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— Anna Hilaria von Eckhel: Die Familie Frohmeier. Roman. Neue wohlfeile Ausgabe. Ganzleinen 3,75 Mark. Bergstadtverlag, Breslau. — (274.) — Den im alten Oesterreich spielenden Roman zeichnet eine treffende
ifi war, hielt zum 25jährigen Bestehen der Mite Fran^aise“, des Vereins zur Ausbreitung WiHer Sprache und Kultur, 1911 eine Rede, Mk- sagte-
Mu hat traurige Rassen unter der Sonne, die ■W ist fröhlich. Der Himmel Frankreichs ist ijjren Lippen. Der französische Geist ist fun- Minder Verstand! Der wesenhafte Zug der ^'ü’iinen Seele ist die Liebe zum Ideal. Ja, das r^Tireinster Ruhm, darin bestehen das Gleichst die Ursprünglichkeit unserer großartigen Mt„ daß wir stets durch Ideen und für Ideen '4 f)::ben. Alles, was die französische Kultur ntri, ist gerecht gewonnen. Frankreich arbeitet
W für die Welt, und seine Sprache, ein He; lFreiheitswerk, ist das gemeinsame Erbe ÜKnchheit."
mit voller subjektiver Ehrlichkeit gespro- ,'V mpfindet jeder Franzose, der sich Gedan- üvr den Geist und die Berufung seines Vol- "rvtz Was andere Völker, namentlich wir, da- m tirMwenden hätten, ist nicht schwer zu sagen, r ag hier auf sich beruhen bleiben. In ihrer siim die Sätz Deschanels ein Meisterstück, um 9*em Gebiet den Glauben an die „Douce •cjt n charakterisieren.
)e-r Nimmel Frankreichs ist auf unseren Lip- "u diesem französischen Himmel gehört die
'M Pfaden der Geschichte durch Frankreich
Von Or. Paul Rohrbach.
Was dem deutschen Reisenden, sobald er die Umgegend von Paris verlassen hat, besonders auf- Ia?i wirtschaftliche Verschwendung, die mit kulturfahigem Grund und Boden getrieben wird Unglaublich nachlässig ist die Waldwirtschaft. Frankreich ist baumreich, aber waldarm. Durch die Wie- sen und Aecker ziehen sich massenhaft zur Scheidung der Stucke gepflanzte Baumreihen. Dazu kommen die Obstpflanzungen. Die ganze Bretagne kann man beinahe ein lichtes Gehölz von Apfelbäumen nennen. Apfelwein ist dort das in unvorstellbaren Mengen konsumierte Volksgetränk. Im ganzen Westen ist der Eharakterbaum die Eiche, aber man eigentlich sagen, er wäre es, wenn nicht statt der Eichenwälder, die es sicher einmal gegeben hat, letzt ein gestrüppartiges Niederholz vorherrschte. Was da an dünnem, ungepflegtem, ungleichem Zeug aufwachst ist zu nichts Rechtem zu brauchen. Es gibt einen berühmten Eichenwald in der Landschaft Angoumois. Nicht weit davon liegt Cognac an der Charente. Der edle Alkohol, der dort aus Trauben fabriziert wird, muft in ftnffprn Ifinorn
Milieuschilderung der Zeit des Biedermeiers aus. Wesentlicher aber sind die bewußt gezogenen Parallelen zwischen dem politischen Wollen des damaligen und des heutigen deutschen Menschen. Mit dem Medergang Napoleons erwacht der Gedanke großdeutschen Reiches. In diesen Rahmen ist die Geschichte der Familie Frohmeier eingebaut; sie verkörpert in ihrem Glück und Unglück die deutsche Familie, deren unzerstörbares Fundament in aller Not der Glaube und die Treue bilden.
Fremde Erzähler.
französische Erde. Ich habe jetzt ein gutes Stück von Frankreich gesehen: Paris, die Bretagne, den Westen von der unteren Loire bis an die Pyrenäen, die Mittelmeerlandschaften und die an der Rhöne und Saüne, von Nimes und Avignon bis hierher nach Burgund. Frankreich hat auch rauhe und großartige Landschaften. Die Cevennen, zu denen man westwärts aus dem Rhonetal aufsieht, und das vulkanische Zentralplatoau sind düster, Frankreichs Anteil an den Westalpen und Pyrenäen ist Hochgebirge mit Schneegipfeln. Dorthin gehen im Winter billige Sonderzüge für die Schneesportler, für die aktiven und die anderen, die sich an den Bars und auf den Tanzdielen wohler fühlen, als auf den Brettln (die zweite Art ist meist weiblichen Geschlechts). Zahlreicher aber und voller sind die Züge nach den behaglichen Badeorten am Kanal, an der atlantischen Küste und am Mittelmeer. Wenn der Franzose „Cöte d’Azur“ sagt — das ist die Strecke von Cannes über Nizza bis Mentone —, dann fühlt er einen Höhepunkt der Schönheit seines Landes. Daß gerade dies Stück zu denen gehört, mit denen sich Napoleon III. von den Italienern seine Hilfe gegen Oesterreich bezahlen ließ, ficht niemanden in Frankreich an; es wird wohl auch nur wenige Franzosen geben, denen dergleichen bewußt ist.
Frankreich ist schön, wenn man den Maßstab der Ausgeglichenheit und Lieblichkeit an eine Land- schäft legt. Es ist der des lebendig gebliebenen antiken Empfindens, dem die Unwegsamkeit, die Felsen, das Eis und der Schnee des Hochgebirges mehr Grauen als Bewunderung einflößen. Äuch'der Italiener empfindet so. Wie lange ist es überhaupt her, daß sich die Schönheit des Hochgebirges unseren Augen offenbart hat? Albrecht von Hallers „Alpen" erschien erst vor 200 Jahren, 1729: von da an datiert man das Aufwachen des Sinnes für das Grandiose in der Natur.
seits Montpellier. Der Südfranzose ist ein großer Weintrinker. Ein Gutsbesitzer in Toulouse erzählte mir, daß seine Arbeiter ein tägliches Deputat von vier Liter haben und für die Frau noch einen Liter extra. Nach diesem Schlüssel wird die Menge Wein, die einem Arbeiter für das ganze Jahr zu- steht, berechnet; hat er es vorher ausgetrunken, so muß er für einen überlchießenden Bedarf eine Kleinigkeit zahlen. In diesem Frühjahr war kaltes Wetter, und weil die Leute darum viel zu Hause saßen, hatten sie bis Ende Mai schon alles ausgetrunken, was ihnen bis zum Jahresende zustand. Wein ist billig, in Mittel- und Südfrankreich kann man zu jedem Essen beliebig viel trinken, ohne daß es berechnet wird.
Der Gemächlichkeit des französischen Lebens entspricht seine Heiterkeit. Die Leute haben viel Humor, nur ist er stets spitzer als der deutsche, was auch in den gegenseitigen Neckereien der Bewohner verschiedener Landschaften zu Tage kommt. Die Aufschneiderei der Gaskognen wird mit zahllosen Witzen illustriert. Am schärfsten geht es über die Normandie her, wo bie Leute als gerissen und rücksichtslos auf den Erwerb gerichtet gelten. ,Je le jurerais bien, mais je le ne parierais pas!“ „Beschwören würde ich es ohne weiteres, aber nicht darauf wetten!" Das ist eine den Normandieleuten ins Stammbuch geschriebene Malice."
Heber der ganzen „Douce France“ liegt das Verlangen nach einem das Behagen des Lebens ge« wahrleistenden Dauerfrieden gebreitet. Dabei ist cs dem Franzosen, bewußt oder unbewußt, das Selbst« verständlichste von der Welt, daß die übrigen Na- tionen Frankreichs „Sicherheit" als einen unantastbaren, gottgewollten Zustand anzuerkennen haben.
von demselben Derfasier stammt das Volkslied „Vom Himmel hoch", der Trutzgesang von der festen Burg wie auch der Aufschrei „Aus tiefer Not"! Auch in der Dichtung repräsentierte Luther das deutsche Volk eben in der Totalität seiner Empfindungen. Nicht zuletzt deshalb lebt er noch heute selbst im Herzen derjenigen weiter, die ihm konfessionell längst abtrünnig wurden. Jeder einzelne ist und bleibt ihm zumindest völkisch verpflichtet, vorzüglich auch der Schauspieler, der Luthers sprachschöpferischen Großtaten im Grunde alles ver- dankt, gerade heute, wo das den Geist verkörpernde Wort als wesentlicher Baustoff des Theaters zu neuen Ehren gelangte.
— Trygve Gulbraussen: Das Erbe von Björndal. Roman. Berechtigte Hebert setzung aus dem Norwegischen von Ellen de Boor. 339 Seiten. Leinen 6,50 Mark. Verlag Albert Langen-Georg Müller, München, 1936. — (352) — 3m „Erbe von Björndal" steht die Geschichte der Bauern aus dem norwegischen Bergwald im Mittelpunkt des Ganzen., jene Geschichte vom Leben und ‘ Sterben der Geschlechter und vom Kampf der Menschen miteinander, mit der Natur und mit Gott. Das reiche Erbe, über das die Vorfahren ihr Leben hindurch nach altem Brauch gewacht haben, ist bei Adelheid und dem jungen Dag in guter Hut. Ihre langsam sich entfaltende Liebe findet nach mancher« ler Spannungen und schmerzlichen Schicksalen, aus denen ihnen Zweifel, Unruhe und Gewissensnot erwachsen, ihre Erfüllung. Mit ihnen zusammen lebt der alte Dag, der stolze Herrscher über Hof und Land und Wälder, der in seinem langen Leben erfahren hat, daß Reichtum verpflichtet und Macht erst durch Güte ihr Recht erhält. Sein Wille lebt über den Tod hinaus in Dag und Adelheid weiter fort, die sein Werk erhalten, durch Fleiß und Opfer mehren und immer weiter ausbreiten.
— Sigrid Unbfet: Olav Audunssohn. Herausgegeben von I. Sand me ier. 1174 Seiten. In Leinen RM. 7.80. Rütten und Loenina Verlag, Potsdam 1937. — (346.) — Die Unbfet gehört ohne Zweifel zu den erfolgreichsten und beliebtesten Autoren des bis vor kurzem in Frankfurt ansässiaen Verlages; besonders bei einer zahlreichen weiblichen Leserschaft waren die Bücher der Norwegerin vor einigen Jahren geradezu Mode, und wenn man von „Kristin Lavranstochter" ab« sieht, gründet sich ihr Ruhm und ihre Beliebtheit vor allem auf dieses umfangreiche Buch, das bisher nur in vier Bänden und zu einem dementsprechend sehr viel höheren Preise zu haben war. Der große Erfolg der früher erschienenen wohlfeilen einbändigen Ausgabe der „Lavranstochter" hat den Verlag bewogen, eine gleiche handliche Aus- gäbe auch von „Olav Audunssohn" herauszubrin- gen, dem, wie man sich vielleicht erinnert, die Unbfet die Verleihung des Nobelpreises zu verdanken hatte. Wir zweifeln nicht daran, daß der Verlag mit dem vorliegenden Bande dem großen Freundeskreise der Dichterin eine Freude bereitet, und wir glauben auch, baß diese Ausgabe der Unbset manche neuen Leser in Deutschland gewinnen wird, bie früher burch den äußeren Umfang des Werkes abgefchreckt wurden, sich mit der alten Saga um Olav Audunssohn und Jngunn Stein- slnnstochter vertraut zu machen. — Die verlegerische Ausstattung ist geschmackvoll und gediegen, hth.
— Gunnar Gunnarsson: Der brennende Stein. Und andere isländische Novellen. Einzige berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von Helmut de Boor. 198 Seiten. Leinen. RM. 5.—. Verlag Albert Langen / Georg Muller, München 1936 — (332.) — Der heroische Geist, der die großen Romane des isländischen Dichters Gunnar Gunnarsson auszeichnet, tritt auch in diesem jüngsten Werk, einer Sammlung isländischer Novellen, zutage. Gunnarsson erzählt in diesen Geschichten Begebenheiten aus seiner Heimat, wie sie sich in alter und neuer Zeit in seinem Volke zu- getragen haben. Die gewaltige Landschaft seiner Heimat wird auf unheimliche Weise lebendig. Ein gefährlicher Zauber umwittert Schicksale und Abenteuer der Menschen dieses Jnsellandes, denen der harte Tod so selbstverständlich ist, wie das karge und mühsame Leben. Ernste, fast ins Mythische weisende Geschichten stehen neben zarten, oft von befreiendem Humor erhellten Erzählungen. Wer könnte das Erlebnis „Auf dem Grunde des Schneemeers" vergessen.
— Anton Schnack: Zugvögel der Liebe. Roman. 270 Seiten. Paul List Verlag, Leipzig. — (318) — In diesem Roman von Anton Schnack, den die Leser des Feuilletons und der Unterhaltungsbeilage seit langer Zeit kennen und schätzen, geht es ähnlich zu wie in Ulrich Sanders Roman „Kliffsommer", den wir vor einiger Zeit an dieser Stelle angezeigt haben: Sommer und Herbst auf einer kleinen Ostsee-Insel werden hier beschrieben, das halb unruhige, halb beschauliche Leben der Feriengäste, wie sie die Reiseroute, der Sommer- fahrplan oder der Zufall zusammengewürfelt haben für eine kleine Frist. Die Einheimischen mischen sich mit den Fremden, den Zugereisten, Gesichter und Gestalten tauchen auf, rücken in die Mitte des Geschehens, verschwinden wieder; Beziehungen spinnen sich an in der kleinen, begrenzten Lebensgemeinschaft; Sehnsucht, Liebe und Eifersucht regieren das Tun und Treiben, Gedanken und Handlungen der wesentlichen Gestalten. Die eigentümliche Landschaft gewinnt in dieser Geschichte eine besondere, mitspielende Beziehung zum Handlungs- ablauf, und in dem Bilde der belebten Natur einer einsamen Inselwelt, im großartigen und rätselvollen Schauspiel des nächtlichen Vogelzuges findet der Erzähler das Sinnbild, das die wechselnden Schicksale in seiner Erzählung auf eine mehr als äußerliche und zufällige Weise miteinander verbindet. hth.
— Hanns Johst: „Die Torheit einer Liebe." In Seinen geb. 4,20 RM. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München. — (331.) — Ein Spiel ist das Ganze, ein flüchtiger Traum und für ö-cn, der sich ihm hingibt, eine wirkliche Torheit. Denn er ist noch ein reiner Tor, den der schöne Schein verführt und um das ersehnte Glück der Erfüllung betrügt. Wie viel Sorgen, Pflichten und Opfer nimmt er nicht auf sich, um der angebeteten kleinen Baronin zu gefallen! Getrennt von ihrem Manne, der draußen in der Welt auf der Suche ist nach einer neuen besseren Zukunft, schlägt sie sich mit ihren fünf Kindern tapfer durchs Leben, dankbar für jede Hilfe, die ihr das schwere Dasein erleichtert und verschont. Seine Freundschaft ist darum gern gesehen, und er erweist sich dieser Auszeichnung wert, indem er im Haus die Handwerker, im Garten den Gärtner ersetzt, ja, als der Hunger droht, sogar wider Willen wildert und von fremden Aeckern Kartoffeln stiehlt. Er sorgt, während er mit den Kindern herurntobt und die Baronin beschützt, für das Wohlergehen aller, immer voller seliger Erwartung, von der angebeteten Frau erhört zu werden. Aber die Liebe hat bunte Flügel und fragt nicht nach der Not des Herzens. Als die Baronin wieder Nacyricht von ihrem inzwischen vermögend gewordenen Manne erhält, verschwindet sie ebenso plötzlich, wie sie auf- getaucht war und zerstört dem zurückgelafsenen Freund alle Wünsche und Träume. Menschliche Güte und herzhafter Humor leuchten aus dieser köstlichen Liebesgeschichte hervor und machen sie zu einem Dichtwerk von seltener Anmut.
— Helene Christ aller, Adam geht aufWanderschaft. Roman. Verlag von Friedrich Reinhardt in Basel. In Leinenband 5,60 Mk. — (294) — Es ist eine packende Entwicklungsgeschichte, innig, schlicht und dabei von einem gütig überlegenen Humor durchzogen. Adam ist ein gesunder Pfarrerssohn aus dem Schwarzwald mit rundem Bubengesicht und offenem Blick, aber zum Studium nicht geeignet. Wie Michelangelos Adam, von dem eine Abbildung in der Studierstube des Vaters hängt, so streckt auch der junge Mann in den entscheidenden Stunden seines Lebens die Hand nach Gott aus. Nach der Rückkehr aus dem Krieg Zieht er auf die Wanderschaft nach Italien und schlägt sich schlecht und recht durch, bis er in einem Häuschen über dem Lago Maggiore mit feiner Jugendfreundin, einem prächtigen, tapferen Men- i schenkind, eine Familie gründet. Nach dem Tode < ihres liebsten Kindes lassen Heimweh und äußere < Not Adam mit feiner Familie wieder den Weg in j bie Heimat finden, wo ihnen die. gütigen Pfarrers- < eitern eine neue bescheidene Lebensmöglichkeit ! schaffen. j
inscmenbet mürben. Er hatte eben „feine aewiise operli^e eigene spräche im deutschen", sondern c?r?u l , gemeinen deutschen Sprache". Ge- aL.' deshalb gelang es ihm, den bis zu seiner Zs evbar spröden und ungelenken schriftlichen l < ? ^"sZUweiten, zu bereichern und zu ver- fefin, daß er den glaubensinnigen Abschnitten der eiligen Schrift ebenso gerecht wurde, wie dem inttlsch alttestamentarischen oder den schlichteren ?Iarien etwa der Spruchdichtung. Vom Religiösen «Wal ganz abgesehen: Allein schon die sprach- Wsferische Tat macht Luthers Bibelüber etzung zu liner völkischen Kraft- und Gesundheitsquelle [l[nD-rgIeid)en! Es hieße aber — das verdient hier Wychalten zu werden — die gewaltige Erobe- riuni:'arbeit im Bereich unserer Sprache unbillig niirhinem, wollte man unterstellen, all unseren Nvt gewaltigen flöge ihre Meisterschaft nur so zu 2lie Entwicklung von der ersten Ansprache des eben aus Lern Lazarett entlassenen Gefreiten Hitler bis 3IP l$n überwältigenden Reden des Volkskanzlers viiih:.end des letzten Wahlkampfes setzt ganz im Cieg-mteH ein unablässiges seelisch-geistiges Arbeite m sich selbst voraus, wie es dem Durchschnitts- nirkiichen kaum vorstellbar ist.
Liu Ende eines schweren Arbeitsprozesses also W sich immer erst die klassisch gewordenen und ).!Mb uns heute zu zwanglos anmutenben glück- iM Formulierungen Luthers ein. Und das auch i rj deswegen, weil Luther nicht nur „Volk im !übi" hatte, sondern darüber hinaus, wie jeder iHp^rische Sprachbeherrscher, auch künstleri- ch e Mensch war. So sehr wir die Volksnähe Elch auch als grundlegend betrachtet haben, t&in ist sie selbstverständlich nicht dazu angetan' iNn Luther und Hitler zu bem zu machen, was ei ii Wahrheit waren und find. Vielmehr treten e Fnn auf, wenn Volksverbundenheit ud künstlerische Impulse sich zu i n m verdichten. Wie sehr bas bei Luther üf all gewesen ist, zeigt allein schon seine be- uhtti Erklärung, warum er den Ausbruck „Du
bereu Dauben aus bem Eichenholz von Angoumois geschnitten sinb, sonst erreicht er nicht bie Krone seines Geschmacks. Darum wirb dieser Wald bewirtschaftet und gepflegt. In den Flußtälern, namentlich in den Bergen, haben Linden, Ulmen und süße Kastanien ein üppiges Wachstum, aber was wir Fortwirtschaft nennen, ist wenig vorhanden. Der ganze lange Cevennenhang gegen Osten und Süd- osten, den man auf der Fahrt beinahe von Carcassonne bis Lyon zur Linken hat, erscheint so gut mie kahl. Welche Wälder dagegen rauschen bei uns auf Schwarzwald und Odenwald, ja auch auf den verlorenen Vogesen!
Für deutsche Begriffe wird auffallend viel Gelände nur als Weide benutzt, sogar für Schafe. Bei uns würde es unter den Pflug kommen. Man merkt auf Schritt und Tritt, daß Frankreich, obwohl es Deutschland ungefähr an Größe gleich ist, beinahe um zwei Fünftel weniger Einwohner hat. Die Menschen brauchen nicht mit dem Raum zu geizen, sie können sich auch in dieser Beziehung eine gewisse Sorglosigkeit leisten. Auch von der Intensität des Ackerbaues in Frankreich habe ich in diesem Jahre keine sehr hohe Vorstellung bekommen. Die Felder machten von Paris an einen mäßigen Eindruck. Weizen herrscht vor, daneben sieht man Gerste und Hafer. Roggen ist mir nur auf Dem mageren Granitboden der Bretagne begegnet, aber 'ch weiß nicht, wozu er in Frankreich verwendet wird. Man bekommt nur weißes Weizenbrot; Schwarzbrot dünkt dem Franzosen ein Zeichen bar- barischer Aermlichkeit.
Das eindrucksvollste Stück Bodenkultur, bas mir in Frankreich vorgekommen ist, waren die unab- sehbaren Weinpflanzungen auf dem ebenen Boden
vollanaden Maria ablehnen müsse. „Wer deutsch kan' — meinte er — „der weis wol / welch ein hertzlich fein Wort das ist / die liebe Maria / der lieb Gott / der liebe Kaiser / der liebe fürst / der lieb man / das liebe kind". Hier haben wir Luther, den Dichter, dessen ganze Wesen- heit von jener Kraft des Gemüts durchdrungen war, die allen Höchstleistungen Unseres Schrifttums noch immer zugrunde gelegen hat, Luther in seiner ganzen inneren Spannweite! Derselbe Starrkopf, dessen „dämonische Augen" die Sendboten Roms erschauern ließen, — er war im Kreise der Seinen gleichzeitig die Güte und Herzlichkeit selbst, vor allem den Kindern als seinen „liebsten Närrlein" und „feinen Singvöglein" innigst zugetan. Dom gemütlichen Scherz bis zur behaglichen Ironie war ihm keine humorige Stimmung fremd, — und er verleugnete das selbst in seinen ernsten Schriften nicht. Bekannt ist ja auch die Aeußerung Johann Mathesius über Luther, daß er „sich bei Tisch zu gelegener Zeit sehr lustig habe hören lassen'. Als Freund froher Geselligkeit endlich liebte er „Frau musicam" und huldigte dem Glauben:
Die französischen Flüsse fließen gemächlich zwischen hügeligen, mit Reben und Kastanien bepslanz- ten, von manchem stolzen Schloß gekrönten Ufern. Die Loire und der Rhein verhalten sich zueinander wie eine Venus und eine Minerva. Frankreich hat wenig Ruinen — haben doch seine inneren und feine gegen den Ozean und das Mittelmeer gekehrten Landschaften feit mehr als einem Jahrtausend keinen Feind in einem wirklichen Kriege gesehen. Man staunt über den Reichtum, der sich in der kirchlichen und feudalen, aber auch in der bürgerlichen Architektur seit der Hochblüte der französischen Renaissance, vielfach sogar seit der Gotik, unbeschädigt erhalten hat. Hier in Dijon gibt es ganze Straßenfronten, die unverändert aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammen. Wie anders bei uns in Deutschland, auf dessen Boden sich feit dem Dreizigjährigen Kriege die Nachbarländer einluden, ihre Händel einzutragen und sich dann mit einem Stuck Deutschland bezahlt zu machen!
V.
La Douce France.
c» at fein Interesse, die Völker zu befragen, wie ih Land von Herzen nennen. Der Amerikaner agt: „Gods own country“, Gottes eigenes d Der Russe sprach zur Zarenzeit vom „Heiligen mjlciD". Der Engländer meint, trocken und selbst- 4us: „Dies Land ist eine Insel!" (Was be- i-itich nicht mehr stimmt.) Der Franzose sagt: Iducc France“. Man muß etwas nachdenken, udi. richtig zu übersetzen. Zu dem Süßen, Mil- nuiD Weichen, das im französischen Wort „doux“ !>:, ! uß man noch ein Gefühl des Wohligen und lM chen hinzufügen, ungefähr so, wie wenn man T OL-n guten alten Wein trinkt, Der hier in der . rglyne, an Der Garonne oDer in Anjou gewachsen
Lii leicht ist Der Wein von Anjou der beste Jn- :relider „Douce France“.
i h itte — vielleicht kommen diese Zeilen auch -w iranzösischen Leser zu Gesicht — es mir nicht . z. nehmen, wenn ich noch eine kleine Weile I ff. ateriellen bleibe. Burgund, aus dessen alter i PtfinDt Dijon Diese Zeilen Datiert sind, gilt als )i'imat Der besten Küche von Frankreich. Man es auf jedem Hotelplakat lesen, unD es ist auch
i $ wahres daran. Nur eine LanDschast noch ibi.tie Konkurrenz bestehen zu können, das Peri- tl cit seinen Trüffeln unD Gänseleberpasteten.
Riseum von Toulouse steht in einer Vitrine leigens große MoDell einer Bäuerin, die eine i s lairch einen Dem Tier in Den Schnabel ge- ItziiTrichter nudelt. Daneben liegt in Spiritus
Leser, die einem solchen geschlachteten Tier !turnen wurde. Sie wiegt ein Kilo!
rwig, man Darf nicht ungerecht sein. In Frank- i! f;ielt Das Behagen am Leben eine große i, weniger nach Der Seite Des Wohnens, wobei j sttuzosen anspruchslos sind, als nach Der Seite ksen, Trinken und behaglicher Muße. Der
Igo - ist kein geschäftiger Mensch; so sparsam " ist ihm der bessere Teil Des Lebens doch in dem die Arbeit getan ist. Dabei gehört iil&be über alles Materielle hinaus zuerst Der Ifen Heimat, Daneben Dem Boden Des Vater- iE im ganzen. Auch bei uns ist Heimatliebe M riotismus, bei aller Verwandtschaft, doch ■ai-felbe. Sobald es sich um den französischen ■iO Die französische Kultur handelt, steigt der, D'che Patriotismus auf hohe Stelzen. Einer igiißenbften französischen Politiker, Paul Des- < ixr viele Jahre Präsident Der Kammer und «jät gegen Ende seines Lebens Präsident Der
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