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ttrJOOrittes Blatt

Gietzen.er Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Mittwoch, 29. April (936

Der 1. Mai in Gießen

Anordnungen und Marschordnung für den Ltmzug. Kundgebung auf Oswaldsgarten

der

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Aus der Provinzialhauptstadt

Die der des

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1.

2.

3.

1.

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3.

Mann

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Mann des HI. marschiert in

Marschgruppe I Sturmfahnen der Gießener SA. Sturmfahnen des NSKK. Gießen. Fahnen der Hitler-Jugend.

Marschgruppe II:

Fahnen der Gießener Ortsgruppen. Fahnen der Arbeitsfront.

Fahnen des Jungvolks.

In G r ü n i n g e n mit Holzheim, Dorf-Gill, Eberstadt, Ober-Hörgern. Leitung: OG. und Unter­bannführer Buß.

In L i ch mit Steinbach, Albach und Langsdorf. Leitung: OG. und Gefolgschaftsführer Lerch

In M u s ch e n h e im mit Bettenhausen, Birklar, Bellersheim, Obbornhofen. Leitung: OG. Betten­hausen und Gefolgschaftsführer Jost, Hungen.

In Hungen mit Villingen und Langd. Leitung: OG. und Gefolgschaftsführer Schlesinger.

In Trais-Horloff mit Inheiden, Utphe, Rodheim, Steinheim, Rabertshausen. Leitung: OG. und Fähnleinführer Bocher.

In Ettingshausen mit Röthges, Rieder- Bessingen, Ober-Bessingen, Ronnenroth, Münster, Harbach, Hattenrod. Leitung: OG. Ettingshausen und Fähnleinführer M e n g e l.

In G r ü n b e r g mit Queckborn, Lauter, Weik- kartshain, Saasen, Göbelnrod. Beltershain. Rein- hardshain, Stangenrod. Leitung: OG. Grünberg und Fähnleinführer G r a v e l i u s.

In Großen-Bufeck mit Oppenrod, Burk­hardsfelden, Alten-Buseck, Rödgen, Trohe, Bersrod, Reiskirchen, Beuern, Lindenstruth, Annerod. Lei­tung: OG. Grohen-Buseck und Unterbannführer Schneide«

In Lollar mit Ruttershausen, Mainzlar, Stau- feberg, Daubringen. Leitung: OG. Lollar und Fähn­leinführer U h r b e r g.

In Londorf mit Kesselbach, Allertshausen, Allendorf, Treis, Klimbach. Leitung: OG. Londorf und Gefolgschaftsführer Nachtigall.

In G e i l s h a u s e n mit Lumda, Odenhausen, Weitershain, Rüddingshausen. Leitung: OG. Geils­hausen und Fähnleinführer Schlapp.

Die Kundgebungen im ehemaligen Kreis Fried­berg werden wie im Vorjahre durchgeführt.

Kreisleitung Wetterau der NSDAP.

Ehrenabteilung des Jungvolks marschiert in Mitte des Zuges hinter dem Spielmannszug Jungvolks.

Fahnengruppen am 1. Mai.

1. SA. 120

2. NSKK. 120

3. HI. 120

Die Ehrenabteilung

Mitte der Gruppe I hinter dem Spielmannszug der Hitler-Jugend.

Marschgruppe II:

1. Bereitschaft der PL., 60 Mann.

2. Arbeitsdienstabteilung Gießen.

3. NSBO.-Bereitschaft, 60 Mann.

4. Werkscharen der DAF., 60 Mann.

5. NSDStB.

6. Jungvolk, 60 Mann (ältere Führer).

Der NSDStB. marschiert vor der Universität.

116 marschieren an der Spitze der Marschgruppe I. In der Mitte der Marschgruppe I marschiert Spielmannszug der HI.

Schönheit am Wege.

ZdR. Kein Weg führt durch die Landschaft, der ganz ohne Schönheit wäre. Unsere deutsche Heimat ist so mannigfaltig und abwechselungsreich, daß das Auge immer wieder neue Bilder und Schönheiten findet, im Sommer wie im Winter, im Herbst wie im Frühling, der uns jetzt wieder mit sprudelndem Leben entgegenströmt. Und wenn Tausende an einer bescheiden am Wegrand stehenden Blume achtlos vorübergehen, der, dessen Auge sie sucht, wird sich tausendfach darüber freuen. Unzählige aber suchen nach dieser verborgenen Schönheit und dem Lieb­reiz, den die bunten Blümchen dem Wegrand ent­strömen lassen. Wer sie daher für sich allein in Anspruch nimmt und sie pflückt oder mutwillig zer­trampelt, nimmt tausenden genießenden Wanderern und Spaziergängern ihr stilles Glück, das ihre Augen in verborgenen Schönheiten suchen. Nie­mandem wird ein kleines Blümlein am Wegrande zu pflücken verwehrt, wenn sie zu Tausenden die Straßen umsäumen. Aber jeder muß an die ande­ren denken, die nach ihm des Weges kommen und die gleiche Freude an den lieblichen Blumen gewin­nen wollen. Es ist rücksichtslos und maßlos an­spruchsvoll, wenn jemand den Weg seiner Schön­heit beraubt, die Sträucher und Blumen pflückt und sie nachher sogar achtlos fortwirft. Wie häßlich sehen so verwüstete und verunzierte Wege aus! Immer wieder muß man beobachten, wie die ersten Kätzchen der Weiden, oder das frische Grün der Birken massenweise abgebrochen sind und die kahlen Stümpfe anklagend gen Himmel ragen und den ganzen Sommer über die Wanderer an ihre rück­sichtslosen Gefährten erinnern. Wer so mutwillig die Landschaft und die Schönheit am Wege ver­schandelt, ist ein Feind der Volksgemeinschaft, weil er gegen seine Volksgenossen rücksichtslos ist und Millionen von Wanderern eine stille Freude nimmt.

Dornotizen.

Tageskalender für NUttwoch.

NSG.Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.45 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum. Stadt- theater: 19.30 bis 22 UhrTowarisch". Gloria-

Musikzug der Marine-SA. marschiert an Spitze der Marschgruppe II. In der Mitte Marschgruppe II marschiert der Spielmannszug Jungvolks.

Ehrenabteitungen am 1. Mai

Marschgruppe I:

Palast, Seltersweg:Artisten". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Mazurka". Oberhessischer Kunst­verein (Turmhaus am Brandplatz): 17 bis 18 Uhr Ausstellung von Werten von Fritz Heidingsfeld- Danzig und P. A. Böckstiegel-Dresden.

Sladllhealer Gießen.

Heute, von 19.30 bis 22 Uhr, der neue Curt Goetz Towarisch", Komödie von Jacques Deoal, bear­beitet von Curt Goetz. Spielleitung: Wolfgang Kühne. 28. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement.

Hausfrau,

bezahle beim Empfang die Milch!

Nach Errichtung des Milchoerforgungsverbandes im Jahre 1933 wurden ab 1. September innerhalb des Verbandsgebietes die Ein- und Verkaufspreise für sämtliche Milchhändler festgesetzt. In der gleichen Anordnung wurde auch bekanntgegeben, daß von diesem Tage ab alle Milch täglich bar zu bezahlen ist; dadurch mußten zwangsläufig die Milchhändler auch Barbezahlung bei den Verbrauchern ein­führen.

In letzter Zeit wurden jedoch Wahrnehmungen gemacht, daß die Milchverteiler wieder einen größeren Teil ihrer Milch auf Kredit an die Ver­braucher abgeben müssen. Vielleicht hat der eine oder andere Milchhändler Angst, daß er den Kun­den verliert, wenn er auf Barzahlung besteht. Jede Hausfrau wird jedoch einsehen, wenn der Milch­händler täglich seine Ware bezahlen muß, kann er den Tag schon voraussehen, an welchem ihm dies nicht mehr möglich ist, falls nicht auch er täglich sein Geld einnimmt.

Mit Recht ist der Bauer an die vorderste Stelle im neuen Reich gestellt worden; hängt doch von ihm allein die Nahrungsfreiheit des deutschen Vol­kes ab. Aber nur, wenn er für die gelieferte Ware auch sein Geld bekommt, kann dieses Ziel erreicht werden. Nur dann, wenn jeder, auch der Ver­braucher, seine Pflicht tut, werden wir schneller und leichter über diese Zeit hinwegkommen.

Nochmals! Deutsche Hausfrau, bezahle beim Empfang die Milch bar.

Lugendkundgebungen am 1. Mai.

Um 8.30 Uhr finden überall Jugendkundgebungen statt. An diesen Kundgebungen nimmt die ganze deutsche Jugend teil. Nichtorganisierte Schüler und Schülerinnen über 10 Jahre werden von den Schu­len erfaßt. Mit der Führung der HI. sind folgende zentralen Kundgebungen im ehemaligen Kreis Gie­ßen festgelegt worden:

In Gießen auf dem Oswaldsgarten für Gie­ßen. Leitung: Bannführer Schreiber.

In Klein-Linden mit Allendorf a. d. Lahn, Heuchelheim. Leitung: Ortsgruppe Klein-Linden und Gefolgschaftsführer Kreiling.

In W i e s e ck für Wieseck. Leitung: OG. Wieseck und Fähnleinführer T a e s l e r.

In Lang-Göns mit Großen-Linden und Leih­gestern. Leitung: OG. Lang-Göns und Gefolgschafts­führer Faber.

In Watzenborn-Steinberg mit Garben­teich und Hausen. Leitung: OG. und Fähnleinführer S ch m a n d t.

Es wird in zwei Marschgruppen marschiert:

Marschgruppe I.

Aufstellung im Hitlerwall, Spitze an der SS.- Standarte. Anmarsch nur durch den Hitlerwall oder Moltkestraße, Marschleiter der Marschgruppe I ist Kreiswalter der DAF. Wagner, Stellvertreter ist der stellvertretende Kreiswalter der DAF. Jung. Zur Unterstützung werden herangezogen die Mit­arbeiter der Kreiswaltung Gießen.

Zur Marschgruppe I gehören:

Sämtliche Betriebe, wie Reichsbahn, Ta­bakindustrie, Bänninger, sämtliche Betriebe und Arbeitsstellen der Stadt, Sparkasse, alle Banken, Poppe, Schaffstaedt, Heeresverwaltung, Heeres- bauamt, Heil- und Pflegeanstalt, Denninghoff. O. T., Gießener Anzeiger, Stempel-Kreuter, Grieb mit Filialen, Gailsche Werke, auch sämtliche anderen Betriebe, die nicht aufgezählt sind.

Freie Berufe, wie Aerzte und ihre Mitar­beiter, soweit sie nicht in den Kliniken beschäftigt sind, Rechtsanwälte mit Büropersonal, Versiche­rungsbüros.

Angestellte, Reichsnährstand, soweit er in Gießen vertreten ist.

Marschweg der Gruppe I:

Hindenburgwall, Goethestraße, Seltersweg, Ka- plansgasse, Bahnhofstraße, Neustadt, Oswaldsgarten.

11.15 Uhr ist d i e Gruppe I angetreten. Dieser Zeitpunkt muß pünktlich eingehalten werden. Alle Betriebe müssen also spätestens um 11.15 Uhr im Hitlerwall sein.

Abmarsch 11.30 Uhr.

Marschgruppe II.

Aufstellung in der Ludwigstraße, Spitze Ecke Ludwigstraße/Bleichstraße. Anmarsch nur vom Lud- wigsplatz her, Marschleiter der Margruppe 2 ist Ortsgruppenleiter Thomas, Stellvertreter Kreis­handwerksmeister S t ü h l e r. Zur Unterstützung werden herangezogen die erforderliche Anzahl po­litischer Leiter aus der Ortsgruppe Gießen-Nord.

Zur Marschgruppe II gehören:

Handel, Handwerk, Gewerbe. Dazu ge­hören sämtliche Geschäfte Gießens, sämtliche In­nungen, Kraftfahrzeuggewerbe.

Sämtliche Behörden, wie Universität mit allen Kliniken. Vor der Universität marschiert die Ehrenabteilung des NSDSt. Die Reihenfolge in­nerhalb der Universität bestimmt der Rektor.

Es gehören ferner dazu: Polizei, Arbeitsamt, alle Gerichtsbehörden, Provinz, Kreisamt, Zoll, Finanzamt, Reichsbank, Forstbehörden, Vermes­sungsämter, Post, alle Krankenkassen, Biebertal­bahn, Schulen auch Privatschulen. Sämtliche Lehrer aller Schulen, alle Angestellte an Schulen treten um 11 Uhr im Hofe des Realgyrnnasiiums an. Geistliche Behörden.

Marschweg der Gruppe II:

Bleichstraße, Hindenburgwall, Horst-Wessel-Wall. Oswaldsgarten.

11.15 Uhr ist die Gruppe II angetreten. Dieser Zeitpunkt muß pünktlich eingehalten werden.

Abmarsch: 11.30 Uhr.

Anordnungen für beideMarschgruppen.

Bis auf die Ehrenabteilungen wird in Achter- Reihen marschiert. Eine bestimmte Reihenfolge innerhalb der einzelnen Marschgruppen wird nicht festgelegt. Die Reihenfolge erfolgt in der Reihen­folge der Ankunft der einzelnen Betriebe.

Aufmarsch auf Oswaldsgarten.

Die Aufmarschrichtung auf Oswaldsgarten hat der SS.-Sturmbannführer H a i n b a ch. Die Absper­rung erfolgt durch die SS.

Auf Oswaldsgarten findet die Uebertragung des Staatsaktes aus Berlin statt. Es spricht der Führer.

Anfragen in Zweifelsfällen täglich zwischen 15 und 16 Uhr bei der Kreisleitung (Tel. 4032).

Kapellen am 1. Mai.

Folgende Kapellen stellen sich am 1. Mai zur Verfügung:

1. Musikzug und Spielmannszug der SA.-Stan- darte 116.

2. Musikzug der Marine-SA.

3. Spielmannszug der HI.

4. Spielmannszug des Jungvolks.

Musikzug und Spielmannszug der SA.-Standarte

Oie Ehrenliste

des Sturmes 5/116 liegt zur Einzeichnung des

Dankopfers der Nation für den Führer

ab 28. April im Fahnensaal des S (an* dartengebäudes zu Gießen (Ecke Senckeu- bergstrahe Landgraf-Philipp-Plah)

Wochentags von 18 bis 21 Uhr

Sonntags von 9 bis 18 Uhr offen.

Deutscher Volksgenosse! Trage auch du einen Teil deiner Dankesschuld an den Führer durch Einzeich­nung in die Listen des Dankopfers ab!

DerWea zum chorifchen Spiel.

Von Claus Dörner.

Die immer wiederkehrende Aufgabe, bei Veran­staltungen und Elternabenden Jungen handelnd auf die Bühne zu stellen, wird durch die vorhandene Spielbegeisterung und die Lust zur Darstellung ganz wesentlich erleichtert. Wollten wir mit einer Gruppe von Erwachsenen, die niemalsöffentlich aufgetreten" sind, ein Laienspiel aufführen, so wür­den sich diesem Versuch gewaltige Schwierigkeiten entgegenstellen. Der Erwachsenegeniert" sich, er ist allzu überheblich, als daß er sich restlos und alles vergessend in seine Rolle hineinversetzen könnte. Er denkt immer an seine Wirkung und ist dadurch gehemmt.

Ein Pimpf spielt frisch drauflos. Ihm ist es zu­nächst gleichgültig, was andere über sein Spiel sagen, ja wird er nicht gerade an die Rampe ge­stellt, so denkt er gar nicht an die Leute im Zu­schauerraum. Läßt der Regieführende nie eine Lampensieberstimmung aufkommen und gibt er dem Gedanken an Publikumsangst gar nicht erst Raum, so wird er mit elf- und vierzehn- und sechzehnjähri­gen Jungens beste Leistungen zeigen können Lei­stungen, nicht so sehr auf Grund mimischer oder sprachlicher Effekte, sondern auf Grund einer Le­bendigkeit und inneren Wahrhaftigkeit des Spieles, die man nur allzuoft an Berufsschauspielern ver­missen muß. . .

Die Voraussetzungen für einTheater der Ju­gend" sind gegeben. Bei keinem großen Theater könnte die Anteilnahme beider Teile der Spieler und der Zuschauer stärker sein!

Wenn wir heute kein Jugendtheater besitzen, wenn wir nur selten, sehr selten einmal ein gutes Laienspiel sehen können, so liegt die Schuld nicht auf der Seite der Darstellenden. Es fehlen die Stücke! Diese Feststellung soll keine Aufforderung an eine bestimmte Gruppe vonSchriftstellern und Verlegern fein, noch mehr der sogenannten Jugend­spiele zu produzieren. Im Gegenteil die Zahl sol­cher Spiele, die im Druck erschien und durch Druck- fachen und Prospekte in allen Gliederungen der Hitler-Jugend propagiert werden, ist ins Ungemes­sene gestiegen. Nur leider ist das kein Beweis für Güte. . .. ,

Doch es ergibt sich jedenfalls daraus, wie stark das Interesse in allen Gefolgschaften, Fähnlein und Mädelgruppen für das Laienspiel ist. Dabei ist oft erstaunlich, wie ein paar Pimpfe in einemkleinen Dorf nur durch ihre Begeisterung aus dem übelsten Schmarren noch eine ganz gute Sache machen.

Warum wird nichts Besseres geschrieben?

Es gibt eine Laienspieltradition. Aus ihr ist Neues nicht zu entwickeln. Das Laienspiel alten Stiles ist tot. Es ist besser, man trifft eine solche Feststellung in ihrer vollen Härte, als daß man versucht, einem Leichnam Scheinleben einzuhauchen.

Auch die höheren Schulen bemühten sich immer um Schüleraufführungen. Da wurden einige klas­sische Dramen gespielt, in erster Linie immer der Wilhelm Tell". Man kann mit ausgewählten älteren Schülern auch solche Stücke mit Erfolg vor den Eltern aufführen, die schwierige schauspielerische Leistungen verlangen (also auch moderne Bühnen­stücke!).

Diese Erfahrung machte sich in einer großen deutschen Stadt ein Unterbann der HI. zunutze und versuchte sich an derEndlosen Straße", dem be­kannten Kriegsstück von Graff und Hintze. Es war auf keinen Fall ein Mißerfolg, denn Jungens und Führer hatten Zeit und Liebe zur Sache daran ge­wendet. Doch es konnte kein vollständiges Gelingen werden. Derjenige, der das gleiche Stück im Schau­spielhaus der gleichen Stadt gesehen hatte und obgleich es lange zurücklag noch tief unter dem Eindruck stand, empfand deutlich, daß hier lebendige Kraft falsch angesetzt war, daß Jungens sich nicht der Kunst berufener Schauspieler an die Seite stel­len können.

Und sollen sie denn das? Es würde nie der Eigenart des Laienspiels entsprechen und kann nie die Aufgabe der Hitler-Jugend fein, zweitklassige Schauspielkunst zu bieten. Ihre Art erfordert andere, gemäßere Ausdrucksmöglichkeiten.

Der einfache Sprechchor gibt unseren Feier­stunden tiefgreifenden Gehalt. Aber um ihn seiner besonderen Wirkung nicht zu berauben, müssen wir ihn uns sparen für die seltenen Stunden, da in unserer Gemeinschaft das laute Wort, das Kom­mando, das Lachen verstummt, da wir eins werden im Gedenken der Pflicht.

Stellen wir uns vor die Eltern und die Außen­stehenden, so müssen wir aus allem geben, müssen aus unserer Art in ihr Denken treten, müssen zu- gleich wuchtig und hart in unserer Sprache, farbig und blutvoll in unserem Bild, mitreißend und klin­gend in unserer Musik sein. Das alte aus dem In­dividualismus gewordene Laienspiel kann weder uns noch ihnen geben. Wollen wir von unserer Idee sprechen, so bedürfen wir nicht der Figur eines Dramenhelden, sie herzusagen; wir müssen selbst ihre Träger auf der Bühne stehen und hämmern und rufen, bis wir verstanden werden.

Die uns wesensgemäße Darstellungskraft ist das Sprechchorspiel! Kurze Szenen, knappe

Bilder werden ausgefüllt durch die hallenden Worte der namenlosen Sprecher, der Chöre. Auf einander zuwuchtende Gruppen als Verkörperung von Ge­gensätzen; Kolonnen, Gesang, Trommeln und symbolische Sinngebungen fügen zu einem Bild, was Vielheit schien, lieber naturalistische Darstel­lung hinweg findet unsere Zeit in solchem Spiel ihren eigentlichen Ausdruck. Denn es ist nicht da­mit getan, daß man alte Formen mit neuen Wor­ten erfüllt. Für die jungen Ideen gelten auch neue Formgesetze. Wir denken mit Grausen zurück an ein Schauspiel, in dem die Komplexe krankhafter Individuen zurProblematik" erhoben wurden.

Unser Sprechchorspiel darf sich nie verflachen, sich nie einer nur persönlichen und für das Gesamtschick- sal unbedeutenden Not annehmen. Auf die Bühne der jungen Generation gehört die Vielheit der ein­zelnen ebensowenig, wie wir sie auch im Leben nicht anerkennen.

In unseren Spielen soll der Gedanke von Füh­rung und Gefolgschaft nicht nur verkündet werden, er muß vielmehr in der Art der Spiele selbst Aus- druck und Form finden!

So wird einmal aus dem Sprechchorspiel, das die HI. sich schuf, mehr werden und in dem Spiel der Jugend die das Spielen noch nicht als einen Beruf auffaßt der Grund gelegt werden für die der werdenden Epoche gemäße Bühnen­kunst.

Eine weiße Fran in der »Verbotenen Stadt".

Einer tapferen Fr«u, Mme. Alexandra David- Neel, Norwegerin von Geburt, durch Heirat Französin, ist es gelungen, die heilige Stadt Lhasa in Tibet als ersteweiße Frau" zu betreten. Sie hat damit etwas ganz Außergewöhnliches erreicht, denn Lhasa, die Hauptstadt Tibets, Sitz der Dalai- Lamas, ist ein geheimnisvolles, den Forschern un­erschlossenes Gebiet, kaum je von einem Fremden, geschweige denn von einer Frau betreten. Alexandra Daoid - Neel, bekannt durch ihre Studien auf dem Gebiet orientalischer Religionen, eine unermüd­liche Forscherin, hatte, wie eine englische Zeitschrift erzählt, bereits viermal Tibet bereift. Sie pflegte dies in der Verkleidung einer vornehmen tibeta­nischen Nonne, die mit reicher Begleitung reifte. Die Dorfleute umringten unterwegs die vornehme Nonne im goldbrokatenen Gewand und baten um ihren Segen. Für die heilige Stadt mußte sie eine wirksamere Verkleidung wählen, wenn ihr Plan ge­lingen sollte. Sie muhte als tibetcmifche Bettlerin

zu Fuß daherkommen. Sie beherrscht die tibeta­nische Sprache nicht nur in der Ausdrucksweife der Gebildeten, sie war auch gut unterrichtet in der Gedankenwelt des einfachen Volkes. Es war aber doch ein großes Wagnis, monatelang eine verwit- terte alte Bettlerin mit mongolischen Gesichtszügen vortäuschen zu wollen. Sie rieb ihr Gesicht mit einer Mischung von Kakao und geriebener Kohle ein, färbte ihr kurzes Haar mit chinesischer Tusche, steckte sich glänzende Zöpfe von Pferdehaar an und um­wand den Kopf mit einem Tuch. Ihr Gewand war zerlumpt. Sie wurde allein von ihrem Adoptivsohn, dem jungen tibetanischen Lama Pongden begleitet. Mit unerschöpflicher Energie drang Frau Neel über unwegsame Bergpässe, durch Eis und Schnee zu der heiligen Stadt vor. Niemand sah etwas anderes an dieser alten erschöpften Frau als eine Bettlerin. Nur einmal hätte sie sich fast verraten. Als sie sich in einem Dorf Tee kochte, hörte sie plötzlich die Umstehenden flüstern:Seht die weißen Hände, das ist eine Fremde." Eilig schwärzte sie sich ihre Hände mit dem Ruß des Teekessels und verließ das Dorf, so rasch sie konnte. Ein anderes Mal wurde sie von einem Beamten angesprochen und ausgefragt. Getreu den tibetanischen Gebräuchen warf sie sich zu Boden, um ihre Ehrfurcht zu be­zeugen. Der Beamte schien mißtrauisch, aber Frau Neel rettete die Lage, indem sie denselben auf so komische Weise anbettelte, daß er lachen mußte und ihremEnkel" einenKupfernen" gab. Die Bettlerin bedankte sich auf die höflichste tibetanische Weise, indem sie ihre Zunge so lang als möglich herausstreckte. Während ihrer Wanderung wurde es unerträglich kalt, Schneestürme setzten ein und die Bettlerin" befand sich mehr als einmal mit ihrem Enkelsohn" in größter Lebensgefahr. Kurz vor dem Ziel verirrten sich die Wanderer und waren nahe daran, vor Erschöpfung und Hunger liegen zu bleiben. Die Vorräte waren aufgezehrt und das Fett, das ihnen zum Stiefeleinreiben diente, mußte als Nahrung herhalten. Der Einzug in die heilige Stadt, nach viermonatiger Minderung, aber wurde von einem merkwürdigen Ereignis begleitet. Ein furchtbarer Sturm jagte die Bettler, in dunkle Wolken von Staub gehüllt, durch die sonst so be­wachten Tore in die Stadt hinein. Als der Sturm abgeebbt war und sie noch halb geblendet von Sand und Staub endlich zu sich kamen, grüßte eine freundliche Stimme die Ankömmlinge.Wünschest Du ein Zimmer, Mutter?" fragte eine junge Frau, ich sehe, Du kommst von weit her. Du mußt müde sein! Komm mit." Alexandra David-Neel blieb zwei Monate unerkannt in Lhasa und verließ die Stadt dann bereichert durch eingehendes Studium.