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rung des Friedens, so, wie er ihm ange­boten worden ist, zu nehmen, d. h. in der ganzen moralischen Rolle, die einem großen Lande Vor­behalten ist, dessen Solidarität für das Gedeihen und die Zukunft der europäischen Allgemeinheit entscheidend sein kann. Wir denken nicht daran, vor der durch die deutsche Aufrüstung gegebenen Tatsache uns zu beugen oder uns den Verpflich­tungen zu entziehen, die sie uns auferlegt. Aber

wir wollen glauben, daß Deutschland in dem Augenblick, wo es feine Sorge um den Frieden versichert, verstehen wird, daß es feine moralische Verantwortlichkeit vor den anderen Ländern nur noch verstärkt, wenn es sich weigert, an dieser Politik der Zusammenarbeit mitzuarbeiten, zu der es von allen aufgefordert wird. Ich wiederhole, daß es sich um eine ehrliche Einladung han­delt, die wir ihm gemacht haben.

Laval bestätigt: Keine territorialen Streitstagen zwischen Deutschland und Frankreich.

Frankreichs Interesse an der Volksabstimmung im Gaargebiet.

Zwischen Frankreich und Deutschland gibt es keine territorialen Streitfragen. Die Saarfrage muh normal und für beide Lander zufriedenstellend geregelt werden. Sie ist durch den Friedensverlrag in einen inter­nationalen Rahmen gebracht worden, den sie beibehalten muh. Es hängt von Deutschland ab. ob sich die Volksabstimmung unter normalen Bedingungen vollzieht. Wir für unser Teil haben nur den einen Wunsch, die Abstim- mungsfreihelt und das Abstim- mungsgeheimnis gewahrt zu sehen. Wir beugen uns von vornherein dem Ergebnis dieser Abstimmung. Wir geben der Hoffnung 1 Ausdruck, dah die Ordnung nicht gestört wird.

Frankreich bleibt auch weiterhin bereit, seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen, wie es feine Pflicht ist. Wir bitten auherdem <^>ere Länder, mit uns zusammen die Aufgabe der Polizei zur möglichen Wiederherstellung der Ordnung zu übernehmen. Wir erklären vor Deutschland und vor der Weltöffentlichkeit ohne irgendeinen Hintergedanken unseren Wunsch, nichts zu übernehmen, was nicht strikt in den internationalen Rahmen fällt. Wir haben berechtigte In­

teressen zu vertreten. Unsere Unterhändler im Dreierausschuh haben Anweisungen erhallen, um diese Interessen zu verteidigen."

Laval erklärte sodann, daß Frankreich seinen Glau­ben an die internationale Politik der Zusammenarbeit und an den Völker­bund nur wieder zum Ausdruck bringe, indem es bis zum Schluß sämtliche im Zusammenhang mit dem Saarproblem aufgeworfenen Fragen unter der Autorität des Völkerbundes be­handele, die französische Regierung betrachte die Weiterentwicklung des Völkerbundes als eine uner­läßliche Bedingung für die Aufrechterhaltung und Stärkung des Friedens. Nur im kollektiven Rahmen und in den Grenzen des Völkerbundspaktes wünsche Frankreich seine Bemühungen um den Wiederauf­bau Europas fortzusetzen. Die berufensten Männer hätten kürzlich in London einer ähnlichen Treue Englands zu den Grundsätzen der kollektiven Organisierung des Friedens, die der Völkerbund vertrete, Ausdruck gegeben. Frankreich beglückwünsche sich, daß eine volle Ueberein- st i m m u n g in dieser Hinsicht es den beiden west­europäischen Demokratien erlaube, in der augen­blicklichen schwierigen Lage, in der sich die Welt befinde, eine Politik der engen Zusammenarbeit fortzusetzen, die als eine Hauptbedingung für den europäischen Frieden anzusehen sei.

Die Fühlungnahme der Frontkämpfer.

Die Rede des Außenministers wurde von den Abgeordneten häufig durch lebhaften Beifall un­terbrochen, besonders als der Außenminister darauf hinwies, daß die französische Politik keine Angriffs­politik fei. Als er sich näher mit Deutschland befaßte, klatschte man auf allen Bänken. Als der Außenminister nach der Beendigung seiner Rede auf feinen Platz zurückkehrte, verließen die Abge­ordneten zum Teil ihre Bänke, um ihm die Hand zu drücken und ihm für feine Erklärungen zu danken.

Franklin-Bouillon,

richtete dann außerordentlich scharfe Erklärungen gegen Deutschland. Er warf der französischen Regie­rung vor, eine falsche Saarpolitik getrie­ben zu haben. Mit dem nationalsozialistischen Deutschland sei niemals eine Verständigung mög­lich. Franklin-Bouillon versuchte den Einwänden zu begegnen, daß die nationalsozialistische Politik sich nach der Machtergreifung geändert habe, und ging dann zum Angriff gegen diejenigen Franzosen über, die glaubten, daß mit dem nationalsozialisti­schen Deutschland eine Verständigung möglich sei.

Das trug ihm einen Zuruf des neufozialiftifchen Abg. Montagnon ein, der betonte, daß der Friede nicht gesichert sei, solange d i e deutsch - französischen Beziehungen nicht geregelt seien. Er warf Franklin-Bouil­lon vor, daß er die Verständigung mit Deutschland störe. Er habe die nationalsozialistische Bewegung überhaupt nicht verstanden.

Franklin-Bouillon ging dann auf die Unterredung der französischenKriegs- tcilnehmer mit dem Reichskanzler ein

und richtete scharfe persönliche Angriffe gegen Stadt- r<tt M 0 n n i e r und den Abgeordneten G o y.

Jean Gost

führte aus, daß französische Kriegsteilnehmerver­bände schon seitJahren mit deutschen Kriegs­teilnehmern in Fühlung gestanden hätten, die fran­zösischen Kriegsteilnehmer wollten sich nur unter­richten. Es sei eigenartig, daß n i e m a n d in der Kammer gegen die Erklärungen Archimbauds protestiert habe. Vielleicht sei doch etwasWah- res daran, daß man ein Bündnis mit Sowjetrußland vorbereite. Der Stahl- ring, den man um Deutschland zu schließen versuche, hätte nur einen Wert, wenn er voll­ständig wäre. Aber könne man auf Polen in dieser Hinsicht rechnen? Es gebe kein Mittel, die deutschen Rüstungen zu verbieten. Es gebe kein an­deres Mittel, als die französische Armee und die Landesverteidigung zu organisieren und, ohne seine Freundschaften zu verleugnen, mit Deutsch­land zu reden. Frankreich habe keine Wahl zwischen verschiedenen Lösungen. Goy wandte sich gegen das alte Sy st em, das einen Block gegen einen anderen aufrichte, und erinnerte daran, daß alle Pakte, die Frankreich abge­schlossen habe, durch private Verhand- langen vorbereitet worden seien. Die fran­zösischen Kriegsteilnehmer wollten sich nicht an die Stelle der französischen Regierung setzen. Aber man würde sich nach einigen Jahren Vorwürfe machen, daß man im Falle eines Konfliktes die Möglich­keit zu Verhandlungen nicht wahrgenommen habe. Die weiteren Beratungen wurden dann auf Samstag vertagt.

Die presse zur Rede Lavals.

ZuerstSicherhettdannAbriisiung

Paris, 1. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Rede Lavals wird von der Presse als Bestätigung der Kontinuität der französischen Außenpolitik ein- mütig begrüßt. Selbst Blätter, die Laval miß- iranisch gegenüberstanden und auch nicht alle Punkte der gestrigen Darlegungen vorbehaltlos unterschrei­ben wollen, erklären sich im großen und ganzen befriedigt. DerExcelsior" schreibt, Frankreich bringe der Welt seinen Willen zum Ausdruck, alle Völker in der Wahrung des Friedens zu vereinigen. Laval halte diese Frage nicht für vereinbar mit den gefährlichen Träumereien von einer Revision. Er be­tonte mit höflicher Festigkeit den Grundsatz: Zuerst Sicherheit, dann Abrüstung, was jede Illusion darüber ausschließe, daß Frankreich sich etwa vor Der durch die deutsche Rüstung geschaffene Tatsache beugen könnte. Nach dieser Richtung begrüßt das Blatt besonders den Hinweis des Außenministers auf die enge Zusammenarbeit zwischen Paris und London: eine hundertprozentige französische Politik habe immer noch die meiste Aus­sicht, mit einer hundertprozentigen englischen Politik Schritt zu halten.

L'Ordre" ist überzeugt, daß Laval allen Ver­suchen einer unmittelbaren deutsch- französischen Aussprache, die die Kleine Entente erschrecken und England verstimmen müßte, die Spitze abgebrochen habe. Die Aner­kennung für Baldwin sei ein glückliches Anzeichen für die Rückkehr z u einer wirklichen Entente cordiale, der einzigen wirklich ernsthaften Friedensgarantie.

DasPetit Journal" meint, Laval habe den Führer des neuen Deutschland gebeten, seinen Wor­ten durch Handlungen eine positive Bedeutung zu geben, insbesondere durch die Teilnahme am O st p a k t. Somit sei vor dem Parlament wie vor dem Land die deutsch-französische Frage wiederum gestellt, aber in einer Atmosphäre, die geeignet sei, Unvorsichtigkeiten und gleichzeitig Enttäuschungen zu vermeiden. Laval habe im Namen der Regierung die Frage reali­stisch anzupacken verstanden. Man müsse ihn dazu beglückwünschen.

Das Echo in London.

London, 1. Dez. (DNB.-Funkspruch.)Daily Telegraph" glaubt, daß starke Kräfte am Werke feien, die auf die Wiederaufnahme un­

mittelbarer Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland zur allgemeinen Besse­rung der Beziehungen hinarbeiten. Laval habe eine neue Einladung an Deutschland zur Teil- nähme an dem geplanten Ostpakt ergehen lassen. Laval werde die von Barthou geknüpften Fäden schwerlich zerreißen, aber wenn Hitler eine Füh- lungnahme wünsche, bestehe kein Grund dafür, daß seinen Worten nicht höfliches Gehör geschenkt werde. Die b r i t i s ch e Regierung habe einen ""9e"whnlichen Schritt getan, indem sie der deutschen Regierung im voraus ihre Haltung gegen» über der deutschen Aufrüstung in großen Zügen mitgeteut habe. Das sei ein bemerkenswerter Be­weis für ihre Aufrichtigkeit gewesen. Baldwin habe Deutschland aufgefordert, den Schleier des Geheim­nisses zu zerreißen und die Dinge ans Licht zu drin- gen, die Europa aufregen. Wenn Deutschland das

» ,7?nn ernsthafte Besprechungen von neuem möglich. Es möge sein, daß eine solche Aufforde- rung, o^e daß Deutschland eines Bruches des Versailler Vertrages beschuldigt werde, eine still- schweigende Duldung bedeute. Man sollte aber doch eher von einer Anerkennung einer vollendeten Tatsache sprechen, die nicht mehr zu ändern sei, da es kein Mittel gebe, sie un- geschehen zu machen.

Die berliner Reise der französischen Frontkämpfer.

V a r i s, 1 Dez. sDNB..Funk,pruch.> In der vom Club du Faubourg veranstalteten Aus­sprache über d i e Reise von Goy und Monnier nach Berlin betonte Monnier, daß er von der Aufrichtigkeit der Per fön- l i ch k e i t e n , mit denen er und Goy gesprochen haben, überzeugt sei. Gewiß rüste Deutschland, aber nichtsdestoweniger müßte man versuchen, die deutsch- französischen Beziehungen zu bessern. Durch die Berliner Reise sei die Öffentlichkeit und die Presse gezwungen worden, die Frage von der rick- tigen Seite zu betrachten. Ferner sei die Panik wegen eines unmittelbar bevorstehenden Krieges dadurch beseitigt worden.

Oberst Picot, der Führer der gesichtsverletzten Frontkämpfer, billigte jeden Versuch einer deutsch-französischen Annäherung, wies aber zur Vorsicht, da sich die deutsche Jugend und das deutsche Volk in einer gefährlichen Erregung be­fänden. Im Namen der Solidarite Fran$aise be­

glückwünschte Jagues Ditte Goy und Monnier zu ihrer Initiative und sagte, dieVerschwö­rung des Schweigens" müsse gebro­chen werden, die Frankreich eines Tages der Gefahr der Bolschewisierung im Falle eines neuen Krieges ober der Prufsianifierung im Falle einer Niederlage ausfetze.

Oer deutsche Botschafter bei Zlandin.

Paris, 30.Koo. (D71B.) Der französische Minister­präsident Aland in hat am Freitag den Deut­schen Botschafter Roland Köster empfangen. Heber den Inhalt der Unterredung ist nichts be­kannt geworden.

Herr von Ribbentrop ist heute um 10.30 Uhr auf dem Pariser Nordbahnhof aus Berlin kommend in Begleitung seiner Frau rin­ge t r o f f e n. Der Besuch Herrn von Ribbentrops in Paris ist rein privater Natur. Herr von Ribbentrop wird morgen, den 1. Dezember, wieder in Berlin sein.

Amtsübernahme des neuen Präsidenten von Mexiko.

Mexiko-Stadt, 1. Dez. (DNB. Funkspruch.) Freitagmittag mexikanischer Zeit fand im Stadion nor versammelter Kammer und dem Senat die feierliche Amtsübernahme durch den neuen Präsidenten von Mexiko, General L a -

zaro Eardenas, der im 40. Lebensjahr steht: statt. Nach der Eidesleistung verkündete er fein gierungsprogramm. Er führte aus, feine Regierung wolle die Zivilisation und die Kultur des Landes heben und für einen höheren Lebens, standard des Volkes arbeiten. Seine Re­gierung werde sich streng an die Grundsätzg des Sechs-Jahresplanes halten und durch ein Arbeitsbefchaffungsprogramm dis Arbeitsmöglichkeiten vermehren. Er wolle den Bau v o n S ch u l e n fördern und der fozialistj, f cf) e n Schulform Auftrieb geben.

Das neue mexikanische Kabinett, dax der Präsident gebiloet hat, ist nicht besonder; radikal, so daß ein Friede mit der Kirche möglich erscheint. Die radikaleren mente haben die Innenpolitik weniger berührende Posten erhalten. DerExcelsior" sagt, eine Kjx, djenfrage bestehe nicht. Was als KoiM hingestellt werde, sei nichts anders als irrig, Auslegungen, die durch die Leidenschaftenuc beiden Seiten verschärft worden seien. Glückliche weise habe Eardenas hierüber taktvolle Ansichten,^ als Vorläufer für eine glückliche Beendigung Streites erscheinen. Das katholische BlattPalabr- erwartet von Eardenas die Einigung aller Mer, kaner auf der Grundlage seiner großen Achtung bc Gewissensrechtes jedesEinzel ne n. Ak hungerten und dürsteten nach Gerechtigkeit und frei, I)eit. Die Einigung der Mexikaner sei das grch Werk, das allein die mexikanische Revoluton rechi. fertige.

Frankreichs Ziel im Kamps um die Saar der Status quo.

Von Professor Or. Friedrich Grimm, Rechtsanwalt in Essen.

Aus dem hier schon ausführlich besprochen nen neuen Werk des bekannten Verteidigers deutschen Rechts im WestenFrankreich an der Saar" (Hanseatische Verlagsanstalt, Ham­burg) entnehmen wir den folgenden Ab­schnitt. Der Verfasser wird, wie wir hören, auf Einladung des Goethebundes am 3. De­zember in Gießen sprechen.

Mit Sirenentönen versucht man den Saarländern klarzumachen, daß sie unter dem Status quo den Himmel auf Erden hätten. Jean de P a n g e , der Verfechter derLibertes rh&ianes, der rhei­nischen Freiheiten, d. h. der rheinischen Knechtschaft, schildert allen Ernstes dasLand der Seli­gen an der Saar" folgendermaßen:An den glücklichen Gestaden der Saar wurden einige Weife aus den verschiedensten Ländern berufen, eine Re- gierungskommission zu bilden und das Glück der Bevölkerung eines der hauptsächlichsten Industrie­zentren Europas zu gewährleisten. Sie werden durch kein Parlament im Zaume gehalten. Sie unterliegen keiner Kontrolle, außer der des weit entfernten Völkerbundes, dieser höchsten Behörde, die einer höheren Welt anzugehören scheint. Sie können also in Frieden über die besten Mittel be­raten, wie sie das Glück ihrer Untertanen herbei­führen können. Glückliche Saarländer! Von ihnen könnte man sagen: O fortunatos nimium sua 8i bona normt! Wie die Landleute Virgils schienen sie mir nicht immer dankbar ge­nug über ihr glückliches Geschick."

Man weiß nicht, worüber man sich hier mehr wundern soll, die Unkenntnis oder den Zynismus. Die undankbaren Saarländer! Die Glückskinder, die mit ihrem Glück nicht zufrieden find! Die im Landesrat noch gern etwas zu sagen haben möchten! Die nach Freiheit und Selbstbe­stimmung verlangen und gar nicht erkennen, daß doch gerade ihre Unfreiheit und Schwäche für sie vorteilhaft ist! Die nicht von Chinesen und Japanern beherrscht fein wollen und gar nicht einfehen, wie schön es ist, eine Obrig­keit zu haben, die so fern ist, daß sie in den Wol­ken thront.

In großzügigster Weise wird diese Status-quo- Propaganda organisiert. Drbinaire macht hierfür folgende Vorschläge, wobei er die Neutralität des Völkerbundes in ein eigenartiges Licht stellt: Das Völkerbundssekretariat soll eine große Propaganda zugunsten des Status quo entfalten. Das Saarvolk darf nicht im Unklaren darüber gelassen werden, daß es die Möglichkeit hat, indem es für die Auto­nomie, d. h. den Status quo, stimmt, feine fo gün­stige wirtschaftliche Lage zu erhalten. Dazu soll man den Saarländern, wenn sie brav für den Status quo stimmen, größere politische Freiheiten, ein Parlament und eine Art Selbst­verwaltung wie in Danzig versprechen. Frankreich müßte diese Völkerbundspropaganda noch entspre­chend ergänzen und erklären, daß es im Falle der Aufrechterhaltung des Status quo den Saarländern noch weitere wirtschaftliche Vorteile zufagt. Man verspricht den Saarländern einen Zustand w i e in Danzig. Als ob sich die Danziger bei ihrer jetzigen Lage wohlfühlten!

Der Status quo ist demnach jetzt die fran­zösische Lösung. Daraus ergibt sich für uns klar das eine: Die Verfechter des Status quo sind heute d i e Feinde Deutschlands. Sie sind es überall, in allen großen Fragen der deutschen Freiheitspolitik, des Kampfes gegen das Unrecht von Versailles, in besonderem Maße aber im Kampf um die Saar. Wer für den Status quo an der Saar eintritt, besorgt Frankreichs Geschäfte. Wer für den Status quo stimmt, ist ein Verräter an der deutschen Sache, ist ein Separatist, weil er das Saargebiet endgültig vom Mutterlande trennt. Wer für den Status quo wirbt, zerbricht die Gemeinschaft mit dem deutschen Volke. Nur Frankreich ist an dem Status quo interessiert. Was man erstrebt, sagt Jean Reviro ganz deutlich, wenn er seine Landsleute fragt, ob sie nichtsehen können, daß die Selbständigkeit des Saargebietes oder eines Teiles des Gebietes dem Deutschtum einen empfind­lichen Stoß versetze?"

Also weg mit dem Status quo, der eine vollendete Tatsache schaffen würde, den endgültigen Verzicht Deutschlands auf das Saargebiet! Denn bis jetzt besteht die Souveränität Deutsch- lands über das Saargebiet noch. Nur die Verwaltung des Gebietes ist Deutschland vor­übergehend entzogen. Die Entscheidung für den Status quo erst würde eine endgültige Tren­nung von Deutschland bedeuten. § 35 des Saar- tatuts besagt:Beschließt der Völkerbund für das sanze Gebiet oder einen Teil die Beibehaltung der mrch den Vertrag und die gegenwärtige Anlage geschaffenen Rechtsordnung, so verpflichtet sich Deutschland schon jetzt, zugunsten des Dol- kerbundes auf feine Souveränität, fo wie dies der Völkerbund für nötig befindet, z u verzich­ten, und dessen Sache ist es, durch geeignete

Maßnahmen die endgültig ein geführt« Rechtsordnung mit den dauernden Interesse» des Gebietes und dem allgemeinen Interesse in Einklang au bringen." Bis jetzt sollten noch die Rechte und die Wohlfahrt der Bevölkerung" oberste Richtschnur der fremden Verwaltung sein. So be­sagte es Artikel 46 und 50 Versailler Vertrag und bie Bevölkerung konnte sich darauf berufen. Wenn der Status quo aber endgültig würde, würde da; bedeuten, daß der Völkerbund frei wäre, gewisse letzte Maßnahmen zu treffen, auf die das Saar- volk selbst keinen Einfluß haben würde. An die Stelle des BegriffesRecht und Wohlfahrt der Bevölkerung" aber würde alsdann ein anderer Be­griff treten, von dem man noch nicht weiß, zu wel- cher Auslegung er führen kann. Der Begriff der dauernden Interessen des Gebietes" würde bei der neuen Begriffsbestimmung eine höchst bedenW Ergänzung durch den Begriff desallgemei­nen Interesses" erhalten, mit dem man alles fertigen könnte.

Diese weitgehenden Folgen sollten sich alle Deut* schen überlegen, an die der Versucher mit gleißen­den Worten herantritt, um sie für den Status quo zu werben. In Wirklichkeit bedeutet nämlich die Entscheidung für den Status quo gar nicht die Aufrechterhaltung des jetzigen Zu­stand e s. Das ist eine grobe Täuschung. Das1 Ergebnis ist ja ein ganz anderes. Einen Status quo wird es nach dem 13. Januar 1935 nicht mehr geben. Die einfache Beibehaltung des jetzigen Zu­standes ist nicht möglich. Status quo bedeutet viel­mehr den Pufferstaat, einen Pufferstaat m Frankreichs Gnaden, ein neues Zwischenreich, bas der Völkerbund nach gewissen Richtlinien autoritär zu schaffen hätte. Eine neue Aera der Politik bet fortgesetzten Schöpfung" würde beginnen. Der Status quo von heute würde sehr schnell in einen verbesserten Status quo französi­scher Färbung umgestaltet werden. Das Saar- gebiet wäre dem Spiel neuer Intrigen, neuer An­schläge auf Volk und Heimat ausgesetzt. Naudeau verrät, wohin die Reise gehen würde. Weil das Saargebiet wirtschaftlich nicht von Elsaß-Loihrin- gen getrennt werden darf, so mußdie Losung darin bestehen, aus dem Saargebiet einen stcinbv neutralisierten Staat, verwaltet durch den Wr- bunt), zu machen". Das Saargebiet müßte btt Embryo" der Vereinigten Staaten Europa; W den. Dieser Embryo wäre aber nicht einmal bin anderen autonomen Zwergstaaten wie etwa Luxemburg zu vergleichen. Eine wirklich« , Autonomie läßt sich bei allen Auslegung;- fünften aus dem Saarstatut heraus nicht ent­wickeln, fo verlockend auch die Freiheitsversprechun- gen sein mögen, die französische Propagandisten für den Fall des Status quo bereithalten. Dieser Embryo würde zeitlebens dazu verurteilt fein, eine Mißgeburt zu sein, die nicht leben unb nicht sterben kann, das Erzeugnis eines gefähr- licken Experiments, das aus dem Zustand des Pro­visorischen und Ungewissen nie herauskäme. Der Zustand der Unsicherheit wäre in Perma­nenz erklärt. Es wäre ein ständiger Faktor der Be­unruhigung und die Grundlage neuer Kriege. Alle Welt wartet heute daraus, daß die Volksabstim­mung klare Verhältnisse schafft. Das ist der Sinn der Volksabstimmung; mit diesem Sinn ist die Ungewißheitslosung des Status quo unver­einbar.

Die Emigranten hauen ab.

Ritzel auf der Flucht nach Zürich.

LPD. Darmstadt, 30. Nov. DasDarm- städter Tageblatt" berichtet: In der Saar- i o l i z e i hat mit Hilfe des Präsidenten Knor ti"1 Reihe von Emigranten Unterschlupf gefin^ die regelmäßig unangenehm aufgefallen sind. Teil handelt es sich um Leute, denen J** Staatsanwalt in Deutschland auf den war. Zu diesem Kreis gehört auch ein R i tz e l, den besonders die Hessen aus seiner feitin Michelstadt im Odenwald und später>" Oberhessen noch in unangenehmer Erinnerung haben. Der Oberregierungsrat a. D. Ritzel hat al Polizeibeamter des Herrn Knox stin Aufgabe darin gesehen, genau wie der berüchnß M a ch t s die Separatisten und Kommunisten nacy Möglichfeit zu unterstützen und die heimattreu ©aarbeoölferung mit ihren Kampforganisation zu schädigen und zu zerstören. Inzwischen haben i )ie Emigranten sehr eingehend mit dem Pro-" der Dolfsabstimmung beschäftigt. Sie sind'in gensatz zu ihrer oft äußeren Haltung innerlich zu der Ueberzeugung gefommen, daß d a s Sa gebiet für |t e nur eine Z w i f 4c Fi o n war, die sie schnellstens verlassen muii um sich ein neues T ä t i g f e i ts fe ld au 5 suchen. Auch Ritzel hat die Vorsicht als den bell Teil der Tapferfeit auserwählt und es vorgez fl | feine Familie aus dem Saarge fortzufchaffen. Er hat die Richtung naw