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Kr. 155 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen)Mittwoch, 4-ZuIi 1954
Die Sonne als Freund und Feind.
Von Or. meb. Hans Hoske.
Wir leben in der Zeit der zweibeinigen Krebse und der Pigmentprotzen, die da glauben, die Sonne sei nur dazu da, sie — wie sie meinen — zu verschönen. Aber wie jedes Medikament, können auch die Sonnenstrahlen ein zweischneidiges Schwert sein. Wie ein Tröpfchen eines Heilmittels anders wirkt als ein volles Glas davon, so ist es mit den wirksamen Strahlen der Sonne auch. In der Hand des Wissenden sind die Mittel, Gesundheit zu erhalten, Frohsinn zu wecken, ja Gesundheit wieder zu erlangen und Krankheiten zu beseitigen. Der Unwissende aber kann mit dieser selben Sonne das größte Unheil anrichten.
Am meisten ist dem Einfluß der Sonne unsere Haut ausgesetzt. Hier wird durch die ultravioletten Strahlen eine Reizung hervorgerufen, die sich bis zur Entzündung steigern kann. Diese Erscheinung kennen wir alle, wenn unsere Haut unter dem Einfluß der Sonne rot wird und Schmerzen verursacht. Das ist das Signal für das große chemische Laboratorium in unserem Körper. Zu der gereizten Stelle fießen dann große Mengen Blut, das einen besonderen Farbstoff (Pigment) aus dem Körperinneren heranführt und ihn an den von den ultravioletten Strahlen getroffenen Stellen ablagert. So entsteht aus der entzündeten Hautfläche allmählich eine Sonnenbräunung, die wir in allen Schattierungen kennen. Diese Färbung ist eine Schutz- und Abwehrmaßnahme unseres Körpers, um ihn vor künftigen Reizungen zu schützen. Bei wiederholter Besonnung wird diese Schutzfärbung immer dunkler bis zu einem Grade, wo eine Vermehrung nicht mehr notwendig ist.
Die Sonnenwärme erweitert die Blutgefäßchen der Haut, diese wird warm, weich, elastisch und erhält einen rosigen Schimmer. Aber auch im Innern fließt das Blut stärker. Die Organe werden stärker durchblutet, so auch das Gehirns
Es gibt nun Menschen, die ihren ganzen Stolz darein setzen, sich möglichst braun brennen zu lassen, um dann als Sudseeinsulaner bewundert zu werden. Diese „Pigmentprotzerei" hat mit Gesundheit aber nicht das mindeste zu tun. Selbst ein Schwerkranker kann bei entsprechender Sonnenbestrahlung dunkelbraun werden. Darum ist die Sonnenbräune keineswegs ein gültiger Ausweis für den Gesundheitszustand eines Menschen!
Es ist durchaus nicht notwendig, sich so verbrennen zu lassen, daß man wie ein gekochter Krebs aussieht und die Haut nach einigen Tagen das Bild einer Pellkartoffel bietet, um sich dann in vielen Stücken abzulösen. Das ist Gottseidank nicht jedermanns Geschmack und dazu auch ganz unzweckmäßig. Wer seine Haut so mißhandelt, schadet sich eher, als daß er sich nutzt. Denn ein solcher „Sonnenbrand" bereitet nicht nur Schmerzen, sondern schafft Unlust zu jeder Arbeit, bringt schlaflose und unerträgliche Nächte mit sich, stört den Appetit und das ganze Wohlbefinden. Der Nutzen, den die Sonne hätte bringen können, wird auf diese Weise in sein Gegenteil verkehrt.
All das ist aber auch nicht notwendig, wenn man es richtig anfängt. Zunächst sollte man reine Sonnenbäder, d. h. Stilliegen in der Sonne überhaupt vermeiden und statt dessen die richtigere Art des Luftbades wählen, d.h. sich in Luft, Wasser und Sonne bewegen, wie wir es beim Sport gewohnt sind. Auf diese Weise brennt die Sonne nicht anhaltend auf eine Stelle des Körpers. Ferner soll jeder, der die Sonne nicht schon gewohnt ist, sich zeitlich beschränken, d.h. bei den ersten Malen soll er sich nur kurze Zeit — vielleicht eine halbe bis eine Stunde — in der Sonne aufhalten. Diese Dosierung läßt sich dann meist sehr schnell steigern.
Nach dem Luftbad soll man die Haut leicht e i n = fetten oder mit einem der bekannten Hautöle behandeln. Der Zweck ist, die notwendige Reinigung zu mildern und die Haut elastisch zu erhalten, damit sie nicht rissig wird und sich ablöst. Hierzu darf man keine salzhaltigen (z. B. Schmalz) und keine mineralischen Fette (z. B. Vaseline) benutzen, weil jene durch das Salz die Hautreizung nur noch steigern, während diese nicht in die Haut eindringen, sondern auf ihr stehen bleiben. Man soll deswegen auch nicht das Fett messerrückendick auftragen, das verschmiert übrigens nur unnötig Wäsche und Kleidung. Das Fett muß in die Haut eingerieben werden.
Je nach dem Grade der Besonnung wird man das Einfetten stärker vornehmen oder besser häufiger wiederholen. Das wird ganz besonders notwendig bei richtigem Sonnenbrand, der immer ein Zeichen von unvernünftigem Verhalten ist. Es darf kein Wasser und keine essigsaure Tonerde zum Kühlen .genommen werden — auch das Waschen, etwa noch mit Seife, muß an Sonnenbrandstellen unterbleiben. Reichlich Puder, Fett oder Oel dagegen sind angebracht. Sind die Verbrennungen stärkerer Art, so daß auf der Haut Blasen entstehen, die eine klare Flüssigkeit enthalten, so dürfen diese nicht geöffnet werden. Es ist ein beliebtes aber unzweckmäßiges Spiel, Hautblasen aller Art mit Nadel, Schere oder Messer zu öffnen. Daß damit der Infektion Tür und Tor geöffnet sind, wird nicht überlegt. Das richtige Verfahren für den Laien besteht darin, einen leichten Verband mit Fett oder Puder darüberzulegen wie bei sonstigen Verbrennungen. Nach einigen Tagen festigt sich unter der Flüssigkeit die neue Hautschicht, und nun kann die Blase ohne Gefahr geöffnet werden. Ist der Sonnenbrand stärkeren Grades, tritt etwa gar Benommenheit ein, so muß umgehend der Arzt zu Hilfe geholt werden.
Schwere Erkrankungen und sogar Todesfälle ereignen sich durch unsachgemäße Hilfe immer wieder. Die Auffassung „viel hilft viel" bewährt sich eben in der Natur nicht, sie wehrt sich vielmehr energisch dagegen. In einigen Sonderfällen bedarf die Sonnenbestrahlung besonderer Beachtung. Das gilt z. B. für den Wassersport. Hier werden die Strahlen von den spiegelnden Wasserstrahlen zurückgeworfen. Der Körper wird so gewissermaßen von zwei Seiten angegriffen. Darum sind Verbrennungen hier viel häufiger, beim Rudern und Paddeln besonders, seitdem aus einem ganz unzweckmäßigen Gesundheitsfimmel die Unsitte eingerissen ist, daß auch Ungewohnte mit unbekleidetem Oberkörper rudern. Nicht nur, daß die Gefahr des Sonnenbrandes erheblich vergrößert wird, es tritt auch eine ungeheure Vergeudung von Körperkräften ein. Die durch die Sonne stark erweiterten Blutgefäße werden von einer vielfach größeren Menge Blut durchströmt als vorher und so auch vielmehr Körperwärme als im normalen Zustande abgegeben. Darauf beruht auch die Erklärung für die merkwürdige Erscheinung, daß Menschen, die nach langem Aufenthalt in der Sonne vor Hitze glühen, tatsächlich frieren, weil sie eben ungeheure eigene Wärmemengen verloren haben.
Hier wird auch der Schutz des menschlichen Auges zur absoluten Notwendigkeit. Das Innere des Auges ist ja ein vorgestülpter Teil des Gehirns und als solcher auch gegen die Sonnenstrahlen sehr empfindlich. Wer ohne Schutzgläser, die gelbgrün oder gelbbraun, jedenfalls nicht grau, schwarz oder blau sein sollen, längere Zeit auf die gleißenden Wasser- oder noch schlimmer Schneeflächen gesehen hat, wird sehr bald durch ein lästiges Brennen, Jucken und Augentränen eine Binde-
Der K a n z l e r in Begleitung des Reichsaußenministers Freiherr noon Ne u rat h beim Betreten des Hotels Adlon in Berlin, Unter den Linden, wo der König und die Königin von Siam für einige Tage Wohnung genommen haben.
Hautreizung angekündigt finden, die ihn für einige Tage in ein dunkles Zimmer bannt und recht schmerzhaft sein kann.
Bei sehr starker Sonnenwirkung auf den Schädel kann es zum Sonnenstich kommen. Er entsteht durch eine direkte Einwirkung auf das Gehirn. Der so Erkrankte ist sofort in den Schatten zu bringen, die Kleidung ist zu öffnen, damit die Atmung nicht beengt wird; kühle Kompressen auf den Kopf sind angebracht. Im Gegensatz dazu entsteht der H i tz s ch l a g aus einer inneren Ueberhitzung des Körpers. Er hat also mit der Sonne direkt nichts zu tun, er kann auch in überfüllten Räumen auftreten.
Auch im sportlichen Wettkampf müssen wir die Sonne und ihre Wirkungen berechnen. Sie wird nicht nur dadurch von Bedeutung, daß sie den Wettspielern, sei es beim Tennis, Fußball ober Handball hinderlich wird, weil sie ihnen in die Augen scheint und damit die Uebersicht auf dem Spielfeld einschränkt. Sie wirkt auch durch starke Wärme leistungsmindernd. Ruft die Sonne eine Erweiterung der Blutgefäße in der Haut hervor, so sinkt damit der Blutdruck und so der gesamte Spannungszustand. Man wird müde und schlaff, was natürlich bei den Schnelligkeitsübungen am deutlichsten in Erfchienung tritt. Es ist darum ganz zweifellos ein Fehler für den Wettkämpfer, der die Sonne nicht gewohnt ist, sich in den Stunden vor feinem Wettkampf in der Sonne aufzuhalten, etwa als Zuschauer bei den anderen Wettkämpfen. Er wird sich richtiger im Schatten aufhalten und seine Kräfte für den bevorstehenden Kamps aufsparen.
Wir sehen, wie vielfältig die Wirkung der Sonne sein kann; sie ist aufbauend und auch zerstörend. Ohne sie befallen den Menschen schwere Krankhei
ten, wird alles Leben unmöglich — richtig ver- wandt trägt fir wesentlich zur Erhaltung und For- derung des Lebens bei. In zu hohem Maße angewandt, ruft sie nicht nur Krankheiten hervor, sondern kann sie selbst den Tod bringen. — Sorge jeder, daß sie in der Ferienzeit, wo sie hoffentlich recht vielen draußen in der Natur scheint, fein Freund und nicht sein Feind sei!
Zum Führer des Oeurschen Flottenvereins gewählt.
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Zum Führer des Deutschen Flottenvereins gewühkt wurde Vizeadmiral a. D. von Trotha, der Nach« folger des aus Altersrücksichten zurückgetretenea Staatssekr^ärs a. D. von Lindequist.
Ser Führer macht dem siamesischen Königspaar einen desnch.
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Was mein einst war.
Roman von Klothilde von (Siegmann
Urheberrechtsschutz: Fünf -Türme - Verlag Halle (S.)
21 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
„Das ist für den Anfang, Seppl! Kannst es ruhig nehmen. Du hast sie durch deine Idee reichlich verdient. Also, ich gebe dir Nachricht, wenn ich dich brauche."
Sie drückte ihm die Hand wie einem guten Kameraden. Sie mußte in aller Herzensnot lächeln. Wenn Marguis d'Estrelle, wenn die ganzen eleganten Lebemänner sehen würden, wie Madame Lou de Lormes hier mit einem kleinen Hirtenjungen Freundschaft schloß ...! Aber dieser kleine Junge war mehr wert als all die Menschen, mit denen sie in diesen letzten Jahren zu tun gehabt. Ein Gefühl überkam sie, als bekäme erst jetzt auch ihr Leben mieden einen Schein von Berechtigung.
Schnell schritt sie hinunter. Der Seppl aber kletterte hinauf, seinen Ziegen nach, und von hoch oben sandte er einen so lauten, jauchzenden Jodler zu Tal, daß sich Lou de Lormes an der Wegbiegung umwandte und ihm zuwinkte.
Aber auch zu der einsamen Frauengestalt dort in dem verschlossenen Hause war der jauchzende Ruf gedrungen. Sehnsüchtig wandte Edele sich nach der Richtung des Schalles, sah ganz fern, inmitten weißer, glänzender Tiere, einen kleinen Hirtenknaben stehen, der seinen Hut ihr entgegenzuschwenken schien, indessen er noch einen zweiten, noch jauchzenderen Jodler ausstieß.
Mit großen, sehnsuchtsvollen Augen blickte Edele hinauf zur Höhe, hörte den Ruf, der als Echo widerhallte. Dort war die Freiheit — die Freiheit, die ihr genommen. Wann würde sie für sie wiederkehren? Mutlos und verzweifelt legte sie sich auf den Liegestuhl, der an der Balustrade stand; blicklos schweiften ihre Augen über das herrliche Alpenpanorama. — Das Schicksal, das drohend über ihr schwebte, verdunkelte alles um sie her und in ihr selbst.
♦
Lou de Lormes war, so schnell sie konnte, wieder ins Dorf hinabgestiegen. Dort kramte sie schnell in ihrem Koffer und fand unter den mitgenommenen Sachen die Visitenkarte von Liewen, die sie als einzige Legitimation hatte. Gleich darauf schritt sie den Weg hinauf ^zu |)4em kleinen Häuschen. Sie hatte wohl eine Halbe Stunde zu wandern, ehe sie den schmaler/ Serpentinenweg bewältigt hatte. Links führte an der Tannengruppe ein Wiesenweg zu dem Grundstück hin. Sie ging weiter, befand sich bald vor dem Hause, das aber durch dichte Hecken von jeder Sicht gegen die Straße hin abgeschnitten war.
Außerdem versperrte ein hoher und dichtgeflochtener Stacheldraht Unbefugten den Eintritt.
Siebzehntes Kapitel.
Lou de Lormes läutete kurz entschlossen an der Glocke, die außen an der Pforte hing. Nach einer Weile kam ein gelbhäutiger Mann den Weg vom Hause herunter und stutzte, als er Lou de Lormes sah. Sie atmete auf. Alles ging besser, als sie gedacht, denn diesen Mann da kannte sie ja...
„Paolo", sagte sie, und als wäre es die selbstverständlichste Sache von der Welt, daß sie hier auftauchte. „Nun, wie geht es? Mache auf! Ich muß Mademoiselle Celia sprechen."
Der Kreole zögerte.
„Ich darf niemanden einlassen, Madame!"
Lou de Lormes trat dicht an das Gitter heran und sah mit blitzenden Augen zu dem Diener auf:
„Was heißt das? Wirst du sofort öffnen?! Hier!" Sie zog die Karte mit dem Namen Siemens heraus. „Kennst du das da — und das?" Sie machte ein bestimmtes Zeichen mit der Hand. „Wie lange soll ich noch warten? Ich habe eine dringende Botschaft an Madamoiselle Celia, eine Botschaft vom Herrn. Wehe, wenn er hereinkommt und erfährt, daß du mich nicht hineingelasfen hast!"
Ihre herrische Stimme verfehlte ihre Wirkung nicht. Mit einer tiefen Verbeugung öffnete der Kreole die verschlossene Pforte.
„Du brauchst mich nicht anzumelden! sagte Lou de Lormes nachlässig zu ihm. „Ich finde mich schon. Ich kenne ja den Weg."
Mit eiligen Schritten ging sie durch den Tannengang Die Eingangstür auf einer kleinen Veranda stand offen. Ehe Paolo ihr noch zuvorkommen konnte, war sie die Treppe hinaufyeeilt. Sie hatte ja von dem Berg oben, auf dem sie mit Seppl gestanden, den Grundriß des Hauses genügend verfolgt. Hier mußte das Zimmer fein, von dem aus der Balkon hinausging auf den Abhang. Hier mußte dieses traurige, einsame Mädchen zu finden fern, das es zu befreien galt. ,
Da hörte sie einen erschreckten Ruf hinter sich, wandte sich um. Mit bleichem Gesicht stand Celia in dem chmalen Gange.
Lou — Sie?" flüsterte sie und sah mit Augen, in" denen Haß und Schrecken brannten, auf die
Madame de Lormes! Wie sind Sie hereingekommen? Wie ist das möglich?" Ihre Stimme flatterte. „Wenn Liewen das erfahrt!"
Mit eiserner Gewalt zwang sich Lou de Lormes zur Ruhe. Wenn nicht alles verdorben werden sollte, mußte sie die Komödie gut und unbefangen -u Ende führen.
Wie ich hereingekommen bin?" fragte sie mit einem leisen Lachen. „Aber auf dem natürlichsten Wege von der Welt, liebe Celia! Durch die Eingangspforte! Und Liewen? Aber der schickt mich doch zu Ihnen heraus. Ich sollte.
„Einen Brief?" Celia sah immer noch voll Mißtrauen auf Lou de Lormes. „Was sollten Sie mir denn hier bestellen?"
Krampfhaft überlegte Lou de Lormes. In der nächsten Minute mußte es sich entscheiden, ob sie eine Verbindung mit diesem gefangenen Mädchen bekommen würde oder nicht. Ihr Hirn arbeitete in rasender Schnelligkeit.
„Was ich Ihnen sagen sollte ...? Ja, Sie möchten doch gleich einmal Zürich, Palacehotel, anrufen. Liewen möchte wegen der Abreise von hier mit Ihnen sprechen, wollte aber aus bestimmten Gründen nicht direkt telephonieren. Sie möchten dringend mit Voranmeldung sprechen. Ich soll bann von unten seine Order weiter nach Venedig geben."
Celia zögerte. Da sagte Lou be Lormes scharf:
„Nun, Celia! Wissen Sie nicht mehr, baß Liewen pünktlichste Erlebigung seiner Befehle erwartet? Ich möchte nicht in Ihrer Haut stecken, wenn sich ber Anruf verzögert."
Ein qualvoller Blick traf Lou be Lormes' Gesicht, bas Gesicht ber Frau, bie Celia einst oerbrängt — unb bie nun im Glück war. Aber wie lange? Da brinnen wartete schon bie, bie auch Lou be Lormes hinabschkeubern würbe von ihrer Höhe, hinab ins Nichts.
Da erschrak sie. Durfte Lou be Lormes von ber Anwesenheit Ebeles etwas wissen? Davon hatte sie nichts gesagt. Wie unabsichtlich klinkte Celia im Vorübergehen leise an ber Tür, bie vom Korridor aus in Ebeles Zimmer führte. Ja, bie Tür war gut verschlossen. Dort brinnen regte sich nichts. Ebele mochte roieber, wie meist am Vormittag, auf ihrem Balkon fein.
So eilte Celia in bie Diele hinunter zum Telephon unb ahnte nicht, baß Lou be Lormes biefe scheinbar nebensächliche Berührung ber Klinke wohl gesehen. Aber sie ließ sich nichts merken unb betrachtete scheinbar interessiert Die bunten Bauerntöpfereien, bie auf einem Wanbbrett aufgereiht waren.
Kaum aber hatte Celia bas Zimmer verlassen, als Lou be Lormes hastig an ber Tür klinkte unb bann leise klopfte. Gleich barauf hörte sie einen leichten Schritt, unb eine erschreckte, ihr frembe Mäbchenstimme erklang:
„Ja, was gibt es benn, Mabemoiselle?"
Lou be Lormes legte ben Munb an bas Schlüsselloch.
„Achtung!" sagte sie leise. „Hier ist nicht Celia! Hier ist jemanb, ber Ihnen helfen will! Ich schiebe einen Zettel unter bie Tür! Seien Sie vorsichtig unb tun Sie alles, was ich Ihnen rate!"
Sie hörte einen leisen Aufschrei ba brinnen, ber sofort roieber verstummte, bückte sich rasch unb schob einen Zettel, ben sie bereits in ihrem Gasthauszimmer geschrieben, durch den Türspalt unten an der Tür,
Sofort verschwand der Zettel auf der anderen Seite.
Sie hörte ein geflüstertes „Danke!" und es war still.
Als Celia wiederkam, faß Lou de Lormes ruhig im Sessel und blätterte in einem französischen Magazin, das sie vom Tisch genommen.
Celia sah sehr unruhig aus.
„Ich habe Liewen nicht erreicht!" sagte sie. „Eigentümlich! Im Hotel war sein Name überhaupt nicht bekannt."
„Da müssen Sie einen sehr dummen Angestellten am Apparat gehabt haben, beste Celia. Hätten Sie sich nur den Direktor geben lassen!" war Lou de Lormes' gelassene Antwort. „Aber damit Sie keine Unannehmlichkeiten haben: Ich werde nun hinuntergehen und selbst nochmals versuchen, Ihnen die Verbindung zu verschaffen. Vielleicht kommen Sie heute am Nachmittag einmal herunter, um von mir zu hören, was ich ausgerichtet habe?"
„Sie können ja dann noch eine zweite Verbindung bestellen. Ich werde die Zeit mit Liewen vereinbaren."
Mit freundlichem Lächeln empfahl sich Lou be Lormes.
Celia sah ihr mit verzerrtem Gesicht nach. Sie konnte ben Haß gegen Lou be Lormes nicht vergessen, bie an ihre Stelle getreten war. Nun, bald würde auch sie gestürzt und vergessen sein; vielleicht nur noch gut genug, neue Opfer zu hüten, die Liewen einfing. — Dann war Lou de Lormes auch nicht mehr, als sie, Celia.
Dies Gefühl gab ihr eine gewisse Befriedigung.
Lächelnd betrachtete sie die Tür, hinter der Edele eingeschlossen war. Lou de Lormes ahnte wohl nicht, daß hier nebenan schon bie Frau weilte, bie sie zu entthronen bestimmt war.
♦
Mit zitternben Hänben, ihrer selbst nicht mächtig, hatte Ebele ben kleinen Zettel, ben bie Unbekannte ihr hinburchgesteckt, aus ber Türspalte gezogen. Es war nicht wahr, es konnte ja nicht wahr sein, baß ein Mensch auf ber Welt lebte, ber ihre Not kannte unb ihr helfen wollte. Woher hatte biefe unbekannte Frau mit ber sanften Stimme nur ihren Aufenthaltsort erfahren.?
Aber es war jetzt keine Zeit zum Grübeln. Mit zitternben Hänben öffnete sie ben Zettel und las die in französischer Sprache geschriebenen Worte:
„Haben Sie Mut. Man wird Ihnen helfen. Seien Sie heute nachmittag auf Ihrem Balkon. Man wird Ihnen eine zweite ausführliche Nachricht zukommen lassen. Wenn Sie unbeobachtet sind, geben Sie ein Zeichen nach dem Abhang zu, auf dem die Weide ist. Vielleicht ein Tuch, das Sie heraushängen. Seien Sie vorsichtig und geduldig!"
(Fortsetzung folgt.}


