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Oie Tippgräfin.

Roman von Klothilde v. Siegmann.

Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin, SW 68.

1. Kapitel.

Niemals gebe ich dich auf!"

Frau Pauline Wodny" stand auf dem schlecht geputzten Schild an der Wohnungstür im vierten Stock. Darunter eine fein gestochene Visitenkarte: Erhard von Hagen."

Mit Herzklopfen stand Mariella vor dieser Tür. Welche Furcht hatte sie heute wieder einzutreten! Ihre Hand, die aussah wie die Hand eines Kindes, zuckte ein paarmal nach dem Klingelknopf, um scheu wieder herabzusinken. Sie fühlte, wie ihr das Herz bis zum Halse schlug. Das waren nicht die vier Treppen. Wie leichtfüßig konnte sie die sonst hinauflaufen, wußte sie Erhard allein! Heute aber hörte sie aus der Küche, dicht am Eingang, schon das laute Geklapper von Töpfen. Frau Wodny war also zu Hause. Wie sie sich vor dieser Frau fürchtete! Seitdem sie hierher kam, musterte Frau Wodny sie mit gehässigen Blicken. Jeden Tag fürch­tete Mariella, es würde zu einem Auftritt kom­men. Und du lieber Gott im Himmel, was sollte sie tun? Erhard brauchte sie doch! Wenn sie ihm das Manuskript seines Buches nicht abschrieb wer sollte es dann machen? Er hatte keinen Pfen­nig, um eine Hilfskraft zu bezahlen. Und ausziehen konnte er erst recht nicht. Denn auch dazu fehlten ihm die Mittel. Es blieb nichts übrig; sie mußte tapfer sein! Sie mußte aushalten! Der Geliebte selbst mußte ja noch viel Schlimmeres ertragen.

Ein entschlossener Ausdruck trat auf ihr zartes Gesichtchen. Sie drückte auf den Klingelknopf. Die Klingel schrillte gellend. Und nun fuhr Mariella doch zusammen: dies Klingelzeichen paßte genau zu dem schrillen Organ Frau Wodnys.

Harte Schritte näherten sich der Tür:

Ach, Sie sind's schon wieder!" sagte eine große, knochige Frau mit spitzem Gesicht und kleinen, spähenden Augen.Müssen Sie denn jeden Tag kommen, den Gott gibt, Fräulein?"

In Mariella bäumte sich alles auf gegen den Ton der Frau. Aber sie mußte ruhig bleiben. Sie durfte Frau Wodny nicht reizen, um Erhards wil­len nicht. So antwortete sie denn, so ruhig sie konnte:

mu^utzv Tag, Frau Wodny! Sie wissen doch, ich PS*nnö*'9l1on Hagen bei der Arbeit helfen." rieUa fdinon neit!" ^hnte die Frau, indes Ma- das nelann ihr lt)r vorbeizuschlüpfen suchte. Doch in den Weg.^ Wodny stellte sich ihr

üe'mll ihrer iefet geschwiegen, Fräulein!" sagte i t ihrer ftf)nr[en Stimme.Aber mal ist's aus.

Aus der Provinziathauptsiabt.

März.

Von Reinhold Braun.

Und täglich wird des Lichtes mehr; die Hoffnung singt ihr Lied am Hang, und aus der Tiefe klingt es her wie leiser, sehnender Gesang.

Und liegt's in dir noch winterschwer, träum' dir den Mai in dein Gemüt! Denn täglich wird des Lichtes mehr. Sing' morgenfroh des Lichtes Lied!

Man muß ihn sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken, den März! Zuweilen will er unsre feinste Spürsamkeit, wenn er zagend daher kommt, wenn der Winter ihn noch in bitteren Fesseln hält.

Es gibt Monatsnamen, die man getrost in ein Zeitwort umwandeln kann. Dazu gehören der Mai und auch der März. Wenn wir sagen:Es mait!", Es märzt!", so ist das, als ob etwas Unsagbares durch uns hinrinnt, als trüge uns ein ewig-wunder­barer Impuls. Stehen wir dann mit unserem Gemüt nicht in einem rätselvollen Strome, der Beglückung um Beglückung schenkt! An dem, w i e wir den März zu erleben wissen, können wir erfahren, wieviel ge­sunde, junge Spürkraft noch in uns ist.

Eine segelnde, lenzhafte Wolke im hohen Raum, ein leises Vogellocken, ein kühn - emporspitzendes Pflänzlein, ein glucksendes Wasser unter gläsernem Eise, Schollenknirschen im Strom, ein Wind voll Erd-Ruch: Wie kann uns das in eine kindhafte Freude versetzen, wie kann unter dem leisesten An­hauch tief innen Saite um Saite schwingen!

Vielleicht stapft man noch einen Schneeweg ent­lang, und jemand stapft mit uns mit. Dieser jemand sieht nur Winter ringsum, er ist noch völlig zuge- krustet und in Winterdumpfheit befangen; wir da­gegen sind mit Haupt und Herz schon lauter Früh­ling.

März, Lenzing! Schön ist seine leise Gebärde, schön aber ist er auch, wenn er wie eine blaue, warme Woge über uns hinstürzt, wenn wir in Fas­sungslosigkeit geraten, in eine Verwirrung, die so gar nicht zu unserem gesetzten Alter paßt.

März, was ist das nicht alles: Durchbruch, Auf­lockerung, Erhellung, Segelsetzen, Wimpelhissen. Zu­spruch ist er, und Gott ist hinter dem Zuspruch.

Wohl weiß man: Es kommt noch mancher Rück- schlag. Schnee und Frost bleiben vielleicht nicht aus. Aber mit unumstößlicher, leuchtender Gewißheit hat uns die eine echte Märzenstunde erfüllt. Vom Ge­heimnis des Mutes sind wir neu durchronnen. Was noch kommt an Unschönem und Schmerzendem: freu­dig wird's ertragen! So ist's immer, wenn wir teil­haftigen Sinnes und aufgeschlossenen Wesens sind. Eine Stunde Oasen-Freude entschädigt uns für zehn und zwanzig Stunden harter, trostloser Wanderung. Der Blick auf ein Schneeglöckchen oder in einen Märzenbecher läßt uns die grauen Steine der Städte heller erscheinen.

Lenzing ist's! Mutet das nicht an, wie ein Stück aus dem ewigen Gottesliede! Der Ursprung rührt uns an. Daß wir uns von ihm berühren lassen! Heilsam ist's auf jeden Fall!

Vornotizen.

Tageskalender für Samstag.

DAF., Fachgruppe Vermittlergewerbe: 20 Uhr im Haus der Deutschen Arbeitsfront Versammlung, Vortrag von Gaufachgruppenleiter Pg. Wagner. RSG.Kraft durch Freude": 20.30 Uhr Bord­fest im Cafö Leib zu Gunsten des Winterhilfs­werks; ab 15.30 Uhr allgemeine Körperschule und Waldlauf auf dem Universitätssportplatz am Kugel­berg. Stadttheater (Ring Deutsche Bühne): 20 bis 22.45 UhrKrach im Hinterhaus". Gloria- Palast, Seltersweg:Soldaten Kameraden". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Leuchter des Kaisers." Gießener Konzertoerein: 20 Uhr Kla­vierabend von Wilhelm Backhaus. Bausparkasse Gemeinschaft der Freunde Wüstenrot: Ab 14 Uhr Eigenheim-Modellschau im Hotel Prinz Carl.

Tageskalender für Sonntag.

Stadttheater: 19 bis 21.30 UhrFest bei Prinz Orlofsky." Gloria-Palast, Seltersweg:Soldaten Kameraden"; 11.15 Uhr FrühvorstellungAbes­sinien von heute." Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Die Leuchter des Kaisers." Bezirk Oberhessen der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft: 11 Uhr im Kameradschaftsheim der Studenten öffentliche Ta­gung. Sanitätsverein Gießen: 15 Uhr 52. ordent­liche Mitgliederversammlung im Thüringer Hof. Eisenbahnoerein Gießen: 15 Uhr Jahreshauptver­sammlung im Cafä Ebel. Bausparkasse Gemein­schaft der Freunde Wüstenrot: Ab 14 Uhr Eigen- Heim-Modellschau im Hotel Prinz Carl. Ober- oessischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): 11 bis 13 Uhr Gedächtnisausstellung Hans-Ewald Kleine.

Stadttheater Gießen.

Heute abend als Vorstellung der Deutschen Bühne Krack; im Hinterhaus", Lustspiel von M. Böttcher. Spielleitung: Heinrich Hub. Freier Kartenverkauf

20. Mittwoch-Abonnement. Freitag, 6. März, Erstaufführung des GesellschaftsstückesDie Insel", Schauspiel von Harald Bratt. Spielleitung: Anton Neuhaus. Dauer von 20 bis 22.30 Uhr. 21. Frei­tag-Abonnement. Sonntag, 8. März, von 11.30 bis 12.30 Uhr II. Sonntagmorgen-Veranstaltung an­läßlich des Heldengedenktages. Von 19 bis 21.30 Uhr das SchauspielDer Kanzler von Tirol" von Josef Wenter. Spielleitung: Kurt L ü p k e. Die Vorstel­lung ist außer Abonnement.

Der Goethe-Bund und der kaufmännische Verein bitten uns, an dieser Stelle nochmals auf den am Montagabend stattsindenden Vortragsabend des bekannten Vortragsmeisters Wilhelm Hoch- a r e v eEine frohe Stunde mit Hermann Löns" hinzuweisen. (Siehe heutige Anzeige.)

Handels- und Gewerbebank.

Im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes wer­den die Mitglieder der Bank zur 77. Generalver­sammlung eingeladen. Näheres ist aus der Anzeige ersichtlich.

Ausruf des Gauleiters an alle Betriebsführer und Meister!

vorlegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sitz, bar anzugeben.

Betr. Kohlenversorgung.

Die Kohlenhändler wollen die Kohlengutschej,^ bis zum 5. März täglich in der Zeit von 15p Uhr auf der Geschäftsstelle Kaiserallee 52 gegs, Wertquittungen umtauschen. Später eingehech Kohlengutscheine können nicht mehr angenommk, werden. Für die Kohlengutscheine der Serie; und der Sonderausgabe am 30. 1. 36 sind g« trennte Rechnungen auszustellen.

Winterhilfswerk 1935/36

Ortsgruppe Gießen-Süd. kohlenfcheinabrechnung.

Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die y Zahlung genommenen Kohlengutscheine Serie£ und SerieS" am Mittwoch, 4. März, von 19 bi, 20 Uhr auf unserer Geschäftsstelle, Crednerstraße 24, einzureicben. Später eingereichte Gutscheine werde; nicht meyr angenommen.

Pfundfannnlung.

Arn Dienstag, 3., Mittwoch, 4., und Donnerstag 5. März, findet im Bereich der Ortsgruppe Gießen Süd durch die NS.-Frauenschaft die Pfundsanw lung für den Monat März 1936 statt. Es wird ge beten, die Lebensmittelpakete zur Abholung bereitzu halten.

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Ostern ist nahe und damit der Augenblick, in dem allerorts Hunderte und Tausende von Zungen und Mädel die Schule verlassen, um einen Beruf zu ergreifen und einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Gewillt etwas Tüchtiges zu lernen und das Beste zu leisten, steht diese Jugend vor den Toren der Wirtschaft und fordert Einlaß.

An alle Betriebssührer und Weister in Industrie, handel und Handwerk und die verantwortlichen Dienststellenleiter in den Staats- und Gemeindeverwaltungen ergeht deshalb mein Mahnruf:

Stellt Lehrlinge ein!

Wacht unserer Jugend den Weg zum Lebensberus frei!

Ihr nehmt damit von vielen Vätern und Müttern die Sorge um die Zukunft ihrer Kinder und erspart unserer Jugend eine bittere Enttäuschung. Auch der letzte Jugend­liche hat ein Recht aus einen Arbeitsplatz und einen Platz in der Volksgemeinschaft, aus welchem er mit Hirn und Jaust für sein Volk schassen und sich einsehen kann. Jeder Betriebssührer sei sich deshalb seiner Verpslichlung und Verantwortung gegen­über dem Volksganzen bewußt und melde sofort den Berussberatungsstellen der Arbeitsämter die Anzahl der bereitstehenden Lehrstellen!

heil Hitler!

Sprenger

Gauleiter und Reichsstatthalter.

zu Tagespreisen an der Abendkasse. Dauer von 20 bis 22.45 Uhr.

Der Spielplan des Gießener Sladttheaters vom 1. bis 8. März.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Sonntag, 1. März, von 19 bis 21.30 Uhr einmalige Wiederholuna des FaschingskabarettsEin Fest bei Prinz Orlofsky". Gesamtleitung: Paul Nieren. Die Vorstellung ist außer Abonnement. Montag, 2. März, von 20 bis 22.30 Uhr als Vorstellung der Deutschen Bühne ,Krach im Hinterhaus", Lustspiel von M. Böttcher. Spielleitung: Heinrich Hub. Freier Kartenverkauf zu Tagespreisen an der Abend­kasse. Dienstag, 3. März, von 20 bis 23 Uhr Lortzings MeisteroperUndine". Musikalische Lei­tung: Paul Walter. Spielleitung: Paul W r e d e. Die Vorstellung gilt zugleich als 20. Vorstellung im Dienstag-Abonnement. Mittwoch, 4. März, von 19.30 bis 22 Uhr das LustspielKrach im Hinter­haus" von M. Böttcher. Spielleitung: Heinrich Hub.

Und ein für allemal lassen Sie es sich gesagt sein, ich dulde Ihre Besuche bei dem Herrn von Hagen nicht mehr!"

Mariella wurde ganz blaß:

Aber Frau Wodny, Sie können Herrn von Hagen doch nicht verwehren, eine Maschinenschrei­berin zu beschäftigen. Wie soll denn sonst sein Buch fertig werden?"

Die Frau maß Mariella mit einem höhnischen Blick von oben bis unten.

Ihr Auge glitt von Mariellas feinem Köpfchen mit den tiefschwarzen, weichen Haaren über das ganze zarte Gesichtchen, in dem die blauen Augen rein und groß wie die eines Kindes strahlten. Dann weiter über die ganze zierliche Gestalt in ihrem einfachen, aber tadellosen roten Wollkleidchen. Ein weißes, handgearbeitetes Krägelchen, weiße Manschetten und eine Reihe Knöpfe vom Hals bis herunter zur Taille waren der einzige Ausputz. Ein roter wildlederner Gürtel von etwas dunklerer Farbe umspannte die zierliche Taille. Unter dem Kleid sahen ein Paar sehr schmale Füße in dunkel­grauen Seidenstrümpfen und grauen Wildleder­schuhen hervor. Die ganze Erscheinung Mariellas bot den Anblick zartester Mädchenhaftigkeit und makelloser Schönheit.

Jeden anderen hätte dieser Anblick rühren müs­sen. In Frau Wodny aber schien er um so größere Wut zu entfachen.

Arbeit, Arbeit höre ich wieder!" höhnte sie. Möcht' mal wissen, wann diese Arbeit einen Er­folg bringen wird. Scheint auch nurne bessere Art von Müßiggang zu sein!"

Aber erlauben Sie, Frau Wodny!" Nun wurde Mariella doch aus ihrer mühsamen Ruhe gebracht. Sie konnte es nicht dulden, daß die Frau den geliebten Mann herabsetzte:

Das können Sie wohl nicht beurteilen! Das wird ein hervorragendes Dichtwerk!"

Frau Wodny stemmte die rissigen Hände in die Hüften. Ihre grauen Augen funkelten vor Zorn:

Vielleicht kann ich das nicht beurteilen, Fräu­lein! Ich bin ja nicht so fein wie Sie und der Herr Graf! Hab' leider nichts wie meinen gewöhn­lichen Menschenverstqnd! Und eine Von und Zu bin ich auch nicht! Aber das kann ich beurteilen, baß trotz all Ihrer Maschinenklapperei noch nicht ein roter Heller bei dieser sogenannten Arbeit ver­dient worden ist. Jrn Gegenteil! Immer mehr Schulden hat der Graf bei mir. Und darum glaube ich nicht recht an die Arbeit. Wird wohl andere Gründe haben, deswegen er Sie immer hierher kommen läßt. Aber"

Nun beendete sie ihren Redeschwall plötzlich. Denn mit einem heißen Aufschluchzen floh Ma- riella an Frau Wodny wie gejagt vorbei. Die sah na($' Nu, heute hatte sie es ihr mal richtig gegeben! Der Tippgräfin mit ihrem dum- men Getue und ihrem Adelstolz! Nächstens würde sie dem Grafen einmal richtig Bescheid sagen. Jm-

Eigenheim-Modellschau.

Die Bausparkasse Gemeinschaft der Freunde Wüstenrot veranstaltet heute und morgen im Prinz Carl eine Eigenheim-Modellschau. (Siehe heutige Anzeige.)

Verein für Sterbeunlerstühung.

Am kommenden Samstag, 7. März, findet die ordentliche Generalversammlung im Katholischen Vereinshaus statt. (Siehe heutige Anzeige.)

Amt für Bolkswohlfahrt.

Ortsgruppe Giehen-Ost.

Betr.: Lebensmittel-Opferring der Ortsgruppe Giehen-Oft.

Die Sammlung wird am Dienstag, 3., und Mitt­woch, 4. März von der NS.-Frauenschaft durchae- führt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen ve- reithalten, und die Mitgliedskarten zur Eintragung

mer Schulden bei einem machen und einen an der Nase herumführen, das gab es ja auf die Dauer nicht!

Wütend vor sich hinmurmelnd, verschwand sie in ihrer Küche, wo sie Teller und Töpfe rasselnd in die Abwäsche stellte.

Das Zimmer, dem Mariella zufloh, lag am an­deren Ende des dunklen Korridors. Sein Fenster ging nach einem lichtlosen Hofe hinaus.

Erhard von Hagen stand mit finsterem Gesicht da und starrte hinaus. Unaufhörlich riefelte der Regen vom grauen Himmel. Es war, als wäre es Herbst und nicht Mai. Grau sah das alte, verwahr­loste Haus in der Königstraße in diesem trostlosen Wetter aus. Fröstelnd ging Erhard von Hagen in dem Raume hin und her. Mit widerwilligen Blicken streifte er die altmodischen Möbel mit ihren abge- stoßenen Kanten und den blinden Flecken in der Politur. Wirklich: dies Zimmer war das unge­pflegteste von allen möblierten Wohnungen, die er bisher bewohnt hatte.

Es klopfte an die Tür. Er wandte sich um.

Oh, Mariella, du?" Er ging dem jungen Mäd­chen schnell entgegen. Es war in diesem Augenblick, als erhellte ein Sonnenstrahl den dunklen Raum. Das lieblich-schöne Gesicht Mariellas war wie der Frühling selbst. Mariella bemühte sich, ihre Angst und ihr Weh zu unterdrücken. Sie vermochte sogar Erhard entgegenzulächeln.

Mariella, Liebling!"

Erhard schloß das junge Mädchen zärtlich in die Arme und küßte es. Sie hielt einen Augenblick still unter feiner Zärtlichkeit. Dann entwand sie sich ihm sanft:

Du wilder Mensch, siehst du denn nicht, daß ich mit Paketen beladen bin? Vorsicht, daß nichts ge­schieht!"

Sie legte die zahlreichen Päckchen sorgsam auf den Tisch mit der verschmutzten, rotsamtenen Plüsch­decke.

Alles besorgt. Liebster, was du brauchst! Farb­band für die Schreibmaschine. Papier. Ein Viertel Butter und ein bißchen Wurst. Außerdem habe ich dir eine neue Krawatte mitgebracht. Wenn du dich bei deinem Verleger vorstellen willst, muß ich doch Ehre mit dir einlegen!"

Ihre Stimme klang leicht und fröhlich. Erhard sollte ja nicht ahnen, welchen Auftritt sie soeben mit Frau Wodny gehabt hatte. Gottlob schien er nichts davon gehört zu haben. Oder doch? Warum wandte er sich plötzlich von ihr ab?

Angstvoll sah sie in fein schönes Gesicht, in dem ein paar kleine Falten unter den Augen davon sprachen, daß Erhard von Hagen nicht mehr in der ersten Jugend stand. Auch sein blondes Haar zeigte an den Schläfen einen Schimmer von Weiß. Aber Mariella liebte dies Gesicht. Sie liebte es mehr als sich selbst.

All die jungen Männer, die sie im Hause ihrer Pflegetante Annina von Gellern kennenlernte.

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Kreiswallung Gießen der DAI.

Bordfest in Gießen zugunsten des Winterhilsswerkes 1935/36.

Arn Samstag, 29. Februar, 20.30 Uhr, findet im CafL Leib das großangelegte Bordfest auf dem

An alle DAI.-Watter und Betriebssührer der Gießener Ortsgruppen.

Betr.: Sammelaktion der DAI. am 29. Februar und 1. März 1936.

Sämtliche DAI.-Walker, die Samstagnachmittaz dienstfrei haben, treten um 15.30 Uhr in der Schau« zenstrahe 18 (Haus der DAI.) an.

Ab 16 Uhr fetzt die Sammelaktion in Gießen ein

NSDAP. Ortsgruppe Gießeu-Süh.

Betr. Zahlung der Hilfskaffenbeiträge für Aprlh Mai und Juni 1936.

B Nach jeder Hausarbeit 2 Creme 30 ptg

Alle Angehörigen der SA., Marine-SA., Reiter SA., NSKK. usw. im Bereich der Ortsgrupp Gießen-Süd werden ersucht, ihre Beiträge zu Hilfskasse an folgenden Tagen zu entrichten:

Dienstag, 3. März,

Mittwoch, 4. März,

Donnerstag, 5. März, jeweils von 20.30 bis 22 Uhr im Lokal Tann Häuser, Frankfurter Straße 83.

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waren ihr nichts gegen Erhard von Hagen. In ihm sah sie das Ideal aller Männlichkeit. In ihm ocr« körperte sich für sie alles, was sie sich erträumt und ersehnt. So hätte ihr Vater aussehen können!, dachte sie immer. Und wenn die Sehnsucht nach dem früh verstorbenen Vater sie überfiel, dann glaubte sie, in Erhard von Hagen einen kleinen Ersatz für ihn gefunden zu haben. In ihrer reinen Kindlichkeit ahnte Mariella nicht, daß das Aeußere eines Menschen nicht immer das Spiegelbild dec Seele ist. Und so war sie Erhard von Hagen be­sinnungslos ergeben seit dem Tage, da sie ihn auf dem Rennplatz durch ihre Tante kennengelernt. Aengsttich schaute sie jetzt in sein verdunkeltes Ge­sicht:

Hab' ich es nicht recht gemacht. Liebster? Ich dachte, diese winzigen Kleinigkeiten würden dir Freude machen! Nun siehst du beinah böse aus!" I

Böse? Mariella, wie könnte ich? Du bist ja so rührend gut zu mir. Verzeih, daß ich mich niltzt freuen kann. Gerade weil du es so rührend gut nut mir meinst, weil du so selbstlos bist, drückt mich das alles um so mehr. Wenn ich noch einen Funken Ehre und Charakter hätte, dürfte ich dies alles nicht annehmen."

Seine dunklen Augen, die sonst so strahlend leuchten konnten, verdunkelten sich wie in Trau­rigkeit.

Wie liebte Mariella diese Augen mit ihrem ewig wechselnden Ausdruck! Diese Augen hatten ihre junge Mädchenseele ganz tief in einen unlöslichen Bann verstrickt. Ihre zierliche Gestalt reckte sich auf, um den geliebten Mann mit den Armen um­fassen zu können. Er überragte sie ja um Hauptes­länge.

Ihre weiche Stimme, in der nur ein ganz schwa­cher Klang die Italienerin verriet, war ganz von Liebe erfüllt.

Quäl dich doch nicht mit solchen Gedanken, Lieb­ster! Wozu bin ich denn auf der Welt, wenn dir nicht helfen darf? Es ist ja wenig genug, wo? ich tue. Ach, ich wünschte, ich könnte dir alles Glück zu Füßen legen!" Es kam leidenschaftlich aus dem jungen Munde.

Das weiß ich, Liebstes! Und doch handle ich unrecht gegen dich. Seit einem Jahre arbeitest b\i Stunden um Stunden täglich an der Schreib­maschine, mühst dich für mein Werk, das vielleicht niemals gedruckt werden wird. Wer weiß, du könn­test vielleicht längst eine gut bezahlte Stellung haben und hättest" mich armen Teufel vergessen."

Nun lachte Mariella auf. Es wurde ihr wirklich leichter zu Sinn. Sowie sie fühlte, Erhard brauchte sie, kam eine unbeugsame Kraft in ihr hoch. Sis schmiegte sich eng an den hochgewachsenen Mann.

Liebster, solange wir beide uns haben, dürfen wir doch nicht verzagen! Es wird einmal wieder vorwärts gehen. Glaub' es mir doch!"

(Fortsetzung folgt!)

f-mb. Dabei ist Mund rechter Zec M heißt strotzend v M chernder handli Ijr oft atemrauber «in Kriminalgesch $ir wissen, daß «o Romans von wertet werden wird

Wer bis zum 13. März seine Hilfskassenbeittäge nicht bei der Ortsgruppe bezahlt hat, wird bei der Hilfskasse in München abgemeldet; daraus ent« Lutl w...... ,

stehende Folgen hat er sich selbst zuzuschreiben. »rinnen und Leser

Deutsche Arbeitsfront. (r3ftnen'3DO

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Anzug: Uniform oder blauer Anzug mit DAI.-l^^ unbbarübt