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Hr. |5t Drittes Blatt
Montag, r.Zuli 1434
Metzen« Anzeiger General-Anzeiger für Gbertzetzen)
Hundertjahrfeier des Männerchors Grünberg.
Gruppensingen des Kreises Ohm-Lumdatal.
Wiedersehensfeier der Vereine des ehemaligen Lahntal-Gängerbundes.
'+ Grünberg, 1. Juli. Als Auftakt dieser Veranstaltungen fand am Samstagabend in der Turnhalle ein
Festkonzert
des Jubelvereins statt. Kaum vermochte die bedeutend erweiterte Halle die Zahl der Festbesucher zu fassen. Neben dem starken Besuch aus allen Kreisen der Einwohnerschaft, den man als Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung des Vereins deuten kann, war schon eine stattliche Zahl Sangesbrüder, vor, allem solche des früheren Lahntal-Sängerbundes, eingetroffen.
Um es vorweg zu nehmen: der Verein kann stolz auf diesen Abend sein, einmal auf seine Darbietungen, dann aber auch auf die ihm erwiesenen
die staatlichen Organe die kulturelle Arbeit eines Vereins, der auf eine bis jetzt in unserer Provinz noch nicht erreichte Lebensdauer zurückblicken könne, wohl zu würdigen wüßten und ihm ihre Unterstützung leihen würden, denn sie sehen darin aufbauende Kräfte zur Volksgemeinschaft, wie sie der neue Staat erstrebe. Er schloß mit dem Wunsche, daß der Männerchor Grünberg auch in dem zweiten Jahrhundert seines Bestehens in gleicher Weise weiter arbeiten und reicher Segen auf seiner Arbeit ruhen möge.
Bürgermeister Dr. M i l d n c r übermittelte die Glückwünsche der Stadtverwaltung. Er betonte, daß die Stadt dem Verein Dank schulde, da er sich stets bereitgefunden habe, bei öffentlichen Feiern mitzuwirken. Als Geschenk überreichte der Redner sechzig
schloß mit dem Wunsche, daß auch jetzt sich Männer finden würden, die bereit seien, das Werk weiterzuführen, das jene Männer im Jahre 1834 begannen. Auf Staatskosten erhält der Verein — wie der Redner bekanntgab — den zweiten Band des Volksliederbuches.
Vertreter einzelner früherer Bundesvereine des Lahntal-Sängerbundes überreichten mit kurzen An- irachen Geschenke, u. a. Dillenburg, als einer der jründervereine des Bundes, Heiterkeit (Gießen), Frohsinn - Quartettverein (Gießen), telegraphische Glückwünsche lagen vor von Weilburg, Braunfels, Londorf. Sogar aus Amerika hatten zwei geborene Grünberger, die Gebrüder Riess (Neuyork), ein Glückwunschtelegramm gesandt.
Drei verdiente Sangesbrüder des Vereins: Karl Re eh, Wilh. Lehmann und Hch. Werner, die auf eine 30jährige Sangestätigkeit zurückblicken können, erhielten Ehrenurkunden.
Mitternacht war schon vorüber, als der Vereins- walter, Uhrmachermeister Rich. Jöckel, mit Dan- kesworten für die vielen Ehrungen, sowie an alle Mitwirkenden den in der Geschichte des Vereins bedeutungsvollen Festabend schließen konnte.
Das letzte Musikstück klang aus in das Deutschlandlied und das Horst-We'ssel-Lied, die von den Versammelten begeistert gesungen wurden.
Kruppensingen
des Kreises Ohm-Lumdatal.
Der Sonntagmorgen brachte mit den fahrplanmäßigen und den von der Bahnverwaltung eingelegten Sonderzügen große Scharen von Sängern. Sonderzüge kamen von Gießen, Lollar, Kirchhain über Burg-Gemünden und auf der Butzbach—Licher Strecke. Mit Musik wurden die Vereine an der Bahn abgeholt und nach der Turnhalle geleitet. Hier fand pünktlich zur festgesetzten Zeit das Gruppensingen statt. Mit Rücksicht auf die große Zahl der Bundesvereine — 45 an der
monn und „Kapitän und Leutnant", Volkslied, unter Leitung von Herrn Sommerlad (Beuern).
6. Gruppe: Flensungen, Weickartshain, Stockhausen, Lardenbach, Lauter, Freienseen: „Lippe Detmold" und „Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren", zwei Volkslieder, wobei Lehrer Ranft (Stockhausen) das erste und Herr S t ö p e l (Laubach) das zweite leitete.
7. Gruppe: Ruppertenrod, Ober-Ohmen, Groß- Eichen, Babenhausen II: „Der Krähwinkler Landsturm" und „Es blies ein Jäger wohl in sein Horn", zwei Volkslieder unter Leitung von Herrn D a u - pert (Ulrichstein).
8. Gruppe: Kesselbach, Nordeck, Deckenbach, Rüd- dmgshausen, Weitershain: „Wach auf, du deutsches Land" von Walther (Satz von Noack) und „Deutschland! Heiliger Name" von Baußnern, wobei Lehrer F l a t h (Rüddingshausen) den ersten und Herr S ch o m b e r (Beuern) den zweiten Chor leitete.
9. Gruppe: Allendorf, Londorf, Odenhausen, Geilshausen: „Wach auf du deutsches Land", „Frisch auf zum Streite" beide Sätze von A. Knab.
10. Gruppe: Burg-Gemünden, Nieder-Gemün- den, Bleidenrod, Elpenrod, Bernsfeld: „Märkische Heide" von Büchsenschütz und „Volk ans Gewehr" von Pardun unter Leitung von Lehrer Schmoll (Elpenrod).
Es wurden durchweg gute Leistungen geboten, ebenso entwickelte sich das Auftreten der einzelnen Gruppen in glatter Weise ab.
Pünktlich zur festgesetzten Zeit konnte die auf dem Marktplatz vorgesehene
vaterländische Kundgebung
beginnen. Eingeleitet wurde diese mit einem Gesamtchor „Sonnenaufgang" von Cornelius, den der Kreis Ohm-Lumdatal unter Leitung seines Chormeisters, Lehrer Dönges (Merlau), oortrug.
Die Begrüßungsansprache hielt der Krerswalter, Berufsschullehrer Gengnagel (Grünberg), der neben den Sängern seines Kreises auch die Sangesbrüder vom ehemaligen Lahntalbund begrüßte. Als Kreiswalter überbrachte er dem Männerchor Grünberg die Glückwünsche des Ohm-Lumdatalbundes. „Wenn auch die Zeiten sich wandeln, so möge doch der Geist des deutschen Sängertums, der Geist der Liebe, Hoffnung, des Glaubens und der Treue nicht e
Volkslied, unter Leitung i (Homberg a. d. £).).
4. Gruppe: Merlau, Lehnheim, Beltershain: Schanz" und „Es geht klang", beide von Silcher
„Zu Straßburg auf der bei gedämpfter Trommelunter Leitung von Herrn
untergehen" war der Leitspruch, den er dem Jubel; verein zurief. Er gab dann bekannt, daß den mit ihren Fahnen anwesenden Vereinen des früheren Lahntal-Sängerbundes eine Erinne- r u n g s m e d a i l l e für die Fahne verliehen würde, die auf der Vorderseite den Spruch trägt: „Einig im Lied, treu im Gemüt", die Rückseite zeigt das altdeutsche Sonnenrad und die Inschrift: „Zur Erinnerung, Grünberg, 1. Juli 1934. Gegründet am 30. September 1860, aufgelöst im Jahre der deutschen Erhebung am 8. Oktober 1933." Nach einer Gefallenenehrung beendete das Deutschlandlied die Ansprache.
Hierauf trugen die Sänger des ehemaligen Lahntal-Sängerbundes unter Leitung ihres letzten Chormeisters, Herrn K a st e n (Gießen), zwei Chöre vor. Der erste Chor „Wanderlied" von Lichner, der mit Musikbegleitung gesungen wurde, war gelegentlich des im Jahre 1904 in Grünberg stattgehabten Bundesfestes als Massenpflichtchor zum Vortrag gekommen. Als zweiten Chor sang die Sängerschar „Die alten Straßen noch" von Gripekoven.
Der Geschäftsführer des Hessischen Sängerbundes, Herr Wilk (Darmstadt), sprach dem Jubelverein herzliche Glückwünsche aus und wies auf den Wert hin, -den ein Verein für Volk und Staat hat, der 100 Jahre dem Liede dient. Der Redner deutete an, daß in Zukunft das Singen noch mehr als bisher von feiten des neuen Staates gepflegt werden würde. Es folgte das Horft-Weffel-Lied.
Für die Kreisleitung der NSDAP, sprach Kreispropagandaleiter Schmelz (Gießen), der hervorhob, welchen Wert die Partei auf den Männerge- sang als volksoerbindende Kraft legt und diese ganz besonders in der Pflege des Volksliedes erblickt. Diese Kraft haben wir nötig, auch ganz besonders in der jetzigen schweren Zeit, in der sich alle geschlossen hinter den Führer stellen müssen, dem all- ehrlichen Menschen für sein mutiges, entschlossenes Handeln in Treue zugetan sein müssen. (Lebhafte Bravorufe.)
Es folgten dann unter Leitung von Kreischor- nieifter Dönges (Merlau) zwei Massenchöre: „Wo gen Himmel Eichen ragen" von Heinrichs und der Sängerspruch „Einig im Lied, treu im Gemüt" von Stroh.
Am Schluß der Kundgebung überreichte Herr Gengnagel noch einige Ehrenauszeichnungen an Sangesbrüder des Ohm-Lumdatal-Bundes, die auf eine über 25jährige Vorstandstätigkeit in ihren Vereinen zurückblicken können: Vogel (Nordeck), K. Scheuermann (Lauter), Konr. S ch o m b e r, Wilh. L u h und Balth. K a u ß , sämtlich von Golls» Hausen, und für 40jähriqe Sangestätigkeit Herrn Pfeiff (Rüddingshausen). Ebenso erfolgte die Überreichung der Erinnerungsmedaille an etwa 20
Die Fahnengruppe im Festzug. Ganz vorn links stehend (in Uniform) Ministerialrat Ringshausen. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
M ö b u s (Reiskirchen).
5. Gruppe: Allertshausen, Reinhardshain, Saasen, Harbach: „Soldatenabschied" von Isen-
Ministerialrat R i n g s h a u s e n bei seiner Rede an die Menschenmenge auf dem Festplatz. — Zweiter von links der Bürgermeister der Stadt Grünberg Dr. Mildner. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
Ehrungen. Unter der sicheren Stabführung seines ’ Chormeisters, Musiklehrer Fritz Leib (Gießen), 1 wartete der Verein mit vier Chören auf, die -sehr i starken Beifall fanden und Zeugnis ablegten von der gründlichen Arbeit, die im Verein geleistet wird. : Als Chöre mit Musikbegleitung kamen zum Vor- 1 trag „Weihe des Gesanges" von Mozart und „Die Mühle im Schwarzwald" von Eilenburg. Hier erzwang das begeisterte Publikum eine Wiederholung. Bei den beiben anderen Chören, zwei Volksliedern „So wünsch ich ihr ein gute Nacht" und „Es blies ein Jäger wohl in fein' Horn" wirkte in meisterhafter Weise Herr Schwarzlose (Gießen) als Trompetensolist mit.
Auch der Kirchenchor unter Leitung seines Chormeisters, Lehrer Roth, fand mit seinen Chören „Schäfers Sonntagslied", „Abendchor", beide von Kreutzer, „Nachtzauber" von Storch und dem Volkslied „Drauß ist alles so prächtig" von Sicher wohlverdienten Beifall.
Als weiterer Verein trug der Turnverein zur Ausgestaltung des Abends bei; feine Turner mit ihren exakten Freiübungen und ganz besonders feine Turnerinnen, 24 an der Zahl, mit ihrem rhythmischen Walzertanz nach der Musik des Straußschen Schatzwalzers, fanden begeisterten Beifall.
Ein unter Leitung von Kapellmeister Horst stehendes O r ch e st e r sorgte durch gute Musikvorträge für eine würdige Umrahmung der Darbietungen und zahlreichen Reden.
Oie Ansprachen
eröffnete der Vereinswalter des Männerchores, Uhrmachermeister Richard Jöckel, mit einem Willkommgruß an die Vertreter der Partei, der Behörden, der Stadt, der Sängerorganisation und an die Sangesbrüder. Er wies darauf hin, daß im deutschen Lied, im Gesang von Heimat, Ehre, Freiheit und Vaterland eine Quelle sei, die Kraft spendet für das Gemüt, aber auch kulturelle Werte für den Aufbau des Staates schafft.
Ortsgruppenpropagandaleiter Harder betonte bei feiner Begrüßungsrede, die er für die NSDAP. ‘ hielt, den hohen Wert der Pflege des Volksliedes, das selbst die Parteien des verflossenen Staates nicht aus dem Volke und den Gesangvereinen hätten vertreiben können und das besonders geeignet fei, Liebe zu Heimat, Volk, Führer und Vaterland zu wecken. Zugleich richtete er noch ein herzliches Abschiedswort an das ihm zur zweiten Heimat gewordene Grünberg.
Oberregierungsrat Dr. Schönhals vom Kreisamt Gießen übermittelte die Glückwünsche der von tym vertretenen Behörde. Er wies darauf hin, daß
Zahl — war es schon technisch nicht gut möglich, alle Vereine einzeln singen zu lassen und so ein Wertungssingen abzuhalten. Aus diesem Grunde hatte man ein Gruppenfingen gewählt, d. h. je.drei bis fünf Vereine fangen gemeinsam zwei Chöre. Ausgewählt hatte man Volkslieder, im besonderen Soldaten- und Kriegslieder von vier Jahrhunderten. Im Folgenden führen wir die in den einzelnen Gruppen zufammengefaßten Vereine und die von ihnen vorgetragenen Chöre auf:
1. Gruppe: Grünberg, Queckborn, Göbelnrod: „Wohl denen, die do wandeln" von Schütz und „Innsbruck, ich muß dich lassen" von H. Jfaar unter der Leitung von Musiklehrer Fr. Lei b (Gießen).
2. Gruppe: Gemischter Chor Büßfeld: „Es wollt ein Jägerlein jagen" und „Matrosenlied", zwei Volkslieder unter Leitung von Lehrer E m m e I
Notenmappen mit der Aufschrift „Männerchor Grünberg". Dabei drückte er den Wunsch aus, daß der Verein auch in Zukunft, wie seither, das deutsche Lied und besonders das Volkslied pflegen möge, da dies echt vaterländisch sei, aber auch echten deutschen Sozialismus verwirkliche. Seine weiteren Begrüßungsworte galten den auswärtigen Sangesbrüdern als Gästen unserer Stadt. Nach der Aufforderung an sangeskundige Männer, sich dem Verein anzuschließen, schloß er mit einem dreifachen „Sieg- Heil!" auf den Jubelverein.
Für den Kirchenchor sprach Dekan Schmidt, dabei die stets guten Beziehungen zwischen den beiden Vereinen betonend. Neidlos habe der erst 53 Jahre alte Kirchenchor gesehen, wenn der jetzt 100 Jahre alte Bruder ihn bei seiner Aufgabe, Ausgestaltung der kirchlichen Feiern, unterstützt habe, wie dies schon jahrzehntelang bei Konfirmation und am Weihnachtsfest geschehe. Der Kirchenchor stiftet einen »Chor, den der Männerchor sich selbst aussuchen soll.
Der nächste Redner, Berufsschullehrer Gengnagel, sprach im Namen des ehemaligen Lahntal- Sängerbundes. Er wies darauf hin, daß beim letzten Bundesfest im Jahre 1931 in Homberg (Ohm) Grünberg für das Bundesfest im Jahre 1934 aus- erfehen wurde. Wenn man nun nach der im vorigen Jahre erfolgten Auflösung des Bundes keine Bundesfeste mehr feiere, fo hätten sich doch die ehemaligen Vereine des Bundes nochmals zu einer Wiedersehensfeier bei dem Jubiläum ihres Brudervereins einfinden wollen, um fo einen Beweis von der festen Zusammengehörigkeit und der echten Freundschaft, die in diesem Bunde geherrscht habe, zu geben. Als letzter Vorsitzender des Lahntal-Sän- aerbundes, der noch heute mit Stolz auf feine früheren Vorsitzenden Schneider (Marburg) und S t o r ch ' (Butzbach) blicke, bringe er dem Männerchor Grünberg, als langjährigem, treuem Bundesverein, herzliche Glückwünsche dar und hoffe, daß er auch in Zukunft stets Männer finden werde, die treu zu ihm und zum deutschen Liede stehe.
Für den Provinzialoerband des Hessischen Sängerbundes sprach der Provinzialwalter Wendler (Bad-Nauheim), der auch gleichzeitig die Grüße und Glückwünsche des Landesverbandes und dessen Vorsitzenden, des Ministerialrates Ringshausen (Darmstadt) übermittelte. Er wies darauf hin, daß । zur Erringung des Dritten Reiches auch die Gesang- , vereine ihr Teil beigetragen haben durch ihr Singen vom einigen Vaterland und von der deutschen Ehre. Schon Bismarck habe die große Macht des Gesanges gerühmt, wenn er auf das Lied „Die Wacht am i Rhein" hinwies, und wir alle kennen seine Macht, ; wenn wir an das Horst-Wessel-Lied denken. Er
(Büßfeld).
3. Gruppe: Nieder-Ofleiden, Ober-Ofleiden, Homberg, Appenrod, Maulbach: „Hinaus auf die See" von Röntgen und „Wilhelmus von Nafsauen", - • ~ " von Lehrer Vieh mann
Nieder-Ohmen, Atzenhain,
F-üer auf dem Marktplatz in Gründers vor dem Rathaus. Blick auf einen Teil der .versammelten riesigen Menschenmenge. ™ (Ausnahme: Photo-Psass.)


