Nr. 29 Drittes Blatt
Samstag, 3. Sebruar 1934
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für VberWen)
und Dienerinnen und ungezählter Kinder ihr taten- loses Dasein verleben
Je weiter man in dieses Gewirr von Gassen vordringt, in dem man schließlich jede Orientierung verliert, um so stiller wird es. Man ist nun wirklich ganz von Europa abgeschnitten und schwimmt wie auf einem Meer von Träumen aus Tausendundeine Nacht dahin. Ist man im Kreise gelaufen, daß man plötzlich wieder in der Nähe des Hafens landet? Jedenfalls steht man plötzlich auf einem freien Platz, auf dem ein Denkmal für die Kriegsgefallenen er-
der UeberHeferung unserer höheren Kultur, wie sie uns durch die Meister der deutschen Seele und der deutschen Kunst in der Gestaltung durch Bild, Ton und Wort gegeben ist, bleibt eine Notwendigkeit. Sie ist von
dazu berufenen Kräften zu betätigen. Diese höhere Kultur jedoch kann nicht dem voraussetzungslosen Volksgenossen, dem Arbeiter, Bauern und Soldaten vermittelt werden, denn er hat die Beziehungen zu
Volkstum wächst nur von unten: Arbeiter, Bauern und Soldaten sind nicht nur die
Gradunterschied der Erkenntnismöglichkeit verstärkt diese Entfremdung.
Volkskultur als ein W e g z u m V o l k t u m wird mithin nicht dadurch erstehen können, daß von oben herunter die höchsten künstlerischen Werke dem Volk gegeben werden. Dolkskultur kann nur von unten herwachsen als eine große seelische Bewegung, durch die dann auch die künstlerische Hochkultur aufs neue mit dem Volke verschmolzen und für die Zukunft entscheidend befruchtet wird. Ein Beispiel: Die politische Erweckung und Erziehung des deutschen Menschen erfolgte nicht durch die Worte und Werke Chamberlains und Lagardes, sondern sie wurde durchgeführt in der Sprache des Volkes. So muß auch die Dolkskulturbewegung in der Sprache des Volkes, d. h. in Fortführung feiner eigensten Ueberlieferung sprechen. Diese Überlieferung finden wir im Dolkserbe, wie es erst durch den Liberalismus abgerissen wurde: in Volksmusik, Brauchtum, Festen, Spiel, Gemein- schafstsorm, Tanz, Handwerks- und Volkskunst, Trachten und Heimatkultur. Diese Ueberüeferung fortzuführen, ist die Ausgabe. Wir restaurieren und konservieren nicht, sondern knüpfen an sie an, um mit dem im Erleben dieses Volkstums gewonnenen Wertmessers neues Leben zu erwecken.
Hier erwächst die Aufgabe des Tages: Nicht durch das Wort, sondern durch die bildhafte Schau und Gestaltung des deutschen Volkstums in Brauchtum, Sitte, und Gesittung dem Volke sein Erbe vor Augen zu führen, es ihm zum Erlebnis zu bringen und es zur Mit- und Weitergestaltung zu begeistern. Das Entscheidende ist, daß der einfache Volksgenosse aus Arbeiter- und Bauerntum in den ihm gegebenen Möglichkeiten und Formen ein echtes, weil völlig durchdrungenes Leben führt und selbst mitgestaltet, anstatt irgendwelche Kultur aufzunehmen, vielleicht zu verstehen, günstigenfalls immer jedoch nur nachzuerleben. Die Forderung des Tages heißt: Praktische Volkstumsarbeit!
Gestaltung. Der Liberalismus riß durch den falschen Kulturbegriff, nach dem Bildung die Voraussetzung jeglicher Kultur sei, die Kluft auf zwischen der Schicht der Gebildeten und der der Kultur nicht teilhaftigen ungebildeten Masse. Dadurch verlor die Masse des Volkes ebenso die Verbindung mit seinen Meistern wie die Künstlerschaft ihrer Verwurzelung im Dolksboden entbehrte. Aus diesem Grunde ist
heute dem voraussetzungslosen Volksgenossen aus Arbeiter- und Bauernschaft der Höhenweg der Meister deutscher Kultur fremd, da er in einer anderen Lebenssphäre und in einem anderen Lebensgefühl, als esArbeiter undBauem heute besitzen, verläuftDer
gesiegt — aber selbst in diesem eroberten Land ersteht ihm nun der Konkurrent, der ihm überall auf dem Weltmarkt zu schaffen macht: Japan. Es gibt, hier mitten im Suk, schon eine ganze Reihe von Iapanläden, die den denkbar größten Zulauf haben, weil sie alles bieten, was des Eingeborenen Herz begehrt.
Als man das Tor am Piazza Italia durchschritt, kam man in eine andere Welt. Hier ist Afrika, und sofort ist man mittendrin in seiner Problematik.
Nie Beiträge
der SA - und SS.-Männer in der Arbeitsfront.
LPD. Die Deutsche Arbeitsfront teilt mit: Auf Grund einer Vereinbarung zwischen dem Stabs-
verklingt gleich unbeteiligt, gleich wohlerzogen und weltmännisch ob nun Zero herauskommt oder ob das Peck an diesem Sohn der Wüste gradezu zu kleben scheint. Europa hat offensichtlich auf der ganzen Linie gesiegt.
Nein, das ist nicht Afrika. Auch die Straßen sind es nicht, durch die man beim Abendspaziergang bummelt, obwohl gleich neben dem eleganten Luxus- Automobil plötzlich eine Karawane von Kamelen auftauchen kann, die hochbeladen, im bedächtigen Wüstenschritt ohne sich um die Vorgänge links und rechts zu kümmern, das europäische Viertel durchschreitet. Ein prachtvolles, neues Gouoernements- haus, in Gärten erbaut, die noch jetzt im Januar in verschwenderischem Blütenreichtum prangen, Bankpaläste, eine architektonisch langweilige Kathedrale, eine „Galeria", wie man sie in allen italienischen Städten findet, Geschäftshäuser, Theater und Cafes — alles das kann überall sein, kann überall genau so neu, so gut gepflegt und sauber angetroffen werden. Ein Brunnen auf dem Piazza Italia, der von unten mit farbig wechselnden Lichtern beschienen wird, offenbart einen Kitsch, den man selbst in Europa gern vermißt. Und doch ist gerade hier die Pforte Afrikas, denn gleich hinter dem Piazza Italia beginnt das Afrika, welches man sucht.
Eine hohe mittelalterliche Mauer, an das Kastell anschließend, von einem breiten Torbogen durchbrochen, schließt diesen Mittelpunkt der Stadt nach der Westseite zu ab. Man läßt sich von einem Strom farbiger Menschen: Berbern, Arabern, Juden, Negern und vereinzelt auch Europäern dazwischen, treiben, biegt in eine dunkle Seitengasse ab und ist plötzlich, ehe mans noch recht verspürte, mitten drin im wirklichen Orient.
praktische Volkstumsar-eit tut not! Äon Werner Haverbeck,
Leiter des Amtes Volkstum und Heimat in der NS.-Gemeinschast „Kraft durch Freude".
Tripolis, Januar 1934.
Der erste Eindruck der Stadt Tripolis ist — enttäuschend. „Enttäuschend" ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort. Man empfindet so ungefähr das, was der alte Fischer in Strindbergs „Nach Damaskus" ausdrückt, wenn er, nachdem er seine Sehnsucht nach dem Besitz einer Fischreuse erfüllt sieht, bedauernd sagt: „Ja, das ist das, was ich mir das ganze Leben gewünscht habe, aber es i st nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe" — Sicher ist die Vorstellung, die man von Tripolis als eine alte orientalische Seeräuberstadt besitzt, ganz anders, als sich die Stadt dann auf den ersten Blick darbietet.
In Wirklichkeit macht Tripolis zuerst einmal den Eindruck eines großen, ein wenig auf „orientalisch" frisierten Riviera-Kurortes. Ein wundervoller, mit riesigen Palmen bestandener Quai, der jede Konkurrenz mit den berühmtesten Promenaden der Riviera aushält, zieht sich an dem vorzüglich ausgebauten Hafen und weiter am Meere entlang. Große Gebäude, die jeder Großstadt Italiens und auch des übrigen Europas Ehre machen würden, säumen ihn ein. Hinter dem Grand Hotel, das feinen Namen ebenfalls in jeder europäischen Stadt führen dürfte, erweitert er sich zu einer prächtigen Gartenanlage — wie überhaupt das ganze moderne Tripolis mit Recht Wert darauf legen kann, eine Gartenstadt genannt zu werden. Aber man kommt nicht nach Nordafrika, und ausgerechnet in den Teil Nordafrikas, der feiner historischen Entwicklung nach immer noch als der ursprünglichste gilt, um eine Gartenstadt zu bewundern .. Man sucht Afrika, und deshalb ist man auf den ersten Blick enttäuscht, wenn man von diesem Erdteil zunächst nichts anderes sieht, als einige braune und schwarze Menschen, die teils mit ein paar Lumpen kaum ihre Blöße verdecken ober mit großen weißen Wolltüchern bis über den Kopf vermummt sind Auch die paar historischen Bauten, die es hier gibt, das von deutschen Kreuzrittern erbaute Kastell am Hafen und der gut erhaltene, aber eigentümlich kleine Triumphbogen des Kaisers Marc Aurel sind nicht das, was man eigentlich sucht
Im Hotel verschwindet erst recht das Gefühl, nun in einer anderen Welt zu sein. Der Empfangschef ist ein in Mailand geborener Deutscher, der deshalb wohl seine Muttersprache nicht in allen Feinheiten beherrscht. Zum Ausgleich dafür ist der Portier ein Italiener, der in Hamburg das Licht der Welt erblickte und aus diesem Grunde besser deutsch als italienisch spricht. Im übrigen ist der ganze Zuschnitt international, und nur dadurch von dem Leben in großen internationalen Hotels verschieden, daß die Preise hier recht mäßig sind. Das Hotel hat selbstverständlich seinen Speisesaal, seinen Tanz- und Festsaal, seine große Halle, seine Bar und was sonst noch eben alles dazu gehört Seine besondere Attraktion aber ist der von der Gemeinde verwaltete S p i e l s a a l, das „Casino". Hier werden immerhin und ziemlich Abend für Abend Umsätze gemacht, deren sich Monte Carlo wahrscheinlich auch heute nicht zu schämen brauchte. Der Mindesteinsatz beträgt fünf Lire, der Höchstsatz dafür aber doch schon 3500 Lire Wenn einer im Zuge einer Glückssträhne zehnmal hintereinander mit dem zwölf- fachen Gewinn beim Höchsteinsatz herauskommt — und das ist nicht einmal selten — so kann er ein ganz hübsches Vermögen mit nach Hause nehmen Sofern er die Nerven besaß, rechtzeitig aufzuhören
Nein, alles das ist nicht Afrika Ist es auch dann nicht, wenn am Spieltisch ein in einen fleckenlosen weißen Burnus gehüllter Tuareg-Scheich mit klassisch geschnittenem Gesicht unbewegt sitzt und zu jedem Spiel, ob Gewinn oder Verlust, den Höchstsatz auf „Zero" schiebt. Er fällt nicht einmal auf, obwohl er innerhalb der Stunden, die er am Spieltisch verbringt, ein großes Vermögen verspielt. Das „Faites votre jeu", bas „Rien ne va Plus" der Croupiers
nchiei wurde und dann verliert man sich, einen Haken schlagend, am Marc-Aurels-Bogen vorbeigehend wieder in ein neues Labyrinth von Gassen, die von Bögen oder auch direkt von Holzdächern überdeckt sind. War man vorher in der Mohammedanerstadt, so ist man jetzt ins Iudenoiertel eingedrungen. Hier werden die Gassen mit jedem Schritt belebter. Hier ist Geschrei, ist Lärm, Hämmern und Arbeit. Viereckige Kammern, nur notdürftig beleuchtet, öffnen sich der Gasse zu. Schneider sitzt neben Schneider Ein, zwei, drei Straßen lang, dann kommt die Straße der Schreiner, die der Kürschner und dann die der Silberschmiede, die köstliche Armspangen, Gürtel, Ringe und Dosen mit immer gleichbleibenden, aber doch in sich stets wechselnden Motiven ziselieren. So wie in den deutschen Städten des Mittelalters hat hier jedes Handwerk
leiter der PO. Pß. Dr. Robert Ley und dem Stabschef Pg. Röhm wird hiermit angeordnet, daß die SA. - und SS.-Männer, die in den Verbänden organisiert sind, soweit noch nicht geschehen, von kommender Woche die halben satzungsmäßigen Beiträge zu zahlen haben. Diejenigen SA.- und SS.-Männer, die Einzelmitglieder der Deutschen Arbeitsfront sind, zahlen gleichfalls die halben Beiträge. Hierbei ist so zu verfahren, daß die SA - und SS.-Männer, die sich im Besitz eines ordnungsmäßigen Ausweises befinden, in Zukunft auf der Mitgliedskarte nur zwei
seine eigene Gasse...
Dann ist man plötzlich im Bazar. Hier sind die Gassen alle überdeckt, so daß auch am Tage ein geheimnisvolles Dunkel herrscht, das sicher dem Handel vorteilhaft ist, weil es die Prüfung der Waren- Qualität erschwert. Alles, was man sich nur denken kann, liegt hier zum Verkauf aus. Jeder Handelszweig hat seinen eigenen Bazarteil und jeder Nachbar also macht dem Nachbarn denkbar schärfste Konkurrenz. Und wieder merkt man, wie sehr Europa über Afrika gesiegt hat. Wirklich afrikanische Waren sind außer den Silberarbeiten nirgends zu sehen. Was einem hier an echten Teppichen oder auch an.,-------- ... v-----ff - .
buntfarbigen Stoffen und Tüchern, ja selbst an an Stelle von vier Beitragswochen bzw. alle zwei Lederwaren angeboten wird, kann trotz seines afri- Monate eine Monats-Beitragsmarke zu kleben konischen Anstriches seine italienische, deutsche oder > haben.
englische Herkunft nicht verleugnen. Europa hat -------
Der Suk, das Eingeborenen- und Eingeborenengeschäftsviertel von Tripolis ist noch heute so erhalten wie es vor 50, 100 oder vielleicht auch vor Hunder- u u c i u unv « - * *.. —
ten von Jahren war. Nur die Elektrizität und die > Träger der politischen Revolution und des neuen — Sauberkeit sind hier eingedrungen als einziges,1 Reiches, sondern auch des neuen Volkstums und was in diesem Viertel europäisch anmutet Man neuer Gläubigkeit. So wie die politische Bewegung kann stundenlang durch die engen Gassen schreiten, bes Nationalsozialismus beim einfachen Volksgenof- die geheimnisvoll find und dem Fremden immer, [en begann und dann erst später zu den sogenann- geheimnisvoll bleiben. Weiße, fensterlose Mauern, ten geistigen Schichten vorstieß, so kann auch die nur hier und da durch eine verwahrlost aussehende Volkstumsbewegung nur aus Arbeiter- und Bauern- Tiir und vielleicht durch ein kleines viereckiges mit tum erwachsen.
Holzstäbchen vergittertes Loch durchbrochen, rücken so | Daraus ergeben sich als praktische Folgerungen nahe aneinander heran, daß kaum zwei Menschen für nationalsozialistifche Kulturpolitik: Die Pflege nebeneinander Platz zum Gehen haben
Und eine unsägliche Stille darüber. Selbst der Schritt der wenigen Menschen, die durch diese Sei- tengafjen schleichen, hat etwas Geheimnisvolles an sich' und ist kaum zu hören, da man auf Pantoffeln ober nackten Fußsohlen läuft. Wenn man einmal Frauen begegnet — die man übrigens hier niemals allein gehen sieht — so ziehen sie erschreckt den Haik auch noch vor den Augen zusammen und -------------- , .. . .. -
wenden den Kops seitwärts, damit kein unreiner' ihr verloren. Der Liberalismus hat das Vorhanden- Blick ihr Gesicht treffe Sollten sie so hübsch sein, sein einer alle Stände und Höhenschichten verbinden- daß das nötig ist? Ma! gelingt solchem Blick aber i ben Volkskultur zerstört.
doch ein Schnappschuß, unb was er bann hascht — I Noch im Mittelalter haben wir eine einheitliche reizt eigentlich nicht zur Wieberholung. Hier hat sich Kultur, bie zwar mit Gradunterschieden ledoch a u s alte mohammedanische Sitte in ihrer e i n e r Q u e 11 e h e r a u s eine gemeinsame Grund- qanzen Strenge, im Gegensatz zur mobernen Tür- läge bildete für die Gesittung des Bauerntums, des kei, noch völlig erhalten. Hier gibt es auch noch wirk- Handwerks und des Adels, auch in der künstlerischen licke f) a r e m 5, in denen die drei Frauen des Fa- ------------6 *"•’* f">"
milienvaters inmitten einer Schar von Nebensrauen
Aus der Suche nach Afrika - in Tripolis
Von unserem Sonderberichterstatter Alfred W. Karnes
wieder I tönen, vorn grotesken Humor bis zu zerfließender Carl F ä ck n i tz , Junker Spärlich (Willi Hof- I Romantik; Kontraste mannigfaltigster Art gelingen mann), und Dr. Casus (Erich Bei sb art h) fug-
faffen. Sann fc^ütteite er aber amiifelnb ben ftopfiiidjtartig aufhellen, betonen, unterstreichen vom unb erwiderte lächelnd: .Sie haben recht, das ist! geistreichen Konvecheren bis -u innigften Herzens-
etwas. Zu Shakespeare paßt aber nur Mozart' "
Dennoch ist Nikolais Musik eine persönliche Gabe. Etwas ungemein Graziöses, Feingeistiges liegt in feinen Themen, die ja nach der Situation schlag-
sich ausgeglichenes Ensemble erstrebte die Spielleitung. Jeder Darsteller war gesanglich wie auch schauspielerisch mit voller Hingabe unb Innerlichkeit bei seiner Rolle. Kokett, mit scharfen weiblichen i
in seiner Eifersucht ohnmächtigen Gatten gab sich Bianca Fischer-Gebhardt als Frau Fluth. Ihre ungemein leicht anschlagende Stimme war für bie koloraturreiche Partie wie geschaffen Ihr zur Seite
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ten sich mit feiner Pointiertheit bem Ensemble ein. Preben Roosing erfaßte seine Aufgabe als Fenton mehr von der heldischen Seite als von der er-
tur dieser Oper wird von der Ouvertüre an bis zur letzten Note ständig eine unerschöpfliche Fundgrube für den lernenden Musiker und eine Quelle der Freude für jeden Hörenden sein!
Die Deutsche Musikbühne unter der künstlerischen Gesamtleitung von Heinrich XLV. Erbprinz Neuß hat sich zum Ziel gesetzt, frei von träger Konvention wie von äußerlicher sensationeller Neuerungssucht die Werke deutscher Opernkunst stilgetreu zu vermitteln. So erwuchs diese Aufführung unter der Spielleitung von Rudolf Scheel voller Beschwingtheit, Humor und Grazie aus der Partitur heraus, jede Gebärde, jede Bewegung aus den Noten ablesend. Das sprühte und schäumte, das prickelte und wirbelte; es war, als ob Teufel übermütigster Laune hier ihr Wesen hatten Aus diesen allgemeinen Eindrücken zeichneten sich besonders die Wirtshausszenen ab, die in ihrer Derbheit und ihrer Urkraft der Menschlichkeit ausgeprägte Wirkung hinterließen im Shakespeareschen Sinne. Nicht Startum, sondern ein geschlossenes, in
Gießener Gtadtthealer
OPerngastfPiel der Deutschen Musikbühne: „Die lustigen Weiber von Windsor."
„Ich habe so recht empfunden, daß uns Gott eigentlich nur dazu die edle Musik geschenkt hat, um uns untereinander zu erfreuen." Das bekennt Otto Nikolai. Wenn auch ihm das Leben neben glücklichen Stunden manche bittere Enttäuschung bereitete, seinen Mitmenschen will er über das Alltägliche erheben, ihm zum gesteigerten Levens- gesühl durch die Freude verhelfen. Das wird uns jebesmal seine Oper „D i e lustigen Weiber von W i n b j o r" vollauf bestätigen
bie Feuerräber sprühn. Sabine Lepsius schreibt über ben „Tag ber beutschen Kunst in München" unb fügt ihrem Aufsatz viele farbige Abbilbungen bei. Ernst Lubwig Schellenberg würbigt Hermann Stehr unb zeigt, baß ber nur als wahrhafter Künstler gelten kann, ber zugleich Kimber ist, über ben Dichter hinaus auch Deuter Einen Besuch auf bet Insel Ceylon, bem sagenhaften Parabies ber Menschheit, beschreibt Pros. Arnolb Busch. Eine besondere Note bekommt das Heft durch den Anfang des neuen Romans von Artur Kuhnert „Die große Mutter vom Main" Von dem weiteren Inhalt sind zu nennen: „Luftbedrohung und Luftschutz" von Wulf Bley, „Mit ber Elektrischen zur Mitternachtssonne" von Hugo Frank, „Wanberschmiere" von Prof. Emil Nirchan unb bie Erzählung von Hans Watzlik „Eine Braut bettelt".
Zeitschriften.
— Westermanns Monatsheft bringt in feiner Februarnummer eine Abhanblung von Hermann Eris Busse: „Oberbeutsche Volksfastnacht". In buntem Zuge ziehen bie Narrenstäbte, Narren- zünfte, kurz alles, was zu einer Volksfastnacht gehört, an uns vorüber bis zum Sonntag nach Fast-
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Doch biefes Wert liegt am Ende feiner Schaffensbahn, der Weg dorthin führt durch Hohen unb Tiefen Reich und richtunggebend sind die Eindrücke, die der Zelter-Schüler in den Jahren feines Aufenthaltes in Italien in sich aufnimmt. Er gewinnt geistig und menschlich aus dem Umgang mit den vielen Kunstjüngern, die alle traditionsgemäß Italien aufjuchen. Keine Gelegenheit läßt er unversucht, um sein Können zu bereichern Durch Barni, den Kapellmeister der Sixtina, kommt er der alten Vokalmusik nahe, mit Arnbroise Thomas, der durch die Gunst eines Stipendiums in Italien weilt, musiziert er, er besucht DonizetN, ebenso wie er sich von R o s s-, n > beraten laßt Zu fast allen musikalischen Größen des damaligen Italien tritt er in Beziehung unb lernt von 'hnen. Auf dornenvollem Pfade wird er zum „maestro“; mer seiner italienischen Opern haben mehr oder minder Erfolg. Wien wird für ihn zu einem Arbeitsfeld, wo er das in Italien Erworbene für die deutsche Musik auswerten kann. Hier wird er zum Begründer der nachmals so berühmten „Phllharmomfchen Konzerte" in Wien, in denen er den Klaisikern eine würdige Pflegestätte bereitet Wien sollte aber auch der Ort werden, der seine deutsche Oper „Die lustigen Weiber" zur Aufführung ablehnte
Vertragsgemäß war Nikolai verpflichtet, für die Wiener Bühne eine deutsche Oper zu fdjreiben ©o sehr er sich um einen geeigneten Stoff bemühte, keiner konnte seinen Anforderungen, die er nach seinen italienischen Erfahrungen recht hoch stellte entsprechen. Do machte ihn eines Tages gelegentlich einer Aufführung des „Don Juan" sein Freund -Siegfried Kap per'auf den musikalischen Kern aufmerksam, der der Gestalt Falstaffs innewohne ..Eine Weile sah er mich schweigend an und mit glänzenden Augen, als versuchte er, den angeregten Gedanken mit aller ihm eigentümlichen Lebhaftigkeit zu er-
ihm mit fast spielender Leichtigkeit und Grazie. Glücklichste Einfälle verknüpft er im kunstreichsten Tonsatz, ohne dabei die geringste Spur des Gewollten zu hinterlassen. Reiche Ausdrucksmöglichkeiten des Harmonischen binden sich mit vielgestaltiger Pointiertheit des Rhythmischen. Welch eine Farbigkeit der Orchesterklänge, wie in der Mondscheinszene im dritten Akt; und welche treffende Charakterisierung der Gestalt Falstaffs. Die Parti-
wünschten lyrischen.
Das Orchester unter Kapellmeister Paul van Kempen gewann von dem Eingang der Ouvertüre an mit seiner dezenten Abtönung, seinem prickelnden Rhythmus, seinen grandiosen Steige- rungsmöglichkeiten im Dynamischen, wie in der Temponahme für sich. Nur auf dieser Grundlage war die ideale Verbundenheit von Partitur und Szene möglich. Die Momente höchster dramatischer Spannung wurden glücklich akzentuiert durch den Chor, der sich nicht nur korporativ auf der Bühne zeigte, sondern aktiv die Handlung mitgestalten half. Die Bühnenbilder waren zweckmäßig; etwas mehr wohnliche Behaglichkeit wäre erwünlcht gewesen. Die Gartenszene und der letzte Auszug waren stimmungsvoll durchaebildet. Obwohl die Elsen das Tänzerische gut zum Ausdruck brachten, störte die nicht voll angemessene Kostümierung
Angesichts solcher Aufführung fällt dem Publikum billiger Weise die Verpflichtung zu, pünktlich zu sein unb möglichst jebe Störung zu vermeiben. Dr. H.
Jakob Hoffmeister aus Kassel, ebenfalls ein angeljenber Dichter, berichtet uns bann, wie Nikolai ihm eines Morgens ganz aufgeregt entgegen kam; er hatte sich nun für ben Stoff „Der luftigen Weiber" entschlossen, unb Hoffmeister war bazu ausersehen, bas Textbuch opernmäßig zu gestalten. Welchen bebeutenben Anteil aber Nikolai selbst an ber bühnengemäßen Verarbeitung bes Stoffes hatte, zeigte ein Brief Nikolais (Juni 1846) an Hoffmeister, ber inzwischen nach Kassel übergefiebelt war Er gibt ba selber Szenenentwürfe unb änbert mit treffsicherem Geschick bie Hoffmeisterschen Verse ab Wegen ber örtlichen Entfernung Hoffmeisters übertrug er bie weitere Abfassung bes Textbuches einem andern Kasseler Dichter, der als Hauslehrer in Wien tätig war, Hermann Mosenthal Einem Briefe aus jener Zeit zufolge fühlt sich Nikolai bei dieser Oper ganz als deutscher Komponist. Krankheit, Stellungswechsel — er war inzwischen Hof- tapeUmeifter und Leiter des Domchores in Berlin geworden — ließen die Arbeit an dem Werk sich auf drei Jahre erstrecken. Am 9 März 1849 konnte nun endlich die Uraufführung im Berliner Opernhaus mit großem Erfolg in Szene gehen. Noch drei weitere Aufführungen konnte Nikolai selber dirigieren, wenige Wochen später war er nicht mehr unter den Lebenden; der Tod erreichte ihn am 11 Mai 1849
Nach Mozarts musikalischem Lustspiel „Figaros Hochzeit^ hatte die heitere Oper inzwischen in Albert Lortzing einen Vertreter gefunden, der mit urwüchsiger Dolksnähe in weiten Kreisen sich auswirken konnte. Vorbildung und nicht zuletzt die Tätigkeit in der italienischen Oper mußten Nikolai in die geistig verwandtschaftliche Nähe Mozarts führen Mozart war ihm immer als das Idealbild unter den deutschen Komponisten erschienen, und die charakterisierende Durchgestaltung der einzelnen Finales läßt das deutlich erkennen. In der humorvollen Zeichnung der Männergestalten mag mancher Zug aus Lortzing verweisen Und doch, was Lortzing versagt blieb, er vermochte den Schritt zu tun in jene Sphäre der Romantik mit ihren Märchenschauern, mit ihren Elfenwesen und ihrem Geisterspuk; wie er da mit kindlicher Gläubigkeit die Zauberwelt wachruft, das konnte nur ein deutsches Gemüt, wie es vor ihm Carl Maria von Weber schon getan hatte.
als Mit-Verfchworene Frau Reich, Liesel Heinrich, im Zusammenklang ein Duo von schönem Ausgleich. Don sicherlich größtem Stimmaterial über das Lyrische hinaus dem Dramatischen zustrebend, mit großer Expansionsfähigkeit des Klanges war Gerda von H ü b b e n e t als Anna Reich Eine köstliche Figur, betont durch übergroße Körperlichkeit, in jener Mischung von Verschlagenheit, Tapsigkeit und wiederum abgesunkener Ritterlichkeit gab Walter Zöllner als Sir John Falstaff; in jeder Bewegung ein charakteristisches Moment seiner Rolle belebend. In der Szene mit Herrn Fluth, Knut Olaf Strandberg, standen sich die beiden in treffenden Kontrast gegenüber, beide > stimmlich vollem Maß entsprechend. Herr Reich, I


