müsse man die fiunff verstehen, das Volk an der richtigen Stelle anzufassen.
Die Bühne solle den Menschen erheben. Schiller stehe uns heute näher als die meisten der modernen Schreier, denn er verbinde das große revolutionäre Pathos mit der Gekonntheit oes dramatischen Stoffes und der Disziplin der Form. Er stehe uns heute nahe, weil er seiner Zeit nahestand. Er könne den anwesenden Theaterleitern und Schauspielern keine andere Mahnung mit auf den Weg geben, als im edlen Streben nach der Zukunft zu jagen, aber Ehre und Achtung vor der großen Vergangenheit zu behalten.
Brausender Beifall dankte dem Minister für seine richtunggebenden Ausführungen.
Allseitige Erziehung der Jugend.
Neichsunterrichtsminister Rust in Dresden.
Dresden, 31. Mai. (DNB.) Reichsunterrichtsminister Rust, der anläßlich der ersten Reickstheaterwoche in Dresden weilte, stattete auch der sächsischen Nationalpolitischen Erziehungsanstalt einen Besuch ab. Der Minister hielt vor der Jugend eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Ich habe in Preußen bereits eine Anzahl nationalpolitischer Erziehungsanstalten begründet, ähnlich dieser hier, in denen deutsche Jungen zu nationalen S o - ^ialisten und zu einem harten Menschentum erzogen werden sollen, das wir heute brauchen. Gleiche Ausbildung des Geistes, des Charakters und des Körpers. Im Trommelfeuer in den Schützengräben hat es Zeiten gegeben, in denen der Geist absolut versagte. Da mußten andere Kräfte rege werden. Adolf Hitler erkannte, daß unsere fogenannte bürgerliche Jugend an einer übermäßigen rein geistigen Ausbildung litt. Menschen solcher Art waren den harten Anforderungen schließlich nicht mehr gewachsen. Das hat vielleicht am stärksten der Zusammenbruch von 1918 bewiesen. Der Gegensatz von Kopf- und Handarbeiter, von Bürgertum und Proletariat, den der Führer als einen der unseligsten erkannt hat, soll auf immer beseitigt werden. Der ganze Mensch mit allen seinen Kräften soll heute seine Ausbildung erfahren. Freilich gibt es heute Jungen, die glauben, sie könnten hier mit einer Schwung st emme die geistige Leistung ersetzen. Das ist ein Irrtum; nach jeder Seite müssen wir unsere Kräfte regen.
NieBerlinerHronlerchnams-Prozession
Berlin, 31. Mai. (DNB.) Die Berliner Katholiken feierten heute das Fronleichnamsfest in dem üblichen Rahmen. Die Feier begann um 7.30 Uhr mit einem von Bischof Dr. Bares unter Thronassistenz des päpstlichen Nuntius O r s e n i g o gehaltenen feierlichen Hochamt in der Hed- wigkathedrale. Gleichzeitig wurde auf dem Kaiser-Franz-Josef-Platz eine stille Me s s e gelesen. An der Feier nahmen u. a. geschlossene Abteilungen der Schutzpolizei und der Reichswehr teil. Gegen 8.45 Uhr begann die Prozession mit dem Auszug aus der Kathedrale. An der Spitze des Ehrengeleites schritten der päpstliche Nuntius, Vizekanzler von Pass e n, Reichsminister Frhr. von Eltz-Rübe- n a ch, Generalleutnant Sollmann und Vizeadmiral von Freiberg.
Venezuela ehrt den Reichspräsidenten.
Berlin, 31. Mai. (DNB.) Reichspräsident von Hindenburg empfing heute den Gesandten der Vereinigten Staaten von Venezuela, Dr. D a g n i n o Penny, der ihm im Namen des Präsidenten General Gomez als höchste Auszeichnung seines Landes die Kette des Ordens des Befreiers überreichte. Diese Ehrung ist der Dank für die seitens des Herrn Reichspräsidenten erfolgte Verleihung eines Ehrendegens anläßlich des 25jährigen Regierungsjubiläums des Präsidenten von Venezuela.
Kleine politische Nachrichten.
Anläßlich einer Versammlung der Nationalen Front in Zürich kam es zu einer Gegenkund- aebuna des „Kampfbundes gegen Faschismus", Die Polizei wurde, als sie die Gegenkundgebung unterdrücken wollte, bereits beim Anmarsch mit Steinwürfen empfangen. Auch wurde aus der Menge geschossen. Festgenommen wurden 82 Personen, untex, ihnen der sozialdemokratische Parteisekretär Walter.
Präsident Roosevelt hat mit zahlreichen Gästen an Bord des Kreuzers „Indianapolis" die Flottenparade abgenommen. Zwei Meilen vom Neuyorker Haseneingang entfernt fuhren 9 6 Kriegsschiffe aller Klassen mit 40000 Mann Besatzung an der „Indianapolis" vorbei. Als das letzte Kriegsschiff oorbeifuhr, stiegen von den Flugzeugmutterschiffen 174 »Flügge u g e auf und flogen zunächst in Kampfformation über den Schlachtschiffen. Dann führten sie Manöver aus, indem ste Bomben abwarfen und die in voller Fahrt befindlichen Schiffe vernebelten.
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Der japanische Generalkonsul in Manila schlug vor, daß die Philippinen nach Erklärung ihrer Unabhängigkeit, die gleichen Freihandelsbeziehungen mit Japan aufnehmen, die sie zurzeit mit den Vereinigten Staaten unterhalten. Hierzu bemerkt das in amerikanischem Besitz befindliche „Manila Daily Bulletin", die Verwirklichung dieses Vorschlages würde die Filipinos in Kulis verwandeln.
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In der Außenmongolei sind bei dem Versuch, Haustiere zu beschlagnahmen, schwere U n - ruhen ausgebrochen. Südöstlich von Urga kam es zwischen Mongolen und Russen zu Zusammenstößen, wobei 30 Russen niedergemetzelt wurden. Sowietrussische Truppen wurden verlustreich zurückgeschlagen.
Der rumänische Kriegsminister General Uica hat sein Rücktrittsgesuch eingereicht, dem auch statt- gegeben wurde. Ministerpräsident Tatarescu hat das Ministerium interimistisch übernommen. Er hat die Absicht, einen Plan zur Reorganisierung der Armee aufzustellen.
Aljechin gewinnt die 21. Partie.
In Karlsruhe wurde die 21. Partie des S ch a ch - Weltmeisterschaftskampfes zu Ende geführt. Nachdem der deutsche Meister im Verlaufe des Kampfes vorübergehend günstig stand, hatte er kurz vor Abbruch durch einige schwache Zuge seine Stellung derart verschlechtert, daß er in der Abbruchstellung nicht mehr viel Hoffnung haben konnte. Der mit unbändigem Siegeswillen spielende Weltmeister konnte die Partie in der Wiederaufnahme sehr bald zu seinen Gunsten entscheiden. Es war ihm gelungen, sich zwei Freibauern zu ver-
Qualiiäisleisilmg der Grundsatz aller Bauernarbeit.
Oie Erfurter Ausstellung des Reichsnährstands.
Von unserem ZM.-Sonderberichierstatier.
Erfurt, 1. Juni. Die Reichsnährstandsausstel- lung in Erfurt, mit der die Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft fortgesetzt wurde, ist in jeder Beziehung ein Erfolg geworden. Auch das Ausland hat sich wieder lebhaft interessiert. Man kann es also für sicher halten, daß diese großartige Veranstaltung der Landwirtschaft sich wiederum im besten Sinne werbend für die deutsche Exportindustrie auswirkt. Auch das Jn- landsgeschäft hat sich gut angelassen. Der Besuch der Ausstellung hat davon gezeugt, daß die Bauern gewillt sind, aus der Sickerung der Betriebe durch die nationalsozialistische Agrargesetzgebung Schlußfolgerungen zu ziehen. Ueberhaupt war diesmal der Besuch aus Dem Lande wesentlich stärker. Die Hunderttausende von Bauern werden nun das, was sie in Erfurt gesehen haben, hinaustragen in alle deutschen Lande. Agrartechnisch kann man den Sinn und das Ergebnis der Ausstellung dahin zusammenfassen: Bauernarbeit ist Qualitätsarbeit und Bauernarbeit hat heute nur dann ihre Rechtferti- gung, wenn sie Qualitätsarbeit ist. Was Qualitätsarbeit zu leisten vermag, hat der umfangreiche Ausstellungsteil gezeigt, auf dem die Erzeugnisse der Landwirtschaft zu sehen waren. Allein über 500 Wagen mit Tieren waren nach Erfurt gebracht worden.
Gehen wir hier die Einzelheiten durch, so hat die Warmblutschau diesmal ein kleines, aber in der Beschaffenheit hochstehendes Bild schweren deutschen Warmblutes gezeigt, wobei die Stammzuchten von Oldenburg, Ostfriesland und in der Nachzucht von Thüringen im Vordergrund standen. Wesent- lich stärker war das Kaltblut vertreten, wo Rheinland und Sachsen ihr bestes Material aufgeboten hatten, aber auch die jüngeren Zuchtgebiete die zielbewußte Verbesserung der Bestände zeigten.
Das Richterurteil über .die Schweine brachte die Feststellung, .daß besonders die Zucht des .deutschen Landschweines in den letzten Jahren einen starken Auftrieb genommen hat. Dieser Umstand ist bei der heutigen Umstellung auf Erzeugung von Fett und Speck sehr zu begrüßen, weil keine andere Rasse bei großer Anspruchslosigkeit und robuster Gesundheit Fett und Speck in so hervorragender ©üte und Menge zu liefern vermag, wenn auch die Mastzeit etwas länger ist.
Bei den Rindern wirkte sich verhältnismäßig am stärksten die neue Prämiierungspraxis aus. Die Leistung als iolche, sowohl in der Blutlinie, als auch im Milchertrag steht weiterhin im Vordergrund. Aber nach den neuen Grundsätzen der Be- Wertung kommt es nicht nur darauf an, möglichst hohe Einzelleistungen nachzuweisen, ein so großer Ansporn auch von den bekannten erstaunlichen Milch- retorden ausgeht. Ebenso wichtig ist die Berücksichtigung der Bedingungen, unter denen die Leistung erzielt wurde. Dementsprechend hat man diesmal auch die Gespannleistung des Rindviehs als die b-lligste Arbeitskraft der Kleinbauern im Ausgleich zur Milchleistung berücksichtigt.
Im Rahmen der Umstellung der Bauernarbeit auf eine beständige Produktion zur umfassenden Bedarfsdeckung spielt die Vermehrung und Verbesserung der Schafzucht eine besondere Rolle. Dementsprechend waren Schafe verhältnismäßig stark vertreten. Gleichzeitig war auch sichtbar, wie in den einzelnen Gebieten nach ihrer natürlichen Produktions- und Absatzlage verschiedene Zuchtziele gesteckt sein müssen.
Ist man beim Großvieh schon immer stärker von der Bewertung des Einzeltieres zur Beurteilung der Blutlinien und der Familien übergegangen, so spielt das eine besondere Rolle bei den Kleintieren und beim Geflügel. Beim Geflügel besonders wird mancher die Buntscheckigkeit der Rassen vermißt haben, die man sonst auf Ausstellungen zu sehen bekommen hatte. Aber im Reichsherdbuch sind nur wenige Rassen als Wirtschaftsrassen anerkannt worden, um die Einheitlichkeit der Erzeuger zu
schaffen, gegen die der deutsche Meister sich nicht mehr verteidigen konnte. Bogoljubow gab im 64. Zuge nach siebeneinhalbstündiger Gesamtdauer die 21. Partie auf. Der Stand des Kampfes ist jetzt folgender: 13V2: 7V2 für Dr. Aljechi n. — Am Sonntag wird in Mannheim die 22. Partie gespielt.
Aus aller Welt.
Reichsminister Dr. Goebbels eröffnet die Heidelberger Reichsfestfpiele.
Die Heidelberger Reichsfestfpiele werden in einer feierlichen Kundgebung am 15. Juli vormittags mit einer Ansprache des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda eröffnet werden. Am Abend des gleichen Tages findet in Anwesenheit von Reichsminister Dr. Goebbels die erste Aufführung von „Götz von Berlichingen" („Urgötz" in der Inszenierung von Otto Laubinger) im Hof des Heidelberger Schlosses statt. Der Spielplan der Reichsfestspiele bringt ferner „Die Räuber", „Ein Sommernachtstraum", „Der zerbrochene Krug" zusammen mit „Lanzelot und Sanderein" und auf der neuen Thingstätte am Heiligenberg die Uraufführung von Richard Euringers „Deutsche Passion 1933".
Tagung des Verbandes Deutsche Frauenkultur in Frankfurt an dec Oder.
Der Verband Deutsche Frauenkultur hat seine Mitglieder vom 5. bis 9. Juni zur Tagung nach Frankfurt (Oder) einberufen. Neben den Arbeitssitzungen sind u. a. Führungen durch die Stadt, Wanderungen in die nächste Umgebung und eine Grenzlandfahrt nach Tirschtiegel vorgesehen. Im Mittelpunkt des Arbeitsplanes steht ein. öffentlicher Vortrag von Frau Gertrud Scholtz- Klink, der Führerin des Deutschen Frauenwerkes, zum Thema „Frau und Volk". Frau Mathilde S ch m ö l d e r - Bremen hält einen Vortrag über die Bedeutung künstlerischer Kultur für unsere Volkwerdung. Ferner ist eine Aussprache über Kleidfragen „Mode und Tracht" und „Welche Forderungen stellen wir an unsere Kleidung?" vorgesehen. Die Tagung wird mit einer Spreewaldfahrt (Trachtenvorführung) ihren Abschluß finden.
3n Amerika wird eine Mißernte befürchtet.
Einer Meldung aus Washington zufolge besteht infolge Mangels an Regen in den Vereinigten Staaten die Möglichkeit einer Katastrophe. Selbst wenn es in den nächsten zehn Tagen Regen gibt, werden die Staaten Iowa, Nebraska, Allinois, Indiana und Ohio nur die Hälfte ihrer regelmäßigen Ernten einbringen können. Bleibt der Regen weiter aus, dann werden noch weitere
fördern und damit die Marktpflege gleich bei der Zucht zu sichern. Dementsprechend waren die auf der Ausstellung gezeigten Tiere als Leistungstiere züchterisch von hervorragender Bedeutung. Die Fortsetzung dieser unter Marktgesichtspunkten durchgeführten Bewertung war bei Geflügel ein Eierwettbewerb.
Man kann es auch als erfreulich bezeichnen, daß die Butterprüfung so stark beschickt worden ist wie noch nie. Von 1766 Butterproben haben dabei für ungesalzene Butter 77 Prozent und für gesalzene Butter 64,50 Prozent ausgezeichnet werden können, und zwar unter ganz besonders schweren Bedingungen. Wir haben also den Beweis dafür, daß wir in der Qualitätserzeugung tatsächlich schon sehr weit gekommen sind und daß in der weit überwiegenden Mehrzahl der deutschen Molkereien einheitlich erstklassige Butter hergestellt wird.
Nach der alten Gepflogenheit der Deutschen Land- wirtschaftsgesellschaft wurde auch, eine Prüfung der Dauerwaren durchgeführt, die eine mehrmonatige Schiffsreise um Afrika hinter sich hatten. Gerade hier handelt es sich bei dem hervorragenden Ergebnis um eine Prüfung, die Zeugnis von dem Wert einer vorbildlichen Gemeinschaftsarbeit zwischen der Landwirtschaft und der Veredelungsindustrie ablegt.
Ist Bauernarbeit Qualitätsarbeit uni) sind in Erfurt die Leistungen der bäuerlichen Qualitätsarbeit in so großem Umfange auf allen Gebieten gezeigt worden, so versteht es sich von selbst, daß auch der I n d ust r ie t e i l der Ausstellung, aus dem die Produktionsmittel zu sehen sind, neben der Arbeitserleichterung in erster Linie der Qualitätsleistung zu dienen hat. Auch die Arbeitserleichterung kommt ja einer Förderung der Qualität zugute, weil die Entlastung von schwerster Handarbeit es möglich macht, daß der Bauer an manche Arbeiten Herangehen kann, die sonst nicht sorgfältig genug geleistet werden konnten. Auch hier kann man aus der Vielzahl der Ausstellungsgegenstände nur einzelne Beispiele herausgreifen. So lassen die Maschinen und Geräte zur Bestellung erkennen, daß die Industrie sich darum bemüht, durch zweckmäßige Bauart und geeignete Werkstoffwahl die Geräte zu verbessern. Der schlanke schnittige Stahl pflüg hat gegenüber dem Eisenpflug das Feld erobert. Dazu hat die Hartstahlschar auch die Formgebung der gewöhnlichen Normschar es beeinflußt. Besondere Beachtung verdienen die neueren Netzeggen, die der Vorbereitung des Ackers und der Saat- pflege dienen. Bei den Wendepflüaen dient eine neuartige Ausbildung des oberen Teiles des Streichbleches zum Gleitkopf dem störungsfreien Pflügen bei Gründünger und unreinem Acker. Bei fast allen Drillmaschinen zeigt sich das Bestreben, durch vereinfachte Bauart eine billige Bauernmaschine zu schaffen, die aber trotzdem gute Arbeit leistet.
Für die Kartoffelkultur ist es gelungen, Kombinationsgeräte zu schaffen, die im wesentlichen von bisherigen Mängeln frei sind. Auch das G u m m i r a d findet neuerdings bei Bestellungsgeräten Verwendung. Aehnlich haben auch die Erntemaschinen, die an sich schon seit Jahren gut durchentwickelt sind, noch weitere Vervollkommnungen erfahren. So ist ein umlaufender Halm- teil er zum Anbau an Grasmähmaschinen mit Handablage zu nennen, um beim Mähen von Lagergetreide dem Bedienungsmann die schwere Arbeit des Ablegens zu erleichtern. Andere Halmteiler werden wesentlich leichter gebaut. Bei den Bindern ist der Zugang zu den Schmierstellen bei einzelnen Typen erleichtert. So marschiert auf allen Gebieten der bäuerlichen Erzeugung und der Produktionsmittel für den Bauern der Qualitäts- gedanke, dessen Durchsetzung allein den Dauererfolg der neuen Bauernpolitik gewährleistet.
zehn Staaten von einer Mißernte betroffen. Die Farmer sind bereits der Verpflichtung enthoben worden, ihre Erzeugung einzuschränken. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Kongreß noch vor seiner Vertagung erhebliche Kosten zur Linderung der Not bewilligen muß. Aus Winnipeg (Ottawa) wird gemeldet, daß auch in Kanada infolge großer Trockenheit mit einer Mißernte gerechnet werden müsse. In dem am schwersten betroffenen Gebiet von Süd-Saskatschewan werden dieses Jahr statt der normalen 44 Millionen Bushel Weizen nur 4 Millionen erwartet.
Berühmtes amerikanisches filosier durch Feuer vernichtet.
Wie aus Union City (Neujersey) gemeldet wird, sind das berühmte Klo st er St. Michael und die Klosterkirche durch eine Feuersbrunst zerstört worden. Das Feuer wurde von Passanten erst in dem Augenblick entdeckt, als bereits die hellen Flammen aus der Kuppel der Kirche herausschlugen. In der Klosterkirche sind ein prachtvoller Altar und wertvolles Kirchengestühl unter den Trümmern der Mittelkuppel begraben. Die Kirche war ein vielbesuchter Wallfahrtsort der Oststaaten. Die Ursache des Brandes ist unbekannt.
Flaschenpost
von verschollenen spanischen Ozeanfiegern?
Nach einer Meldung aus Valencia wurde am Strand von Almenara in Katalonien eine Flaschenpost folgenden Inhalts gefunden: „Wir vesinden uns auf einer unbekannten Insel, die von Wilden bewohnt wird, Barberan und Collar." — Barberan und Collar sind die beiden spanischen Flieger, denen es seinerzeit gelungen war, den Atlantik nach Mexiko zu überqueren. Auf dem Weiterflug sind sie dann verschollen. Der Untersuchungsrichter, der sich mit dem Fund beschäftigt, mißt ihm keine ernste Bedeutung bei, sondern glaubt eher an einen schlechten Scherz.
Große Ueberschwemmung in Südfrankreich.
Infolge starker Regengüsse sind die fünf Nebenflüsse des Tarn so angeschwollen, daß sie aus ihren Ufern traten und eine Reihe von Dörfern in der Umgebung von Toulouse überschwemmten. Mehrere Wohnhäuser sind ein Opfer der Fluten geworden. Die Bewohner konnten sich nur mit knapper Not retten und nur leicht tragbare Gegenstände mit sich nehmen. Aus den Gutshöfen gelang es meist in letzter Stunde, das Vieh wegzutreiben. Die Getreide-, Hafer-, Maisund Bohnenfelder find überschwemmt, und die Ernte ist verloren. Die Schienenstränge der
Eisenbahnstrecke Montauban—Castres sind zwischen Buzet und Bessiöres auf 180 Meter Länge weggespült. Auch die Landstraße ist zwischen Buzet und Magdelaine abgeschnitten. Zwar ist das Wasser elwas zurückgegangen, aber man befürchtet eine neue Flut, und deshalb dürfen die Geflüchteten nicht in ihre Behausungen zurückkehren.
Mißglückter Brieffaubenflug. — 800 Tiere verloren.
Vor kurzem hatte die Westfälische Reisevereinigung, in der die meisten Brieftaubenzüchter der Hinterpfalz vereinigt sind, 2 0 0 0 Tauben von Erfurt aus fliegen lassen. Die Tiere sind nur zum Teil in der Heimat angekommen, viele wurden in der Vorderpfalz und auf der Sickinger Höhe völlig erschöpft aufgefunden. Bis heute fehlen noch rund 800 Tauben, die als engültig verloren betrachtet werden müssen. Da es meist wertvolle Tiere waren, erleiden die Züchter einen schwer zu ersetzenden Verlust.
Lola Schröter gibt ihren Schlesien-Segelflug auf.
Das Sportflugzeug „Saarland , in dessen Schlepp die Fliegerin Lola Schröter mit ihrem Segelflugzeug „Sudetenland" ihren Schlesien- und Deutschlandflug durchführen wollte, stieg bald nach der Notlandung am Mittwoch wieder auf, um ein neues Schleppseil herbeizuschaffen. Die Maschine wurde aber bald nach dem Start von schweren Seitenböen erfaßt, gegen einen Baum gedrückt, und schlug auf Die Erde. Der Schwanz mit der Steuerung wurde abgebrochen, das Fahrgestell abrasiert und der linke Flügel eingedrückt. Lola Schröter entschloß sich darauf, den Flug einstweilen aufzugeben.
Wieder ein Autobusunglück in Frankreich. — 18 Schwerverletzte.
In den Abendstunden des Donnerstags stießen unweit von Alencon (Departement Orne) in einer unübersichtlichen Biegung ein vollbesetzter Kraftomnibus und ein schwerer Lieferwagen z u- sammen. 18 Personen wurden schwer verletzt.. Der Kraftomnibus wurde vollständig zertrümmert.
Streikunruhen in Kalifornien. — Zwei Tote, zehn Verletzte.
In San Pedro (Kalifornien) kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen streikenden Dockarbeitern und Streikbrechern. Dabei wurden zwei Personen getötet und 10, zum Teil erheblich, verletzt. Erst der Polizei gelang es, die Streitenden zu trennen und die Dränung wieder herzustellen.
Oie eigene Schwiegermutter geheiratet
Als Herr Henri Garat aus Arras auf der Bürgermeisterei seine bevorstehende Heirat anmeldete, war er in bester Stimmung, denn feine Braut, Mademoiselle Pvonne Loumer, war ein entzückendes Mädchen. Nach vierzehn Tagen fand Dann die Trauung auf der Bürgermeisterei statt. Anscheinend waren die beiden glücklichen Brautleute schon mit Leib und Seele mit ihrer Hochzeitsreise beschäftigt, denn sie gaben nicht ganz acht, als der Beamte die Namen und Daten vorlas. Das sollte ihnen zum Verhängnis werden. Denn der Standesbeamte hatte aus Versehen den Namen der alten Frau Loumer als Den Der Braut angegeben und auch eingetragen. Da auch in Frankreich St. Bürokratius Den Amtsschimmel reitet, wurde Herr Garat seine Schwiegermutter nicht durch einen einfachen Feder« zug wieder los. Nein, bis die Sache langwierig und umständlich geregelt ist, bleibt der unglückliche Herr Garat mit einer alten Frau verheiratet. Der Schwiegermutter ist Die Verwechselung mindestens ebenso unangenehm, Denn nach Dem geschriebenen Buchstaben hat sie ja jetzt Bigamie begangen... JeD en falls ist Dem jungen Paar Der Honigmond wesentlich verbittert worden, und voll Bangen harren alle Drei auf Die Lösung Der Verwechslung.
Ein wohltätiger Wolkenbruch.
Daß ein Unwetter auch einmal Gutes stiften kann, haben Die Einwohner von Kalgoorlie, einer kleinen StaDt in Westaustralien, erfahren. Zuerst haben sie mächtig geschimpft über Die Wasserfluten, Die Die Vorräte in Den Kellern beDrohten, Die sogar in Die Wohnungen Drangen unD Die leichteren Häuser unterspülten. Die Straßen waren zu Strömen geroorDen, unD vom Himmel schüttete es tagelang. Als Das Unwetter nachgelassen hatte, sah es wüst genug in Den Straßen aus. Die Pflastersteine waren herausgerissen unD SanD unD ErDe fortge- spült. Kein Wunder, Daß sich gleich am ersten Tag nach Dem fürchterlichen Regen ein paar Verkehrsunfälle ereigneten. So stolperte auch ein Arbeitsloser über einen ziemlich großen Stein, Der, als er ihn näher untersuchte, weil er Durch merfroür- Digen Glanz auffiel, sich als ein massiver @olD- klumpen entpuppte. Der Arbeitslose machte einen Freudensprung, grub aber geistesgegenwärtig in Der Umgebung Des FunDortes ein wenig nach. unD siehe Da, er brauchte sich gar keine große Mühe zu geben, Denn hier unD Dort, wo Die flutenDen Wassermassen Den Sand tief genug weggespült hatten, glänzte es golden. Jetzt fanden sich auch andere Leute, die eifrig den Boden aufwühlten und wirklich noch einige Goldfunde machten. Das Gold- fieber hatte aber inzwischen die ganze Stadt gepackt. Ueberall in den Straßen blieben die Menschen ftejen, scharrten die Erde auf, holten sich Hacken und Spaten aus den Häusern und fingen zu graben an. Der Verkehr wurde im Umsehen auf- gehalten, jeder ließ seine Besorgungen im Stich, die Autos standen in langen Schlangen an. Außerhalb der Stadt hatte der Regen gleichfalls eine Goldmine freigelegt, wo sich ebenfalls Goldhungrige zu Tausenden einfanden. Aus tiefstem Herzen wünschen die Leute von Kalgoorlie, daß ihnen bald wieder so ein fruchtbringendes Unwetter deschieden sein möge.
Wettervoraussage.
Der hohe Druck über Zentraleuropa beherrscht weiterhin Die Wetterlage. In Deutschland wehen fast Durchweg östliche WinDe, so Daß trockene kontinentale Luft zufließt unD bei meist heiterem Himmel Die Er- märmung noch zunimmt.
Aussichten für Samstag: Weiterhin vor- wiegenD heiter, heiß unD trocken.
Au ssichten für Sonntag: FortDauer des heißen Wetters, vorübergehend Neigung zu Gewitterstörungen.
Lufttemperaturen. Am 31. Mai, mittags 24,3 Grad Celsius, abends 14,4 Grad; am 1. Juni, morgens 14,2 Grad; Maximum 24,9 Grad, Minimum 6 Grad; Sonnenscheindauer 14,2 Stunden. — Erd- temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 31. Mai, abends 22,5 Grad; am 1. Juni, morgens 16 Grad.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für Den übrigen Teil: I. 23.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der An- zeigen: Theodor Kümmel. DA. IV. 34: 11 200. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. ©., sämtlich in Gießen.


