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Nachdruck verboten!

6. Fortsetzung.

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Die Feiertage waren vorüber. Zwischen zehn und elf Uhr sollte Rosemarie in der Intendanz sein. Aber sie war nicht gekommen.

Der Intendant wurde ungeduldig. Was waren das für Manieren? Das hatte er wahrhaftig noch nicht erlebt. So ein junges Ding kam einfach nicht, wenn er, der Gewaltige, sie bestellte?

Aber schließlich beruhigte sich Brunner. Es konnte ja irgendeine Sache eingetreten sein, die das Mäd­chen wirklich verhindert hatte, zu ihm zu kommen. Ja, das konnte schon sein. Doch war ihm damit geholfen?

Die ganzen Feiertage über hatte er sich auf den heutigen Morgen gefreut. Hatte die Gedanken immer wieder unterdrückt, die ihm zuflüsterten, daß ihn nur ein Trug genarrt habe. Für ihn stand es

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Rosemarie...

Roman von Käthe Metzner.

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ihm mit leuchtenden Augen von Ihrem heimliches

Studium und ihrem Drang zur Bühne erzählte.

Alle Angst war gewichen. Zum ersten Male, feit sie im großen Berlin war, fühlte sie sich nicht mehr einsam. Ein Mensch saß neben ihr, den Hunderte fürchteten, aber auch aus höchste respektierten, und dieser große bedeutende Mann saß hier in ihrem dürftigen kleinen Zimmer an ihrem Bett und horchte auf ihre dummen, kleinen Plaudereien?

Rosemarie merkte kaum, wie der Mann neben ihr sie vorsichtig aussragte und wie sie dem Fremden ihr Herz öffnete und das böse, ängstlich gehütete Geheimnis preisgab.

Ich glaube an Ihre Unschuld, Rosemarie!* hörte sie eine gute, warme Stimme sagen.Ein Mensch wie Sie kann nicht schlecht sein. Ich fürchte. Sie sind mit Ihrer Schönheit das Opfer einer ganz bösen Intrige geworden."

War das Wirklichkeit? Gab es noch einen Men- schen auf der Welt, der sie nicht verstieß der, ohne sie zu kennen, an sie glaubte?!

Rosemarie wußte nicht, wie sehr Doktor Brunners Gedanken bei der anderen waren, die er so innig verehrt hatte und deren Namen sie durch seltsamen Zufall trug.

Wie lange mochte er da gesessen haben?! Wie zwei Freunde, die sich nach jahrelanger Trennung glücklich wiedergefunden hatten, so erging es den beiden fremden und im Alter durch so viele Jahre getrennten Menschen.

Armes Kind! Ich verstehe: Sie wußten keinen anderen Ausweg mehr." Brunners Stimme wurde schwankend.

Doch er wollte sie nicht in den Trübsinn zurück­gleiten lassen, und so sagte er heiter:

Sie sollen sehen, Rosemarie, wie ähnlich Sie der göttlichen Bergmann sind. Ich habe eine bet letzten Aufnahmen, die von ihr gemacht wurden, immer bei mir. Nicht wieder gutzumachen, daß sie der Neuß uns so schnell entführte..."

Ehrenhard Neuß..." Rosemarie sagte es zrt sich selbst, während sie das Bild der. großen Schau­spielerin anschaute. W-

Plötzlich wurde sie blaß:

Das ist ja meine Mutter!" Ihre Worte waren ein unterdrückter Schrei.

Doktor Brunner, der bei dem Namen Ehrenhard Neuß schon gestutzt hatte und Rosemarie eben fragen wollte, ob sie eine kleine Gedankenleserin sei, weil es tatsächlich der Name von Helga Berg­manns Mann war, schaute sie fragend an.

Ihre Mutter? Wieso?"

Rosemarie nahm das kleine Handtäschchen, das immer auf ihrem Nachttisch lag, und entnahm ihm ein Bild, das ihre Mutter zeigte.

Ja, das war Helga Bergmann. Kein Zweifel möglich und Ihr Vater hieß?"

Ehrenhard Neuß!"

Kind! Kind!" Doktor Brunner fuhr sich ein paarmal mit der Hand über Stirn und Augen.

Und Rosemarie erfuhr in dieser Stunde das Geheimnis, das Tante Berta so streng vor ihr ge­hütet hatte.

Des Erzählens schien kein Ende zu sein.

(Fortsetzung folgt.)

Da stand sie ja mitten unter demVolk", die göttliche Bergmann. Das war der Ausdruck schmerz­licher Versonnenheit in ihren Augen. Das waren ihre großen und doch so weise beschränkten Be­wegungen. Wieder suchte sein Blick das Gesicht. Und ihr Mund ihr wundervoller Mund, wie er in schmerzlicher Wehmut lächelte.

Bergmann!" Der Intendant sagte es fast rauh. War er denn verrückt geworden? Die Toten standen nicht wieder auf. Und es aab wohl wieder ganz Große, aber dieselbe, dieselbe Bergmann gab es niemals wieder.

Und doch! Dort stand sie ja unter dem Baum. Herrlich fielen ihre goldig schimmernden Locken um das schmale, schöne Gesicht.

Doktor Brunner war erregt. Diese kleine Statlstm, die der großen Bergmann wie aus den Augen geschnitten war, sollte nachher in sein Büro kommen. Wenn sie ihn enttäuschte, wenn sich Dummheit und künstlerische Unfähigkeit hinter ihrer Schönheit ver­bargen, dann flog sie unbarmherzig. Das war sein fester Entschluß. Er hätte es nicht ertragen können, dieses Trugbild Helga Bergmanns dauernd hier herumwandeln zu sehen.

Sofort mußte er nachher beim Bühnenmeister ihren Namen erfahren und sie zu sich bitten lassen. Donnerwetter! Wenn das Mädel wirklich was in sich hatte, sollte sie schon Karriere machen. Von ihm war noch kein wirkliches Talent gegangen, ohne daß er dessen Ausbildung in die Hand ge­nommen hatte.Der Kunst dienen mit allem, was ich besitze!", das war sein oberster Wahlspruch.

Aber heute war Heiligabend. Nein, mochte es sein, wie es wollte mit dieser Statistin. Er würde ihr heute noch eine Benachrichtigung mitgeben lassen, daß er sie sprechen wolle. Aber nicht vor dem Fest. Nein, am dritten Feiertag. Heute wollte er nur den beseligenden Wahn mit heimnehmen, daß Helga Bergmann wieder lebte, daß sie den Ruhm deutscher Schauspielkunst aufs neue hinaustrug über die Grenzen des Vaterlandes.

*

Als Rosemarie die Mitteilung der Intendanz in den Händen hielt, lähmte sie ein eisiger Schreck. Was konnte das sein? War es durch einen bösen Zufall bekannt geworden, weshalb sie aus der Heimat entflohen war? Oder war es aufgefallen, daß sie den Namen ihrer Mutter trug? Man hatte Verdacht geschöpft und gewiß geforscht, weshalb sie sich ihres wahren Namens schämte.

Nun mußte sie auch hier wieder fort. Alle Träume waren ausgeträumt, ehe sie überhaupt den ersten Schritt hatte tun können, sie zu verwirk­lichen. Und sie war so töricht gewesen, wirklich noch einmal den Traum aller Jugend von Glanz und Ruhm zu träumen?

Jetzt war es ihr klar: Heber ihrem Leben stand

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ein unseliger Stern. Sie konnte fliehen, wohin sie wollte überall erreichten sie seine vernichtenden Strahlen. ,

Es hat keinen Sinn mehr. Ich schaffe es nicht, dachte sie in müder Verzweiflung.

Zu Hause war es totenstill. Die Wirtsleute hatten ihr auf einem Zettel mitgeteilt, daß sie noch Besorgungen zu machen hätten. Morgen kämen doch die Enkelchen und da müßte es selbstverständ­lich eine kleine Bescherung geben.

Ueberall sorgende Liebe. Nur sie war allein. Allein in der riesigen Stadt, die voll pulsierenden Lebens und lachender Freude war.

Rosemarie machte kein Licht. Vom gegenüber­liegenden Hause drang ein matter Lichtschein in die Küche. Es war gleich sechs Uhr. Jeden Augen­blick konnten die Glocken ertönen. Sie öffnete das Fenster und lauschte hinaus; aber ein kalter Wind trieb ihr so kalten Schnee ins Gesicht, daß sie es schnell wieder schließen mußte.

Sie fror und war müde, so müde, daß sie am liebsten nicht wieder aufgewacht wäre.

Einen schönen heißen Kaffee wollte sie sich machen. Vielleicht schaffte der wieder etwas Lebens­kraft. Aber wozu eigentlich wozu? Immer wei­terstampfen auf dem Wege der Ausgestoßenen, nie mehr die Hand ausstrecken dürfen nach schöneren Zielen? Und das alles nur, weil ein Makel an ihr hastete, für dessen Dasein sie schuldlos war?

Rosemarie suchte im Halbdunkel ein Kochgefäß, ging mit schweren Schritten zur Leitung und ließ Wasser hineinflietzen. Dann trat sie an den kleinen Gasherd und hantierte mit dem Feueranzünder. Aber es wollte nicht gelingen, das Gas anzuzünden.

Tückisch legten sich die Gase auf ihr Denken. Wie das rauschte und rauschte ...

Rosemarie stellte, wie unter fremdem Zwang, den Wassertopf auf den Tisch und ließ sich auf einen Stuhl sinken. Süß war es, so einzuschlafen. Dann war alles vorbei.

Gewiß läuteten draußen schon die Glocken. Nun würde für sie auch Weihnacht sein.

Ihre Gedanken glitten weit zurück. Kein Gedanke an Tante Berta war mehr in ihr, der sie das Liebste nahm, wenn sie jetzt nicht die Kraft sand, aufzustehen. Auch Wängenheims Bild verblaßte.

Nur ihre Mutter stand mit einem Male bei ihr. Ihre wunderschöne Mutter. Da streckte sie ihr mit einem glücklichen, erlösten Lächeln die Hände hin.

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Bezirksinspektorat

für den dortig. Bezirk sofort zu besetzen. Es kommen für diesen Posten, der mit festem Gehalt, Spesen, Provision undSuverprovision versehen ist, nur erstkl. Fachleute in Frage, die gute Erfolge bis in die letzte Zeit nachweisen können. Bewerber,die diesen Voraussetzungen entsprech., u. außerdem über gute Res. verfügen, rooll. sich unt. Bei­füg. v. Lebenslauf u. Abschr. der Erfolgsnachw.meld. unt. 1314V a. d. Gießen. Anzeig. Vertr. Behandl. w. zugesich.

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Das Holz ist ohne Rinde gemessen und wird von der Gemeinde entrindet. Das Stammholz ist vorher emzusehen, da spätere Einwendungen nicht berüd*, füfyügt werden. Angebote sind nach Sortiment und Klassen getrennt bis spätestens

Alittwoch, den 7. März 1934, nachmittags 2 Uhr, bei unterzeichneter Bürgermeisterei einzureichen, wo­selbst auch die Verkaufsbedingungen eingesehen wer­den können. 1300D

Bürgermeisterei Alten-Buseckl Kahl.

fest: sie sah aus wie die Bergmann, so mußte sie auch spielen wie die Bergmann. Fertig! Die Kosten der Ausbildung würde er gern bestreiten.

Ja, aber sie war nicht gekommen. Und wenn sie nun morgen auch nicht kam? Nie mehr viel­leicht? Sie konnte ja nicht wissen, worum es ging.

Da faßte der alte, resolute Herr einen schnellen Entschluß. Er würde jetzt sofort einfach feinen Wagen vorfahren lassen und würde sie ganz per­sönlich in der Darwinstraße aufsuchen. Da konnte er gleich sehen, wie die Dinge lagen, was los war und warum sie nicht kam...

Der Wagen fuhr vor. Geschickt und schnell lenkte ihn der geübte Chauffeur durch den gewaltigen Verkehr, und nicht lange darauf stand er vor dem Hause Darwinstraße sechs.

Brunner fand sich fabelhaft schnell zurecht und stand bald vor der niedrigen Korridortür, an der eine angeheftete Karte den Namen Rosemarie Berg­mann trug.

Die alten Heinemanns staunten nicht schlecht, als ein so vornehmer Herr das Fräulein Berg­mann sprechen wollte.

Dicke Tränen kollerten der alten Frau über die welken Wangen, als sie berichtete, daß das liebe Fräulein am Heiligabend einen Versuch gemacht habe, sich mit Gas zu vergiften. Zum Glück seien sie etwas früher heimgekommen und hätten zum Arzt geschickt. Mit vieler, vieler Mühe war es end­lich gelungen, die bereits schwer Vergiftete wieder ins Leben zurückzurufen. Aber im Leben vergesse sie nicht das Entsetzen in den Augen und die Worte:Ach, warum habt ihr mich nicht schlafen lassen? Ich war doch so furchtbar müde!"

Jetzt gehe es ihr etwas besser.

Brunner hatte interessiert gehorcht. Was war denn mit dem Mädel? Vielleicht stimmte etwas nicht, und sie war schon auf der schiefen Ebene. Dann hatte es allerdings gar keinen Zweck für ihn, sie aufzufuchen. Aber nun war er einmal hier, und sehen wollte er sie.

Rosemarie hob den Kops aus den Kissen und sah mit grenzenlosem Erstaunen auf die vornehme Erscheinung des Intendanten.

In ängstlicher Abwehr hielt sie die Hände vor die Brust. Da kamen sie schon. Jetzt drangen sie schon in den Frieden ihres kleinen Zimmers, die grausamen Menschen, vor denen sie hatte fliehen wollen, und die sie gewaltsam zurückgeholt hatten in ein armes, sonnenloses Leben.

Brunner blickte in tiefer Ergriffenheit in Rose­maries große blaue Augen.

Keine Angst, Kindchen, ich will Sie doch nicht ängstigen. Kennen Sie mich?"

Rosemaries Beklemmung löste sich langsam. Ob sie ihn kannte? DenAlten", denGewaltigen"? Nur zu gut.

Doktor Brunner versuchte, Rosemarie den Grund seines Kommens klarzumachen.

Rosemarie staunte. Eine Aehnlichkeit sollte sie haben mit der großen Bergmann? Eine über­raschende Aehnlichkeit?

Vielleicht habe sie auch Talent. Er würde ihr gern helfen.

Da wurde Rosemarie warm. In ihr blasses Gesicht trat die Farbe zarter Rosen, während sie

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Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß nicht in Gießen ansässige Gewerbetreibende, Wa­renhäuser und Filialgeschäfte von der Lieferung ausgeschlossen sind. 1332V

Gießen, den 2. März 1934.

Bürgermeisterei Gießen _______________(Wohlfahrtsamt).__ Geschäfts-Drucksachen

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*6

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