Lebhafte Anteilnahme der bulgarischen Oeffentlichkeit
Sofia, 28. Febr. (DNB.) Die bulgarischen Blätter geben die Meldungen über den Besuch des Königs Boris in der Reichshauptstadt, der allen Kreisen zu diesem Zeitpunkt überraschend gekommen ist, in großer Aufmachung wieder. Das Matt „Siow o" schreibt, die bulgarische Oeffentlichkeit sei von dem schönen Gedanken des Königs, Berlin einen Besuch abzustatten, angenehm überrascht. Deutschland, um das die diplomatischen Kanzleien alle möglichen Intrigen zu spinnen versuchten, sei heute trotz allem ein mächtiger Faktor in Europa. Doch unabhängig hiervon seien Deutschland und Bulgarien, die im Weltkrieg in heldenhafter Waffenbrüderschaft zusammengestanden hätten, seither durch gemeinsames Schicksal, gegenseitiges Vertrauen und schließlich auch durch engste wirtschaftliche Beziehungen verbunden. Das bulgarische Volk sei zufrieden, daß König Boris die Gelegenheit benutzt habe, i5em deutschen Volk in der Person des verehrungswürüi- gen greisen Reichspräsidenten und Generalfeldmarschalls von Hindenburg die aufrichtigen und warmen Gefühle des bulgarischen Volkes zum Ausdruck zu bringen.
Das Organ der nationalen Volksbewegung „Soro" hebt hervor, daß Bulgarien dein deutschen Volke schon längst die Aufmerksamkeit schulde, die ihm König Boris jetzt erweise, nicht allein weil beide Völker in schicksalsschweren Jahren Schulter an Schulter gekämpft hätten, und gleich st a r k unter den Friedensdiktaten litten. Die engen kulturellen und vor allem wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern seien es heute in erster Linie, die anläßlich dieses Besuches hervorgehoben werden müßten. Die Behauptung sei keineswegs übertrieben, daß die Zukunft der bulgarischen Volkswirtschaft in Mitteleuropa und in erster Linie in Deutschland liege.
Wirischastsfriede mit polen. Günstiger Fortgang der deutsch-polnischen Wirtschaftsverhandlnngen.
Warschau, 28. Febr. (DNB.) Die seit fünf Monaten in Warschau zwischen dem deutschen Gesandten und der polnischen Regierung geführten Verhandlungen wegen Beendigung des Zollkrieges sind so weit gefördert worden, daß das Abkommen in der nächsten Woche unterzeichnet werden kann, durch das alle aus dem Wirtschaftskrieg hervorgegangenen Kampfmaßnahmen r e st l o s beseitigt werden. Auf polnischer Seite müssen dazu nicht nur die Einfuhrverbote aufgehoben, sondern auch die Maximalzölle sowie die Beschränkungen des deutschen Zwischenhandels und der deutschen Schiffahrt beseitigt werden. Ferner war es notwendig, durch Gewährung von Kontingenten sowie Zusage der autonomen Zollnachlässe die tatsächliche Einfuhr der bisher verbotenen Waren zu ermöglichen. Polen soll dafür die Durchfuhr von Tieren und tierischen Erzeugnissen nach den we st europäischen Ländern unter Wahrung der veterinär- polizeilichen Erfordernisse zugestanden werden. Ferner sind zwischen der deutschen und polnischen Eisenindustrie sowie zwischen den deutschen Ostseeredereien und den polnischen Schifffahrtslinien private Verständigungen getroffen wor- den, die gleichzeitig mit dem Protokoll über die Aufhebung des Zollkrieges in Kraft treten werden.
Edens Aufgabe in Paris.
Wird Frankreich für Mitarbeit bereit sein?
London, 1. März. (DNB.-Funkspruch.) „Times" schreibt u. a.: Wenn Eden jetzt mit den französischen Ministern zusammentrifft, wird er sie über den herzlichen Empfang unterrichten können, der ihm in Berlin und Rom bereitet worden ist. Er wird ihnen mitteilen können, daß der dringende Wunsch ausgesprochen worden ist, man möchte einen Ausweg aus den bestehenden Schwierigkeiten finden, damit die Abrüstungskonferenz ihre Arbeiten wieder aufnehme. Eden — so erklärt das Blatt weiter — habe in Berlin und Rom betont, daß die britische Denkschrift n i ch t d a s letzte Wort der britischen Regierung sei und daß die Minister bereit sein würden, die Denkschrift nach Entgegennahme des Berichtes Edens von neuem zu prüfen; sie seien der Ansicht, daß Deutschland ebenso wie Italien bereit sein würden, die Denkschrift als Grundlage künftiger Besprechungen anzunehmen. Ferner glaubten sie, daß die heutigen Pariser Erörterungen zeigen werden, ob Frankreich ebenfalls bereit ist, entsprechend den ausgezeichneten allgemeinen Richtlinien mitzuarbeiten, Richtlinien, die ein gewisses Maß von Aufrüstung für Deutschland enthielten, unter Gewährung einer Sicherheitsgarantie für andere Mächte.
Das heiße Eilen
Frankreich und die Rückkehr der Habsburger.
Paris, 1. März. (DNB. Funkspruch.) Die französische Presse erörterte am Donnerstag erneut d i e österreichische Frage. Man scheint die Auffassung offizieller Kreise sich zu eigen zu machen, daß die Wiederherstellung der Doppelmonarchie unter den Habsburgern nur Oel aufs Feuer gießen würde. „Wenn sich der Völkerbund", schreibt „L'Ordre", „unter dem Druck der Regierung Macdonald an dem österreichisch-ungarischen Problem desinteressiert, dann müssen Frankreich und Italien sich verständigen, um eine Lösung zu finden, die für beide und gleichzeitig für die Kleine Entente bindend ist. Das ist sicher auch die Ansicht Bar- thous, dessen Aufgabe darin besteht, unser Land zu seiner großen diplomatischen Traditio» zurückzu- führen."
MeDrahtzieher des marxistischen Aufruhrs m Wien unter Anklage.
Wien, 28. Febr. (DNB.) Regierung und Staatspolizei wenden sich gegen Meldungen südslawischer Zeitungen, wonach es in den verschiedensten Teilen Oesterreichs wieder zu blutigen Zusammen st ätzen gekommen sein soll. Ferner soll behauptet worden sein, daß die österreichischen Natio- nalsozialististen von Mittwoch ab die Kundgebungen gegen die Regierung wieder in verstärktem Maße ausgenommen hätten. Regie- rung und Staatspolizei stellen demgegenüber fest, daß in ganz Oesterreich völlige Ruhe herrsche und daß es nirgends zu irgendwelchen Zusammen st ößen gekommen sei.
Die polizeilichen Untersuchungen gegen die verhafteten Funktionäre der Sozialdemokratischen Partei sind jetzt abge
schlossen worden. Gegen 20 Mitglieder des sozialdemokratischen Parteivorstandes ist das straf- gerichtliche Verfahren eröffnet worden. Die verhafteten Mitglieder des Parteivorstandes haben an der Vorbereitung des Aufstandes teilgenommen, in ihren Händen befanden sich bereits seit langem die Pläne für die Durchführung des Aufstandes. Ferner haben sie aktiv an dem Aufstand teilgenommen und die Aktionen des Schutzbundes persönlich geleitet. Die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen die 20 Parteifunktionäre lautet daher auf Grund der polizeilichen Untersuchung auf öffentliche Auflehnung gegen die Staatsgewalt und Teilnahme am Aufruhr. Unter den Parteifunktionären, gegen die Anklage erhoben wird, befinden sich der Bürgermeister von Wien, Seitz, General Körner und der Schutzbundführer Eiffler, sowie mehrere Abgeordnete des Nationalrates.
FeierlicheThronbesteiMg puyis als Kaiser von Mndfchuluo.
Aelteste Zeremonien und modernste Technik nebeneinander.
H s i n k i n g (Mandschukuo), 1. März (DNB- Funtspruch) Am Donnerstagvormittag erfolgte die feierliche Thronbesteigung Puyis der unter dem Namen K a n g T e h Kaiser von Mandschukuo geworden ist.
Kurz vor acht Uhr Ortszeit führte ein Kraftwagen, der mit dem aus goldenen Orchideen gebildeten Wappenzeichen geschmückt war, den künftigen Kaiser nach dem Himmelstempel, wo die religiöse Zeremonie abgehalten wurde. Die eindrucksvolle Zeremonie, die nach dem Ritus der Chow-Dynastie durchgeführt wurde, dauerte nur etwa eine Viertelstunde. Ungefähr 200 der höchsten Beamten von Mandschukuo standen achtungsvoll am Fuß des Altars. Der Kaiser stieg zum Altar hinauf und warf sich zu Boden, um mit den Geistern seiner Ahnen Zwiesprache zu führen. Er brachte dem Himmel eine Anzahl von Opfern dar, darunter einen weißen Stier, den die Priester töteten, während der Kaiser betete. Vor dem Monarchen lag eine Rotlacktafel, auf der der Name seines frühesten Ahnherrn ausgezeichnet war. Acht Beamte überreichten dem Kaiser die Opfergabe, Weihrauch, ein Amulett aus Pade, eine Rolle heimischen Tuches und einen Kelch mit Reiswein. Alle Gaben streckte der Kaiser zum Himmel empor. Dann wandte er sich nach Süden und entzündete das heilige Feuer, dessen Rauch seine Gebete zum Himmel emportrugen. Nach der Opferung empfing der Kaiser sein Amtssiegel, worauf ein Salut von 101 Schuß ertönte.
In sonderbarem Gegensatz zu dem uralten Zeremoniell stand es, daß von einzelnen Szenen Tonfilmaufnahmen gemacht wurden, daß Flugzeuge in der Luft kreisten und daß einzelne Berichte über die Feier im Rundfunk verbreitet wurden. Für die Krönungsfeierlichkeiten hat die Regierung 3Vz Millionen Dollar bewilligt
Sportpalaslkimdgrblmg der Deusschen Christen.
Reichsleiter und Reichsbischof über den Weg der Kirche im Dritten Reich.
Berlin, 28. Febr. (DNB.) Im überfüllten Sportpalast fand eine Kundgebung der Deutschen Christen statt. Nach Liedvorträgen des Sängerbundes begrüßte Gauobmann Pfarrer Tausch die Erschienenen, darunter Vertreter der Reichs- und Kommunalbehörden. Unter lebhafter Zustimmung betonte der Redner, daß der christliche Glaube nicht dazu da sei, um die Weltanschauung einer veralteten Bürgerlichkeit zu erhalten. Der Kampf in der Kirche sei tief religiös be- gründet. .Die Deutschen Christen wollten den Frieden, aber einen Frieden, aus dem das Leben sich gestalte. Sie wollten Aufbauarbeit leisten, und reichten allen Gegnern die Hand, indem sie ihnen zuriefen: Verschließt euch nicht der gottgegebenen Wirklichkeit der deutschen Gegenwart. Die Kirche Martin Luthers soll V o l k s k i r ch e sein. Oer neue Reichsleiter Or. jur. Kinder begann seine Ausführungen mit einer Absage an den auf kirchlichem Gebiet so verhängnisvollen Dilettantismus. Im Namen „Deutsche Christen" liege Aufgabe und Ziel. Die Deutschen Christen seien Deutsche und als Deutsche Nationalsozialisten. Sie bejahten das Programm der politischen Bewegung, die unser Volk vom Abgrund zurückriß aus innerster Überzeugung. Sie seien aber auch Christen und als solche stünden sie in freudiger Bejahung zur Kirche. Die Deutschen Christen wollten in tavferer Hingabe sich in die schicksalhafte Führung Gottes mit unserem Volke opferbereit und glaubensvoll mitten hineinstellen. Es handele sich heute nicht um leere Dogmenstreitigkeiten, sondern um das Ringen der Werte. Mit ganzer Hingabe und unbedingter Ehrlichkeit sollen aus dem Glaubensgut der Völker die auch für unsere Zeit geltenden Grundlagen in den Vordergrund gestellt werden. Durch den Aufbruch im Volksleben seien auch im kirchlichen Leben wertvolle neue Erkenntnisse entstanden. Zum Aufbruch in der Kirche gehöre aber auch Ordnung in der Kirche. Jedes aufbrechende neue Leben habe eine von innen her bestimmte wundervolle Ordnung. Deutsch sein heiße fromm sein. Die Deutschen Christen kämpften darum, daß sich der
deutsche Aufbruch auch auf das Gebiet der innersten, der religiösen Handlung erstrecke. Die Kirche ruhe auf dem Bekenntnis und habe ihr Leben im Glauben. Die Deutschen Christen wollten Brücken bauen, die den Vormarsch des erwachten deutschen Volkes auch in den religiösen Raum, in das Erlebnis der Volkskirche hinein ermöglichen.
Reichsbischof Müller
erklärte sodann u. a.: Wenn in dieser Zeit harte Kritik am Christentum geübt würde, so sei das nicht einmal zu bedauern. Diese Kritik solle zu strenger Selb st Prüfung mahnen, wo die Schuld dafür zu suchen sei, daß sich große Massen von der Kirche abgewandt hätten, wenn die Diener der Kirche in eng st er Gemeinschaft mit dem Volke gestanden, die Sprache gesprochen hätten, die das Volk versteht, dann wäre der Zustand wahrscheinlich ein ganz anderer. Durch die Einigung der 28 Landeskirchen sei ein 400 Jahre altes Sehnen in Erfüllung gegangen. Christentum sei die Art, die Gott und sein Reich den Menschen näherbringe. Das Christentum sei nicht aus dem Judentum erwachsen, sondern im Kampfe gegen das Judentum geworden. Positives Christentum müsse wieder zum Gemeingut des Volkes werden. Das könne nur geschehen, wenn jeder einzelne sich wieder als ein Glied der Kirche fühle. Wenn aber die Führer nicht den Weg zum Herzen des Volkes fänden, dann sei das Ziel nicht zu erreichen. Die jungen Theologen müßten daher in die SA. und in die Arbeitslager. Sie müßten das Volk, seine Sprache, sein Denken und Fühlen verstehen lernen und sich so das Vertrauen ihrer Gemeinde erwerben.
Der Reichsbischof schloß mit dem Appell, das zu überwinden, was uns trenne, Kämpfer für ein Ziel zu werden: Ein Volk, ein Staat, eine Kirche. — Im Schlußwort verlas Pfarrer Tausch ein Begrüßungstelegramm der Deutschen Christen aus dem Saargebiet und schloß mit einem Heil! auf den Führer, in das die Teilnehmer an der Kundgebung begeistert mit einstimmten.
Das neue Deutschland fordert Achtung und VomrteilslMeit für seine Friedensarbeit.
Reichsminister Goebbels vor der ausländischen presse.
Berlin, 28. Febr. (DNB.) Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda hatte in den tfefträumen seines Ministeriums zu einem Empfang der Auslandspresse geladen, an dem auch fast das gesamte Diplomatische Korps teilnahm, ferner sah man eine Reihe von Reichsministern. Vor den Gästen führte Dr. Goebbels u. a. folgendes aus:
Zweck und Sinn dieser Fühlungnahme zwischen der Reichsregierung und der öffentlichen Meinung der anderen Länder ist ein besseres und fruchtbareres Sichkennenlernen, die Möglichkeit, sich über schwebende Fragen von Mann zu Mann auszusprechen und damit bei Ihnen ein lebendigeres Verständnis für das junge Deutschland und die ihm innewohnenden geistigen, seelischen und politischen Kräfte zu erwecken. Sie, meine Herren, die Sie von den großen ausländischen Zeitungen nach Berlin geschickt worden sind, um Sie und Ihre Völker über Deutschland, sein Volk, seine Menschen, ihre Wünsche, Ansichten, Hoffnungen und Verzweiflungen aufzuklären, haben damit eine große und schwere Aufgabe übernommen. Die Verschiedenartigkeit der Auffassungen, die heute Europa bewegen,. ist ganz unverkennbar. Sie resultiert zu ihrem größten Teil aus den furchtbaren Schäden, die diesem Erdteil durch das Unglück des großen Krieges zugefügt worden sind, und Deutschland ist dabei derjenige Staat, der a m schwersten daran zu tragen hat.
lllan halle sich leider in den anderthalb Jahrzehnten vor unserer 'Machtübernahme in der Dell daran gewöhnt, die deutsche Nation als mitbewegenden Faktor der europäischen Lnl- Wickelung nicht mehr in Betracht zu ziehen. Dieser Zustand ist durch die nationalsozialistische Revolution grundlegend geändert worden, und von dieser Tatsache hängt ein Teil der Mißverständnisse ab, die zu lösen und zu klären im Augenblick eine der wichtigsten Aufgaben der gesamten europäischen Diplomatie ist. Wir glauben, dem Ziel ihrer Lösung um einen gewaltigen Schritt schon näher gekommen zu sein, wenn wir dem deutschen Volk und der deutschen Regierung jenes Maß an Achtung und Sym- pathie zurückgewinnen, die man anderen Völkern und Regierungen als selbstverständlich
entgegenzubringen pflegt. Die Verschiedenartigkeit der Auffassungen kann nur entwirrt werden auf der Basis der Gleichartigkeit der Achtung, die der eine dem anderen zuteil werden läßt.
Es ist dem Ausland noch viel zu wenig klar geworden, daß der Sieg der nationalsozialistischen Revolution in Deutschland eine neue Männergeneration in die Macht getragen hat, und daß diese neue Männergeneration von der edlen Absicht besessen ist, mit neuen Methoden alte Probleme, die mit alten Methoden unlösbar geworden waren, einer tatsächlichen Lösung zuzuführen. Es erscheint uns allzuerklärlich, daß die journalistischen Wortführer des Auslandes, die mit den in Deutschland gefallenen Mächten innerlich oder äußerlich solidarisiert waren, den gänzlichen Umschwung der Dinge nicht allzufreudig begrüßt haben. Wir können auch ein gewisses Verständnis dafür aufbringen, daß sie heute noch mit dem rechthaberischen Eigensinn des unbelehrbaren Besserwissers einen Tatsachenbestand nicht wahrhaben wollen, der unterdes längst von allen objektiv Denkenden als unabänderlich hingenommen wurde. Unklug aber wird, so meinen wir, dieses Verfahren dann, wenn es sich nicht mehr auf die persönliche Meinung des einzelnen beschränkt, sondern darüber hinaus zu einer voreingenommenen und damit falschen Darstellung der Lage für die Oeffentlichkeit führt. Man wird sich des wachsenden Verständnisses, das die Welt heute dem Führer und dem von ihm repräsentierten jungen Deutschland entgegenbringt, richtig erst bewußt, wenn man es in Vergleich setzt zu dem vollkommenen Mangel an Einfühlungsvermögen, der die öffentliche Meinung anderer Länder in den ersten Monaten unserer Macht von uns trennte. Man beginnt dort jetzt zu erkennen, daß der Nationalsozialismus eben anders ist, als man sich ihn vorgestellt hatte, daß mit ihm eine neue Generation an die Dinge herantrat, und daß sie einen Anspruch darauf hat, nach eigenen Werten gie m e f f e n zu werden und nicht nach den Werten, den ihre Gegner ihr zumessen.
Den einen Vorteil hat das erste Iahr nationalsozialistischen Aufbaues wenigstens mit sich gebracht, daß die Diskussion der Well über
Deutschland nichlmehrandenAeußer. lichkeiten kleben bleibt, nicht mehr das wesentliche in entweder ganz erfundenen oder stark vergröberten und entstellten Ausschreitungen dieser Revolution sieht, sondern vielmehr in dem grandiosen Versuch, mit vollständig neuen Methoden der Krise wirksamer als bisher entgegenzutreten. Diese neue Art, sich in der Welt mit uns aus- einanderzusehen, geht um so leichter vonstatten, als ja die großen wirtschaftlichen und politischen Erfolge, die das nationalsozialistische Regime bisher zeitigen konnte, unleugbar sind und vor jedermanns Augen offen Zulage liegen; und als diese Erfolge errungen wurden in einer Zeit, in der andere Staaten von schwersten politischen Krisen heimgesucht wurden und diese hinwiederum Opfer an Menschen und wirtschaftlichen werten forderten, denen gegenüber die Opfer der deut- schen Revolution fast in ein Nichts versinken.
Es wurde zu oft betont, als daß es noch einmal wiederholt zu werden brauchte: Deutschland will den Frieden, es will in Frieden arbeiten und aufbauen, es bringt allen Völkern gleiche Achtung und gleiche Sympathie entgegen, es verlangt aber von ihnen, daß sie mit Respekt und Vorurteilslosigkeit feinem gigantischen Kampf gegen die Not gegenübertreten. Es hat Beweise seiner Friedensliebe gegeben. Man muß es hören, wenn es feine Forderungen auf Gleichberechtigung unter den anderen Nationen erhebt. Es hat ein Recht darauf, die vitalsten Bedingungen seiner nationalen Existenz garantiert zu sehen. Jedes ehr- liebende Volk wird dafür Verständnis aufbringen. Im Verkehr aber mit allen Nattonen bedient es sich der edlen Mittel, die bisher immer noch die größten politischen Erfolge zeitigten: der Wahrheit und der Klarheit. 15 Jahre nach Ende des Krieges liegt Europa immer noch in schwersten Krisen und Bedrängnissen. Seine Völker verlangen sehnsüchtig nach Frieden. Tragen wir alle zu unterem Teile mit dazu bei, daß ihr Ruf nicht unge- hört verhallt!
Lebhafter Beifall dankte Reichsminister Dr. Goebbels. Der Sprecher des Vereins der ausländischen Presse, Louis P. L o ch n e r (Associated Preß), gab dem Danke der Auslandsjournaliften humorvoll und anerkennend Ausdruck. Die ausländische Presse danke der Reichsregierung für die gewährte Gastfreundschaft, sie wolle aber auch ihrerseits zeigen, daß sie an der Verständigung der Völker mitzuarbeiten bestrebt sei, aus diesem Grunde werde der Verein der ausländischen Presse künftig zwanglose Frühstücke veranstalten, bei denen Vorträge führender Männer des neuen Deutschland auf allen Gebieten die Würze zur Speise sein würden. Auch dadurch werde die Fühlungnahme gefördert und ein größeres Verständnis für das neue Deutschland herbeigeführt. Auch der Jahresempfang der ausländischen Presse für die Reichsregierung werde wieder stattfinden.
Ministerpräsident Göring
nahm dann Gelegenheit, gemeinsam mitReichsminister Dr. Goebbels tn freundschaftlichem Gespräch den Legenden entgegenzutreten, als ob es in der Frage der Freilassung der drei Bulgaren irgendeine Meinungsverschiedenheit gegeben habe. In der Frage habe völlige Einmütigkeit geherrscht. Die Hinausschiebung der Freilassung sei deshalb erfolgt, weil in der ausländischen Presse ein gewisser Druck auszuüben versucht worden sei, den er sich auf feinen Fall habe gefallen lassen können. Die Freilassung sei von vornherein eine beschlossene Sache gewesen. Nachdem die teilweise unfreundlichen ausländischen Pressestimmen etwas verklungen seien, habe er nun den Zeitpunkt für gekommen erachtet, die Bulgaren nach Rußland ab- zuschieben. Er habe mit Absicht diese Abschiebung völlig unangemeldet und im Flugzeug vornehmen lassen, um jeden festlichen Empfang in Moskau und jedes Geschrei um diese Aktion von vornherein abzudämmen und zu verhindern. — Die Unterhaltung, an der auch russische Journalisten sich beteiligten, und die die Form eines lebhaften Frage- und Antwortspieles trug, ergab für den Standpunkt des Ministerpräsidenten großes Verständnis und mit einem Teil der Anwesenden eine völlige Übereinstimmung.
Das Hilfswerk „Mutter und Kind".
B e r l i n, 1. März. (DNB.) In einer von der Reichsführung der NS.-Volkswohlfahrt einberufenen Sitzung wurde der Reichsarbeitsausschuß für das Hilsswerk „Mutter und Kind" gebildet. Dieses Hilfs- werk steht unter dem Leitwort des Reichsminifters Dr. Goebbels: „Mutter und Kind sind das Unterpfand für die Unsterblichkeit eines Volkes." Das Volk soll Träger des Gedankens und der Tat werden, daß nur gefunbe Mütter und gesunde Familien den Volksbestand sichern können. Das Hilfswerk trägt den Charakter der zusätzlichen Hilfe und hat sich zum Ziel gesteckt, vorhandene Lücken auszufüllen, vorbeugend zu wirken und den bestehenden Hilfseinrichtungen neue Impulse für ihre Arbeit zu geben. Die beste Hilfe für Mutter und Kind ist die, daß dem Da- ter ein feiner Lebenslage und der Größe der Familie entsprechender Arbeitsplatz vermittelt wird. Es ist alles daranzusetzen, daß in diesem Sabre die Familienväter und vor allem d i e Vater kinderreicher Familien, soweit diese noch arbeitslos sind, Arbeit und Verdienst bekommen. Der Aufgabenkreis des Hilfswerkes umschließt Wirtschaftshilfe, Arbeitsplatzhilfe, Woh- nungshilfe, Müttererholung und Mütterfchulung, Hilfe für die werdende Mutter und Sondermaßnahmen für die ledige Mutter. Die Aufgabe kann nur gelöst werden, wenn jeder deutsche Volksgenosse durchdrungen ist von letzter Verantwortung und letzter Pflichterfüllung im Dienst an Familie, Volk und Staat.
Keine Haftung der Deutschen Arbeitsfront für Verbindlichkeiten der Freien Gewerkschaften.
Leipzig, 28. Febr. (DNB.) In den arbeits- rl .^a9en non zwei früheren Gewerk- schasts ekretaren des Deutschen Arbeiterverbandes der öffentlichen Betriebe und des Deutschen Textil" ar bei ter verbandes^ in Bielefeld gegen die Deutsche Arbeitsfront hat das Reichsarbeitsgericht am Mitt- iD0d)miitag unter Zurückweisung der Revision der Klager deren Gehaltsklage endgültig abgeroie« •« r s Entscheidung des Reichsarbeitsgerichtes ist besonders wichtig, da von einer Reihe früherer S.emerMaft5ferretdre' die wegen ihrer marriffl- 'chen Gesinnung ihren Platz nach der Glekchfchal-


