Die Jahresfeier der Ltniverfiiät
en - geordnet, einen Bri-fwechjel.mit Miß Grab. Fand Ann nächften Margen ließ sie sich °°n der Zas-
geordnet, einen Brtefroea)jei mir ’-uciß U/rao. uu,,u Sie Briefe, die Ebele an Malte und Malte an Edele
Nachdruck verboten!
19 Forttetzung
Was mein einst war...
Vornan von Klothilde von Stegmann Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme. Verlag Halle (S.)
Am Samstag feierte unsere Universität, wie in jedem Jahre, ihr S t i f t u n g s f e st. Am Vormittag fand der traditionelle
Festakt in der Aula
statt. Die Aula war aus Anlaß des „Dies acade- micus“ festlich geschmückt. Schon lange vor Beginn der Feier war sie bis zum letzten Platz besetzt. Die Korporationen waren vollzählitz mit Fahnen und Chargierten erschienen. Pünktlich begann die Jahresfeier mit einem schneidig vorgetragenen Marsch und mit dem Einzug des Rektors, des Kanzlers und der gesamten Dozentenschaft. Der akademische Gesangverein brachte unter Leitung von Professor Dr. Temesvary einen Chor: „Lied der jungen Schar" wirkungsvoll zu Gehör. Nach diesem Liede bestieg
Er. Magnifizenz der Rektor Professor D. Bornkamm.
entschwunden war. *
Madame de Lormes hatte inzwischen surchtbare Tage verbracht. Zwar sllhrte sie das Leben weiter, das Liewen ihr aufgezwungen hatte, lachte, scherzte, war in dem eleganten Hotel zum Nachmittagtee und abendlichen Bällen. Sie zog die Manner wie -ine Circe hinter sich her, an den Spieltisch wo die Kreaturen Li-wens arbeiteten und mit gesaftch- ten Karten den verzauberten'Männern, die neben Madame de Lormes alles übersahen, das Geld Qbslbe™unter der lächelnden schonen Maske die Madam- de Lormes trug, bebte d,e Angst. Was war mit jener Edele, deren Bild ft- gesunden hatte? Was war mit der plötzlichen Reise Siemens? S,e muhte Gewißheit haben.
Unter dem Vorwand, daß ein Kasten in ihrem Toilettentisch nicht schlösse, »erschafft- sie sich b-> einem Schlosser verschiedene Schlussel und schlich sich abends durch die geheime Verbindungstur m ^enbüd)^fönb'lie' einen Schlüssel, der den Schreib- tisch ausschlotz. Sie zwang ihre bebende Erregung nied-ri st- muhte ganz behutsam suchen, damit Liewen keine Veränderung in der Lage der ver- schiedenen Schriftstücke und Briese bemerkte Endlich fand sie, wonach sie spähte. Fand einen Aktendeckel mit der Notiz „Edele". Fand, nach Jahrgangen
geschrieben hatte.
Mit tiefer Wehmut las sie die rührenden, kindlichen Briefe dieses unbekannten Mädchens, und Maltes ungelenke, scheue Knabenworte. — Rein und herzergreifend stand hier das Werden einer jungen Liebe vor ihr, — erinnerte sie an eine Zeit, in der sie selbst jung, rein, vertrauend und schuldlos gewesen war. cvx.
Das war die Zeit, ehe sie Liewen in Biarritz kennengelernt hatte. Damals war sie ein gehütetes, unschuldiges junges Menschenkind gewesen, wie jene Edele es sein mußte. Aber was hatte Liewen mit diesem Mädchen, das fast noch ein Kind war, vor?
Da fand sie zuletzt, sorglich chronologisch geordnet, die Bilder, die man von Edele auf der Insel Wight gemacht hatte. Wie Schuppen fiel es ihr von den Augen. Dieses wunderschöne, kindhafte Mädchen mit den sinnend rührenden Augen in dem engelhaften Gesicht — es würde ihre Nachfolgerin werden. Mit einem Laut der Verzweiflung riß sie die Bilder nochmals hervor — sah sie an, prüfte jeden Zug.
Oh, man konnte sich auf Siemens Kennerschaft verlassen. — Dies Mädchen würde einmal alle Frauen an Schönheit überstrahlen, auch sie selbst. Aber sonderbar, zum ersten Male, daß sie keinen Haß empfinden konnte gegen eine Nebenbuhlerin. Zum ersten Male, daß sie nicht in wilder Leidenschaft aufflammte, daß in Ihr nicht der Wunsch aufstieg, die Rivalin zu vernichten, unschädlich zu machen. v .
Angesichts dieses flehenden Kindergeslchts, das aus dem Bild sie ansah, empfand sie nichts als heißes Mitleid. Es war, als stiege ihre eigene Jugend vor ihr auf und flehte um Schutz und Rettung. v ,
Tränen dunkelten Madame de Lormes Blick — wieder ein Opfer mehr in der langen Kette! Und würde dies kindhafte Mädchen das letzte Opfer fein? Es war genug, übergenug! Es mußte ein Ende haben. Für sie war ja doch alles vorbei. War diese Edele nicht ihre Nachfolgerin, so würde es eine andere sein. Aber vielleicht hatte das Geschick bestimmt, daß sie sich entsühnen sollte, durch die Rettung dieses Mädchens mit den traurigen Kinder- äugen. v .
Ein wundersamer Glanz kam in Madame de Lormes' Augen — scheu strich sie mit der Hand über das Bild Edeles, ein heimlicher Entschluß keimte in ihr huf. Sorgsam schichtete sie die Bilder wieder zusammen, legte sie in eine Mappe; aber von den Briefen nahm sie diejenigen, die Liewen am stärksten belasteten, sowie einige Briefe von Edele und Malte an sich.
Dann verschloß sie den Schreibtisch, zog den Schlüssel ab und schlüpfte wieder in ihr Zimmer.
Lange lag sie wach und überlegte ihren Plan. Erst gegen Morgen, als sie endlich einen Weg sah, fiel sie in einen unruhigen Schlummer.
das Frühstück bringen, dann schloß sie sich in ihr Zimmer ein und begann einen Brief zu schreiben. Bogen um Bogen füllten sich mit ihrer Schrift. Endlich am Mittag war sie fertig. Sie versiegelte den Brief. Er war an den einzigen Menschen be- stimmt, von dem sie auf der Welt wußte, daß er ihr seine Hilfe nicht versagen würde. Und sie schickte ein heißes Gebet zum Himmel, daß dieser Brief zur richtigen Zeit in die richtigen Hände kommen möge.
Und als hätte ihr Gebet einen magischen Einfluß auf die Geschehnisse: am gleichen Tage kam Madame de Lormes auf die Spur von Siemens jetzigem Aufenthalt. Sie sah, wie sie an der Telephonzelle des Schreibzimmers im Hotel vorüberging, daß einer der Angehörigen von Siemens Bande rntt allen Zeichen der Erregung ein dringendes Gespräch nach einem Tiroler Bergdorfe verlangte. Wie em Blitz fuhr es durch Madame de Sannes' Gedanken, daß dieses dringende Gespräch mit Siemen zu tun
haben müsse.
Während der Mann mit dem Rucken zu ihr stand, schlüpfte Madame de Sormes eilig in die danebenliegende Telephonzelle und lauschte atemlos. Bald hörte Madame de Sormes ihn in einer Ge- Heimsprache sprechen, aus der die Erfahrene genau erkannte, daß der unsichtbare Teilnehmer am anderen Ende der Seitung kein anderer sein konnte als Siemen.
Nun mar alles klar. Der kleine Ort, von dem Celia in ihrem Briefe an Siemen gesprochen hatte, mar der gleiche, von dem aus Siemen jetzt mit dem Manne telephoniert hatte. Vermutlich hatte er jene Edele dort verborgen, und mer sie retten mollte, mußte sehen, dort hinzukommen.
Madame de Sormes martete, bis der Mann aus der Telephonzelle heraus mar. Dann ging fie eilig an einen der kleinen Schreibtische und fugte ihrem Briefe noch ein Postskriptum mit der mutmaßlichen Adresse Siemens in dem kleinen Tiroler Dorfe an. Zum Schluß verschloß sie den Brief sorgfältig und trug ihn selbst zur Post.
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Am Abend martete der Marquis d'Estrelle ver- geblich auf Madame de Sormes, die versprochen hatte, mit ihm zu soupieren.
Statt ihrer erschien die Zofe und teilte ihm mit, daß Madame sich stark erkältet fühle und leider den Abend mit dem Marquis nicht verbringen könnte. Sie hätte sich gelegt und müßte ein paar Tage das Bett hüten. Die gleiche Nachricht erhielten auf Ummegen die Genossen der Spielerbcmde die in Siemens Abmesenheit den kleinen Spielsalon leiteten. Madame de Sormes aber, in ihrem Zimmer, ging geräuschlos hin und her und packte in ihren kleinen Suitcase die nötigsten Sachen für eme kurze Reise. Dann suchte sie das unauffälligste, schlichteste Kostüm, das hinten vergessen im Schrank hing, einen kleinen dunklen Hut mit einem Schleier unb zog sich an. (Fortsetzung folgt.)
das festlich geschmückte Rednerpult, stürmisch begrüßt von der Festversammlung.
Nach kurzen Worten der Begrüßung führte der Rektor ungefähr folgendes aus: „In einem so schicksalsvollen Jahre, mo die an die Hochschulen gestellten Aufgaben härter waren als sonst, ist es der Sandesuniversität ein besonderes Bedürfnis, wie alljährlich öffentlich Rechenschaft abzulegen von ihrer Arbeit. Wenn es nach altem akademischen Brauch die erste Pflicht des Rektors ist, aus feinem Fachgebiet ein Beispiel der wissenschaftlichen Arbeit der Universität zu geben, so muß er sich in einem solchen Jahre bewußt (ein, daß nicht eine beschauliche geschichtliche Betrachtung seine Aufgabe fein kann." Professor Bornkamm wählte daher als Kirchenhistoriker das Thema, das hinter den religiösen Kämpfen der Gegenwart in ihren breitesten Fronten verborgen ist: „P r o t e st a.n t i s m u s und Mystik". Er sagte: Nicht vergangene Mächte werden damit beschworen, sondern die Fragen des Menschen der Gegenwart, der in der Natur draußen, im Rauschen seines Blutes oder im Adel seiner
Mit diesem Bescheid wurde Malte entlassen — und wußte, daß nun keine Hoffnung mehr war, denn bis die Recherchen eingeleitet und durchgeführt worden wären, konnte das Schrecklichste schon ge= chehen sein. Und als er im Hotel erfuhr, daß Herr von Siemen mit Mündel und Gesellschafterin noch in der Nacht abgereift sei, da nickte er bitter. — Es war schon zu spät. Edele war ihm entrissen und ging einem furchtbaren Schicksal entgegen.
Er packte seinen Koffer — er mußte fort, fort von hier, wo ihn alles an Edele erinnerte. Sem Herz war tot, ihm war, als wäre er elendig gestorben — nichts konnte er mehr denken, nichts üblen, leer und öde lag das Sehen oor ihm.
Auf dem Bahnhof von Baden-Baden angelangt, wußte er noch nicht einmal, wohin er fahren sollte. Der Hoteldiener glaubte, sein Auftraggeber wäre nicht ganz bei Verstand, denn auf seine Frage: „Zu welchem Zug soll ich das Gepäck aufgeben? , bekam er die Antwort: „Zu dem ersten Zug, der geht — ganz egal wohin. Holen Sie nur eine Fahrkarte." Kopfschüttelnd ging der Trager und nahm eine Karte zu dem erstbesten Zug. Er wartete immer noch, daß der merkwürdige junge Herr sich im letzten Augenblick besinnen und ihm die Karte zurückaeben würde. Aber Malte sah nur ganz gleichgültig auf das Bellet: „Gut!" sagte er und folgte
Als er^in seinem Abteil in der Ecke saß, fchlof} er wie in tiefer Erschöpfung die Augen; er wollte nichts mehr sehen von der Welt, aus der ihm Edele
** D i e Vorgänge in München und In Berlin wurden am Samstag sowohl, wie gestern in unserer Stadt mit völliger Ruhe und in festem Vertrauen zum Führer ausgenommen Durch Rundfunk wurde die Bevölkerung fortlaufend und mehrfach wiederholt über den Gang der Ereignisse unterrichtet. Auch am Sonntag wurde der Nachrichtendienst der Regierung durch Inanspruchnahme des Rundfunks fortgesetzt. Da für unsere Stadt die Möglichkeit der Benachrichtigung der Bevölkerung durch Herausgabe von Extrablättern bis zur gestrigen Mittagsstunde nicht zweifelsfrei klargestellt war, muh sich die Heimatpresse auf die Unterrichtung ihrer Leser in der heutigen Ausgabe beschränken.
** Eine öffentliche Versteigerung von Fahrzeugen (Auto, Motorrad und Fahrrad) kündigt die Polizeidirektion Gießen in unserem heutigen Anzeigenteil an. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen.
** Der Reichsbund Volkstum und Heimat, Ortsring Gießen, veranstaltete am gestrigen Sonntag eine pflanzenkundliche Wanderung in den Hangelstein, die unter Füherung von Prof. Dr. Funk stand und der sich rund 50 Natur- und Heimatfreunde aus Gießen, Wieseck und Rödgen angeschlossen hätten. Nachdem Prof. Funk kurz den Boden und feine Zusammensetzung geschildert hatte, auf dem der Bergwald des Hangelsteins steht, betonte er, daß die eigentliche Zeit der „Spezialitäten" des Berges vorüber sei. Denn diese Pflanzen gehören der Vorfrühlings- und Frühlingsflora an und verleihen um diese Zeit dem dortigen Wald seinen Blütenreichtum. Wenn also bei dieser Wanderung mehr nur das Alltägliche gezeigt werden konnte, so ergeben sich doch
auch setzt für den Menschen, der mit offenen Augen die Natur durchstreift, eine Menge von Beobachtungsmöglichkeiten. Es kam dem Führenden vor allem darauf an, feinen Hörern die Pflanzengemeinschaft Wald zu zeigen in ihrer verschiedenen pflanzlichen Zusammensetzung, je nachdem ob wir uns auf der Süd- ober Nordseite, auf Basalt oder tonigem Sandboden, auf trockenem oder feuchtem Untergründe, im Sichtholz oder Schattenholze befinden. Hinzukommt ferner, daß der Hangelstein einen gewissen Reichtum an verschiedenen Holzarten aufweist, die in ihren Vertretern gezeigt werden konnten. Auch Krankheitserscheinungen wie Fichtenrost, Blasenrost der Weymouthskiefer u. a. ließen sich beobachten. Der Anblick zahlreicher verstümmelter Seidelbaststräucher lieh den Wunsch und die Bitte laut werden, im kommenden Frühjahr durch Warnung und Belehrung mitzuhelfen bei der Erhaltung dieses herrlichen Schmuckes unseres Wal- des und in hartnäckigen Fällen gegen Verstöße gegen das Naturschutzgesetz mit Strafen einzuschreiten. Bei kurzer Rast mit herrlichem Blick auf das Sumbatal unb seine Höhenwälber sprach Kulturinspektor Vogt in seiner Eigenschaft als Vertrauensmann für Naturschutz über bie beabsichtigte Jnschutzstellung ber gesamten Pflanzenwelt bes Hangelsteins unb teilte mit, bah bie hessische Regierung die baldige Bearbeitung ber Frage in Aussicht gestellt habe. Am Schlüsse ber Wanberung, bie über bie prachtvolle „Schöne Aussicht" führte unb bort bie ganze Schönheit unserer Heimat auf Auge unb Herz wirken ließ, bankte Ortsrinaführer Dr. Michel bem Führenden und bat alle Teilnehmer, weiterhin für die Arbeit des Ortsringes zu wirken, der die große Aufgabe hat, Volk und Heimat wieder miteinander in lebendige Fühlung zu bringen.
Menschen im Seelengrund und in der Natur draußen umfange. So bleibe in der Mystik die Frage ber Schuld ungelöst. Sie durchschlage radikal die traumhaft schöne Ausflösung des Ich in dem übermächtigen Sehen ber Natur. Sie komme in dem Menschen, der um Verantwortung wisse, auch dort nicht zum Schweigen, wo er sich des angeborenen Adels seiner Seele trösten möchte. Der Mystiker könne sie höchstens abstreifen. Aber er streife damit zugleich sein Ich ab, aus dessen Geschichte nicht gestrichen werden dürfe. Mit dem echten Personsein des Menschen sei das Ernstneh- men ber Schuld untrennbar verbunden. Und echte Person werde der Mensch erst dort, wo er sich von Gott ganz gefordert wisse. Die Aufgabe des Hi« storikers sei erschöpft, wenn er versucht habe, den Wesensunterschied der beiden Religionsfvrmen, des Protestantismus und der Mystik aufzudecken. Der Protestantismus müsse gegen jeden Versuch, ihn zu einer Reformation aus dem Geiste der Mystik zu überreden, einen harten und entschlossenen Grenzkampf führen. Die Wiederaeburt, deren der Protestantismus bedürfe, so schloß Der Rektor, könne ihm nur aus den Quellen seines eigenen Wesens unb bem Gesetz seiner eigenen Senbung kommen.
Nach ber Festrebe bes Rektors fang ber Chor das Sieb von Prof. Temesvary „Deutscher Glaube". Im Anschluß daran begrüßte der Rektor den inzwischen eingetroffenen Vertreter der Hessischen (Staatsregierung, Ministerialrat Ringshausen, der es trotz Arbeitsüberlastung möglich ge- macht hatte, zu dem Festakt zu erscheinen. Seme Magnifizenz verlas dann einen
Auszug aus der Iahreschronik der Landesuniversität.
Zuerst gedachte er der Angehörigen der Universität, die im vergangenen Jahre durch den Tod abberufen wurden. Zum Gedächtnis der Verstorbenen erhoben sich die Anwesenden von ihren Plätzen.
Er sagte dann u. a., daß in diesem Semester an unserer Hochschule 1584 Studenten immatrikuliert seien. Ferner sprach er von der neuen Verfassung, die die Sandesuniversität am 15. Oktober 1933 erhalten habe und erwähnte besonders die Ernennung von Prof. Dr. Hummel zum Kanzler' Weiter berührte er noch die neuen Satzungen des Studenten- Werkes und bas am 6. Dezember v. Js. von unserem Gauleiter Sprenger eingeweihte Kamerab- schaftshaus ber Gießener Stubentenschaft. Wie alljährlich würbe auch bei bieser Jahresfeier ber Ruf ■ nach einer Turnhalle für bie Universität laut. Am i Schlüße ber Jahreschronik sprach bann ber Rektor , noch von ben Stiftungen für bie Universität unb ' dankte im Namen dieses Institutes dafür.
Anschließend gab Prof. D. B o r n k a m m die Er« : gebniffe ber
Bearbeitung der preisaufgaben
i bekannt. Preisträger würben:
1 stud. theol. Rubolf Damerau mit einer [ Arbeit über bas Thema: „Die Sehre von ber Offen- - barung unb bem Worte Gottes bei Gabriel Biel .
Seele Gott unmittelbar genug spürt, um alle Gedanken unb Bilder von ihm darüber fahren zu lassen. Alle Mystik habe ihr Ziel, so fuhr der Rektor fort, in einer unmittelbaren Gottesgewißheit. Es erhebe sich die Frage: „Ist in der Mystik nicht die wesensnotwendige Fortbildung des Protestantismus gewiesen? Ist Widerstand dagegen nicht ein Sichklam- mern an eine überwundene Stufe der Religion?" Die Frage werde verstärkt durch bie geschichtliche Behauptung, ber Protestantismus sei selbst aus ber Wurzel ber mittelalterlichen beutschen Mystik (Meister Eckhart, Tauler) entsprungen. Diese Anschauung sei aber, obwohl man sie heute in neunzig von hunbert Büchern über bie Geschichte bes beutschen Geistes lesen könne, grunbfalsch. Sie träfe roeber für Suther zu, ber vor feiner Bekanntschaft mit ber beutschen Mystik alle wesentlichen Erkenntnisse in einem bitter einsamen Ringen erworben hätte, noch für bas beutsche Volk. Denn bie beutsche Mystik des Mittelalters wäre überroiegenb eine Klosterbewegung gewesen unb bränge nur wenig in breite Volkskreise. Es hätte stärkerer Energie beburfi, um bie Revolution Suchers zur (Entlobung zu bringen. Wenn also bie Geschichte ein einbeutiges Urteil über bas Verhältnis von Protestantismus unb Mystik versagt habe, so bleibe nur bie Aufgabe, es aus ber Wefensbestimmung von beiben selbst zu entwickeln. Dazu müßten beibe über ihre Deutung ber Wirklichkeit befragt werben. Zunächst ihre Deutung ber Natur. Die Naturmystik sei bie reichste Quelle bes reliaiösen Empfin- bens bes mobernen Menschen. Aus der Mystik der Renaissance (Giordano Bruno) sei ein pantheistisches Naturempfinden in Deutschland eingeströmt, bas im jungen Goethe seinen schönsten Ausbruck unb bei Schleiermacher bie stärkste Berührung mit bem Christentum gefunben habe. Sucher sei mit ber Mystik einig in ber innigen Durchbringung ber Welt durch Gott. Sein Gott sei ebenso wenig wie der Goethes „ein Gott, der nur von außen stieße". Aber er habe die Wirklichkeit anders als die harmonische Naturmystik geschaut. Tod, Kampf und Seid in der Natur hätten es unmöglich ge
macht, Gott eindeutig aus ber Natur zu erkennen. Darum verbecke bie Natur Gott, statt ihn zu offenbaren. Eine bebeutenbe Verbinbung lutherischer unb mystischer Naturanschauung zeige die Mystik Jakob Böhmes. Auch in ber Deutung bes menschlichen Daseins sei bie Mystik, z. B. Meister Eckharb geneigt, bie harten Seiten ber Wirklichkeit zu übersehen. Sie wolle ben Menschen gegen Seib unempsinblich machen unb rufe ihn heraus aus ber Welt bes Streites. Sie fei barum keine kämpferische Religion. Auch bie Tiefe ber eigenen Seele, in ber sie bie Gottesbegegnung suche, sehe nach Suchers Ueberzeugung anders aus, als die Mystik sie schildere. Die Mystik halte die Schuld bes Menschen für etwas Wesenloses, wäh- renb sie nach protestantischer Auffassung aus bem Ich bessen, ber sie begangen habe, nicht ausgestrichen werben könne. Die Mystik wolle baher folgerichtig bas Ich bes Menschen überhaupt auslöschen. Sie entpersönliche ihn, benn bas wahre Wesen liege allein in ber überinbioibuellen Einheit, bie ben
Der Kommissar sah ben aufgeregten jungen Mann mit eigentümlichen Blicken an:
„Hören Sie", meinte er etwas scharf, „Sie sollten es sich überlegen, ehe Sie einen Menschen so ohne Beweise verbächtigen. Was soll benn Herr von Liewen mit bieser jungen Dame Furchtbares Vorhaben? Sie denken sicherlich an Mädchenhand^ unb so. Lieber Herr, bas kommt eigentlich nur noch in Romanen vor, aber nicht mehr im Sehen!
Unsere Häfen finb jebenfaUs so gut bewacht, und unsere Polizei ist so gut organisiert, daß es verdammt schwer fallen dürfte, ein junges Mädchen gegen ihren Willen außer Sandes zu bringen, unb vollenbs zu solchen Zwecken, wie Sie vermuten. Nein, nein, bas sinb alles Phantasien, bie bas Publikum aus Schauerromanen schöpft. — Der Vormunb will eben nicht, baß fein Munbel sich so jung binbet. Das mag für Sie bedauerlich sein, aber es ist gesetzlich nichts dagegen zu machen.
„Aber verstehen Sie doch!" schrie Malte außer ^er Kommissar erhob sich und machte eine halbe Bewegung:
„Wenn Sie durchaus auf Ihrem Verdacht bestehen, Herr, dann wenden Sie sich bitte an ben norwegischen Konsul — bem liegt ja vertragsmäßig der Schutz seiner Sandsleute ob. Erst wenn der einen Grund zum Einschreiten sieht, sind wir zuständig."
Der Ton des Beamten war scharfer geworben. Malte wollte noch etwas sagen, aber bann schwieg er unb lief grußlos hinaus. Der Kommissar sah ihm nach:
„Auch einer, ben bie Eisersucht Gespenster sehen läßt", sagte er halblaut zu bem Aktuar hinüber. „Wofür bie Polizei alles gut fein soll?!"
Unb mit einem kleinen Seufzer vertiefte er sich in ben Morgenrapport.
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Mit müden Schritten kam Malte eine Stunde später von dem norwegischen Konsul zurück. Der Konsul hatte seine Erzählung ebenso ungläubig angehört wie der Polizeikommissar.
Aus Maltes Drängen hin erklärte er sich endlich bereit in Norwegen recherchieren zu lassen, ob es mit der Vormundschaft des Barons von Siemen feine Richtigkeit habe.
Wenn dort alles in Ordnung ist, mein Herr, dann können wir nichts tun — unb wollen es auch nicht!"
diaskopifch projiziert unb durch einen Futterungs- oersuch würbe gezeigt, wie biese Spinnentiere ihre Beute ergreifen unb töten.
Nie Reichskolonialflagge weht.
Die Mitglieber ber Vereinigung für koloniale Wiebergewinnung unb eine Anzahl Gäste hatten sich am gestrigen Sonntag um 11.30 Uhr zur feierlichen Hissung ber Reichskolonialflagge zusammen- gefunben.
Kolonialfreunb Holtz -Winbhuk ergriff bas Wort zu einer kurzen Ansprache unb führte u. a. folgenbes aus: Wenn heute am Tage bes 50jährigen Kolonialjubiläums am Mast ber Bereinigung für koloniale Wiebergewinnung bie Reichskolonialflagge hochgehen wirb, so soll uns bieser Festakt mit erneutem Nach- bruck an bie Forberung auf Wieberherausgabe unserer geraubten Kolonien erinnern. Es ist bies bas erste Mal im jungen Deutschland baß in unserer Heimatstabt Gießen, dem jahrelangen Sitz kolonialen Schaffens und Wirkens, diese Fahne gehißt wird. Zusammen mit bem siegreichen Revolutionsbanner unb ber alten ruhmreichen schwarz-weißroten Flagge soll bte uns immer ein Symbol sein an unsere vorerwähnte Forberung, bie Kolonien zurückzuerobern, so lange sie von fremben Mächten verwaltet werben. Neuen Mut unb Schaffenskraft soll uns bie Fahne verleihen, bis bas Moraenrot bes Tages anbrechen wirb, an bem jene Sanbe, geschaffen burch beutschen Geist unb beutsche Arbeit, wieder unser Eigentum finb. Dort im Süden unter der heißen Tropensonne Afrikas liegt so mancher tapfere deutsche Soldat und mutiger Kolonialpionier begraben. In dieser Feierstunde geziemt es uns, daß wir uns ihrer Entbehrungen und ihres Heldenmutes erinnern. Niemals dürfen wir es dulden, daß unsere Kolonien für immer in ben Besitz frember Mächte übergehen.
Es erfolgte bann bie Flaggenhissung, unb mit einem breifachen „Sieg-Heil!" auf unser Deutsches Vaterlanb, seinen starken Führer Aböls Hitler unb ben kolonialen Berbänben würbe bie einbrucksvolle Feier geschlossen.
Anschließenb fanb bie Besichtigung bes Vereins- heims statt.
GratiSzündhölzer beim Tabakwarenkauf verboten.
Das Einigungsamt für Wettbewerbsstreitigkeiten beim Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstag hat einen Spruch gefällt, der sich mit der unentgeltlichen Verabfolgung von Zündhölzern beim Verkauf von Tabakwaren befaßt und für den Einzelhandel von erheblicher Bedeutung ist. Der Spruch lautet: Die unentgeltliche Verabfolgung von Zündhölzern in Buch- und Schachtelform beim Verkauf von Tabakwaren im Kleinhandel an ben Verbraucher ist als verbotene Zugabe im Sinne ber Verorbnung vorn 9. März 1932 anzusehen.
Es hanbelt sich bei bem oorliegenben Fall um Zünbhölzer in Buchform, sog. Jupiterzünbholzer. bie auf ber Innenseite ben Stempelaufbruck bes Beklagten trugen, ferner Zünbhölzer in Schachteln, bet welchen auf ber Vorberseite die gedruckte Firmen- angabe des Beklagten aufgetlebt war.
Vornonzen.
— Tageskalender für Montag: Ortsgruppe Gießen-Ost, 20.30 Uhr, Cafä Leib, Schulungsabend. — Amt für Beamte, Fachschaft Reichspost, 20.30 Uhr, Haus der Deutschen Arbeitsfront, Schulungs- und Kameradschaftsabend. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, „Polizeiakte 909". — Verein ehemaliger 116er, 20.30 Uhr, „Poftkeller", außerordentliche Mitgliederversammlung.
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** Wechsel im Vorstand ber Luft- Verkehrs - Gesellschaft Oberhessen- Lahngau. An Stelle ber ausgeschiebenen Vor- ftanbsmitglieber ber Luftverkehrsgesellschaft Ober- Hessen-Lahngau Hauptmann Behrenbs unb Regierungsrat Schmibt ist Provinzialrat Vogt in Gießen zum Vorftanbsmitglieb ber Luftverkehrsgesellschaft Oberhessen-Lahngau bestellt worben.


