überlegt gehandelt zu haben. — In der Verhandlung behauptete Frau Meyer, Marx habe ihr gesagt, daß sie es bei ihrem Mann einmal mit Giftpilzen versuchen solle. Nachher habe er ihr Cyankali mitgebracht, das sie ihrem Manne im Kaffee geben sollte. Sie habe es aber, wie auch ein später gekauftes Rattengift, ihrem Manne nicht verabfolgt, sondern „nur" ein kaliumhaltiges Gift mehrmals im Gemüse gekocht. Sie habe nicht die Absicht gehabt, ihren Mann umzubringen, sondern lediglich bezwecken wollen, daß er einmal krank werde, um sich auf diese Weise für die schlechte Behandlung durch ihn zu rächen. Marx erklärte, er habe versucht, Frau Meyer von dem Giftmord abzuraten. Frau Meyer beschuldigt den Mitangeklagten, daß er ihr anbcfohlen hätte, im Verhör alle Beziehungen abzuleugnen und auszusagen, daß sie das Cyankali in der Tasche ihres Mannes gefunden habe, der Selbstmordabsichten geäußert habe.
Die Gifimordaffäre Brodesfer-Zohannesberg vor dem Schwurgericht.
Vor dem Schwurgericht in Bonn begann die Verhandlung gegen die des Giftmordes angeklagten Heinrich Brodefser und die Witwe des Franz Johannesberg aus Bonn. Im August 1935 starben innerhalb von 14 Tagen die Ehefrau Brodefser und der Kriegsverletzte Franz Johannesberg. Es tauchten bald Vermutungen auf, daß die beiden eines nicht natürlichen Todes gestorben seien. Die Untersuchung ließ den Verdacht zu, daß die Ehepartner der Frau Brodefser und des Johannesberg sich des Giftmordes schuldig gemacht hatten. Unter der Wucht des Beweismaterials gestand Brodefser seine Schuld ein. Die Johannesberg dagegen stritt alles ab, obgleich ihr Mitangeklagter, mit dem sie seitdem in engster Gemeinschaft gelebt hatte, sie schwer belastete. Das Gericht trat zunächst in die Vernehmung des Brodefser ein, der u. a. drei Strafen wegen Fahnenflucht während des Krieges aufzuweisen hat. Von seinem früheren Geständnis rückte der Angeklagte entschieden ab. Er habe es nur deshalb gemacht, um Frau Johannesberg zu schonen. Unter dem Vorwand, nun die reine Wahrheit sagen zu wollen, wälzte er alle Schuld auf die Mitangeklagte ab. Frau Johannesberg erklärte, sie habe von dem Gift nichts gewußt. Die Aerzte, die die Verstorbenen behandelt hatten, erklärten übereinstimmend, daß in den Leichen Gift gefunden worden sei.
Prozeß gegen den „Tausendmarkschein-Winler".
In Halle a. d. S. begann vor dem Mitteldeutschen Sondergericht die Verhandlung gegen den 54 Jahre alten Gustav Winter aus Naumburg a. d. S., der einst durch seinen Krieg um die „rot gestempelten T a u s e n d m a r k s ch e i n e" sich einen zweifelhaften Ruhm erworben hatte, und gegen sieben weitere Angeklagte. Sie haben sich wegen Verbrechens und Vergehens gegen das Gesetz vom 14. Juli 1933 über die Neubildung von Parteien zu verantworten. Die Anklage wirft ihnen vor: Aufrechterhaltung, Weiterführung und Neuausbau der sogenannten „Winter-Bewegung" nack bcm Parteiverbot. Der „Tausendmarkschein-Winter' wird außerdem beschuldigt, seine Anhänger um 50 000 Mark betrogen zu haben. Zur Durchführung der Beweisaufnahme sind zwei Sachverständige und über 60 Zeugen geladen.
Unerschrockene Rettungskat eines deutschen Artisten.
Zu dem vor kurzem gemeldeten Zwischenfall im Pariser Winterzirkus, bei dem ein dänisches Tierbändiger-Ehepaar von einem Tiger ange- fallen und schwer verletzt wurde, erfahren mir folgende Einzelheiten: Bei der Abendvorstellung fiel der als hinterlistig bekannte Tiger Prinz die die Tiergruppe vorführende Frau Schirow an und brachte ihr schwere Verletzungen an Arm, Brust und Rücken bei. Der zu Hilfe eilende Ehemann wurde ebenfalls von einem Prankenhieb schwer verletzt. Während alle anderen Zirkusangestellten, von Entsetzen fast gelähmt, tatlos dem heimtückischen Anfall des Tigers gegenüberstanden, sprang in diesem Augenblick höchster Gefahr der deutsche Tierbändiger Max Stolle aus Dresden, der in dem gleichen Programm eine Elefantengrup^e des Zirkus Sarrasani vorführt, unter Einsatz seines Lebens kurz entschlossen in den Käfig. Es gelang ihm auch,
Zu den Vorgängen in Brüssel.
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Neben der von der Polizei verbotenen großen Kundgebung der Rexisten in Brüssel fand am Sonntag die Kundgebung der Frontkämpfer am Grabmal des Unbekannten Soldaten mit dem Vorbeimarsch vor dem König statt. Die Rexisten, die sich in großen Mengen in der Hauptstadt Belgiens eingefunden hatten, umsäumten die Straßen, durch die der Frontkämpferzug ging, und begrüßten ihre Kameraden mit erhobenem Arm. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
I Büchertisch.
— Walter Kramer: Der politische Wille als geschichtsbildende Macht. Der Untergang des Zweiten und die Entstehung des Dritten Reichs als Wirkung geistiger Kräfte. Ein Ueberblick in Fragen und Antworten. Verlag Herm. Reyer, Leipzig O 3, Preis 0,80 Mark. — (286) — Das Büchlein erscheint geeignet in seiner klaren Gliederung und Darlegung bei Schulungsvorträgen wertvolle Dienste zu leisten.
— Otto Bernhard Wendler: Sommertheater. Roman. 314 Seiten. Leinen 4.—, kart. 3.— Mark. Schützen-Verlag GmbH., Berlin SW 19. — (290) — Ein leicht lesbarer Unterhaltungsroman, dessen bunte und figurenreiche Handlung sich um die Komödianten- und Liebesgeschichten einer sommerlichen Kleinstadt rankt.
— Otto Hoffmann: Wieliestmanden Wirtschaftsteil einer Tageszeitung? Kart. 4,50 Mark. Halbleinen 5,40 Mark. Sozietäts- Verlag Frankfurt a. M. — (313) — Aus dem Bedürfnis entstanden, dem Zeitungsleser eine Erklärung der wichtigsten Begriffe und eine übersichtliche Darstellung der wirtschaftlichen Formen und Vorgänge an die Hand zu geben, ist diese völlige Neubearbeitung des Buches „Wie liest man den Handelsteil einer Tageszeitung?" zu einem umfassenden Handbuch der Wirtschaft geworden. Es wendet sich an Laien und Fachleute in gleicher Weise; denn es geht einerseits von den Grundbegriffen des Wirtschaftslebens aus, fetzt keine Kenntnisse voraus, insbesondere nicht die Kenntnis der wirtschaftspolitischen Terminologie, und enthält anderseits Spezialdarstellungen der einzelnen Wirtschaftsgebiete, die auch dem wirtschaftlich Erfahrenen und Tätigen Neues und Anregendes geben. Den vielfachen und engen Zusammenhängen der reinen Geldwirtschaft mit den. allgemeinen Problemen des gesamten Wirtschaftslebens ist durch eine gegenüber früher erweiterte Fassung des Themas Rechnung getragen.
den Tiger von seinen Opfern abzudrängen und die bewußtlose Frau Schirow aus dem Käfig zu bergen. Dem mutigen und tapferen Eingreifen des jungen Deutschen ist es zu verdanken, daß bei dem Zwischenfall keine Verluste an Menschenleben zu beklagen waren. Da das dänische Ehepaar infolge seiner Verletzungen nicht imstande war, aufzutreten, führte Stolle an den nächsten Tagen ohne vorherige Probe außer der Elefanten- auch die Tigergruppe der Dänen unter dem tosenden Beifall der Pariser vor. Die Pariser Zeitungen widmeten der mutigen Tat des deutschen Artisten breite Spalten an bevorzugter Stelle und lobten insbesondere sein unerschrockenes Eingreifen.
Folgenschwere Explosion.
Bei der Firma Reimann 8z Sohn, Mechanische Kleiderfabrik in Neugersdorf in Sachsen ereignete sich eine folgenschwere'E x p l o s i o n. Aus noch nicht bekannter Ursache explodierten in den Gebäudeteilen, in dem die Gerberei und Färberei untergebracht sind, die dort lagernden Benzintanks. Das Dach des Hauses wurde emporgeschleudert und das Innere vollständig zertrümmert. Die Explosion hatte ein Großfeuer zur Folge, das jedoch in einer Stunde niedergekämpft werden konnte. Man befürchtet, daß bei dem Unglück auch Menschen ums Leben gekommen sind.
Blutvergiftung durch Tintenstift.
In Kassel hatte sich ein junger Postbeamter mit einem T i n t e n st i f t in die linke Hand gestochen. Der junge Mann begib sich zwecks erster Hilfeleistung zur nächsten Sanitätswache, brach aber hier plötzlich bewußtlos zusammen. Die Sanitäter stellten eine vorgeschrittene Blutvergiftung des Armes fest, so daß der Bedauernswerte schleunigst einem Krankenhaus zugeführt werden mußte.
Schweres Eisenbahnunglück in Rumänien. —
8 Tote, 50 Verletzte.
In der Nähe von Focsani in Rumänien entgleiste ein Personenzug, wobei zwei Wagen vollständig zertrümmert wurden. Das Unglück hat bisher 8 Tote gefordert, lieber 50 Personen sind verletzt. Es handelt sich meist um Kriegsinvaliden, die sich auf der Fahrt nach Bukarest befanden. Sie wollten dort die Neuregelung ihrer Versor
gungsansprüche betreiben. Die Bergungsarbeiten sind äußerst schwierig.
Wieder ein Opfer der Gärgase.
In den letzten Tagen wurde von zwei Fällen berichtet, in denen Menschen durch Gärgase im Weinkeller getötet wurden. Nun kommt auch aus dem Breisgaudorf Schallstadt die Meldung, daß der Landwirt Wilhelm Joos diesen Gärgasen zum Opfer gefallen ist. Joos wurde im Keller leblos aufgefunden. Die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche waren ohne Erfolg
Kunst und Wissenschaft.
Professor Georg Schumann 70 Jahre alt.
Aus Anlaß des 70. Geburtstages von Professor Dr. h. c. Georg Schumann, des stellvertretenden Präsidenten der Preußischen Akademie der Künste und Direktors der Singakademie, fand in der Singakademie in Berlin eine Feierstunde statt, die von der großen Beliebtheit und der allseitigen Anerkennung, die Schumanns musikalisches Wirken und Schaffen findet, Zeugnis ablegte. Die Glückwünsche der Preußischen Staatsregierung und des Reichs- und Preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung überbrachte Staatssekretär Z s ch i n tz s ch , der Professor Schumann im Namen der Preußischen Staatsregierung die selten verliehene „Zelter-Plakette" überreichte. Eine besondere Ehrung wurde Professor Schumann von seiner Geburtsstadt Königstein (Sächsische Schweiz) bereitet, die ihm die Ehrenbürgerschaft verlieh.
„Wir suchen den besten Zeitungsroman."
Die Reichsschrifttumsstelle teilt mit: Die Bekanntgabe der Preisträger im Preisausschreiben „Wir suchen den besten Zeitungsroman" sollte ursprünglich aus Anlaß der „Woche des deutschen Buches 1936" erfolgen. Die überaus große Zahl der Einsendungen 'macht eine besonders sorgfältige Prüfung notwendig, die zu dem genannten Termin noch nicht abgeschlossen werden konnte. Die Verkündung der Preisträger wird nunmehr am „Tag der deutschen Presse 1936" erfolgen
Wetterbericht
des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
Die vom Atlantik ausgehende Wirbeltätigkeit hat sich werter verstärkt. In rascher Folge ziehen Sturmwirbel über Nord- und Ostsee ostwärts und rufen unter ständigem Wechsel zwischen warmen und kalten Luftmassen äußerst unbeständige Witterung hervor. Während bei uns in der Nacht zum Dienstag (Temperaturen 4 Grad über dem jahreszeitlichen Durchschnitt) ergiebige Regenfälle fielen, werden von England bereits Schneefälle gemeldet, lieber der Nord- und Ostsee sind erneut Stürme aufgetreten, die sich tief in das Binnenland hinein bemerkbar machen. Zunächst stößt unter böigen West- und Nordwestwinden kalte Lust nach Deutschland vor, doch setzt sich auch weiterhin das sehr wechselhafte und unbeständige Wetter fort.
Aussichten für Mittwoch: Zunächst veränderlich mit zeitweiliger Aufheiterung und nur noch vereinzelten Schauern, dann wieder zunehmende Verschlechterung und Regen, bei kräftigen westlichen bis nordwestlichen Winden kälter.
Aussichten für Donnerstag: Bei Luftzufuhr aus West Fortdauer der unruhigen und wechselhaften zu Niederschlägen geneigten Witterung.
Lufttemperaturen am 26. Oktober: mittags 94 Grad Celsius, abends 7,5 Grad; am 27. Oktober: morgens 12,5 Grad. Maximum 12,5 Grad, Minimum heute nacht 7,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 26. Oktober: abends 8,5 Grad; am 27. Oktober: morgens 9,5 Grad. — Niederschläge 6,4 mm. — Sonnenscheindauer 4,7 Stunden.
Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen- leitet: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 36: 9650. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Emzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags
15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.
Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.
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Gießen, den 20. Oktober 1936.
Amtsgericht.
MWSMWMMHM nach der Naturschutzverordnung vom 18. Mürz 1936 (RGBl. I Seite 181) und den ergänzenden Bestimmungen, aus sührlich erläutert von Professor Dr. W. Weber, 0. ö. Prof, der Rechte und Referent im Reichs- und Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, und Prof. Dr. Walther schoenichen» Leiter der Reichsstelle für Naturschutz
Gebunden RM. 3,60.
Die beiden Verfasser des vor kurzem erschienenen Kommentars zum Reichsnaturschutzgesetz haben hier auf Grund ihrer langjährigen Erfahrungen und ihres weitgehenden Einblicks in das Werden der neuen Naturschutzoerordnung, die nun für das ganze Reich gilt, die Verordnung und alle dazugehörigen bisher erschienenen Ergänzungsbestimmungen nach juristischen, verwaltungstechnischen, wissenschaftlichen und praktischen Gesichtspunkten ausführlich erläutert und geben damit jedem eine gründliche Aufklärung, der mit dem Naturschutz, mit der Natur überhaupt, sei es beruflich ober als Liebhaber und Naturfreund tn Berührung steht. Nicht nur die amtlichen Stellen, nicht nur Wissenschaftler, Lehrende und Lernende, Her» und Pflanzensteunde, nicht nur Erzieher, Richter und Rechtsanwälte müssen über die Fragen des Naturschutzes unterrichtet sein, sondern auch botanische Vereine, Naturalien- und Her- barien-Handlungen und Lehrrnittelgeschüfte, Präparatoren, Ausftopfer, Pflanzensammler, Schmuckrei- sig-Derküufer, Kranzbindereien und die mit der Überwachung der Märkte beauftragten Beamten, Feldhüter, Pollzeistellen usw.
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Danksagung.
Für die vielen Beweise inniger Anteilnahme bei dem Hin scheiden unseres lieben Onkels
Herrn Joseph Geck, Kanzlei-Oberassistent i. R. danken wir allen herzlich, insbesondere seinen Kameraden vom Turnverein 1846 und vom Verein der Leibgardisten, sowie den evangelischen Schwestern für die aufopfernde Pflege. ... ,
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