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Nr. 303 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Dienstaa 2 ^.Dezember 1936

Das Gwßfeuer im Aord-Siid-S-Vahntunnel am Potsdamer Platz in Berlin.

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21m dritten Weihnachtsfeiertag war in den Abendstunden in der unterirdischen Baustelle des Tunnels der Nord-Süd-S-Bahn am Potsdamer Platz in Berlin ein Großfeuer ausgebrochen, das in 7^stündiger unermüdlicher Tätigkeit von den Feuerwehren niedergekämpft wurde. Unser Bild gibt einen Ueberblick über die Brandstelle am Potsdamer Platz am Morgen nach dem Feuer. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Die Lagerführerm - ein neuer Frauenberuf.

Besuch in der Reichsleitung des Arbeitsdienstes. Die Erweiterung des weiblichen Arbeitsdienstes. 250 statt 300 Lager.

Von unserem Sonderberichterstatter

Berlin, im Dezember.

Die Ankündigung des Staatssekretärs Backe vom Reichsernährungsministerium auf dem Reichsbauerntag über den erheb­lichen Ausbau des weiblichen A r - beitsdienstes im Zusammenhang mit dem Vierjahresplan ist für Eltern und Töchter in gleicher Weise bedeut- s a m. Die nachstehend geschilderten Mittei­lungen aus einem Gespräch unseres Sonder­berichterstatters mit der Reichsleitung des Frauenarbeitsdienstes dürften daher allge­meines Interesse finden.

In den Räumen der Reichsleitung des Arbeits­dienstes für die weibliche Jugend herrscht seit der Verkündung des Vierjahresplanes Hochbetrieb. Als Hanna R ö b k e, die Leiterin des weiblichen Ar­beitsdienstes, von einer Unterredung mit Reichs­arbeitsführer Hier! zurückkommt, geht sie sogleich bereitwillig auf unsere Fragen ein. Hanna Rübke ist eine junge, schlichte Frau, die in der Arbeit für die Mädelsarbeitslager sozusagen groß geworden ist. Selbst zuerst Arbeitsdienstmädel, hat sie ein tiefes Interesse für diese neuartige und lebendige Erzie­hungsform der Frau weit über die übliche Zeit in dem nicht immer leichten Dienst des Lagers fest- gehalten, sie wurde Lagerführerin, später ging sie durch Schulungskurse, wurde von Frau Scholtz- Klink in die Reichsleitung des Frauenarbeits­dienstes gerufen und wurde auf Grund ihrer Lei­stungen und charakterlichen Eigenschaften Vertre­terin der Reichsfrauenführerin in der Reichsleitung des Frauenarbeitsdienstes. Als dieser dann im

Laufe dieses Jahres unter dem Reichsarbeitsführer mit dem Arbeitsdienst für die männliche Jugend vereinigt wurde, übernahm sie der Reichsarbeits­führer als seine erste Referentin für den weiblichen Arbeitsdienst. Mit Würde füllt die junge Frau ihren verantwortungsvollen Posten aus. Weshalb gerade jetzt für sie besondere Aufgaben erwachsen, erfahren wir nun aus ihrem Munde.

Wir Frauen vom weiblichen Arbeitsdienst sind besonders stolz darauf, daß Staatssekretär Backe kürzlich auf dem Reichsbauerntag die Notwendig­keit hervorgehoben hat, unsere Organisation stärk st ens aufzubauen. Es wurde uns be­stätigt, daß sich unsere Hilfsarbeit in der Praxis, also bei den Frauen unserer Bauern und Siedler glänzend bewährt habe und daß ein Teil der den Bäuerinnen aus dem Vierjahresplan neu er­wachsenden Aufgaben auf die Schultern eines be­deutend erweiterten weiblichen Arbeitsdienstes ab­gewälzt werden müsse. Damit war ausgesprochen, was wir vom Arbeitsdienst für die weibliche Ju­gend seit Beginn unserer Arbeit erstrebt haben, der Arbeitsdienst wurde auch für das Mädel zur Pflicht. Bis jetzt hat der Arbeitsdienst etwa 10 000 Mädel im Jahr zur Arbeit herangezogen. In zwei Schü­ben zu je 5000 wurden sie halbjährlich ausgenom­men. Nach unseren neuen Plänen sollen vom 1. April ab jährlich 25 000 Mädel durch den Ar­beitsdienst gehen. Das bedeutet, daß wir die Zahl unserer Lager von 300 auf 750 erwei­tern müssen."

Sie brauchen doch auch einen stark vergrößerten Stab von Lagerführerinnen, woher wollen Sie die denn in der kurzen Zeit nehmen?"

Augen auf, Zunge!"

Don Max Zungnickel.

Wenn ich mich meines ersten Schuljahres er­innere, so sehr ich da ein zerfurchtes Lehrergesicht mit harten Umrissen und großen dunklen Augen. Ein Gesicht, das Zutrauen und Furcht erregt. Un­vergleichlich ist mir aber der Ausdruck des Gesichtes, wenn es sich streng straffte und die drei Worte sprach:Augen auf, Junge!" Drei Worte, die wie ein Befehl klangen und die mindestens einmal am Tage ausgesprochen wurden.

Seltsam, je weiter ich mich aus Jugend und Schule entfernte, desto eindrucksvoller und drängen­der wurden diese Worte. Und jetzt ertappe ich mich manchmal dabei, wenn ich in eine fremde Stadt komme, daß ich diesen alten Lehrerbefehl halblaut zu mir selbst spreche.

Also:Augen auf, Junge!" Ich bummele durch eine kleine thüringische Stadt. Winddurchfegt, kalt und kahl. Die Häuser scheinen zu frieren. Dort, auf dem Kopfsteinpflaster, langsam und breit: eine scheckige Kuh. Mitten über den Marktplatz latscht sie. Hinterher ein alter grauer Bauer. Wenn die Kuh steht und sie steht sehr oft, dann kriegt sie einen Puff. Sie schaut sich dann um, vergewissert sich, ob der Bauer noch da ist. Der nickt ihr nur iu:Los! Mine!" Und dabei lächelt er. Die Kuh schlendert weiter.

Augen auf, Junge!" Die Abenddämmerung ist schon da. An einem Hause flackert eine krumme Gaslaterne. Es ist so still in der Stadt, daß man das Winseln des Windes vernimmt. Da, an der Tür des alten, schönen Hauses, das sich so selbstbewußt gegen den Wind stemmt, an der schweren Tür, unter dem eisernen Klingelzug, steht ein Junge. Ein kleiner Junge in Holzpantoffeln und mit flatternden Haa­ren.. Immer streckt er die Hand zum Klingelzug hoch. Er erreicht ihn nicht. Er ist zu hoch angebracht. Jetzt stellt er die Holzpantoffeln zur Seite, nimmt ein wenig Anlauf, springt hoch, aber immer noch hat er den Klingelzug nicht erreicht. Wieder springt er, sieht sich um und springt noch einmal. Nein, der Klingelzug ist wirklich zu hoch angebracht.

Schon schlüpft er wieder in die Holzpantoffeln und will verschwinden. Aber da stehe ich schon hin­ter ihm. Der Junge tut etwas erschrocken, aber schließlich nickt er fröhlich, als ich ihm erkläre, daß <6) die Klingel für ihn ziehen will. Und ich reiße am Klingelzug. Ein harter, heller Glockenschlag dröhnt durch das Haus. Und noch einer. Da zieht der Junge an meinem Mantel und flüstert mir

freudig erreicht zu:Du, jetzt müssen wir aber rennen!"

Und schon klappern die Holzpantoffeln davon. Wie gejagt. Durch das alte Haus huscht ein Licht. Ich drücke mich verblüfft aus dem Laternenlicht und schleiche lächelnd und katzenflink um die Hausecke.

Die MailänderGcala".

Italiener bedeutendste Opernbühne.

Der Weihnachtstag hierzulande nicht das frohe Fest des engsten Familienkreises wie in der deut­schen Heimat hat in Italien eine einzigartige Bedeutung für das Musikleben dieses gesanglieben­den und theaterfreudigen Volkes. Der 25. Dezember ist der Tag, an dem alljährlich die großen Opern­bühnen Italiens ihre Tore öffnen. Es gehört zu den Merkwürdigkeiten des Landes, daß in den führenden Theatern nur während eines verhältnis­mäßig kurzen Zeitraumes im Jahre gespielt wird. Gewiß, man kann Opern und Schauspiele immer und in recht guten Aufführungen, auch in den klei­neren Städten sehen, vor allem im Hochsommer werden in zahlreichen, für eine riesige Zuschauer­menge eingerichteten Freilichttheatern auserlesene Leistungen geboten, aber die wenigen großen Opernhäuser, die für das Musikleben Italiens ton­angebend sind, spielen nur vom Weihnachtstage bis zum Beginn der Fastenzeit. Das ist eine streng ge­hütete Ueberlieserung.

Alljährlich kommen aus allen Ländern Musiklieb­haber nach Italien, um an einem der berühmten Opernhäuser, sei es an der Scala in Mailand, dem Teatro Reale in Rom, dem Teatro San Carlo in Neapel oder dem Teatro Carlo Felice in Genua eine Aufführung mitzuerleben. Wie viele aber müs­sen enttäuscht heimkehren, ohne ihren Wunsch erfüllt zu sehen, weil sie nicht mit den italienischen Thea­tergepflogenheiten gerechnet hatten und vor ver­schlossene Tore kamen.

Von den großen Opernhäusern Italiens ist das berühmteste dasTeatro a 11 a Scala" in Mailand, das maßgebende Institut auf dem Ge­biete der Musik und besonders der Gesangskunst. Der Ruf des Hauses dringt weit über Italien hinaus. Die Scala verdankt ihre Weltgeltung der alten Ueberlieserung und der Vollendung, mit der die Werke der Bühnenkunst aufgeführt werden.

Das gewaltige Haus erhebt sich an der Stelle der ehemaligen Kirche Santa Maria della Scala und wurde! auf Veranlassung der Kaiserin Maria There­sia nach der Einäscherung des altenHerzoglichen

Sie berühren damit tatsächlich den Punkt, der uns natürlich auch am meisten am Herzen liegt. Dennn von der Lagerführerin hängt im Lager alles ab: Verantwortlichkeit, Treue, Kameradschaft und Pflichtbewußtsein gegenüber der Gemeinschaft muß sie den Mädeln Vorleben, damit ihnen die Zett im Arbeitslager zu einem Erlebnis werde, aus dem sie mutig und zuversichtlich in ihr vielleicht oft recht schweres Leben zurückgehen. Neben der charakter­lichen Festigkeit müssen wir aber von der Lager­führerin noch eine gründliche Kenntnis staats­politischer und volkwirtschaftlicher fragen verlangen, denn der Arbeitsdienst will ja unsere deutschen Mädels nicht nur einseitig ein­setzen im Dienst am Volk, sondern er will ihnen ja auch etwas mitgeben, indem er sie zu einer na­tionalsozialistischen Lebenshaltung erzieht, d. h. sie zu der Erkenntnis führt, welchen Platz im Volke sie auszufüllen haben, wenn sie als Mitgestalterin- nen unseres Volkslebens an der zukünftigen großen Entwicklung teilhaben wollen."

Wie bilden Sie Ihre Lagerführerinnen aus?" Die Ausbildung der Lagerführerinnen hat sich aus der Praxis ergeben. Zuerst war es so, daß sich die Mädchen, die sich im Arbeitsdienst besonders bewährten, über ihre Zeit hinaus im Lager blieben und sich zur Lagerführerin sozusagen heraufdienten. Sie bilden heute verläßlichen Stamm, der immer neue Kräfte heranbildet. Heute hat jede Lagerfüh- rerin eine Kameradschaftsälteste neben einer Gehil­fin, die nach einer gewissen Zeit von uns in Schu­lungsstätten zusammengerufen werden und dort nach einem Plan drei bis vier Monate lang weiter aus­gebildet werden. Wir haben heute bereits vier Bezirksschulen, in denen immer jeweils 50 Anwärterinnen durchgeschult werden. Nach dieser Schulung lassen wir das Mädchen auch noch nicht verantwortlich ein Lager führen, sondern sie muß als Gehilfin oder Verwalterin sich bewäh­ren, bis sie dann eines Tages die ersehnte Auf­gabe anvertraut bekommt, Führerin eines Lagers von 25 bis 30 Mädeln zu werden."

Man kann also sagen, daß sich hier ein neuer Frauenberuf entwickelt?"

Ohne Zweifel verspricht die Tättgkeit der Lager- führerin zu einem der verantwortungsvoll- ft e n und zugleich reizvoll st en Frauen­berufe des neuen Deutschland zu werden. Um ihn auch wirtschaftlich zu unterbauen, arbeiten wir jetzt an neuen Plänen, die nicht nur gute Berufs­aussichten für die Lagerführerinnen schaffen sollen,

sondern die auch eine Versorgung für solche Mäd­chen vorsehen werden, die nicht aus ihrer Arbeit heraus heiraten. Die bisherigen Erfahrungen haben allerdings gezeigt, daß dieser Beruf anscheinend die beste Vorbereitung für die Ehe ist, denn unsere Lagerführerinnen heiraten rascher als Mädel aus anderen Berufen."

Geht es denn nun im Arbeitslager nach einem festen Tagesplan oder stellt jeder Tag andere Auf­gaben?"

Der Tagesplan ist für alle Arbeitslager zeitlich der gleiche. Früh um 5.30 Uhr wird aufgestanden und eine halbe Stunde Frühsport gemacht. Nach dem Anziehen und Aufräumen der Schlafstätte wird die Fahne gesetzt und dann gefrühstückt. Dann be­ginnt sofort die praktische Arbeit beim Siedler, bei der Bauernfrau oder im Haushalt. Unsere Aufgabe ist ja, überall da helfend einzugreifen, wo die Mütter allein vor allzu großem Tagewerk stehen, wo es gilt, die Hausfrau zu einer kurzen Spanne der Erholung freizumachen oder einzuspringen, wo durch Krankheit die Arbeitskraft der Hausfrau vor­übergehend zu ersetzen ist. Ein Teil der Mädchen hat jeweils Lagerdienst, bei dem sie sich natür­lich abwechseln. Nach dem Mittagessen hört die Außenarbeit auf, nach kurzer Ruhepause wird Kaffee getrunken und dann vereinigt die Schulung alle Mädel um ihre Führerin. Da gibt es Schu­lungsstunden über den Arbeitsdienst, seinen Sinn, seine Entwicklung, feinen Einsatz. Es wird gespro­chen vom deutschen Raum, seiner geographischen und politischen Entwicklung. Sie hören von der Geschichte Deutschlands. Die Systemzeit und die Entwicklung der Bewegung wird besprochen, ebenso die Gestaltung des neuen Deutschland, ja sogar die Außenpolitik in ihrer Beziehung zur Sicherung des Friedens Europas. Auch rassepolitische und Bevölke- rungsfragen, Bauerntum und Landwirtschaft, Sied­lung und Arbeitsbeschaffung sind Schulungsgegen­stände. Im Mittelpunkt des Lagerlebens aber stehen naturgemäß die volkswirtschaftlichen und erzieheri­schen Aufgaben der Hausfrau und Mutter. So zieht der ganze Inhalt unseres Volkslebens an dem Geist der jungen Mädel vorüber. Abendbrot und gemein­samer Feierabend beschließen den Tag, der mit dem Einholen der Fahne endet."

So betrachtet, ist der Arbeitsdienst viel weniger ein Opfer als eine Bereicherung für die jun­gen Frauen. Beneidenswert eine Jugend, der solche Bereicherung in ihrem aufnahmefähigsten Alter zuteil wird!" Dr. B > resch.

Kalender und Almanache.

Der Insel-Almanach für das Jahr 1 93 7 (393) enthält wiederum eine Anzahl wertvoller Proben aus neueren Werken des Insel- Verlages und mehrere bisher noch nicht veröffent­lichte Beiträge von Autoren des Verlages. Reinhold Schneider, der Verfasser des hier ausführlich aeroürbigten BuchesDas Jnfelreich", hat eine kleine historische Erzählung aus der Zeit Hein­richs VIII.Die gerettete Krone" beigesteuert. Ger­trud von le Fort erzählt eine feinsinnige Legende Die Vöglein von Theres"; Josef Mühlberger ist mit einer NovelleDas graue Haus mit Dem goldenen Gitter" vertreten. Felix Timmermans schrieb eine flämische LegendeDas Schweinchen und der Einsiedler". Gedichte finden wir von C a - rossa, Theodor D ä u b I e r, Robert F a e f i. Pro­ben aus neueren Werken des Insel-Verlages werden u. a. von Sillanpacae, Schaper, Friedrich Schnack, Waggerl geboten. Aus Anekdoten Friedrichs des Großen, aus Briefen Goethes, aus Reden Meister Eckharts, aus Märchen der Gebrüder Grimm sind interessante Proben wiedergegeben. Von den Bil­dern nennen wir Gemälde von Leo von König, aus dessen Biographie von Reinhold Schneider und zwei Plastiken Meister Brüggemanns vom Bordesholmer Altar. Alles in allem gibt der von Walter Tiemann entworfene Almanach wiederum einen umfassenden Ueberblick über das vielfältige Schaffen eines der repräsentativsten deutschen Verlage.

Ludwig Richter: Abreiß-Kalender 19 3 7. Mit rund 100 Zeichnungen nach Holzschnitten

des Meisters, zwei vierfarbigen Kunstdruckbeilagen und einem vierfarbigen Titelblatt. 23. Jahrgang. Preis 1,60 Mark. Verlag von Georg Wigand, Leip­zig. (415) Die Kunst Ludwig Richters ist reiner Ausdruck der deutschen Seele. Tiefe Fröm­migkeit spricht aus den biblischen Bildern, Innig­keit und Gemütstiefe aus den Bildern des Fami­lienlebens, verschmitzte Schalkheit aus so mancher der meisterhaften Zeichnungen. Seit über zwei Jahrzehnten ist der Ludwig-Richter-Kalender be­strebt, das Erbe des Künstlers zu hüten und zu bewahren und es dem ganzen deutschen Volke, vor allem aber der Jugend, zu erschließen und vor Augen zu führen. Immer wieder neue aber fast in Vergessenheit geratene Schätze holt er hervor und bringt so auch in diesem neuen Jahrgang mie­de" eine Reihe teils bisher noch unveröffentlichter, teils noch so gut wie unbekannter Zeichnungen Lud­wig Richters. Wer diese Blätter Jahr für Jahr sorgfältig in einer Mappe sammelt, nennt bald einen Schatz sein eigen, um den ihn mancher be­neiden mag.

Dien ft am Deutschtum. Jahrweiser für das deutsche Volk. 1937. Mit 55 Bildblättern. Preis 1, Mk. I. F. Lehmanns Verlag, München. (521) Der Jahrweiser bringt eine Anzahl guter Bilder und viele fesselnde Texte, die alle im Zeichen von Volkstum, Heimat, Rasse, Führertum, Kunst, Wehrhaftigkeit und Germanentum stehen Der Jahr­weiser regt zum Nachdenken über unsere deutschen Lebensaufgaben an. Er ist nicht nur fürs Haus,

Theaters" vom Baumeister P i e r m a r i n i errich­tet. Nach zweijähriger Bauzeit wurde das Theater 1778 eingeweiht. Abgesehen von einer vor wenigen Jahren durchgeführten Erweiterung des Bühnen­hauses steht das Theater, in dem etwa 3000 Zu­schauer Platz finden, heute noch in seiner ursprüng­lichen Gestalt.

Mit der Eröffnung dieses Hauses, in welchem bis zur Gegenwart fast 350 Opernwerke zur Erst­aufführung gekommen sind, beginnt für die italie­nische Musik eine neue Zeit. Wechselvoll waren die Schicksale der Scala im Laufe der 158 Jahre ihres Bestehens, nicht immer waren die wirtschaftlichen Verhältnifse derart, daß der Bestand der Bühne als gesichert gelten konnte, aber die Schwierigkeiten wurden immer überwunden, und das Jnstttut blieb künstlerisch auf einer unerreichbaren Höhe.

Als besondere Merkwürdigkeit mag erwähnt wer­den, daß das Theater in den ersten Jahren in der Hauptsache von Betrieben erhalten wurde, die nicht das geringste mit künstlerischen Zielen zu tun hatten; so flössen die Einnahmen außer von den Logenbesitzern aus einer im Hause befindlichen Konditorei und einer Weinhandlung zu. Die beste und sicherste Einnahmequelle der Theaterleitung aber war 20 Jahre hindurch das Glücksspiel, das in der Vorhalle des prunkvollen Hauses eifrig betrieben wurde! Nach dessen Abschaffung wurde die Scala unter der österreichischen Herrschaft und dann, nachdem Mailand 1859 zum neugegründeten Königreich Italien gekommen war, staatlich unter­stützt. Später aber hörten alle Zuwendungen auf, das Theater ging in städtischen Besitz über und hatte jahrzehntelang schwer um seinen Bestand zu kämpfen. Erst unter der faschistischen Herrschaft wurde die Scala als nationale Kunststätte unter die Verwaltung einer Körperschaft gestellt, deren Präsidenten der italienische Regierungschef ernennt. Damit waren die Grundlagen für eine Zeit neuen Aufschwunges gegeben.

Aus den Eigenheiten des italienischen Theaters ist auch die Tatsache zu erklären, daß die Scala kein ständiges Orchester besitzt. Alljährlich werden die 100 Mitglieder nach sorgfältigster Aus­wahl neu verpflichtet; allerdings greift man im allgemeinen auf die bewährten Kräfte der ver­gangenen Spielzeit zurück, so daß trotzdem die größte Einheitlichkeit gewahrt bleibt. Schon seit den Anfängen des Theaters wurde das Scala- Orchester von den bedeutendsten Kapellmeistern Italiens geleitet. Bis zum Jahre 1868 dirigierte jeweils der Erste Geiger, dann wurde erst das Amt einerMaestro Concertatore geschaffen, das als erster Mazzuccato bekleidete.' Um die Jahr­

hundertwende, als T o s c a n i n i zum erstenmal als Kapellmeister an der Scala tätig war, wurden auf feine Anregung gleichzeitig mehrere Orchester­dirigenten berufen und damit ein weiterer Schritt zur künstlerischen Ausgestaltung getan, da sich nun jeder einzelne mit noch größerer Sorgfalt seinen besonderen Aufgaben widmen konnte.

Mit der Mailänder Scala sind die Namen der großen italienischen Tonschöpfer aufs engste ver­bunden. Rossini, Donizetti und Bellini feierten mit ihren Werken in Mailand die größten Triumphe, besonders rege Beziehungen bestanden zwischen der Scala und Verdi. Zu den großen Verdiensten der Scala gehört es, daß das Theater nicht in seiner Ueberlieserung erstarrt, sondern auch die jungen Kräfte und das ausländische Musik­schaffen neben den erprobten und beliebten alten Meistern zu Worte kommen läßt. Ein Blick auf den Spielplan der zu Weihnachten 1936 beginnen­den Spielzeit zeigt deutlich, wie Altes und Neues nebeneinander seine Pflege findet: Neben dem Liebeselixier" von Donizettt und Verdis Meister­operAida" werden Richard WagnersTristan und Isolde", GlucksIphigenie auf Tauris" und MassenetsManon" aufgeführt. Die neuere Opernmusik ist mitNero" von Mascagni und mehreren Werken von R e s p i g h i vertreten, dessen nachgelassene OperLucrezia" am 24. Februar zur Uraufführung kommen wird. Weitere Werke leben­der italienischer Komponisten, die in der dies­jährigen Spielzeit in der Scala zu hören sein wer­den, sindFrancesca da Rimini" von Zandonai, Debora" undJaele" von Pizetti,Notturno Romanttco" von P i ck - M a n gi a g a l l i und Madonna Jmperia" von Alfano. Schließlich ist kurz vor dem Schluß der Spielzeit noch die Ur­aufführung der OperFrines Tod" von Rocca vorgesehen.

6od)fd)ulnacb richten.

Dem Dozenten an der Universität Marburg Dr. med. Hellmuth Iusatz, der zur Zeit am Kai- ser-Wilhelm-Jnstitut in Berlin-Dahlem beschäftigt ist, wurde durch die Medizinische Fakultät der Uni­versität Berlin in Anerkennung seiner wissen­schaftlichen Leistungen das Blumbachsche Reise- Stipendium zuerkannt, das für eine wissenschaftliche Forschungsreise im Ausland bestimmt ist

Der Herr Minister hat dem Dr. med. habil. Friz Stähler in Frankfurt eine Dozentur für das Fach Geburtshilfe und Frauenheilkunde in vcr Medizinischen Fakultät der Universität Frank­furt verliehen