der klein­sten und ärmsten Dörfer meiner Heimat, und ich rang mich durch in einer schlaflosen Nacht zu der Erkenntnis, daß es wichtiger sei, dort zu kämp­fen, wo das Schicksal es von mir fordert; daß meine Urväter ausgezogen sind in ihre neue Hei­mat in Erfüllung einer deutschen Aufgabe und daß ich diese Aufgabe zu erfüllen hätte für die deutsche Nation.

Ich bin nun Lehrer in diesem kleinen Dorf, seit zehn Jahren. Es ist ein kärgliches Leben und manch reichsdeutscher Kollege würde es ablehnen, fein Leben so zu fristen, daß er der Reihe nach immer bei einem anderen Bauern sein Mittagbrot ißt, weil die Gemeinde ihn nicht bezahlen kann. Aber es ist in dieser kleinen Gemeinde nicht nur die Existenz der Schule wirtschaftliche gefährdet; wir liegen an der Sprachgrenze; drei Kilo­meter weit liegt die schöne neue Staatsschule, die den Kindern schöne, helle Räume, Spiel- und Turn­gerät, auch Kleidung und ein warmes Mittagessen bietet, wenn sie nur ihre Muttersprache ersetzen durch eine andere. Aus unserem Dorf geht nur ein Kind in diese Schule; das Kind des Kesselzigeuners. Kein deutsches Kind hat unsere Schule verlassen. Kein deutsches Kind ist im Orte, kein schulentlassener Bursche, kein Jungmädel, kein Knecht, feine Magd, fein Bauer, feine Bäuerin, die nicht Liebe im Herzen trüge zur Scholle, die uns anvertraut ist, zum Stamm, dem wir entsprossen sind, zum großen deutschen Volfe, als dessen Glieder wir uns fühlen, zu seinem Führer, den wir in­brünstig verehren, an den wir glauben, wie Men­schen nur glauben fönnen. Wenn mir nichts wei­teres beschieden ist in meinem Dasein, fein Wir- fungsfreis mit weiterem Ausmaß so will ich doch zufrieden sein in der Gewißheit, daß ich meine Pflicht tat und erfüllen darf für dich mein deutsches Volf!

Verlängerung landwirtschaftlicher Zinserleichterungen.

Durch eine frühere Notverordnung war mit Wir­kung vom 1. Oktober 1932 für eine Periode von zwei Jahren eine Herabsetzung b e r Zinsbela . ft u ti g bei Realkrediten für den landwirt­schaftlichen Kreditnehmer u m 2 v. H. vorgenommen worden. Eine entsprechende Regelung wurde f ü r den Auslandkredit für die Zeit vom 1. April 1933 bis zum 30. September 1934 getroffen. Durch ein soeben verkündetes Gesetz wird die Herabsetzung der Zinsen u m 2 o. H. für den landwirtschaftlichen Kreditnehmer, jedoch nicht unter einerZins- höhe von 4 v. H. bis zum 30. September 1935 verlängert. Eine entsprechende Regelung gilt auch für den Auslandkredit. Die neuen Bestimmungen bedeuten für den Bauern, daß die bisherigen Zins- senkungen weiter für ihn Gültigkeit haben werden. Es tritt jedoch insofern eine Aenderung ein, als die Zinsen gesenkt werden, ohne daß der Be- trag, um den sie gesenkt werden, dem Kapital z u g e s ch l a g e n wird. Es entstehen also nicht mehr wie bisher durch die Zinssenkung Zusatzforderungen und Zusatzhypotheken. Die Reichshilfe zur Deckung ihrer Ausfälle wird von jetzt ab den Kreditinstituten gewährt, ohne daß es darauf ankommt, in welchem Verhältnis der Betrag der zinsgesenkten Grund­pfandrechte zum Gesamtbestand an Grundpfand­rechten steht. Der Reichsfinanzminister wird ermüd)- tigt, im Jahre 1938 fällige Schatzanweisungen in Höhe des Betrages der Reichshilfe auszugeben. Für die zinsgesenkten Forderungen gilt die gesetzliche Stundung mit der Bestimmung, daß der Gläubiger die Rückzahlung nicht vor dem 1. April 1936 Der- langen kann. Für die landwirtschaftlichen Ausland­kredite tritt eine entsprechende Regelung in Kraft.

Inhaber landwirtschaftlicher, forstwirtschaftlicher

oder gärtnerischer Betriebe, die sich lediglich die Dor»