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Nr. 206 Erster Blatt

M- Jahrgang

Dienstag. 4. September 1934

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3m Schatten des Nordostpaktes.

Der Weg zum baltischen Staatenbund.

Von unserem v. K.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Riga, 1. September 1934.

Der am 29. August in Riga paraphierteVertrag über das Einvernehmen und die Zusammenarbeit Der baltischen Staaten" trägt im französischen Ur­text die BezeichnungTraite d'entente et de colla- boration..und wird daher von einer Reihe von Blättern der baltischen Staaten alsEntente" gezeichnet. Dadurch soll offenbar zum Ausdruck zebracht werden, daß der Rigaer Vertrag eine Art Baltischen Staatenbund" zwischen Lett­land, Litauen und Estland geschaffen habe. Diese deberschristen der Blätter eilen jedoch, wie eine »ähere Prüfung des Ergebnisses der Rigaer Ver­handlungen zeigt, den Tatsachen voraus. Zwar wird der Vertrag als Vorstufe zu einem bal- lischen Staatenbund der Zukunft angesehen werden nüssen, jedoch nur eben als Vorstufe. Mit Recht veist das neue, führenden Kreisen der Politik Lett- ands nahestehende Rigaer BlattRits" (Der Morgen") darauf hin, daß der abgeschlossene Ver- trag sich nur auf eine politisch-diplo- natische Zusammenarbeit der drei bal- r schen Staaten bezieht. Ein militärisches 8 ü n d n i s der drei Staaten sei so lange nicht möglich, als einer der beteiligten Staaten (gemeint i:t natürlich Litauen) seine Grenzangelegen- leeiten als nicht endgültig geregelt ansehe. Selbst im falle, daß einer der vertragsschließenden Staaten unem Angriff von dritter Seite unterliegen würde, bmme auf Grund des jetzt paraphierten Vertrages lediglich eine politische und diplomatische Unter« fmtzung, aber keine militärische Hilfe in Frage.

Die Vorgeschichte des Rigaer Vertrages ist li arakteristisch. Als sich L i t a u e n durch seine Außen­politik in eine immer stärkere Isolierung hin- k nmanöoriert hatte, hielt es im Frühjahr dieses ?mhres den Zeitpunkt für gekommen, den seit zehn fuhren wiederholten Aufforderungen Lett­in nds und Estlands zu entsprechen und mit euer in Riga und Reval gleichzeitig überreichten Tenkschrift über die Zusammenarbeit der baltischen Staaten hervorzutreten. Es folgte im Juli d. I. die Konferenz in Kowno, die aber zu keinem ss eibaren Ergebnis führte, weil es sich herausstellte, daß Litauen mit seinen ungeregelten Wi l n a - und Kemelfragen von den beiden anderen Staaten eme volle Unter st ützung der litauischen Auf- Mung verlangte. Dieser Forderung Litauens konn- tm Estland und Lettland nicht entsprechen, und fi ging die Kownoer Konferenz ergebnislos zu Ende. 2iud) eine auf litauische Anregung zu Mitte August v)rgesehene Tagung in Reval, die die Kow- ru-er Verhandlungen fortsetzen sollte, mußte ver« tig t werden. Denn die diplomatische Vorarbeit jjotte gezeigt, daß die litauischen Wünsche mit dem buedjtigten Interesse der beiden anderen Staaten, nicht in litauische Spezialfragen hineingezogen zu ll-rden, noch nicht in Einklang zu bringen waren. 6*ft als sich die Lösungsmöglichkeit zeigte, sog. ^Pezifische Frage n", die nur einen der be­te ligten Staaten angehen, aus dem Vertragswert stu s z u s ch l i e ß e n, hatte es wieder Sinn, zu einer Tagung zusammenzutreten. Am Rigaer L^rhandlungstisch gelang es dann, einen Vertrau p paraphieren, der diesespezifische Fragen^ öii einzelnen Staaten ausdrücklich von den gemein- Icm baltischen Fragen absonderte. Damit wurde eine (Einigung über die außenpolitische Zusammenarbeit in allen drei baltischen Staaten gemeinsam interes- icrenben Komplexe möglich gemacht.

Der Rigaer Vertrag wird von den verantwort- licyen Leitern der Außenpolitik der 3 baltischen Staa­ten als großer Erfolg gewertet. Bezeichnenderweise giig in einer Presseerklärung der Vertreter L i - tcuens, Direktor Urbschys, am weitesten, indem er den Rigaer Vertrag mit dem Vertragsnetz ver- xlch und gleichsetzte, das die Staaten der sog. S (einen Entente" verbindet. In der Presse Lbtlands wurde in den letzten Tagen wiederholt krauf hingewiesen, daß durch ein Bündnis sich das spiZifische Gewicht der drei baltischen Staaten nicht noch den Gesetzen der arithmetischen, sondern der ^«metrischen Reihe heben würde, und sich in die- fra Sinn tatsächlich durch den Rigaer Vertrag g e- lben habe. Die durchaus weitsichtige Erkennt- Ti: des lettischen Außenministers Meierowiz, daß I |tr Bündnis zwischen den baltischen Staaten nie« ttills eine einfache Summierung ihrer Kräfte be= te.tet, sondern unter Umständen weit mehr, it«ohne Frage der wichtigste Gesichtspunkt für die le-antwortlichen Leiter der Außenpolitik Lettlands tno Estlands beim Abschluß dieses Rigaer Vertra- s> gewesen.

5s ist nicht schwer, den Drehpunkt in der allge- ijicnen politischen und diplomatischen Lage Euro- a-. zu bezeichnen, um den sich die drei kleinen (Staaten zu einer Einigung zusammengefunden iben. Es ist, obwohl dies natürlich nirgends ge= I ip: wird, das aktivere Einrücken der Sow -

" union in d i e we st europäische Poli- i! durch seinen engen Anschluß an Frankreich, ; uch führende Beteiligung an dem Plane eines i a-dostpaktes und durch ihre Bewerbung um die

!i gliedschaft im Völkerbund, was die in der Mitte i c großen französisch-russischen Zange gelegenen tciaten zu einer neuen Ueberprüfung und Beant- rtung ihrer Lage veranlaßt hat.

Man wird sich danach zunächst die Frage vorzu- zm haben, wie der Vertrag auf die diplomatische ! ndereitung des N o r d o st p a k t e s wirken wird, an dem im französischen Ministerrat soeben gesagt vride, daß er zur Zeit wegen der noch ausstehen-

Auftakt zum Nürnberger Reichsparteitag.

Der Tag der Ernte.

Ein Geleitwort Hermann Görings.

Berlin, 4. Sept. (DNB.) Unter obiger lieber« schrist veröffentlicht derVölk. Beob." einen Auf­satz des preußischen Ministerpräsidenten Her­mann Göring zum diesjährigen Reichspartei­tag, in dem es u. a. heißt:

Die Tage von Nürnberg haben aufgehört, Sache einer Partei allein zu sein, hier treten nicht mehr Vertreter einer Partei an, sondern finden sich die Abgesandten des in dieser einzigen Bewegung zusammengefaßten ganzen deutschen Volkes ein. So wie die nationalsozialistische Bewegung mit ihrem Totalitätsanspruch ganz Deutschland durch­dringt, so ist der Parteitag des Jahres 1934 der Tag der einzelnen politischen Orga­nisation Deutschlands, zugleich der Tag der deutschen Nation. Ein kurzer Rückblick auf die Parteitage der Vergangenheit läßt die herr­lichen Erinnerungen aus den Zeiten des Kampfes wieder wach werden, er frischt das tiefe Erlebnis des Parteitages im vergangenen Jahre des Sieges wieder auf und läßt uns in diesem Jahre der er st en Ernte unserer Arbeit mit berech­tigtem Stolz in Nürnberg wiederum antreten zu einer ganzvollen Demonstration des neuen Deutsch­land.

Nunmehr tritt die von Adolf Hitler festbegrün­dete Einheit des deutschen Volkes und Staates bereits kraftvoll in die Erscheinung. Neben den Vertretern der politischen Organisationen der Be­wegung und den vom Führer und Reichskanzler berufenen obersten Leitern der Aemter im Reich und Staat tritt in diesem Jahre zum ersten Male auch die Wehrmacht an. Als einziger Waffenträger, dem die große und heilige Aufgabe des Schutzes der Nation nach außen ob­liegt, bekundet sie damit den G l e i ch k l a n g der politischen Weltanschauung mit dem ganzen Volke. So wird der diesjährige Parteitag gerade uns alten Kämpfern die wunderbare Vollendung des 15jährigen Ringens fein. Standen die Septembertage des vergangenen Jahres für uns im Zeichen des Sieges, so wollen wir uns in die­sem Jahre zusammenfinden, um den Parteitag als den Tag der er st en Ernte unserer Arbeit würdig zu begehen.

Für mich, den der Führer zum preußischen Mi­nisterpräsidenten bestellt hat mit dem Auftrag, in dem größten Lande Deutschlands die nationalsozia­listische Idee auf »allen Gebieten fest zu verankern, ist e^eine besondere Freude, dem Führer an die­sem Tage d i e Vollendung der mir über­tragenen Aufgaben melden zu können. Von der ersten Stunde an habe ich es als meine ein­zige Pflicht angesehen, den Befehlen meines Füh­rers folgend, den übernommenen preußischen Staat von Grund auf zu reorganisieren und an die Stelle des alten überlebten, den neuen natio­nalsozialistischen Staatsgedanken auf allen Gebie­ten zu verwirklichen. Ich bin glücklich, daß dieses Ziel erreicht ist, und ich danke allen, die mir dabei uneigennützig an der Stelle geholfen haben, an die ich sie im Auftrage Adolf Hitlers berief. Vor allem danke ich auch den unbe­kannten Kämpfern aus der Bewegung, die mir mit nimmer müder Energie und Pflicht­erfüllung zur Seite gestanden haben.

Eröffnung der Schlageter-Ausstellung in München.

Mit einem eindrucksvollen Weiheakt wurde die Schlageter-Ausstellung deutscher Freikorps im Mün­chener Residenzgebäude der Öffentlichkeit übergeben. Mit dem Schirmherrn der Ausstellung, Reichsstatt­halter General Ritter von Epp hatten sich zahl­reiche Ehrengäste sowie zahlreiche Führer und Kämpfer der alten Freikorps eingefunden. General­major von Hoerauf umriß die geschichtlichen Verdienste der Freikorps, von denen diese Ausstel­lung Zeugnis ablegen soll. Dann gab General von Epp einen Rückblick auf die Periode der Freikorps, die nicht nur den inneren Feind Spartakus nieder­geschlagen, sondern auch den einzigen Wall gegen­über dem Bolschewismus im Osten gebildet hätten. Sie hätten damit die Grundlage geschaffen, auf der ein neues Reich sich nach und nach wieder aufbauen

konnte. In eindrucksvollen Worten brachte der Ge­neral zum Bewußtsein, daß die Freikorps die Brücke vom alten Frontsoldatentum zur großen Freiheitsbewegung Adolf Hitlers bildeten und kenn­zeichnete als Symbol dieser Verbindung Albert Leo Sch läge ter. Der erste Freikorpsführer und Lei­ter der Ausstellung Major von Randow, feierte

Letzte Zurüstungen.

Nürnberg, 3. Sept. (DNB.) Am Montag, dem Tage vor der offiziellen Eröffnung des Reichspar­teitages 1934 ist man in Nürnberg und um Nürn­berg herum überall fieberhaft damit beschäftigt, letzte Hand anzuleben und Nürnberg das Ge­sicht zu geben, das seiner als Kongreßstadt des nationalsozialistischen Reiches würdig ist. Ueberall wird gearbeitet, gehämmert, geprobt. In dem Rie­senzeltlager der Hitler-Jugend auf den Russenwiesen, wo über 2000 Schutzzelte 38 000 Jungen beherbergen werden, ist man dabei, die letzten Zelte aufzustellen. Das Stroh ist bereits überall in die Zelte geschafft. Nun geht man daran, die Zelte gebietsmäßig einzuteilen. In dem großen SA. - Lager Lang wasser ist man mit dem Zeltebau bereits fertig. Auch die vielen hundert Kochherde mit den Riesenkesseln sind gemauert und montiert. Straßen sind gebaut, Fernsprech- und Lichtleitungen sind gelegt, Sanitätszelte errichtet und selbst die Feuerwehr fehlt nicht. In jedem Lager befindet sich ein Beobach­tungsturm, der Tag und Nacht mit Feuer- wehrleuten besetzt ist. Lange Waschräume mit frischem Leitungs- und Quellwasser sind hergerich­tet. An einer Ecke des Platzes ist der H i l f s z u g Bayern aufgefahren. Daneben stehen zehn lange Möbelwagen, bis oben hin vollgepfropft mit Broten, eine schier unvorstellbare Menge Brot, die aber gerade zur Verpflegung der dort untergebrachten Formationen ausreichen wird. Auf der Zeppelinwiese ist gerade der A r b e i t s d i e n st dabei, die Generalprobe für seinen Appell abzu­halten. Ein Sprechchor, die Musikzüge und Fah­nenschwinger bieten eine Leistung, die zu einem harmonischen Ganzen verschmilzt.

Berlin, 3.Sept. (DNB.) Die Wehrmacht wird am diesjährigen Reichsparteitag durch starke Ab­ordnungen vertreten sein. Als Ehrengäste neh­men teil: Der Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg, die Chefs der Heeres- und Marineleitung General der Artillerie Freiherr von Fritsch und Admiral Dr. b. c. R a e d e r, die Oberbefehlshaber der Gruppen I und II, die Be­fehlshaber der Wehrkreise, die Chefs der Marine­stationen und der Flotte, der Chef des Wehrmachts­amtes. Außerdem entsenden Heer und Marine aus allen Truppenteilen des Reiches 96 Offiziere als Gäste nach Nürnberg.

Am 10. September werden die in Nürnberg ver­sammelten Truppenteile unter Leitung des Jnfan- terieführers 7, Oberst Ritter von Schobert, auf der Zeppelinwiese folgende Darbietungen zei­gen: Das 18. Reiterregiment wird Exer­zierübungen einer kriegsstarken E s - k a d r o n vorführen. Die Nachrichtenabteilung 7 wird den Aufbau der Divifions- und [Regiments ft änbe mit allen Einzelheiten des Fernsprechdienstes zeigen, und zwar werden zwölf motorisierte und bespannte Funkstellen sowie Blink­stellen eingesetzt. Die dritte Abteilung des 7. Ar - tillerieregiments wird in geschlossenem Trabe einrücken. Die Abteilung zeigt den Vor­marsch im Abteilungsverband, den Einsatz der Ab­teilung, die Erkundung durch die Beobachtungsstel­len und das Instellunggehen der Abteilung. Die Batterie macht einen Geschützviererauf­marsch, einen Batterieflankenaufmarsch und einen geschlossenen Aufmarsch einer ^Bat­terie. Es werden dann Verbindungen von der

General von Epp und überreichte ihm ein Bild des Kameraden, Offiziers und Freikorpsführers Schla- geter. General von Epp legte dann mit den Ehren­gästen am Mahnmal an der Feldherrnhalle einen Lorbeerkranz nieder mit den Worten: Die alten Freikorpskämpfer grüßen ihre Nachfahren, die Ge­fallenen vom 9. November 1923.

Die Straßen Nürnbergs sind nun wieder flammend rote Wege. Links und rechts steht Fahnenmast an Fahnenmast. Von den Masten wallen, im Winde sich bauschend, die langen roten Hakenkreuzfahnen.' Wieder ziehen sich die grünen Girlanden von Haus zu Haus. Der A d o l f - Hit­ler-Platz bietet nun wieder ein Bild, wie er es vielleicht während eines Turnierspieles im Mittel- alter geboten haben könnte. Aus allen Fenstern hängen Fahnen mit dem roten Adler, alte Städte­fahnen, Teppiche mit Wappen. Das Ganze bietet ein so malerisches Bild, daß das Auge sich entzückt stundenlang daran weiden könnte. Die T r i b ü nen für i> i e Ehrengäste sind hier bereits fertig. Eine große Menschenmenge steht auf dem historisches! Platz, von dem aus der Führer sowohl den Vorbeimarsch des Nationalsozialistischen Ar­beitsdienstes als auch den der SA. abnehmen wird. Vor dem Bahnhof hat man eine große Steh­tribüne errichtet, da hier der Führer am Freitag­abend den Vorbeimarsch von 150 000 politischen Lei­tern abnehmen wird.

Den Auftakt zum Reichsparteitag 1934 wird am Dienstagnachmittag der Empfang der i n= und ausländischen Presse durch den Reichs­pressechef der NSDAP. SS.-Gruppenführer Dr. Dietrich bilden. Der Auslandspressechef der NSDAP., Dr. H a n f ft a e n g e l, wird eine ge­sonderte Besprechung mit der Auslandspresse abhalten. Im Laufe des Abends werden der Führer und die Reichsleiter erwar- t e t. Um 19.30 Uhr werden d i e Glocken Nürnbergs, die historischen Glocken von St. Sebaldus und St. Lorentz, die Parteitagswoche e i n l ä u t e n. Eine halbe Stunde später wird der Führer im historischen Rathaussaal Nürnbergs den Reichsparteitag eröffnen.

Abteilungsbefehlsftelle zu den Batterien gelegt und die Feuereröffnung der Batterien wird gezeigt. Unter der Annahme, daß die Infanterie vorwärts Boden gewonnen hat, macht eine Ab­teilung Stellungswechsel nach vorwärts. Die '7. Kraftfahrerabteilung wird das Einfahren in Kolonnen einer Kraftradschützenkom­panie zeigen, ferner das Geschicklichkeitsfahren und Vorführer des Einsatzes bis zur Feuerbereitschaft. Eine motorisierte Pionierkompanie des 4. Pionierbataillons zeigt Aufmarsch der Züge und Anlage von Sperren gegen geländegängige Kraft­fahrzeuge (Tanks, Panzerwagen ufro.). Zum Schluß wird ein Gefecht gemischter Waffen ge­zeigt, an dem die Maschinengewehrkompanien, Rei­terpatrouillen, eine Artillerieabteilung, Pioniere und Kraftfahrer beteiligt sind.

Zum Schluß der Vorführungen wird ein Auf­marsch aller beteiligten Truppen vor der Ehren­tribüne zur Paradeaufstellung vorgenom­men. An der Spitze marschiert eine Fahnen- fompanie mit den drei Fahnen des RegimentesLi st", dem der Führer bekannt­lich im Weltkriege angehörte. Den Abschluß des ge­samten Parteitages bildet ein großer Zapfen­streich der Wehrmacht vor der Unter­kunft des Führers, an dem Teile vom In­fanterieregiment 19 und 21, Pionierbataillon 4 und 7, Reiterregiment 18, Artillerieregiment 7 und Nachrichtenabteilung 7 teilnehmen. Unter der mu­sikalischen Leitung des Heeresmufikinfpizienten Schmidt werden hierzu sieben Musikkorps, sieben Spielmannszüge und zwei Trompeterkorps ver­einigt.

Nürnberg in Erwartung des Führers.

Die Darbietungen der Wehrmacht

den Antwort Polens und Deutschlands in den Hintergrund getreten sei. Daß eine unbe­sehene und bedingungslose Zuimmung Polens nicht zu erwarten ist, hat man wohl in Paris und Moskau eingesehen. Den polnischen Vorbehalten hatten sich bereits Lettland und E st land angeschlossen; nur Litauen, das sich wegen seiner Differenzen mit Polen um Wilna und mit Deutschland um M e m e l in eine diplo­matische Sonderstellung hineinmanövriert hatte, schien den Blick für'dre großen Fragen seiner Exi­stenz verloren zu haben und mit vollen Segeln in das Fahrwasser der französisch-russischen Politik zu gehen. Die nun festgestellte Uebereinstim- mung und vereinbarte Zusammenarbeit kann also im Hinblick auf die im Augenblick vorherr­schende Frage nur den Sinn haben, daß sich Li­tauen der kritischen Haltung Lettlands und Li­tauens anschließt, die ihrerseits wieder auf dem beschlossenen Zusammengehen mit Polen be­ruht. Man kann also wohl sagen, daß es Polen auf dem Umwege über die Konferenz von Riga ge­lungen ist, für die Behandlung des Nordostpaktes auch Litauen in den Kreis seiner Diplomatie zu ziehen, ohne die Wilnafrage zu berühren, was bei direkten Verhandlungen unvermeidbar gewesen

wäre. Das unsichere Schicksal des Barthou-Litwi- now-Planes wird damit noch problematischer, ohne daß die stärksten deutschen Bedenken in den Mittel­punkt des Widerstandes zu treten brauchen.

Der Zusammenschluß der drei baltischen Staaten zu gemeinsamer diplomatischer Behandlung des Nordostpaktes an der Seite Polens ist jedoch nur der aktuelle Teil einer viel breiteren und dauernden Aufgabe, wie ja auch die führende Beteiligung der Moskauer Politik an dem Paktgedanken nur ein Teil der neuen konstruktiven Gestaltung der russischen Politik darstellt. Selbst wenn der Nord­ostpakt aufgegeben werden muß oder in einer Form verwirklicht wird, die den ursprünglichen Absichten nicht mehr entspricht, so wird mit der Erneue­rung der französisch-russischen Vor- k r i e g s a 1 l i a n z , um die es Paris und Moskau allein zu tun ist, als mit einer schon heute fest­stehenden Tatsache der europäischen Politik zu rech­nen sein. Die Frage ist nur noch, ob diese Tatsache in die Formalität völkerdündlicher Systeme einge­wickelt wird, was der französischen neuen Ideologie am meisten zusagen würde, weil damit das Kriegs­bündnis durch die Schlagworte von Frieden und Sicherheit vernebelt würde, oder ob sie in ihrer nackten und brutalen Wirklichkeit als Beginn einer

neuen Einkreisung Deutschlands in Erscheinung tritt. In beiden Fällen nehmen die drei Ostse.e- staaten mit Polen an den Gefahren, die Deutschland aus einer solchen Gestaltung der euro­päischen Politik drohen, ihren reich bemessenen Anteil. Ob Rußland Mitglied des Völkerbundes sein wird oder außerhalb des Bundes stehender Verbündeter Frankreichs, ist für den Grad dieser Gefahr so gut wie bedeutungslos, denn die Er­fahrungen der kleinen oder machtlosen Staaten zeigen, daß sie so oder so der Großmacht­politik ausgesetzt sind, wenn sie nicht unter sich Gegengewichte zu schaffen fähig sind, mit denen die Großmächte rechnen müssen.

Diese Einsicht scheint nun bei dem Dreibund, der in Riga geschlossen wurde, mehr, als dies nach außen erkennbar wurde, Pate gestanden zu haben. Es ist in der Tat der erste Vertrag, den kleine Staaten mit gemeinsamen Existenz- i n t e r e s s e n unter sich abgeschlossen haben, ohne daß hinter ihm die Hand einer Großmacht sichtbar wird. Diese Staaten wollen nichts als die Sicherung ihres Bestandes und verfolgen, wenn man von Wilna und Memel absieht, zwei Fragen, die offenbar im Vertrag ausdrücklich aus­geschlossen wurden, keine Ziele, die sie mit andern