M.125 Zweites Blatt
Aeitag.l.Zuni 1954
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Hindenburg grüßt die Skagerrak-Wache.
Die Ablösung der Marine-Posten vor dem Reichspräsidenten-Palais, der der Reichspräsident auf dem Balkon beiwohnte.
Der Tag her Skagerrak-Schlacht in Berlin.
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Die Feier auf dem Skagerrak-Platz während der Ansprache des Kontreadmirals Lützow, der als Kommandant an der großen Seeschlacht teilgenommen hatte. Auf dem Skagerrak-Platz versammelten sich die Marine-Verbände, um mit einer Flaggenparade des Ehrentages der deutschen Flotte zu gedenken.
ÄnnhganghnrchhasVerlinerSchmggler-Msenm
liebe Hergaben, sondern — dem Salvarsan zuliebe, das in den ausgehöhlten Stämmen versteckt war.
mehr zog, ließ man von Bäckern, die jenseits der
Selbst die unbequeme Korpulenz hat ihre Vorzüge, wenn man sie nicht immer nur unterm hygienischen Gesichtswinkel betrachtet. Im Berliner Schmugglermuseum hängen Blechbäuche und ausgehöhlte Brotlaibe; und als dieser Trick nicht
wiegter* Schmuggler zu arbeiten wagt. Auch
quitätenhändler; ist aber unter allen Umständen unveräußerlich. Wiewohl man gleich von Anfang an im Besitze des Schlüssels war, mit dem der Tresor geöffnet werden konnte, ließ sich lange Zeit mit dem Schlüssel überhaupt nichts anfangen, weil man nämlich trotz eifrigsten Suchens — das Schlüsselloch hat nicht mehr finden können!
Oauerskat an der Elbe. — Bäume mit Salvarsan. - Eisenbahnwagen als „HochachtungSgesckenl^
In der Reichshauptstadt gibt es ein Museum, das mit den gefährlichsten und ausgefallensten Schätzen angefüllt ist: das Museum der Schmuggler und der Devisenschieber. Man wird es begreiflich finden, wenn die vielen merkwürdigen Dinge, die hier zusammengetragen sind und die gewissermaßen unter Denkmalschutz" stehen, sich vor dem ßidjrte der Öffentlichkeit verborgen halten. Die Leute, die diese oft ungemein raffinierten, ja beinahe genial ausgeklügelten Attrappen geschaffen haben, hatten natürlich nichts anderes im Sinn, als Betrüger am Staate zu werden und sich über das Gesetz hinweg zu setzen. Hätte jedermann Zutritt zu den Museumsräumen, dann wäre Menschen mit dem
Schuhe mit Hohlräumen in den Absätzen, in denen hicyi <juy, ucp mun uuh «uukiu, uie jenieu.» uei sich kleine kostbare Schmuggelware bequem und Grenze wohnten, die Schmugglerware gleich in die unauffällig verstecken ließ, haben genau so ausge-> Laibe hineinbacken.
dient wie die Autoreifen, die mit besonderer Vor- i Eines der raffiniertesten und zugleich eines der liebe als Verstecke für Kaffee und Tabak benutzt । wertvollsten Stücke des Museums bleibt ein Tresor wurden. (Entstehungsjahr 1721), das Entzücken aller Anti-
Jn das Gebiet der höheren Technik gehört eine ..... ........
andere Schmugglererrungenschaft: der Spritkanister. Diese Kanister, die seinerzeit häufig auf der Elbe in die Hände der Polizei fielen, waren mit weißen Fähnchen versehen und zugleich mit salzgefüllten Säckchen behängt. Kamen den Schmugglern zufällig Beamte der Flußpolizei in den Weg, dann warf man die Kanister kurzerhand
Ein anderes Stück in der Abteilung für Kuriositäten stellt sich in einem kleinen Eisenbahnwagen (!) vor. Man hat es hier aber nicht etwa mit einem Beuteobjekt zu tun, sondern mit einem — Geschenk! Edler Spender war ausgerechnet ein Schmuggler. Das kam so: auf einem Abstellbahn» Hof schnappte man einen Mann, der sich in verdächtiger Weise an Eisenbahnwagen zu schaffen machte. In die Enge getrieben, gestand er, daß er feit Jahren schon zum Zwecke der Schmuggelet in Eisenbahnwagen Geheimfächer einbaute — und zwar wie er stolz hinzufügte — „Geheimfächer nach eigener'Erfindung." Der Mann kam für fünf Jahre hinter Schloß und Riegel. Während dieser fünf Jahre stellte der Sträfling, um „der Zolldirektion einen besonderen Beweis seiner Hochachtung und Verehrung zu geben", einen Eisenbahnwagen mit einer ganzen Serie von Geheimfächern auf die Beine und als die Stunde der Freiheit schlug, übereignete er der Zolldirektion den Wagen als Geschenk . . .
bekannten weiten Gewissen nur Gelegenheit zur Aneignung gesetzwidriger Kenntnisse und Fertigkeiten gegeben.
Allgemein läßt sich sagen, daß es kaum einen Gegenstand, den Mmschen zu gebrauchen pflegen, gibt, der von den Schmugglern nicht in den Dienst ihe r dunklen Tätigkeit gestellt worden wäre. Ob an der tschechisch n ob an der polnischen, ob an d'r holländischen Grenze, — überall arbeiten die Schmuggler mit einer Spitzfindigkeit und V^r- w genheit, daß nur ein außergewöhnlicher Spürsinn gegen ihre Schliche erfolgreich arbeiten kann.
Die Milchkannen mit doppeltem Baden und die Koffer mit raffiniert angelegten Geheimverstecken sind nur Harmlosigkeiten, die man technisch in so viel Nuancen abgewandelt hat, daß von denen, die an der Grenze ihre scharfen Augen und ihren noch schärferen Verstand anwenden müssen, sich niemand mehr durch solche Mittelchen irreleiten läßt. Auch die Fahrräder, die so konstruiert sind daß sich ihre Teile leicht auseinandei nehmen lassen und daß im Inneren der Rahmen Zigarren, Zigaretten und Pfeifentabak untergebracht werden kann, sind so weithin bekannte Tricks, daß mit ihnen heute kaum noch ein einigermaßen ge-
in die Elbe. Da die Kanister sofort sanken, waren sie den Augen der Flußpolizisten ebenso schnell wie angenehm entzogen. Als „harmlose Spaziergänger" setzten sich die Schmuggler dann an den Ufern nieder droschen einen Skat oder machten sich sonst einen Zeitvertreib. Die Art der Unterhaltung war im Grunde nebensächlich, Bedingung war nur, daß sie sich mindestens drei Stunden hinzog, denn nach dieser Zeit hatte sich das Salz in den Kanister- säckchen dann wieder aufgelöst, und die fähnchen- aeschmückten Spritbehälter stiegen wieder aus dem Wasser empor. War die Luft rein, dann wurden die Kanister rasch herausgefischt Auch dieser-Trick hat sich heute überlebt, und zum Skatdreschen brauchen sich heute an der Elbe keine Aßiäger mehr niederzulassen, denn dank der Aufmerksamkeit der Flußpolizei könnte ihnen die Zeit reichlich lange werden
Es gibt kaum etwas Unverdächtigeres m der Welt als einen Baumstamm. Und weil Leute, die Baumstämme schleppen, so fleißig und anständig aussehen, gab es eine Zeit, da die Herren Schmuggler sich mit Baumstämmen abquälten Bis man schließlich dahinter kam, daß diese „Schwerarbeiter" ihre Schweißtropfen nicht dem Baumstämme zu
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Das 2. Bahnradrennen in Gießen.
Das größte sportliche Ereignis des kommenden Sonntags, das 2. Bahnradrennen des Gießener ■ ahrer-Vereins v. 1885 e. V., steht vor der Tür. D ch Entgegenkommen der hiesigen Kreisleitung bet NSDAP, wurde es dem' Verein ermöglicht, dasselbe nach der großen Kundgebung zu veranstalten.
Das Eröffnungsrennen zu Anfang Mai hatte schon starke Mannschaften am Start zu verzeichnen. Die jetzt eingegangenen Meldungen übertreffen jedoch diejenigen des ersten Nennens bei weitem. Neben den Paaren Gebr. Schorn (Köln). Gebr. Koch (Köln), Zacharias-Müller (Koblenz), wurden zwei Mannschaften, und zwar Hohbein- E i ch h o r st und Guggau-Bischoff, die zu den Spitzenmannschaften Frankfurts zählen, verpflichtet. Außerdem sind vertreten die Mannschaften Göbel (Wetzlar), T r i n k s (Westig Westfalen),
Becker-Roth (Cransberg) sowie Preis-Faust (Germania Gießen). Die Fahrer des RD. v. 1885 Mebus und Muhl haben als Partner Kopf (Köln) und C h i a p p i n i (Neuwied).
Neben dem Flieger- und Mannschaftsfahren kommen noch ein Jugend-Ausscheidungsfahren sowie ein Punktefahren zur Austragung, wozu zahlreiche Fahrer aus dem Bezirk Gießen an den Start gehen.
Prüfung für das Turn- und Sportabzeichen im Paddeln.
Am kommenden Samstag, 2. Juni, 18 Uhr, findet die Abnahme von Prüfungen für das Deutsche Reichsabzeichen für Leibesübungen (Deutsches Turn- und Sportabzeichen) im Paddeln statt. Die Bedingungen lauten in Gruppe IV: 1000 Meter im Faltbooteiner der Klaffe F 1 (Renneiner) 6,55 Min. für Männer und 7,45 Min. für Frauen; in der
Kopenhagener Kleinigkeiten.
Von hattet Hoffte
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„Die Stadt^der Türme . . . Die Stadt der Gärten . . Die Stadt der Feinschmecker Das Paradies des Nordens Das Venedig der Ostsee ." Die Anpreisungen der dänischen Hauptstadt kann nichts übertreffen. Nichts — nur die Wirklichkeit. Denn Kopenhagen ist einzigartig. Wer an der Ostsee ist und den kleinen angenehmen Trip hinüber nicht macht, dem ist nicht zu helfen. Können ein paar Kleinigkeiten, Beobachtungen einiger Tage, ihm Appetit machen? (Aber Kleinigkeiten, die der Reisende flüchtig aufnimmt, ersetzen oft die genaue Kenntnis des Kundigen. Um dieser Kleinigkeiten will ist das Reisen ein Vergnügen.)
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Es ist Mitternacht. Ich streife durch die Parks an der Langen Linie. Die Musik verebbt, die Lichter erlöschen. Ich schlendere heimwärts, zum Rathausplatz. Um halb eins bin ich dort. Ich möchte, etwas trinken, sehe ein erleuchtetes Lokal. Hinein also. Nein, es geht nicht; ein Cerberus weist mich fort. Ich verchehe ihn nicht, schüttle den Kopf, suche ein anderes Lokal auf, das noch Betrieb hat. Dasselbe. Ein drittes Mal. Diese Nachtkellner scheinen, wie auf Verabredung, nicht deutsch zu sprechen (sonst spricht fast jeder deutsch). Aber da kommt ein Herr, der gerade im Begriff stand, seinen prachtvollen Wagen zu besteigen, auf mich zu, lüftet den Hut und erklärt, es fei strenges Polizeigesetz, daß nach Mitternacht fein Gast mehr ein Lokal betreten darf; sitzt er dort, so darf er bleiben — doch hinein darf er nicht mehr. Nur einige „Nachtlokale" haben Konzession. Ich danke ihm. Wo ist das nächste dieser „Nachtlokale"? Oh, sehr weit. Aber der Herr fährt fort: „Sie sind ein Fremder? Es wäre mir eine Freude, Sie dorthin fahren zu dürfen." Er tut es wirklich, fetzt mich dort ab — und wehrt lächelnd meinen Dank ab.
Aber genau fo freundlich sind Kellner, Schaffner, Schupos, Verkäufer. Es ist ein Vergnügen.
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Das Tivoli! Man weiß, was das ist. Ein großer Lunapark, und eine ganze Stadt von Lokalen, Restaurants Cafes, Bierhallen, Eisftuben, Aquaoit- häuschen ufw. Man geht hin und hofft, sich zu vergnügen Der Kopenhagener aber geht hin, weil er vergnügt ist Da ist zum Beispiel eine Bude im Tivoli, die Hinterwand mit Porzellan ge
deckt, mit Tellern, Tassen, Vasen, Kannen, Krügen, alles blitzblank ausgerichtet und auf Regalen säuberlich ausgestellt, und vorne verkauft man — Pfannkuchen; schwere, dicke, nußbraune Pfannkuchenbälle aber sie sind nicht zum Essen da, sondern zum Werfen Man wirft, nach dem Porzellan. Nun gut. Was gewinnt man, wenn man trifft? Aber gar nichts Warum, frage ich den Budenmann, warum tut man es dann? — Der lächelt mitleidig, sieht mich von oben bis unten an, dann sagt er, wie ein Lehrer zu einem dummen Schüler: „V o r Vergnügen!" Und er schüttelt den Kopf, daß ich da habe fragen können
Jede Stadt hat ihre Bauten und Mufeen, und immer sieht der Fremde mehr von ihnen als der Einheimische. Ich ging also in die Carlsberg-Glyp- tothek. Ich wußte, daß ich dort die großartige Jm- pressionisten-Sammlung finden würde; eine Serie Gauguins (aus der bretonischen Zeit); und einen Saal Meuniers Am Eingang fand ich Marmorschinken, um 1880 geliefert, und' ich suchte hilflos umher. Da trat ein Museumsdiener heran, sprach einiges mir Unverständliche, aber immer kehrte der Name Kai Nielsen wieder, und er deutete energisch nach oben. Ich fand dann auch die Skulpturen des großen dänischen Bildhauers, der bei uns zu wenig bekannt ist (er starb vor acht Jahren), die großartige Büste des Borers Andreasen, die Porträtbüste des Malers Niels Larsen Stevens. Ich aestehe, ich wäre vorbeigelaufen (Schicksal aller Museumsbesuche; man läuft an zu vielem vorbei!), denn es gibt genug in der Carls- berg-Glyptothek zu sehen — der kunstverständige Diener wußte, was not tat: Ehrenrettung eines zu wenig Anerkannten
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Da ist das Schloß Amalienborg, nahe dem Hafen, der in das empirehaft stilisierte Rund des großartigen Schloßplatzes feine realistischen Requisiten einbaut — und vom Schloß weht der Danebrog, der König ist also da, aber man beschreitet den Platz, als ob in dem Palast ein Herr Müller wohnt. Ein Schupo — völlig unbewaffnet! — geht auf und ab, und vor dem Schilderhaus ein Gardist mit der Bärenmütze. Ich hebe den Photoapparat und der Gardist bleibt stehen, er lächelt, er stellt sich in Positur, er läßt sich knipsen, bann geht er feinen Wachschritt weiter
Kopenhagen, voll von Ueberrafchungen Die Stadt'der köstlichen Ö-Laute. Denn alles Gute hat diesen charakteristischen, halboffen gesprochenen Vo
kal: Smörre-bröd, das Frühstück der vierzig Vor- speiseschüsseln. Flöd, die Sahne und Jödbaer, die Erdbeere, Röd-Gröd, die rote Grütze, und schließlich Oere, mit denen wir alle Köstlichkeiten bezahlen müssen
„Oer schwarze Wach'sch."
Lichtspielhaus.
„Der schwarze Walfisch" steht nicht, wie bei Scheffel, in Askalon, sondern an der norddeutschen Waterkant, vielleicht in Hamburg, in der literarischen Vorlage, nach der das Drehbuch dieses Films geschrieben wurde, hieß die Schifferkneipe „Zum goldenen Anker" und stand am Hafen von Marseille. Wir haben das Schauspiel „Marius ahoi" des Franzosen Marcel P a g n o l vor längerer Zeit hier auf dem Theater gesehen; die Fortsetzung des Stücks unter dem Namen „Fanny" wurde hier nicht gegeben, aber man erinnert sich vielleicht noch ungefähr, worum es sich handelt. Es find hier wie dort — an der Nordsee wie am Mittelmeer — im Grunde die gleichen Gefühle und Konflikte, aus denen tiie dramatische Fabel erwächst. Da ist wieder der junge Mensch, Sohn des Hafenwirts, in dem das Erbteil väterlichen Blutes stärker ist als der väterliche Wille, und die Sehnsucht nach Welt und Meer, nach blauer Ferne, nach Abenteuern und fremden Küsten stärker als die Liebe zu dem Mädchen, das ihn erst zurückhalten möchte wie der Vater und dann doch gehen läßt und gehen heißt. Aber als er wieder kommt, ist das Mädchen nicht mehr allein, sondern verheiratet mit dem älteren Bewerber, der das späte Glück seines Lebens nicht nur in der jungen Frau, sondern auch in dem Kinde gefunden hat, das ihm nicht gehört. Es ist das alte Motiv vom Heimkehrer, das schon oft in - der Literatur behandelt worden ist, und dessen gute und endgültige, innerlich befriedigende und befreiende Lösung so schwer gefunden wird. (Wir können uns vorstellen, daß auch im vorliegenden Falle der Abschluß nicht jeden vollauf zustimmen läßt.) Man wird vielleicht an Storms schöne Novelle „Carsten Curator" denken; zwar ist hier im „Schwarzen Walfisch" vieles, aus mancherlei Gründen, sehr anders, aber wesentlich ist hier wie dort die Gestalt des Vaters, die im Film sogar weit über alle andern hinauswächst. Das mag gewollt fein oder nicht — es ist fo und sehr begreiflich, denn diesen Vater, Peter Petersen, Wirt „Zum schwarzen Walfisch" stellt Emil ^IL: n i n g s dar, und niemand könnte ihn schöner spielen. Welch eine Rolle für ihn, den Vollblutjchau-
spieler, wie wir in Deutschland nur wenige besitzen. Wir haben Jannings schon großartiger, heroischer und vielleicht dämonischer gesehen — wenn wir uns an den „Letzten Befehl" erinnern oder an den „Patrioten" —, aber nirgends menschlicher als hier, wo er einen Vater spielt, nichts weiter, aber so aus der Fülle heraus, so mit Herz und Gemüt, mit Güte und Humor. Er läßt sich Zeit, er holt aus und nimmt es genau;' er setzt den einfachen Charakter aus vielen kleinen Einzelzügen zusammen, und es tut der Kraft seiner Darstellung keinen Abtrag, wenn er sich liebevoll ins Detail vertieft, weil jeder kleine Zug richtig und echt ist, in den Zusammenhang paßt und zum Gesamtbild; dabei ist es einerlei, ob er einen Gast vor die Tür setzt mit mächtigem Schwung, ob er feinem Jungen einen liebevollen Klaps auf die Backe gibt, ob' er auf den feit Wochen heimlich und schmerzlich ersehnten Brief feines Einzigen da draußen lauert, oder ob er mit einem Schaukelpferd unterm Arm vor der Tür steht, hinter der fein Enkelchen eben geboren wird —: man sieht einen lebendigen und liebenswerten Menschen vor sich, nichts weiter. Das ist vielleicht nicht viel, aber das können, fo wie Jannings es kann, nur ganz wenige. Das Mädchen Fanny — der Name wurde von Pagnol übernommen— ist Angela ©allo f er: ein neuer Name, ein neues Gesicht; zweifellos eine starke, junge Begabung, sehr weiblich auch und an sich geeignet für eine solche Aufgabe, aber doch wohl ein wenig zu zart und zu gepflegt für diese Umgebung, und auch dem Typus nach vielleicht eher im „Goldenen Anker" als im „Schwarzen Walfisch" beheimatet. Das gleiche gilt von Gülstorfs (Pannies), wenn man die äußere Erscheinung allein ins Auge faßt; sonst füllt er die Figur mit sicherem Instinkt vollkommen aus. Der Junge, Martin, ist Franz N i ck l i s ch : recht gut gesehen, aber die Rolle ist hier nicht so ergiebig wie im Schauspiel. Zwei charakteristisch gerundete Frauengestalten: Margarete Kupfer und Käthe Haack. — Für Drehbuch und Spielleitung ist Fritz Wend- hausen verantwortlich; er inszeniert mit klarem Gefühl für episodische Szenen, für volksstückmäßige Züge und auch mit gesundem Humor. Allerdings war im „Marius" für unser Empfinden das ganze Stück noch stärker als hier lokalisiert und von der eigentümlichen und unverwechselbaren Atmosphäre des mittelmeerischen Küstenstrichs erfüllt.
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Der Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus; im Beiprogramm findet man u. a. schone L Schafts- und Trachtenbilder aus dem Schwarzwald. —


