Oeffentlichkeit zu treten. So wird im Anschluß an den ersten Teil der Tagung der Führer des Landesverbandes Hessen-Nassau, Turnoberlehrer Roth, Darmstadt, einen Vortrag halten über „Volks- erziehung und D. L. R. G.". Ferner wird ein Film über Rettungsschwimmen gezeigt werden. Zum Schluß ist den Besuchern noch Gelegenheit geboten, eine Ausstellung von Anschauungsmaterial und modernen Rettungs- und Wiederbelebungsapparaten zu besichtigen.
Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft, deren Tätigkeit in erster Linie der Förderung des Rettungswesens aus Wassernot dient, sollte viel mehr Allgemeingut des Deutschen Volkes werden. Denn nur durch die tatkräftige Mitarbeit aller Befähia- ten können die Ziele der Gesellschaft verwirklicht werden. Diese bestehen nicht nur in der Ausbildung von Rettungsschwimmern, sondern auch in der Unterhaltung von ständigen Rettungsstationen. Diese allgemeinnützigen Einrichtungen dienen in erster
Linie der Erhaltung des Volksganzen, weshalb ihre Förderung heute mehr denn je jedem Deutschen naheliegen sollte. Deshalb werdet Mitglieder der D. L. R. G. und somit Rettungsschwimmer!
Der Besuch der Tagung ist für jedermann kostenlos. Die Tagung sollte somit das besondere Interesse der Gießener Bevölkerung Hervorrufen. Man beachte die heutige Anzeige.
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** Straßensperre. Wegen Ausführung von Straßenbauarbeiten wird die Landstraße Butzbach — Griedel vom 4. März ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über die Landstraße B u tz b a ch—L i ch.
** Vom 1. März ab verboten. Es sei darauf aufmerksam gemacht, daß auf Grund des Art. 8 des Naturschutzgesetzes vom 14. Oktober 1931 das Entfernen und Beschneiden von Hecken, sowie das Abbrennen von Wiesen, Rainen, Hängen und dergleichen vom 1. März ab verboten ist.
Deutsche Arbeitsfront Hilst dem WHW.
An alle DAI.-Dalker und Betriebssichrer der Gießener Ortsgruppen.
Vekr.: Sammelaktion der DAI. am 29. Februar und 1. 2Närz 1936.
Sämtliche DAI.-Walter, die Samstagnachmittag dienstfrei haben, treten um 15.30 Uhr in der Schon- zenstraße 18 (Haus der DAF.) an.
Ab 16 Uhr seht die Sammelaktion in Gießen ein. Wir erwarten von den DAF.-Waltern, daß sie pünktlich zum Empfang der Sammelbüchsen antreten.
Die übrigen DAF.-Walter und Betriebsführer, die am Samstag nicht sammeln, treten Sonntag, 1. März, vormittags 8.30 Uhr, ebenfalls in der Schanzensiraße 18 an.
Anzug: Uniform oder blauer Anzug mit DAF.- INühe.
Kreiswaltung Gießen der DAF.
BetnebSappelle zur Winterhilfssammlung der DAI.
NSG. Am Samstag finden im Rahmen der Reichsstraßensammlung der DAF. in allen Betrieben, die einen Vertrauensrat haben, Sammlungen statt. In einem Betriebsappell weisen Betriebsführer und Betriebswalter auf die Wichtigkeit dieses Tages hin, der die Deutsche Ar
beitsfront im Kampf gegen Hunger und Kälte findet. Im Anschluß an diesen Appell sammeln Betriebsführer und Vertrauensrat innerhalb der Gefolgschaft für das WHW. Getreu der Parole des Tages: „Wir kennen die Not, wir helfen mit!" wird kein deutscher Arbeiter es sich nehmen lassen, die kleine weiße Narzisse zu erwerben.
Alle helfen!
Am 29. Februar und 1. März sammelt die Deutsche Arbeitsfront für das Winterhilfswerk. In Fabriken und Büros, in Geschäften und auf den Straßen werden die Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront, Schaffende aller Berufe, mit der Sammelbüchse gegen die Not kämpfen.
Nicht nur die Männer der Arbeitsfront, vom Betriebsführer bis zum Botenjungen, sondern auch alle Walter der DAF. und Warte der NS.-Ge- meinschaft „Kraft durch Freude" werden zum öffentlichen Appell des Winterhilfswerks antreten. Mitglieder des Vertrauensrates und Betriebsführer aller Betriebe werden Schulter an Schulter stehen. Am 29. Februar wird in den Betrieben und am selben Tage sowie am 1. März auf der Straße gesammelt.
Auch der Einzelhandel wird am 29. Februar in seinen Geschäften an das Herz jedes Kunden die Bitte um eine Gabe für das WHW. richten. Wer kaust, soll derer gedenken, die es nicht können. In den Veranstaltungen der NSG. „KdF." wird am Samstag unter der Parole „Wir kennen die Not, wir helfen mit!" gesammelt werden.
NG.-Gemeinschast „Krast durch Freude".
Bordfest in Gießen
zu Gunsten des Winterhilfswerkes 1935/36.
Am Samstag, 29. Februar, 20.30 Uhr findet im Cafe Leib das großangelegte Bordfest auf dem Seedampfer „Cafe Bauch" unter Mitwirkung der Künstler des Stadttheaters und der fröhlichen Bord- kapelle Krengel statt. Der gute Zweck verpflichtet jeden Volksgenossen an dem Fest teilzunehmen. Eintrittskarten sind in den bekannten Voroerkaufsstellen zu haben. Eintrittspreis —,60 Mark.
Deutsches Volksbildungswerk.
Zum Vortragsabend am Montag, 2. März, 20 Uhr in der Neuen Aula „Eine frohe Stunde mit Hermann Löns" sind verbilligte Karten für DAF.-Mit- glieder zum Preise von —,40 Mark in der Kreisdienststelle zu haben.
Richtlinien für die Urlaubsfahrten der RS.-Gemein- schaft „Kraft durch Freude" im Jahr 1936.
Teilnahmeberechtigung: Teilnahmeberechtigt an unseren Urlaubsfahrten sind alle Mit
glieder der Deutschen Arbeitsfront und der ihr angeschlossenen Verbände, welche auf Grund ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse nicht in der Lage sind, Fahrten zum Normalpreis zu unternehmen. Diejenigen Volksgenossen, welche auch bisher ohne die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" Reisen unternommen haben und auch heute noch dazu in der Lage sind, haben sich nach wie vor der üblichen Reise- und Verkehrsbüros, die ja auch mit einer Reihe von Fahrtoergünstigungen aufwarten können, zu bedienen. Um Ungerechtigkeiten, die durch eine feste Fixierung der Einkommensgrenze auftreten können, zu vermeiden, sehen wir von einer solchen ab. Bei Grenzfällen wird der zuständige Arnts- wart der NSG. „Kraft durch Freude" die Entscheidung beim Gauamt einholen.
Anmeldung: Die Anmeldung zu einer „Krnft- durch-Freude"-Urlaubsfahrt wird beim zuständigen „KdF."-Wart, das ist in jedem Falle der Betriebsoder Ortswart, oorgenommen. Durch die Erstellung des gesamten Urlaubsprogrammes wird es jedem Urlaubskameraden möglich gemacht, sich frühzeitig
raimilnbeMen.
Roman von H. von Hellermann.
Copyright 1936 by Aufwärts-Derlag G. m. b. H., Berlin SW 68.
33. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
„Das war mir eine Selbstverständlichkeit, Frau Margret, wie hätte ich in solcher Stunde fernbleiben können!"
Der blonde Junge blickte von einem zum anderen, eine ganz merkwürdige Freude in sich. Nichts spürte er mehr von der Eifersucht, die ihm das Leben noch vor kurzem vergiftet hatte. Der Mann da gehörte zu ihnen.
„Sie sollen auch, bitte, nicht mehr fernbleiben", sagte er stockend, „Mutti kann das nicht allein durchkämpfen, die braucht Sie — und — wir auch" —
Ein überraschtes Aufsehen, ein Aufleuchten in den Augen des Aelteren, ein sehr fester, stummer Händedruck — und was den einen vom anderen getrennt, war abgetan.
Gemeinsam warteten sie, bis die junge Schwester Frau Mervius an das Bett der Tochter rief. Und die Mutter brachte es fertig, ihr Kind in gewohnter liebevoller Ruhe, ohne eine Spur der durchlebten Angst zu begrüßen.
Der Blick der Verletzten ging stumpf über sie hinweg, blieb im Leeren hängen. Nur einmal weitete er sich unruhig, als die Tür aufging, um gleich wieder zu erlöschen. Die Schwester war ins Zimmer getreten, dessen gedämpftes Licht, nur von der kleinen grünbeschirmten Bettlampe verbreitet, wohl tat nach der grellen Helle des anderen Raumes. Sie war noch nicht bei klarem Bewußtsein, schien in einem Dämmerzustand befangen. Frau Margret konnte nichts tun, als die Hände ihres Kindes streicheln, ganz zart die Wange küssen, die kaum weniger weiß war als das Linnen, auf dem sie lag.
Das war das Schwerste: nicht helfen können! Es sagte sich so leicht — „abwarten, Geduld haben." — Was wußten die anderen, wie es einer Mutter ums Herz war, das immer und immer wieder in unablässiger Selbstfolterung den einen Gedanken wälzte: Wärst du nicht fortgegangen, wäre es nicht geschehen. Schuldlos fein und sich doch schuldig fühlen.
Ein silberner Reif breitete sich in diesen Tagen tatenlosen Harrens, den vielen durchwachten Nächten über das braune Haar Frau Margrets, die nie in ihrem Leben so tief gelitten. Nur die Liebe der Kinder, der tröstende Zuspruch des Freundes, der täglich kam, rettete sie vor dem völligen Versinken im Schmerz nutzloser Grübelei.
Tapfer stand Grete der Mutter bei, die mehr im Krankenhaus als daheim war, übernahm deren Pflichten zu den ihren und verschwieg, was das eigene Herz bedrängte. Nur ein wenig blaß und schmal war sie geworden, die junge Grete, die einen Mann liebte, den bald unüberbrückbare Ferne von ihr trennte. „Daß man so ein Ekel mcht vergessen kann", dachte sie zornig, den Staubsauger in höchsten Tönen über den Teppich wimmern lassend. „Erst zu sagen, daß er einen lieb hat — und dann auf und davon zu gehen. So etwas gibt es doch einfach nicht wieder! Und dann nicht einmal zu schreiben —"
Ungerechterweise vergaß sie, daß er damit nur ihrem Wunsche gehorchte. Logik und Liebe vertrugen sich nun einmal schlecht. Mochte er mit seinen alten Gerippen selig werden!! Womit der Staubsauger mit protestierendem Knacks weitere Bereicherung der gleichen Fläche ablehnte. Allzuviel war ungesund.
Auch Hans litt unter dem Unglück, das die Schwester betroffen hatte. Ihm fehlte die Mutter, ihre stets für ihn bereite, zärtlich umsorgende Liebe, die fröhliche Behaglichkeit, die immer im Hause geherrscht. Unstet pendelte er zwischen Gymnasium, dem Krankenhaus und dem irgendwie ungemütlich gewordenen Heim hin und her, machte Besorgungen für Grete, besuchte Freunde, bei denen er es jedoch nie lange aushielt, und war froh, bei Dr. Goebel und dem Maler die Ruhe und herzliche Teilnahme zu finden, deren man in jungen Jahren so sehr bedarf. War doch ein gescheiter Gedanke von ihm gewesen, Goebel wieder herbeizuholen! Immer mehr schloß sich der junge Mann an den älteres» an, der auch liebte, wo er liebte. Diese Liebe, die sie zuerst getrennt, wurde nun das Band, das sie einigte.
Am schwersten, nach der Mutter, litt Drau. Als ihn die Nachricht von dem Unglück erreichte, eilte er sofort zu der Frau, die Inhalt feines Lebens geworden. Verzweiflungsvoll raste er wider das Schicksal, das so blind und sinnlos zerstört, was vor kurzem noch so hold und beseligend geblüht hatte. So oft er durfte, saß er am Bett Elfriede Stallings, die starr und bewegungslos, in Verbände gezwängt, auf ihrem Schmerzenslager lag. Und die Leiden, die sie erduldete, brannten fein Herz in sengender Qual.
Das Unerträglichste aber war, zu spüren, daß ihre Seele von seiner überströmenden, mitleidenden Liebe nicht berührt wurde. Denn das war das Seltsame: Seit dem Unfall hatte sich etwas zwischen sie beide geschoben, ein unsichtbares, unerklärliches Hindernis, das der Mann nicht zu beseitigen Der» mod)te. Es war ihm manchmal, als pralle fein Gefühl an einer Mauer ab, die sich um die Kranke getürmt, feine Worte erstorben, ehe sie ihr Ziel, das Heiligtum ihres Herzens, erreicht. Oft, während er mit ihr sprach, wandte sie den Blick fort in ange-
filr eine Fahrt anzumelden. Man bedient sich dabei des in den Monatsprogrammen enthaltenen Anmeldeformulars, das genauestens auszufüllen ist. Besonders ist darauf zu achten, daß die Bezeichnung der Urlaubsfahrt sowie die Nummer derselben mit dem Programm übereinstimmen. Inhaber von Reisesparkarten zeigen dieselbe bei der Anmeldung vor. Hat der Teilnahmewillige seinen Urlaub für eine bestimmte Zeit festgesetzt, um an einer „KdF."-Reise teilzunehmen, jo empfiehlt es sich, die Möglichkeit der Voranmeldung zu benutzen. In oiesem Falle meldet er sich unter Vorlage seiner Reisesparkarte, die mindestens einen Wert von 3 Mark haben muß, bei seiner zuständi- aen „KdF."-Dienststelle. Die Dienststelle nimmt die Anmeldung für den bestimmten Urlauberzug entgegen und sperrt einen Betrag auf der Reisesparkarte. Die endgültige Anmeldung unter Zahlung des Gesamtpreises für die Urlaubsfahrt muß mindestens 4 Wochen vor Abgang der Fahrt erfolgt fein (Reisesparkarten werden als Bargeld in Zahlung gegeben), da sonst der vorangemeldete Platz anderweitig vergeben werden muß.
Fahrpreis vom Wohnort zum Ab- fahrts- bzw. Unterwegsbahnhof des Sonderzugs: Kameraden, die nicht am Abgangsort des Sonderzuges wohnen, erhalten gegen Vorzeigen der Sonderzug-Rückfahrkarte eine um 75 v. H. ermäßigte Anschlußkarte vom Bahnhof des Wahnortes (höchstens 100 Kilometer einfache Entfernung) bis zur Abgangs- bzw. Zwischenstation des Sonderzuges und zurück.
Gültigkeit der Sonderzugkarten: Die Fahrkarte gilt nur für den auf der Karte auf- ?edruckten Zug. Sie verliert demnach die Gültig- eit, sobald der Urlauber irgendeinen anderen Zug benutzt. Sollte der Teilnehmer aus irgendeinem Grund mit einem anderen Zug die Fahrt beginnen ober fortsetzen, so muß eine neue Fahrkarte zum normalen Preis gelüst werden.
Bekanntgabe der „Kd F." -Züge, der genauen Fahrzeiten und Aenderun- g e n : In jedem Monatsheft werden die noch offenen Züge des Monats sowie etwaige Aenderungen bekanntgegeben. Jeder Kamerad, der sich über seine geplanten Reisen auf dem laufenden halten will, muß im Besitz des Monatsprogrammes fein.
Sportamt „Krast durch Freude".
heule folgende Kurse:
Allgem. Körperschule, Frauen und Männer: Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26.
Fröhl. Gymnastik und Spiele, nur Frauen: Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Lollar, Kan« tine der Firma Buderus.
Schwimmen, Frauen und Männer: Von 20.30 bis 21.30 Uhr, von 21.30 bis 22.15 Uhr, Volksbad.
Reiten: Von 20 bis 21 Uhr, Universitats-Reit- institut, Brandplatz.
In den neu beginnenden Reitkursen für Anfänger find noch einige Plätze frei. Die Kosten betragen für den 6ftünbigen Kursus für Mitglieber ber DAF. 6.— Mk., für Nichtmitglieber 9.— Mark. Anmelbungen nimmt bie Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, entgegen.
Schachkurse bei der 7!S.-Gemeinschast „Krast durch Freude".
NSG. Das Gausportamt ber NS.-Gemeinschaft „Kraft burch Freube" will bie Freizeit der Werktätigen noch mehr ausbauen und weitergestalten durch die Einführung des Schachspiels in besonderen Kursen. Im Rahmen des Freizeitwerkes ist gerade hier vielen Frauen und Männern Gelegenheit geboten, sich im Kreise von Werkskameraden an diesem herrlichen Spiel zu erfreuen. Teilnahmeberechtigt an diesen Kursen sind sämtliche Volksgenossen, die im Besitz einer Jahressportkarte sind. Die Kurse werden sowohl für Anfänger, als auch für Fortgeschrittene als „Geschlossene Kurse" durchgeführt und erstrecken sich auf 6 Doppelstunden Unterricht, der je einmal in der Woche statt« findet. Gute Lehrkräfte stehen zur Verfügung. Die Teilnahmegebühren betragen sowohl für Anfänger, als auch für Fortgeschrittene für DAF.-Mitglieder 6 mal 0,20 RM. — 1,20 RM., für Nichtmitglieber 6 mal 0,40 RM. = 2,40 RM. Anmelbungen für bie Schachkurse nehmen bie Sportämter Groß-Frankfurt, Wiesbaden, bie Sportamtsstützpunkte Darm- stabt, Gießen, Offenbach unb Mainz, sowie alle anberen Dienststellen ber NS.-Gemeinschaft „Kraft burch Freube" entgegen.
Der Artilleristentag in Gießen.
In ber Jahreshauptversammlung bes Artillerie- Vereins Gießen am 1. Februar hatte — wie wir im „Gieß. Anz." vom 3. Februar bereits berichteten — ber Kameradschaftsführer des Artillerie- Vereins Gießen mitgeteilt, daß am 15. März ein großer Artilleri st en-Tag in Gießen statt- finden werde, bei dem sich nicht nur die alten und die aktiven Artilleristen der Stadt Gießen, sondern auch die ehemaligen Artilleristen aus dem Kreise Gießen und den anschließenden Bezirken treffen würden, ferner die anderen Organisationen der alten Soldaten zur Beteiligung aufgefordert werden sollten. Jene Mitteilung des Kameradschaftsführers der alten Gießener Artilleristen wurde von der Versammlung mit lebhaftem Beifall ausgenommen.
Nunmehr hat sich der Artillerie-Verein Gießen mit einem Rundschreiben feines Ka- meradschaftsführers Müller an alle ehemaligen Artilleristen gewandt mit der Aufforderung, an diesem Artillensten-Treffen teilzunehmen. In dem Rundschreiben wird betont, daß am 15. Marz, einem Sonntag, die Männer vom schwarzen Kragen aus Stadt und Land wieder einmal ihren Waffenkameraden aus der Dienstzeit und ihren Kampfgenossen aus dem großen Kriege die Hände reichen wollen. An diesem Tage würden die jungen Kameraden der Artillerie-Abteilung in Gießen zeigen, wie sie wohnen, wie sie leben und lernen, was sie können und daß sie zu den alten Artilleristen gehören und diese zu ihnen. Zu dem Treffen sind alle ehemaligen Artilleristen herzlich
eingeladen. Die Zeit und die Kosten sind so gehalten, daß jeder Kamerad teilnehmen kann. Für die Durchführung des Treffens ist folgende Zeiteinteilung vorgesehen:
Ab 8 Uhr: Empfang der Kameraden am Bahnhof und auf dem Oswaldsgarten.
9 Uhr: Abmarsch vom Oswaldsgarten unter Dorantritt des berittenen Trompeterkorps zur Kaserne. Die nicht marschfähigen Kameraden sammeln sich bis 10 Uhr vor der Volkshalle und werden von dort zur Kaserne geführt.
Empfang durch den Kommandeur, Herrn Hauptmann Welte. Ab 10.30 Uhr Besichtigung ber Ka- sernen-Anlagen.
13 Uhr: Gemeinsames Mittagessen in ber Kaserne.
Vorführungen ber I/A.-R. 9: Geschützexerzieren, Reiten.
Geschlossener Abmarsch zum kamerabschaftlichen Zusammensein mit Konzert im „Cafä Leib".
Zur Deckung ber Unkosten einschließlich Mittagessen ist ein Beitrag von 1,50 RM. notroenbig.
Karneraben, bie an bem Treffen teilnehmen wollen, werben gebeten, sich möglichst umgehenb, spätestens aber b i s 2. Mär 1936, Karnerad- fchaften und Vereine geschlossen, bei Kamerad Wilhelm Stephan, Gießen, Bahnhof- st r a ß e 2 4, anzumelden, unter Anforderung der entsprechenden Abzeichen und Essenkarten.
Angemeldete Kameraden, die keinem Artillerie-Verein angehören, können Abzeichen usw. beim Empfang erhalten.
spanntem Lauschen — vernahm ihn gar nicht. Wenn er sich ihr näherte, glitt ber Blick an ihm vorbei, um erwartungsvoll an ber Tür haften zu bleiben. Aber in biefer lauschenben Erwartung lag eine kaum verhüllte Angst, bie sich in ber flatfernben Unruhe ber Augen deutlich wider- (piegelte.
„Krankheitserregung", beruhigte ber Arzt, selber beunruhigt über bie verzögerte Heilung. Aber Drau wußte es besser. Sie fürchtete sich. Vor was —? Vor irgenbeinem burch Leiben verursachten Wahn- gebilde? Vor — bem Tob, vor einem Menschen?
Was war geschehen an jenem Unglücfstag, bas sich bem Wissen aller entzog? Unablässig beschäftigte ihn biefe Frage, bie nur ein Mund beantworten konnte. Aber ber blieb stumm.
Unb bann kam boch ber Tag, an bem Elfriebe Stalling sprach.
Nicht zu Mutter, nicht zu Drau — Goebel, ber väterliche Freunb war es, dem sie sich offenbarte.
Eine Männerstimme im Flur schreckte die Kranke dermaßen, daß sie hochfahren wollte — um, in der Bewegung gehemmt, ächzend in die Kissen zurückzusinken.
„Jetzt kommt er", murmelte sie.
Goebel ergriff ihre Hand.
„Wen erwarten Sie, Frau Elfriede?", fragte er sanft, die Angst in dem bleichen Gesicht nicht begreifend.
„Bruck!" Ihre Lippen bebten. „Es gibt keine Rettung vor ihm, man muß tun, was er will."
Der Mann neben ihr horchte auf. Sprach sie im Fieber —?
„Was will er denn von Ihnen?"
„Daß ich mit ihm gehe — sonst entzieht er Mutti das Geld ..."
Was war das —?! Goebel rückte ein wenig näher, strich beunruhigend über die mager gewordenen Finger, die unruhig zwischen seinen Händen hin und her zuckten.
„Wann hat er Ihnen das gesagt, Kind?"
Die Kranke sah ihn ungeduldig an:
„Nun, damals, als er kam, — als ich allein war!" Der Freund begriff plötzlich.
„Er wollte Sie zwingen —"
„Ja, ja — aber ich lief aus bem Zimmer, wollte auf bie Strafte — fort — fiel auf ber Treppe--
Aber nicht Mama sagen, niemanb sagen! Sonst straft er Sie auch!"
In ben sonst so matten Augen flackerte helle Erregung. Goebel beugte sich über sie.
„Frau Elfriebe, sehen Sie mich an — versuchen Sie ganz ruhig nachzubenken: meinen Sie ben bekannten Kommerzienrat Bruck, ben kleinen blonben Mann mit Brille, der mit seiner Frau in Ihren» Hause verkehrte?"
Die Kranke runzelte die Brauen im angespannten Zuhören.
„Ja, der ift's, mit den bösen Augen. Immer verfolgte er mich--Ach, er ist schlecht, schlecht, alle
fürchten ihn. Aber Mutti soll nicht leiden — ich werde ihn bitten, ihr zu helfen."
Guter Gott, was hatte das arme junge Geschöpf gelitten, und alles verheimlicht —
Goebel war im Begriff, der Kranken auch über bas Schicksal ihres Mannes zu berichten. Die Untersuchung hat ergeben, baß Theodor Stalling nicht nur umfangreiche Unterschlagungen gemacht hatte, fonbern baß er auch in eine böse Betrugsaffäre verwickelt war. Die Untersuchung zeigte ihm, baß er einige Jahre Gefängnis, wenn nicht gar Zuchthaus, zu erwarten hatte. Der ehemals so luftige Teddy hatte sich im Gefängnis selbst ber Verantwortung entzogen.
Natürlich hatten sämtliche Zeitungen über ben Fall berichtet, auch sonst war einiges in bie Oes- fentlichkeit gesickert. Margret Mervius unb bie Ihren hatten immer befürchtet, baß Elfriebe plötzlich von einem Fremben über ben Tob ihres Mannes unterrichtet werben könnte. Aber auf Anraten Goebels unb bes Arztes teilte man ber Kranken vorläufig nichts mit.
3m Anschluß an bie Unterredung mit Elfriede über Bruck war Goebel schon im Begriff, der jungen Frau auch über das Schicksal des Mannes zu berichten. Als er aber sah, welche Beruhigung über sie kam, als sie erkannte, daß von Bruck her keine Gefahr mehr drohe, da brachte er es nicht über sich, der Kranken von neuem das Herz mit Sorgen schwer zu machen ...
So sagte er denn in ruhigem und fast väterlich zärtlichem Ton:
„Sie brauchen ihn nicht zu bitten, liebes Kind, unb ihn nicht mehr zu fürchten, Max Bruck kann keinem Menschen weiteres Unheil zufügen."
Ernst, klar unb einbringlich klang die gütige Stimme.
„Dieser Mann ist seinen irdischen Richtern entflohen, um der göttlichen Gerechtigkeit ausgeliefert zu werden."
Der Blick der jungen Frau hing an Goebels Lippen, starr — „er ist--"
„Er ist tot. lieber bem Kanal, auf ber Flucht nach Englanb, stürzte bas Flugzeug ab. Sein Tod hat ihn der Verhaftung entzogen. Viele Menschen wurden durch ihn um ihr letztes fyab und Gut betrogen. Nun mag Gott ihn richten."
„Er tft tot — tot--"
Immer wieder flüsterte sie es vor sich hin. Sie war erlöst ... Große Tränen rannen über das blaffe Gesicht, das sich unter dem liebevollen Zuspruch des väterlichen Freundes allmählich entspannte zu einem Ausdruck tiefen Friedens. Vorbei alle Not und Angst. Sie war erlöst.
(Fortsetzung folgt!)
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