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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Nr. 257 Zweites Matt

8reitag,2.Novembe 1934

drei

Genau so wie b e i

Tannenberg 1914, wo Rennenkampf trotz

abends Direktor

Tagsüber Lehrling

Von den 2000 Llebungsfirmen der deutschen Angestelltenschaft.

ten Mutter,

an Kuchen, Semmeln, Wein,

Butterwecken,

jetzt mit Schwesterchen spielen wolle.

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Ernst, der ihm während der Kopfarbeit eigen war i ein kleiner Wüterich, die Napoleonslocke zerzaust dieses Festes nicht weniger als 10 ^wder 30

und der, in Verbindung mit der dreieckigen Stirn-ȟber der tief gefurchten Stirn, drohend nut den Hrrfche, 40 Zicklein. 46 Kalber. 95 Schweine. 25

tätig stehen blieb und der Vernichtung seines per­sönlichen Feindes Sassanow zuschaute. Kleine Ur­

steuern. Aber auch bei den Kindbett-Schmäusen und Taufen kamen viele Gäste ins Bürgerhaus. Nachbarn, Verwandte und Bekannte besuchten die Wöchnerin un) brachten ihr Geschenke mit, und es war selbstverständlich, daß sie festlich bewirtet wurden. Auch hier mußten die Behörden Verord­nungen erlassen, damit die Gesundheit der jungen Mutter nicht durch den Gästetrubel beeinträchtigt wurde. 9r Magdeburg wurden 1544 durch eine Ratsverordnung die Wochen-Visiten an Sonn- und Festtagen untersagt und die Vorschrift erlassen, daß der glückliche Vater den Gästen nur Wein vorsetzen dürfe.Alle Geschenke und Gaben im Kindelbette : Zwischen den Gevattern und anderen Frauen, es

kante unternommen, um ihrem Vater das letzte Ge­leit zu geben. Das Ehepaar hielt sich noch einige Tage im Hause des Verstorbenen auf, das nun feinem Sohn gehörte, und fuhr dann über Ham­burg die gleiche lange Strecke zurück, auf der es erst vor einer halben Woche hergekommen war. Im Gepäcknetz über ihnen lag außer dem Koffer ein großes, flaches Paket: es enthielt ein Kinderbildnis der jungen Frau, das bis zu diesem Tage über dem Schreibtisch des Entschlafenen gehangen hatte und nun in das Eigentum der Dargestellten übergegan­gen war. Es hätte, mit den übrigen Dingen, die ihnen bei der Erbschaftsverteilung zugefallen waren, nachgeschickt werden können; indessen bat die Frau so herzlich, dieses Bild, das sie in die sorglosen Tage der Kindheit zurückversetzte, gleich mitzuneh­men, daß ihr Mann, der bei der Kürze der Reise ohnehin mit nur wenig Gepäck belastet war, gern in ihren Wunsch einwilligte.

Sie trafen am Morgen wieder in München ein und fanden die Wohnung leer; wahrscheinlich war das Mädchen, dem sie die genaue Ankunftszeit nicht mehr hatten mitteilen können, mit dem kleinen Jür­gen zum Einkäufen in die Stadt gegangen Nach­dem sie abgelegt und sich nach der Nachtfahrt er­frischt hat.en, suchten sie sofort einen Platz für das Bild ausfindig zu machen. Der Mann hätte es gern in seiner Rauchecke gesehen, seine Frau bei sich, es gab ein kurzes, freundlich-ernstes Hin und Her, schließlich schlug er vor, das Gemälde in das Spiel­zimmer des Jungens zu hängen, der, so denke er, sicherlich nicht weniger Freude an dem schmucken braun-lockigen Geschöpfchen haben werde als er selbst. Seine Frau war es einverstanden und sie hatten das anspruchslose, aber durch seine Erinne­rungen und Beziehungen werte Werk gerade an der Wand befestigt, als die Wohnungstür ging und das Mädchen mit Jürgen von ihren Besorgungen heimkehrte. Der Knabe umarmte stürmisch die El­tern, die er so lange hatte entbehren müssen, und ließ sich darauf von ihnen in sein Zimmer führen, wo, wie ihm verheißen ward, ein nicht alltägliches Geschenk auf ihn warte. Sein Blick fiel auch sofort auf das goldgerahmte kleine Mädchen und er trat langsam näher. Eine geraume Weile betrachtete er das Bild, stumm und mit dem düster-nachdenkli^n

Schlacht trotzdem ein Bild höchster Tapferkeit gegen große Ueberlegenheit, fast uneinnehmbare Stellun­gen und einen gleich tapferen Feind. Wieder zeigt sich auf preußischer Seite die wunderbare Kamerad­schaft, dasMarschieren auf den Kanonendonner", dessen Lärm alle benachbarten Truppenteile anzieht, wie das Licht die Mücken. Es ist das eine seltene Eigenschaft der Deutschen, die sich schon oft be­währt hat und noch bewähren wird.

Ganz anders bei den Franzosen. In und um Saargemünd steht das V. Armeekorps Failly , in und um St. Avold das III. Armeekorps B a - zaine, das erstere etwa zehn, das letztere etwa fünfzehn Kilometer vom Schlachtfeld entfernt. .(Siehe Skizze.)

Da er auch in der Folgezeit unbeirrt an dieser Vorstellung festhielt, ließen ihn die Eltern lächelnd gewähren. Stundenlang oft konnte er vor dem Bilde hocken, zeigte ihm alle seine Sachen, unter­hielt sich mit ihm und machte es zum Vertrauten seiner kleinen Gedanken. Freilich kostete es jetzt einige Mühe, ihn an die frische Luft zu bringen, wohin er Schwesterchen, das sein ganzes Herz aus­füllte, nicht mitnehmen konnte, und während er sonst am Sandkasten im Park eifrig mit allen seinen Altersgenossen gespielt hatte, erklärte er diese nun, besonders die Mädchen, geringschätzig fürKinder von anderen Müttern" und beachtete sie kaum noch. Die erste Zeit ging noch alles in Maßen vor sich. Plötzlich aber gefiel es ihm nicht mehr, daß Schwe­sterchen immer so unbeweglich an der Wand hing, niemals zu ihm herabstieg, niemals ihren Mund auftat. Die Eltern, erschreckt durch lautes Schreien und Tobem fnndem.ihn eines Nachmittage, wie er,

Hochzeit und Taufe vor 400 Jahren.

In der Zeit des Aufblühens der deutschen Städte ruhte das bürgerliche Hauswesen auf der sicheren Grundlage eines Handwerker-Standes, der über ein ausreichendes Einkommen verfügte. Das All­tags- und Sonntagsleben der deutschen Bürger­frau vollzog sich darum in einem ruhigen Gleich­maß, und nur die großen Familienfeste, vor allem Hochzeit und Taufe, waren von besonderem ver­schwenderischem Festesglanz umstrahlt, lieber den Aufwand bei einer solchen Hochzeit berichtet Vale- rian T o r n i u s inReclams Universum". Der Vater der Braut, der die Hochzeitsgäste durch Hoch-

Man mag im Handelsregister nachsehen und im Adreßbuch oder im Telephonverzeichnis, man mag bei "Bankfachleuten sich erkundigen oder bei Schuh­geschäften und Textilhandlungen -nirgends wird man Firmen wie etwa das Bankhaus 3E. u. Co., die Schuh­fabrik P. oder die Spinnerei und Weberei Z. ausfindig machen können. Und doch sind es lauter Unterneh­mungen mit durchschnittlich über 100 Arbeitern und Angestellten, deren Geschäftsverbindungen in alle deutschen Gaue und sogar über die Grenzen hin­aus reichen. Nur daß diese und ähnliche Firmen alle zusammen ein Leben für sich führen, nicht mit jedermann Geschäftsverkehr pflegen und überhaupt ihren Betrieb immer erst am Abend aufnehmen, wenn die normalen Werke ihre Pforten bereits ge­schlossen haben. Es sind die llebungsfirmen d e r deutschen Angestelltenschaft, deren es im ganzen Reiche weit über zweitausend gibt und bei" denen alle Geschäftszweige vertreten find, die irgendwie im praktischen Leben vorkommen.

Schein und doch Wirklichkeit.

Wohlgemerkt: es handelt sich dabei nicht etwa um eine Spielerei, wenn auch der Lehrling dabei oft den Prokuristenspielen" darf und die ganze

her. Die Mutter, fuhr der Vater fort, komme aus einem Land weit oben im Norden, nahe bei der großen Stadt Hamburg mit den tausend Schiffen; dort kleideten sich die Menschen noch heute am Feiertag so schön wie die Mutter auf dem Bild. Wenn er erst größer geworden sei, würden sie mit ihm dorthin reifen und den Großvater auf dem Friedhof besuchen. Die Erwähnung der großen Stadt Hamburg mit den tausend Schiffen brachte Jürgen fürs erste auf andere Gedanken; als aber seine endlosen Fragen alle beantwortet waren, wandte er sich flugs wieder dem Bilde zu, hüpfte feinem Vater von den Knien und erklärte, daß er

Herrlichkeit immer nur zwei bis drei Stunden eines Abends in der Woche dauert. Die Einrichtung sol­cher Scheinfirmen ist eine wirtschaftliche Tat, die nicht nur die Weiterbildung junger Angestellter zugute kommt, sondern unserem gesamten Wirtschaftsleben überhaupt. Schon die früheren An- gestelltenverbände hatten solche llebungsfirmen er­richtet und jetzt, nach der Zusammenfassung aller Angestellten in einer einzigen großen Organisation, der Deutschen Angestelltenschaft, wird dieses Firmen­wesen im ganzen Reiche immer mehr ausgebaut und unter der Führung der Hitlerjugend zu einem der wichtigsten und erfolgreichsten Mittel für die zusätzliche Berufsschulung der jun­gen Angestellten gestaltet. Keine Kurse werden hier abgehalten, keine Theorien gepredigt, sondern es wird praktische Arbeit geleistet, wie sie tag­täglich im Leben vorkommt, wie sie aber der An­gestellte oft nach zehn- und zwanzigjähriger Tätig­keit im Betriebe gleichwohl nicht kennen lernt, weil er an seinen Arbeitsplatz gebunden ist und mit dem Tätigkeitsfeld anderer, vor allem höhergestellter Kollegen, nicht oder doch nur unwesentlich in Be­rührung kommt.

zeitsbitter und Hochzeitsbitterinnen zu der Veran­staltung einlud, mußte tief in die Tasche greifen, denn die Kosten für den Hochzeitsschmaus überstie­gen oft die Höhe der Mitgift. So währte die Hoch­zeit, die der Bäckermeister Veit Gundlinger 1496 in Augsburg seiner Tochter ausrichtete, acht volle Tage. Man" speiste an sechzig Tischen zu je zwölf Personen, und > die. Gäste verzehren im Verlaus

Topfgeld schenken, dann soll dies nicht über einen Silbergroschen betragen", besagte die Verordnung. Die Frauen sollen "innerhalb der Sechswochen, in oder nach allem Kirchgang, gar keine Gasterei haben, bei Strafe von drei Mark." Ein Ulmer Ratsbeschluß beschränkte die Zahl der Eingeladenen zum ersten Bad der jungen Mutter auf drei.

Das Kinderbild.

Bon Joachim Lange

Der alte Herr Eggers war, fast siebzig Jahre alt, gestorben und feine Tochter hatte mit ihrem Manne die weite Reise von München bis an die Wasser­

beendet sein, dafür hat das Versailler Diktat bereits vorgesorgt.

Jedenfalls stehen wir heute genau wieder vor der Frage: Was wird mit dem Saar-Gebiet ge­schehen? Wird es der französischen List und Gier gelingen, das Saar-Land oder Teile von ihm trotz aller Abstimmungsergebnisse an sich zu reißen, wie es mit Ober-Schlesien geschah, oder mit Hilfe des Völkerbundes (lies Frankreich!) den sogenann­ten status quo aufrechtzuerhalten, oder wird es wieder zu einem Heb er fall auf Saar­brücken kommen, wie er im August 1870 er­folgte? AlsBeauftragte" des Völkerbundes, von dessen Urteil nach dem Versailler Diktat ja selbst bei günstigster Abstimmung des Saar-Landes für Deutschland dessen zukünftiges Geschick abhängen soll, werden dann vielleicht wieder französische Truppen von Forbach aus, das wir 1919 ver­loren, über das blutgetränkte Schlachtfeld von S p i ch e r n nach Saarbrücken marschieren, um dem Saar-Land aufs neue französische Kultur, fran­zösische Gloire und französischen Edelmut in weißer und schwarzer Farbe zu bringen?!

Jedenfalls hat die heutige Lage eine verzweifelte Aehnlichkeit mit der von 1870, die durch den Sieg bei S p i ch e r n ein für allemal zu un­seren Gunsten erledigt zu sein schien. Damals wie heute richten sich tue Blicke auf dieses französische Einfalltor nach der Saar. Denn ebenso, wie 1870 stehen hinter den Spicherner Höhen, auf denen sich jetzt starke Befestigungsanlagen der Franzosen be­finden, ihre Truppen und Tanks zur beliebigen Verwendung bereit, und ebenso wie 1870, ja noch mehr, ist Saarbrücken ungeschützt, das am 2. August 1870 wenigstens von einem deutschen Bataillon und

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Wilhelm Jansen an der Uni­versität Würzburg hat einen Rus auf den Lehr­stuhl für anorganische Chemie an der Universität Frankfurt a. M. angenommen.

Der ao. Professor Dr. med. Dr. med. dent. Karl Hauen st ein an der Universität München ist zum ordentlichen Professor der Zahnheilkunde und Direktor der operativen Abteilung des Zahnärzt­lichen Instituts der Universität Leipzig ernannt worden.

Der Privatdozent Dr. Albert Wolfgang Schmidt von der Technischen Hochschule in Breslau bat einen Ruf auf den ordentlichen Lehrstuhl für che­mische Technologie an der Technischen Hochschule in München erhalten.

drei Schwadronen gegen den Angriff von französischen Armee-Korps verteidigt wurde.

Diese Erwägungen habe ich vorausschicken zu müssen geglaubt, um zu erklären, weshalb ich es für notwendig erachte, d i e Erinnerung an die Schlacht bei Spichern zu wecken und zu erneuern. Besonders für die Jugend, die kaum noch etwas von den Heldentaten des Krieges 1870/71 weiß und doch aus ihnen Gewaltiges lernen kann.

Die Schlacht bei Spichern ist eine der merkwür­digsten Schlachen, die je geschlagen worden sind. Entstanden gegen den Willen der obersten Heeres­leitung, die erst am 9. August mit allen versammel­ten Kräften der ersten und zweiten Armee die Saar überschreiten wollte, begannen infolge des Ungehor­sams und der Hartnäckigkeit eines Heerführers (Steinmetz) und der Verschiebungen seiner Divisio­nen nach vorwärts in der Besorgnis, er könne zu spät an den Feind kommen, durchgeführt ohne eigentlichen Oberbefehl und Schlachtenleitung ledig­lich durch die Initiative der Unterführer, bietet die

Füßen aufstampfte und Schwesterchen befahl, so­gleich herunterzukommen und mit ihm zu spielen. Mit sanften Worten beruhigte die Mutter den Jun­gen, der gänzlich außer sich war, und legte ihn ins Bett, wo er sofort in fieberheißen Schlummer fiel. Das Bild wurde abgenommen und versteckt, was jedoch die entgegengesetzte Wirkung hatte: Jürgen wurde richtig krank, bangte und rief nach Schwester­chen und beruhigte sich erst, als das Bild wieder an der Wand hing. Es kam zwar zu keinem zweiten Anfall, Jürgen redete wieder friedlich mit dem Mädchen aus Farbe und Leinwand, wurde aber immer stiller und bekümmerter über ihr stetes Schweigen und ein sonst nie an ihm gekannter Hang zur Einsamkeit machte sich stärker und stärker bemerkbar. Sein Vater sagte seufzend zu seiner Frau, er wünsche den Tag herbei, an dem der Junge in die Schule komme und ein paar nette, frische Kameraden finde. Wenn sich nicht vorher doch noch ein richtiges Schwesterchen einstelle.

Und wirklich, als die kleine Renate geboren war, beachtete Jürgen das Bild mit keinem Blick mehr, er blühte auf und wurde wieder so fröhlich wie

Erinnerung an 1870.

Frankreichs Einfall in das Gaargebiet. - Oie Schlacht bei Spichern

Don Rudolf Mohr, Generalmajor a. O., Gießen.

I.

Seit dem Abdruck meines Aufsatzes in Nr. 168/34 desGießener Anzeigers" über das Gefecht bei Saarbrücken am 2. August 1870 und meinem Hinweis auf die damalige Lage im Vergleich zu der heutigen läßt sich eine Besserung der außen­politischen Verhältnisse kaum feststellen. Unsere wie­derholten Friedensangebote und die offenen, klaren Darlegungen des Führers bei jeder Gelegenheit haben auf französischer Seite bisher wenig Gegen­liebe gefunden. Im Gegenteil! Der verstorbene Außenminister B a r t h o u und mit ihm eine An­zahl französischer Blätter haben offen mit dem Einmarsch französischer Truppen in das Saar-Gebietzur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung" gedroht. Jedes Wort, um nachzuweifen, von wem zur Zeit im Saar- Gebiet Ruhe und Ordnung bedroht ist und werden

Firma der Jugend.

Wie geht es nun in einer solchen Scheinfirma zu? Kurz gesagt: wie in einem wirklichen Be- trieb. Es ist ja keine Schule, sondern eine Firma, in der jeder seinen bestimmten Posten bekleidet. Wohl werden die Uebungsleiter für ihre besondere Aufgabe in Schulungslagern noch besonders vor­bereitet und ausgebildet, aber auch sie kommen aus der Praxis und außerdem stehen ihnen be­währte Fachleute für die einzelnen Abteilungen zur Seite, die wie ine jungen Lehrlinge den ganzen Scheinbetrieb mitmachen und für eine ordnungs­gemäße Abwicklung des manchmal recht komplizier­ten Geschäftsverkehrs sorgen.

Welche Firma aus den vielerlei Geschäftszweigen man besucht, um sich ein lebendiges Bild von dem dort herrschenden Betrieb zu machen, ist ziemlich gleichgültig. Ueberall wird gleich emsig gearbeitet und überall herrscht derselbe schöne (3 e i ft der Kameradschaft, der diese Uebungsabenbe so wertvoll macht. Wenn man in basKontor" einer solchen Uebungsfirma tritt, so sieht man allenthal­ben regstes Leben: Schreibmaschinen klappern, Dik­tate werben laut, Bögen rascheln, Febern eilen über bas Papier man fühlt sich tatsächlich in bie Geschäftsräume einer größeren Firma versetzt.

Konkurs - unmöglich'

Besehen wir uns einmal etwa eine mittlere Kafseeröst- unb Lebensmittelverpackungs-Maschinen­fabrik. An beherrschenber Stelle in dem weiten und Hellen Raum sitzt der Herr Prokurist, ein ganz junger Angestellter, der gleichzeitig auch bas Sekre­tariat der Firma verwaltet. Mit strahlendem Ge­sicht versichert er, daß bas Geschäft ausgezeichnet gehe. Da er auch bie Personalabteilung unter sich hat, erfahren wir einiges über bie Auf­nahme ber jungen Leute. Da hört man mit Er­staunen, baß sich derStellungsuchenbe" zunächst einmal in aller Form unb mit entsprechenden Unter­lagen um seinen Posten in der Uebungsfirma b e werben muß unb erst nach genauer Prüfung dieser Bewerbung endgültig ausgenommen wird. So eine Stellung bei solch einer Firma ist durch­aus erstrebenswert, denn ein so gutgehendes Ge­schäft kann seine Angestellten auch recht anständig bezahlen. Die Gehälter sind genau geregelt unb er­fahren dieselben Abzüge von Krankenkassenbeiträgen, Invalidenversicherung, Steuer usw. wie im wirk­lichen Leben. Auf diese Weise lernt ber junge An- aefteUte, wenn er auch im bargeldlosen Betrieb seiner Abendfirma keinen klingenden Mammon in bie Finger bekommt, bie ganze Gehalts- unb Lohn­regelung kennen. Auch eine nach ben neuesten Be­stimmungen des Gesetzes zur Ordnung der natio­nalen Arbeit ausgearbeitete Betriebsordnung ist vorhanden, wie überhaupt alle Neuerungen unb gesetzlichen Bestimmungen auf jedem Gebiet in ber Uebungsfirma sofort praktisch zur Anwenbung kommen.

Sogar Auslands-Verbindungen.

In ber Abteilung Verkauf wird tüchtig geschwitzt. Mit heißen Köpfen fitzen drei junge Leute zusam­men, um gemeinsam ein größeres Werbeschreiben in französischer Sprache abzufassen. Nebenan klap­pern die Schreibmaschinen, Briefe an neugegrünbete Firmen, mit denen Geschäftsverbindung gesucht wird, gehen hinaus, Angebote werden behandelt. Jede Firma hat ihre eigenen Briefbögen mit Firmenaufdruck, hat Formulare und Stempel unb eine bei ber Größe bes Betriebes (jeweils rund 100 fingierte Arbeiter werben beschäftigt) nötige, umfangreiche Registratur. Die Firmenkartei weist Geschäftsverbindungen mit Englanb, Frankreich, Schweiz, Norwegen usw. aus, denn auch in biefen ßänbern gibt es llebungsfirmen, bie mit unseren deutschen in Verbindung stehen, was für die Aus­bildung der jungen Kaufleute in der Auslands- korrefpondenz besonders wichtig ist.

Die Versandabteilung hat gleichfalls alle Hände voll zu tun. Von allen Schreiben über eingegangene bzw. erledigte Aufträge und dergleichen werden fünf Ausfertigungen hergestellt, die dann im ein­zelnen an die Buchhaltung, das Lager usw. gehen.

Pfauen, 1000 Gänse, 505 Waldvögel, 1500 Fische und Krebse. 270 Gäste, die sich den Magen verdor­ben hatten, wurden am siebenten Tagewie tot" aus dem Hause getragen.Der Hochzeitsfraß ist in so trefflichen Schwung und Brauch kommen, daß es kaum etwa höher steigen und zierlicher seyn künde, und so fliessig gehalten wirb, daß auch die geringsten Handwerker biß in die sechs, sieben ober acht Tafeln voll Hochzeitsgäst' zu laben pflegen", berichtet ein Zeitgenosse. Und bie Magistrate muß­ten strenge Hochzeitsorbnungen erlasst», um ber verschwenderischen Ueppigkeit dieser Mahle zu

Wieder sah Jürgen zweifelnd zwischen dem weiß- roten Mädchen und der in ernstes Schwarz gekleide- die ihm bestätigend zunickte, hin und tter, fuhr der Vater fort, komme aus

locke, stark an gewisse Darstellungen des vom Glück verlassenen Napoleon erinnerte. Dann hellte sich sein Gesicht allmählich auf, er klatschte in die Hände, sprang hoch und erklärte auf das bestimmteste, daß nun das Schwesterchen doch noch gekommen sei.

Sein Vater sah lächelnd auf seine Frau, nahm ihn auf den Schoß und sagte ihm, dieses Bild sei ein Bild der Mutter; ein Maler habe sie mit buru ten Farben auf Leinwand obgemalt, als sie so klein gewesen sei wie jetzt er selber. Jürgen warf einen hurtigen verwunderten Blick auf die Mutter, die hoch und dunkel neben ihm stand, und schaute dann wieder seinem Vater aufmerksam, aber völlig un­gläubig in das Gesicht. Der Vater wies ihn auf die weiten weißen Aermel, auf das rote Mieder und auf bie feine Stickerei am Hals hin: so angetan sei die Mutter als kleines Kinb immer umhergegangen.

sachen ein heftiger Streit und Zusammenstoß beider Führer auf dem Bahnhof von Mukden im russisch-japanischen Feldzug große Wirkungen als Folge!

Und weiter: Genau wie am gleichen Tage b e i Wörth aus einem kleinen Vorpostengefecht, ent­steht die Schlacht bei Spichernaus einer vorge­faßten Meinung, der schlechtesten aller Operations­basen" (Urteil des Generals v. Alvensleben), näm­lich der, daß die Franzosen im Rückzug seien und nur noch eine Nachhut gegenüberstände. Da diese aber auf beherrschender Höhe der rote Berg sich befand und ein Angriff auf sie über eine weite deckungslose Ebene führte, griff man sie zuerst nur auf beiden Seiten umfassend an, während die Front unbeschäftigt blieb bzw. nur unter Artilleriefeuer genommen wurde. Das widersprach direkt allen Grundsätzen der preußischen Armee, in denen nach­drücklich gefordert wurde:Vorbedingung für die Umfassung ist Fesselung des Feindes in ber Fron t." Am hervorragenden sehen wir biese Grundsätze bei Tannenberg befolgt, wo das XX. Armeekorps die Russen tagelang in der Front fesselte und die Hauptlast des Kampfes trug, da­für aber auch den übrigen Korps die Umgehung auf beiden Flügeln und die Einschließung der Narew-Armee ermöglichte.

Ein ähnlicher großer Erfolg hätte sich auch bei Spichern durch eine allerdings unbewußt großzügig angelegte und den größten Erfolg versprechende Aktion beinahe erzielen lassen. Die 13. Division des VII. Armeekorps war für den 6. August zum lieber« schreiten der Saar bei Völklingen angesetzt worden und dort 11 Uhr vormittags ohne Kenntnis des bei Saarbrücken entbrannten Kampfes eingetroffen. Erst um 2 Uhr nachmittags ging die erste Nachricht über die Schlacht ein und brachte die Division wie­der in Richtung auf Forbach in Bewegung, wo sie etwa um 5 Uhr nachmittags eintreffen und eine geradezu unberechenbare Wirkung hätte erzielen können. Denn Forbach war nur mit schwach«» französischen Kräften besetzt und der Stoß der 13. Division hätte direkt in den Rücken des noch kämpfenden Armeekorps Froffard geführt. Eine Katastrophe schlimmster Art wäre die Folge ge- mefen. Aber das Glück war mit den Franzosen. Sehr mangelhafte Aufklärung, schlechte Verbindung und sich kreuzende überholte Befehle ließen die 13. Division erst bei Eintritt der Dunkelheit vor Forbach erscheinen und von einem Angriff auf die in Wirklichkeit ganz schwachen französischen Postie- rungen absehen. Ein Jammer! Denn der Erfolg wäre ein Tannenberg gewesen ober hätte es wer­den können.

(Schluß folgt.)

früher.

Sie sei noch ein bißchen klein, erklärte er von der neuen" Schwester, aber sie schreie doch und stram­pele mit Armen und Beinen. .

Sein Vater konnte das Kinderbild seiner Frau Geld usw. sollen ganz und gar abgeschafft sein. Will über den Rauchtisch hängen, ohne daß Jürgen auch aber eine Mannsperson den Frauen und Mägden nur ein Wort darüber verloren hätte. ~ ..... * * ............

kann, mürbe 311 Diel fein. Immer mehr Versuche i Deuiiich schalli der Kanonenbonner zu beiben her­ber Franzofenfront, Verwirrunq zu stiften ober bie 1 über, fnlfe beischenb! Dach k e 1 n er rührt sich, Abstimmung zu verschieben, treten in bie Erschei- derkluge Gelehrte, ber Prmzen-Erzieher Fros- nung. Man weih unb fühlt es, baß ber Abstim- l°ri> kann ja zeigen was er tann unb feinen mungstag ein gewaltiger beutfdjer Sieg werben Kampf allein ausfechten. *'

wirb unb macht verzweifelte Anstrengungen, ihm $ a n n bc ? ? 1 4 , WO Rennenkampf trotz

möglichst Diel Steine in ben Weg zu werfen. Mit aller Befehle feiner Borgefetz en, rotz dreitägigen bem 13. Januar wirb ber Kampf noch lange nichts Kanonendonners ,n feiner linken Flanke, trotz aller - - - -- ---- - Hilferufe der umzingelten Narew-Armee fast un-

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