Einzelbild herunterladen

Aeitag,2. März 1934

184. Jahrgang

Nr. 52 Erstes Blatt

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

, , Ä Annahme von Anzeigen

Erscheint täglich, außer Ä 4b d für die Mittagsnummer

Sonntags unb Seiertags All» . - T bis8>/,UhrdesB°rmittags

sh Giekener Ammer ®h

Auch Äi Nichterscheinen I U V B>5 «rmähigte Grundpreis-:^

von einzelnen Nummern Stellen-, Vereins-, gemem-

infolge höherer Gewalt ** nützige Anzeigen sowie em.

-KWtz General-Anzeiger sm Sberhessen DMZ

richten. Anzeiger Gießen Vereins-u. Tageskalender

Zranlfurt am Main llGse Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitatsyuch- und Zteindruckerei R. Lange in Stehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7 im Textteil 12 Rpf. je mm

Eden überraschend schnell von Paris nach London zurückgetehrt.

Noch feine (Stellungnahme Frankreichs zu den Abrüstnngsdenkfchristen Italiens und Englands, aber nur noch geringe Aussicht auf eine Verständigung.

Die amtliche Mitteilung.

Paris, 1. März. (DNB.) Großsiegelbewahrer Eden ist Donnerstag früh in Paris eingetroffen. Er begab sich sofort zur englischen Botschaft und hatte noch am Bormittag eine Besprechung mit Außenminister B a r t h o u, über die folgende arüt- liche Verlautbarung veröffentlicht wurde. Großsie­gelbewahrer Eden ist von Rom zurückkommend, heute morgen in Paris eingetroffen und vom Mini­sterpräsidenten Doumergue und Außenminister B a r t h o u empfangen worden, die er über seine Besprechungen in Berlin und Rom in Kennt­nis setzte. Im Verlaufe dieser Unterredung wur­den die grundsätzlichen Richtlinien der britischen Denkschrift geprüft. Ministerpräsident Doumer­gue und Außenminister Barthou haben Herrn Eden angekündigt, daß sie diese Prüfungen fort- setzen werden und ihn in nächster Zeit von den Schlußfolgerungen unterrichten werden, die die französische Regierung treffen wird.

Edin erklärte bei seiner Abreise von Paris: Es war der Mühe wert. Die Unterredung war weder positiv noch negativ. Ich muß jetzt die Mitteilung abwarten, die die französische Regie­rung finden wird, wenn sie die englische Denkschrift gründlich studiert hat.

FrankreichsNein" wird vorbereitet.

Die Pariser Presse über Edens Verhandlungen.

Paris, 2. März. (DNB.-Funkspruch.) Die meisten französischen Zeitungen verbreiten bei der Erörterung des Besuches Eden die Anschauung, daß unter den gegebenen Umständen eine A b r ü - stung nicht in Frage komme.Malin" be­richtet, Außenminister Barthou habe Eden eine Abrüstungsstatistik unterbreitet, die au den Engländer einen großen Eindruck gemach habe.I o u r n a l" erklärt, Außenminister Bar­thou habe Eden einen Bericht des Luft­sahr t m i n i st e r s zur Kenntnis gebracht, der keine Illusion über die Gefahren der deut­schen Forderungen hinsichtlich des Flugzeug­wesens bestehen lasse". Ferner habe Barthou Eden einen Bericht des Kriegsmini st ers Pe- t a i n über die Effektivbestände unterbreitet, der noch nicht einmal dem französischen Ministerrat vorgelegen habe. Dieser Bericht zeige nicht nur die Abrüstung, die Frankreich vorgenommen habe, son­dern auch denErnst der Lage hinsichtlich des gegenwärtigen Standes der deutschen Streitkräfte". Schließlich habe Barthou ihm einen Bericht vorgelegt, den Senator Verenger im Auftrage des Landesverteidigungskomitees ausge­arbeitet habe und den die Senatsausschüsse für Auswärtiges, sowie für Heer und Marine gebilligt haben.

Oeuvre" schreibt, Eden habe geltend zu machen versucht, daß auch die einfach st e Kontrolle immer noch besser wäre, als gar keine. Darauf habe man französifcherseits geant­wortet, daß eine solche Kontrolle niemals den Verzicht auf die Aktionsfreiheit wett­machen könne. Die französische Reaierung solle beabsichtigen, vom Obersten Rat für Landesvertei­digung einen Bericht über das Abrüstungsproblem anzufordern. Frankreich werde sich weigern, einen Rüstungsausgleich Deutsch­lands zu sanktionieren. Es werde am 10. April in Genf vor dem Büro der Abrüstungs­konferenz dasVersagen Deutschlands" melden und bei dieser Gelegenheit in einem ausführlich gehal­tenen Schriftstück diefranzösischen Opfer für die Abrüstung" anführen.

Echo de Paris" sagt, der Oberste Rat für Landesverteidigung werde demnächst zu­sammentreten und die französische Regierung werde seinem Gutachten entsprechend auf die vor einem Monat aus London gekommenen Vorschläge ant­worten, die unannehmbar seien. Durch Fort­setzung des zwecklosen Meinungsaustausches wurde man nur den Tag h i n aus f chieb en, an dem Frankreich und feine Verbündeten endlich die Schutz- und Verteidigungsmaßnah­men ergreifen könnten, die notwendig seien, wenn der Friede gerettet werden solle.

DerTemps" wirft Deutschland vor, niemals die Abrüstung gewollt zu haben. Man habe oiejen Standpunkt nur vertreten, um die Genfer Arbei­ten zu verwirren. Angesichts der deutschen und französischen Auffassungen verstehe man sehr schwer Die Haltung Englands und Italiens. Italien ver­folge dabei wenigstens noch eine gewisse Logik, weil es aus der Freundschaft mit Deutschland politisch Nutzen ziehen wolle. England scheine aber gewillt zu fein, alle bisher erzielten Ergebnisse wieder fah­ren zu lassen.

Notre Temps" wirft der französischen Regie­rung vor, einen großen Teil der Verantwortung ür den augenblicklichen Stand der Rüstungsfrage zu tragen. Es habe eine Zeit gegeben, in der die ranzöfifche Regierung aufrichtig bereit gewesen sei, abzurüsten, um Deutschland nicht zur Aufrüstung

London, 2. März. (DNB. Funkspruch.) Der am Donnerstagabend in London eingetroffene Groß- iegelbewahrer L d e n erklärte, daß sein Besuch in den drei Hauptstädten erfolgreich gewesen sei. Eine Reihe von Schwierigkeiten und Mihverstäud- nissen sei aus dem Wege geräumt worden. Er kenne seht die Ansichten von zwei Re­gierungen über das britische Memorandum und er erwarte, daß er in kürze st er Zeit auch die Ansicht der dritten Regierung erfahren werde. Eden wird am Freitag dem Staatssekretär des Aeu- ßern, Simon, dem Premierminister Macdo- n a l d und dem Lordpräsidenten des Geheimen Staatsrates, Baldwin, über das Ergebnis sei­ner europäischen Rundreise Bericht erstatten.

Daily Telegraph" schreibt, der Umstand, daß Eden in Paris nicht länger geweilt hat, um weitere Besprechungen mit den französischen Ministern zu führen, hat in britischen Kreisen einigermaßen überrascht. Er hatte früher die Absicht geäu­ßert, seinen Aufenthalt um einige Tage zu ver­längern, falls die französische Regierung zu Verhand­lungen bereit sein sollte. Seine schnelle Abreise aus Paris gibt naturgemäß zu vielfachen Vermutungen Anlaß. Sicher fällt es dem französischen Kabinett nicht leicht, sich bei der schwierigen innerpolitischen Lage der Abrüstungsfrage zu widmen. Es gilt auch als sicher, daß in einem Koalitionskabinett, wie dem Kabinett Doumergue beträchtliche Gegen­sätze in dieser Frage bestehen, die sich erst im Laufe der Zeit ausgleichen lassen werden.

Der französische Korrespondent desDaily Tele­graph" meldet aus Paris, Doumergue und Barthou hätten es zwar vermieden, die Tür für weitere Besprechungen zu verschließen, sie hätten aber d i e Hoff­nungen auf eine Lösung der Abrü­stungsfrage nicht sehr ermutigt.

Paris, 2. März. (DRV. Funkspruch.) Das In­nenministerium hat am Donnerstag in später Stunde der Presse eine Mitteilung über die A u f f i n d u n g der Staviskyschen S ch e ck a b s ch n i t t e übergeben. Sie lautet:Die Staviskyschen Scheck­abschnitte, die bisher nicht aufgefunden werden konnten, sind heute nacht dank der Bemühungen der Sicherheitspolizei in den Händen der Ju­st i Z.-

Innenminister Sattaul erklärte den Journa­listen, daß der Name des letzten Inhabers der Scheckabschnitte für den Augenblick nicht genannt werden könne. Rach der Havas-Agentur sollen die Scheckabschnitte anfänglich von Frau Sta- visky ausgestellt worden und dann von einer Hand in die andere übergegan­gen sein, um sie den Nachforschungen der Behör­den zu entziehen, bis sich ihr letzter Inhaber ent­schloß, sie auszuliefern. Der Untersuchungsrichter hat den geheimnisvollen Inhaber verhört und dann bis in die frühen Morgenstunden die auf den Scheck­abschnitten enthaltenen Namen durchgesehen.

Bor kurzem ging bekanntlich durch die Presse die Nachricht, der ermordete Gerichtsrat P r i n c e sei im Besitze von zwei Briefen gewesen, in denen er von General st aatsanwalt Pres- sard aufgefordert worden sei, sich mit dem Fall Stavisky nicht weiter zu beschäfti­gen, da er selbst den Fall bearbeiten wolle.Echo de Paris" will nun melden können, daß nach Auf­rollung der Stavisky-Angelegenheit Pressard im Gegensatz zu dem Inhalt der beiden Briefe, Prince zur Rede ge st eilt habe, weshalb er seinerzeit nicht gegen Stavisky eingeschritten sei. Prince habe nun, um sich von diesem Vorwurf zu entlasten, die beiden Briefe Pressards photo­graphieren lassen wollen, wozu er jedoch nicht mehr gekommen sei. Seit seinem Tode f e h l - tennundiesevrie f e. WiePopulaire" mel­det, befindet sich in den Aufzeichnungen Princes eine Notiz, wonach er als Leiter der Finanzabteilung der pariser Staatsanwaltschaft eine Unter-

zu veranlassen. Die neue französische Regierung habe diese Absicht aber vollkommen fallen gelassen. Ganz gleich, welche Entscheidung die französische Regierung heute auch treffen würde, sie werde die Aufrüstung Deutschlands nicht mehr a u f h a l t e n können.

Es scheine, daß der brittsche Vorschlag für Frank­reich nicht annehmbar sei. Der Oberste Rat der nationalen Verteidigung werde dem­nächst einberufen werden und von seinem Gut­achten werde es abhängen, ob die britische Denk­schrift angenommen wird oder nicht.

Der Pariser Korrespondent derTimes" sagt u. a.: Die britischen und die italienischen Vorschläge würden selbst, wenn Deutschland ihnen zustimmte, vom französischen Standpunkt aus n o ch v i e l zu wünschen übrig lassen. Die italienische Politik werde insofern günstiger beurteilt als die britische, als sie es Frankreich ermöglichen würde, seine schweren Rüstungen zu behalten. Aber auf den Vorschlag, dafür sollte ein teilweises Aufrüsten Deutschlands zu­gelassen werden, antworte man, man könne seine Aufrüstung nicht rechtlich umgrenzen, da man nicht wüßte, wie weit es eventuell schon ausgerüstet habe. Die französische Regierung stehe jetzt vor der Wahl, entweder die britischen und italienischen Vorschläge rundweg abzuleh­nen ober ein Kompromiß anzunehmen, das sich auf diese Anregungen stütze. Die nächsten Tage würden zeigen, in welcher Richtung sich die fran- S Regierung entscheide. Die französischen

- schienen jede Andeutung einer unnachgiebi­gen Stellungnahme vermieden zu haben.

Auch der Pariser Korrespondent derM o r - ning Post" ist der Ansicht, daß die Erwartung, der zweite Besuch Edens in Paris werde eine Ent­scheidung herbeiführen, enttäuscht worden sei. Immerhin sei beachtenswert, daß es Eden gelungen sei, eine neue Prüfung der britischen Denk­schrift durch die französische Regierung zu sichern. Der Pariser Korrespondent desNews Chronicle" schreibt, gestern sei es klar geworden, daß die Hal­tung der französischen Regierung aller Voraussicht nach jeder weiteren Abrüstungsaus­sprache ein Ende bereite und eine Krise herbeiführen werde.

s 8 ch u n g gegen eine der Staviskyschen Gründun­gen beantragt habe, die dann im Januar 1930 nach einer Besprechung zwischen dem damaligen Jusiiz- minister P e r e t, dem damaligen Finanzminister Raynoud und dem damaligen Arbeitsminister Laval niedergeschlagen worden sei.

Eine junge Frau, die am Tage der Abreise priu- ces auf dem pariser Bahnhof Lose für einen wohltätigen Zweck verkaufte, konnte eine g e - naue Personalbeschreibung des Mannes geben, der mit stark ausländischem Ak­zent gesprochen haben soll. Diese Aussage gewinnt noch dadurch Bedeutung, daß die Personalbeschrei­bung mit den Erklärungen eines Rus­sen überein st immt, der im Zug nach Dijon einen Mann bemerkte, der sehr auffällig alle Abteile beobachtete. Beim Eintreffen des Zuges in Dijon habe er sich an d i e Sperre gestellt und noch einmal alle Reisenden an sich vorübergehen lassen. Schließlich ist auch das Ge­schäft gefunden worden, in dem das Mes- f e r gekauft wurde, das blutbefleckt neben der Leiche princes lag.

Kabinettskrisis in Spanien.

Madrid, 1. März. (DNB.) Der spanische Mini­sterpräsident L e r r o u x hat dem Staatspräsidenten den Rücktritt des Kabinetts überreicht. Der Staatspräsident hat den Rücktritt angenommen. Man glaubt, daß Lerroux wieder beauf­tragt werden wird und er dürfte ein Kabinett mit Rechtsradikalen, Katalanischer Liga und Agrariern zu bilden versuchen. Ob die Katholische Do l ks- a k t i o n in die Regierung eintreten wird, erscheint fraglich, da Gil Nobles noch kein unbedingtes Be­kenntnis zur republikanischen Staatsform abgelegt hat, was den Staatspräsidenten veranlassen könnte, auf seine Mitwirkung zu verzichten. Anderseits aber hat der Papst die spanischen Katholiken aufgefor­dert, vorbehaltlos die Repubik anzuer­kennen. Vielleicht wird also der Führer der Volksaktion noch in letzter Stunde dem Willen des Vatikans entsprechend handeln.

Gelähmtes Paris.

Von unserem P.-Berichierstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) : Paris, 28. Februar.

Das Pariser Straßenbild erhielt in den letzten Wochen seine charakteristische Note nicht etwa durch die verschiedenen Unruhen, deren Spuren man nur hier und da noch sieht, sondern durch das Fehlen der Autodroschken. Die unzähligen Taxis strei- f en, und die Pariser Straße ist dadurch irgend­wie fremd und leer geworden. Man weiß auf den ersten Blick nicht recht, was eigentlich fehlt, aber man spürt, daß irgend etwas nicht in Ordnung ist. Freilich, wer in Paris etwas zu erledigen hat oder wer seinem Vergnügen nachgehen will, be­kommt den Streik regelrecht zu fühlen. Schon mit dentaxi" war Paris die ermüdenste Stadt der Welt, so aber wird das Leben unerträglich kom­pliziert. Die Kraftdroschke ist hier eben eine höchst demokratische Einrichtung. Jeder benutzt sie: der Gemüsehändler, um seine Ware aus der Markt­halle in den Laden zu schaffen, die Wäscherin, der eilige Geschäftsmann, der feinen eigenen Wagen nicht in den verkehrsreichen Straßen stehen lassen kann, und der Theaterbesucher, weil das Parken in der Nähe der meisten Theater so gut wie un­möglich ist.

Die Theater und die sonstigen Vergnügungs- stätten haben viel Anlaß zu Klagen, man kümmere sich zu wenig um sie. Inter arma silent Musae. Auch die Karnevalszeit verstrich reichlich unbemerkt. Die Pariser haben anderen Zeitvertreib, aber keinen angenehmeren. Die Lektüre der Zeitungen müßte da' an erster Stelle genannt werden. Die Blätter werden massenweise gekauft und fieberhaft ver­schlungen. Man verfolgt erregt und unruhig die Sensationen, die sich seit Jahresbeginn überstürzen. Es wird überall politisiert und jeder spricht nur über Politik. In den kleinen Bars erörtert man den Staatshaushalt, und die Hausfrauen in den Krämerläden unterhalten sich über die Lage Oester­reichs und die Probleme der Donaustaaten. Beim Bäcker hört man die Worte wieeuropäisches Gleichgewicht", und selbst die Putzfrauen sprechen über die Dekadenz des Völkerbundes Die Zeiten, da der Pariser das für den Franzosen zungen­brecherische WortAnschluß" für eine wissenschaft­liche Bezeichnung etwa der Grippe oder für ein neues Wunder der Technik hielt, sind endgültig vorbei.

All dieses Politisieren ist bei der großen Masse nur d e r Ausdruck der Kriegsangst : das einzige, worüber man beruhigt fein möchte, ist, daß kein Krieg droht. Alles andere greift die Gemüter weniger selbst die innerfranzösischen Angelegen­heiten treten dahinter zurück. Die Skandal- afsären haben was man auch behauptet die Menschen ermüdet, nach der ersten Reaktion der Empörung und Verwirrung wird man dieser Geschichten allmählich überdrüssig. Die Zeitungen bringen zwar täglich und besonders jetzt nach der neuesten Wendung ellenlange Berichte über die Stavisky-Affäre, aber nur die wenigsten Leser haben die Geduld, die komplizierten Artikel aufmerksam durchzuarbeiten. Und in der Tat gibt es nur er­staunlich wenige, die sich in diesem Korruptions­sumpf noch ein- und auskennen.

lieber die blutigen S t r a ß e n k ä m p f e, dis zum Sturz der Regierung Daladier führten, ist man aber freilich noch nicht hinweggekommen. Die Wunden sind noch zu frisch. Bei jeder Gelegenheit prallen die Leidenschaften aufeinander, und man ist eifrig auf der Suche nach den Verantwortlichen. Der Burgfriede zwischen den Parteien wird dadurch gefährdet. Die Rechte konnte nicht darauf verzichten, eine parlamentarische Untersuchungskommission über diese blutigen Ereignisse einzusetzen. Sie behauptet, die Regierung Daladier hätte nur um Paris ein­zuschüchtern Die friedlichen Manifestanten nieder­metzeln fassen. Die Linke dagegen spielt auf einem faschistischen Putschversuch an, zu dem die Skandal­affären als Vorwand hätten dienen sollen. In dieser Frage sind sich Paris und die Provinz nicht einig; und was nach den Erfahrungen der Vergangenheit eigentlich paradox klingt: Paris steht rechts und das flache Land steht links. Das gibt auch den An­hängern der Kammerauflösung zu denken. Man zweifelt daran, ob das Land, durch Neuwahlen unx seine Meinung befragt, eine klare Antwort geben wird. Oder deutlicher ausgedrückt: Man befürchtet, daß die neue Kammer eine Linksmehrheit aufweisen könnte.

Die politischen Streitigkeiten verstummten aller­dings für ein paar Tage durch die Nachricht aus Brüssel über das Ableben des belgischen Königs. Sie wurde in Frankreich als nationale Trauerbotschaft empfangen, es mutete so an, als ob die Trauer einem französischen Staatsober­haupt gegolten habe. Die Fäden, die Frankreich mit Belgien verbinden, wurden bei dieser Gelegenheit besonders betont. Der verstorbene König Albert I. war in Frankreich sehr beliebt; man fragt sich mancherorts, ob das auch bei feinem Nachfolger der Fall sein wird.

Nichts vermag aber in den politischen Kreisen d i e Sorgen über d i e außenpolitische Lage vergessen zu machen. Und in dieser Richtung brachte auch die Regierung der nationalen Einigung keine Beruhigung.' Die Außenpolitik B arth ous wird, obgleich oder eben weil man feine Energie zu ken­nen meint, nicht für besonders glücklich gehalten. Daran ändert auch der Umstand nichts, daß seine Vorgänger nicht glücklicher waren. Man kritisiert mit Recht Barthous Verhalten in der Abrüstungs­frage; für die Oesterreich-Politik Frankreichs kann er aber nicht verantwortlich gemacht werden. Man beginnt den Fehler der französischen Einmischung einzusehen und ein itakenisch-österreichisch-ungari«

Enttäuschung in London.

Das Ergebnis der pariser Aussprache wenig ermutigend.

Stavisky - Scheüabschmtte aufgesunden.

Der entlassene Generalstaatsanwalt pressard schwer belastet. Spuren in der Mordsache prince.