Einzelbild herunterladen

Nr. 29 Erster Blatt

184. Jahrgang

Samstag, Februar 1934

8to«twtta*n 11686 VrvSi unb Verlag: vrühl'sche Univerfilätr-Vllch- und Sleindruckerei kl.Lange in Gießen. Schrlftle-tung und Geschäftsstelle: Schulfiratze 7

Annahme von Anzeigen für die Miltagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 60 Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemein­nützige Anzeigen sowie ein­spaltige Gelegenheitsanzei­gen 5 Rpf., Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Vereins- u. Tageskalender im Textteil 12 Rpf. je mm

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle

Monatr-Bezugrpreir:

Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte 1.80 Zustellgebühr .. -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

Fernfprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Gießen

Sicherheit-Kontrolle

zuschließen; diese wären nur insoweit zweckmäßig,, als sie, ohne die in Kraft befindlichen Abkommen,!

P a r i s, 2. Febr. (DNB.) Das aide mömoire d e r französischen Regierung vom 1. Ja­nuar 1934 zu den Forderungen Deutschlands hin­sichtlich feiner militärischen Gleichberechtigung ist nunmehr veröffentlicht worden. Die französische Re­gierung begrüßt die Bereitschaft der Reichsregierung, mit allen Nachbarn Nichtangriffspakte ab-

Man muß, gemessen an der Durchmilitarisierung des gegenwärtigen Frankreich, Wort für Wort, Satz für Satz des französischen Memorandums mit der gesamten europäischen Lage überprüfen, um zu er­messen, daß tatsächlich die sanften Worte ein Nein bedeuten, eine Wende zu dem von Frankreich im Versailler Vertrag eingegangenen Verpflichtungen ist im französischen Schriftstück nicht festzustellen, vielmehr nur eine Neuauflage jener Politik, die sich abseits von der europäischen Entwicklung zu einem vernünftigen Ausgleich der Nationen stellte. Wird sich nun Frankreich weiterhin an die längst über­holten Argumente seiner Genfer Abrüstungspolitik klammern und sich in den Genfer Schmollwinkel zurückziehen, oder wird es sich der englischen Inter­vention bedienen? Das Ministerium Chautemps und mit ihm der Außenminister Paul-Boncour, der unentwegte Verfechter der Gedanken des Genfer Protokolls, ist zurückgetreten. Herriots verhängnis­voller Einfluß scheint, im Augenblicke wenigstens, ausgeschaltet. Der neue Ministerpräsident Daladier, der sein eigener Außenminister ist, gilt als An­hänger eines deutsch-französischen Ausgleichs. Der deutsche Pakt mit Polen, der der französischen Poli­tik das vorgetäuschte Argument, Frankreich könne seine Bundesgenossen nicht im Stich lassen, aus der Hand schlägt, sollte Frankreichs außenpolitische Ent­scheidungen wesentlich erleichtern. Was im Osten gelang, sollte auch für den Westen möglich fein. Von der Entscheidung Frankreichs hängt die Befriedung Europas ab.

schimmern. Worte können nicht erröten, aber es bleibt doch ein starkes Stück, wenn im französischen Aide memoire mit einer laxen Handbewegung hin­sichtlich des Landmaterials erklärt wird, Frankreich wolle wohl abrüsten, aber künftige Abrüstungsüber­einkommen dürften nicht dengegenwärtigen Stand feiner gesamten Rüstung" überschreiten. Frankreich will also seine gegenwärtige Höchstrüstung beibehal­ten. Es verzichtet nicht auf die Millionen ausgebil­deter Reservisten, die, als aktive Soldaten jahrelang geschult, von heute auf morgen brauchbare Front­kämpfer sind und für die, vom Bombenflugzeug bis zur Handgranate herab, alle in Depots bereitliegt, um sie sofort in Feldzugsfoldaten zu verwandeln. Frankreich verzichtet mit diesen Millionen ausgebil­deter Soldaten im Hinterhalt nicht darauf, daß es die gesamte Zivilbevölkerung, militärisch durch orga­nisiert, während andere Nationen solchemilitär­ähnliche Verbände" und vor allem in einem solchen Ausmaß nicht besitzen. Und wenn die schöne Geste der frnazösischen Denkschrift anbeutet, Frankreich sei bereit, seine Bombengeschwader um die Hälfte zu verringern, dann fehlt doch der französischen Note die selbstverständliche Ergänzung, was mit der nichtverwendbaren Hälfte geschehen soll. Kein Ster­benswörtchen enthält das französische Schriftstück darüber. Die Note sagt nicht, man werde, um eine Luftabrüstung tatsächlich durchzuführen, die Hälfte der Bombengeschwader einschrotten, wie man es in Versailles von Deutschland verlangt und auch er­zwungen hat.

namentlich aus dem Locarno-Vertrag, zu schmä­lern, neue Sicherheitsgarantien schaffen könnten,durch die die Signatarstaaten gleichzeitig gegen jede Bedrohung ihrer äußeren Unabhängig­keit und gegen jeden Versuch der Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten geschützt werden". Ebenso nimmt die französische Regierung mit Be- friebigung zur Kenntnis, baß bie Reichsregierung wenigstens im Prinzip" einer an Ort unb Stelle vorzunehmenben automatischen unb periobischen unb in ihrer Gegenseitigkeit gleichen Kontrolle zu-

Wer in kommenden Zeilen als Führer vor die Bewegung gestellt werde, werde immer die Partei als ein beispiellos geschlossenes, in blindem Gehorsam der Idee dienendes Instru­ment und in ihr bereits den sicheren Ga­ranten für die weitere Zukunft finden.

In feinen von wahrhafter Größe getragenen Aus­führungen unterstrich der Führer weiter die starken kraftspendenden Wirkungen der Geschlossenheit, der Autorität und der Disziplin, in der die gesamten Führer der Bewegung, die Kreuzritter hinter jeden Entschluß der Partei treten. Das Bestehen dieser un­erschütterlichen Einheit der Führergemeinschaft der Partei und die Kraft, die sie ausftröme, sei uner-

das amerikanische Volk eine Abneigung gegen Ab­machungen Hal, aus denen sich außenpolitische Ver­wicklungen ergeben könnten. Aus diesem Grunde würde sich u. U. nicht erreichen lassen, eine Richt- angriffsvereinbarung in schriftlicher Form niederzulegen, aber es wäre sehr wünschenswert, wenn man wenigstens zu einer Verständigung ge­langen könnte, die vom Geiste eines Nicht­angriffspakts getragen ist.

Weiter erklärte der Botschafter noch, von der Gefahr eines Krieges zwischen Japan und Rußland könne keine Rede sein. Den Vereinigten Staaten gegenüber hege Japan den Wunsch, in der Einwanderungssrage auf dem gleißen Fuß behandelt zu wer­den, wie die europäischen Rationen. Die vollständige Sperre für japanische Einwanderer sollte beseitigt werden. Er hoffe, daß Mandschukuo von der Washingtoner Regierung anerkannt werde. Amerikas handel werde durch Japan keineswtz^ bedroht. Japan habe auch nicht die Absicht, den Markt in Mandschukuo für sich allein mit Beschlag

gezogen werden.

Es ist mir bekannt, so führte er dazu aus, daß

Die französische AbriistungSdentschrifi vom 1. Januar veröffentlicht.

Ziehung von Sowj,etrußland in Betracht belegen. Man werde es dort, wie bisher, bei der Politik der offenen Tür belassen.

Die Form, in der die V e r s ch m e l z u n g v o n Weltanschauung und Staat durchge­führt werde, fei die Partei. In der großen vom ganzen Volke getragenen Gemeinschaft des Rationalsozialismus müsse bie Partei e i n auserlesener Orden des Führer- tum s sein, der den nationalsozialistischen Staat für alle Zukunft zu garantieren bestimmt sei. Was der Staat vom Volke verlange, das werde diefer Orden einer verschwore­nen Führergemeinschaft in besin­nungsloser Unterordnung unter feine eigenen Gesetze in komprimitiertester Form bei sich selbst verwirklichen. In dieser auf Gedeih und Verderb verbundenen Gemeinschaft werde, nach­dem andere Faktoren staatspolitischer Bestän­digkeit nicht mehr vorhanden feien, die ab f o - lute Kontinuität der Entwicklung der deutschen Ration für alle Zukunft nieder­gelegt fein. Mit der unerschütterlichen Funda­mentierung dieser Führungshierarchie sei auch die Frage der Parteiführung an sich gelöst und diese für alle Zeiten gesichert; denn nachdem diese neue Führerorganisalion des deutschen Volkes durch eine einmalige schöpferische Lei­stung errichtet fei, gewährleiste sie nunmehr in sich die durch nichts zu unterbrechende Folge der höchsten Führerpersönlichkeit.

Politik her offenen Tür in Mandschukuo.

Washington, 3. Febr. (DRV. - Funkspruch.) In London hat der neue japanische Botschafter für Washington, der sich Samstag früh von England nach den Vereinigten Staaten einschiffen wird, in einer Unterredung mit amerikanischen Pressevertre­tern für ein GentlemenAgreement zwi­schen Japan und den Vereinigten Staa- t e n Stellung genommen. Botschafter h i r o s ch i Saito erklärte u. a.» in der Geschichte der Be­ziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan müsse ein neues Blatt begonnen wer­den. Beide Völker müßten sich die Hände reichen, um den Frieden im Gebiet des Stillen Ozeans zu sichern. Er sei der Ansicht, daß man, wenn er erst seine Arbeit in Washington begonnen habe, z u einer Art Richtangriffsvereinbarung mit den Vereinigten Staaten kommen könne. Dabei könne auch die Mithereinbe-

Verschmelzung von Weltanschauung und Staat im nationalsozialistischen Führerium.

Oie Kontinuität her Entwicklung wirh hurch Begründung einer nationalsozialistischen KüHrungsHierarchie für alle Zeiten sichergestellt.

schweren Angrissswassen im Laus von fünf Jahren abschaffe 'n sollen. Auf Militärluftfahrt sollen alle Staaten ein Recht haben, falls sie nicht binnen zwei Jahren allgemein aufgegeben ist. England wünscht also für sich Sicherheit in der Luft unb Ent­lastung ber Militäretats. England will zwar auch bieanbre" Möglichkeit, baß nämlich bie hochge­rüsteten Mächte nicht abrüstenkönnen ober wollen", baß sie sich aber verpflichten, ihre gegenwärtigen Rüstungen nicht zu erhöhen, nicht schlechthin aus ber Diskussion ausscheiben. Der Ton aber liegt ent- schieben auf ber Durchführung des Abrüstungsprin- zips. Dies ist ber Hauptunterschieb zwischen bem englischen unb bem italienischen Gebankengang. M u s s o l i n i sagt: Die Abrüstung ber Hochgeruste- ten ist nun einmal nicht zu erreichen bar um: Er­füllung ber beutschen Forderungen, bie befenfio sind unb niemanbes Sicherheit bebrohen. Englanb hängt am alten Konventionsentwurf MacDonalbs, beffen Zähigkeit im Bekenntnis zur Abrüstung unb besten schwierige Stellung gegenüber ben wiberstrei- tenben Richtungen in ber englischen öffentlichen Mei­nung unschwer zu erkennen sinb.

Zur englischen unb italienischen Denkschrift ist nun als drittes Dokument bas Aide memoire ber französischen Regierung vom 1. Januar dieses Jah­res getreten. Die Veröffentlichung ber beutschen Denkschrift, bie bisher vertraulich behanbelt würbe, steht nun ebenfalls unmittelbar bevor. Es gibt ein französisches Sprichwort: Wenn Worte bie Fähigkeit hätten, zu erröten, würben manche Sätze blutrot

nere Atmosphäre hoffen will.

Beibe Pläne enthalten eine Fülle technischer Einzelheiten, bie von ben Berliner zustänbigen Stellen mit ber gleichen vorurteilslosen Grünblich- feit geprüft werben, wie sie bas französische Aide memoire vom 1. Januar erfuhr. Aber über biefe Vorschläge im einzelnen hinaus lassen bie Denk­schriften doch eine grunbsätzliche Haltung erkennen, die heute schon erörtert werben kann. Beide unter- scheiben sich in einem wesentlichen Punkt. Mussolini geht bavon aus, baß schon bie ein­fache Erwägung, es könnte zur Anwenbung von Sanktionen" kommen, unabsehbare Gefahren in sich schließt. Daher müsse oermieben werben, baß die beutsche Aufrüstungohne jebe Regelung unb Kontrolle" geschieht. Am besten sei es, ben hoch- qerüfteten Mächten ihren jetzigen Bewaffnungsstanb zu belassen, ihre Militärausgaben auf ben jetzigen Stanb festzulegen, ben chemischen Krieg unb ben Bombenabwurf auf bie Zivilbevölkerung zu ver­bieten unb Deutschland Forberungen in bezug auf Defensivbewaffnung anzuerkennen Dafür sei zu hoffen, baß Deutschlanb nach Genf zuruckkehrt Der Gegenwert für Frankreich liege bann, baß es feine heutige Gesamtrüstung unb damit für jedes ver­nünftige Urteil auch feine Sicherheit behalt ba ja auch bie Verpflichtung Italiens unb Englands aus bem Locarnopakt, also bie Garantie ber französi­schen Ostgrenze, natürlich bestehen bleibt.

Englanb bagegen wünscht am Abrüstungsziel festzichalten. Es erkennt an, baß, innerhalb gewisser Etappen aus bem Prinzip ber Gleichberechtigung her­auseine Lage erreicht werben muß, in welcher Waffenarten, bie bem einen erlaubt sind, bem anberen nicht mehr verboten wer­ben können. Es wünscht einen Kompromiß zwi­schen ben beiben Heeresziffern von 200 000 ober 300 000 Mann für Deutschlanb, es will allemih= tärähnliche Ausbilbung" verboten unb bie Durchfüh­rung bes Verbots kontrolliert sehen; es gesteht die deutsche Defensivbewaffnung im wesentlichen zu und bleibt bei dem Verlangen, bah alle Mächte ihre

setzlich für bie zukünftige Existenz der gesamten Nation. Der Führer gab feiner festen Ueberzeugung Ausbruck, baß bas beutsche Volk allem wiberstehen könne unb werbe, wenn bie Bewegung biefe ihre Eigenschaften ganz auf ben Staat übertrage. In ber Harmonie zwi­schen Partei unb Staat liege somit letzten Enbes bie Kraft, bie es bem Staat ermögliche, alle Probleme zu meistern. Die akkumulierte Kraft bes Volkswillens, wie sie am 12. November ber Wett sichtbar gemacht worben ist, sei bafür ein einzig­artiger Beweis. Der Führer schloß mit ber Mah­nung, stets bieses aufgezeigten großen Gesichtspunk­tes eingebenf zu fein. Wer in ihrem Sinne hanble, ber trete ein für bie Unsterblichkeit ber Bewegung unb bamit unseres Volkes.

Japan schlägt einen Nichtangriffspakt der pazifischen Machte vor.

Tokio hat den Wunsch zur Verständigung mit Amerika und Rußland.

Oie neue Phase.

r Gestern waren genau zwei Jahre seit bem Tage vergangen, an bem am 2. Februar 1932 Henber - f on in Genf bie Wettabrüftungskonferenz eröffnete. Damals erklärte Henderson vor den zweitausend Delegierten, die vierzig Staaten vertraten:Unsere Aufgabe auf dieser Konferenz erfordert gebieterisch klares, zielbewußtes und positives Handeln: die Welt braucht Abrüstung. Die Welt will Abrüstung. Es liegt in unserer Macht, bie Geschichte ber Zu­kunft formen zu helfen. Hinter all ben technischen Fragen, Mannschaften, Geschützftärken, Tonnagen, Kategorien usw. steht bas Wohlergehen ber Mensch­heit, bie Zukunft unserer sich entwickelnben Zivi- lisatign. Die Menschheit erwartet von ber Konferenz, daß sie ihr bie Gabe ber Befreiung von ber Be­drohung bes Friebens unb ber Sicherheit schenkt, die in ber Beibehaltung großer nationaler Rüstun­gen immer liegen muß ..." '

Drei Tage später überreichte T a r b i e u um- ; fangreiche französische Vorschläge, bie ben Zweck , haben sollten, bie Arbeiten ber Abrüstungskonferenz schon zu ihrem Beginn auf ein falsches Gleis zu lenken. Frankreichs Drachensaat ist prächtig aufge­gangen. Am 14. Oktober 1933 war man vom eigent­lichen Ziel ber Abrüstung ber hochgerüsteten Staaten im Sinne ber im Versailler Vertrag festgelegten Abrüstungsverpflichtung so weit entfernt, baß Deutschland sich um seiner Selbstachtung willen ge­zwungen sah, die Abrüstungskonferenz zu verlassen. Frankreichs Politik dreht sich im Kreise. Ob Poin- carö ober Tarbieu, Paul-Boncour ober Herriot, der Sicherheitskomplex beherrscht alles Sinnen unb Trachten ber französischen Staatsmänner. Sie starren auf dieses Irrlicht unb wollen nicht erken­nen, baß es sie schon in eine Sackgasse lockte. Denn wennSicherheit" in ber Sprache ber französischen Diplomaten gleichzusetzen ist mit Frankreichs Hege­monie in Europa, so ist bafür feit einem Jahre schon bie Voraussetzung, ein uneiniges, kraftloses Deutschlanb nämlich, fortgefallen. Die große innere Wanblung in Deutschlanb gestattet nicht, bas Rab der Geschichte auf Versailles zurückzubrehen.

Mag Frankreich biefen grunblegenben Wanbel auch erkannt Haden, so besitzt es doch nicht genug Wendigkeit, seine Politik der veränderten Lage an= Ön und in guter Haltung mit bem Selbst-

Jfein bes Ueberlegenen bie Folgerungen aus dieser oeränberten Lage zu ziehen, wie es sein polnischer Verbündeter mit vorbildlicher Energie und Schwung getan hat. Daß auch Eng­land und Italien des fruchtlosen Debattierens müde sind und aus ber unfruchtbaren Jbeologie ber Abrüstungspolitik Pariser unb Genfer Musters her­ausstreben zu einem neuen festeren Ufer, bürste aus dem soeben ber Öffentlichkeit bekanntgegebenen eng­lischen Memoranbum zur Abrüstungsfrage unb ber gleichzeitig veröffentlichten Denkschrift Mussolinis zum gleichen Thema hervorgehen. Beibe Dokumente leiten eine neue Phase in bem biplomatischen Kampf um eine stabilere Plattform für eine Abrüstungs­konvention ein, ber Deutschlanb sowohl wie Frank­reich zustimmen könnten. Die italienische Erklärung ist bem britischen Außenminister Sir John Simon schon Anfang Januar bei seinem Besuch in Rom übergeben worben. Es liegt also bie Annahme nahe, bah bie Stellungnahme beiber Mächte auf gegen­seitigem Meinungsaustausch beruht. Daß beibe Re­gierungen entgegen ber bisherigen Gepflogenheit in den deutsch-französischen Verhandlungen ihre Denk­schriften veröffentlicht haben ist wohl ein Be­weis, daß man in Rom sowohl wie in London der Auffassung ist, der Hilfe der öffentlichen Meinung und gegebenenfalls auch bes Drucks bieses gewalti­gen Machtinstruments nicht länger entbehren zu können, wenn man in Paris auf eine aufgeschloffe-

Große Rehe hes Führers vor hen Gauleitern.

Berlin, 2. Febr. (DNB.) Die Gauleiter- tagung in Berlin fanb, wie bie NSK. melbet, am Freitag ihren Höhepunkt unb Abschluß mit ber Rebe bes Führers vor ben versammelten Reichsleitern, Gauleitern unb Amtsleitern ber obersten Leitung ber politischen Organisation. In eingehenben Ausführungen wies ber Führer zunächst auf bie Größe unb Bebeutung ber Aufgabe hin, den nunmehr eroberten Staat nicht nur mit ber nationatfoziatiftifchen Weltanschauung völlig zu burchbringen, sondern auch den gesam­ten Staatsapparat i m Geist der siegreichen Bewegung zu einem geschlossenen, lebensvollen Orga­nismus auszubauen.

Wenn die nationalsozialistische Revolution gegen den Novemberstaat kommen mußte, weil dieser ooltsfrembe Staat gegen bas flutenbe Leben ber Nation Dämme aufrichtete, bann werbe ber nati­onalsozialistische Staat sich so organisieren, baß seine innere Volksoerbunbenheit naturnotroenbig feinen Bestanb garantiere.

Als stabiles Gerüst einer solchen Staatsorgani­sation brauche bie Führung eine Garbe d o n zuverlässigen politischen Funktio­nären, eine iBerroaltungsapparatur, bie bie Füh­rung in bie Lage versetze, bas nationalsozialistische Gebankengut auf allen Gebieten auch praktisch zu verwirklichen. Nur mit einem solchen schlagfertigen Instrument, bas weltanschaulich burch- knetet unb von treue ft em Pflichtbe- wußtsein burchbrungen fei, könne bie Be­fehlsfähigkeit ber Führung nach unten voll zur Wirkung kommen. Wenn wir ben nationalsozia­listischen Staat, einen berart geschlossenen Apparat, besten Vollenbung natürlich feine Zeit erforbere, geschaffen hätten, bann liege barin eine ganz außer- orbentliche Leistung für bie Zukunft unseres Volkes.