Nr. 24 Erstes Blatt
186. Jahrgang
Mittwoch, 29. Januar 19Z6
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London, 28. Ian. (DNB.) Bei
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Nicht nur das äußere Bild des Trauerzuges zeigt,
trübem, wol- Dienstag die
Trauerfeier in Berlin.
Der Führer und Reichskanzler bei dem Trauergottesdienst.
Berlin, 28. Ian. (DNB.) Zur selben Stunde, da König Georg V., begleitet von dem ehrfurchtsvollen Gedenken des britischen Weltreiches sich auf der Fahrt zur letzten Ruhestätte in Schloß Windsor befand, veranstalteten die britische Botschaft und die Gesandtschaft der Südafrikanischen Union in Berlin in der englischen St. - Georgs-Kirche einen Trauergotte s d i e n st für den Heimgegangenen Monarchen. Der Führer und Reichskanzler bezeugte durch feine Gegenwart feine Anteilnahme an dem Verlust, den die britische Nation erlitten hat. Sämtliche Chefs der auswärtigen Missionen sowie hohe deutsche Persönlichkeiten wohnten dem Gottesdienst bei.
Punkt 12 Uhr betrat der Führer und Reichskanzler, begleitet vom britischen Botschafter, die Kirche. Die Gemeinde erhob sich ihm zu Ehren von ihren Plätzen. Der Führer und Reichskanzler nahm auf der linken Seite in der ersten Bankreihe vor dem Altarraum Platz. An seiner Seite saßen der britische Botschafter und der Gesandte der Südafrikanischen Union. In den nächsten Reihen sah man den Stellvertreter des Führers, fast alle Reichsmini st er und Staatssekretäre und andere Persönlichkeiten von Partei und Staat, sowie die Chefs der auswärtigen Missionen. In tiefer Ergriffenheit nahm die Trauergemeinde an dem liturgischen Gottesdienst teil. Geistliche, Kirchenchor und Gemeinde ehrten in Gebet und Chorälen das Andenken des toten Königs und schloffen Königin Mary, König Eduard VIII. und die Kgl. Familie in ihre Fürbitte ein. Der Führer und Reichskanzler verließ als erster, wiederum geleitet vom britischen Botschafter, die Kirche und sprach im Vorraum dem
Glanz.
Auch diesmal ist die Lafette, die den Sarg des
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kenverhangenem Himmel fand am feierliche Beisetzung König Georgs V. unter riesiger Beteiligung der englischen Bevölkerung und des Auslandes statt. Gegen 8 Uhr hatten sich bereits an zwei bis drei Millionen Menschen längs der Straßenzüge angesammelt. Ungewöhnlich für das Auge des Ausländers waren die zahlreichen Zylinderhüte, die in der Menge getragen wurden und das tiefe Schwarz, in das die Mehrzahl der Frauen gekleidet war. Die zahlreichen Angehörigen außereuropäischer Völker bewiesen, in wie hohem Maße die vielgestaltige Bevölkerung des Weltreiches an dem Schicksal ihres Monarchen Anteil
Die Beisetzung König Georgs von England.
Millionen säumen die Straßen Londons. — Alle Teile der britischen Wehrmacht im Trauerzug. — Oie Bestattung in Windsor.
Gewehr. Auf den Schultern der Trager einherschwankend erscheint der Sarg im Bahnhofseingang. Jetzt ruht er auf der Lafette. Das Trauergeleit fetzt sich in Bewegung, seinem Ziele zu der St.-Georg-Kapelle des Schlosses, wo der Lordmarschall, der Erzbischof von Canterbury und der Vikar von Windsor seiner harren.
Zwei Minuten des Schweigens.
Ursprünglich sollte sich in dem Augenblick, in dem der Sarg der Gruft übergeben wurde, zwei Minuten lang Schweigen über das ganze weite Britische Reich breiten. Aber die Abwicklung des Programms hatte doch länger Zeit in Anspruch genommen als vorgesehen. So tritt die Gedenkpause ein, als der Zug noch unterwegs ist. In den Werkstätten und in den Kontoren ruht mit einem Schlage die Arbeit. Auf den Straßen stoppt der Verkehr. Zwei Minuten sind der Ehrfurcht und dem stillen Gedenken gewidmet. Bisher war diese Ehrung nur am Waffenstillstandstag den Toten des Weltkrieges vorbehalten. Es ist zum ersten Mal, daß sie einem verstorbenen englischen Herrscher zuteil wird.
Die Beisetzung in der Köniasgrust von Windsor.
Der Führer verabschiedet sich nach dem Gottesdienst von dem englischen Botschafter Sir Erie P h i p p s. — (Presse-Bild-Zentralö-Vr^
Gegen Mittag hat der riesenhafte Trauerzug den Bahnhof Paddington erreicht. Noch einmal defilieren die Abordnungen des Heeres m langsamem Paradeschritt. Dann heben acht Gardeofftziere den Sarg von der Lafette und tragen ihn durch die Reihen der königlichen Familie, die zu beiden Seiten Aufftellung genommen hat, zum Zug Auch König Eduard VIII. betritt den Wagen, um sich noch einmal zu überzeugen, daß seine Anordnungen befolgt worden sind. Dann präsentiert die Leibwache das Gewehr. Dudelsackpfeifer der Hochländer stimmen eine melancholische Weise an. Langsam setzt sich die Wagenreihe in Bewegung.
Kurz nach 13 Uhr wird Windsor erreicht In des Königs ehemaliger Lieblingsresidenz ist schon seit dem frühen Morgen die ganze Bevölkerung auf den Beinen. Alle wollen noch einmal ihren König begrüßen. Unter den grauen Mauern des ölten Schlosses, dessen ältester Teil schon m der Normannenzeit erbaut worden ist, dehnen sich lauft grüne Hänge. Heute sieht man nid)t5 non mnen, denn sie sind schwarz von Menschen, die sich Kopf an Kopf drängen. Vom grauen Himmel rieselt der Regen, aber niemand läßt sich dadurch vertreiben. Alles harrt schweigend. Als der Zug des Königs Windsor erreicht, bricht die Sonne durch die Wolken und überschüttet die alte Residenz mit abendlichem
ten des Kgl. Hauses m ihren prunkvollen mittelalterlichen Uniformen sowie der diensttuende Offizier des Kgl. Haushalts. Ihm folgten die Mitglieder der fremden Königshäuser, darunter die Könige von Norwegen, Dänemark, Belgien, Rumänien und Bulgarien, die Kronprinzen von Schweden, Italien und Griechenland, der Prinzregent von Südslawien, der Prinzgemahl von Luxemburg, der Herzog von Sachsen-Koburg und Gotha in feldgrauer Uniform und Stahlhelm, Prinz Friedrich von Preußen, Prinz Ernst August von Braunschweig, der Grohherzog von Hessen, der Großfürst Dimitri von Rußland und der Herzog von Demours, ferner der Kronprinz von Aegypten, Prinz Chula von Siam und Prinz Zeid von Irak. Den' Prinzen folgten die Staatskarossen, in deren erste die Königin Mary mit der einzigen noch lebenden Schwester des verstorbenen Königs, der Königin Maud von Norwegen, Platz genommen hatte.
Hinter dem Wagen der Königin schritten die Führer der ausländischen Abordnungen. Hier sah man in der zweiten Reihe R e i ch s a u ß e n - Minister Freiherrn von Neurath. Weiter folgten die Beamten des Kgl. Haushalts und die
nahm.
Der Weg des Trauerzuges.
Unter Glockengeläut und unter dem Donner der Geschütze der Salutbatterien setzte sich der riesige Trauerzug von der Westminsterabtei aus zur festgesetzten Stunde in Bewegung. Zwei Stunden lang, während der ganzen Dauer des Trauerzuges, wird Trauersalut gefeuert. Feierliche Stille trat überall ein, sobald der Zug herannahte. Das spalierbildende Militär stand, den Kopf gesenkt, die Arme über den mit der Mündung nach unten gehaltenem Gewehr verschränkt, in der althergebrachten „Habachthaltung" der englischen Trauerparade. Sobald der Trauerzug nahte, wurde das Gewehr präsentiert. Die Menge entblößte das Haupt und viele Frauen knieten nieder.
Der Trauerzug führte von der Westminster- hall, in der der Katafalk des Königs aufgebahrt war, durch die Parlamentsstrahe, in der das weltberühmte, uralte englische Unterhaus steht, vorbei an Whitehall, wo sich sämtliche Regierungsgebäude befinden, zunächst zum Paradeplatz d e r b e r i t t e n e n G a r d e. Auf diesem Platz hat bekanntlich der König 25 Jahre hindurch in jedem Frühjahr und Herbst die Parade über die Leibgarde abgehalten. Der Zug führte dann weiter durch die berühmte Straße am St. James-Park, an der Deutschen Botschaft vorbei, zum St.-James- Palast, von dort über Piccadilly durch den Hydepark nach Norden bis zur Bahnstation Paddington. Den ganzen Weg entlang waren sämtliche Gebäude mit schwarzen und purpurnen Trauergirlanden verhangen. Die Leuchter auf den Straßen trugen violette und schwarze Fahnen. Vereinzelt waren Denkmäler und Erinnerungsplaketten mit Lorbeerkränzen geschmückt.
Das Trauergesolge.
Kammerdiener des verstorbenen Königs. In langen Zuge, in dem wohl sämtliche Militäruniformen der Welt vertreten waren, folgte das Gefolge der Könige und der fremden Abordnungen. Hier bemerkte man u. a. die deutschen Wehrmachtoertreter. Schließlich folgten Abordnungen der Londoner Polizei, der Feuerwehr, der Londoner städtischen Beamten. Den Schluß bildeten wiederum Abordnungen der Garderegimenter.
Trotz der vielen prunkvollen Uniformen der Militärs und der Diplomaten bot der Trauerzug ein würdig schlichtes und gerade deshalb um so eindrucksvolleres Bild. Der eigenartige, nur in England bei solchen Anlässen übliche gemessene Paradeschritt gab dem Ereignis eine ganz besondere Note. Als die Lafette unter dem Schweinen der Musik am Cenotaph, dem britischen Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges, vorüberaezogen wurde, erhob König Eduard Vlll. die Hand zum militärischen Gruß, der Toten seines Reiches gedenkend. Von dem Paradeplatz der Gardekavallerie ertönten hierauf die ersten Klänge klassischer Trauermusik, unter denen sich der Leichenzug bis zu seiner Ankunft am Bahnhof Paddington
deutet: Der Großadmiral kommt längs- e i t s. Als der Sarg die Schwelle der Kapelle paf- iert hat, schrillt es wieder: „Der Großadmiral ist an Bord". Dumpf dröhnt vom runden Turm des Schlosses das Trauergeläut der großen Glocke. Dazwischen krachen die Schüsse der Salutbatterie. Die Königsstandarte sinkt auf Halbmast. Es beginnt der l e tz te Gottesdienst. Er ist von ergreifender Schlichtheit und Einfachheit. „Der Herr ist mein Hirte", klingt es auf. Es ist der Lieb- lmgspsalm. Dann tritt der Erzbischof von Canterbury vor Feierlich gemessen fallen von seinen Lippen die Worte der Einsegnung. Wieder rauscht ein Psalm durch das Kirchenschiff.
Dann greift Kön.g Eduard VIII. nach einer silbernen Schale, aus dem er Erde auf den Sarg seines Vaters streut. Der Erzbischof von Port spricht ein Gebet für das Seelenheil des Dahingeschiedenen. Langsam verschwindet dann der Sarg in der Gruft. Nur vier Kränze schmücken ihn, Kränze seiner nächsten Anverwandten, und die Königsstandarte der Gardegrenadiere.
Gleichzeitig verliest ein Herold, wie seit Jahrhunderten üblich, die sämtlichen Titel des Dahingeschiedenen und verkündet den Namen des neuen Herrschers. Der Vikar von Windsor als Kanzler des Hosenbandordens nimmt noch in feierlicher Formel die sterbliche Hülle des dahingegangenen Monarchen in Obhut. Ein letzter Gruß der Dudelsäcke; die Hochländer spielen das schottische Lied „Die Blumen des Waldes". Dann ist alles beendet. König Georg ist zur letzten Ruhe heimgegangen. Die Kapelle leert sich. Nur König Eduard und seine Mutter verharren noch eine Weile
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reit. Kommandos ertönen. Die Truppen treten ins erreicht. Bootsmannspfelfen trillern, chr Signal be-
Der fast zwei Kilometer lange Trauerzug wurde durch einen Offizier aus dem Kriegsnumstenurn eröffnet. Es folgten Abordnungen der Regimenter, deren persönlicher Chef der König war. Die Truppen in Paradeuniform und mit verhüllten Fahnen, voran der Offizier mit verkehrt gehaltenem Degen unter dem Arm. Es folgten dann Abordnungen der Leibwache in ihren malerischen blauen und roten Mänteln und Abordnungen der Kgl. Manne.
Dann kamen die Vertreter der ausländischen Wehrmächte. Ihre bunten Uniformen waren meist durch dunkle Mäntel verhüllt. Unter ihnen wurden d i e Vertreter der deutschen Wehrmacht im Stahlhelm und die Vertreter der R e i ch s m a r i n e viel bemerkt. Es folgten Die Feldkapläne der Marine, der Armee und der Luftwaffe in schwarzen Röcken und schwarzen Zylindern. Hinter ihnen schritt der Kommandeur der Luftwaffe mit den Abordnungen der Kgl. Luftflotte. Dann folgten etwa 20 Feldmarschalle, der Generalstab, der Kriegsrat, alle mit wehenden weiften Federbüschen und in langem dunkelgrauen Mantel. Ihnen schlossen sich sämtliche Admirale und ein großer Teil der Kommandanten der Kriegsschiffe an Ein besonderes Bild boten hierauf die etwa 40 ehemaligen Flügeladjutnten, die im Laufe der 25 Jahre nacheinander zur Dienstleistung bei dem König besohlen worden waren Es folgten hieraus die Musikkapellen, zuletzt die schottische Dudelsackpseiser-Sapelle.
Die Lafette
mit dem Sarg des Königs.
Unmittelbar hinter den Militärkapellen folgte der finrn hes Königs auf einer Geschützlafette ®e i?gleichmätzig langsamen Trau-rschntt oou 120 Matrosen in Paradeumform gezogen wurde. Zur Seite schritten Herolde des Komgl. Haushaltes s- wie Gardeoffiziere. Der Sarg war bedeckt mit den Farben des Kgl. Hauses Windsor, auf dem Sarg lauen die Kleinodien, die Krone des Komgs. der ReUdsavsel sowie sein Zepter, und außerdem em einkaches aus weißen Lilien bestehendes Kreuz, das aus besonderen Wunsch der Königin aus dem Sarge ruhte. Unmittelbar hinter dem Sarg solgte d ° Kgl. Standarte, die von zwei hohen umdie ren begleitet wurde. ~ s s n ; n
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Carl of Aslon. Hierauf kamen die höchsten Beam
Erstes Bildtelegramm von der Beisetzung König Georgs V.: 142 Seeleute zogen die historische Lafette, auf der bereits die Königin Viktoria und König Eduard vH. beigesetzt worden waren, durch die Straßen von London. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
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