Nr. 281 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Samstag, 1. Dezember 1934
Selbstbestimmungsrecht auf Cypern.
Don unserem R'-CSericfyferflafter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Athen, Mitte November 1934.
Die Insel Cypern, die im Altertum in ihren Blütezeiten über eine Million Menschen ernährte, zählt heute 340 000 Einwohner. Davon sind allein 280 000 Griechen, den Rest stellen in der Hauptsache Türken, Armenier, Levantiner und Engländer. Än letzter Zeit sind Juden hinzugekommen, die sich der Bodenkultur, speziell der Orangenzucht zuwandten, und auch gewisse Industrien zu verpflanzen suchten. Doch wehrt sich die einheimische Bevölkerung heftig gegen eine jüdische Einwan- iberung.
1878 nahmen d i e Engländer die Gelegenheit ibe£ russisch-türkischen Krieges wahr, um Cypern ,„v o r l ä u f i g" zu besetzen. Sie wurden von !den Griechen als „Befreier" mit großer Begeiste- rrung empfangen. Diese „vorläufige" Besetzung -währte bis zum Eintritt der Türkei in den Weltkrieg; 1914 erfolgte die Annexion Cyperns. Die ^Türkei verzichtete im Friedensvertrag von Sevres 1920 auf alle Rechte auf Cypern. 1925 wurde die lInsel zur englischen Kolonie erklärt und der !Regierung eines Hohen Kommissars (High Comis- ffioner) und eines Scheinparlamentes, dem legisla- ltiven Rat, unterstellt. Dieses Parlament bestand «ms 12 Griechen, 3 Türken und 9 Engländern; die Stimme des Kommissars war bei Stimmengleichheit ausschlaggebend. Die Engländer spielten den ßchroffen Gegensatz zwischen Türken mnd Griechen geschickt aus, waren auf diese Kluge Weise immer im Parlament in der Mehrzahl mnd konnten schalten und walten, wie es ihnen be- lliebte.
Der Auf st and der Griechen im Jahre 3931 räumte auch mit dieser scheinbaren Freiheit «uf. Der Gouverneur hob die bestehende Werfassung auf und nunmehr wurde Cypern mach der „Cyprus Defence Order" (Verordnung zzur Verteidigung Cyperns) regiert. Diese Verord- mung wieder gründet sich auf eine generelle Verord- mung, der „Defence Order of certain Colonies", nn die Cypern einbezogen ist und die für fast alle »englischen Kolonien gilt. Nach dieser Verordnung chat der Gouverneur einer Kolonie, die in „Ver- iteidigungszustand" erklärt wird, alle Executiven mnd gesetzgeberischen Machtmittel in der Hand; er werfügt über Vermögen, Freiheit und Leben der -Einwohner der Kolonie, soweit nach seinem Ermessen Die Sicherheit der Kolonie das erfordert. Diese Ver- wrdnung ist augenblicklich nur auf der Insel Cypern üin Kraft. Auf Grund derselben wurden Verban- mungen, Vermögensbeschlagnahmen und schwere -Geldstrafen verhängt, Geldbußen wurden angeblich gur Wiedergutmachung des Schadens verwandt, den Der Aufstand der Regierung gekostet hat.
Der Gouverneur von Cypern hat auf Grund dieser Verordnung im Mai 1933 das „Gesetz für Unterricht und Schulwesen" erlassen. Nach diesem Gesetz wird der griechische Charakter des Schulwesens abgeschafft. Der Gouverneur übt die Kontrolle über Lehrer und L>chulprogramme aus und der Zwecks des Schulgesetzes ist, aus der Jugend Cyperns Bürger des englischen Imperiums zu formen. Deshalb find im Unterricht griechische Geschichte, griechische Volkslieder, kurz und gut alles das, was die Schüler ggriechisch beeinflussen könnte, verboten.
Auch das Gesetz über die Städte - und G e- inneindeverwaltungen nimmt der griechischen Bevölkerung alle Rechte. Die Stadtverordneten mnd Gemeinderäte werden nicht mehr vom Volke ! gewählt, sondern vom Gouverneur ermannt. Sogar die von den Bürgermeistern und -Gemeinderäten einzustellenden Beamten bedürfen ooor ihrer Dienstübernahme der Bestätigung des -Gouverneurs.
Ein besonderes Kapitel, das die griechische Bevölkerung der Insel in steter Erregung hält, ist die Behandlung der Kirchenfrage durch die eng- lische Regierung. Seit dem Jahre 485 n. Chr. war die griechisch-orthodoxe Kirche völlig unabhängig auf Cypern. Der Erzbischof von Cypern besaß ge- wisse Vorrechte, die sonst nur der Kaiser von Byzanz innehatte. Als äußeres Zeichen dieses Vorrechtes durfte der Erzbischof von Cypern seinen Namen mit roter Tinte unterzeichnen und in seinen Hirtenstab einen Apfel einschneiden — beides Privilegien, die nur dem Kaiser zustanden. Bis zum Aufstande von 1931 schien die englische Regierung diese Rechte zu achten. Jedoch, der orthodoxe Klerus auf Cypern, wie Übrigens immer in der Geschichte und in ganz Griechenland und Kleinasien, steht nicht allein die Erfüllung feiner kirchlichen Pflichten als oberstes Gesetz an, sondern erfüllt auch bis zum Aeußersten sei nationalen Pflichten. So spielte natürlich bei der Erhebung des cyprischen Volkes von 1931 die Kirche eine führende Rolle. Don den vier Bischöfen, die Cypern besitzt, sind noch heute zwei ausgewiesen, während der dritte gestorben ist, so daß zur Zeit in Cypern nur ein einziger Bischof weilt. Da die Engländer den anderen beiden Bischöfen die Rückkehr nach Cypern ver- । boten haben, kann eine Synode zur Wahl neuer 'Bischöfe und eines Erzbischofs nicht zusammentreten und so bleibt die Kirchenfrage ungeregelt, die Bevölkerung der Insel ohne geistige Führung.
Man fragt sich, wie diese hohen und gebildeten Geistlichen im Verein mit den angesehensten Bürgern der Insel sich gegen eine Weltmacht erheben, wie 280 000 unbewaffnete Griechen den Kampf gegen eine überhaupt nicht zu vergleichende Heber» macht aufnehmen konnten, wo sie doch von vornherein wußten, daß das Ringen einen vergeb- lichen Einsatz von Blut und Geld kosten würde.
Die Absicht der Führer des Aufstandes war auch nicht, mit Gewalt die englische Herrschaft abzuschütteln und die Vereinigung mit Griechenland zu proklamieren, sondern das Weltgewissen auf das große Unrecht hinzuweisen, das in Cypern seit 1878 geschieht. Die Engländer hatten dieses Weltgewissen durch falsche Berichte aus Cypern, die die dortige Bevölkerung als von der englischen Herrschaft begeistert hinstellen, einschläfern wollen. Da diese Meinung ständig mehr Glauben zu finden schien, beschlossen die Führer des Aufstandes, die Welt von dieser falschen Vorstellung zu befreien und griffen zum letzten und äußersten Mittel, das ihnen noch Übrigblieb: zum Aufstand! So find alle Versuche der Engländer, die Griechen auf Cypern zu treuen Bürgern des Imperiums umzuwandeln, vergeblich. In den Herzen der Griechen von Cypern schlummert nur e i n Gedanke — frei z u fein und eins mit dem Mutterland, mit--Griechenland.
1192 sahen die Griechen Cyperns die Franz o- f e n kommen, etwa 400 Jahre später sahen sie sie wieder verschwinden und die Italiener einziehen. 1571 erschienen öle Türken, die nach 300 Jahren, 1878, wieder abziehen mußten, und dann landeten die Engländer. Aber die Cyprio- ten, auf Grund ihrer mehrtausendjährigen Geschichte wissen, daß auch diese einstmals die Gestade Cyperns werden verlassen müssen, wie alle anderen Eroberer ...
Inzwischen aber geht der Kampf auf der Insel weiter. Die Engländer, die die Insel regieren wie einen Negerstaat in Jnnerafrika, vergessen anscheinend, daß sie es hier mit einer europäischen, gebildeten und zivilisierten Bevölkerung zu tun haben, die über eine größere Geschichte verfügt als England selbst und die bedeutenden Männern, wie Zenon und anderen das Leben schenkte ...
Nach der Trauung in London.
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Das junge Paar auf dem Balkon des Buckingham-Palastes. Don links: Die Mutter der Braut, Prinzessin Nikolaus von Griechenland; Prinzessin Elisabeth, die achtjährige Tochter des Herzogs von York, das älteste Enkelkind des Königs; Herzogin Marina von Kent; Prinzessin Mar- g a r e t - R o s e , die Schwester der Prinzessin Elisabeth; Herzog Georg von Kent; der Vater der Braut, Prinz^ N i k o l a u s von Griechenland; Königin Mary von England.
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Die Herzogin von Kent im Brautkleid.
Deutsche Flugzeugtechnik inparis
Die Fliegerausstellung in Paris ist vom Präsidenten der Republik Lebrun unter den feierlichen Klängen der Marseillaise eröffnet worden. Danach ließ sich der Staatspräsident mit großem Interesse durch die Stände führen und viele Einzelheiten erklären. Seine Sachkenntnis rührt daher, daß Lebrun früher selber Flieger war und die Entwicklung der Flugzeugtechnik dauernd verfolgt hat. Dann aber weiß er auch, daß die Luftflotte sowohl für den Transport von Gütern und Personen als auch als militärische Streitkraft für den Staat unentbehrlich gerooröen ist.
Wir dürfen stolz darauf sein, daß das Interesse des Präsidenten vor allem den deutschen Fracht-, Verkehrs- und Sportflugzeugen galt, die höchste Qualitätsarbeit darstellen. Die immer höheren Geschwindigkeiten und ! die Möglichkeit, immer größere Nutzlasten aufzu- | nehmen, sind der beste Beweis für die Leistungs- ' fähigkeit gerade der deutschen Konstruktionen. Im Mittelpunkt der gesamten Ausstellung stand das deutsche Riesenflugzeug „J u 5 2", das durch die neuartige Anwendung des Schwerölmotors starke Anziehungskraft ausübte. Präsident Lebrun kletterte sofort in den Jnnenraum und beschäftigte sich eingehend mit den Vorzügen des Motors und versäumte darüber sogar die Mittagspause, die sonst in ganz Frankreich streng eingehalten wird. Aber auch das andere Publikum zeigte sich iß^hohem Maße an dem deutschen Flugzeug interessiert, es stand in langen Reihen an, um ebenfalls den Jnnenraum besichtigen zu dürfen. Da der Andrang am ersten Tage so stark war, wird die Polizei in der nächsten ZKt die Regelung des Zustroms zur „Ju 52" übernehmen.
Die Italiener bringen mit ihrem zweisitzigen Wasserflugzeug etwas durchaus Neues. Tragflächen, Rumpf und Schwimmer der Maschine wurden aus Stahlblech von einem Viertelmillimeter Stärke her- gestellt. Durch die neuartige elektrische „Punktschweißung" wurden alle Einzelteile miteinander verbunden. Die Maschine kann übrigens durch zwei Hebelgriffe in ein Landflugzeug verwandelt werden. Frankreich selbst ist als einzige Nation mit
Haupt, die trockene Zunge hängt ihm aus dem
bewußtheit.
’nen Eltern ...
Zeit
ieger, von der Leiche fortreißen.
der anderen bedenklich den Kopf. „Um so zu ver
alt das geht an ihm vorbei.
Halse, er versucht aufzustehen, fällt aber gleich wieder nieder. Da hinten sieht er bas ersehnte Schiff, und der Rauch wälzt sich aus seinem Rücken, und an der einen Seite — ach, da schwimmt das große Tier, das so viel Fleisch hat für arme Hunde, blutig
Die Perle.
Bon £anei B Waqensett.
Copyright by I. L. A., Wien.
dem berühmtesten Goldschmied seiner
jgu ihm waren, wo er sich einen fetten Bissen schnap- > Ven durfte, ohne allzu harte Strafe befurchten zu imüffen, und wo der Pelz noch so kurzhaarig war, idaß man an Aufhängen nicht zu denken brauchte. NEr wußte ja von klein auf, daß grönländische SSchlittenhunde, die nicht mehr fähig sind, ihre Ar- $beit zu tun, aufgehängt werben, und bann zieht man ihnen bas Fell ab, gerbt es und verkauft es.
Unb dann die ebenso glückliche Jugendzeit mit all fl)en lustigen Tollereien und dem schönen Verliebt- flein! Er dachte an jene Stunde, als er von Nachbars Bas den ersten wirklichen Schmiß erhielt, weil er um dessen Lieblingsfrau gebuhlt hatte. Und die »herrlichen Schlittenreisen nach fernen Orten, wo er mit seinesgleichen kämpfte. Teils mußte er feine (eigenen Frauen bewachen, ja. Ader meistens war ier hinter den Frauen der anderen her. Waren das Prächtige Touren! Dann kam er heim mit frischen Wunden und bunten Erinnerungen, und im nächsten Jahr konnte er an den fernen Orten seine Kinderchen treffen, unb er war immer so stolz ;auf sie! *
Wie bunkle Silber glitten diese Geschehnisse an ttym vorüber. Plötzlich lebte es auf in den matten Augen. Deutlich stand sein größtes Erlebnis vor chm. Das war der Kampf mit dem Bären, der alle linderen Kämpfe bei weitem übertraf.
Ein scharfer Pfiff ruft ihn noch einmal in die Wirklichkeit zurück. Er gilt nicht den jungen Hunden, er kommt von einer Schiffssirene. Und wie er
ijein sollte. Und die jüngeren Kameraden, über die sr regiert und denen er beigebracht hatte, wie man Sd)litten fährt, würden ihm ohne die geringsten Wewissensbisse die Haut vom Leibe reißen. Das war nun mal so. Früher war er selbst einmal so grüß- üch undankbar gewesen, unb zwar gegen seine eige-
unb noch warm. Traurig, entsagend blickt er auf. Dann streckt er sich, der Kopf liegt wieder zwischen den Pfoten, und während sich das schöne Bild in seinen Augen widerspiegelt und bas Geheul aller Hunde der Kolonie in feinen Ohren tönt, gleitet er
Sein müdes Haupt lag zwischen den Vorderpfoten. Die einst so glänzenden Augen waren stumpf mnd verschleiert. Er lag und erinnerte sich vergange- mer Tage. Der glücklichen Kindheit, jener sorglosen
Der alte Schlitteuhund stirbt
Aus dem Dänischen frei übersetzt von Waldemar Keller.
Er kam überraschend, am meisten vielleicht für den Bären, der hinter Eisblöcken lag und döste.
Hunde der Kolonie in ß'inen Ohren tönt, hinüber in die sorglose arbeitsfreie unendliche Un-
Der Hunger nagt und tut weh. Er schaut suchend in die Runde. Vielleicht kommt Rettung von dem kleinen Schiff, das dicke Rauchmasfen aus seinem Rücken stößt und mit der einen Seite üb erhängt, unb an dieser Seite schwimmt ein riesiges Tier, das die Menschen Wal nennen, unb dieses Tier hat so viel Fleisch für arme hungrige Hunde, so viel zartes Fleisch, daß leibst seine alten Zähne es noch beißen könnten. Ach, wenn bas Schiff doch kommen wollte! Vielleicht konnte er bann noch ein bißchen leben; wer weiß, am Ende mürbe man ihn sogar noch einmal vor den Schlitten spannen. Seit sieben Tagen hat er keine feste Nahrung gehabt. Nur das lächerliche Geschling, bas aus den überfüllten Näp-1 aWagen Dann aber ging stand gebrochen sein. Er merkt, daß alle Muskelnj er um der Ehre jcmer Zunft willen dennoch dar- schlaff werden, er zittert die leeren Eingeweibe ' auf ein. Kaum aber war der Abgesandte fort, da sind nicht länger imstande,'Stoff abzugeben, um die bereute er seine Eiligkeit bitter und raufte sich den Maschine in Gang zu halten. Langsam nimmt bas Bart und hatte von Stund an nicht Ruhe mehr Pulsen des Blutes ab, er steht dem letzten Augen- noch Rast. Wohl hundertmal hatte er im Lauf der blick diesseits des Todes gegenüber, sanft umhüllt Tage den Bohrer schon angesetztz aber immer wieder chn ein alles vernebelnder Schlummer. * fehlte ihm der Mut, das Gewinde spielen zu
Er lag — so erzählt der Erste Steuermann eines Wolfsnatur Haire sich geregt.
Dänischen Grönlandfahrers — im spärlichen Schutz' Die Riemen wurden zerrissen, und wie die Wilseiner Erdhütte, angenehm war ihm diefer Platz den stürmten sie davon. Hinter ihm stand sein Herr imicht, aber er hatte ihn dennoch sorgsam ausgewählt, i mit dem Gewehr im Anschlag. Anfangs war es ' ' 1 n"' ' mehr ein Sport; der Bär war viel zu faul, um am
zugreifen, ybwohl er sich von allen Seiten bedrängt sah. Schließlich wurde er aber doch anderen Sinnes, er stellte sich auf die Hinterbeine, und als einer der eifrigsten Hunde allzu nahe kam, kriegte er dessen Kopf zwischen die Zähne unb knackte ihn wie eine Nuß. Das Schicksal wollte es, daß ber getötete Hunb seine Lieblingsfrau war, bie Lieblingsfrau des Bas, und ba war es aus mit dem Sport. Mit einem Satz sprang er bem Bären an bie Kehle, achtete nicht bes drohenben Gebisses, das feine schlanken Glieder zu fassen versuchte, kümmerte sich um nichts, fühlte nur das warme herabströmenbe Blut des Bären, das ihn selbst überrieselte. Ein tiefes Stöhnen, und der mächtige Gegner sank in sich zusam-
fahren, sei es nötig, die Perle anzubohren, um sie fein artig auf ein Stiftlein oder Dorn zu nadeln. Hier aber liege, mit Verlaub zu sagen, der Hund begraben! Denn eine Perle von solcher Große habe leicht ihre Mucken und könne im Augenblick, wo ihr der Stahlbohrer ins Herz fahre, auch in der geschicktesten Hand zerspringen."
So aber wollte der Abgesandte das Geschäft nicht wahr haben. „Er habe", sagte er und ließ ein wenig die Mundwinkel fallen, „wohl zu Unrecht so viel des Lobes von des Meisters Kunst und Können gehört. Wer sein Geschäft verstehe, der sei des Erfolges auch gewiß. Kurz und gut: entweder fei der Meister mit Haupt und f)abe Bürge, oder . er solle auch den Preis und die Ehre nicht haben." - Dem Meister schoß das Blut in den Kopf. Erst -'wollte er den Handel abschlagen. Dann aber ging
Ach ja, bas waren Zeiten! Damals galt er noch □rLit'5afreie"3eUUmoU,fa,ft"aiir'gut unb* sreEch was. Nun liegt er mühe neben einem Abft-llhaufen nroeusjceien p!] i .___wirr— unb weiß recht wohl, baß er ba auch hmgehort.
Nichts ringsum interessiert ihn mehr. Das Jaulen der jungen Hunde, bas strenge Brummen ber Base, bie Raufereien, mißglückter und geglückter Flirt, —
hatte ihn dennoch sorgsam ausgewählt.! »Hier fiel er keinem lebenden Wesen zur Last er Wußte, daß er ein Alter erreicht hatte, in dem i Warmherzigkeit nicht mehr zu erhoffen war. Die-| jelben Füße, die gemütlich hinter ihm auf dem, Schlitten gelegen hatten, den er als allgewaltiger' „„Bas" über bas weiße Land geführt, würben ihn ■ rnun in bie Seite treten, wenn er ihnen im Wege >
...... _________ ... Zu ,
men. Mit Gewalt mußte man ihn, ben Bas und kam einmal ein Abgesandter des Königs und brachte
~ ' ihm eine Perle, die war größer als ein Taubenei.
Diese Perle sollte der Meister so fassen, daß sie aufrecht und wie ein schwebender Stern auf einem goldenen Reifen zu sitzen käme, um das Haupt der Königin zu zieren. Der Meister hielt das unschätzbare Juwel in der einen Hand und kraulte sich mit
Der Schlitten war beinah schon vorbeigefahren, als , .. .
er und seine Kameraden den zottigen Gesellen er- die Auaen aufmacht, sieht er--ja, was sieht er!
schnupperten. Da waren mit einemmal aller Ar- i Seine Augen werben a/oß, mit Mühe hebt er bas
beitsernst und aller Gehorsam zum Teufel, bie
lassen, so daß er Werkzeug und Juwel hinwarf, feinen Hut auffetzte und vor sich selbst davonlief. Er ward ganz wunderlich und irrte durch die Stadt, murmelte in feinen Bart und machte verzweifelte Gebärden wie einer, der nicht ganz recht ist im ’ Kopf. Des Nachts floh ihn der Schlaf, so daß er stöhnte und ächzte und selbst im Traum jammerte, wie ihm die Perle unter dem Bohrer zersprang. Die Meisterin hatte bald heraus, wo ihren Mann der Schuh drückte. Sie sann, wie sie ihm helfen könnte. Eines Tages, als ihr Alter wieder fort war auf Grillenfang, glaubte sie das Rechte gefunden. Einen Augenblick, als ihr der rettende Gedanke durch den Kopf schoß, blieb ihr das Herz stille stehen. Dann aber holte sie entschlossen die Perle aus dem Behältnis und ging hinüber in die Werkstatt. Dort stand gerade der Lehrbub an der Drehbank und hatte vor sich eine Schachtel mit allerhand Tand stehen, Japanperlen und böhmische Glaskugeln und Zierat aus Italien. Da griff er munter hinein, ließ den Bohrer fingen und pfiff und nadelte auf und reihte bunte Glasketten. Die Meisterin warf ihm so, als sei es billiger Tand, die kostbare Perle hin unb sagte leichthin: „Geh, Theodor, bohr mir mal eben den Klunker an". Damit drehte sie sich um und schlug ein Kreuz.
Der Bub griff zu, es knirschte und splitterte ein wenig — und bas Werk war getan. Der Bub wunderte sich nicht wenig, als ihm die Meisterin um den Hals fiel. Als der Meister heimkam, lag die Perle fein säuberlich auf einem roten Samt- fiffen. Vor Staunen konnte er kein Wort hervorbringen. Da lachte die Meisterin und sagte, ihn am Ohr zupfend: „So mußt du denn wieder beim Lehrbuben in die Schul' gehen. Oder weißt du nicht mehr, daß zu einem guten Handwerk vor allem eins gehört: munteres Drangehen und eine frohe Unbefangenheit?!"
Hochsckulnachnchten.
Der ao. Professor Dr. Friedrich W a ch t s m u t h an der Universität Marburg ist zum Ordinarius für Vorderasiatische Kunst in Marburg ernannt worden.
Professor Dr. F. C. Faber, der Vorstand des Pflanzenphysiologischen Instituts an der Universität Wien, hat einen Ruf auf den ordentlichen Lehrstuhl für Botanik und als Direktor der Botanischen I Staatsanstalten ber Universität München erhalten unb bereits angenommen.
Professor Dr. Karl Kellermann, Extraorbi- narius für physikalische Chemie und Technologie an ber Bergakademie Clausthal, ist zum Ordinarius an der Technischen Hochschule Aachen ernannt worden.


