des deutschen Buches" an, daß so das Buch zu einem unentbehrlichen Berater und Helfer des Landvolkes werden müsse.
Es wird jeder zugeben, daß der Landmann roe« Niger Zeit zum Lesen hat als die Angehörigen wohl aller anderen Berufe. Im Frühjahr, Sommer und Herbst wird auf dem Lande vom frühesten Morgen bis in den späten Abend hinein gearbeitet. Aber im Winter gibt es stille Stunden, wo auch der Angehörige des Landvolks Zeit und Muße findet, sich einem Buche zu widmen, sei es, um sich fachlich weiterzubilden, sei es darüber hin, aus ein politisches Werk, das jeder Deutsche kennen muß, sei es ein guter Roman, eine Reisebeschreibung oder anderes mehr. Es soll nur keiner sagen, daß es ihm zu teuer sei, für ein Buch ein paar Mark auszugeben. Zwar ist Sparen eine sehr lobenswerte Sache, aber Sparen am falschen Ende ist ebenso grundsätzlich verkehrt. Ausgaben für ein gutes Buch sind niemals unnütz, denn durch das Buch verbindet sich der Mensch mit dem Leben seines Volkes, mit seiner Geschichte, mit sei-
höchster Nationalismus ist höchster Sozialismus! Denkt daran, wenn am 31. Oktober und 1. November SA.» SS. und NSKü. für das whw. sammeln. Das Edelsteinabzeichen der zweiten Reichsstrahensammlung des WHW. ist die Arbeit von falt 1200 Edelsteinschleifern an der Nahe. Jeder Deutsche hilft mit am großen Werk des Führers durch fein Opfer am
31. Oktober und 1. November!
ner Arbeit und darüber hinaus mit dem menschlichen Schaffen in aller Welt. So sind Bücher Mittler zwischen dem einzelnen und dem tätigen Leben in aller Welt.
Man liest ja nicht um des Lesens willen, das Lesen ist kein Selbstzweck, nein, durch das Lesen guter Bücher soll der einzelne in die Lage versetzt werden, seine Leistungen durch Weiterbildung zu steigern, er soll aber auch Stunden der Erholung, der Ausspannung und der Erbauung durch das Bücherlesen gewinnen. Und das braucht und will man auch auf dem Lande, ja gerade auf dem Lande. Bücher ins Dorf! ist deshalb eine der wichtigsten Parolen der Buchwoche. Khb.
Äornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
NSDAP., Ortsgruppe Gießen-Ost: 20.15 Uhr Versammlung im Caf6 Leib; es spricht Pg. Eisen - t r a u d , Frankfurt a. M. — Stadttheater: 20 bis 23 Uhr „Figaros Hochzeit". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Glückskinder". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: 14.15 Uhr Märchen-Sondervorstellung „Hänsel und Gretel"; „Ein Lied klagt an!". — Ausstellung „Das Buch" im Foyer des Stadttheaters. — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand: 17 bis 18 Uhr große Kunstausstellung von Oelgemälden, Aquarellen und Tempera.
Bornotizen.
Stadttheater Gießen.
Heute abend findet die erste Wiederholung von „Figaros Hochzeit", Oper von W. A. Mozart, statt. Die musikalische Leitung liegt in den Händen des Kapellmeisters Paul Walter. Die Spielleitung führt der Intendant. Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr. Dienstag-Miete, 6. Vorstellung.
NSDAP., Ortsgruppe Gießen-Ost.
Am heutigen Dienstag, 27. Oktober, 20.15 Uhr, Versammlung im Caf6 Leib. Es spricht Pg. Eisen tra ud, Frankfurt a. M., Gauredner und Kreisobmann der DAF. Die Parteigenossen, die Mitglieder des Opferrings, alle Gliederungen, die DAF. und alle übrigen Volksgenossen sind eingeladen. Eintritt frei.
Hitler-Zugend Bann 116 Gießen.
Die Pressestelle des Bannes 116 der HI. teilt uns mit:
An der Sendung der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" am Sonntag, 1. November, im Gloria-Palast nehmen u. a. auch Hitlerjungen teil. Auch liegt die musikalische Leitung in den Händen des Bannmusikreferenten. Die Führer der Gefolgschaften und Sondereinheiten setzen nach Möglichkeit Gemeinschaftsempfang für die Scharen an. Näheres in den Ankündigungen.
Bürgermeister-Tagung in Gießen.
Die Kreisabteilung Gießen der Landesdienststelle Hessen - Hessen-Nassau des Deutschen Gemeindetages hielt am gestrigen Montagnachmittag im Restaurant „Zum kühlen Grund" eine Bürgermeister- Versammlung ab, die von dem Vorsitzenden. Bürgermeister Euler (Wieseck), geleitet wurde, lieber das
Urkundensleuergefeh
sprach als erster Redner Regierungsrat Dr. D e x - Heimer vom Finanzamt Gießen. Er zeigte die bisherigen Vielseitigkeiten des Urkundenrechtes, das z. B. in Hessen durch das Hessische Urkundensteuergesetz, in den anderen Ländern und im Reich durch weitere, in ihren Einzelbestimmungen differenzierte Gesetze geregelt war und nun im neuen Reich durch ein neues Urkundengesetz vereinheitlicht wurde. Dadurch sind viele Aenderungen eingetreten, weil nun Dinge, die bisher besteuert wurden, steuerfrei ausgehen, während andere, die bisher steuerfrei waren, jetzt unter das Gesetz fallen. Die Aufgaben der Bürgermeister auf diesem Gebiete sind darum größer geworden. Der Vortragende erläuterte dann eingehend die gesetzlichen Bestimmungen. Er forderte die Bürgermeister zu ersprießlicher Zusammenarbeit mit dem Finanzamt auf, das in jedem Falle zu Auskünften zur Verfügung steht. In einer angeregten Aussprache wurden Einzelfälle geklärt. Bürgermeister Euler machte bekannt, daß in einer nächsten Versammlung ein weiterer Vortrag über dieses umfangreiche Gebiet folgen soll.
Die Mitwirkung der Bürgermeister bei baupolizeilichen Borschriflen
behandelte ein Vortrag von Regierungsbaurat Kuhlmann vom Staatlichen Hochbauamt Gießen. Er machte den Bürgermeistern verständlich, daß die strikte Befolgung der gesetzlichen Vorschriften keine kleinliche Erfüllung des Buchstabens bedeutet, sondern, von höherer Warte aus gesehen, eine Berücksichtigung des Interesses der Allgemeinheit und eine wertvolle kulturpolitische Aufgabe für das Volk darstellt. Im Kreise Gießen ist eine große Fülle von Bauwerken, Hausrat und Häusergruppen, sowie von Platzgestaltungen vorhanden, ferner manche Bauwerke mit vielen Kulturepochen, die von großer Bedeutung sind. In Zusammenarbeit von Denkmalpflege und Baupolizei ist man jetzt bestrebt, auf dem großen Gebiet des Fachwerkbaues, der von dem Charakter der Bewohner zeugt, eine zielsichere Pflege durchzuführen. Es ist Aufgabe der Bürgermeister, dabei mitzuarbeiten, daß diese Bauwerke erhalten und gepflegt werden, daß das gute Alte vor Verschandelung geschützt und vor Zerstörung be
wahrt wird. Dazu gehört auch die Aufgabe, historische Bauwerke vor einer stillosen Umgebung mit neuen, unsachgemäßen Bauten zu bewahren. Die baupolizeilichen Vorschriften dienen dazu, den Charakter der Ortschaften und Städte stilvoll zu bewahren und dem unvernünftigen Bauen zu begegnen. Das Hochbauamt steht schon bei der Bauplanung mit Rat und Tat kostenlos zur Verfügung.
Regierungsrat Weber vom Kreisamt Gießen machte mit den Bauvorschriften bekannt und wies darauf hin, daß zu der Erneuerung alter Facbwerk- bauten durch den Denkmalpfleger Zuschüsse bewilligt werden können. Oberbauinspektor Mohr vom Hochbauamt erläuterte die Vorschriften und betonte nochmals, daß zu allen Bauvorhaben, ganz gleich welcher Art, erst die Genehmigung einzuholen ist.
In einer kurzen Pause gab Oberregierungsrat Dr. Schönhals Dienstanweisungen und sprach dann über einige dienstliche Angelegenheiten.
Nachdem Bürgermeister a. D. A x aus Nanz- hausen auf die vom Deutschen Gemeindetaa befürwortete Ortschronik hingewiesen hatte, die den Gemeinden zur Festhaltung aller wichtigen Begebenheiten empfohlen wird, sprach Dr. Finger vom Staatlichen Gesundheitsamt, Abteilung Beratungsstelle für erbbiologische Forschung, über die
Mitarbeit der Bürgermeister bei den erbbiologischen Maßnahmen des Staates.
Der Redner gab den Bürgermeistern Einblick in das umfangreiche und verantwortungsvolle Aufgabengebiet der erbbiologischen Betreuung und besprach dann die verantwortungsbewußte Mithilfe bei den Anträgen für Ehestandsdarlehen, Siedler- und Kinderbeihilfen, der Erbfähigkeit, Heiratstaub- lichkeit usw. Er verwies besonders darauf, daß für alle diese Anträge die Beratungsstelle in Gießen, Friedrichstraße 18, zuständig ist. U. a. machte er auch darauf aufmerksam, daß Anträge auf Ehestandsdarlehen nur mit der vom Bürgermeister be- glaubigten Unterschrift einzureichen sind und forderte die Bürgermeister auf, durch die Ausnützung der ihnen zugestandenen Gelegenheit zur Niederschrift der für den Einzelfall wichtigen Kenntnisse die Arbeit der Beratungsstelle zu fördern.
Bürgermeister Euler dankte allen Rednern und den Bürgermeistern und kündigte eine weitere Versammlung an, die in erster Linie dem Gedankenaustausch in zwangloser Form dienen wird. Mit dem Gruß an den Führer beschloß er die arbeitsreiche Tagung.
Rekruten-Vereidigung in Gießen am nächsten Freitag.
Der Standortälteste der Garnison Gießen teilt uns mit:
Freitag, 30. Oktober, 11 Uhr, findet auf dem Platz zwischen der Artillerie-Kaserne und der Volkshalle die Vereidigung der neu eingezogenen Rekruten der Gießener Truppenteile statt.
Nach kurzen Ansprachen der Geistlichen beider Konfessionen und des Standortältesten wird die eigentliche Vereidigung in feierlicher Form vorgenommen.
Der Bevölkerung der Stadt Gießen ist durch Beiwohnen die Möglichkeit zur Teilnahme gegeben.
Es wird gebeten, den Anordnungen der Absperrkommandos Folge zu leisten und besonders den feierlichen Akt der Vereidigung nicht durch lautes Sprechen und Rufen zu stören.
Schule und Reformationstag.
LPD. Die Abteilung VII der hessischen Landesregierung ordnet an, daß, da in diesem Jahr der Tag des'Reformationsfestes mit dem Staatsjugendtag zusammenfällt, am Samstag, 31. Oktober, der Unterricht für sämtliche evangelische Schüler und Lehrer ausfällt.
Große Vogelzüge in Richtung Westen und Südwesten.
Am Sonntagnachmittag und den ganzen Montag über konnte man andauernd große Schwärme von Krähen beobachten, die in nicht sehr großer Höhe in der Richtung nach Westen und Südwesten flogen. Nach Ansicht von Vogelsachverständigen soll es sich
um Tiere aus Osteuropa (Polen und Rußland) handeln, die einen Kälteeinbruch vorausahnen und westliche und südliche Länder mit wärmerem Klima als vorübergehendes Winterquartier aufsuchen.
Gymnastik-Vorführungen der Hilda-Senff-Schule.
Eine Veranstaltung der „Deutschen Frauenkultur" in Gießen.
Die „Deutsche Frauenkultur" im Deutschen Frauenwerk bot gestern abend (im Studentenheim, Leihgesterner Weg) ihren Mitgliedern und Gästen eine nicht alltägliche Abendveranstaltung. Der Abend brachte Vorführungen der Gymnastik-Schule Hilda Senfs (Düsseldorf), die eine Fülle der Anregungen dafür gab, in welcher Form eine für die Frau sinn- und artgemäße Leibesübung mit einfachen Mitteln getrieben werden kann.
Die Leiterin der Schule gab in einleitenden Worten Aufklärung über das Wollen der Schule. Sie wies darauf hin, daß es gelte, eine Leibesübung für die Frau zu schaffen, die auf breiter Grundlage betrieben werden könne, eine Leibesübung, die den Bewegungssinn zum Natürlichen hin entwickle und bewußt werden lasse. Es solle nicht um jeden Preis eine körperliche Leistung vollbracht werden, wichtiger sei, Schäden im Körper zu beseitigen, sich anbahnende Schäden zu verhindern, die Frau für die Mutterschaft vorzubereiten, sie stark zu machen und geschmeidig zugleich. Diese Leibesübung der Frau solle sich organisch aus der Ganzheit des Körpers ergeben. Jeder Bewegung solle die Natur Lehrmeister sein. Die Leibesübung der Frau müsse immer von einem natürlichen Bewegungsablauf ausgehen. Nicht Bühnentänzerei sei das Ziel, sondern naturhafte Bewegung. Wenn sich in letzter
Mollen oemen
Roman von Ilse Schuster.
Copyright 1936 by Aufwärts - Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68
34 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Aber das ist er nur deshalb, weil Leonhardt im Wolde ganz genau weiß, was er tun wird. Pünktlich wie vorgenommen, wacht er um sieben Uhr auf, es ist zwar noch stockdunkel, aber bis er start- fertia ist, vergeht ja noch eine gute halbe Stunde. Er schleicht wie ein Indianer auf Kriegspfaden durchs Zimmer und entkommt seinem Aufpasser, der dabei ist, einen dicken Ast zu durchsägen. Zeit zum Frühstücken nimmt er sich nicht, das kann er ja in der „Alpenrose" in Buchwald besorgen, und bis dorthin wird er in aller Seelenruhe fahren, es hetzt ihn ja heute keiner, und wer ihn finden will, soll suchen, lang wird er seinen Leutchen ja doch nicht entkommen, und ein Geheimnis wird es dem guten Herdegen nicht bleiben, wo er sich aufhält.
Gegen halb neun Uhr kommt er vor der „Alpenrose" an, der Herr Geschäftsführer ist sehr dienst- eifrig, insgeheim hofft er, daß dieser Teilnehmer an her Winterfahrt andere Kameraden nach sich zieht, es hat ihn schwer gekränkt, daß die Konkurrenz, nur weil sie am Ziel liegt, die ganze Sahne abschöpft.
„Ich möchte frühstücken und vorher was wissen, verehrter Herr Direktor, wohnt Fräulein Brandes aus Berlin bei Ihnen?"
,Zch kann Ihnen dienen, mein Herr. Die Dame ist gestern Abend hier für eine Nacht abgestiegen. Das heißt — sie hatte nur einen Rucksack bei sich, schien von einer Tour zu kommen und will auch weiter. Sie sitzt in der Veranda, bitte geradeaus und dann rechts am Fenster."
„Danke." Im Wolde ist schon unterwegs. Er federt richtig in den Knien vor Freude. Wahrhaftig, dort sitzt sie. So kennt er sie gar nicht. In langen blauen Hosen, braun wie Bronze sind die Arme und das Gesicht, dessen Profil ihm zugewandt ist. Nun steht sie auf, knöpft die blaue Jacke
zu, am Aermel leuchtet das schwarzweißrote Abzeichen des Deutschen Skiverbandes. Aber ehe sie die Mütze aufsetzen kann, steht er vor ihr.
„Guten Morgen, Fräulein Brandes."
Sie sagt nicht gleich etwas. Sie starrt ihn ohne Begreifen an, ihre Hand mit der Mütze sinkt herunter. Ist das den menschenmöglich — Leonhardt im Wolde hier in Buchwald — ?
„Ich bin es wirklich, Fräulein Brandes — Kriege ich denn gar keine Hand?", lacht er sie an.
„Herr im Wolde. Ich bin nur so maßlos überrascht." Aber da fällt es ihr wie Schuppen von den Augen. „Waren Sie das vielleicht gestern — der schwarzrote Wagen — nur ganz anders — die Prüfungsfahrt!" Jetzt kommt doch Leben in das Mädchen, sie erinnert sich sehr genau der Pläne, die der Mann gehabt hat, sie freut sich auch wirklich, ihn zu sehen. „Hatten Sie denn Glück? Hoffentlich!"
„Fräulein Brandes — ich habe eine Bitte. Bleiben Sie noch ein paar Minuten sitzen, das ist so ein wunderschöner Zufall — und wenn es solange ist, um mir beim Frühstück ein bißchen Gesellschaft zu leisten, ja?"
„Aber warum denn nicht? Ich habe nichts weiter vor, ich will nach — nach ja, ich will weiter, aber das eilt nicht."
„Sie wohnen nicht hier?"
„Nein."
Mehr sagt sie nicht, und er hütet sich vor jeder weiteren Frage. Das Wort Berlin nimmt er nicht in den Mund. Er hat sehr gut gesehen, wie schmal Hanna Brandes geworden ist, und daß die braune Haut weniger ein Zeichen von Gesundheit als von viel Sonne ist. Sie hat auch etwas im Blick, was ihm sofort aufgefallen ist — Unruhe. Er erzählt ihr, daß sie sich sehr schnell entschlossen hätten, die Winterfahrt mitzumachen, die Versuche hätten geklappt, und ©Untermann wollte eine Probe aufs Exempel machen, sie sei auch glänzend bestanden.
„Der zweite Platz, Fräulein Brandes, hinter einem klotzigen Mercedes!"
„Das ist ja wunderbar, da gratuliere ich aber herzlich. Aber wo haben Sie denn Ihre Bekannten? Ich habe nicht gemerkt, daß das Hotel —"
„Können Sie auch nicht, ich komme nämlich eben vom Ziel, das liegt etwa zehn Kilometer weiter
weg — ich wollte Ihnen ja auch nur guten Tag sagen, Fräulein Brandes."
Hanna staunt immer mehr, sie wird ernst, als im Wolde ihr das Rätsel löst und von Herdegens guten Augen erzählt.
„Es lag doch sehr nahe, hierher zu fahren. Ich weiß ja nun nicht, wohin Sie wollen, und es klingt beinahe verrückt, wenn man einer Skiläuferin eine Spazierfahrt im Auto anbietet —"
„Es wäre heute gar nicht so verrückt. Mir liegt im Augenblick nicht mal soviel an den Brettern, ich habe eine anstrengende Tour hinter mir, und der Weg nach Greiding ist ohne aufregende Begleiterscheinungen."
„Nach Greiding wollen Sie? Das ist doch das gottverlassene Nest vor Buchwald — was haben Sie dort verloren?"
„Ich wohne dort," gibt Hanna Brandes zu.
„Ach so." In diesen zwei kleinen Worten liegt sehr viel, eine lange Gedankenkette hängt Leonhardt daran. Aber bann schneidet er sich selber entschlossen den Faden ab. „Fahren wir nach Grei- ding, Fräulein Brandes."
„Sagten Sie vorhin nicht, daß man sich für Sie und den Wagen interessiert, da wird man Sie doch auch vermissen," glaubt Hanna mahnen zu müssen, ihr ist das alles so plötzlich, zu unwahrscheinlich gekommen.
„Wenn die Leute was von mir wollen, werden sie auch warten können. Im Augenblick sind Sie mir viel wichtiger, als die ganze Süddeutsche Motoren AG.," fährt es ihm heraus.
„Das ist ein unverantwortlicher Leichtsinn Herr im Wolde, den ich nicht auf mich nehme. Fahren Sie zurück. Ich komme auch gut allein nach Greiding. Ich habe noch eine Bitte —- es liegt mir daran, daß man in Berlin zwar weiß, daß es mir gut geht, aber wo ich bin, fei lieber verschwiegen. Wir haben uns nicht gesehen, ja?"
Leonhardt im, Wolde geht ganz ernsthaft auf ihren Wunsch ein, er sagt auch kein Wort davon, daß Dr. Brandes bei ihm gewesen ist. Er will Hanna die Illusion völliger Abgeschiedenheit nicht nehmen, er versteht sehr gut, daß man eine Stadt mitsamt einen Einwohnern auf den Mond wünschen kann, wenn man in ihr Schlimmes erlebt hat.
„Wer mich sucht, wird mich finden, selbst in Greiding, ich jage dem Geschäftsführer Bescheid,
Entwicklung eine schöne urtb einfache Form des Gemeinschaftstanzes ergebe, so sei das erfreulich aber nicht das wesentliche Ziel. Ueberdies gehe bi6 Arbeit der Leibesübung und der Gymnastik nicht nur die Jugend an.
Die Vorführungen der Schule, die dann in un- unterbrochener Folge die Zuschauerinnen in Atem hielten, bedeuteten einen anschaulichen Querschnitt durch die Arbeit des Instituts. Die Schülerinnen begannen mit einfachen Ballspielen, bei denen der ganze jugendliche Körper harmonisch' mitschwang, in denen aber auch die innere Ruhe aller Ausübenden und ihre innerste Anteilnahme an der Sache klar zum Ausdruck kamen. In einer großen Menge von Spielen mit dem Ball konnten die Besucher des Abends die vielen Möglichkeiten erahnen, die hier für eine sinnvolle ßetbesübung gegeben sind. Neben diesen Hebungen, die die harmonische Bewegung des Körpers zu fördern hatten, fehlten auch nicht jene Hebungen, die zur Kräftigung des Körpers und einzelner Muskelpartien sowie zu ihrer Lockerung und Lösung beitragen sollten. Die Hebungen wurden fortgesetzt und erweitert hüt der Zuhilfenahme des Tamburins. Dabei war es sehr anschaulich zu beobachten, wie aus dem Schwung und der Beherrschung des Körpers in seiner natürlichsten Bewegung auch Geschicklichkeiten erwachsen, die dem Ungeübten zu erreichen niemals möglich sein würden. Heber diese reinen Bewegungsübungen hinaus zeigten die Mädchen dann selbstschöpferische Bewegungsspiele nach einfachen musikalischen Rhythmen. Die Bewegung folgte dabei nicht der Musik, sondern die Musik war der Bewegung nachgeschaffen worden.
Eine weitere Steigerung erfuhren die Vorfüh» rungen durch die Hebungen im Laufen und Springen, in denen der ganze Ernst der hier gepflegten Arbeit besonders stark zum Ausdruck kam. Hier war besonders zu bemerken, daß sich aus dem sinnvollen und zweckmäßigen, aus der natürlichen Haltung auch gleichzeitig das Aesthetische ergab, das fast ausnahmslos die Vorführungen charakterisierte. Den Abschluß bildeten mehrere Bewegungsspiele mit Zuhilfenahme einfacher Geräte (Reif, Stab, Spungseil usw.) und schließlich einige Gemeinschaftstänze, die in ihrer Einfachheit und Wahrhaftigkeit von Bewegung und Ausdruck als Ergebnis der ernsten Körperschulungsarbeit gewonnen worden waren. Die ganze Veranstaltung machte auf die vielen Besucher einen starken Eindruck und sicherlich wird in vielen der Wunsch nach dieser schönen Art Körperschulung und Leibesübung wach geworden sein.
Gießener rvochenrnarktpreise.
♦ Gießen, 27. Oft. Auf dem heutiben Wochenmarkt kosteten: D. f. Molkereibutter, H Kg 1,57 Mk., f. Molkereibutter 1,52, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, % kg 6 bis 8 Pf., 50 kg 5 bis 6 Mk., Weißkraut, % kg 4 bis 6 Pf., 50 kg 3,50 Mk., Rotkraut, % kg 7 bis 10 Pf., 50 kg 6 bis 7 Mk., gelbe Rüben, % kg 8 bis 12 Pf., rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20, Römischkohl 8, Hnterkohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 80 bis 90, Tomaten 20 bis 25, Zwiebeln 7 bis 10, Meerrettich 30 bis 80, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3,20 Mk., Pfirsiche, kg 25 Pf., Aepfel, % kg 15 bis 25 Pf., 50 kg 15 bis 25 Mk., Tafeläpfel, kg 25 bis 30 Pf., 50 kg 25 bis 30 Mk., Birnen, % kg 8 bis 15 Pf., Zwetfchenhonig 50 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mk., Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Gänse 1 Mk., Tauben, das Stück 50 Pf., Blumenkohl 50 bis 70, Salat 5 bis 10, Endivien 5 bis 10, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 8, Rettich 5 bis 15, Sellerie 20 bis 30, Radieschen, das Bündel 10 Pf.
♦
* * Eine Siebzigjährige. Am morgigen Mittwoch, 28. Oktober, kann Frau Katharine Theiß, Weserstraße 9 wohnhaft, in guter Gesundheit und Frische ihren 70. Geburtstag begehen.
* * Aufgehobene Straßensperre. Vom 28. Oktober ab wird die Straßensperre auf der Landstraße Ruppertsburg — Wetterfeld wieder aufgehoben.
* * Freie Lehrer stelle. Erledigt ist eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Rödgen, Kreis Gießen. Dienstwohnung ist vorhanden. Bewerber müssen seit mindestens acht Jahren die Prüfung abgelegt und eine Anwärterdienstzeit von mindestens fünf Jahren zurückgelegt haben.
daß man hier auf mich warten soll, wenn sie wirklich hinter mir her sind. Hnd jetzt seien Sie lieb und steigen Sie ein."
Hanna verstaut ihre Bretter hinten im Wagen und setzt sich neben den Führersitz. Es ist doch ein sonderbares Gefühl, nach Wochen einem Menschen zu begegnen, den man kennt. Man könnte ihn nach Liesel Gottschalk fragen, vielleicht wäre er erstaunt, wenn sie es nicht täte — er weiß doch von nichts —
„Was macht denn Liesel?"
Es geht ihr sehr gut, sie hat doch jetzt eine Hllfe, da kann sie es sich ein bißchen leichter machen. Ich habe übrigens jetzt au cheine," lenkt Leonhardt ab. „Mein Freund Fritz betreut meine Leihbücherei, sonst hätte ich ja garnicht weg gekonnt. Wie er das wieder mit dem Urlaub gedreht hat, ist mir schleierhaft, er hat immer eine Hintertür, wo er sich hinausschlängelt. Dort liegt ja schon Greiding, wo muß ich Sie denn absetzen?"
„Beim Gemeindevorsteher."
„Den haben also die zehn Häuser doch auch nötig!" Wie sie das hier bloß acht Tage ausgehalten hat, denkt er, da muß man sich doch wegkriegen können, und wenn es nach Buchwald wäre!
Der Sternbäuerin fällt fast der Teller aus der Hand, als der Wagen vor ihrem Haus hält; Sepp ist mit drei Sprüngen draußen und selbst Mohr- chen betrachtet sich den nie gesehenen Aufzug aus einiger Entfernung. Mit ein paar Worten erklärt Hanna, was sich zugetragen hat. Es ist selbstverständlich für die Bäuerin und Frau des Gemeindevorstehers, daß der Herr aus Berlin wenigstens für eine halbe Stunde das Haus betritt, und einen Enzian wird der Herr ja wohl auch nicht ablehnen. Die Ruhe soll er nicht mitnehmen und sich setzen. Nichts könnte Leonhardt willkommener fein, er tut, als sähe er Hannas Hnsicherheit nicht. Der Sternbauer kommt dazu, und es soll eben lang und breit über die Winter-Gebirgs-Prüfungsfahrr verhandelt werden, als es draußen ein paarmal hupt.
Es ist Herdegen mit Anhang, und diesmal besteht er nicht nur aus ©Untermann, er hat Dr, Mittelstädt bei sich, und der Wagen ist auch eilt funkelnagelneuer des Nürnberger Werks.
(Fortsetzung folgt)


