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Donnerstag, 1. März 1954

18^. Jahrgang

Nr. 51 Erstes Blatt

Gietzener Anzeiger

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infolge höherer Gewalt- Ä nützige Anzeigen sowie ein-

ZZZM General-Anzeiger für Gberhessen SW-

DflSfditrfföitto* Vereins- u. Tageslialender

Zrankfutt am Main' 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche Unwerfilats Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7 im Textteil 12 Rpf. je mm

Zar Boris von Bulgarien in Berlin

sen. So hat Roosevelt es auch nicht schwer gehabt, zunächst einmal einige derartige Affären aus der Amtszeit feines Vorgängers zu entdecken. Die ganze zivile Luftfahrt und die Poft wimmelten von Auf­trägen, die durch Bestechung erlangt waren Aber auch im eigenen Lager hat er zu seinem Schmerz entdecken müssen, daß nicht alle Westen weiß waren. Die Civil Works Administration, die man ms eine Mischung von Wohlfahrtserwerbslosen-Unterstutzung und örtlicher Arbeitsbeschaffung bezeichnen kann und in der über vier Millionen Menschen ihr Brot erhielten, hat sich als durch und d u r ch k o r - rupt herausgestellt, als em Riesenapparat zur Versorgung aller möglichen Parteiangehorigen, in dem dazu eine Riesenverschwendung getrieben wurde. Und endlich hat sich gezeigt, daß auch n der Rira, der großen Organisation, die die Jndu- stricoden (Löhne und Prerfe) regelt, amerikanische

und dem Personal der bulgarischen Gesandtschaft begleitet. Am Ehrenmal wurde der König vom Kommandanten der Stadt Berlin empfangen. Eine Ehrenkompanie der Reichswehr erwies dem könig­lichen Gast die militärischen Ehren. Seme Majestät stattete abends dem Herrn Reichspräsiden­ten von Hindenburg einen Besuch ab. An­schließend nahm der König beim Herrn Reichs­präsidenten im kleinen Kreise das Abendessen ein, an dem auch Reichskanzler Adolf Hitler teil­nahm. Unsere Bilder zeigen den Vorbeimarsch der Ehrenkompanie vor dem König und den König mit Gefolge beim Verlassen des Ehrenmals.

Aufblähung der Staatsausgaben und Staatsauf­gaben sehen, und die befürchten, daß das alles mit einem Kladderadatsch enden werde. Bereits im Sommer und Herbst finden bekanntlich die ersten Vorbereitungen für Neuwahlen zum Senat statt, bei denen es für die Rooseveltleute sehr darauf ankommen wird, was sie erreicht haben. Werden Rooseveltgegner gewählt, wer weiß, wie dann alles läuft, wenn der Kongreß nicht zu allem Ja und Amen sagt.

Man kann es also wohl verstehen, wenn die Meinungen auseinandergehen so sehr auch Roosevelt an der Arbeit ist. Wird er es schaffen? Wir wollen es hoffen! Da das ja nicht für die USA., sondern für alle Völker zweifellos gut wäre, wenn der Alpdruck einer neuen amerikanischen Katastrophe von der Welt genommen würde...

Saarbrücken, 1.INärz. (DNB- Funkspruch.) mit dem 1 INärz hat sich das r e st l o s e A u f - gehen aller Parteien an der Saar voll­zogen. Dieses Ereignis findet feinen Niederschlag in folgendem, von der faarländifchen Presse ver­öffentlichten Aufruf:

Deutsche INänner und Frauen! Mit dem heuti­gen Tage geht der Wunsch in Erfüllung, dessen Verwirklichung wir Saarländer ausnahmslos er­sehnten. Es ist Schluß mit allem Partei­hader. Wir haben die große Pflicht und Ehre, der Welt zu sagen, was in der Stunde des Gebotes es heißt: Deutsch zu fein.

Am heutigen Tage schließen wir das heiligste Vündnis. Der Katholik geht in die katholische Kirche, der Protestant in die seine. Aber beide sprechen das gleiche Gebet: Unser Deutschland. Der Arbeiter, der Bauer, der Unternehmer, der Beamte, jeder tut an seiner Stelle seine Pflicht, alle aber tragen sie das Gemeinsamem ihrem herzen: Unser Deutschland. Der Sozialdemokrat, der Kommunist, der Zentrumsmann, der National­sozialist, der Ehristliche Gewerkschaftler, der freie Gewerkschaftler, jeder mag politisch anders gedacht haben, nun aber treffen sie sich a l l e bei dem einen Gedanken: Unser Deutschland. Von diesem geschichtlichen Augenblick an sind wir eine eingeschworene Genossenschaft, in der einer für den anderen aufsteht. Mit diesem Wollen gehen wir nun an die Arbeit! Der Sieg wird unser sein! Es lebe die Deutsche Jront!

Der Landesleiter der Deutschen Front.

Gez.: P i r r o."

3n der Aufnahmeerktärung zur Deut­schen Front im Saar gebiet heißt es: Ich bin Deut­scher und bitte um Aufnahme in die Saar-Volks- gemeinfchaftDeutsche Front". Gleichzeitig erkläre ich, daß ich mit dem Tage meines Eintritts in die Deutsche Front mich lossage von allem, was Partei heißt und nur die eine Parole kenne:Unser Deutschland".

In einem weiteren Aufruf an alle Na11 o-

folgt ist, wird deshalb überall im Lande m i t einem lauten Echo begrüßt werden.

Absage an die Internationale.

Metallarbeiter im Laargebret verlassen die Freien Gewerkschaften.

St. Ingbert, 1. März. (DNB.-Funkspruch.) Der Vorstand der Ortsverwaltung St. Ingbert des Deutschen Metallarbeiterverbandes (ca. 20 Ortschaf­ten umfassend) hat eine Erklärung abgegeben, in der es heißt:Die Ortsverwaltung St. Ingbert des Deutschen Metallarbeiterverbandes hat beschlossen, aus dem Bezirksoerband Saar des Deutschen Me­tallarbeiterverbandes auszuscheiden und ihre Geschäfte in der bisherigen Form s e l b st ä n d i g weiter zu führen. Als deutsche Männer wollen und können wir die frankophile Politik der Freien Gewerkschaften an der Saar nicht mehr mitverantworten. Als Sozia­listen der Tat sind wir gewillt, ehrlichen deut­schen Sozialismus in die Tat umzusetzen. Wir erwarten von der gesamten Arbeiterschaft, daß sie uns in diesem unserem Kampfe für Deutsch­land nach Kräften unter st ützt. Deutsch im Handeln, Fühlen und Denken! Auf zur Tat!

König Boris von Bulgarien, der bei seinem Vater, Zar Ferdinand, in Koburg weilte, ist, wie schon gemeldet, in Berlin eingetroffen. Zu Ehren des Königs fand in der bulgarischen Ge­sandtschaft ein Diner statt, an dem u. a. tellnahmen: Vizekanzler von Pap en, die Reichsmimster Freiherr von Neurath, Dr. Goebbels, General Göring und der Staatssekretär des Reichspräsiden­ten Dr. Meißner. Am Nachmittag legte der König am Ehrenmal Unter den Linden einen Kranz für die Gefallenen Deutschlands, seinen Waffenbrüdern während des Weltkrieges, nieder. Der König war von seinem Adjutanten, dem bulgarischen Gesandten, zahlreichen Mitgliedern der bulgarischen Kolonie

Md Roosevelt es schaffen?

Von unserem He.-Äerichierstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! N e u y o r k, 21. Februar 1934.

Nach dem ersten großen politischen Erfolg, den Roosevelt mit der Annahme seines Riesenarbeits­beschaffungsprogramms erzielt hat, ist er nicht müßig gewesen. Sozusagen noch im Schatten des ersten Triumphes hat er dem Kongreß sein Dol ° l a r g e s e tz abgerungen, den berühmten Gold Re­serve Act, der vielleicht vielleicht aber auch nid)t das Ende der Entwertung des Dollars be­deutet sicherlich aber in einem unerwarteten Maße dazu beigetragen hat, den allgemeinen Opti- nismus zu beleben. Die Milliarde, die in Gold nach USA. geflossen ist, ist zwar nicht allein darauf zurückzusühren, daß auf das Goldgesetz hin Flucht- kapital zurückkehrte, sondern es hat sich dabei sicher auch weitgehend um Spekulationsgelder gehandelt, aber trotzdem bleibt der Vorgang sinnfällig genug; die Wirtschaft hat wieder Vertrauen, man nimmt an, daß es wieder zu verdienen geben wird und wenn diese allgemeine Stimmung erst vorhanden ist, pflegt es bekanntlich in USA. bis zur Konjunktur nicht mehr weit zu sein. Roose­velt könnte also wohl zufrieden sein. Denn es hat den Anschein, als ob er sein Ziel einer Wiederbele­bung der Wirtschaft fast erreicht hätte, oder es doch zumindest. nahe wäre.

Wenn er troßdem selbst nicht so zuversichtlich scheint und wenn sogar aus dem Weißen Hause selbst Stimmen zu hören sind, die zu einer gewissen Vorsicht in der Beurteilung der Lage raten, so muß das wohl einen anderen Grund haben, der tiefer liegt. Und das ist in der Tat so. Wie der Präsident der Auffassung ist, daß er die Struktur und die Organisation der Wirtschaft umgebaut nicht nur reformiert" hat, fo glaubt er auch daran, mit dem ewigen Wechsel von Konjunktur und Krise, oder, wie man hier sagt, vonBooms" undDepression brechen zu können, wenn er die Märkte und die Preise reguliert und für eine «Regelung pes Absatzes auf dem Umwege über die Lohne (Nira) sorgt. Roosevelt, der mehr will, als nur vorübergehend der Wirtschaft einen Auftrieb geben, will den Kampf gegen die Krise überhaupt, er will sie mit Stumpf und Stiel ausrotten. Nur wenn man das weiß, versteht man, warum er zwei Er­scheinungen so scharf verfolgt, die bislang zum ame­rikanischen Wirtschaftsleben, um nicht zu sagen zum nationalen Leben des Amerikaners so gehört haben, wie kaum etwas anderes, ohne daß irgendwer etwas dabei fand: Die Spekulation und die Korruption oder denGraft" ein Ausdruck, der sehr viel zarter ist als jede Uebersetzung, weil er so etwas von Erlaubtsein und Dazugehören an

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sich hat.

Die Spekulation, die von der Regierung übrigens bereits in den letzten Vorgängen art der Börse gesehen wird man hält die Kurserhohun- qen nicht für gerechtfertigt, ist nämlich in Ame­rika ganz anders zu Haufe als bei uns. Wenn früher in Deutschland an den Börsen spekuliert wurde, so war das die Angelegenheit einer sehr kleinen Schicht, die mit dem Volke nichts zu tun hatte. In den USA. spekuliert aber sozusagen der Mann aus der Straße, der kleine An­gestellte bis herab zum Zeitungsverkaufer. Und zwar nicht nur etwa in Papieren und Renten, sondern ebenso auch in Produkten aller Art, da es auch hierfür indirekte Möglichkeiten gab. Aber die Leute spekulieren nicht nur mit eigenem, sondern auch mit fremdem Geld. Wie man sich bei den Banken Geld zu Spekulationszwecken beschaffen konnte, wenn auch unter bestimmten Voraussetzun­gen so spekulierten auch die Banken nut jedem ihnen anvertrauten Geld, so daß man kaum auf ber Welt so ein Spekulationsfieber kannte wie in Amerika. Nur so ist es ja schließlich auch zu er­klären, daß e i n schwarzer Freitag fast gereicht hat, um schlagartig beinahe ganz Amerika an einem Tage zu ruinieren, wie ja auch noch im letzten Jahre ein zwei schlechte Tage an der Börse ge­reicht haben, um die ganzen Erfolge des Rooseoelt- schen Wirtschaftsprogrammes m Frage zu stellen. Die Spekulation ist eben ^n Amerika wie ein grassierendes Fieber, das furchtbare Verheerungen änrichtet.

Deshalb hat Roosevelt drakonische Maßnahmen vom Kongreß verlangt, tue bas in «Ku tun ft ünmöalich machen sollen. Die Börse soll zwar nicht vernichtet werden, aber so sehr auf bte etgrnt- ttche Ausgabe des tatsächlichen Warenau^au ch-s beschränkt werden, daß es keine eigentliche Spekula- tion mehr gibt sondern daß n u r n o ch e et) t e Kursbewegungen entstehen, d>° dem Pendel zwischen Angebot und Nachfrage enspreche.

soll daher nicht mehr erlaubt sein, ^t Kred kn zu spekulieren, auf fremde Rechnung -- wie oiud> bas Bilden von Corners, Geschäfte >n eigenen Pap'- ren, unehrlich- Stützungen und anderes mehr ver^ boten sein sollen. Das wird alles unter totraie ge stellt und mit schwerer Geldbuße belegt UM den Teufel auszutreiben, der so viel Unheil angerichtet

Oie Deutsche Krönt an der Saar

Keine Parteien mehr, nur noch Deutschland.

Suppen gekocht werden, die einen leicht brenzlichen Geruch haben ... _

Gewiß hat der Präsident mit brutaler Energie durchqeqrisfen aber die Beispiele zeigen, wie schwer es ist, neue Ideen in die Tat umzusetzen und an wievielen allzumenschlichen Klippen die besten Ideen scheitern können. Gibt es doch auch in Amerika Leute, die alles besser wissen wollen und sich nach den alten Zeiten zurücksehnen, in denen geschoben, spekuliert und bestochen wurde, und zu dieser Gruppe gehören vielfach gerade ehe­malige Freunde des Präsidenten, die mit Schrecken sehen, daß aus dem demokratischen Fortschrittler ein Radikal" wie man hier sagt, einSo­zialist", wie Roosevelt es selbst sagt, geworden ist Und so beginnt gerade seine Großzügigkeit, sein Tempo die Gegner mobil zu machen, die sein Pro­gramm für Humbug halten, die nur die riesige

Partei". Er weiß, dah er in der großen deutschen Bewegung steht. Es geht ihm um die große Sache allein: Unser Deutschland! Er ist unter dem einen Ruf marschiert, der gerade auch im Saargebiet dem Nationalsozialisten allein Rettung war: Deutschland, nichts als D e u t s ch la n d !

Mit dem heutigen Tage fallen alle Par­teien! Das große Einigungswerk ist endlich ge­lungen! Was der 12. November für das innere Reich bedeutet, bedeutet der 1. März für das deut­sche Saarvolk. Wir treten nun gemeinsam un­seren Marsch an. Wir werden eine verschworene Volksgenossenschaft sein, eine Gemeinschaft aller Deutschen an der Saar, wo sie auch in der Ver­gangenheit standen. Durch den einen Ring sind wir alle zusammengeschweißt: unser Deutschland!

Die Saarbrücker Landeszeitung schreibt u. a.: Wir Deutschen an der Saar, die wir seit langen Jahren vom Reiche getrennt sind und in der Treue unserer nationalen Heimat neue Kraft für unseren sicheren Weg fanden, fühlen heute mehr als je die Pflicht, einen festen und unzerstörbaren Zusammenschluß unter uns zu schaffen. Die Nachricht, daß soeben im Sinne der Einheit und Einigkeit eine Aktivierung der Deutschen Front er-

hat. .

Ebenso bekämpft Roosevelt auch die Korrup­tion, weil sie ja ähnlich wie die^ Spekula °n die Gelder des Staates in Kanäle lenkt, in die sie mch gehören und sie so dem Gemeinnutz entzieht.Doch hat gerade hier Roosevelt eine besonders schwere Erbschaft übernommen. Wie es in Amerika üblich gewesen ist, daß d i e A e m t e r nach gewon neuer Wahlschlacht unter die S i e g e r v er­teilt wurden, so war es auch erlaubt, do» . Kosten" des Sieges auf illegale Weise emgetr e ben mürben indem nämlich alles mögliche nu durch Bestechung oder nach Bestechung geschah, was normalerweife hätte d o n f e l b ft funktionieren mus-

nalfoziallsten der Saar wird ausgeführt: Der Nationalsozialismus hat ein Ziel, die deu t- sche Volksgemeinschaft. Wo sind die Vor­aussetzungen, diesen Bund zu schaffen, mehr gegeben als bei uns an der Saar? Kein Deutscher will etwas anderes als die deutsche Volksgemeinschaft, er mag in dieser oder jener Partei bisher gestan­den haben. Als aufrechte männer, die über allen Parteiegoismus die Schicksalsverbunden­heit aller ander Saar stellen, sehen wir es als die höchste Ehrenpflicht an, beizutragen an dem heutigen Tage zu dem Vündnis mit allen: Katho­liken mit Protestanten, Arbeiter mit Bauern, Be­amten mit Gewerbetreibenden, Nationalsozialisten mit den männern und Frauen aus allen Parteien. Fort mit allen Gegensätzen. Wir echten National­sozialisten erklären ab diesen 1. INärz: Bei uns gibt es bei Anerkennung gleicher Rechte und P f l i ch t e n an der gleichen Front nur eines: Unser Deutschland!"

Das Einigungswerk gelungen.

Zu dieser restlosen Einigung im Saargebi^ auf der gemeinsamen Linie der Deutschen Front f$ret^ der n7ue Landesführer Pirro im Organ der Deutschen Front u. a. folgendes: Den deutschen Arbeitern an der Saar ist es unter den furchtbaren Nackenschlägen der letzten 14 Jahre bewußt ge­worden, wer ihm seine völlige Existenz rlehmer will. Sein Kampf um die Existenz ist ein Kamp um sein Deutschtum. Deutschland hat aus eigener Kraft die Parteien überwunden. Eine einzige gemeinsame Front gibt es m Deutschland. Die Deutsche Front. Da können wir an der Saar nicht zurückstehen. Wir wollen auch aus inne­rer Kraft die Parteien, das, was uns trennte, überwinden und uns Zusammenschlüßen und uns einqliedern in die große deutsche Front, in die Deutsche Front an der Saar

Der historische Prozeß ist langst über die Par­teien hinausgegangen. Im Reich sind sie liqui­diert. Auch wir wollen sie restlos liquidieren. Der Nationalsozialist hängt nicht an dem Wort