Ur. 51 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheften)
Donnerstag, (.März MH
Ausruf zum Reichs - Verufswettkampf der deutschen Zugend.
Berlin. 26. Febr. (DNB.) Der „Jnformations- i dienst" der' Deutschen Arbeitsfront veröffentlicht folgenden Aufruf:
Deutschland ist seit alten Zeiten das Land der Arbeit, das Land des Erfolges gewesen. Gewissenhaftigkeit und Treue seiner Arbeiter sicherten ihm diesen Erfolg vor allen anderen Nationen der Welt. Wenn wir heute die gesamte deutsche Jugend zur Teilnahme an dem vom 9. bis 15. April d. 3. stattfindenden Reichs-Verufswettkampf auffordern, tun wir es in der Erwartung, daß sich Deutschlands Jugend der Gröhe dieses Auftrages bemüht werden möchte und sich des Erbes seiner Väter würdig zeige, heil Hitler?
Der Slabsleiter de pO.
und Führer der Deutschen Arbeitsfront:
Dr. Robert Ley.
Der Iugendführer des Deutschen Reiches: Baldur von Schirach.
Der Reichsminister des Innern: Dr. F ri ck.
Der Reichspropagandaminister: Dr. Goebbels.
Der Reichsernährungsminister: Darre.
Der Reichswirtschaftsminister: Dr. Schmitt.
Der Reichsarbeitsminister: S e l d t e. *
Unser Führer und Volkskanzler Adolf Hitler hat es immer wieder bekundet: Deutschland will Werke des Friedens bauen; Deutschlands Stolz sind die schaffenden Hände aller seiner Volksgenossen; Deutschlands Wille ist es, seine arbeits- samen Hände und Köpfe in den Wettstreit der Nationen zu führen; Deutschlands Platz unter den Nationen kann im Bereiche der Arbeit nur von einem hochqualifizierten Arbeitertum erkämpft und behauptet werden. Deswegen fördert der nationalsozialistische Staat die Berufsausbildung in so besonderem Mähe und hat der zusätzlichen Berufsschulung im Dienste der Hitler-Jugend einen bevorzugten Platz eingeräumt.
2m Zuge dieser Maßnahmen rufen wir auf zum Reichs-Berufswettkampf der deutschen Jugend in der Woche des Berufes vom 9. bis 15. April d. 3., durchgeführt von der Reichsjugendführung und der Deutschen Arbeitsfront.
Deutsche Jugend, hitlerjungen und hitler- mädel! Der Reichs-Berufswettkampf ist die Sache des ganzen deutschen Volkes, im besonderen aber der ganzen berufstätigen deutschen Jugend. Er soll allen zugute kommen, nicht wie früher, nur wenigen. nämlich der Angestelltenjugend. Wir Huben die Dämme seiner Begrenzung niedergerissen für dich, du Jungarbeiter aller Berufsschichten, wir haben völlig neue Wege und Mittel geschaffen, damit du, fern von jeder Schulprüfung, dein berufliches Können und deine berufliche Erfahrung, weniger dein Wissen, einmal für dich selbst in der Form einer freiwilligen Selbstprüfung — das ist der Reichs-Verufswettkampf —unter Beweis stellen kannst.
Mit deinen Kameraden im Frontabschnitt deiner Berufsgruppe sollst du deine Kräfte messen, sollst du feststellen, woran es dir fehlt. Du sollst kämpfen um die beste berufliche Leistung, wie du im Wettlauf auf dem grünen Rasen um den Sieg kämpfst. Wir wollen kein Strebertum, keinen Konkurrenzkampf aus ichsüchtigen Gründen, wir wollen deine Leistung zusammen mit der Leistung
deiner Kameraden. Wir wollen die nationalsozialistische Gemeinschaftsleistung, den Dienst am deutschen Volk. Du sollst wissen: „Wenn du deinem Berufe dienst, dann dienst du Deutschland!"
Führer der Betriebe!
Die Leistung eurer Betriebsgesolgschaft ist die Leistung eures Betriebes, Eure schönste Aufgabe ist es, auch aus der deutschen Jugend eure besten Mitarbeiter zu erziehen. Deswegen muß euch die berufliche Ausbildung der Jugend besonders angelegen fein, und so wird der gewaltige Appell zum Reichs-Berufswettkampf der deutschen Jugend auch euer Appell. Unterstützt uns, indem ihr einen halben bis einen Tag lang, je nach Anforderung der betreffenden Reichsbetriebsgruppe der Deutschen Arbeitsfront, euren Lehrlingen und Jugendlichen die Teilnahme am Reichs- Be?ufswettkampf bei gleichzeitiger Lohnfortzahlung freistellt. Gebt für einen halben bis einen Tag kleinere Teile eurer Werkstellen und Arbeitsräume für den berufspraktischen Teil des Wettkampfes, wenn ihr von den örtlichen Wettkampfleitungen darum gebeten werdet. Laßt eure prüfungserfahrenen Praktiker in den Wettkampfleitungen Mitarbeiten.
Lehrer und Praktiker! Seid bereit, an diesem großen Werk bei der Durchführung und Prüfung der Arbeiten mitzuwirken. Es fei euch gern erfüllte Ehrenpflicht, Teile eurer Ferien dafür hinzugeben. Deutsches Volk! Du fühlst von neuem den Herzschlag des über Stände und Klaffen geeinten deutschen Volkes. Jugend und HJ.-Führer, Lehrling und Meister, Jungarbeiter und Betriebsleiter, Schüler und Lehrer, Arbeitsfront und Reichs- juaendführung, Wirtschaftsführung und Staatsführung finden sich in diesem Willen zusammen.
Wenn innerhalb einer Woche jeden Tag mit demselben Glockenschlag hunderttausende deutscher Jungen und Mädel in allen Orten zum Reichs- Berufswettkampf antreten, einen halben bis einen Tag lang ihre Kräfte messen, heute die jungen Graphiker wettdrucken, morgen die jungen Holzarbeiter wettschreinern, am anderen Tag die jungen Baugewerbler wettbauen und wettzimmern, die jungen Bauern wettarbeiten, die Mädel ihr hausfrauliches und mütterliches Können unter Be-
LPD. Friedberg, 28. Febr. Im Stadtteil Fauerbach fand gestern in Anwesenheit des neuen Landesbischofs L i c. Dr. Dietrich- Darmstadt ein Dorfkirchenvorstehertag statt. Der Leiter der Tagung, Dekan S c r i b a - Nidda, wies in seinen einleitenden Begrüßungsworten darauf hin, daß die Teilnahme des Landesbischofs Dr. Dietrich und des Propstes Knodt zu der Hoffnung berechtige, daß die Ziele der Dorfkirchenbewegung auch an höchster kirchlicher Stelle wärmste Förderung erführen.
Landesbischof Lic. Dr. Dietrich
betonte in seinen Ausführungen, die evangelische Kirche Hessens und vor allem auch die Dorfkirchenbewegung verdanke seinem Amtsvorgänger Prälat Diehl außerordentlich viel. Die Verdienste dieses Mannes um die hessische Kirche seien allgemein bekannt. Von ganz besonderer Bedeutung seien seine großen Leistungen auf dem Gebiete der heimatgeschichtlichen Forschung innerhalb des kirchlichen Lebens. Für all das schulde man Prälat Diehl Dank und Verehrung. Als dessen Schüler unterziehe er sich gern der Abstattung dieses Dankes. Der Landesbischof führte dann weiter aus,
hinsichtlich der Dorfkirchentage und der Dorfkirchenbewegung fei hervorzuheben, daß gerade
weis stellen, dann ist das Helle und frohe Z u - k un fts musik für alle deutschen Ohren und Herzen! Wir glauben, wir arbeiten: Alles für Deutschland! heil Hitler!
gez.: Franz Langer, OBF. und Referent in der RIF., Leiter des Jugendamtes in der DAF.
gez. Artur Axmann, Obergebietsführer, Leiter der Abteilung III in der Reichsjugendführung.
die hier geleistete Arbeit durch die besondere Betreuung der bäuerlichen Bevölkerung und ihrer Tätigkeit von feiten des Führers Adolf Hitler auch eine Anerkennung der Arbeit der Dorfkirchenbewegung bedeute. Die Dorfkirchenbewegung stelle ein Bekenntnis zu den Kräften dar, die uns aus dem Lande und dem bäuerlichen Volkstum zuwüchfen.
Von hier aus könne auch der gefährlichen V e r st ä d t e r u n g , die schon ein erhebliches Ausmaß in Deutschland angenommen habe, entgegen- gewirkt werden. Familie, Volk und Staat, sowie die Naturverbundenheit als gottgewollte Ordnung könnten vom Lande, vom Bauerntum her wieder eine Kräftigung erfahren. Nach den mit reichem Beifall aufgenommenen Ausführungen des Landesbischofs sprach
Dekan Gcriba
über das Thema „Die Dorfkirche und die neue Z e i t". Der Redner betonte u. a., aufgebaut auf Glaube, Sitte und Volkstum fei
die Dorfkirche Wegbereiterin für die wahre deutsche Volksgemeinschaft.
Auch in der neuen Kirche werde man die Dorfkirchenvorsteher als wertvolle Mitarbeiter brauchen. Deutschland könne nur als christlicher Staat bestehen.
Mit einem Dankeswort an alle Teilnehmer schloß Dekan S c r i b a die arbeitsreiche Tagung.
Der hessische Bußtag.
EPH. Der Landesbischof hat verfügt: Die Feier des allgemeinen Buß- und Bettages am Sonntag Palmarum im Gebiet der bisherigen Evangelischen Landeskirche in Hessen wird für dieses Jahr beibehalten.
Es sind dafür folgende Schristworte als Predigttexte bestimmt worden:
Für den Vormittag. Römer 11, 22. „Darum schau die Güte und den Ernst Gottes: den Ernst an denen, die gefallen sind, die Güte aber an dir, sofern du an der Güte bleibst; sonst wirst du auch abgehauen werden."
Für den Nachmittag. Jeremias 29, 13. „So ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr."
Die Feier des Bußtages ist am Sonntag vorher unter Mitteilung dieser Schriftworte und Auffor- derung zu gemeinsamer Beugung vor Gott den Gemeinden anzukündigen.
Die Sühne für den Mord an SA.-Mann Handwerk.
Das Todesurteil vom Reichsgericht bestätigt.
LPD. F r a n k f u r t a. M., 28. Febr. Der Erste Strafsenat des Reichsgerichts verwarf die Revision im Strafverfahren gegen den Kochlehrling R e i t i n g e r aus Frankfurt a. M., der vom Frankfurter Schwurgericht am 5. Oktober v. I. wegen Mordes an Hem SA.-Mann Hans Handwerk, sowie schweren Landfriedensbruchs und Mordversuchs in drei Fällen zum Tode, dauernden Ehrenrechtsverlust und 12 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war.
puyls Krönung zum Kaiser der Mandschurei.
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Links: Die Gattin Kaiser Puyis. — Rechts: Die Hauptstadt h s i n g k i n g, die in großartigem Aufbau begriffen ist. Seit einem Jahr wurden dort nicht weniger als 2500 Gebäude errichtet. — Unten: Kaiser Puyi.
Der Landesbischos über die Dorskirchenbewegung
Volle Anerkennung der Dorfkirchenarbeit.—Herzlicher Dank an Prälat Diehl.
Gießener Stadttheater.
Curt Götz: „Hokuspokus".
Mit diesem Stück war, wie man sich vielleicht erinnert, Curt Götz zum erstenmal bei uns in Gießen zu Gast. Er kam später noch öfter, aber dies ist vielleicht das hübscheste, was ihm je gelungen ist.
Dennoch gehört, wie wir finden, Schneid dazu, es nun, ohne Götz, wieder hervorzuholen. Denn erstens wird jede Aufführung, auch die beste, von der Erinnerung an das Original belastet. Und außerdem ist vieles in diesen drei Akten nicht mehr so aktuell wie damals.
Die zwischen Schein und Sein wunderlich schwebenden Stücke des Italieners Pirandello zum Beispiel sind mittlerweile ein wenig aus der Mode gekommen. Und von dem Kritiker Alfred Kerr ist heute nun schon gar keine Rede mehr. (Oder nur noch eine sehr unrühmliche.)
Ein Drama schreiben heißt, nach bekannter Definition, einen Gedanken zu Ende denken. Götz würde das wahrscheinlich anders formulieren; sein Ehrgeiz ist es, die Leute einen Abend lang brillant zu unterhalten, und zwar, bei Licht besehen, mit nichts. Die Mücke und der Elefant spielen daher auch nicht ohne Grund in seinem Stück eine so wichtige Rolle.
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Scherz, Satire, Ironie — der Titel des Grabbe- schen Lustspiels ist die beste Devise für Götzens drei Akte; auf die „tiefere Bedeutung" kann zur Not verzichtet werden. Und Götz ist auch nicht so bissig und gallig wie der unselige Dichter aus Lippe- Detmold sondern heiterer, beweglicher aus seinem rheinhessischen Temperament, eleganter und anmutiger. Was er sagt, das sitzt, und wo er hinhaut, da wächst bis auf weiteres kein Gras mehr. Daneben geht sowieso nichts.
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Was die Pleite der Theaterdirektoren angeht, so ist das Vorspiel und das Nachspiel auch nicht mehr besonders zeitgemäß; aber es gibt ja noch allerhand andere Sorgen und allerhand Diskussionen, an denen das Publikum jederzeit mit Vergnügen teilnimmt. Zumal der Blick hinter die Kulissen oder auch nur ins Theaterbüro ist immer beliebt.
Und überhaupt: ein Sensationsprozeß auf der Bühne mit allen Schikanen wird jederzeit gern gesehen. Mit Staatsanwalt und Verteidiger, mit Zeugen, belastenden und entlastenden, mit gleich zwei Angeklagten und mit Geschworenen, die aber merkwürdigerweise nicht auf den gemeinhin für sie bestimmten Bänken, vielmehr auf lauter Parkett
sesseln und sogar in Rängen und Logen herum-1 sitzen und noch dazu gegen alle Geschäftsordnung nach dem großen Plaidoyer des Verteidigers ganz ungeniert Beifall klatschen
Und natürlich mit Indizien. Es gibt hier ein paar ausgesuchte Exemplare, zum Beispiel ein durchnäßtes und mit Schlamm bedecktes Sommerkleid, ziemlich kurz übrigens; eine vergessene Brieftasche, eine weibliche Singstimme und ein verdächtig reichlich bemessenes Trinkgeld; von mehreren heftig kompromittierenden Briefen ganz zu schweigen. Aber Indizien sind dazu da, um von der Verteidigung nach den Regeln der Kunst zerpflückt zu werden. Und die Verteidigung läßt sich ja denn auch in der Tat nicht lumpen.
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Der dritte Akt erweist zwar die Haltlosigkeit des Indizienbeweises, aber zugleich auch noch verschiedene andere Umstände, auf die weder der Verteidiger noch der Staatsanwalt noch das Geschworenenpublikum gefaßt sein konnte. Wie der Mord geschah, und wer der Mörder ist, kann hier natürlich nicht verkündet werden. Man wird es aber erfahren auf diesem entzückenden, kleinen Fest, zu dem die aus Mangel an Beweisen freigesprochene Dame Agda den gesamten Gerichtshof eingeladen hat.
Regie führte Wolfgang Kühne. Ihm darf bestätigt werden, daß er neben dem berühmten Vorbild in Ehren bestand. Die Aufführung war schon im äußeren Bild (Dekorationen der Herren Löff- l e r und Keim) dem Gastspiel-Original erfreulich angeglichen. Einige kleine Korrekturen: der Kritiker Knorr wurde umgetauft, die römischen Ziffern durch schlichte Sternchen ersetzt. (Miramteller konnte schlechterdings nicht umgetauft werden, weil sonst das ganze Stück hätte neu geschrieben werden müssen, was ohne Götzens Mitwirkung vermutlich auf Schwierigkeiten gestoßen wäre. Aber auch so blieben der goldenen Worte noch genug stehen, und der zweite Akt mit der Gerichtsverhandlung war gestern wie vor sechs Jahren der Clou des Abends.
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Das Stück hat neben seinen übrigen unschätzbaren Vorzügen den, daß es über eine ganze Reihe brillanter Doppelrollen verfügt. Heinz-Albrecht M a r ck s verwandelte sich aus dem verblüffend echt sächsisch sprechenden Dichter-Dramaturgen des Vorspiels alsbald in den eleganten und gepflegten Kavalier Peer Bille, der feine Taschenspielerkünste mit jedem Akt und sogar noch nach seiner Rückverwandlung ins Sächsische übertrumpft.
Herr Hub machte den Theaterdirektor (mit bestürzendem Wortschwall) und auch den Verteidiger unwiderstehlich; seine große Rede an die Geschworenen war von ähnlicher Durchschlagskraft wie die des Marc Anton auf dem Capitol.
Den von Götz bevorzugten Dialogstil, trockene, leidenschaftslose Konversation, traf Kühne als Präsident (und als Justizrat) am sichersten. Fräulein W i e l a n d e r gab, anfangs beherrscht, später mit kokettem Temperament die Agda Kjerulf. Herr L ü p k e setzte sich mit schneidender Beredsamkeit für den Staatsanwalt ein. Herr Geiger fand als „erster Kritiker unserer Stadt" mit einem bemerkenswerten Gutachten allgemeinen Beifall.
Das Publikum unterhielt sich, wie zu erwarten war, ausgezeichnet und ging in angeregter Stimmung nach Hause. hth.
Scharnhorst
bekennt sich zum Eintopfgericht.
Preußens Not nach dem unglücklichen Feldzug von 1806,07 weckte seine besten Kräfte. Selbstverständlich, daß sich auch Scharnhorst dafür ein- setzte; er war es auch, der sich bemühte, seinen preußischen Volksgenossen Mittel in die Hand zu geben, mit denen sie die ärgste Not überwinden könnten. Im Jahre 1808 erschien in Lüneburg ein Kochbuch von ihm. In dem Vorwort bemerkte Scharnhorst: „Und so ist ein zerrüttetes Hauswesen nicht anders als ein zerrütteter Staat, öfter als man vielleicht glaubt, die Folge davon, daß wir uns von den Sitten unserer Vorfahren entfernt und alle Sorgfalt darauf verwandt haben, die üppige Seite statt der nützlichen auszubilden. Mit möglichst geringen Kosten und Mühen kochen soll die Hausfrau, eine reinliche, schmackhafte Speise bereiten. Wozu der Töpfe viele, wenn einer genug ist! Die nationalen Frauenzimmer sollen ihre Familie schlicht sättigen und kräftigen, zum Ränzleinmästen sind sie nicht bestellt. Dem Aermsten soll man decken, mit ihm teilen, das ist tätige Nächstenliebe. So wird auch der Geringste wissen, daß alle für ihn >da sind, und er für alle. Hält die letzte Not Wache vor der Tür, gibt es kein Ausweichen voreinander, sondern nur ein miteinander wieder Starkwerden ..." Scharnhorst empfahl als Eintopfgerichte: Für mindestens sechs Personen: Erbsensuppe mit Speck und Kartoffeln (das Leibgericht Scharnhorsts). — Ein Eintopfgericht für acht Personen: Anderthalb Pfund Rindfleisch in Würfel geschnitten, zwei Pfund Mohrrüben, vier Pfund Kartoffeln, vier Zwiebeln, Salz und Pfeffer nach Belieben, vier Eßlöffel Butter
oder Schmalz. Das geschnittene Fleisch soll man in der Butter auf allen Seiten bräunen und mit den Zwiebeln schmoren lassen. Mit drei Liter kochender Fleischbrühe aufgefüllt, in einem gut schließenden Topf gargekocht, gibt das gar keine üble Suppe. Ferner empfahl er: Weißkohl mit Fleischklößchen. Kürbiswürfel mit gedünsteten Porreestangen und gebrühten Kartoffelscheiben soll ein bekömmliches Löffelgemüse ergeben. Gargequollene Graupen mit Kohlrabi, Mohrrüben, grünen Bohnen und einer kleinen Tasse Milch, um den Geschmack zu mildern, werden angeführt. Gehackte Kräuter sollen nach gut bürgerlicher Sitte unter allen Umständen verwandt werden, keine Suppe ohne reichlich Suppengrün, und im besonderen wird der Pellkartoffel ein Lob gesungen ...
In der Lust geboren.
Eine Foxterrier-Hündin, die man im Flugzeug von ihrem Zuchtstall in Worcestershire zu einem französischen Käufer sandte, war einer der meistbesprochenen Passagiere der Strecke Croydon—Le Bourget in der letzten Zeit. Kaum hatte das Flugzeug den Flughafen verlassen, als die Hündin ein Junges zur Welt brachte. Mutter und Kind wurden von dem Steward sorglich gewartet, so daß beide bei ihrer Ankunft „sich wohl befanden". Man mag sich die Ueberraschung des neuen Herrn vorstellen, als er statt des einen erwarteten Tieres gleich zwei in Empfang nehmen konnte.
Hochschuinachnchten.
Professor Dr. Rudolf Stammler, Berlin, konnte vor kurzem sein goldenes Professor renjubiläum begehen. Der seit 1921 im Ruhestände lebende Lehrer der Rechtsphilosophie, des römischen und des deutschen Bürgerlichen Rechts, ist am 19. Februar 1856 in Alsfeld geboren, wurde 1882 ao. Professor in Marburg, 1884, also vor 50 Jahren, Ordinarius in Gießen, siedelte 1885 nach Halle über und wirkte von 1916 bis zu seiner Emeritierung 1921 an der Universität Berlin. Der Gelehrte ist Doktor aller Fakultäten; von seinen fachliterarischen Arbeiten seien genannt: „Aufgaben aus dem römischen Recht"; „Die Lehre vom richtigen Recht"; „Theorie der Rechtswissenschaft"; „Lehrbuch der Rechtsphilosophie"; „Der Richter"; „Deutsches Rechtsleben in alter und neuer Zeit". — Der bekannte Greifswalder Germanist Wolfgang Stammler ist der Sohn des Jubilars.
Professor Dr. Ernst G ö p p e r t, Ordinarius für Anatomie an der Universität Marburg, wird am 1. April d. I. von seinen amtlichen Verpflichtungen entbunden.


