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welches,

Als seinen

Die Würde des Renschengesichis

Äon Hans (Laroffa.

Den folgenden Abschnitt entnehmen mir mit Genehmigung des Insel-Verlag» zu Leipzig dem soeben erschienenen neuen

Weistum aus dem Blute gibt, instinktsicher und hellseherisch wie es ist, wertvoller und wegweisender und vor allem freier undun­abhängiger von aller Schule" ist als Katheder-

WerkGeheimnisse des reifen Lebens" von Hans Carossa.

Nachts, beim Lesen der Ilias befiel mich Erin­nerung an den jungen österreichischen Offizier, der uns auf dem Berge Caneta so freundlich bewirtete. Ob wir uns heute noch so gut verstünden? Sein schmales Gesicht ist mir nicht mehr so deutlich wie die lange knochige, durch Narben verzogene Hand, die beim Sprechen sehr schüchterne Bewegungen ausführte. Ein Buch mit italienischen Gedichten lag vor ihm aufgeschlagen. Von Zeit zu Zeit sah er durch ein Scherenfernrohr in das feindliche Gebiet hinüber, wo er schließlich eine Truppenansamm­lung entdeckte. Pflichtgemäß rief er durch den Fern­sprecher zu dem Geschütz hinunter, bezeichnete nach der Karte einen Punkt und gab an, mit wie vielen Granaten dieser belegt werden sollte. Dann goß er wieder Tee in die Feldbecher und erzählte sehr anmutig von seiner Frau und seinen Kindern, in­dessen die Luft von den Abschüssen bebte. Er war ein ausgezeichneter Soldat und hatte wieder ein­mal das Nötige getan, obendrein auf die sauberste, sachlichste Weise; kein Tröpfchen Blut haftete an seinem grauen Rock. Ihm wäre auch nicht ein­gefallen, ein unfreundliches Wort über den Gegner zu äußern, er dachte wohl gar nicht an die zer­fetzten Leiber, die drüben verendeten. Was konnten sie ihm bedeuten? Schwerlich mehr als ein Schwarm schädlicher Insekten, der nun, Gott sei Dank, be­seitigt war.

Ach, und nun lese ich wieder die empörenden Szenen, wo wilde ruhmredige Helden ihre Feinde maßlos beschimpfen und mißhandeln. Achilleus rast vor Schmerz über den Tod seines Freundes; Mit­leid und Gnade kennt er nicht mehr, und während er den getöteten Lykaon am Fuße packt und in den Strom wirft, frohlockt er ihm wahnwitzig nach:

Liege nur jetzt bei den Fischen! Gefühllos wer­den sie dir das Blut von der Wunde saugen, und nimmer legt die dich Mutter mit Klagen auf das Totenbett." Hektor, dem Gefällten, der, kaum noch atmend, ihn anfleht, er möge doch nicht seinen Leib den Hunden der Achaier zum Fräße hinwerfen, und enendliches Gold und Erz als Lösung bietet, schreit er tobend seine Verweigerung zu; ja, nach­dem die Seele schon den Leib verlassen hat, ruft er ihr noch das unversöhnlichste Wort auf den Weg zum Schattenreiche nach. Welch furchtbares Ge­schlecht war dies! Aber immerhin standen sich। Die

AusdemmerkwürdigenNotizduch eines Bergsteigers. Bon Anton Schnack

Wir haben'« gewagt!"

Zum lOjälyngen Bestehen des Gaues Berlin der NSDAP ii.

Wer Berlin hat, der hat das Reich. Wir studier-

Streiter Aug in Auggegenüber, und nachdem der Pelide seinen Zorn und seinen Schmerz ausge- wütet hat, wagt sich nachts ber tiefgebeugte alte Vater Hektors in (ein Zelt; niebertmenb küßt er die schrecklichen Hänbe, bie ben meiften seiner Söhne bas liebe Lebenslicht ausgeloscht haben, und inbem er dem Achill Erinnerungen an seinen eigenen alten Vater wachrust, bittet er ihn um die Auslieferung bes Toten. Unb bie beiben Könige, der jugendliche und der greife, meinen, keiner ver- mag zu sprechen; laut, in unsagbarer Erschütte­rung, schluchzen sie, daß man weit über das Zelt hinaus es vernimmt, und fast wie eine Absage an die alten Götter klingt es, wenn Achilleus ihnen die Veranwortung zuschiebt für alles, was geschehen ist und noch geschehen muß. Doll Erbarmen zieht er ben Priamos zu sich empor; heimlich läßt er bie Leiche waschen, salben unb mit Hemd unb schönem Tuch umhüllen, damit ihr Anblick den Vater nicht aufs neue kränke; dann hebt er selbst sie behut­sam auf ein Laaer. Geheiligt ist wieder der Feind, und mit ihm die eigene Seele. Ein gemeinsames Mahl wird bereitet, und nun erst, nachdem sie sich an Wein unb Speise gesättigt, schauen sich die beiben mit Verwunderung an, einer erquickt sich an der Erscheinung des andern, Priamos an der qottqleichen Gewalt und Größe des Peliden, dieser aber an dem gütigen Gesicht und an der menen Rede des unglücklichen Herrschers von Ilion, Gin Ruhebett mit purpurnen Kisten und Polstern laßt er dem Greis in die Halle stellen, und ehe dieser schlafen geht, fragt er ihn, mle viele Tage er den edlen Hektor zu feiern gedenke, denn er will für bie Dauer der Totenehrung seine Truppen vom

Am Neujahrstag des Jahres 1129 kamen am Großen Sankt Bernhard zehn einheimische Berg- führer in einer Lamine um. Sie hatten den Bischof von Tours und den Abt von St. Troud beim Uebergang über den Großen St. Bernhard begleitet.

Im Jahre 1521 bestieg ein Offizier des Cortez, des Eroberers von Mexiko, den 5391 Meter hohen Berg Popocatepetl. Ihn begleiteten zmei spanische Soldaten und ein Indio, der Führer war. Eine alpine Großtat ersten Ranges.

Die erste gelungene Winterbesteigung des Mont­blanc wurde im Jahre 1876 von der Engländerin Miß S t r a t o n ausgeführt. Sie wurde von drei Führern aus Chamonix begleitet. Vorher war vie­len männlichen Bergsteigern die Winterbesteigung bes Montblanc mißlungen.

Von ben Dents de Veisivi (3425 Meter) stürzte Enbe August 1898 ber ßonboner Ingenieur M. John Hopkinson mit seinem achtzehnjährigen Sohn John und seinen zwei Töchtern Lina Evelyn (19 Jahre) unb Alice (23 Jahre) töblich ab. Der Sohn, der als erster ging, stolperte, verlor den Boden unter ben Füßen, stürzte unb riß die beiden Schwestern, die nach ihm am Seile gingen, mit. Der Vater, ber ebenfalls angefeilt mar unb als letzter ging, versuchte vergeblich die an ihm vor- überfotlernben Kinber aufzuhalten, aber alle vier würben in den gähnenden Abgrund hinuntergerissen. Die entsetzlich verstümmelten Leichen mürben unter großen Schmierigkeiten geborgen unb nach Sitten gebracht. *

Jacques Balmat, ber erste Ersteiger des Mont­blanc (1786 mit Dr. Paccard) beton vom König von Sardinien den AdelstitelBalmat du Mont Blanc". Balmat stammte aus Chamonix und mar ein berühmter Naturforscher, Kristallsucher und Me- tallschürfer. Noch als Zmeiundsiebzigjähriger durch­forschte er das Montblancgebiet nach Gold und an-

Kamps zurückhalten.

Wer kann dies vernehmen, ohne sich gemahnt zu fühlen, daß nur dort noch echte Lebensformen blühen, daß nur dort noch Schmerz und Freude mahr sind, mo der Mensch den Menschen m Haß und Liebe völlig ernst nimmt? Stolz unb groß bemächtigt sich die Technik bes Planeten; die Flamme' der Seele aber scheint schwächer unb schwächer zu brennen, so mie ein Stern, im Fern­rohr betrachtet, mohl mehr Einzelheiten erkennen läßt, aber an Leuchtkraft abnimmt. Wie oft in jener Frühzeit, geschieht es, daß zmei Krieger, die sich den tödlichen Kampf ansagen, einander noch als göttlich oder göttergleich bezeichnen! So stark war das Gefühl für die Würde des Menschenge­sichts, auch roenn ein Feind es trug. Und nun fragt sichs: können mir mit unseren Gegnern verfahren wie mit einer Masse antlitzloser Larven, ohne selbst larvenhaft zu meröen? Verläuft am Ende hier die feine Linie, mo uns die äußerste Vollendung der Maschine dem gesunden Erdensinn entmenöet und in eine glänzende Entartung hinüberführt? Hat von hier aus vielleicht schon die Auflösung des alten heiligen Menschenbiloes begonnen?

Gau es in den letzten Jahren des Kampfes publi­zistisch ober propagandistisch leichter gehabt hätte, als in den ersten Jahren der Existenz desAn­griff". Gemiß, mit der emporschnellenden Mitglie­derzahl stieg auch trotz der hohen Ermerbslosen- zifser die Summe der eingehenden Beiträge. Aber sie konnten kaum Schritt halten mit den immer größer meidenden inneren und äußeren Aufgaben des Gaues. Außerdem aber vergessen mir heute allzu leicht, daß das kleine Blatt des Gaues in den ersten Jahren seines Bestehens noch den offenen Kampf gegen fast 70 Blätter aufzunehmen hatte unb baß beifpielsmeife das kommunistische Boule­vardblattDie Welt am Abend" eine Auflage von einer Viertelmillion hatte!

Die planmäßige Hetze sämtlicher Linksblätter aller Schattierungen führte denn auch in der Geschichte des Gaues zu so grauenhaften Verbrechen mie ber Ermordung Horst Wessels am 23. Febr. 1930, ohne daß der Prozeß eine nennenswerte Sühne gebracht hätte, oder aber die Ermor­dung Kurt Nornacks am 11. Okt. 1931 oder des Professors Ernst Schwartz am 19. Jan. 1932 ober des Herbert Norkus ober Hans Mai- ko w s k i s , ber am Abenb nach bem triumphalen Marsch vom 30. Januar 1933 sein Leben lassen mußte. Die Ehrenliste ber gefallenen Kämpfer ber NSDAP, zählt nicht roeniger als 40 Namen aus ber Kampfzeit im Gau Berlin auf.

Heute mie damals kann man nur sagen: die Geg­ner sind sich vermutlich in keiner Periode des Kampfes darüber klar gemefen, w e l ch e hu n d e r t- faltige Saat aus bem Blut der Gemordeten und Verwundeten des Gaues Berlin aufgehen mürbe. In ber parlamentarischen Geschichte aller Länber steht die sprunghafte Steigerung der Mandatszahlen ber NSDAP, in den Reichstagsmahlen einzig da. Gerade bei den Wahlkämpfen hatte ber Gau Berlin naturgemäß mit bie Hauptlast bes Kampfes zu tra­gen, da er sozusagen ständig dem Feind unmittelbar an der Klinge blieb. Kein Wunder, roenn bcifpiels-

Die Bauernenkel sind es, bie bie Wett meistern. Wer wollte das bezweifeln in einer Zeit, ba eben dieser Satz sich neuerlich als wahr erwies? Ein Bauernenkel ist es ja, der Deutschland in den Nachkrieqstagen aufhorchen ließ und der jetzt schon längst die Welt in Atem hält. Das verriete schon sein Name, in bem sich linguistisch die Bezeichnung Hüttner oder Kleinbauer" verbirgt, roenn es dieses sprachwissenschaftlichen Hilfsmittels überhaupt noch bedürfe! Indessen bedarf es solcher Untersuchungen kaum: Wir missen um bie Vorfahren unseres Dolks- kanzlers, die urbajuoarischen Ostmärkler Hitler, Goeschl, Ledermüller, Peifsinger, Schicklgruber oder wie sie immer geheißen haben mögen, genau Be­scheid, wissen, daß sie in Mühsal und Schollentreue Feld und Acker seit Jahrhunderten im Waldwinkel, im Bereich bes Stisterschen Hochwalbes, bestellt haben, sehen sie, so wir nur ihren Namen Horen, greifbar vor uns: Sonnengebräunte, scharsgeschnit- tene, mohl auch mühsalburchfurchte Charakterkop e, wie sie bie Maler immer roieber zu holzschnitt- mäßiger Wiebergabe gereizt haben.

Unb angesichts bieser Ahnen rounbert es uns, bie mir bas Bauerntum roieber als Kraftquelle jeden nationalen Lebens erkannt haben, schon kaum mehr, den Nachfahren solch Dichter, aufrechter, arbeitsamer Menschen sich als Genie schlechthin be- roähren zu sehen. Erst der Anschauungsunterricht durch das Wunder Hitler hat freilich den Massen unserer sogenannten Bildungsschicht wieder beige­bracht, daß es jenseits der ehestens die rationalen Fähigkeiten ber einzelnen Volksgenossen überprüfen« den akademischen Grade ein irrationales, deswegen aber doch auch von intellektueller Kraft gespeistes

Bei sctäetMerVerdauung <- BlurfIf*i eil S-Cff Jg

weise nach ben Septemberwahlen von 1930 ber Gau­leiter, ber sich selbst so schonungslos wie beispielhaft eingesetzt hatte, in seinen Aufzeichnungen schreibt: Das waren Wochen, wie wir sie uns nicht wieder wünschen möchten". Er unb seine Mitarbeiter hatten in ber «,at bas Letzte aus sich herausgeholt aber nur, um diese Leistungen bei den Wahlkämpfen ber folgenben zwei Jahre noch zu übertrumpfen.

Es fällt in diesen Jahren ein Wort, vor besten Ueberzeugungsglut unb Vertrauensfestigkeit man auch heute noch, nach fast vier Jahren national­sozialistischer Regierung in stummer Bewunderung steht. Am 4. Mai 1930 schreibt Dr. Goebbels: Sie werden einmal das Reich crobern, bteje Männer voll schweigender, milder Leidenschaft . Dem Gau Berlin mar es vergönnt, zahlreiche Pha­sen der letzten Kämpfe unseres Führers vom Jahre 1932 aus nächster Nähe mitzuerleben. Daß gerade an diesen Höhepunkten der Offensive a u ch d i e stärksten Anforderungen an den Gau ge­stellt murden, ist klar. Wer es nicht selbst nuterlebt hat, braucht sich nur der Photos und der Schilde­rungen aus dem Jahre 1932 zu erinnern, aus de­nen man entnimmt, melche riesigen Volksmengen schon damals unseren Führer auf feinen Fahrten vom Kaiserhof zur Reichskanzlei" umjubelten. Das rote System hatte bereits so roeit abgemirt- schäftet, daß es sich dem Willen der vom Gau Ber- lin geführten Bevölkerung der Reichshauptstadt nicht mehr mit ben früheren Methoden bes Polizei- fnüppels entgegenzustellen roagte.

Als am Abend des 30. Januar 1933 in dem riesigen Fackelzug auch der Gau Berlin am Führer vorbeimarschierte, mar er eingedenk der blutigen Opfer aus langen sieben Jahren, erfüllt aber auch von unbändigem Stolz darauf, daß er in vorderster Front des Kampfes sein gutes Teil dazu beigetragen hatte, daß jener Tag und jener abend­liche Fackelzug vor dem Führer Wirklichkeit werden konnte. Das meiß niemand bester als Adolf Hitler selbst und sein Berliner Gauleiter.

ten Volk und Atmosphäre mit einer fast missen- schaftlichen Gründlichkeit; und bann sprachen mir zu Berlin die Sprache, die es verstand." Dies Wort aus den Aufzeichnungen des Gauleiters Dr. G o e b- b e l s steht wie ein Motto über den Jahren des Kampfes um Berlin, die der Verbotszeit unb ber Gründung desAngriff" folgten. An ihrem Be­ginn steht jene ans Herz greifende Szene vom 30. Geburtstag des Gauleiters, mo bei einer ihn überraschenden Geburtstagsfeier im Kreise sämt­licher alten Mitkämpfer ihm 2000 Mark, mit den Groschen der ebenso Opferbereiten mie Unbemittel­ten gesammelt, für ben melieren Kampf überreicht mürben. Unb melche heiße Freude muh ferner den Gauleiter erfüllt haben, als ihm ein SA.-Mann einen Briefumschlag gab, in bem bie zerrissenen Schuldscheine über jene 2000 Mark lagen, die Dr. Goebbels für die Gründung desAngriff" auf feinen Namen zusammengeliehen hatte.

Demgegenüber eine heitere Randglosse aus jenen Jahren, bie uns heute im Nachgeschmack no* immer dasselbe Vergnügen macht, mie bamals bem Berliner Gauleiter: Ein führender Beamter des berliner Po­lizeipräsidiums erzählte ihm einmal, daß er Dr. Goebbels, dem Staate im Jahre rund 35 000 Mark JÜr Schutz und Uebermachung unb so" koste. Aber -gleichzeitig läßt ihn Severing brei Jahre lang ununterbrochen bespitzeln, Aktenmaterial zusammen­tragen schließlich burch ben Oberreichsanmalt Antrag auf Aufhebung ber Immunität des Ab­geordneten Dr. Goebbels und seine zwangsweise Vorführung stellen. Es ist die Zeit, in ber die Berliner Braunhemden beispielsweise in einer Woche nicht weniger als zwölf Schwerverletzte durch Rot« morb haben ober in ber der Gauleiter im knallrote­sten Teil Berlins nächst dem Wedding, in Reu- kölln, bei einem kommunistischen Angriff mitten zwischen den rasenden Mob gerät, einen schweren Hieb über bie Schulter erhält unb im allerletzten Augenblick von feinen Getreuen herausgehauen wird.

Es ist aber auch die Zeit, über der trotz aller Verfolgungen und blutigen Opfer wie ein zweites Motto bie Worte von Dr. Goebbels stehen:Welch eine !>errliche Bewegung ist das! Wohin man schaut, Leben, Kampf, Aufbruch. Ein Volk mar­schiert". Tatsächlich mar ber Urgrunb für die spätere Kapitulation der Viermillionenstadt Berlin bereits durch die Gründung desAngriff" gelegt; was das einstige Wochenblatt in den Jahren des Kampfes um Berlin für die Berliner Parteigenos­sen, für den Gau und für die ganze Bewegung bedeutete, das wird dem Teilnehmer am lOjähogen Bestehen des Gaues bann roieber am stärksten klar, wenn er das Buch des Gauleiters noch einmal lieft, das den^Namen des damaligen Gaublattes als Titel trägt. Mr. hatten schon hier darauf hinae- roiefen, daß ber ^21ngriff/Z während ber ganzen Kampfzeit die Debatten um bie zahlreichen poli­tischen, wirtschaftlichen und sonsttgen Skandale ber Systemzeit nicht mehr zur Ruhe kommen ließ, und wennIsidor" Weiß viel früher, als er es sich je hat träumen lasten, seinen hochbezahlten und ein­flußreichen Posten im BerlinerAlex" räumen mußte, so durfte er sich sagen, daß das in erster Linie auf die pausenlose, zielbewußte Arbeit des Berliner Gauleiters zurückging, ber auch zugleich der Herausgeber desAngriff" war.

So einfach, wie es sich hier lieft, verliefen die restlichen Jahre der Kampfzeit nicht. Je stärker der Gau wurde, je größer mit jeder Reichstagsroahl die politische Schlagkraft der NSDAP, wurde, um so dichter folgten einander die behördlichen Schikanen gegenüber dem Gau. Aber dieser hatte sich das Wort von Dr. Goebbels zu eigen gemacht:Schlagt zu, schlagt zu! Jeder Schlag hämmert uns härter und trotziger!" Es war auch nicht so, als wenn der

man mus nicht die buchstaben innber lateinischen sprachen fragen / wie man fol Deutsch reden / sondern / man mus die mutter im Hause / die Kinder aufs der gaffen / ben gemeinen man auff bem marckt brumb fragen / unb ben selbigen auff das Maul sehen / wie sie reden / unb danach dolmetzschen / so verstehen sie es denn / unb merken / das man deutsch mit jn rebte".

Weistum aus dem Blut! Welche Irrwege der Verbildung sind wir gegangen, bis uns btefer ewige, gottgewollte Grundsatz wieder begreiflich wurde und oberstes Gesetz! Zunächst für unsere Rebefeldzüge. Darüber hinaus wird em neues nationalsozialistisches Schrifttum sich diese Emstel- lung ebenfalls zu eigen machen müssen, will es, wie das Volkswohl es erfordert, ber Gemein­schaft aller dienen! Das kann nur, roerbem Volke aufs Maul schaut", roer, wie weiland Luther, abhold jeder Phrase und jedem schöngeistigen Ge­schwätz, alle Register volkstümlich kerniger Aus- drucksroeise beherrscht. Da dürfen weder schlichte Natürlichkeit noch ungezwungene Bildhaftigkeit, weder kühne Personifikationen noch ledendige An­reden, weder urwüchsige Derbheit noch sprichwört­liche Redensarten, kurzum nichts von dem, was ,dem gemeinen Mann in den Schnabel kommt, fehlen! Moderne Werke, die das aufzuweifen hat­ten, gibt es leider nur wenige: Luthers Schriften unb Bibelübersetzung bttunden aber diese Volks- bezogenheit mit jeder Zeile! Es ist nicht von un­gefähr, daß zahllose volkstümliche Wendungen, die heute noch gang unb gäbe sind, von Luther zuerst deren Metallschätzen. Er tarn nicht mehr zurück. Niemals wurde sein öeicfjnam gefunden.

In den Jahren 1852 bis 1857 wurde der Mont­blanc vierundsechzigmal erstiegen. Sechzigmal waren es Engländer. Der Montblanc war ein Modeberg geworden. *

Der bedeutendste italienische Bergführer, Jean Antoine Carrel, aus dem Piemont stammend, ein ehemaliger Gemsjäger, roar der tollste Matter- hornberenner, der je gelebt hatte. Er zeichnete sich durch unbeschreibliche Hartnäckigkeit aus und war ein glühender Nationalist, der für Italiens Ruhm das Matterhorn erobern wollte. Der Engländer W h y m p e r kam ihm unter dramatischen Um­ständen am 14. Juli 1865 zuvor. Carrel liebte das Matternhorn mit einer unheimlichen, schicksalhaften Leidenschaft. Der Berg tötete ihn auch: am Futz des Matterhorn bricht Carrel, vom Schlage tödlich getroffen, zusammen. Er hatte gerade wieder eine Besteigung seines Lieblingsberges hinter sich. Es war das Jahr 1890.

Der Bezwinger der vielumworbenen Aiguille de Geants in der Montblancgruppe, Jean Maqui- gnaz, außerdem ein berühmter Matterhornspe- ziattst, verschwindet spurlos am 18. August 1890 auf dem Bionnassaygrat im Montblancgebiet. Mit ihm verschwinden ebenso spurlos Conte U. di Vi­lanova und A. Castagneri. Um diese Zeit war ein riesiger Schneesturm ausgebrochen.

Mir passiert nie nix" war ber fatalistische Aus­spruch bes großen Schweizer Bergführers Alexan- der fBurgener, ohne ben keine alpine Großtat in den Westalpen der 80er unb 90er Jahre bent- bar ist. Am 8. Juli 1910 beim Aufstieg im Jung­fraumassiv fegte eine Lawine ihn, seinen Sohn Alois, die Führer Peter I n ä b n i t, Rubolf Jnäb- nit, Christian Bohren unb zwei weitere Berg­steiger in bie Tiefe unb in ben Tod. Nur fein Sohn Adolf Burgener und der Führer Fritz B r a w a n d entrinnen der Lawine mit schweren Verletzungen.

Bildende Kunst im (5ou Hessen-Nassau.

Herr Walter Kröll (Gießen), als Beauftragter des Obmanns der Reichskammer der bildenden Künste, Herrn Carl Fries (Ortenburg), bittet uns mttzuteilen, daß außer den in unserem geflogen Be­richt genannten noch bie folgenden Künstler aus hiesiger Gegend auf der Ausstellung der Reichs­kammer im Frankfurter Römer vertreten sind: Bender, Herbom (Westerwaldlandschaft, Del), Großhaus, Lützellinden (Bauernkopf, Radie­rung) und Kröll, Gießen (Eisengießer",Deutsche Jugend", Pinselzeichnungen). _

Kaiser Heinrich IV. im Jahre 1OT7 bekannten Buß gang nach Canossa unter­nahm, wurden vor dem Ueberschreiteit schwieriger Paßstellen und schneeverwehter Bergsteige die Ge­mahlin des Kaisers und ihr weibliches Gefolge in feste Rindshäute eingenäht. Dann ließ man die mit Stricken befestigten Häute die Berghalden und Fels­steige hinab. So berichtet der deutsche Geschichts­schreiber Lambert v. Hersfeld in seinenAnnalen".

gelehrsamkeit!

Auf Grund dieser, jeden Unvoreingenommenen beglückenden Erfahrung sind wir roeit besser als zahlreiche Generattonen vor uns befähigt, ähnliche Wunder der Vergangenheit zu begreifen, beispiels- weife das Wunder des Bauernenkels Martin Luther, der seiner Zeit zur Achse einer neuen Weltentwicklung wurde, wie heute unser Führer, wenn auch in anderem Sinne. Ganz gleich also, ob es sich um Religion ober Politik handelt: Der Vorgang an sich ist derselbe und in jedem Fall von säkularer Bedeutung. Die Bauernenkel sind es, bie bie Welt meistern.

Will man sich bas verstanbesmäßig in etwa er­klären, wird man ein gut Teil ber roeltberoegenben Kraft dieser genialen Menschen ihrer ungewähn- licken rednerischen Begabung zuschreiben. Sie haben die herzbezwingende Kraft des Worts: des gesprochenen, aber auch des ge­schriebenen. Und sie haben sie deshalb, weil sie unangetränfelt von der Kühle nur mehr bilbungs« mäßiger Eloquenz wieber gemeine Mann" zu sprechen vermögen. In dieser Hinsicht darf man einem Hitler ebenso wie einem Luther nachrühmen:

Daß was er sagt unb singt unb tut eingeht bei Mann und Weibe.

Er ist von ihrem Fleisch und Blut: Der Kerl hat Volk im Leibe!"

(Hermann Burte.)

Der Gprachschöpfer Martin Luther

Ein Beitrag zum Reformationsfest am 31. Oktober.

Don Dr. Jtoiner Schlösser, Präsidenten der Netchscheaterkammer.

W-!l LutherVolk Im Leibe" hatte, fand er auch zum Deutschen hin. Es war das für ihn, den Theologen, bekanntlich alles andere als naheliegend, unb er ist ja gewissermaßen auch erst über den Um­weg LateinGriechischHebräisch, eine Dreiheit, bie er an ber Wittenberger Universität gepflegt wissen wollte, zur Muttersprache gelangt. Genug inbessen, baß er zu diesem Endziel vorstieß; hat er uns bann noch bie neuhochbeutsche Schrift­sprache und damit letzten Endes die Voraus­setzung für unsere ganze kulturelle Entwicklung bis aus den heutigen Tag geschaffen.Geschaffen dies Wort sie sollen lassen stahn, wenn auch zu­gegeben werben muß, baß ein einzelner, unb sei er von noch so überragender Bedeutung, im wörtlichen Sinne selbstverständlich keine Sprache zu schaffen vermag. Wohl aber kann er sprachliches Material, das sich zu einem Neuen entwickelte, durch schöpfe­rischen Gebrauch verbindlich machen,mit wahrem Leden erfüllen, zum vollen Ausdruck des geistigen Lebens erheben und für jedermann fruchtbar machen" (Bartels). Und bah der Reformator nicht nur des Glaubens dies getan hat: Wir wissen es. Gewiß, die Einheitlichkeit ber Sprache würbe feit dem 14. Jahrhundert durch einige fürstliche Kanz­leien bereits angebahnt aber was will bas, ge­messen an ber Großtat Luthers, schon bebeuten?

Er erst, als berurmächtige unter allen Meistern ber Sprache",zog bem heiligen Bibelwort den berbdeutschen Adamsrock an" um in einem Satz den Protestanten Chamberlain unb ben Katholiken Euringer zu zitieren! unb schuf bamit ben genü­gen Felsengrunb, ben deutschen Prosastil, auf dem ein Klopstock, Lessing, Goethe unb Schiller ben Dom ber deutschen Dichtung errichten konnten.

Sehr mit Recht ist darauf hingewiesen worden, baß diese Uebersetzung Jahrhunderte lang b as einzige Band unserer Nationalität gewesen ist eine Tatsache, bie insbesondere der Nationalsozialist, sei er Protestant ober Katholik, zu würdigen wissen dürfte. Wie er gerade Luther auch um beffentroiüen lieben wird, daß er den Ewigen Deutschen in Gestalt des ihm so vertraut gewordenen gottbegnadeten Dolksredners verkör­perte. Von ba her nämlich stossen ihm, wie schon angebeutet, bie besten Kräfte zu seinem Werke. Des Rätsels Lösung, wie es ihm gelang, einein bun­ke lm Uebergangsprozesse eben ausgegorene Sprache, bis zur anschließenden Gültigkeit zudichten , schließt Luthers volkhafte Auffassung von ber Kunst des Dolmetschens in sich ein, die da lautet: