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Gras Wolff-Metternich f.

gekünstelte Wesen der Soldaten angenehm ausgefal­len sein. Unser Stolz ist, nach den großen Anstren-

1 geworden. Abends hat man dann genug zu tun.

Allmählich nähern wir uns dem Standort. Unsere alles wieder in Ordnung zu bring, Bürger hören die Musik und wollen es sich natürlich Die Menschen bilden Spalier.

ien.

Neues für den Büchertisch

nicht nehmen lassen, uns zu empfangen. Na, denen werden wir's zeigen! Jetzt schlapp machen? Kommt

als Botschafter in außerordentlicher Mission in Konstantinopel verwendet. Gral Wolff-Met«

tigter Stolz, so wie er in den neuen Pflichten des deutschen Soldaten beschrieben steht:Nur Lei- ff 11 n /i o n

Linser Stolz.

Von Gefreiter Buhmann 6 /35^ 6.

kennt jeden und sie warten darauf, daß sie ge- grüßt werden. Aber nein, heute sieht der Soldat geradeaus. Rechts und links fliegen die Fenster auf: hier sieht ein schwarzer Lockenkopf, dort ein Mädel mit blonden Zöpfen heraus. Man weiß genau zu jeder anderen Zeit würde man auch darauf hereinfallen", sie warten darauf, daßer" heraufsieht, aber nein ... scheinbar ist er untreu

einigen bewaffneten Großbombern vertreten. Die riesiaen Kampfmaschinen verfügen über drohende Geschützstände im Bug und an der Unterseite des Rumpfes und über schwere stählerne Klammern an den Tragflächen, in denen eine Bombenlast von 1000 Kilogramm mitgenommen werden kann. Ruß­land hat ein WerbeflugzeugMaxim Gorki" ge-

Die südo st deutsche Volksgrenze". (Der Grenzraum WienPreßburgRadkersburg Osttirol.) In Zusammenarbeit mit Waldemar W u - cher herausgegeben von Friedrich Heiß. Berlin: Volk und Reich Verlag. Mit 33 Karten und 174 Abbildungen. Preis 6,60 RM. (420) Das Buch geht in wissenschaftlich unterbauten Unter­suchungen von der mitelalterlichen deutschen Sied­lung nach dem Südosten aus, um die völkische Her­kunft und den volksmäßigen Zusammenhang dieses Grenzdeutschtums mit dem Gesamtvolk zu zeigen. Die zweite Voraussetzung zum Verständnis der Grenzfrage ist die Kenntnis der geographischen Lage und Funktionen Deutschösterreichs und seiner ein­zelnen Landschaften, die in einem meisterhaften Aufsatz des verstorbenen Grazer Geographen Robert Sieger untersucht werden. Im Einzelnen werden dann die Verkehrsprobleme Deutschösterreichs als Folge der Zerschlagung der Donaumonarchie, die Bedeutung Wiens als Grenzstadt in Geschichte und Gegenwart, das Burgenland mit seinem Vorfeld, die Kroatensiedlung in Oesterreich, die Untersteier­mark, die Kärtner Grenzfragen, insbesondere das Mießtal mit Unterdrauburg und das Kanaltal (Tarvis), endlich das deutsche Sprachgrenzgebiet in den Karnischen Alpen behandelt. Die wichtigsten Untersuchungen sind durch Kartendarstellungen unter­stützt. Durch das ganze Buch läuft zugleich eine Bild­darstellung des gesamten Grenzraumes, die die Text- Kartendarstellung eindrucksvoll verlebendigt. Ohne zu den aktuellen Ereignissen in Deutschösterreich irgendwie Stellung zu nehmen, hat das Buch vielleicht gerade deshalb eine bedeutsame poli­tisch-erzieherische Aufgabe.

Gerhard Günther: Deutsches Kriegertum im Wandel der Geschichte. Kart. 2,80 RM., Leinen 4,40 RM. Hanseatische Der- lagsanstalt Hamburg 36. (450) Es war nicht die Absicht des Verfassers, mit seiner Geschichte des Kriegertums eine Geschichte der Kriege oder Kriegs­kunst zu schreiben: vielmehr kam es ihm darauf an, den Kriegertypus, die Wehrverfassung und den Geist des Kriegertums in Zusammenhang mit dem jeweiligen Zeitalter herauszuarbeiten. Diese Auf-

I empfangen uns mit lauten Heilrufen. Vorbei sind I alle Mühen; hier gibt's eine kur^e Rast. Wenn jetzt die Dorfbewohner fragen, ob wir tüchtig geschwitzt haben, bekommen sie zur Antwort:So ganz schlimm war es heute nicht".

Weiter. Nach einiger Zeit macht sich die Schlaff- heit wieder überwältigend bemerkbar. Man kämpft dagegen an, aber es geht nicht mehr; da ruft einer von Dorn:Die Musik komm t!" Wir merken es wieder einmal: unsere Führung ist gut. Herr Hauptmann weiß es immer so einzurichten, daß im ! entscheidenden Augenblick wieder Stimmung in die ' Kompanie kommt. Drei Minuten später marschieren wir nach den KlängenPreußens Gloria".

gungen des Tages bei dem Einmarsch in die Stadt noch einen frischen und strammen Eindruck zu ma­chen. Ganz unberechtigt ist der Vorwurf des Stolzes nicht, das wissen wir; aber versetzt euch mal in un- sere Lage: Der Tag war anstrengend, mehr als das, man mußte das Letzte hergeben. Sollen wir da nicht stolz auf unsere Leistung sein?

Jekt marschieren wir durch die Stadt. Vorweg Spielmannszug und Kapelle. Der Musikmeister und der Bataillonshornist wollen sich schier überbieten. Einen Marsch nach dem anderen, einen noch schnei­diger, schwungvoller als den anderen schmettern unsere braven Musiker und Spielleute durch die Straßen der Stadt. Die Straßen stehen voller Men­schen und so ist es doch in der Kleinstadt: Jeder

Am 29. d. M. ist der Botschafter a. D. Wirklicher Geheimer Rat Paul Graf Wolff-Metter« n i ch im 81. Lebensjahr gestorben. Aus dem preu« y_ ..... ... ßischen Justizdienst hervorgegangen, trat er im

.. jpalier. Hier und dort hört 2ahre 1882 in den auswärtigen Dienst des Reiches

man anerkennende Worte, etwa wie:Sieh mal der ein. 1897 wird er preußischer Gesandter in Ham« Peter, wie der sich macht!" Peter hat das natürlich bürg und 1901 Botschafter in London. Nach ganz genau gehört, seine Augen glänzen förmlich, seinem Uebertritt in den Ruhestand im Jahre 1912 aber Hinsehen darf er nicht. Das ist Stolz, bered)« wurde er in den Jahren 1915 und 1916 nochmals

ternich hat sich in den verschiedenen wichtigen Stel­lungen, die er innehatte, hervorragend bewährt und dem Reich ausgezeichnete Dienste geleistet; er hat sich auch in schwierigsten Lagen als aufrechter und gerader Charakter gezeigt. Ein dauerndes ehrenvolles Gedenken ist ihm sicher.

W

hänglichen Lesergemeinde diesen Roman vom heu­tigen Auslandsdeutschtum. Das Buch will dem Volksgenossen in seiner ewig deutschen Sehnsucht in die Ferne zurufen: Nur die stärksten Kämpfer gehören heute ins Ausland, die besten der Männer und Frauen, um die deutsche Rasse in Ueberfee stark zu erhalten. So werden in einer Handlung von großer Eindringlichkeit die Schicksale deutscher Ueberfeer im Karibischen Meer geschildert, wird uns vor Augen geführt, wie vier deutsche Mädchen und zwei deutsche Männer 1932 die geliebte hei« mat verlassen, um sich im äquatorialen Südamerika Arbeit, Brot und neues Glück zu erkämpfen.

Gustav Schröer: Volk im Schmied,« feuer. Roman. 355 Seiten. Preis geb. RM. Verlag C. Bertelsmann in Gütersloh. (587) Vor dem Hintergrund der Schicksalsjahre 1796 bis 1815 gestaltet Schröer seinen Roman, einen gelben- gefang deutschen Opfer- und Freiheitswillens. Denn diese Thürinaer Menschen von damals und ihre Schicksale, diese Bauern, Flößer und Kleinbürger, ein paar vergessene Ehrentafeln mit Namen hängen noch verstaubt in den Dorfkirchen. Namen und Schicksale sind längst verweht, die Gedanken der Freiheit und des Opfers aber werden wieder neu mit jedem Geschlecht.

Alfred Funke: Paradies im Ur­wald. Roman. 471 Seiten. Halbleder 2,90 Mark, Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H., Berlin-Charlottenburg 2. (499) Funke, ein erprobter Vorkämpfer des nationalen Gedankens, insbesondere des Auslandsdeutschtums, gibt hier aus der Fülle feiner Erlebnisse in Brasi­lien das Fesselndste, das dieses phantastische Land und seine Bewohner charakterisiert. Den Rahmen für diese spannenden Schilderungen bildet die Schicksalsgeschichte eines nach Brasilien ausgewan­derten Deutschen, der seine neue Lebensaufgabe darin sieht, im Urwaldgebiet eine deutsche Kolonie 3U gründen. Nach Jahren harten Kampfes und bitterster Enttäuschungen inmitten der grünen Hölle des tropischen Brasiliens gelingt es ihm endlich, dir schwere Aufgabe zu meistern.

gäbe hat der Verfasser vorbildlich gelöst. So ziehen an uns vorüber: Urkrieger, Vasallen, Ritter und Landsknechte, Söldner und die Soldaten Friedrichs des Großen. Wir erfassen in seinem Wesen den Krieger der Volksheere und den des Weltkrieges, den Freikorpsmann und den Politischen Soldaten Adolf Hillers. Jeder Typ ist feiner Zeit verhaftet, aber alle sind Träger der ewigen Werte des Krie­ges. Wo anders sollte sich Sieg, Wende und Not eines Volkes schärfer spiegeln als in dem Krieger, der zur Entscheidung anzutreten noch Zeit seines Lebens willens war. Sie sind die großen Gestalter der Reiche und Nationen, gleich ob sie sie im Ein­satz verteidigt oder geschaffen ober auch nur mit ihrem Bestand gesichert haben.

Carl O. Petersen: Mein Lebens- Lexikon. Mit 33 Zeichnungen des Künstlers. (Verlag Knorr & Hirth, München). Geheftet 3,80 Mark, Leinen 4,90 Mark. (486) Carl O. Petersen stammt aus dem nordischen Städtchen Aalborg. Vor einem halben Menschenalter siedelte er sich bet Dachau am Rande des Moors an. Wie er sich diese Landschaft und ihre Menschen mit Herz und Sinn eroberte, das hat er uns in feinem frü­heren BuchDix Moosschwaige" erzählt. Waren bis dahin Pinsel und Zeichenstift allein sein Hand­werkszeug, so wurde döm deutschen Schrifttum mit diesem Buch ein neuer Maler-Dichter geschenkt! Mit feinem neuen Buch breitet er unter dem Motto alle Menschen denken nur an sich: nur ich allein muß an mich denken---" das Kunterbunt

seines Lebens vor uns aus: Kindheit, erste Liebe, Soldatenzeit, Erlebnisse mit Menschen, Tieren und Pflanzen, Jagdgeschichten, häusliches Zwischen­spiel alles ist an Hand von Stichworten fein säuberlich in eine alphabetische Ordnung gebracht und mit entzückenden Zeichnungen gespickt! Das Ganze liest sich von A bis Z in einem Zug. Ein Buch voll Liebe zur Natur und allen ihren Ge­schöpfen, voll Tiefe und Humor.

Rudolf Herzog: Heber das Meer Verwehte. Roman. 382 Seiten. Paul Neff Ver­lag, Berlin, 1934. (546) Zu seinem 65. Ge­burtstag bescherte Herzog feiner großen und an-

schickt, das dazu bestimmt ist, im ganzen weiten l chen; trotzdem wird jedem, der einmal diegrauen russischen Reich Propaganda für die Maximen des Jungs" näher kennenlernte, das frische, gerade, un» Staates zu machen. Außerdem kann man als denk- *" "

würdige Schaustücke das Rettungsflugzeug der Tscheljuskin-Expedition und die Gondel des russi­schen Stratosphärenballons besichtigen.

Um dem deutschen Volk erneut ein Bild oom Denken und Wirken des heutigen deut­schen Soldaten zu geben, hat Reichs- wehrminister Generaloberst von Blom­berg im Frühjahr dieses Jahres e i n PreisausschreibenAus dem Leben des Soldaten^ veranstaltet, an dem sich alle Unteroffiziere unb Mannschaften des Heeres und der Marine beteiligen konnten. In leicht faßlicher und lebendiger Darstellung sollten Ausschnitte aus dem dienstlichen und außer­dienstlichen Leben des Soldaten gegeben werden. Von mehreren tausend Beiträgen wurden etwa 50 Beiträge mit Preisen aus­gezeichnet. Ein großer Teil der preisgekrönten Artikel wird Ende November in Buchform unter dem TitelWaffenträger der Nation" herausgegeben. Daraus wird uns der fol- genbe Beitrag zur Verfügung gestellt:

Glühende Hitze 28 Grad im Schatten. 5 Stun­den lang hat man in der brennenden Sonne ge- kämpft. Man ist fertig. Da tönt vom Bataillons- aefechtsstand das Signal:Das Ganze Hall!" herüber. Endlich! Ein Seufzer der Erleichterung, heute war's fast zu schlimm. Man rafft sich hoch und geht zum Sammelplatz und denkt schon mit gemischten Gefühlen an den Rückmarsch zur Kaserne gute 20 Kilometer! Da sind sie ja schon, die Ka- m-eraden. Aber wie sehen sie aus? Abgesehen davon, daß der Karl die Hose von oben bis unten zerrissen hat..., die Gesichter muß man sich ansehen. Schwarz vom Staub wie die Neger, der Schweiß, der her­untergelaufen ist, hat Kanäle hinterlassen. Wenn man nicht allzu abgespannt wäre, man müßte lachen. Aber keinem ist nach Lachen zu Mut. Eine Viertel­stunde ist noch Rast. Alle liegen platt, keiner spricht ein Wort, kaum einer raucht. Nur ab unb zu sieht man irgenb einen aus ber Felbflasche trinken, mit geschlossenen Augen.

Drei hübsche junge Mädchen kommen auf Rädern vorbeigefahren. Nicht ein Scherzwort fliegt hinüber. Jetzt weiß ich es genau: Die Sache ist ernst! So lange ich Soldat bin, ist es noch nicht vorgekommen, daß niemanb ein Wort sagte, wenn ein paar junge Mädchen vorbeikamen, zumal wenn sie hübsch waren. Wenn der Soldat darauf nicht mehr reagiert, dann ist er bestimmt fertig. Schlafen und in Ruhe gelassen werden, so denkt jetzt jeder.Fertig ma­chen!" Jetzt geht's los. Der Anmarsch zur Kaserne ist noch das Schlimmste von allem. Langsam setzt sich die Kompanie in Bewegung. Die Sonne brennt unbarmherzig auf die erschlafften Glieder. Der Schweiß bringt überall burch die Kleiber. Die Kehle ist trocken, bie Beine wollen nicht mehr. Gerade hat man das Gefühl: Jetzt geht's nicht mehr, jetzt mußt du Umfallen... da geschieht das Wunder: Es gibt da einige Kameraden, fabelhafte, unbezahlbare Jungs sind es jeder, ber Soldat gewesen ist, kennt sie unb weiß sie zu schätzen bie es verstehen, einen im letzten entscheidenden Augenblick wieder Hochzureißen. Einer von ihnen hat angefangen zu fingen. Man hört es w-hl, achtet aber nicht darauf. Er aber läßt nicht locker, halb fallen einige Beherzte ein. Lauter unb lauter wirb ber Gesang. Schon langt man nach ber Felbflasche, nimmt einen kräfti­gen Schluck, unb ... schon singt man mit. Ein neues Lieb ertönt, es geht sich schon wieder etwas leichter. Als dann der Gesang verstummt, wagt man selbst einen Witz zu erzählen und fühlt sich durch das Lachen ber Kameraden reichlich be­lohnt.

Vor uns liegt ein Ort. Jetzt heiß es: Zusammen­reihen! Die Bewohner stehen auf bem Dorfplatz unb

nicht in Frage! So ist es doch in ben Garnison- ftäbten, die Leute behaupten manchmal, wir trügen bie Nase zu hoch, wir seien überheblich.

Das Bewußtsein, zu ben auserwählten 100 000 _____.... ...

Mann zu gehören, bie Deutschlands Stolz unb I ft u n g e n berechtigen zum Stolz . Sicherheit bebeuten, könnte uns ja überheblich ma» | --------

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Erinnerung anGösta Verfing."

Don Sigrid Llndset.

Copyright by I. L. A., Wien.

ZuGösta Berling" kehrt man immer zurück ober ich wenigstens werbe immer zu ihm zurück- kehren.

Mir war, als stünbe ich unter einem Zauder, als ich ihn bas erstemal las. Ich war noch nicht recht erwachsen, es war in ben neunziger Jahren. Nie habe ich etwas Aehnliches erlebt.

Das Tosen ber arohen Problembücher war über meinem Kopfe zusammengeschlagen, als ich klein war. Tanten unb Onkel unb anbere Erwachsene hatten über Ibsen unb Björnson, Strinberg unb Hans Jäger gesprochen unb debattiert, so daß das Zimmer von Stimmengebraus erfüllt war und die Prismen des Kronleuchters klirrten. Sie kamen von Versammlungen, in denen sie gegen Beschlag­nahmen protestiert hatten, und ich bekam zu hören, daß ich, wenn ich einmal groß genug fein würde, auchDie Gespenster" unbMan flaggt in Stabt unb Hafen" unbDas rote Zimmer" unbNiels Lyhne" lesen bürfe.

Als bann bie Zeit kam unb biefe Bücher mir zur aeiftigen Nahrung gegeben würben, ba hatten sie für mich bereits einen pädagogischen Beigeschmack. Abgesehen baoon, baß sie vielleicht für eine Halb­erwachsene nicht ganz verstänblich waren: es ist so schwer, einen unmittelbaren Einbruck von Büchern zu empfangen, von benen man weiß, daß man sie lesen soll, um erziehlich baoon beeinflußt zu werben.

Ader bie Reaktion gegen bie Problembücher fiel merkwürbig matt unb unfrisch aus. Sie war ja sehr ernst unb sehr natürlich, biefe Reaktion, bie in ben neunziger Jahren bie jüngste Jugenb bazu brachte, von ben gasbeleuchteten Dortragslokalen unb Dersarnrnlungssälen ber Melieren ins Freie hinauszustreben, in bas Leben, bas aus ber Erbe selbst erwächst. Aber für viele kam bei dieser Flucht nichts anderes heraus als ein Herumspazieren unter dem hellen Himmel der Sommernächte, und die Laute des sprießenden Grases und des leben­digen Lebens der Tiere wurden nur als eine neu- romantische, melancholisch rauschende Begleitmusik den Stimmungen der Spazierengehenden emp­funden.

Es war nur au begreiflich, daß bie lauten Dis­kussionen ber Melieren über Gesellschaftsprobleme die Neugier ber Jugenb jenen Tatsachen zuwanbte, die ber Grund bafür sinb, baß Gesellschaftsprobleme unablässig in neuen Formen erstehen nämlich ben verborgensten Schichten ber Menschennatur. Aber meist blieb biefes jugenbliche Gefallen an ber Seltsamkeit ber Menschen in selbstgefälliger Jch-

beirachtung stecken. Diele von uns hatten bas Ge­fühl, baß ber Realismus ber früheren Generation kurzsichtig war, auf mangelhaftem Wirklichkeitssinn fußte aber bie großen Begabungen hatte boch eben biefe frühere Generation aufzuweisen; sie, bie Melieren, waren es, bie bas konnten, was sie woll­ten. Die Neuen wollten zwar berichten, wovon wir erfüllt waren: baß bie Welt tiefer unb weiter war als bie Realisten es sich träumen ließen, baß bie Ungerechtigkeit ber Gesellschaft aus Quellen ent­springt, benen nur bie wenigsten unserer Onkel unb Tanten in bie Nähe gekommen waren, baß bas Leben uns Reichtümer bot, von benen sie nichts ahnten. Aber all bas würbe nur selten so gesagt, wie es gesagt werben sollte. Was herauskaum, war nur eine Art oerbünnter, unbestimmter Neuroman­tik... Da fiel unsG ö st a Berling" in ben Schoß!

Ich glaube, was uns mehr als alles anbere er­schütterte, war, baß wir erkannten: hier war bie volle, realistische Neugestaltung ber alchimistischen Prozesse, bie Erinnerungen aus Ereignissen machen, Sagen aus ben Erinnerungen, Helben unb Heldin- nen aus ben Menschen, bie etwas an sich hatten, bas von bem arabischen Pulver ber Phantasie ent- zünbet werben kann. Hatte man uns, bie wir mit bem Realismus ber achtziger Jahre unb ber Neu­romantik ber neunziger Jahre ausgewachsen waren, bamit geschreckt, baßWirklichkeit^ unbDichtung" bie eingeoorene natürliche Tenbenz haben, ein- anber zu fliehen, so gewahrten wir nun in bem munberbaren Fluidum von Selma L a a e r I ö f s Kunst, wie bie Elemente berWirklichkeit^ von ber quellenben Dichtung ans Licht getrieben würben, so wie bie kleinen Schollenkörner von bem quellen» ben Wasser emporgetragen werben unb Wasser unb Körnchen entströmen bemselben Erbenschoß.

Gösta Berling, aber auch ber vertrunkene Prie­ster, ber geizige Brobypastor, rohe unb dumme, schlaue unb döse Gutsherren, strenge unb werk­tätige, untüchtige unb unnütze Frauen: so unenblich viele unb verschiebens Silber von ihnen konnten baraus werben, weil sie sich in verschiedenen Augen unb Sinnen spiegelten unb jeber Sinn unb jedes Augenpaar ebenso wirklich ist wie alles, was sich in dem Kavalie^sflügel auf Ekeby spiegelt. Die Kavaliere und biealten Kutschen" sinb sie nur (Berümpel, bas vom Leben kassiert würbe, ober sinb sie Reliquien einer heroischen Zeit?

Ein einziaes Mal bin ich burch Värmland oe- fommen Dem Frykensee entlang gefahren, da war klares Wetter und Sonnenschein. Aber ich konnte mir denken, wie es hier aussehen muß, wenn Sonne und Nebel über dieser weiten Land­schaft miteinander kämpfen. Dies bedeutete Selma ßagerlofs Buch, als es zuerst tarn: eine Atmosphäre

gleichlich diese Erzählungskunst ist, das erkennt man

erst so recht, wenn man das Buch jetzt wieder lieft. Es ist in der schrecklichsten Weise illustriert wor-

ruhen, die mit den Scholle in ihrem ihr gleichnishaftes

Beleuchtungen in der Welt, deren wir uns nie be­wußt worden waren. Wie wunderbar und unver-

Gefühl da, an einer Quelle zu kleinen Staubkörnchen uralter süßen, eröbuftenben Wasser Spiel treibt.

ben, man hat Prospekte von Sommerpensionen ge­sehen, bie Anspruch barauf erheben, mit ben Mar- chenschlössern aus Gösta Berlings Reich identifi­ziert zu werden, man hat es auch gefilmt.

Aber bann lieft manGösta Berling" wieber, unb biefe Fabelwelt, bie Selma Lagerlof, lang, lang ifts her, geschaffen hat, umschließt uns so be» hexenb neu, unb wieber sitzt man mit bem alten

tung zu unb er äußerte sich Eckermann gegen­über, ber ihn babei überraschte, wie er mit ben Enkeln spielte:Ich habe nichts baroiber, daß bie Knaben ihre müßigen Stunden mit solchen Tor­heiten ausfüllen. Es ist, besonders in Gegenwart eines kleinen Publikums, ein herrliches Mittel zur Uebung in freier Rede und Erlangung einiger körperlichen unb geistigen Gewanbtheit, woran wir Deutschen ohnehin keinen Uederfluß haben. Der Nachteil allenfalls entstehenber kleiner Eitelkeit wirb burch solchen Gewinn ausgewogen." Luch über ben Einkauf biefes Geschenkes für bie Enkel haben wir Aufzeichnungen. Im November 1830 schrieb Goethe nämlich an Frau von Wi11emer nach Frankfurt, sie möge ihm einen Spielzeugkasten

Goethe als Zauberlehrling.

Geschichten um einen Spielzeugkasten

Nicht nur bie Kinde/ träumen schon vorn weih­nachtlichen Spielzeug unb brücken ihre Nasen an ben Scheiben ber Spielwarenläden platt, wo bie Traurngesichte eine rounberbare greifbare Verwirk­lichung finben, auch bie Erwachsenen werfen schon einen Blick in bie Fenster unb bleiben an biefem ober jenem Spielzeug haften, bas sie einst in ihrer Kinbheit beglückt hat. So rüsten sich bie Kleinen aufs Wünschen unb bie Großen aufs Schenken, unb wenn bas Spielzeug bescheibener vielleicht als in ben kühnen Träumen, aber sofort in bas kost­bare Gewanb ber Phantasie getleibet, so baß es jeben Wunsch noch weit übertrifft bann auf bem Gabentisch liegt, werben auch bie Erwachsenen wieber zu Kindern unb schämen sich besten nicht. Auch Schiller ist in harmloser Freude auf allen Vieren unter bem Lichterbaum herumgekrochen, um seinem Buben als Reittier zu bienen, unb sogar ber greife hoheitsvolle Goethe hat sich von bem Bann eines Zauberkastens gefangen nehmen lassen, ben er selbst einmal seinen Enkeln geschenkt hat. Dieser Spielkasten ist heute noch erhalten unb wirb alsaus siebzehn Gegenständen destehenb" be­schrieben:zwei Polichinels, ein magisches Quob- libet, ein Zauberquadrat, ein Domino, em Zusam- mensetzspiel unb anberes mehr" befinbet sich bann, unbbeiliegenb fünfundzwanzig Zettel mit Hand- schriftlichen Angaben von Zauberkunststücken. Alles in einem blau überzogenen Holzkasten."

unb eine Beleuchtung ber Wirklichkeit, bie es lange i Der alte Goethe maß biefem Zauberkasten ob nicht gegeben hatte. Dies war ganz unb gar ihre einem Mittel zur Erziehung ber Kinber zur @t* Kunst: sie öffnete uns bie Augen für eine Unenb» schicklichkeit unb Hanbfertigkeit eine große Bedeu- lichkeit von atmosphärischen Schattierungen unb

besorgen,worin mancherlei) Geräthschaften zu Taschenkünststücken mit Anweisung zum Gebrauch beysammen sinb, wie es einem Anfänger, einem Knaben von zwölf Jahren, genügen könnte". Am 19. Dezember bankt erfür gefällige schnelle Be­sorgung" unb fenbet gleichzeitig ben Betrag für ben Taschenspielerkasten, ber 8 Florin 30 Kreuzer kostete. Weihnachten 1830 würbe also ber kleine Walter mit biefem Kasten beschenkt, unb bald N er vor einem sehr erlesenen Publikum, in dessen Mitte fein Großvater thronte, feine Künste gezeigt Aber ber Großvater nahm bas Zaubern sehr err- unb war ganz bamit einverstanden, baß sich aus ein richtiger Zauberkünstler einmal als ZuschauN unb Berater bei biefen Vorführungen einfand. Onl Juni 1831 erschien nämlich in Weimar ber künstler Seiner Majestät bes Königs von Preußen etc. etc." Professor Ludwig Döbler aus Die"- ein Taschenspieler unb Zauberkünstler, ber viel in Goetheschen Hause verkehrte unb sich ber besonderen Wertschätzung des Dichters erfreute. Das Tagebuw berichtet denn auch von Döbler, baß erWalther einige Kunststücke gelehrt" habe. Die Sachen au bem Zauberkasten bekamen nun eine gestehe Bebeutung, unb bie Enkel konnten sich als klei Meister bes Faches mit großem Erfolg vor o betfaüsfreubigen Zuschauern beweisen. So lesen w in ben Tagebuchaufzeichnungen:Abends snit Familie. Walther machte seine Becherkünste r sy artig" undWalther gab eine Vorstellung I erlernten Taschenspielerkunststücke". Großvater d) Stolz mischt sich hier mit einem echten 3*} <5

des Dichters an dieser Zauberei, wenn er Nch Lehrling dieser Künste auch nicht vermaß, log-n- Kunst be« wahren Master- AU »«Ä Denn unter Döblers Portrat schrieb Goetye anerkennenden Verse: u»,

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