Nr. 305 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Donnerstag, 31. Dezember 1936
Aus der Provinzialhauptstadt.
Wanderer zwischen zwei Welten.
Son Pfarrer Marquardt
„Ich bin ein Wandrer in dem Staub der Erden Und komme eben aus der Weihnachtshelle, So steh' ich an des neuen Jahres Schwelle, Doch frag' ich nicht: »Wie wird die Straße werden?'..
Nur eins erbitt' ich mir aus tiefstem Herzen: Der Weihnacht wundervolles großes Freuen Mög' mit mir geh'n und täglich sich erneuern, So hab' ich Kraft genug für Glück und Schmerzen."
So stehen wir heute am Jahreswechsel wieder auf der Grenzscheide zwischen Vergehen und Zukunft. Wanderer zwischen zwei Wellen!
Immer größer wird mit jedem dahingehenden Jahre für uns die Welt, die wir Vergangenheit nennen, und immer kleiner für uns, was uns Zukunft ist. Die haarscharfe Grenze zwischen beiden, des Messers Schneide, darauf wir stehen, ist die Gegenwart. Zwischen beiden wandern wir dahin, Wandrer zwischen zwei Welten! Zwischen Zeit und Ewigkeit.
Wie lange noch? Wann kommt für uns der letzte Jahreswechsel? Wie von unsichtbaren Händen berührt fangen die Saiten unserer Seele an zu schwingen. Freud' und Leid, Jubel und Klage wogt und wallt durcheinander. Glückseliges Erinnern und liebefrohes Gedenken wechselt mit schmerzvollem Nicht-vergessen-können und niederdrückendem Herzeleid. Hier fanden sich im dahinscheidenden Jahreslauf Hände und Herzen für ein irdisches Glück, dort wurden Seelen auseinandergerissen, die doch auch glaubten für dies Leben zusammenzugehören. Hier eine Wiege, umsorgt und umsonnt von froher Liebe und Zärtlichkeit, und wenige Schritte weiter nur stand ein Sarg, und in ihm lag auch, was eines Menschenlebens ganzes Glück und Glauben war. Zu groß und zu stark war manchmal der Gegensatz, zu schnell und zu jäh der Wechsel zwischen Freud und Leid, Glück und Unglück. Und wir fühlten es, daß wir in allem Wandel und Wechsel nur Wanderer sind ohne Heimat, Wanderer zwischen zwei Welten! „Ich bin ein Wanderer in dem Staub der Erden"...
Aber wie ein lichter Trost kommt es uns zum Bewußtsein, daß wir doch „aus der Weihnachtshelle" kommen. Von Weihnacht her tragen wir ein Licht in der Seele, das mit uns geht, wie einst der Stern mit den Weisen zog und ihnen den Weg wies. „Und komme eben aus der Weihnachtshelle" ...
Wenn man aus dem Hellen ins Dunkle tritt, dann wirkt das Helle noch nach unfr läßt die Dunkelheit nicht so stark erscheinen. Wenn wir aus dem Licht der Weihnacht wieder in das Dunkel des Alltags treten und an die dunkle, ungewisse Furt, die Gegenwart und Zukunft scheidet, bann fällt von Weihnacht her noch ein Lichtstrahl in dies Dunkel, daß es uns nicht ganz so unheimlich und ungewiß erscheint. Wie der Nachthimmel, wenn auch nur ein S>ern an ihm erstrahlt, doch wenigstens einen sicheren Punkt hat, an dem man sich zurechtfinden
fann, so strahlt das Licht der Weihnacht wie ein heller Schein auf unseren Weg. Wir wissen, daß der Glanz der Gottesliebe, der unter dem Lichterbaum erstrahlte, mit uns geht und noch weiter still erglänzt in unserer Seele, die vom Weihnachtsglanz erfüllt ist. Dann wandeln wir im Lichte auch in der Dunkelheit. „Du führst mich doch zum Ziele, auch durch die Nacht". So stehn wir an des neuen Jahres Schwelle ...
Und das wollen wir uns erbitten von Gott aus tiefstem Herzen, daß „der Weihnacht wundervolles großes Freuen" täglich mit uns gehen und sich erneuern möge. Denn dann haben wir Kraft genug für alles Kommende. Dann find wir gerüstet für flute und schwere Tage, die das neue Jahr uns bringen wird. „Komme, was kommen mag, Sonnenschein, Wetterschlag". Dann fragen wir nicht zaghaft und zweifelnd, was es für uns in feinem dunklen Schoß birgt, dann soll es uns bringen, was es bringen muß. Und wir treten allem Dunkel gegenüber mit dem hellen Schein, den Gott uns 3ur Weihnacht ins Herz gegeben hat, und der als Freude am Leben von uns ausstrahlt in die Zukunft hinein und sie uns hell und freundlich macht. Dann empfinden wir es immer wieder:
"Das große Freu'n: Der Heiland ist gekommen! das legt den Balsam mir auf jede Wunde, Durchglänzt mit Ewigkeit die bängste Stunde, Hat aller Not die Bitterkeit genommen." Und wenn wir von allem, was das neue Jahr uns bringen wird, auch nichts wüßten als das Eine: es bringt uns auch den Heiland, der zur Weihnacht uns geschenkt ist, auch im neuen Jahr ist Gott mit uns, dann genügt uns das. Mehr brauchen wir nicht zu wissen. Denn dann wissen wir auch zugleich, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen müssen. Froh und unverzagt und ohne Grauen gehen wir dann ins neue Jahr. Aus dem Licht der Weihnacht ins Licht eines neuen Zeitabschnittes, der uns von Gott erhellt ist, weil wir ihn selbst und seine Liebe darin wissen. Das nimmt allem Bösen den Stachel und die Bitterkeit, allem Dunkel und Ungewissen das Unheimliche und Furchterregende.
So greifen wir fröhlichen Mutes zum Wander- stab, fest das Herz und hell der Blick.
„Ich bin ein Wandrer in dem Staub der Erden Im alten Jahr, im gottgeschenkten neuen.
Doch mit mir geht er selbst im heil'gen Freuen Und läßt der Heimatnähe froh mich werden."
Dornoiizen.
Tageskalender für Silvester.
Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr: „Charleys Tante". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Truxa". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Nacht mit dem Kaiser".
Tageskalender für Neujahr.
Stadttheater: 19 bis 21 Uhr Gastspiel des Meister- Sextetts (früher Comedian Harmonists). — Gloria- Palast, Seltersweg: „Die Julika". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Nacht mit dem Kaiser".
Das Stadltheater zu Silvester und Neujahr.
Heute, Donnerstag, findet ein großer Silvester- Abend statt. Es geht „Charleys Tante" Schwank von Brandon Thomas in Szene. Die Spielleitung führt der Intendant, der auch die neue Bearbei
tung und die Gesangstexte geschaffen hat. Die Musik schrieb Richard Röhrl. Ernst Bräuer hat die musikalische Gesamtleitung. Es wirken mit: Inge Birkmann, Maria Gerhardt, Charlotte Krause, Hansi Prinz; Victor von Gschmeidler, Heinrich Hub, Paul Nieren, Peter Schorn, Fritz Walter, Karl Dolck und die Tanzgruppe. Die Einstudierung der Tänze und choreographische Leitung liegt in den Händen der Ballettmeisterin Irmgard Zenner. Karl Löffler schuf die Bühnenbilder. Die Kostüme wurden in eigener Werkstatt unter der Leitung von Willi Endrich angefertigt. — Dieser Abend findet außer Miete statt und beginnt um 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr.
Der 1. Januar 1937 bringt ein einmaliges Gastspiel des berühmten „Meister-Sextetts" früher „Comedian Harmonists". Seit Jahren find sie gefeiert und weltberühmt. Der Erfolg ist ihnen überall sicher. Und was viele nicht wissen: diese sechs luftigen Männer, im Rundfunk, Tonfilm, auf der Schallplatte und tm Konzertsaal, „Comedian Harmonists", im Einvernehmen mit der Reichsmusikkammer jetzt „Das Meister-Sextett" genannt, fingen nicht nur deutsch, sie sind auch gute Deutsche. Anfang des Gastspiels 19 Uhr, Ende 21 Uhr. — Außer Miete.
Noch einmal Weihnachtsmärchen im Sladllhealer.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Aus vielseitigen Wunsch der Schulen und einzelner Kinder hat sich die Intendanz des Stadttheaters entschlossen, noch eine Vorstellung des Weihnachtsmärchens „Prinzessin Allerliebst" oder „Der wundersame Regenschirm" von Friedrich Forster am 10. Januar anzusetzen. Die Vorstellung beginnt um 15 Uhr und endet 17.15 Uhr. Wir machen darauf aufmerksam, daß dies unwiderruflich die letzte Aufführung des Weihnachtsmärchens ist.
Artilleristen-NeujahrsgrüßevomMein.
Der Kommandeur der I. Abt., Art.-Rgt. 36, Major Welte, übermittelte uns heute eine Zuschrift, in der er „allen lieben Gießenern" zum Jahreswechsel in alter treuer Anhänglichkeit seine und seiner Abteilung herzlichste Wünsche ausspricht, verbunden mit den besten Grüßen vom freien Rhein. Diese Neujahrswünsche und -grüße werden von den Gießenern in gleicher herzlicher Verbundenheit erwidert.
Ortsgruppe Gießen-Aord.
winlerhilfswerk 1936/37.
Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine (Serie e) bis spätestens Montag, 4 Januar 1937, 20 Uhr, auf unserer Geschäftsstelle, Walltorstraße 38, einzureichen. Später eingehende Gutscheine können nicht mehr angenommen werden.
Aus der Rückseite der Gutscheine ist die Art des gelieferten Brennmaterials anzugeben, gleichzeitig müssen die Gutscheine den Stempel oder Namen der Kohlenhändler und die Unterschrift des Hilfsbedürftigen tragen.
Mit neuer Kraft an die Arbeit!
Das Arbeitsjahr der Deutschen Arbeitsfront beginnt am 4. Januar mit einem Betriebs- appell, der vom Reichsfender Frankfurt a. M.
übertragen wird. Der Gauobmann der Deutschen Arbeitsfront in Hessen-Nassau Willy B e de r, M. d. R„ wird im Rahmen dieser Feierstunde über die Ausgaben sprechen, die das neue Jahr uns allen bringt.
öer „Schipkapaß"-Wirt Jean Arnold 80 Jahre att.
In geistiger und körperlicher Frische kann am morgigen Freitag, 1. Januar 1937, der in weiten Kreisen unserer Stadt bekannte Wirt der Gaststätte „Zum Schipkapaß" (Bahnhofstraße 7), Jean Arnold, seinen 80. Geburtstag feiern. Er gründete die Wirtschaft, der er noch heute vorsteht, im Jahre 1895 In die ersten Jahre seiner Tätigkeit fiel der Umbau des gesamten Anwesens in seine heutige Gestalt. Jean Arnold stellte sich schon frühzeitig in den Dienst gemeinnütziger Einrichtungen. Seit dem Jahre 1880 gehört er der Freiwilligen Gotischen Feuerwehr an, die ihn in Anbetracht seiner Verdienste zum Ehrenmitglied ernannte. Auch der Gesangverein „Heiterkeit" zählt ihn seit langer Zeit, seit 1882, zu seinem Mitglied und ernannte ihn ebenfalls zum Ehrenmitglied. Im Jahre 1895
wählte der Gesangverein „Heiterkeit" das Lokal seines Mitglieds zum Vereinslokal und behielt es bis auf den heutigen Tag inne. In den Räumen des Jubilars ist ein großer Kreis treuer Freundschaften geschlossen worden. Nicht nur die hiesigen Sänger, sondern auch Sangesfreunde von außerhalb geben sich bei ihrer Anwesenheit in Gießen gerne ein Stelldichein im „Schipkapaß". Der Männergesang- d er ein Friedrichsthal (Saarland), der zur Zeit der Saarabstimmung einmal in Gießen gastierte, verehrte dem Sängerkameraden Arnold, der noch bis vor kurzem als aktiver Sänger in der „Heiterkeit" mitwirkte, eine Bergmannslampe, die alljährlich am Neujahrstag entzündet wird. Leider hat Herr Arnold vor kurzer Zeit seine treue Lebensgefährtin nach 53jähriger Ehe verloren. Der beliebte Wirt gehört feit über 50 Jahren zum treuen Leserkreis des Gießener Anzeigers.
ilnferer werten Kundschaft, Freunden und Bekannten ein glückliches neues Jahr! Richard Bornemann und Frau
Neuen Bäue 22
__8551 D
Unseren werten Gästen, Verwandten, Freunden und Bekannten
ein glückliches neues Jahr!
Familie Ernst Becker
Gastwirtschaft a.Oswaldsgarten
M464D
Unseren werten Kunden, Freunden und Bekannten em glückliches neues Jahr! Paul Bender und Familie
Bäckerei, Schubertstraße ____________________________________8491 D
Unseren werten Gästen, Freunden und Bekannten ein
glückliches neues Jahr!
Familie Heinrich Dippel „Burghof"
8508 »
Meiner werten Kundschaft, Freunden und Bekannten zum Jahreswechsel die besten Glückwünsche!
Theodor Dörfner Malergeschäft, Marb. Str. 36
8574 D
Meinen werten Gästen, Freunden u. Bekannten ein glückliches neues Jahr! Äeinr. Georg, „Zur Linde" Frankfurter Straße 175
8492 D
Herzlichen Glückwunsch zum neuen Jahr!
Theodor Erb u. Familie Tapeziergeschäft Sonnenstraße 12
8497 D
Allen Geschäftsfreunden u. Bekannten die besten Wünsche zum Jahreswechsel!
Familie W. Feuerbach Gießen, Marburger Straße 30 ____________________________________8471 D
Ein glückliches neues Jahr wünsche ich meinen werten Kunden
Ludwig Haas
Blockstraße 7
Ausstattungsgeschäft für Qar- dinen, Betten, Bettwäsche usw.
8598 A
Unseren werten Kunden, Gästen, Freunden und Bekannten
ein glückliches neues Jahr!
Willy Loelters und Frau Bäckerei, Konditorei und Cafe
8434 D
Meiner werten Kundschaft sowie Freunde t und Bekannten
herzliche Glückwünsche zum neuen Jahre!
Karl Lerling und Frau Marktstraße 12 Spenglerei und Installation
8504 D
Unserer werten Kundschaft, Verwandten, Freunden u. Bekannten ein glückliches neues Jahr!
Cafe u. Konditorei Haas
Neuenweg 2
________________________________84c7 D
Meinen werten Kunden, Verwandten, Freunden und Bekannten ein glückliches neues Jahr!
Schuhhaus Haas Marktplatz Nr. 7
8495 D
Unseren werten Kunden, Freunden und Bekannten ein glückliches neues Jahr!
Wilh. Äappel und Familie Fahrradhandlung, Asterweg 3 _______________________________855 JD
Unseren werten Gästen, Freunden und Bekannten
ein glückliches neues Jahr!
Leopold Herr und Fran
Restaurant „Zum Krokodil"
8594 D
Meiner werten Kundschaft
ein glückliches neues Jahr!
Dipl.-Jng.
A. Kuntzemüller K.-G.
Rundfunk- und Elektrohaus Neustadt 45
8501 D
Unserer werten Kundschaft, Freunden und Bekannten
ein glückliches neues Jahr!
Fritz Medebach u. Familie Marburger Straße 22
8507 p
Herzliche Glückwünsche zum Jahreswechsel!
allen unseren werten Gästen, Kunden, Freunden u. Bekannten
Carl Heckmann und Frau
Metzgerei und Gastwirtschaft Kaiserallee 32
'______________'_____________, 8500 D
Unserer werten Kundschaft sowie allen Freunden und Bekannten herzlichen Glückwunsch zum neuen Jahr!
Georg Kronenberg Bäckermeister, und Frau
Gießen, Löwengaffe 23 __8496D
Ein glückliches neues Jahr Wünscht
Heinrich Lich jun.
Installation
8472 D
Prosit Neujahr!
Emil Lutter uni) Frau „Zum Augustiner" 05929
Meinen werten Kunden Freunden und Bekannten
ein glückliches neues Jahr!
Maier
elektr. Mietwaschküche Walltorstraße 4
8506 D
Unserer werten Kundschaft sowie allen Freunden und Bekannten die herzlichsten Glückwünsche zum neuen Jahre!
Gießener Privatfahrschule
Heinrich Appel
Motorfahrzeuge — Reparatur
Willi Appel
8498 D
Unserer werten Kundschaft, allen Freunden und Bekannten
beste Neujahrswünsche!
Heinrich Balser u. Frau
Elektroinstallateur
8466 D
Unseren werten Kunden, Freunden und Bekannten ein glückliches neues Jahr!
Fahrradhaus Aßmaun
Neustadt 20
,8503 D
Unserer werten Kundschaft zum Jahreswechsel 8592 d die besten Glückwünsche!
Beleuchtungshaus Wilhelm Aßmann Gießen, Ludwigstraße
Unserer werten Kundschaft, Freunden und Bekannten herzliche Glückwünsche zum Jahreswechsel!
L. Best, Bleichstraße 11
8549D


