Aus -er Provinzialhauptstadt.
Der Städter und sein Hund.
Von Graf von Schwerin, Berlin*.
Unter den mannigfachen Freunden des tierliebenden Städters nimmt der Hund unzweifelhaft die erste Stelle ein. Und das mit vollem Recht. Denn welches Tier wiese so viele hervorragende Eigenschaften auf wie er, wer gliche ihm in Klugheit und Treue, Anhänglichkeit und Wachsamkeit?
Eine Welt offenbart sich dir, wenn du ihm ins kluge, seelenvolle Auge schaust. Treue um Treue, Liebe um Liebe! Was du ihm im kleinen schenkst, das vergilt er dir tausendfach. Durch dick und dünn, in Freud' und Leid, im Sonnenschein wie im grauen Regen hält er zu dir. Wenn Not und Elend an deine Tür pochen und dich deine Freunde verlassen, wenn dir deine Mitmenschen das Leben vergällen, es dir zur Hölle machen — er hüll zu dir, hungert und darbt mit dir, entsagt und entbehrt. Und bringt dir genau so viel Liebe entgegen wie einst in besseren Tagen.
Wenn du gramgebeugt, sorgenzerquält nicht mehr ein noch aus weißt, wenn es dich ekelt vor der Niedertracht und Falschheit einer faden Menschheit, wenn dir das Leben keinen roten Heller mehr gilt, wenn du dich überflüssig blinkst auf dieser Welt, verlassen — neuer Lebensmut wird dir kommen, wenn er bei dir ist, dein treuer Gefährte, wenn er sich an dich schmiegt, seinen Kopf auf deine Knie legt, dir die müde Hand leckt und dich mit seiner
Gedenket der hungernden Vögel!
stummen und doch so beredten Sprache bittet: „Sei nicht traurig, Herrchen, es wird ja alles wieder aut!" Fürwahr, wem ginge da nicht das Herz auf, bei so viel Liebe!
Jedem, er hätte sonst kein Herz in der Brust, sondern einen Stein, er wäre denn gefühllos, innerlich kalt, tot. Er sei denn ein ausgekochter Bösewicht. Denn der Volksmund hat schon recht, wenn er sagt: Wer einen Hund nicht mag, der sei ein schlechter Mensch.
Und doch, wie oft wird selbst die Langmut des Tierfreundes auf eine harte Probe gestellt. Und fährt er mal aus der Haut, so liegt es zumeist nicht am Hunde, sondern am Herrn, der sein Tier nicht zu erziehen verstand, der es verwahrlosen und verwildern ließ.
Besitz verpflichtet! Mit liebevoller Behandlung allein, mit Verzärteln gar ist's wahrlich nicht getan. Gut muß man den Hund behandeln, richtig und vernünftig, ihn so erziehen, wie man es als gebildeter Mensch seinen Mitmenschen schuldig ist.
Des Nachbars Hündin hat Junge. Gar zu putzig schauen sie aus, die kleinen Wollknäuel, zu ,-süß". Den ganzen Tag sitzt Klein-Elschen bei ihnen, hätschelt sie und spielt mit ihnen. Und bearbeitet immer wieder Vater, sich einen der Kleinen herholen zu dürfen, bis er ihr schließlich die Erlaubnis dazu gibt.
Und nun hält er seinen Einzug, er, der kleine „Strolch". Ist das ein Jubel! Jeder muß ihn gern haben, den kleinen Kerl, und selbst der strenge Vater hat seine helle Freude an dem drolligen Wicht. Ab und zu wird zwar das gute Einvernehmen getrübt, wenn er einen See in die gute Stube ausgerechnet gute Stube, setzt, wenn er die neue Decke zerfranst,, die Mutter vom mühsam abgesparten Wirtschaftsgelde erstanden, oder wenn gar ein Stück Braten spurlos verschwunden ist. Nun, einmal ist keinmal, denkt Mutter, und läßt die Schandtaten durchgehen, weil „Strolch" doch gar zu niedlich ist. Aber als sich bei zunehmendem Alter die Missetaten mehren, da regt sich denn doch ihr Unmut; der Rohrstock wird hervorgeholt und dem Sünder die Jacke ausgeklopft, die nun schon recht „dickfällig" geworden.
Aber oft ist's dann schon zu spät; aus dem kleinen „Strolch", dem possierlichen „süßen", ist ein großer „Strolch" geworden, ein abgefeimter Sünder, ein ausgekochter Taugenichts. Die für ihn gewiß recht schmerzlichen Lektionen mit dem Stecken vermögen ihn nimmer zu kurieren; denn „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!"
Darum, lieber Leser, lehre deinen Hund schon von klein an, was recht ist und dulde keine Unart. Denn ein schlecht erzogener Hund bildet eine Quelle ständigen Aergers für dich und deine Mitmenschen.
Ein gewisses Maß von Erziehung und „Benimm" soll und muß jedem Hunde zu eigen sein, ohne daß man etwa nun immer ein Dressurkünstler zu sein braucht. Gehorsam, Riemenführigkeit und Setzen sind aber das wenigste, was man auch von einem Stubenhund verlangen kann und muß. Und sicher weit wichtiger als „Schön machen", „Pfötchen schenken" und andere Künste mehr.
Laß deinen Hund nie unbeaufsichtigt umherstromern, er gewöhnt sich sicher nichts Gutes dabei an. Führe ihn in belebten Verkehrsstraßen grundsätzlich an der Leine, ansonsten er dir eines Tages unweigerlich totgefahren wird. Wenn er umhertollen soll, so suche dazu eine stille Straße auf, einen freien Platz außerhalb der Stadt.
Und dulde auch nicht, daß dein Hund den Bürgersteig verunreinigt. Abgesehen davon, daß dir dann die Polizei auf den Hals kommt und du in den Geldbeutel greifen mußt, soll es auch Menschen geben, die über einen solchen „Fehltritt" wenig erbaut sind.
Die gute Behandlung dankt dir dein Hund hundertfach, die richtige bist du deinen Mitmenschen schuldig.
* Aus der Zeitschrift „Der Hund" entnommen. D. Red.
Amt für Beamte der NSDAP., Kreis Gießen.
Die Zahl der bis jetzt im Vorverkauf bestellten Eintrittskarten für die große öffentliche Kundgebung in der Volkshalle am Sonntag, 4. März (Redner: Pg. Professor Werner), steht in gar keinem Verhältnis zur Stärke der im RDB. zusammengefahten Gesamtbeamtenschaft des Kreises Gießen. Es muß gerade von den Beamten des Dritten Reiches und ihrer Disziplin erwartet werden, daß sie durch vollzähliges Erscheinen zum Gelinaen der Veranstaltung beitraaen. Nur dienstliche Verhinderung wird als Entschuldigung anerkannt. Die ohne diesen Entschuldigungsgrund fernbleibenden Beamten sind mir von den Fachschastslei.tern und Hauptvertrauensmännern, die für peinlichste Durchführung der Anordnung verantwortlich gemacht werden, namen t- lich zu melden. Nachbestellungen von Eintrittskarten sind bis spätestens 2. März von den Fach- fchaftsleitern und Hauptvertrauensmännern an Pg. Abteilungsleiter Schwender, Finanzamt Gießen, zu richten.
gez.: Heß, Kreisobmann.
Zum Eintopf-Sonntag.
Die Reichsregierung hat mit der Verordnung, daß jeder Deutsche am ersten Sonntag im Monat sein Eintopfgericht ißt und die Ersparnisse, die er dabei gegenüber dem üblichen Sonntagsbraten macht für arme Volksgenossen abgibt, dieses einfache 'Gericht auf einen Ehrenplatz erhoben.
Was ist ein Eintopfgericht? Eigentlich sagt es ja schon der Name. Trotzdem wird vieles als Eintopfgericht angegeben, was eigentlich keines ist.
Voraussetzung muh sein, dah ein ganzes Essen, also Gemüse, Fleisch und Kartoffeln, die in diesem Falle die wichtigsten Bestandteile unserer Vahrung, nämlich Eiweiß, Fett und Kohlehydrate enthalten, in einem Topf gekocht wird. Es kann natürlich auch eine Pudding- oder Auflaufform sein. Eine Beigabe von Soße oder Salat kann man gelten lassen; aber so köstlich em Blu- menkohlauflaus oder Sauerkrautauflauf mit Fisch chmeckt, können wir diese Gerichte nicht dazu rechnen, weil die Kartoffeln gesondert gekocht werden müssen.
Das Eintopfgericht ist eigentlich das deutsche Gericht. Es war die Kochweise unserer älteren Vorfahren, und es wurde nur verdrängt durch den Fremdenverkehr und hier im Westen des Reichs durch die Nachbarschaft Frankeichs, das ja eine seh hohe Eßkultur besitzt. Bei uns finden wir diese Art des Kochens noch auf dem Lande, bald in Thüringen und in Ost- und Westpreuhen wird es noch viel häufiger gegessen.
Die Königin aller Eintopfgerichte ist das „Pichelsheimer Fleisch". Es war Bismarcks Lieblingsessen und wird aus den ersten Gemüsen des Jahres, wie Spargel, Erbsen, Karotten, Kohlrabi, Kartoffeln und Rindfleich heraestellt. Jede Hausfrau kann sich natürlich selbst Rezepte für Eintopfgerichte Herstellen. Nur muß sie berücksichtigen, daß
die für unsere Ernährung wichtigsten Bestandteile Fett, Eiweiß und Kohlehydrate darin enf-
• halten sind.
Fettträger sind: Butter, Schmalz, Margarine und Oele.
Eiweißträger sind: Fleisch, Fisch, Ei, Milch, Hülsenfrüchte.
Kohlehydrateträger sind: alle Getreidearten, Kartoffeln, Reis, Hirse, Graupen.
In diesem Sinne vollwertig sind also Graupengemüse mit Schinken, Makkaronipudding und Tomatensoße, Brühkartoffeln und Rindfleisch. Blumenkohlreis und Rindfleisch.
Eine Zusammenstellung wie Makkaroni-Auflauf in Mürbeteig oder Graupen, Kartoffeln und gelbe Rüben ist unzureichend, weil Eiweiß fehlt.
Es gibt Hunderte von Rezepten über Eintopfgerichte, und die Hausfrau braucht nur zu wählen, welche dem Geschmack ihrer Familie und der Leistungsfähigkeit des Geldbeutels entsprechen. Es ist nicht das Wichtigste, ein raffiniertes und womöglich noch teures Gericht auf den Tisch zu bringen, sondern
der moralische Wert der Einführung des Ein- topfsonntags ist, dah j e d er e i n z e l n e bemüht das Opfer bringt, um anderen deutschen Volksgenossen zu helfen.
Wo aber eine Hausfrau auf wenig Gegenliebe stößt, wenn sie das Eintopfgericht bringt, ist es ihre Pflicht, dem abzuhelfen; denn Hausfrau fein heißt die Familie zu erziehen zu der opferbereiten Einstellung, die allein uns die Gegenwart meistern läßt.
Einige Rezepte.
Graupengemüse mit Schinken: Ein Pfund feine Graupen, 100 Gramm Fett, Suppengrün, Zwiebel, ein halb Pfund gekochten Schinken. Suppengrün und Zwiebel in feine Würfel geschnit-
Wer das Eintopfgericht am 4. März nicht hält, versündigt sich an derVolkSgemeinschast!
ten und in Fett gedünstet. Die Graupen dazu geben, zwei Liter Wasser auffüllen, 40 Minuten kochen lasten. Vor dem Anrichten den in Würfel geschnittenen Schinken dazu geben, mit Salz ab- schmecken.
Makkaroni, Pudding und Tomatensoße: Dreiviertel Pfund Makkaroni, dreiviertel Pfund gehacktes Schweinefleisch, 1 feingeschnittene Zwiebel, 1 Ei, etwas Salz. Die Makkaroni werden weich gekocht. Mit den übrigen Zutaten gemischt, in die Puddingform gefüllt und dreiviertel Stunden im Wasferbad gekocht. Dann stürzen, mit Tomatensoße reichen.
Spanisch Frico: 3 Pfund Kartoffeln in Scheiben, ein halb Pfund Schweinekamm, ein halb Pfund Kalbsbug in Stücke schneiden, mit 50 Gramm Butter und einer in Würfel aeschnittenen Zwiebel anbraten. Einschichten: Kartoffeln, Fleisch, wieder Kartoffeln, Salz und Pfeffer. Das Ganze mit ein viertel Liter saurer Sahne begießen und 45 Minuten im Wasserbad kochen.
Heringskartoffeln: 3 Pfund gekochte, in Scheiben geschnittene Kartoffeln, 4 Heringe entgrätet und in Stücke geschnitten, 200 Gramm Speck und 2 mittlere Zwiebeln in Würfeln, ein achtel Liter Milch mit einem Ei verquirlt. Speck und Zwiebel werden in einem Bräter geröstet, bann gibt man die Kartoffeln dazu, läßt sie ordentlich durchröften, gibt die Heringe bei, gießt Milch und Ei darüber, rührt noch einmal durch und läßt es zugedeckt 5 Minuten auf schwachem Feuer stehen. Mit rohem Salat zu Tisch geben.
Ehrung für Professor Or. Heuser.
Die Philosophische Fakultät der Universität Marburg hat zum heutigen Tage einem verdienten Bürger unserer Stadt, Herrn Oberbibliothekar i. R. Professor Dr. Emil Heuser, das Doktordiplom, das er vor 50 Jahren sich dort erwarb, in feierlicher Form erneuert. Das neue Diplom hebt die besonderen Verdienste des Jubilars um die Gießener Universitäts-Bibliothek hervor, in deren Dienst er 39 Jahre lang gestanden hat. Im Jahre 1885 konnte der damals selbst erst vor kurzem berufene Leiter der Bibliothek Dr. Hermann H a u p t nur mit seiner erfolgreichen Unterstützung einen groß angelegten Neuaufbau der Anstalt beginnen. Die verantwortungsvolle Aufgabe, den Ueberzug aus dem alten Bibliotheksgebäude am Brand in das neue Haus vorzubereiten und durchzuführen, hat Dr. Heuser mit großer Umsicht gelöst. Es war eine verdiente Anerkennung, die ihm aus Anlaß des Unioersitäts- jubiläums im Jahre 1907 sein Landesfürst das Ritterkreuz 1. Klasse des Philippsordens verlieh. Sein ebenso bewußt nationaler wie sozialer Sinn ließ ihn aber auch über den engeren Beruf hinaus an einer Reihe gemeinnütziger Bestrebungen, zum Teil an führender Stelle, sich beteiligen. Besondere Anerkennung wurde ihm zuteil für feine hin geb ende vaterländische Tätigkeit in und nach dem Kriege, vor allem im Dienste des Roten Kreuzes.
Der Fahnengruß.
Der Hessische Staatsminister hat an alle unterstellten Behörden folgende Verfügung erlassen:
Von der nachstehend wiedergegebenen Bekanntmachung der Reichsregierung ist allen Beamten, Angestellten und Arbeitern der öffentlichen Verwaltung mit dem Hinweis Kenntnis zu geben, daß der Fahnengruß eine Ehrenpflicht jedes einzelnen Deutschen ist. Jung.
Für die Angehörigen der SA. besteht die Verpflichtung, sämtliche Sturmfahnen und Feldzeichen der SA., SS., des Stahlhelm und der Polizei, sowie alle Fahnen der alten Armee zu grüßen, ferner die Fahnen der politischen Organisationen der Bewegung und der Hitlerjugend, sofern sie im geschlossenen Zuge mitgeführt werden; ausgenommen sind die Kominandoflaggen der SA., sowie die Wimpel des Bundes Deutscher Mädel und des Jungvolkes. Für die Wehrmachtsangehörigen hat der Reichswehrminister angeordnet, daß die Fahnen der nationalen Verbände bei Aufmärschen geschlossener Abteilungen oder öffentlichen nationalen Kundgebungen zu grüßen sind.
Es entspricht dem Wesen wahrer Volksgemeinschaft im nationalen Staat und dem freudigen Bekenntnis zu ihr, daß auch die übrige Bevölkerung ihr Verhalten diesen Bestimmungen anpaßt. Jeder deutsche Volksgenosse wird es daher, ohne daß es hierzu besonderer Vorschriften bedarf, als seine selbstverständliche Ehrenpflicht betrachten, den Fahnen der nationalen Erhebung — der Hakenkreuzfahne und der schwarzweißroten Fahne — wenn sie im geschlossenen Zuge oder bei einer öffentlichen nationalen Kundgebung gezeigt werden, seine Achtung durch Erheben des rechten Armes zu erweisen, genau so wie es schon immer für jeden guten Deutschen Brauch und Sitte ist, die ruhmreichen Fahnen der alten Armee zu grüßen.
Lleberwachung
von Theateraufführungen.
Ministerialrat Rings Hausen hat unter dem 22. Februar folgende Verfügung erlassen:
In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen von unberufener Seite, besonders auf dem flachen Lande, Theateraufführungen veranstaltet werden,
die dem hohen Ziel der deutschen Bühnenkunst, am kulturellen Wiederaufbau des deutschen Volkes mitzuarbeiten, in keiner Weise gerecht werden. Es handelt sich oft um künstlerisch ganz minderwertige Machwerke, mitunter wird sogar versucht, aus dem tiefen Erleben der nationalen Erhebung und ihrer Helden, oder aus der nationalen Begeisterung unserer Volksgenossen Geschäfte zu machen. Die Wiedergabe liegt meist in der Hand ganz unzulänglicher Truppen. Es kann nicht geduldet werden, daß die großen kulturellen Aufgaben des neuen Staates durch solche Machenschaften sabotiert werden. Gerade für den noch unverbildeten und darum aufnahmefähigen Sinn der Bevölkerung der kleineren Orte ist nur das Beste gut genug. Bis zu einer vom Reich zu erwartenden allgemeinen Regelung beauftragen wir daher im Einverständnis mit der Reichstheaterkammer die Intendanten des Landestheaters in Darmstadt (für die Provinz Starkenburg), des Stadttheaters Gießen (für die Provinz Ober- Hessen), des Stadttheaters Mainz (für die Provinz Rheinhessen) mit der Ueberwachung aller Theateraufführungen und der gutachtlichen Entscheidung über den künstlerischen Wert einer Theatertruppe und ihrer Darbietungen.
Falsche Gerüchte über parteiamtliche Drucksachen.
Das Staatspresseamt teilt mit: In letzter Zeit wurde wiederholt das an Plakatsäulen usw. auf’ gehängte, von der Reichsführung der NS.-Volks- wohlfahrt in Berlin herausgegebene Plakat „Gesunde Eltern — gesunde Kinder" beanstandet und teilwiese sogar entfernt, weil auf der Schürze bes größeren Mädchens angeblich zu lesen sei „Tot HI." und der von demselben Mädchen getragene Henkelkorb beim Umdrehen des Bildes einen eingeschlagenen Schädel, der ausgestreckte Arm desselben Mädchens den Stiefel, der den Schädel eingeschlagen haben soll, darstellen sollen. Es ist einwandfrei festgestellt, daß auf dem Original, das von einem durchaus einwandfreien Künstler entworfen ist, die gleichen Zeichen enthalten find, wie auf dem zur Veröffentlichung gelangten Abdruck. Eine kommunistische Verfälschung kommt nicht in Frage. Anscheinend werden von irgendeiner Stelle systematisch über parteiamtliche Drucksachen Gerüchte verbreitet mit der Behauptung, sie enthielten versteckte kommunistische Propaganda. Das Ziel dieser Gerüchtemacher ist, leichtgläubige Volksgenossen derart zu beeinflussen, daß sie von sich heraus derartige Drucksachen der Partei oder sonstiger amtlicher Stellen vernichten. Das Plakat „Gesunde Eltern — gesunde Kinder", sowie die gleichnahmige Broschüre werden auf Anordnung der Reichsleitung der NSDAP., Abteilung Reichsführung der NS.- Wohlfahrt, weiter aufgehängt bzw. verbreitet. Jeder Volksgenoste hat, wenn er Personen, die Gerüchte dieser Art verbreiten, antrifft, diese festzustellen und insbesondere nach dem Urheber dieser Redereien zu forschen. Meldungen dieser Art sind an die nächste Polizeibehörde zu geben.
Die Aufhebung der Oberpostdirektion Darmstadt.
Von der Pressestelle der Oberpostdirektion Darmstadt wird mitgeteilt:
Durch das von der Reichsregierung am 27. Febr. beschlossene Gesetz zur Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung wird die Oberpostdirek- t i o n Darmstadt am 1. April 1934 auf» ge Hoden. Wie wir hierzu von zuständiger Seite erfahren, wird die Auflösung der Oberpostdirektion nur ganz allmählich durchgeführt werden. Die Oberpostdirektion als solche hört zwar am
1. April zu bestehen auf, sie arbeitet aber zunächst während einer längeren Ueberga n g s z e i t als Abteilung einer Nachbar - Oberpostblrektwn weiter. Es wird schon jetzt darauf aufmerksam gemacht, daß durch diese Neuregelung eine Schöbt- gung der Verkehrsinteressen der Bevölkerung und der Wirtschaft in keiner Weife eintreten wird. Alle örtlichen und bezirklichen Verkehrseinrichtungen der Deutschen Reichspost bleiben unverändert in Tätigkeit. Selbstverständlich wird das erforderliche Personal nach wie vor zur Verfügung stehen. Auch hinsichtlich der Vergebung von Aufträgen der Deutschen Reichspost wird die Aufhebung der Oberpostdirek- tion keine Benachteiligung der Gewerbetreibenden des Orts und des Bezirks zur t^olge haben Es wird vielmehr dafür gesorgt werden, daß Gewerbe, Handel und Industrie auch künftig an den Lieferungen für die Deutsche Reichspost in derselben Weise beteiligt werden, wie bisher Für die Oef entlichkeit liegt mithin kein Anlaß vor, sich durch die Aushebung der Dberpoftbireftion b e - nachteiligt zu fühlen.
Nationalsozialistische Tat.
Die Abiturientinnen der Studienanstalt Gießen haben auf die Abhaltung einer Abschiedsfeier verzichtet und den Gesamtbetrag ihrer Klassenkasse in Höhe von 50 Mark dem Winterhilfswerk zur Verfügung gestellt. Bravo! Zur Nachahmung empfohlen!
Hauptversammlung des Geflügelzuchtvereins Gießen.
Der Geflügelzuchtverein Gießen hielt dieser Tage bei Mitglied Sentier seine Hauptversammlung ab. Der erste Vorsitzende hieß die Teilnehmer willkommen. Die Erstattung des Geschäfts- und des Kassenberichts fand schnelle Erledigung. Sodann schritt man zur Wahl des Vorsitzenden. Herr F e I • sing mußte sich mit Rücksicht auf seine Gesundheit entschließen, den Vorsitz niederzulegen. Unter der Voraussetzung, daß die Mitglieder des Vereins treueste Gefolgschaft leisten, übernahm Herr Bauer den Vorsitz des Vereins und zugleich die Leitung der Versammlung. Er dankte dem bisherigen Vereinsführer für das redliche Bemühen um den Verein und ernannte fobann Herrn Brauer zum Kassierer und Herrn Heß zum Schriftführer.
Seinen weiteren Ausführungen fei folgendes entnommen: Die Mitgliederzahl des Vereins fei in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Die Geldmittel feien fast völlig aufgebraucht. Die Züchtertätigkeit müsse völlig neu aufgebaut werden. Wenn etwas Ganzes geleistet werden solle, müßten alle Kräfte gufammengenommen werden. Alle Mitglieder müßten sich freudig in den Dienst der Sache stellen. Die Arbeit werde sich auf drei Hauptpunkte konzentrieren müssen: 1. Aufbau und Förderung der Zucht, 2. Erhaltung und Erhöhung des Mitgliederbestandes, 3. Durchführung von größeren Geflügelschauen. Die Mitglieder müßten sich umgehend für eine bestimmte Rasse entscheiden, sofort mit der Zucht beginnen und mit zäher Ausdauer an deren Vervollkommnung arbeiten. Wer jedes Jahr mit der Raffe wechsele, werde nie zu Erfolgen kommen. Jeder Züchter müsse sich umgehend in den Besitz einer Musterbeschreibung seiner Rasse setzen. In der nächsten Versammlung solle eine Gratisverlosung stattfinden, die einer finanziellen Unterstützung eines Teiles der Mitglieder gleichkommen soll. Die Auszahlung der Preise sei abhängig von der Erwerbung mindestens eines Satzes Bruteier oder eines Zuchttieres. In zweiter Linie brauche der Verein einen Stamm wirklicher Züchter. Es werde gegenwärtig noch zu wenig Wert auf die Fütterung gelegt. Um höhere Legeleistungen zu erreichen, werde der Verein künftig für die Tiere feiner Mitglieder das Legemehl selbst mischen. Es solle damit eine Ersparnis in den Futterkasten verbunden sein. In der Volkshalle stehe den Geflügelzüchtern eine geradezu ideale Ausstellungshalle zur Verfügung. Es muffe dazu kommen, daß der Verein in jedem Jahre eine größere Ausstellung durchführt. Durch sparsame Wirtschaft müsse man bemüht sein, zu eigenem Käfigmaterial zu kommen. Die monatlichen Vereinsabende sollten der Besprechung von Zucht- und Organisationsfragen, sowie der Schulung in den Ausstellungsbestimmungen dienen. In jedem Monat solle außerdem eine Besichtigung der Zuchtanlagen der Mitglieder und im Spätherbst eine Bewertung der Tiere durch einen anerkannten Preisrichter stattfinden. Für all diese Arbeit bedürfe der Vorsitzende der Unterstützung durch die Mitglieder. Zu diesem Zwecke bestimmte er drei Kommissionen, und zwar für 1. statistische Feststellungen (Obmann F e l s i n g), 2. Futterbeschaf- fung und Belehrung über zweckmäßige Fütterung (Obmann D e e g), 3. Stallanlagen und Geräte (Obmann Philippi).
Der Vorsitzende wies schließlich darauf hin, daß die Arbeit des Geflügelzuchtvereins nicht nutzlose Spielerei, sondern wertvolle Kulturarbeit sei, außerdem auch eine große volkswirtschaftliche Aufgabe bedeute, wenn man bedenke, daß jährlich noch 200 Millionen Mark für Auslandseier aus- gegeben würden. Die Beschäftigung mit der Geflügel- und Kleintierzucht schaffe außerdem zufrie- bene Menschen, bie mit ber Scholle unb mit ber Heimat unlöslich verbunben feien.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 1. März. Auf bem heutigen Wochenmarkt kosteten: Lanbbutter, bas Pfunb 1,20 bis 1,25 Mark, Kochbutter 1,05 bis 1,10 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, bas Stück 4 bis 10, Eier (inlänbische) 8 big 9, Wirsing, bas Pfunb (gelb) 15 bis 18, (grün) 25 bis 30, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 12 bis 15, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 10, Spinat 25 bis 30, Unterkohlrabi 6 bis 8, Rosenkohl 30 Pf., Feldsalat 1,20 bis 1,50 Mark, Zwiebeln 10, Meerrettich 35 bis 40, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3 bis y/i Pf., ber Zentner 2,80 bis 3,— Mk., Aepfel, bas Pfunb 18 bis 20 Pf., Birnen 12 bis 20, junge Hähne 80, Suppenhühner 75 bis 80, Tauben, bas Stück 45 bis 50, Blumenkohl 35 bis 50, Salat 25 bis 30, Enbivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35 Pf.
L5ornoti^en.
— Tageskalenber für Donnerstag. Stabttheater: 20 bis 22 Uhr, Konzert bes Stabt- theater-Orchefters. — Gießener Konzertverein: 20 Uhr, Universitäts-Aula, Symphonie-Konzert. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Viktor unb Viktoria". — Aftoria-Lichtfpiele, Seltersweg: „Flucht vor bem Gestern". — Oberhessischer Kunstverein: Turmhaus am Branb, 16 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Hausbesitzer-Verein Gießen: 20 Uhr, „Hinben- burg", Hauptversammlung. — Verein Krebitreform: 17 Uhr, in ben Geschäftsräumen bes Vereins, General-Versammlung. — Frauenschaft Gießen- Norb: 20.30 Uhr, Schillerschule, Turnstunbe.
— Stabttheater Gießen. Morgen, Freitag, 20 Uhr, die brei Akte „Hokuspokus" von Curt


