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drei Jahren gespürt, nichts- war gegen das, was nun in ihm auflohte: Liebe. Verlangen. Leiden- fchaftliches Begehren.

Noch ehe das Auto richtig hielt, hatte er schon den Schlag geöffnet. War herausgesprungen. Mit zwei Sätzen war er die alten, grauen Steinstufen' emporgesprungen. Stand nun vor dem weiß ge­kleideten Mädchen.

Eva, kleine Eva", sagte er.

Heiße Glut lag in seiner Stimme. Heiße Glut in seinen Augen, die die lichte Mädchengestalt lei­denschaftlich umfingen.

Eva van Koster hatte den Blick gesenkt. Sie schien von tiefer Scheu erfüllt. Ihre Stimme zitterte, als sie leise sagte:

Willkommen bei uns, Friedrich!"

Die Hände, die dem Heimgekehrten das duftende Veilchensträußchen entgegenstreckten, bebten.

*

Ein Jahr war vergangen. Professor Friedrich Borgloh saß mit sorgenvollem Gesicht vor seinem Schreibtisch. Ein paar wissenschaftliche Broschüren lagen aufgeschlagen vor ihm. Er hielt noch den Bleistift in der Hand, um sich auf das daneben liegende Konzeptpapier einige Notizen zu machen.

Aber er arbeitete nicht. Er zog gedankenlos Schnörkel und Striche mit dem Stift. Der Aus­druck seines Gesichts zeigte: er war mit seinen Ge­danken bei ganz anderen Dingen, und bei nicht sehr erfreulichen.

Und wirklich, er hatte keinen Grund, freudig ge­stimmt zu sein. Was war das nur mit Eva? Was war aus ihr in den Jahren seiner Abwesenheit ge­worden? Anders, ganz anders hatte sich sein Leben mit ihr gestaltet. Sehr bald nach seiner Rückkehr hatte er um sie geworben. Es hatte nicht des Wun­sches von Evas Vater, seines verehrten, väterlichen Freundes, bedurft, um ihn zu dieser Werbung zu bestimmen. Er hatte sich kopflos in Eva verliebt.

Und sie hatte ihm sehr schnell ihr Jawort ge­geben. Seine Zukunft schien sonnig vor ihm zu lie­gen. Seine wissenschaftlichen Erfolge wurden mehr und mehr anerkannt. Eine auswärtige Universität ehrte ihn durch die Verleihung des Professoren­titels. Schon kamen auch aus seiner Heimat Deutschland Anfragen, ob er nicht für immer nach Deutschland übersiedeln wollte. Eine Anstellung an dem Hamburger Tropeninstitut, zugleich an der dortigen Universität, wurde ihm angetragen.

Es zog ihn nach Deutschland. Aber er mußte noch warten. Es waren noch viele Arbeiten abzuschlie- ßen, die er in Gemeinschaft mit van Koster begon­nen hatte. Die Ausbeute seiner wissenschaftlichen Arbeiten und seiner wissenschaftlichen Unterneh­mungen am Sambesi gehörte überdies in erster Li­nie den englischen Instituten, die ja auch die Ex­peditionsgelder zur Verfügung gestellt hatten.

Auch Eva hatte erklärt, sich nicht so schnell von England und ihren Verwandten Parkins trennen zu können. Cr selbst hätte es ja sehr begrüßt» wenn

er sich von den Parkins hätte etwas entfernen, können. Er liebte sie nicht. Sie hatten auch nach ferner Rückkehr keinerlei Anstalten getroffen, das Haus zu verlassen. Da Eva nichts sagte, war er viel zu feinfühlig, um selbst irgendwelche Wünsche zu äußern. Schließlich war ja alles Evas Eiaen- tum. *

Berley Castle war ihr Haus und auch das ele- gante Heim im Londoner Hyde-Park-Viertel.

Eva schien sich in den Jahren zwischen dem Tod des Vaters und seiner Rückkehr aufs engste an die Parkins angeschlossen zu haben. Friedrich begriff das nicht recht. Der alte Parkins war ein trocke­ner, kalter Mann, klug, aber eigentümlich verschlos­sen.

Frau Parkins, äußerlich eine Dame von Welt, sehr groß, sehr hager. Stets tadellos gekleidet. Aber mit einem schmalen, etwas bösartigen Mund. Sie paßte so gar nicht zu der weichen,'schwärmerischen Eva van Koster, wie er sie von früher her kannte. Aber wer konnte wissen, was in den Jahren der Einsamkeit in einem Mädchenherzen vorgegangen sein mochte? Vermutlich hatte sie sich mit dem gan­zen Ueberschwang einer vereinsamten Seele den einzigen Menschen genähert, die ihr nahestanden.

Er konnte es nicht übers Herz.bringen, seine Ab­neigung gegen die beiden irgendwie deutlich zu zeigen. So hatten sie denn immer bei ihnen gelebt. Sowohl Berley Castle wie auch das Haus hier in der Victoria-Street war groß genug dazu. Die Parkins hatten hier wie dort einen Flügel ganz für sich allein, aber das hinderte nicht, daß Eva jede freie Minute mit ihnen zusammensteckte. Er hatte zunächst freilich darauf bestanden, daß er we­nigstens das Abendbrot mit Eva zusammen allein einnehmen konnte. Zum Lunch war er meistens nicht da, da er in London in wissenschaftlichen In­stituten arbeitete. Aber Frühstücks- und Abendbrot wollte er wenigstens mit Eva allein verbringen.

Im Anfang hatte sich Eva auch seinen Wünschen gefügt. Aber immer öfter war wie durch einen Zufall das Ehepaar Parkinsnur auf einen Augen­blick", wie sie sagten, zur Zeit ihrer Mahlzeit er­schienen. Friedrich hätte kein verliebter junger Ehe­mann sein müssen, hätte er seine entzückende Frau nicht für sich allein haben wollen. Allmählich aber wurde er beinah froh darüber, daß er mit Eva nicht mehr zuviel allein war. Eva zeigte sich, sowie sie verheiratet waren, von einer ganz anderen Seite. Statt des stillen, feinen Mädchens, das sich für geistige und künstlerische Dinge interessierte, fand er plötzlich eine vergnügungssüchtige junge Frau.

Sie wäre am liebsten jeden Abend ausgegangen, und zwar nicht zu wertvollen Theaterstücken, son­dern zu seichten Possen, Operetten, in Kabaretts und Tanzlokale. Sie interessierte sich nur für Toiletten und Modeschauen und gab dafür viel Gelb aus.

(Jortfttzung fdgM)

Ur. 281 vierter Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Zamrtag, 1. Dezember 1954

Der Tag der Nationalen Solidarität.

Aus der Provinzialhauptstadt,

ckeßener Einzelhändler werben!

3n der Entwicklungsgeschichte des deutschen Einzel­kindels, wie sie sich auf der Anzeigensonderseite Der» kc.iuenswürdiger kaufmännischer Unternehmungen Grßens jeweils im Bilde darstellt, sind wir in der Mutigen Nummer desGießener Anzeigers" bei der Eilftehung des Firmenbegriffs angelangt. Die Kul- tu einer großen Zeit pflegte das Traditionelle der Pirsönlichkeit als Firmenbegriff. Manche dieser Häu- sc angesehener Kaufleute sind mit ihren alten Fir- rrnbezeichnungen auch heute noch im Einzelhandel v treten. Vererbt wurden sie als heilige Vermächt­nis durch viele Geschlechterfolgen hindurch. Die E'°>altung einer solchen Tradition ist nur möglich bei ßl chzeitiger Pflege der Leistungen. Für Einkäufer ur* Verkäufer ist somit die wieder eingetretene R!.7kkehr zum Qualitätsgedanken von größter Wich- tifieit; sie dient zudem der Förderung von Kultur ur> Wirtschaft.

deshalb:

Kaufe Qualitätsware beim Einzelhändler.

Der Adventskranz.

Lch hatte mir einige Ballen Tannenreisig gekauft, j lir bei Gelegenheit meine Rosen im Garten ein- be- en zu können. Sie lagen im Vorgarten. Als ich

ern nachmittag nach Hause kam, sah ich, daß, 5ei Draht von einem Ballen gelöst war und et» lic? Tannenzweige auf dem Gartenwege lagen. Dclh brauchte ich nicht lange zu grübeln, wer hier bei kleinen Raub vollführt hatte. Ich hatte kaum bit Flurtüre geöffnet, da sah ich schon die Tan-1 ire^weige über der Lampe dicht an der Decke l)ä1 gen. Mine Kinder hatten einen alten Spielreif i irr dem Grün des Waldes umwickelt, dazwischen i eilige schmale rote Seidenbänder gebunden und I nie Kerzen aufgesteckt. Am Sonntag wird nun ; erste Licht angezündet am Adventskranz. Aus bei Augen der Kinder strahlte mir die ganze Evigfeit der kommenden Weihnachtszeit entgegen. Rn noch einige Wochen und dann--

ür die ganz Kleinen ist das freilich eine recht loige Zeit, aber sie sehen am ersten Adventslicht be Anfang einer schönen Zeit. Sie wissen nun, ber nichts mehr abgeändert werden kann, daß nie» nwib imstande ist, daß Eintreffen des Weihnachts- | zu verhindern. Nur ungeduldig werden sie michrnal. Sie schauen zum Abreißkalender und fri en sich an jedem Abend, wenn wieder ein Blatt (Griffen werden kann ... Dann kommt der zweite Mhent, das zweite Licht wird angezündet ...

i-o vergessen die Kinder die Gegenwart und trennen von der schöneren Zukunft. Denn alles, ®i hinter dem Adventskranz kommt, ist doch lchin und herrlich. Und was nach dem Feste tsrnnt? Danach fragt kein Kind. Sie sehen nur den linm Höhepunkt.

I Mr Erwachsenen aber denken daran, daß das öslim auch nach dem Weihnachtsfeste weitergeht. Di«. Zeiten sind immer noch hart, und vielleicht gibt i« iann wieder neue Sorgen. Für die Kinder ist Itas Weihnachtsfest der Tag der Erfüllung ihrer 'Pünsche. Ob wir aber diese Wünsche alle erfüllen I pn; en, darüber haben wir Eltern nachzudenken.

1 ir werden eines Tages die geschriebenen ! Vimschzettel der Kleinen auf dem Schreibtisch oder ^Briefkasten (manche mit der Aufschrift: An den Nkchnachtsmann persönlich!) finden. Wir wer- btn lächeln und ungläubig den Kopf schütteln und « manchmal sagen müssen:Leider geht das Kitt!"

hinn aber fällt uns wieder unsere eigene Kind- W ein. Was waren das für fdjörre Tage, wenn un eine Freude hevorstand! Wie konnten wir lau- !<r wenn wir etwas für die Eltern holen sollten, ®i schauten wir nach ihren Augen, um ihnen ihre

Am nächsten Samstag, 8. Dezember, wird über­all im deutschen Vaterlande der Tag der Rationalen Solidarität begangen. Dieser Tag wird ganz im Zeichen des Winterhilfswerks stehen. Unter Leitung des Reichspropagandaleiters der RSDAp., Reichsminister Dr. Goebbels, wer­den überall in den Städten und Dörfern d i e führenden Männer der Partei, der Behörden und des kulturellen Lebens mit den Sammelbüchsen in der Hand auf die Straße gehen, um von den Volks­genossen eine Opfergabe zum Vesten unserer hilfs­bedürftigen Brüder und Schwestern entgegenzu­nehmen.

Die Sammlung steht in den Gauen unter der Leitung der Gaupropagandaleiter bzw. der Landes­stellenleiter des Reichsministeriums für Volksauf­klärung und Propaganda, in den Kreisen unter Führung der Kreispropagandaleiter, in den Orts­gruppen unter Betreuung durch den Ortsgruppen­propagandaleiter. Gesammelt wird in der Zeit von 16 bis 19.3 0 Uhr auf allen Straßen und Plätzen, anschließend in den G a st st ä 11 e n.

In unserem Gaugebiet wird sich R e i ch s st a 11 - Halter in Hessen, Gauleiter Sprenger, selbst als Sammler an die Spitze der Männer stellen, die die Opfergaben der Volksgenossen in den Sammelbüchsen entgegennehmen. Mit dem Reichs­statthalter werden alle führenden Per­sönlichkeiten der RSDAP. und ihrer Gliederungen, die Vertreter der hessischen und der preußischen Regierung, Männer der in der Reichskulturkammer zusammenge-

Wünsche ablesen zu können undrecht folgsam" zu sein! Ja, so sind die Kinder. Das ganze Jahr über können sie nichtso ganz" aufs Wort gehorchen. Sie müssen manchmal widersprechen. Aber in den Tagen vor Weihnachten ist das anders. Da leuch­tet eine Zuversicht aus ihren Augen, da sind alle Schwierigkeiten des Alltags ein Nichts. Kleine Ar­beiten und Störungen im Spiel werden gern hin­genommen. Sie sind wie ein Graben, den sie leicht überspringen. Mit der Freude im Herzen denken sie nur an die Zukunft.

Und das lehren uns nun unsere eigenen Kinder: Die Tage der Vorfreude sind gekommen, eine Sehnsucht nach Glück und Erfüllung umweht auch uns. Die kleinen Kerzen auf dem Adventskranz leuchten nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Erwachsenen. Und können wir uns nicht mehr so recht von Herzen freuen, dann wollen wir uns vornehmen, den Kleinen recht große Freuden zu bereiten. Dieses Wollen allein erhellt uns schon den Tag. Wir rechnen und rechnen und lesen im­mer wieder den Wunschzettel durch, und siehe! Das läßt sich noch machen!"Gut, das sollen sie haben!"

Es fallen uns Neigungen und Eigenarten der Kinder ein. Wir selbst beschäftigen uns tagelang mit den Wünschen der Kinder. Siehst du, das ist doch auch eine Vorfreude! Denken wir bei allem nicht auch daran, welche frohen Gesichter uns bann am Feste umgeben, welche Jubelrufe uns- ent­gegentönen werben? Das ist bie rechte Advents­stimmung für die Erwachsenen. Schenken können, richtig schenken können, das ist eine Kunst. Und darüber wollen wir uns in den nächsten Tagen oft Gedanken machen.

Wir wollen aber auch nicht vergessen, daß vielen

faßten Organisationen unb Persönlichkeiten ber sonstigen freien Berufe auf ber Straße für bie Rotleibenben unseres Volkes sammeln.

Reben bem Hauptzweck, möglich st reiche G e l b m i 11 e l für bas hochherzige Hilfswerk un­serer Volksgemeinschaft zusammenzubringen, ist bei bieser Sammlung auch noch ber Gebanke von be­sonderer Wichtigkeit, bah burch bas Erscheinen dieser Männer bes öffentlichen unb kulturellen Le­bens mit ber Sammelbüchse in ber hanb b i e enge Gemeinschaft mit ben ehrenamt­lichen Sammlern ber RS V. unb bes W i n t e r h i l f s w e r k s auf ber gleichen Stufe ber Hilfsbereitschaft zum Ausdruck kommen soll, da- mit jedermann in Deutschlanb erkennt, bah sich niemand für zu vornehm hält für diesen Hilfs­dienst im Interesse unserer notleidenden Brüder und Schwestern. Es soll also hier ein weithin sichtbares Zeichen ber engen Volksgemein­schaft ber Tat gegeben werben.

Alle Volksgenofsen in Stabt und Land werben die Aufgabe haben, zu diesem Hilfswerk in mög- udift reichem Mähe zu opfern. Jedermann erkenne in diesem Werk eine Gelegenheit, durch die Hilfe­leistung für unsere bedrängten Volksgenossen un­serem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, der immer wieder betont hat, dah ihm bie Fürsorge für bie Aermsten unter ben beutschen Volksgenossen besonders am Herzen liege, den schuldigen Dank für sein grohes Werk am deutschen Volke abzustatten. Jeder muß an seinem Teile dazu bei­tragen, daß dieser Tag in Wahrheit ein Tag ber Rationalen Solibarität zum Dohle un­serer nofleibenben Volksgenossen wirb.

Kindern keine Weihnachtsfreude bereitet werden kann, wenn wir nicht alle unsere Pflicht als Volks» genoffen erfüllen, indem wir unsere Opfergabe dem Winterhilfswerk barbringen. Es geht nicht allein darum, für die Befriedigung der unerläß­lichen ßebenserforberniffe unserer hilfsbedürftigen Volksgenossen alle Kraft anzuspannen, wir müssen darüber hinaus noch ein besonderes Opfer bringen, mit dem wir den Kindern der von Not bedrängten Familien die rechte Weihnachtsfreude bereiten. Darum zögere nicht, deutscher Volksgenosse, auch für diesen Zweck noch einmal besonders in deinen Beutel zu greifen und nach besten Kräften dem Winterhilfswerk deinChriftkindchen" zur Weiter­gabe zuzuleiten.

Die Vorfreude hat auch uns in ihren Bann ge­schlagen. Wir feiern mit Freude Advent, wir wer­den mit noch größerer Freude Weihnachten feiern.

Rs.

Oer rechte Mann am rechten Platz!

Vom Winterhilfswerk 1934/35, Gauführung Hes­sen-Nassau, wird uns geschrieben:

Der Klassenkampfgedanke hatte den einst so mäch­tigen und geschlossenen Handwerkerstand von innen heraus unterhöhlt. Unter der schwarz-roten Regie­rung war für diesen Berufsstand kein Platz, gab es für ihn keine Aufgabe. Die Mühlsteine Groß­kapital einerseits, marxistische Gleichmacherei ande­rerseits drohten ihn zu zermalmen. Wie gesund jedoch über die Jahrhunderte hinaus der Kern des deutschen Handwerks geblieben war, das zeigte sich in diesen Jahren, als es ihm gelang, wenn auch schwer getroffen, über diese Zeit hinwegzukommen. Im Handwerk ist alles auf Persönlichkeit und Lei­stung abgeftellt, es entspricht also in diesem Punkte

WWeiMmw.

Römern von Rainer Helden.

üueberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.) lKortjetzung. Nachdruck verboten!

Diedrich Borgloh konnte eine leise Verwunderung ri unterdrücken. Wozu dieses Tourenauto, da rr doch die Besitzung Professor van Kosters in i nihigen Minuten zu Fuß erreichen konnte? Sein 1 Ctjiäcf war bald aufgepackt. Der Chauffeur, ein lhiä^ewachsener Mann mit schweigsamem Gesicht, ||<|t sich ans Steuer, und der Wagen fuhr los.

Arkins hörte nicht auf zu sprechen. Er fragte H:d Friedrich Borglohs Reife. Nach feiner Gesund- liit nach seinen Erlebnissen. Nach allem, was er Ejtiin Europa vor hätte. Er schien von einem un- (iranbaren Redefluß zu fein. Aber Friedrich war iiji Gesprächigkeit im Augenblick nicht unlieb, hit? er so doch Muße, feine Augen und feine Ge­msen schweifen zu lassen.

L::r kleine Vorort hier war noch ziemlich unver- iirburt. Ueberall freundliche Häuschen, in das erste ICiflrün gebettet. Die ersten Fliederblüten prang» j ei iiüfs duftend. Maiglöckchen und Primeln fäunv i ei weiß und bunt die Beete. Die reinlichen Stra- 1 -tu i bes Dillenortes glänzten frisch gesprengt.

t'.i stutzte Friedrich Borgloh. Der Chauffeur bog, 1 :cii links den Weg zu dem Haufe van Kosters zu 1 ihnen, rechts ein und fuhr aus dem kleinen Dor- i t Heraus.

,Das ist denn?" sagte Friedrich Borgloh.Ihr Stoiffeur ist wohl neu, Mister Parkins? Er kennt '»jtibar den Weg nicht? Das Haus van Kosters ' RP doch hier links."

Arkins schüttelte den Kopf:

iLch, Sie wissen gar nicht", sagte er leichthin.

pßas soll ich wissen, Mister Parkins?"

/Mer wir haben doch das Haus meines Vetters iDiiiiSofter verkauft. Hat Eva Ihnen das nicht ge- jscril'ben?"

»-Ich habe ja überhaupt keine direkte Nachricht miiiMva in den ganzen Jahren erhalten. Und das khcimich aufrichtig betrübt."

Goa konnte in dem alten Haufe die trüben Er- i Innungen nicht loswerden. Jeder Winkel des Zhies hier war ja für sie erfüllt von dem Zufam- r inn eben mit dem Vater. Schließlich sagte sie seif: ,Solange ich hier in der alten Umgebung iii; |fo lange werde ich mich mit dem Tod des Wil:s nicht abfinden können/ So bedurfte es nur epi geringen Zuredens von uns, das Haus zu tttfiiufen. Wir haben ein Haus ein wenig ab» [ t ; mehr nach Greenwich erworben. Es ist nur eit? Heiner Besitz, denn Eva lebt die längste Zeit hie; Wahres in London selbst und wir mit ihr."

st-edrich Borgloh war wehmütig zu Sinn. Da 6)Ge er nun geglaubt, in das lieb«, altoertraut«

Haus oan Kosters zurückzukommen. Hatte sich ge­freut auf die attoertrauten Räume. Gewiß, auch ihm würde weh zumute gewesen sein, hätte er das alles ohne oan Koster wiedersehen müssen.

Aber wiederum lebte man ja in der Erinnerung an einen Toten Diel stärker, wenn die äußere Um­gebung dieselbe geblieben war. Vielleicht konnte er sich eben als Mann nicht Dorstellen, wie dies alles immer wieder auf die empfindlichen Neroen eines jungen Mädchens wirkte. Daß Eoa fast das ganze Jahr das großstädtische Leben Londons dem idylli­schen Dasein in der Kleinstadt oorzog, war ihm ganz eigentümlich. Sie hatte früher geradezu eine Ab­neigung gegen den Lärm Londons gehabt. Ver­mutlich hing das aber auch mit ihrer Trauer zu­sammen. Sie wollte sich gewiß durch die Groß­stadteindrücke Londons oon ihrem Kummer ab­lenken lassen.

Der Wagen fuhr weiter, hatte nun die Grenze des kleinen Vororts erreicht. Wellige grüne Rasen­flächen tauchten auf. Das erste Gras stand auf den Weiden, üppig und jung. Nun fuhren sie auf einer sauberen Chaussee, an deren Seiten Obstbäume standen.

Die Knospen schwollen schon. Hier und da wagte sich schüchtern ein erstes Blütenblatt heroor. Der Weg ging mäßig aufwärts, um dann wieder ab­zufallen. In einer Hügelsenke lag ein Park. Ein Haus im Stil der altenglischen Burgen wurde sicht­bar. Ein Turm, oon Efeu umsponnen, grüßte weit in das helle Land.

Das ist Berley Castle, unser Heim", sagte Mi­ster Parkins und wies auf das kleine efeuumfpon- nene Schlößchen.

Das Auto fuhr durch ein schmiedeeisernes Git­ter. Ein Hof tat sich auf. Er hatte in der Mitte ein großes Rundbeet, auf dem einige wunderoolle Blautannen standen. Rechts und links der Ein­fahrt waren breite Rabatten oon Frühlingsblu­men. Die Sonne lag hell auf dem grauen Mauer­werk, ließ die Zinnen und den oergolbeten Wetter­hahn oben auf dem Türmchen erglänzen.

Mitten auf der Terrasse, in einem schlichten weißen Kleid, stand eine Mädchengestalt. Ihr gold­braunes Haar flammte in der Sonne wie feuriges Gold. Sie stand da, fchaute mit bangen Blicken den Ankommenden entgegen. In ihren Händen hielt sie ein kleines Veilchensttäußchen.

Eine tiefe Bewegung ergriff Friedrich. Dies scheue, holdselige Geschöpf, es war Eoa. Und doch nicht Eoa. Es hatte die braungoldenen Haare, die blauen Augen. Und doch, es war ein anderer, ein erwachsener Mensch.

Hätte er nicht gewußt, wer ihm da entgegensah, er hätte Eva wohl nicht erkannt. Sie war schön, hinreißend schön geworden. Sie war eine Frau, die ein Mann heiß begehren konnte. Er fühlte, wie die brüderliche Liebe zu der kleinen Eva in ihm versank. Wie auch dieses erste Zärtlichkeits­gefühl des Manno«, bas tr am Abschiedsabend vor

durchaus dem nationalsozialistischen Leistungs­grundsatz. Das handwerkliche Können ist nicht nur die Grundlage der deutschen Qualitätsarbeit, son­dern auch am besten geeignet, den Begriffunge- gelernter Arbeiter" wieder zurückzudrängen, mithin berufsfördernd im nationalsozialistischen Sinne zu wirken.

Der Nationalsozialismus hat deshalb auch sofort mit der Förderung des Handwerks begonnen und vor allem durch ein großzügiges Arbeitsbeschaf­fungsprogramm dem Handwerk Aufträge zuge» führt. Wir müssen ein großes Erziehungs- und Be­rufswesen ausbauen, denn die Fähigkeit des deutschen Menschen und seine Arbeit gehören dem deutschen Volk.

Diesem weittragenden staatsmännischen Gedan­ken hat die NS. - Volkswohlfahrt von An­fang an in großem Mahstabe Rechnung getragen, indem sie die Gestaltung ihrer Werbeplaketten in wechselnder Folge den mannigfachen und erlesenen Künsten des heimischen Handwerks anoertraute. Damit erzielte sie stets in jeder Richtung die besten Erfolge. Schönheit und Wert deutscher Handarbeit erweckte immer Aufmerksamkeit und Wunsch nach Besitz. Der große Umsatz der vom deutschen Hand- werk gefertigten Werbeabzeichen brachte der NS.» Volkswohlfahrt und ihrem Winterhilfswerk erheb­liche Geldmittel und den fleißigen, aber darbenden Handwerkern den lang entbehrten Lohn. Man hatte es eben verstanden, die rechten Männer an den rechten Platz zu stellen!

Für die Straßen - und Hausfammlung am Sonntag, 2. Dezember, werdenHolz- An st eck - Plaketten zum Verkaufspreis von 20 Pfennig ausgegeben. Sie find von der Inter­essengemeinschaft der holzverarbeitenden Industrie in Lam im Bayerischen Wald hergestellt und ha­ben diesem Teil des deutschen Handwerkerstandes Arbeit für ein ganzes Jahr gebracht.

Der Erwerb dieser Plakette ergibt sich aus der Weltanschauung des Nationalsozialismus von selbst, weil dieser ja im Gegensatz zum Liberalismus die Förderung des Handwerks auf feine Fahne ge­schrieben und die Pflege und Mithilfe an der Nolks- wohlfahrt zu einer feiner ersten Pflichten gemacht hat.

Aus parteiamttichenBekanntmachungeu

In der Ortsgruppe Gieß en-Ost findet am kommenden Montag, 20.30 Uhr, in derLiebigs- höhe" ein Mitgliederappell mit der Ausgabe von Mitgliedskarten und Mitgliedsbüchern statt. Zu der Versammlung wird der Ortsgruppenleiter Dr. Rö­der sprechen:

Im Kreise Gießen sind auf Anordnung des (Bau­leiters in Gießen, Bersrod und Lich NS.- Beratungsstellen eingerichtet worden, die allen Volksgenossen in allen Fragen helfend und ratend zur Seite stehen sollen. Die Sprechstunden sind in Gießen auf der Kreisleitung, Ludwig» straße 12, Montags, Mittwochs und Freitags von 12 bis 13 Uhr, in Bersrod auf der Bürgermei­sterei, Mittwochs von 16 bis 18 Uhr, in L i ch in der Bürgermeisterei Donnerstags von 20 Uhr ab.

Amt für Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Olehen-Süü

Die Kohlenhändler 'ber Ortsgruppe Gießen-Süd werden aufgeforbert, bie in Zahlung genommenen Kohlengutscheine am

Dienstag, 4. Dezember, zwischen 15 bis 18 Ahr, auf unserer Geschäftsstelle, Crebnerstraße 24, einzu­reichen. Später ein gereichte Gutscheine können nicht mehr angenommen werben.

Protestkundgebungen aller deutschen Hochschulen gegen die Prager Dorsülle

Heute, Samstag, fanb im Gießener Stubenten- haus um 11.15 Uhr ein Gemeinschaftsempfana von