M.252 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Dienstag, 27. Oktober 1956
Ferngas im Mein-Min-Gebiet.
Von sachverständiger Seite wird dem Nationalsozialistischen Gau-Presse- d i e n st geschrieben:
Mehrere Zeitungen brachten in letzter Zeit kurze Meldungen über den bevorstehenden Bau einer Ferngasleitung Siegen — Frankfurt a. M. — Rüsselsheim. Dazu ist zu bemerken, daß die Aufrollung dieser Frage für unser Gebiet nichts Neues bedeutet, da die Diskussion über die Zweckmäßigkeit der Einführung des Ferngases ins Rhein-Main-Gebiet schon öfter seit etwa zehn Jahren die Gemüter bewegt. Seit einigen Monaten wurde die Frage von der Ruhr-Gas AG., die als Lieferant des Ferngases neben Saar- Gas AG. und Thyssenjchen Gas- und Wasserwerke GmbH, auftritt, erneut aufgeworfen. Es wurden für die Notwendigkeit der Erweiterung des Abnehmerkreises für Ferngas die verschiedensten Gründe, u. a. das Vorhandensein von Ueberschußgas, die Ueberkapazität der Kokereien u. a. m. angeführt, Gründe, die sich im Laufe der verschiedenen Erörterungen auch in anderen Gebieten des Reiches immer wieder als nicht so stichhaltig herausgestellt haben wie sie von den Lieferanten des Ferngases hingestellt wurden.
Man kann die Frage nicht bejahen und verneinen vom Standpunkt der daran interessierten Lieferindustrien oder von dem der vorhandenen Gaswerke. Einzig und allein kann nur entscheidend sein der Vorteil, den etwa die Wirtschaft und die Bevölkerung unseres Gebietes in ihrer Gesamtheit durch die Einführung dieser Neuerung erhalten kann und darüber hinaus die Frage, ob die Einführung des Ferngases im Rhein- Main-Gebiet der Volkswirtschaft gemeinhin nützlich oder schädlich ist. Dabei muß man sich hüten, das Problem irgendwie leichtfertig und nur vom Standpunkt des Augenblicks zu betrachten, sondern muß sich klar darüber sein, daß mit der Bejahung des Ferngases für unser Gebiet eine Entwicklung auf Jahre und vielleicht aus Jahrzehnte hinaus in'wirtschaftlicher Beziehung festgelegt ist.
Es ist nicht zu leugnen, daß schon zur Zeit ein steigender Bedarf an Gas seitens der Wirtschaft vorliegt, und man muß sich darüber klar sein, daß auch die kommenden Jahre eine noch stärkere Steigerung des Gasbedarfs erwarten lassen. Es wird deshalb einmal der Zeitpunkt eintreten, an dem die örtlichen Werke allein und ohne gegenseitige Unterstützung den Lieferunqs- onforderungen nicht mehr genügen können. Es wird also einmal notwendig sein, entweder durch Neubau großer Anlagen und den Ausbau der Verbundwirtschaft oder aber durch Inanspruchnahme von Ferngas diesen Bedarf der Industrie zu befriedigen.
Das Allgemeininteresse entscheidet. Das kann aber nicht soweit führen, den Ferngaslieferanten nun die Gesamtversorgung des Gebietes zu übertragen und damit die gesamte Industrie abhängig zu machen von einigen wenigen in sich aufs engste zusammengeschlossenen Gas- lieferanten, denen damit eine Monopol st el- lung eingeräumt würde, die einmal nicht dem Wollen der Partei entspricht und zum anderen die unbedingt notwendigen Einwirkungsmöglichkeiten der Allgemeinheit, d. h. der öffentlichen Hand vermissen läßt.
Es maa angegeben werden, daß die Industrie im Einzelfalle heute einen kleinen Vorteil bei dem Uebergang zum Ferngas haben könnte, wobei bemerkt werden muß, daß die Ferngaslieferanten nicht etwa allgemeingültige, gleiche Preise anbieten, sondern bei zwar gleichen Lieferungsmöglichkeiten und Kosten nach durchaus liberalistischen Grundsätzen im Einzelfalle d i e Preise heraus- holen, die herauszuholen sind. Aber auch der heute vielleicht noch vorhandene Vorteil wird sich im Laufe der Jahre bei der weiterschreitenden Monopolisierung auf dem Gasmarkt insofern zu einem Nachteil auswirken können, als bei der Preisgestaltung, immer weniger das
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Von Seiten der Ferngaslieferanten können fei« nesfalls irgendwelche Teilgebiete der Wirtschaft des Rhein-Main-Gebietes zur eigenen Belieferung herausgenommen werden, während im übrigen die kommunalen Gaswerke weiterliefern. Es kann bet richtiger Auffassung des Problems nur so sein, daß bei Bezug von Ferngas dieses als Spitzen- menge von den kommunalen Gaswerken zur Verteilung bezogen wird.
In dieser Richtung bewegen sich wohl auch die Erwägungen, die von den daran beteiligten Stellen des Staates, der Gemeinden und der Industrie in unserem Gebiet angestellt worden sind. Um eine Einheitlichkeit der Stellungnahme zu erreichen, haben sich die Gemeinden und Kreise des Rhein-Main-Gebietes zu einer Rhein-Mainische n - Gas - G. m. b. H. zusammengeschlossen. Diese hat die Aufgabe, unter weitgehendster Berücksichtigung aller Wünsche der Industrie unseres Gebietes die Interessen der Allgemeinheit und der gesamten Volkswirtschaft unseres Gebietes zu wahren.
Der Gauleiter dankt
der Bevölkerung seines Ganes.
Bei der großen Herbstübung 1936 haben sämtliche Staats- und Gemeindebehörden, in deren Bereich sich die Herbstübung abwickelte, die Wehrmacht nach besten Kräften unterstützt, so daß die Große Herbstübung 1936 reibungslos durchgeführt werden konnte. Der Oberbefehlshaber des Gruppenkomm-an-
unbedingt zu erhalten.
Werken
öffentliche Interesse, sondern vielleicht immer mehr das Privatinteresse und immer mehr ein überspitztesGewinn streben die Preisgestaltung beeinflussen könnte.
Wenn es schon nachgewiesen wurde, daß der Uebergang zum Ferngas für die Industrie — auf die Dauer gesehen — keinen Vorteil bringen kann, so muß andererseits hervorgehoben werden, daß, wie schon oben ausgeführt, vielleicht für kommende Zeiten bei stark ansteigendem Gasbedarf eine gewisse Notwendigkeit bestehen wird, den Ausgleich durch Ferngasbezug zu befriedigen.
Man kann aber bei Erörterung dieses Problems an den schweren wirtschaftlichen und finanziellen Gefahren, die ein sofortiger Uebergang zum Ferngasbezug für das gesamte Gebiet mit sich bringen muß, nicht achtlos vorübergehen. Ein Uebergang zum Ferngasbezug, auch nur für die großen Jndu- ftriewerke unseres Gebietes, würde für die' kom - munalen Werke einen erheblichen A b - f a tz v e r l u st zur Folge haben, der sich im Laufe der Jahre immer stärker auswirken und insbesondere bei den kleineren Werken zu einem Zusammenbruch dieser Werke führen müßte, soweit man nicht schon von feiten der Ferngaslieferanten mit dem Gedanken der alsbaldigen Stillegung der klei-
Jn Gegenwart zahlreicher Ehrengäste vollzog Reichserziehungsminifter R u ft die Grundsteinlegung zum Haufe des Deutschen Rechts in München. Rechts: Reichsminister Dr. Frank. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
worden, die aber zum Teil, da die eigenen Anlagen nicht ausreichen, von den Großlieferanten den Strom beziehen. Es zeigt sich also, daß soweit dieses Gebiet in Frage steht, ebenso Verteilungshoheit als auch Preishoheit bei den kleinen Betrieben verblieben ist, während lediglich der Spitzenausgleich bzw. die Menge, die bei der Kapazität des eigenen Werkes nicht geliefert werden kann, von dritter Seite, den Großlieferanten bezogen wird.
Wenn also bei Prüfung des gesamten Problems die Frage, ob für unser Gebiet überhaupt e i n- m a l Ferngas bezogen werden soll, nach allen Ueberlegungen bejaht werden kann, so muh andererseits aber genau so eindeutig die Erhaltung der kommunalen Gaswerke bejaht werden. Das heißt aber, daß es unbedingt erforderlich ist, Preishoheit und Verteilungshoheit — rote auf dem Elektrizitätsmarkt — den kommunalen
Erntedankfest in Ost-Afrika.
Bananen und Kaffee, Vanille und Pfeffer im Erntekranz.
dos 2, General Ritter von L e e b , hat mir gegenüber den besonderen Dank der Wehrmacht für die ihr durch die Staats- und Gemeindebehörden zuteil gewordene Unterstützung ausgesprochen, nicht zuletzt aber auch für das mustergültige Verhalten der Bevölkerung. Sie habe in glänzender Disziplin die nicht immer bequemen Beschränkungen hingenom- men und alle behördlichen Maßnahmen freudig und verständnisvoll unterstützt. Insbesondere habe sie ihrer inneren Verbundenheit mit dem Heere in vorbildlicher Weise dadurch Ausdruck gegeben, daß sie alle mit einer starken Truppenbelegung verbundenen Lasten nicht nur hingenommen, sondern in persönlicher Fürsorglichkeit der einquartierten Truppe alle denkbaren Opfer gebracht habe. Don der Truppe als Trägerin des soldatischen Ehrenkleides sei diese soldatische Gesinnung mit besonderer Genugtuung empfunden worden.
Ich schließe mich dem Dank des Oberbefehlshabers voll und ganz an und bin der Gewißheit, daß sich diese soldatische Haltung der gesamten Bevölkerung in aller Zukunft bewähren wird.
S p e n g e r.
neren Werke sich beschäftigt.
Das Ergebnis solcher Maßnahmen oder einer solchen Entwicklung wäre zunächst einmal eine erhebliche Schädigung des in diesen Werken angelegten Volksvermögens. Darüber hinaus würde eine große Zahl von Volksgenossen durch eine solche Maßnahme zwangsläufig ihre Arbeitsplätze und damit ihre Existenz verlieren. Außerdem müßte das gesamte Transportgewerbe einschließlich der Reichsbahn durch die wegfallenden Kohlen- und sonstigen Beförderungsaufträge erhebliche Verluste erleiden. Dazu kommen Schädigungen des ortsansässigen Handels und Handwerks und außerdem als wichtigstes der Fortfall erheblicher Steuereinnahmen und Einnahmen der öffentlichen Hand aus diesen Werken, die bei der teilweise noch immer angespannten Lage der städtischen Finanzen als unerträglich bezeichnet werden müssen.
Wie die Lage am Elektrizitätsmarkt, wo einmal ähnliche Tendenzen festzustellen waren, zeigt, sind großenteils die kommunalen Werke erhalten
Die Leitung des Auslands-Organisation der NSDAP, stellt uns den folgenden Aufsatz zur Verfügung.
Die Anregung der Auslands-Organisation der NSDAP., auch auf unserem Vorposten des Deutschtums ein richtiges Erntedankfest zu veranstalten, wurde hier begeistert ausgenommen. Weniger leicht war allerdings die Ausführung, weil unser Gruppengebiet „nur" etwa 120 Kilometer im Umkreis mißt. Mir war die ehren- und ziemlich dornenvolle Aufgabe zugefallen, einen würdigen Erntekranz zu beschaffen. Das ist nämlich hier nicht so, daß man einfach zum Gärtner um die Ecke geht und sagt: Machen Sie mir zum Sonntag einen Erntekranz für fünf oder zehn Emm" und ... bums, am Samstag früh liegt das Stück fix und fertig auf dem Ladentisch.
Nein! Weder Neger noch Inder oder Engländer haben nämlich eine blasse Ahnung davon, was eine Erntekrone ist. Auch kann man nicht etwa einfach einen kleinen Spaziergang aufs Land
machen und so im Handumdrehen einen Buschen Aehren nebst Kornblumen und Mohn pflücken, weil ... je nun, weil es das in unserer Gegend gar nicht gibt. — Als ich über mein Leid stöhnte, hatten die Herren vom Festausschuß nur ein Achselzucken: „Tja, ein richtiger Erntekranz muß her, und wenn Sie die ganze Kolonie mobil machen!"
Im Sprachschatz eines Nazi existiert ja bekanntlich das Wort „unmöglich" nicht, also ging ein Rundschreiben an die deutschen Ansiedler hinaus, in dem dringendst Material für eine Erntekrone angefordert wurde, und zwar schon zum kommenden Freitag. Das ist nämlich in Tanga der Bauerntag, an dem von jeder Pflanzung jemand zur Stadt kommt, um Geld für Löhne zu holen, Besorgungen zu machen und ... na ja, auch einen Trunk mit Bekannten zu nehmen. — Und meine Mobilmachung hatte Erfolg! Zeitig früh schon kam die erste Erntegabe aus Mnyusi, 70 Kilometer von hier: zwei schöne Büschel roter Pfeffer. „Hm, das sieht zwar nicht gerade nach einer Erntekrone
Kundgebung zur Woche des deutschen Buches.
Josef Weinheber und Robert Hohlbaum lesen aus eigenen Werken.
Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen, Goethe- Bund und Kaufmännischer Verein, sowie der örtliche Arbeitsausschuß zur Buchwoche hatten für gestern abend zu einer Kundgebung aus Anlaß der „Woche des deutschen Buches 1936" ins Stadttheater eingeladen. Eine erfreulich große Zahl von Besuchern war dem Rufe gefolgt. Der feinsinnige Vortrag des 1. Satzes aus dem Streichquartett Nr. 6, op. 18, von Beethoven leitete Die Feierstunde ein. Darauf betrat Oberbürgermeister Ritter Gießen, die mit den Farben des Reiches und mit frischem Grün geschmückte Bühne zu einer Ansprache, in der er die Erschienenen willkommen hieß, seiner Freude Über den zahlreichen Besuch Ausdruck gab, dem Goethe-Bund und dem Arbe. s- ausschuß für die Vorbereitung des Abends dankte und dann u. a. etwa folgendes ausfuhrte:
Wir wissen, welche Ausgaben heute dem deutschen Buche gestellt sind: es soll Mittler sein von Mensch
Menlck es hat die Ueberlieserung zu wahren und ist der Nachwelt verpflichtet. Wir haben heute besonders den Wert des Buches erkannt: nur w,f. |en, was wir dem deutschen Buche zu verdanken haben — Der Vortragende erinnerte an die verheerenden Folgen der Systemzelt, als Juden die Buchproduktion in Händen hatten als Verfall und Sittenlosigkeit infolge der Verbreitung lud,scher Bucher um sich griffen. Heute ist >edem, der Bucher schreibt und Bücher verlegt, hohe Verantwortung gegeben. Niemand kann dem nationalsozialistifchen Staate Vorwürfe darüber machen, daß -r bestimme was geschrieben wird und werden darf, feder darf schreiben, wenn er dem Volke und dessen Zukunft damit dient. Wir wissen selbst um d.e Erlebmss- welche vom guten Buche ausgehen, um die Kraft die daraus geschöpft wird, — die gleiche Kraft wie aus der lebendigen Rede. Oberbürgermeister R i t - ter schilderte in diesem Zusammenhang die über, wälügenden und wegweisenden Eindrücke, die ihm aus Hitlers Buch „Mein Kampf immer aufs neue zuteil wurden. Und so wie das Buch unter uns und auf uns zu wirken bestimmt ist, so wirkt es auch über die Grenzen, ist dieses eine Buch ,m politischen Leben der Volker von unabsehbarer Be- deutung. Deshalb find alle Maßnahmen der For- derung des deutschen Buches durch die Reichsregie- runfl eine unabweisbare Notwendigkeit. - Ober- Bürgermeister Ritter schloß mit dem Wunsche,
die Buchwoche möge auch bei uns in Gießen die Anregungen geben, die von der Regierung erwartet werden, iinb mit der Aufforderung, unserer Pflichten gegen das deutsche Buch eingedenk zu sein — uns selber und unserem» Volke zum Segen.
Von den beiden Dichtern, denen der Abend gewidmet war, und die wir beide bereits mit Bild und kurzem Lebensabriß unfern Lesern vorgestellt haben, betrat zuerst der mit dem Mozart-Preis ausgezeichnete Wiener Lyriker Josef Weinheber die Bühne. Er begann seine Vorlesung mit der „Hymne an die deutsche Sprache" aus dem Gedichtbande „Adel und Untergang", und wie hätte eine Stunde, die sich der Würde des Wortes verpflichtet hatte, vornehmer und sinnvoller begonnen werden können als mit der leidenschaftlichen und doch durch edles Maß gehaltenen Anrufung der „Sprache unfer", die uns Heimat ist, Zuflucht und Trost, „dunkle Geliebte, heilige Mutter"? Schärfer und heftiger klingt der streng gebundene Rhythmus der „Trommel"; das Gedicht „Am Ziele" kreist um die Entschleierung und die letzte Weisheit eines Menschen auf dem Totenlager. Dann hörten wir drei Gedichte aus dem Zyklus „Osterwanderung. durch die Wachau": das erste, „Weißenkirchen", ein aus gesteigertem Lebens- und Naturgefühl kommender, trunkener Gesang an das „süße Leben"; das zweite, „Nacht", verhaltener und einfacher, aus dem Bewußtsein der Verbundenheit mit mütterlichem Erde und heimatlicher Landschaft aufsteigend, das dritte, „Einkehr", ein stiller, beseelter Abgesang. Eines der schönsten und reinsten Gedichte dieses Abends war der „Vorfrühling", voller Empfindung, dabei febarf, lebendig und angeschaut in jedem Wort und Bild; und die leise österreichische Tönung in Vers und Sprachklang gab dem Gedicht seinen besonderen Charakter und menschlichen Reiz. Schlechthin vollkommen darf auch das Gedicht „An einen Schmetterling" genannt werden, an den „Boten einer tief ersehnten Welt", „aus Gottes Traum geboren" — vollkommen in der sprachlichen Beherrschung, im reinen Zusammenklang von Form und innerstem Kern. — Aus Weinhebers letztem Gedichtband „Späte Krone" hörten wir zunächst das (vor kurzem in der Unterhaltungsbeilage abgedruckte) Gedicht „An den Wurzeln", ein uns besonders ehrwürdiges Thema umkreisend, von den Müttern singend und an die Wesensgründe des Daseins rührend. Wieder spürt man den Hölderlin-Ton anklingen, und wieder spürt man die starke, lebendige und eigene Weise, die das lyrische Werk dieses spät erkannten Dichters kennzeichnet und adelt .. auch in der „Kaisergruft", vom „unerbittlichen Maß der Ehrfurcht wie des Vergessens" kündend, im „Befreiten Helden" und in oer „Meditation". Den Ab
schluß bildeten die zwölf Gedichte aus einem bäuerlichen Kalender: auch hier, in diesen einfachen Reimpaaren, ganz schlicht und fromm, in welchen der Dichter den bäuerlichen Jahreskreis ausschreitet und die alten Kalenderheiligen beschwört, empfindet man in der vom Aufgang zum Niedergang sich wandelnden melodischen Weise nicht allein die Spur von Weinhebers Ahnenerbe und Herkunft, auch das typisch Oesterreichische seines Wesens; und man bewundert, solche Verse mit den zuerst gelesenen vergleichend, Reichtum und Einheit einer reifen und in sich ruhenden künstlerischen Persönlichkeit, Leichtigkeit und Vielfalt, beherrschte Gefühlskraft, ein edles und strenges Maß, dem jedes Wort und jede Zeile willig untertan ist. —
Nach der Pauje las Robert Hohlbaum: er begann mit zwei Kapiteln aus feinem eben erst bei Langen und Müller in München erschienenen Roman „Zweikampf um Deutschland", der, zeitlich etwa die Spanne von 1848 bis 1870 umfassend, das Nationalitätenproblem im alten Oesterreich behandelt und vor allem in der Geschichte des österreichischen Heeres unter Radetzky sich spiegeln läßt. Hohlbaum wählt zwei sehr verschieden geartete Offizierstypen, um an ihrer Gegenüberstellung Spiel und Gegenspiel zu entwickeln; er erzählt schnell, fließend und flüssig, in einer sich steigernden Verschärfung von Situation und Dialog zum Kern vorstoßend, und erreicht den Höhepunkt romanhafter Spannung in einer knapp und eindringlich vorgetragenen, erregenden Erschießungsszene. — Man kann aus einem Kapitel wie diesem freilich Umfang und Ausmaß des Buches und feiner Problemstellung nur ahnen. Im zweiten, dem gleichen Buche entnommen und „Die Grenze" überschrieben, nähert sich Hohlbaum der nämlichen Generalfrage mit der Schilderung eines Ausfluges, den ein Lehrer mit feinen Schülern unternimmt... gleichsam durch die persönlich-räumliche Begegnung mit der äußeren Scheide zwischen zwei Staaten, zwei Völkern. In einer durch ein kurzes Mundart-Gespräch eigentümlich belebten Szene im Wirtshaus an der Grenze findet dieses Kapitel feinen Höhepunkt; dann klingt es, mit einer einfachen Volksliedweise, still und lyrisch aus. Den stärksten und einheitlichsten Eindruck von Hohlbaums Vorlesung hinterließ das Eingangskapitel aus der Erzählung „Getrennt marschieren", eine sehr lebendige Szene zwischen Moltke und Benedek auf dem Schauplatz von Golferino, ein Jahr nach der Schlacht. Hier stehen sich Sieger und Besiegter von Königgrätz gegenüber, und es ist sehr reizvoll zu erleben, wie Hohlbaum, wiederum schnell, knapp und mit Humor erzählend, in dieser Begegnung nicht nur zwei Persönlichkeiten, zwei
Feldherren, zwei Temperamente einander gegen« überstellt, sondern in ihnen zugleich die ausgezeichneten und charakteristischen Vertreter ihrer Nationen erkennt: hie Oesterreich — hie Preußen, beide in ihrer ausgeprägtesten, nobelsten und liebenswürdigsten Gestalt. Das ist sehr anschaulich, übrigens auch mit großem Taktgefühl, feinsinnig, überlegen, ohne Enge und Kleinlichkeit entwickelt. — Das Ganze ein glücklicher Abschluß dieses wertvollen Dichter- Abends, welcher den Vortragenden reichen Beifall eintrug und die Hörer mit vielen, guten Eindrücken entließ. Wir wollen wünschen, daß die Veranstaltung — auch über die kurze Spanne der Buchwoche hinaus — anregend und fruchtbringend weiterwirkt.
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In der Pause hatten die Besucher Gelegenheit, die im Foyer eingerichtete (am Samstag hier bereits besprochene) Ausstellung „Papier, Druck und Buch" zu besichtigen, die bis zum 1. November täglich geöffnet ist. Diese Ausstellung trägt in ihrem Aufbau, in der Zusammenstellung und Ausgestaltung der verschiedenen Gruppen ein ganz eigenes Gesicht: sie gibt einen Einblick in die Arbeit der hiesigen Buchhersteller und Buchhändler und ist geeignet, die in der Vorlesung empfangenen Eindrücke sachlich und anschaulich — gleichsam von der praktischen Seite her — zu vervollständigen und zu vertiefen. An einem sehr interessanten Einzelbeispiel wird der Werdegang vom Manuskript zum Buch im fortschreitenden 'Arbeitsprozeß von Text- und Bildgestaltung vorbildlich dargestellt. Einen Einblick in die kunsthandwerkliche Tätigkeit des Buchbinders gewährt die sachlich anschließende zweite Gruppe der Ausstellung, die eine Reihe höchst geschmackvoller Arbeiten zur Schau stellt; die dritte, unter dem Kennwort „Das Volk lebt im Buch", ist eine übersichtlich gegliederte, vielfältig anreaenbe und einladende Leistungsschau des Buchhandels, die eine Auswahl aus dem Reichtum der Neuerscheinungen auf dem deutschen Büchermarkt vorführt. hth.
Eine tapfere Iran.
Wie aus Montreal berichtet wird, rettete Mrs. Dan Munday, die Frau eines bekannten Bergsteigers aus Vancouver, ihren Gatten vor einem Bären, der ihn bei einer Bergtour angegriffen hatte. Das Ehepaar hatte die gefährliche Bearpaw- Schlucht überschritten, als sie auf ein Bärenpmges stießen, das sie zu photographieren versuchten. Plötzlich tauchte die Bärenmutter auf und griff wütend den Mann an, der zu Boden fiel. Da stürzte sich Mrs. Munday mit ihrem Eispickel auf den Bären und bearbeitete ihn damit so kräftig, daß das T'cr von dem Mann abließ und die Flucht ergriff.


