Einzelbild herunterladen

Sn der Erstellung begriffen sind in:' Darmstadt 33 Häuser Mainz 4

Hanau 20

Vorbereitet zu Beginn des Jahres 1936 sind in: Wiesbaden 22 Häuser Bingen 17

Die Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung stellte bewußt die soldatische Ehre und das soldatische Opfer der Mitwelt und Nachwelt als Vorbild auf. Rein äußerlich fand diese Tatsache ihren Ausdruck In der Schaffung des Frontkämpfer- r r e u z e s. Die nachträgliche Verleihung des Ver­wundetenabzeichens ist ebenfalls ein weite­rer Schritt zur Erreichung des Zieles, das sich die Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung gesetzt hat: das Geschlecht des Kampfes, die Landesver­teidiger, die Kriegsverletzten und die Hinterbliebenen unserer Toten sollen die er st en Bürger der deutschen Nation sein! Dr. A. H.

Kinderglück ist Volkskrast.

Man müßte an das berüchtigte Wort Spenglers vom Untergang des Abendlandes glauben, wollte man die Zukunft unseres Erdteils nyr beurteilen nach den Ziffern, die die Bevölkerungsbewegung der europäischen Staaten seit vielen Jahren auf­weist. Die rückläufige Tendenz der Ge­burtenkurven ist auch heute noch eine allge­meine Erscheinung, die sich in einigen Völkergrup­pen mehr, in anderen Völkergruppen weniger aus­geprägt vorfindet. Selbst die ö st l i ch e n und s ü d- ö st l i ch e n Staaten sind neuerdings von dieser verhängnisvollen Entwicklung betroffen worden, obgleich dort die absolute Geburtenzahl noch immer sehr hoch liegt. So beträgt der Rückgang der Geburtenziffer seit dem Jahre 1933 in der Tschechoslowakei 14 v. H., in Litauen 13 v. H., in Ungarn 9 v. H., in Polen 7 v. H., in Bulgarien 8 v. H. und in Rumänien 3 v. H. Auch in den west - und nordeuropäischen Ländern, die an sich schon seit längerer Zeit einen ziemlich niedri­gen Geburtenstand zu verzeichnen haben, setzte sich oie Abwärtsentwicklung in den letzten Jahren fort, so in den Niederlanden, in der Schweiz, in Frank­reich, in Großbritannien und in Norwegen. Eben­falls in Spanien und Italien begann ein plötzliches Abrutschen der Geburtenziffern.

Die einzige Ausnahme in diesem trüben Bild des europäischen Geburtenrückganges bilden Portugal, Irland und Deutschland. Portugal und der Irische Freistaat konnten allerdings nur eine verhältnismäßig geringe Erhöhung ihrer Ge­burtenziffer um wenige Hundertteile feststellen. Da­gegen fällt die deutsche Geburtenkurve der vergangenen drei Jahre völlig aus dem Rahmen der übrigen Statistik. Sie stellt eine ganz außergewöhnliche und unerwar­tete Erscheinung dar: Die Zahl der Geburten hat sich in Deutschland seit 1933 um rund 34 Pro­zent erhöht: Diese Spitzenstellung konnte das deutsche Volk allerdings nur erreichen, weil es sich grundsätzlich abwandte von all den mo­ralischen, geistigen und wirtschaftlichen Verwirrun­gen einer aus den Fugen gegangenen Zeit, deren Kennzeichen Verzweiflung, Weltschmerz, Pessimis­mus und Selbstmord war.

Dem freiwilligen Verzicht auf das Leben hat der Nationalsozialismus den freien Willen zum Lebenskampf und zur Lebensfreude gegenübergestellt. Aber er hat sich nicht damit be­gnügt, nur die geistig-seelischen Voraussetzungen für die Bildung neuer. Volkskraft zu schaffen, er hat auch dafür gesorgt, daß anstelle der wirtschaftlichen Unsicherheit die Stetigkeit des materiellen Lebens­standards trat, die eine weitere Vorbedingung für das Kinderglück jeder Familie ist. Ehestandsdar­lehen, vernünftige Steuergesetze, Arbeitsschlacht und Erzeugungsschlacht ermöglichten es. daß Hundert­tausende von Männern und Frauen den gemein­samen Weg zum Standesamt fanden, den sie sonst vielleicht niemals gegangen wären.

Wenn die Eheschließungen zahlenmäßig im Jahre 1935 geringer waren als 1934, so braucht darin keineswegs ein beunruhigendes Symptom erblickt zu werden. Denn es war ganz natürlich, daß der gleichsam aufgestaute Heiratsdrang der Millio­nen Arbeitslosen aus den Krisenjahren sich in einer plötzlichen Welle von Eheschließungen kundtat, die

alsbald wieder abebben mußte, nachdem das deut­sche Volk sich zu normaleren Lebensverhältnissen zurückgeiunden hatte. Mehr noch als auf die Zahl der Eheschließungen aber kommt es auf die Zahl der Kinder an, die aus diesen neugeschlossenen Ehen hervorgehen. Das Zwei-Kinder-System muß

ein für allemal der Vergangenheit angehoren. Die deutsche Geburtenziffer darf nicht wieder absinken, denn so erfreulich die Zunahme der letzten Jahre ist, so unbedingt notwendig ist sie auch, um eine Aussicht auf den Weiterbestand des deutschen Volkes zu eröffnen.

Sin kleiner Leipziger begrüßt den Führer.

M M

MW

./ r G 1

* ' 1 .

M i / - MM

Dieser glückliche Schnappschuß zeigt einen kleinen Leipziger, der den Führer vor seiner großen Rede in der Messehalle mit einem Blumen­strauß begrüßt. (Presse-Jllustration-Hoffmann-M.)

/

Ä

ehrhaftigkeit und Diplomatie.

Bemerkenswertes Urteil eines englischen Staatsmannes über die Voraussetzungen einer erfolgreichen Außenpolitik.

NSK. Mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschten die Völker gegen Ende des Weltkrieges auf die Friedensbotschaften des amerikanischen Präsidenten Wilson, von denen die 14 Punkte seines Pro­gramms vom 8. Januar 1918 den stärksten Ein­druck machten. Sie bildeten die Grundlage für die so oft mißdeutete Bitte des Generals Luden- o o r f f im Oktober 1918 an die damalige Reichs­regierung, den amerikanischen Präsidenten u m d i e Friedensvermittlung zu ersuchen. Die Oberste Heeresleitung betonte damals, daß die deutsche Front zwar gefährdet, aber noch nicht durchbrochen fei und das Deutsche Reich deshalb aus einer würdigen Lage heraus feine Friedensbereitschaft bekunden könne.

In einer Urkunde, die die Unterschrift Hinden­burgs trägt, aber auch den Gedankengang Luden­dorffs wiedergibt, im Rahmen der bewegten Ver­handlungen, die damals zwischen Regierung und Oberster Heeresleitung erfolgten, heißt es, daß nach menschlichem Ermessen keine Aussicht mehr bestünde, dem Feinde den Frieden aufzuzwin­gen und daß der Abbruch des Kampfes geboten sei,um dem deutschen Volke und seinen Verbünde­ten nutzlose Opfer zu ersparen. Jeder versäumte Tag kostet Tausenden von tapferen Soldaten das Leben."

Aus diesen, dem deutschen Volke von damals vorenthaltenen Gründen und nicht aus dem Nerven­zusammenbruch irgendeines Militärbefehlshabers

kam es zu dem Fried en s an geb ot auf bet Grundlage der 14 Punkte Wilsons, das die Grund­lage bildet auch für den Vorfriedensschluß, der sich aus dem Notenwechsel Deutschlands mit Washington ergab. Im wesentlichen erhielt Deutschland dadurch die Zusicherung eines offenen 23er- handlunasf rieoens, zu dem unter anderem auch einfreier, unbefangener und absolut un­parteiischer Ausgleich aller kolonialen Ansprüche" gehören sollte und der Verpflichtung der Räumung von Gebieten, deren Besetzung im Verlauf der Kriegshandlungen erfolgt war und an deren Frei­gabe selbst durch ein siegreiches Deutschland sowieso kein Zweifel bestehen konnte.

Dieser Verhandlungsfriede der 14 Punkte, der in der Tat geeignet gewesen wäre, alles Ungemach durch den Weltkrieg in gemeinschaftlicher Arbeit aller Völker so rasch wie möglich wieder zu be­seitigen, ist nicht gekommen. Wir erhielten anstatt dessen den Versailler Gewaltunfrieden unter Bruch der verbindlichen Zusiche­rungen, die im Vorsrieden vorn Oktober-Novem­ber 1918 dem Deutschen Reiche gegeben worden waren.

Wie kam es zu diesem Bruch? Weshalb versagte der amerikanische Präsident Wilson, der als Welten- richter mit unbeschränkter Vollmacht und mit un­beschränkten Machtmitteln nach Paris kam? Auf diese Frage kann man viele Antworten finden. Eine, die schlüssigste, hat der englische Staatsmann Churchill gegeben, der ganz bestimmt nicht in den Verdacht übermäßiger Deutschfreundlichkeit ge­raten kann und dennoch obwohl er sich heute' als schlechthin fanatischer Gegner einer militärischen Wiedererstarkung Deutschlands ausgibt unleug­bar im Tone des Bedauerns in feinem mehrbändi­gen Kriegserinnerungswerke über die Versailler Verhandlungslage erklärt:Durch vorzeitige! Auflösung seines Heeres hatte sich Deutsch­land der Mittel begeben, an der Auslegung der 14 Punkte Wilsons mitzuwirken".

Deutlicher kann man das nicht sagen, daß Ver­sprechungen der Diplomatie nur soviel Ge­wicht haben, wie ihnen der Wehrwille und die Wehrhaftigkeit der Völker verleiht. Deutschlands Wehrwille war erschüttert, Deutsch­lands Wehrhaftigkeit planmäßig zerstört worden, also brauchte man ihm, wie der britische Staats­mann geradezu mit einer naiven Selbstverständlich­keit erklärt, keinen Platz am Verhandlungstisch über den ihm bindend zugesagten Verhandlungsfrieden einzuräumen.

Will angesichts dieser Sachlage jemand daran zweifeln, daß Adolf Hitlers Mühen um die Wiedererweckung des deutschen Wehrwillens und um die Wiederherstellung der deutschen Wehrhaftigkeit die allerer st e Voraussetzung für den Erfolg der deutschen Außenpolitik sein mußten?! Für den Führer handelt es sich nicht, wie ihm von den Ausländern und Emigranten unterstellt worden ist, um die Wiederherstellung eines deutschen Mili­tarismus. Diesen deutschen Militarismus, wie er noch heute in der Auslandswerbung eine Rolle spielt, hat es überhaupt niemals ge­geben. Im Vorkriegsdeutschland bestand wohl eine Militärfreudigkeit, aber niemals der Wunsch, die Wehrkraft des Landes für Raubzwecke oder für Angriffskriege zu mißbrauchen. Wer wissen will, wo der Militarismus wirklich zu Hause ist, der möge Betrachtungen über die Tatsache an­stellen, daß Deutschlands stehendes Heer bei einer Bevölkerung von 65 Millionen u m mehr als 40000 Mann geringer war als Frankreichs stehendes Heer bet einer Bevölkerung von nur 38 Millionen. In noch deutlicherem Grade als damals ist Deutschlands wiederhergestellte Wehr­macht der Sorge um die Landesverteidigung ent­sprungen und hält sich nach Menschenmöglichkeit in den Ziffergrenzen, die hierfür ein unausweich­liches Gebot der Stunde find.

Noch niemals hat ein Staatsmann so aus tiefster Seele für den Frieden feines Landes und des ganzen Erdteils gewirkt, wie der Führer Deutsch­lands; denn, noch niemals stand ein Frontsol­dat wie er an der Spitze eines großen Landes, ein Frontkämpfer, der seine Kameraden und ihre Leiden im Kriege ebensowenig vergessen hat wie die Leiden und Entbehrungen seines ganzen Volkes. Aber weil er Staatsmann ist, weiß er eben auch.

Einmütiges Bekenntnis!

Er glaubte an Deutschland und des deutschen Volkes Sendung in der Welt, als wir verzagen wollten. Sein Glaube führte uns aus Dunkel und Zerrissenheit geeint in einen neuen Tag!

Wir können unseren Dank und unsere Liebe für ihn, den Führer, nicht besser beweisen als durch ein einmütiges Bekenntnis des ganzen deutschen Volkes zu ihm vor aller Welt!"

Agnes Miegel.

Theater im Dritten Reich.

Von Bernhard Gras Golms, Intendant der Volksbühne, Berlin.

Es gibt immer noch Menschen, die der Meinung sind, als müßte sich die nationalsozialistische Regie­rung gegen eine Kritik auf kulturellem Gebiet ver­teidigen, als wäre eine Kunst zerschlagen worden, die sich auf große und endgültige Leistungen be­rufen konnte. Besonders auf dem Gebiete des Theaters hat das traurige Flüstern und das weh­leidige Rückwärtsfchauen noch nicht aufgehört.

Das alte Hoftheater hatte der deutschen Bühnenkunst zu einer Selstbesinnuna und Festi­gung im Sinne dauerhafter Ensemblebildung ver­halfen. Durch die dauernde Bevormundung aber, der das Hoftheater unterlag, mußte die weitere Entwicklung zu einer wohlsituierten und feudalen, rein repräsentativen Darstellungsart führen, in der die Schauspieler nicht aus ihrer Lebendigkeit und dem inneren Kampf heraus, sondern auf Grund ihrer penfionsberechtigten Stellung als Darstel­lungsbeamte ihren Dienst redlich versahen. Gegen dieses problemlose Theater stellte die Bühne des Naturalismus die extreme Problematik, gegen den feudalen Optimismus des Pessimismus der so­zialen Not. Aber die soziale Not, die das natu­ralistische Theater, um sie lindern zu helfen, schil­dern wollte, wurde mit der Zeit von demselben Theater dazu mißbraucht, lediglich die Kassen zu füllen. Es ergab sich dieselbe Folgerung, bte sich vorher beim alten Hoftheater eingestellt hatte: daß auch dieses neue Theater dem Publikum nichts Wesentliches mehr zu sagen hatte, weil es selbst in seiner Theaterform erstarrt, weil das Theater Selbst­zweck und nicht mehr eine Darstellung des Lebens war. Versuche von revolutionärer Seite wiederum gegen dieses bürgerliche Theater anzugehen (Jeß- ner* Piscator) mußten daran scheitern, daß dieser revolutionäre Wille nicht dem Theater, sondern der damaligen Tagespolitik dienstbar gemacht, daß also

bas Theater gleichzeitig seiner eigenen Aufgabe und seinen inneren Gesetzen entrissen wurde.

Es muß festgestellt werden, daß die Krise im deutschen Theaterleben, zu der diese Entwicklungen einmal führen mußten, daß der innere und äußere Zusammenbruch im gesamten deutschen Theater­wesen in der Spielzeit 1932/33, also vor der natio­nalsozialistischen Machtübernahme, eingetreten ist. Zur Zeit der Machtübernahme ergab sich folgen­des Bild: die Staatstheater spielten vor leeren Häusern, im Deutschen Theater in Berlin, also im repräsentativen bürgerlichen Theater, war die Direktion Max Reinhardt bereits abgelöst worden durch die Direktion Beer-Martin, und auch diese Direktion hatte schon zurücktreten müssen. Die Volksbühne Berlin hatte durch die poli­tischen Experimente den größten Teil ihrer festen Besucherschaft verloren Einige Privattheater ver­suchten, sich noch zu halten, indem sie den Nerven­kitzel als Substanz ihres Spielplans darzubieten versuchten. Selbst die R o 11 e r s hatten vor der allgemeinen Pleite bereits die Flucht ins Ausland ergriffen. Das deutsche Theater war dem Volk ent­fremdet, es war geradezu ein Streik des Publikums festzustellen, das ganze deutsche Theater war, daran mögen sich die kritischen Na­turen heute einmal nachdrücklich erinnern lassen, rest­los am Ende. Wenn also heute stellenweise noch behauptet wird, durch die nationalsozialistische Re­volution sei das Theater in Deutschland in seiner Entwicklung gestört worden, so muß mit aller Ent­schiedenheit darauf hingewiesen werden, daß, wo die Selbstzerstörung schon ihr Ziel erreicht hatte, aber auch gar nichts mehr zu zerstören war.

Wenn wir diesem Trümmerhaufen gegenüber den jetzigen Zustand des deutschen Theaters be­trachten, wenn mir heute feststellen können, daß die Staatstheater nicht nur in Berlin wieder zug­kräftig geworden sind, daß in Berlin das Deutsche Theater, die Volksbühne, das Deutsche Opernhaus als Reichstheater innerlich und äußer­lich festgefügte Arbeitsmöglichkeiten bieten und einer großen Anzahl von Menschen jeden Abend wirk­lich etwas au geben haben, wenn wir heute ferner feststellen, daß es in Verbindung mitKraft durch Freude" möglich gewesen ist, das Theater durch eine entsprechende Preispolitik wirklich dem Volk zugänglich zu machen, Menschen in das The­ater zu führen und an das Theater zu fesseln, de­nen es früher unmöglich war, einen Theaterplatz zu bezahlen, wenn wir heute auf der einen Seite die immer fortschreitende innere und äußere Sanie­rung der Staatstheater und auf der an­deren Seite die Schaffung großer Volkstheater, beite auf künjtlerijch hohem Niveau, beobachten

können dann müssen mir, als fanatische Anhän­ger des deutschen Theaters und überzeugt von seiner inneren Berufung, einer Regierung dankbar sein, die es fertiggebracht hat, in der erstaunlich kurzen Zeit von drei Jahren die Schlacken zu beseitigen und die Fundamente für eine volksnahe und wirkliche Theaterkunst zu errichten.

Heute schon macht sich ein neuer Gei st unter den Schauspielern bemerkbar. Die Beseitigung des Zmiespalts zwischen Arbeitgeber und Arbeitneh­mer, die organisatorisch erreicht murde und Ein­beziehung aller Theaterschaffenden in eine Fach­schaft, die Beseitigung des Gegeneinanders und Nebeneinanders der verschiedensten Instanzen durch die Schaffung einer maßgeblichen Behörde für das gesamte deutsche Theatermesen, die Säuberung des. Spielplans von fremden Einflüssen haben eine" Atmosphäre der Arbeitsfreudigkeit und des Ver­trauens geschaffen, die allein mieder die Voraus­setzung sein kann zu einer inneren Entmicklung der deutschen Theaterkunst im Sinne ihrer eigentlichen Aufgabe, nämlich für den inneren Menschen zu sorgen, Beispiel zu geben, aufzurichten und zu er­freuen. Wer jemals die Berufung des deutschen Theaters so erkannt und gefühlt hat, der muß heute die Ehrlichkeit besitzen, die Rettung, Erhal­tung und Weiterführung dieser Berufung anzuer­kennen und Adolf Hitler und seiner Regierung dafür zu danken, daß er neben all den anderen Aufgaben, neben der ungeheueren politischen Neu­formung des Reiches sofort auch die kulturellen Probleme in Angriff genommen und einer Lo­sung entgegengeführt hat.

Der Fischadler.

Von Ernst Wiechert.

So wie ich mit sieben oder acht Jahren zu rauchen begonnen hatte, sehr heimlich und mit unvergeßlichen Folgen, so hatte ich auch um dieselbe Zeit zu schießen begonnen, und eine strenge Ausbildung hatte mich in allen Dingen der Jagd früh dahin gebracht, das; mein Vater auf diese meine Fähigkeiten wahrschein- lief) stolzer war als auf meine guten Schulzeugnisse Damals konnte ich aus einhundertfünfzig Meter'einen Haubentaucher mit der Kugel schießen, konnte Wild­enten, Sperber und Tauben aus dem Fluge her­unterholen, und noch viel später, als ich in Frank- reich die Scharfschützen der Division mit dem Ziel- fernrohr ausbildete, stand neben mir nicht die Ge- stakt irgendeines Kommandeurs, sondern die meines Vaters, der Lob und Tadel still, aber mit unver­geßlicher Wirkung austeilte.

Der See aber war für mich dasselbe, was Ame­

rika für die ersten Trapper war. Nur mußte man bescheiden im Vergleich sein, und daran fehlte es mir nicht. Damals waren feine Ufer noch mit alten Erlen bestanden, ehe ein reicher Mühlenbesitzer die ganzen Ufer pachtete, sie in Wiesen zu verwandeln versuchte und alle Bäume herunterschlagen ließ, den ersten Einbruch sinnloserZivilisation", den ich in meiner Heimat erlebte. Und während im Schilf Wildenten, Taucher und Fischreiher hausten, ab und zu sogar eine Rohrdommel, waren die alten Bäume und Grenzpfähle der Standort der Raubvögel, denen nach einem ungeschriebenen Gesetz der See und seine Ufer als Jagdgebiet gehörten: Bussarde, Hühner­habichte, Gabelweihen, Rvhrweihen und, als die Krönung des Ganzen, der königliche Fischadler.

Dieser Vogel hatte in meinen damaligen Tagen und Träumen eine besondere Rolle gespielt. Er hor­stete weit ab in den Wäldern, die den andern uns gehörigen See umgaben, und ein paarmal am Tage kam er herüber, um aus diesem seinem zweiten Jagd- gebiet seine Beute zu holen. Vielleicht sind an fein herrliches Bild meine ersten kaum bewußten Dichter­traume geknüpft, denn oft, wenn ich in den Schonun­gen jenfeits des kleinen Dorfes war, sah ich ihn von unserem See zu feinem unbekannten Horstbaum flie­gen, himmelhoch, aber doch war die Beute in feinen Fangen noch zu erkennen. Und dort, wo ich stand ließ er immer seinen Schrei über die unendlichen WM zu mir herunterfallen. Einen klagenden, ein­samen und mich auf eine unbeschreibliche Weise er* greifenben S^rel Dann starrte ich ihm nach, solange ich das Bild seiner schmalrissigen Schwingen erken­nen konnte, und eine unendliche Sehnsucht ergriff mid), das auf irgendeine Weise zu sagen, zu fingen, nur vom Herzen zu lösen.

Und vielleicht war es deshalb gut, daß ich diesen Adler niemals geschossen habe. Nach keiner Beute hat mich in meinem Leben leidenschaftlicher verlangt als nach ihm. Jedesmal hörte mein Herzschlag auf wenn in unendlicher Höhe der Adler plötzlich seine Flügel anzgg und in fast senkrechtem Stur; auf den F'sch herabstieß, den er gesehen hatte. Wie ein weiß, funkelnder Blitz schoß er hernieder, eine Schaum- molfe brauste auf, und langsam, schwer und majestä­tisch hoben sich seine Schwingen aus ihr auf, wäh­rend in feinen Fängen der riesige Fisch sichoch wand den er geschlagen hatte. Jedesmal zielte mein« Buchse nach der Stelle, an der er wieder auftauchen wußte, und jedesmal ließ ich sie wieder sinken viel- leicht weil ich fürchtete ihn zu treffen. Auch feinen Horst habe ich nie entdeckt, und so ist er in meiner Erinnerung das Stolzeste und Unerreichbarste ge- blieben, das meine Heimat besaß, und das sie nuf eine gütige Weise mir vorenthielt, damit die Hand nicht entweihte, was nur der Seels gehör«! sollte