Nr. 152 Zweiter Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Vienrtag, 3. Juli (954
Merkwürdige Testamente.
Bon Peter Omm.
1 Testamente — letztwillige Verfügungen, durch 25 d die jemand Erben ernennt — bieten genug Spiel- weiraum für Ein- und Aussetzung gewisser Erben und 1. V geben die Möglichkeit, über die Hinterlassenschaft, p" ihre Teilung und Bestimmung, Anordnungen zu treffen. Zwar regeln Gesetze die Willens-Dollstreckung des Erblassers und bestimmen auch die Pflichtanteile der Familie. Trotzdem sind oftmals Streitigkeiten unter den Erbberechtigten und denen, die sich dafür halten, nicht zu vermeiden. Und mancher, der sein Testament aufsetzt, hat aus tausenderlei Gründen zwingenden Anlaß, besonders ausgeklügelte Bestimmungen zu treffen. Wie verschiedenartig Testamente abgefaßt wurden, mögen die nachfolgenden wahren Berichte aufzeiaen. Aus ihnen spricht manches Mal Bosheit, Rachsucht und Narrheit und andererseits kluger Verstand, klarer Wille und eine durch die menschliche Natur begründete Lust am Außergewöhnlichen So hinterließ ein bekannter holländischer Rechtsanwalt, der kürzlich in Groningen starb, folgende Bestimmung: „Durch die Narrheiten der Menschen habe ich mein Vermögen erworben, und da ich keine Leibeserben habe, so vermache ich meinen irdischen Besitz den staatlichen Irrenanstalten, damit es den Narren wieder zugute kommt".
Josua Deckenson aus London bestimmte letztwillig: „Mein riesiges Vermögen hinterlasse ich meiner Frau unter der Bedingung, daß sie, die zu meinen Lebzeiten sich nie um mich gekümmert hat, jeden Tag zwei Stunden an meinem Grabe verbringen soll". Die Witwe ließ dem Verstorbenen im Garten seiner Besitzung ein Grab errichten. Darüber baute sie sich ein kleines Haus und da ihr Schlafzimmer direkt über dem Grabe lag, erfüllte sie die Bestimmung.
Benjamin Franklin vermachte der Stadt Boston testamentarisch eine Summe, die hundert Jahre Zinsen tragen sollte, die dafür bestimmt sein sollten, die Straßen zu pflastern.
In Tyburntree bei London — wo der Galgen stand — hinterließ ein Bürger der Stadt einen Betrag, von dessen Zinsen jedem armen Sünder ein schöner Blumenstrauß gekauft werden sollte, den er zu bekommen hatte, ehe er den Gang zur Hinrichtung antrat. Der Bürger hatte den Wunsch, daß auch dem bösen Menschen in letzter Lebensminute noch einmal die Schönheit der Natux vor Augen geführt werde.
In der vatikanischen Bibliothek (in Rom) entlieh sich ein Student ein Buch eines ganz unbekannten Schriftstellers, der längst tot war. In diesem Buche klebte ein Zettel: „Wer diesen Zetten findet, soll zu dem Advokaten Gosparri gehen und sich das Aktenstück RST 8229/1784 aushändigen lassen. Roma, am 4. Februar 1784". Der Student begab sich zu dem Advokaten und bat um das besagte Aktenstück. Er fand es und erhielt in diesem Aktenstück eine Anweisung auf 800 000 Lire. Dieser unscheinbare Zettel war ein Teil des Testamentes eines reichen Schriftstellers, dessen letztes Buch niemand gekauft und niemand gelesen hatte. Zu seinem Erben hatte er denjenigen ernannt, der das Exemplar in der vatikanischen Bibliothek lese, und soviel Interesse an dem Autor habe, daß er dem Aktenstück nachginge.
Vor vielen Jahren starb in Whittleston, England, ein Notar und begeisterter Horazjreund. In seinem kürzlich erst bekannt gewordenen Testament heißt es:
1. Auf mein Grab soll man, sobald ich eingesenkt worden, ein kleines weißes Stück Marmor legen mit der Inschrift: NON OMNIS MORIAR. (Ich werde nicht ganz sterben). J. UNDERWOOD 1833.
2. Sollen, sobald dies geschehen, die Herren (es waren sechs Personen namhaft gemacht) die letzten Strophen aus Horazens 20. Ode des II. Buches fingen.
3. Sollen keine Glocken geläutet werden, auch soll mich niemand im bunten Kleide zu Grabe geleiten.
4. Soll man mich in meinen gewöhnlichen Kleidern in den ©arg legen, den Horaz unter dem Kopfe, Bentley Milton zu den Füßen, ein kleines griechisches Testament in der Rechten, eine kleine Edition des Horaz in der Linken und Bentleys Horaz unter dem Sitzteil.
5. Soll der Sarg grün angestrichen werden, weil dieses immer meine Lieblingsfarbe gewesen.
6. Soll meine Schwester die obengenannten sechs Personen nach der Beerdigung im Sterbehause mit einem Abendessen bewirten und jedem für feine Bemühungen 12 Guineen auszahlen, und
7. sollen diese sechs Herren nach dem Abendessen Horazens 31. Ode des 1. Buches absingen; danach aber sollen sie bei einem Glase Wein fröhlich sein und nicht mehr an Underwood denken/
Ein ironischer und boshafter Neuyorker Geschäftsmann schrieb in sein Testament folgende Bestimmungen: „Meiner Frau hinterlasse ich einen Liebhaber und die Versicherung, daß ich niemals so blind war, wie sie glaubte. Meinem Sohn hinterlasse ich das Recht auf Arbeit. Während der bisherigen fünfunddreißig Jahre feines Lebens hat er dieses Recht mir allein überlassen. Meiner Tochter vermache ich hunderttausend Dollars. Sie wird sie nötig haben, denn es ist das einzige Mittel, daß sie jemals einen Mann bekommt. Meinem Kammerdiener vererbe ich alle Kleider und Wertsachen, die er mir während der letzten zehn Jahre gestohlen hat. Meinem Chauffeur schenke ich meinen Wagen, er hat ihn schon nahezu vollkommen ruiniert, so daß ich ihn nicht des Vergnügens berauben möchte, sein Zerstörungswerk zu vollenden.
Mrs. Frederico Cook in London schrieb zwanzig Jahre lang an ihrem achtbändigen Testament, das die absonderlichsten Klauseln enthält, die ein Men- schenhirn jemals erdacht. Dabei hinterließ sie keine Millionen und keine riesigen Ländereien oder dergleichen — sondern ganze fünftausend Pfund!
Der englische Richter W. D. aus Norwich, der 1724 starb, hinterließ diese Bestimmung: sein Vermögen von 4000 Pfund sollte sechzig Jahre auf Zins gelegt und dann zum Bau einer Schule verwendet werden, in der hundertzwanzig Knaben erzogen, gekleidet und ernährt werden sollten. — Die Testamentsvollstrecker haben diesen Willen getreulich erfüllt, nach sechzig Jahren war die Summe auf vierundsiebzigtausend Pfund angewachsen, die Schule wurde gebaut und die Zinsen der Restsumme reichten aus, die 120 Schüler zu kleiden, zu nähren und zu unterrichten.
Der Straßburger Kaufmann Fortunatius Dreinull (gestorben 1713) hinterließ in seinem Testament: „Wenn man die Zinsen zum Kapital schlägt, vermehrt sich dasselbe in 100 Jahren um 130 Mal. Ich hinterlasse 600 Livres, die ich in fünf Teile dividiere und verordne, daß sie um die Zinsen vermehrt werden, jedoch also, daß alle 100 Jahre ein Fünftel gehoben und angewendet werde. Für den ersten Teil, der in 100 Jahren 13 000 Livres betragen wird, soll ein Morast urbar gemacht werden. Weitere 100 Jahre später wird das zweite Fünftel, also 1700 000 Livres betragen, davon sollen 80 Preise zur Aufmunterung der Wissenschaft gestiftet werden. Und weitere 100 Jahre darauf ist das dritte Fünftel auf 220 Millionen angewachsen, hiervon sollen im ganzen Reiche 100 patriotische Leihhäuser angelegt werden, welche fleißigen und redlichen Bürgern zinslos Vorschüsse machen. Das vierte Fünftel wird abermals 100 Jahre später 30 Milliarden betragen. Hiervon sollen 100 neue Städte gebaut und jede mit 150 000 Menschen bevölkert werden. Das letzte Fünftel wird nach Ablauf von 500 Jahren bis auf 3900 Milliarden gestiegen fein. Hiervon sollen zuerst unsere Staatsschulden bezahlt werden und dann, wenn es reicht,
die Schulden der Engländer, aus Dankbarkeit für Newtons schönes Werk, die Unioersal-Rechenkunst betitelt. Die Testamentsvollstrecker sollen aus den redlichsten Männern gewählt werden, jeder soll sterbend seinen Nachfolger ernennen. Für ihre Bemühung mögen sie bei Hebung des vierten Fünftels
einen kleinen Bruch von 32 Millionen unter sich verteilen!"
Gerade dieses letzte Testament zwingt zum Bedauern, daß die letztwilliaen Verfügungen nicht immer im Sinne der Erblasser vollstreckt werden!
Das siamesische Königspaar in Berlin.
Der Führer dankt den Berlinern
Treuebekundungen
Adolf H
der Berliner Bevölkerung dankt. Hinter dem
für die spontanen Huldigungen und
an einem Fenster der Reichskanzlei, wo
Führer General L i tz
König Prajadhipok und Königin Rambai Barni nach ihrer Ankunft auf dem Berliner Bahnhof, wo sie von Reichsaußenminister Freiherrn von Neurath (rechts) begrüßt wurden.
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Ein Fachmann.
Von Karl M. Berg
Obermann schlendert durch die Ausstellung. Er hat die Hände in den Taschen seines Frühjahrspaletots, dessen gigantischer Achselpolsterung man nicht ansieht, daß er gestern noch an der Stange hing. Ab und zu bleibt Obermann vor einem Wagen stehen, betrachtet ihn mit mäßigem Interesse, schüttelt dann den Kopf und wandert weiter. Ein großes, blaues Kabriolett scheint ihm mehr zu imponieren. Er besichtigt es von allen Seiten, und man sieht es seinem Gesicht an: er ist sehr Interessent. Auch dem Mann im Verkaufsstand scheint das so. Er tritt an Obermann heran, verbeugt sich höflich und sagt:
„Wenn der Herr Interesse an dem Wagen hat.." Obermann mißt ihn von oben bis unten und von unten bis oben.
„Wieviel Pferde?", läßt er sich herab, zu fragen. „Fünfunddreißig Steuer=PS, achtzig Leistung/' „Sieht nach mehr aus", erklärt Obermann. „Wieviel Stundenkilometer?"
„Reichlich hundertzwanzig. Wird aber auch mit Kompressor geliefert, und gibt dann gut hundert- fcchzig her."
„Preis?"
„Achteinhalb Mille. Der Wagen hat selbstverständlich alle Neuerungen, Schwingachse ..."
„Das sowieso", schneidet Obermann die weitere Auseinandersetzung ab, und betrachtet den Wagen weiter. „Käme vielleicht in Frage", sagt er dann gleichgültig. „Aber natürlich nur mit Kompressor. Zahlungsbedingungen?"
„Drei Mille Anzahlung, der Rest in vier Quartalswechseln."
„Wieviel Nachlaß bei sofortiger Barzahlung?"
Der Verkäufer sieht Obermann mit einem Blick an, der ungeheuchelte Bewunderung verrät.
„Da mühte ich mich erst erkundigen", sagt er mit einer Verbeugung, „das ist nämlich bis jetzt nicht vorgekommen."
Obermann lächelt dünn.
„Natürlich!", sagt er. „Stottern! Ist nicht meine Sache."
„Wenn der Herr den Wagen einmal fahren wollte", sagt der Verkäufer, und macht wieder eine Verbeugung, die ausdrücken fall, daß dem selbstverständlich nichts im Wege'stünde. Im Gegenteil!
„Könnte man machen", sagt Obermann mit ziemlichem Wohlwollen. „Schade, daß ich meinen Chauffeur weggelchickt habe — ich hätte gerne gesehen, daß er auch dabei gewesen wäre. Vier Augen sehen immer mehr als zwei. Nachmittags, meinen Sie?
Geht leider nicht. Aufsichtsratssitzung. Wenn schon, dann gleich!"
Fünf Minuten später saust Obermann im Fonds dieses wundervollen Wagens die Avus entlang, und der Chauffeur des Werks bemüht sich, aus dem Wagen herauszuholen, was irgend möglich ist. Obermann sieht wirklich feudal aus in dem Wagen, und man sieht ihm an, daß er das auch fühlt.
„Beinahe Rekordzeit!", sagt der Chauffeur, als sie wieder zurück find, und erwartet ein Wort der Anerkennung und vielleicht auch noch etwas anderes. Aber Obermann ist ein so großer Herr, daß er gar nicht daran denkt, ein Trinkgeld zu geben. Er nickt nur und sagt dann zu dem Verkäufer:
„Ganz nettes Wägelchen — kommt allenfalls in Betracht. Schreiben Sie mir Ihre Telephonnummer auf — Sie erhalten heute noch Bescheid!"
Der Verkäufer ist zwar ein wenig enttäuscht, aber Obermann grüßt so bestimmt, daß eine Fortführung der Verhandlungen rein unmöglich geworden ist. Und schon ist er verschwunden.
Obermann geht weiter durch die Ausstellung. Er ist jetzt bei den Wagen der Mittelklasse — auch hier erregt das eine oder andere Gefährt sein mäßiges Interesse Vor allem, wie es scheint, eine tabakbraune Limousine. Er bleibt stehen, geht ein paar Schritte rückwärts, anscheinend um die Strom- linien-Silhouette besser auf sich wirken zu lassen, geht wieder vor, besieht den Wagen von der Seite — der Verkäufer ist bereits auf ihn aufmerksam geworden und kommt grüßend heran.
.Schöner Wagen, nicht?", sagt er höflich.
^Ganz nett", bemerkt Obermann gönnerhaft. „Wieviel Pferde?"
„Fünfzehn-vierzig", sagt der Verkäufer.
„Höchstleistung?"
„Hundertzehn Stundenkilometer.
Wahrscheinlich etwas übertrieben. Preis?" ^.Dreitausendzweihundert „in dieser Ausführung. Kann aber auch billiger.. "
„Kommt nicht in Betracht , winkt Obermann ab. „Zahlungsbedingungen?" t t
„Zwölfhundert bar, den Rest in zehn Monatswechseln." ,, r ~ . _,r , .
„Konnte mich höchstens auf Quartalswechsel ein» lassen", sagt Obermann.
Das ließe sich selbstverständlich machen. Wenn der Herr sich ernsthaft interessiert — eine kleine Probefahrt..."
„Müßte aber gleich sein — ich habe nicht viel Zeit!"
Fünf Minuten! später saust Obermann in der hübschen Limousiste die Avus entlang. Er sitzt neben dem Führer und betrachtet kennerifch den Geschwin
digkeitsmesser, der rasch auf achtzig, neunzig, hundert klettert, dann aber nicht mehr recht weiter will. Obermann schüttelt bedenklich den Kopf, was den Fahrer ärgert —: der Messer springt glatt auf hundertfünfzehn.
„Bravo", sagt Obermann anerkennend, und dann — läßt er sich die Telephonnummer geben und verspricht für heute noch Bescheid. Nur — die Polsterung müßte blau geliefert werden — feine Frau wollte das so haben. Und nachlässig grüßend geht Obermann weiter.
Es ist jetzt ein Uhr und Herr Obermann hat Hunger. Er ißt in der Restauration ein Paar Würstchen zum Frühstück, und dann wandelt er weiter durch die Ausstellung.
Er ist jetzt bei den Kleinwagen — auch von ihnen erregt der eine oder andere Obermanns Interesse. An den Dreirädrigen allerdings geht er ziemlich rasch und hochnäsig vorüber, aber es sind da auch schon ganz hübsche Wägelchen, die auf vier Rädern laufen, und sogar einen Rücksitz für zwei Kinder haben. Niedlich! Vor allem ein grauer Wagen, der aussieht, wie ein erwachsener — den beäugt Obermann besonders eingehend.
„Gefällt Ihnen der Wagen?", fragt der Verkäufer.
„Niedlich!", sagt Obermann. „Da braucht man wohl einen Schuhlöffel, um hineinzukommen, und einen Büchsenöffner, wenn man wieder heraus will, was?"
„Der Witz hat einen fooo langen Bart," sagt der Verkäufer mißbilligend. ,-,Wenn der Herr sich überzeugen will ...!"
„Wie stark ist der Wagen?"
„Drei zu zehn. Und läuft gern seine achtzig Kilometer, wenn's pressiert. Kostet vierzehnhundert Mark. Anzahlung vierhundert, den Rest in zehn Monatswechseln."
Fünf Minuten später fährt Herr Obermann in dem Kleinwagen die Avus entlang, macht ein ziemlich gelangweiltes Gesicht, ist aber nett und freundlich zu dem Fahrer. Am Verkaussstand vollzieht sich das Uebliche, und Obermann hört im Weggehen, wie der Verkäufer zum Fahrer sagt „Nassauer!"
Immerhin: Obermann ist dreimal die Avus hinaus und hinunter gefahren. Er geht jetzt in die Wassersportausstellung, und bedauert nur, daß es hier keine Probefahrten gibt — es wäre sehr nett gewesen, in einem hübschen Motorboot eine halbe Stunde spazieren zu fahren. Und schließlich kauft Obermann sogar etwas, nämlich das kleinste Faltboot, das man unter den Arm nehmen kann, wenn manj es nicht abrpontieren will. Es kostet fünfund- dreißig Mark, fünfzehn Mark Anzahlung und den
Rest in vier Monatsraten. Das läßt er sich zuschicken. Und dann geht er zufrieden mit sich und der Welt in sein Junggesellenzimmerchen heim mit dem, Bewußtsein, einen schönen Tag hinter sich zu haben, und außerdem als Käufer ein nützliches Glied der menschlichen Gemeinschaft zu sein.
Und morgen wird Obermann wieder seine Kunden rasieren und mit ihnen fachmännische Gespräche über Autos und Motorboote führen.
Zeitschriften.
— „Aus dem Schönheitssalorf der Naturvölker", ein Beitrag des bekannten Forscherehepaares Dr. H. A. und Emmy Bernatzlik, zeigt im neuen Heft 4659 der L e i p z ig e r „I11 u st r i r t e n Zei - t u n g", daß nicht nur zivilisierte Welt eine künstliche Schönheit kennt. Wer weiß denn, daß die Nuer, ein afrikanischer Volksstamm, ihr gekraustes schwarzes Haar in strähniges rotes verwandeln und daß es auch im tiefsten Afrika „Friseusen" gibt? — Ein Artikel von Professor Dr. Schulz, „Die Kluft zwischen Japanern und Chinesen", macht die jüngsten Ereignisse im Fernen Osten auch vom völkercharakterologischen Standpunkt aus verständlich. Dazu kommen noch Moden-, Literatur- und Kunstbeilagen sowie ein reichhaltiger aktueller Teil.
— Westermanns Monatshefte beginnen in dem soeben erschienenen Juliheft mit dem Erstabdruck des neuesten Romans von Konrad Beste, dem unlängst mit dem Lessingpreis der Stadt Hamburg ausgezeichneten Dichter. Er erzählt von dem „vergnüglichen Leben der Doktorin Löhnefink", die als jungverheiratete Arztfrau von der Stadt aufs Land kommt und in einen Wirbel heiterer Erlebnisse und seltsamer Verlegenheiten mit Mensch, Tier und aller ungewohnten Dörflichkeit gerät. Der humoristische Roman ist so recht geeignet zur Ferienlektüre. In farbig illustrierten Beiträgen werden das künstlerische Schaffen des Malers Karl Hagemeister, sowie eine Anzahl außerordentlich eigenartiger, seltener Pilzblumen geschildert. Aufsätze mit Aufnahmen in Kupfertief- und Buchdruck sind dem Hochseesport, einem wenig bekannten Vogelschutzgebiete in Estland, den Waika-Riffen und dem schonen Städtchen Stein am Rhein gewid- mit. In einem hochinteressanten Aufsatz behandelt Paul Rohrbach die Frage „Kononialwirtschaft und koloniale Siedlung". Unter den ganzseitigen Kunst- drucken fällt besonders die Rötelzeichnung von Ernst Schäffer auf, die- uns das kluge und strenge Man- nesgesicht des Reichswehrministers von Blomberg zeigt.


