Nr. 252 Erster Blatt
186. Jahrgang
Dienstag, 27. Oktober 1956
Gießener Anzeiger
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Die Einkreisung der Hauptstadt.
Aranjuez und El Eskorial werden von den nationalen Truppen umgangen. Die Flughäfen von Madrid mit Bomben belegt.
3n her roten Hölle von Madrid.
Aeunzehntausend Einwohner von den Bolschewisten ermordet.
Warum Portugal die Beziehungen zu Madrid abbrach.
nach Barcelona. Die Schiffe haben Material, Munition und Wagen für die spanischen Marxisten an Bord. Sechs weitere Dampfer aus .Wladiwostok werden in dieser Woche am Suez- Kanal erwartet. In Barcelona haben die roten Machthaber eine Minensperre um den Hafen zum «schütze vor Angriffen von der Seeseite her angeordnet. Diese Minensperre ist jedoch mit so wenig Sorgfalt angelegt worden, daß sich offenbar ein Teil der Minen l o s r e i ß e n konnte, und nun die Schiffahrt bedroht.
nahmungen" nicht einverstanden erklärten, jut nächtlichen Zeit aus ihrer Wohnung geholt und erschossen. In Madrid sind die ausländischen Vertreter jetzt fieberhaft bemüht, ihre bis jetzt noch in der Hauptstadt verbliebenen Landsleute in Sicherheit zu bringen. Die Botschaften und Konsulate dürfen sie schon nicht mehr verlassen.
Der Gelselaustausch.
Eden erhebt erneut energische Vorstellungen
London, 27. Oft (DNB. Funkspruch.) Der englische Außenminister Eden empfing am Montag den Botschafter der sogenannten Madrider „Regierun g", dem er die Enttäuschung der englischen Regierung über die Antwort Madrids auf den Vorschlag für einen Geiselaustausch zum Ausdruck brachte. Eden erhob von neuem energische Dor- st e l l u n g e n hinsichtlich der Lage der politischen Gefangenen in Madrid. Der britische Geschäftsträger in Madrid wird die rote „Regierung" wahrscheinlich auffordern, ihre Stellungnahme nochmals zu überprüfen. Inzwischen verlautet, daß die nationale Regierung in Burgos den englischen Vorschlag günstig beantwortet hat.
Botschaftssekretärs und die Erschwerung seiner Ausreise aus Spanien beweisen, daß die diplomatische Exterritorialität im roten Spanien nicht mehr gewährleistet ist.
4. Das Verhalten der örtlichen Behörden in Tarragona anläßlich des Abtransports spanischer Flüchtlinge aus einem portugiesischen Dampfer ist als feindlich zu betrachten.
5. In der Beschwerdenote der roten spanischen „Reaierung" an den Nichteinmischungsausschuß wurden unwahrhaftige Angaben über eine angebliche Beschränkung der Freiheit des roten spanischen Botschafters in Lissabon aufgestellt, die. dieser nicht widerrufen hat.
6. Diese und noch weitere zu erwähnende Tatsachen bezeugen die Unmöglichkeit, mit der roten „Regierung" Spaniens normale diplomatische Beziehungen zu unterhalten.
Ohne Tarnung.
Von unserem ^.-Berichterstatter.
(Nachdruck verboten, auch mit Quellenangabe.) Moskau, 25. Oktober 1936.
Im Kolonnensaal des Moskauer Rätehauses, eines der größten und prachtvollsten Bauwerke außerhalb des Kreml, sind alle Fenster erhellt. Menschenmengen, hauptsächlich Frauen, strömen von allen Seiten herzu und ine wenigen Ordner haben alle Hände voll zu tun, um die Frauen zu ihren Plätzen zu leiten. Es sind müde, ausgehungerte und abgehärmte Gesichter, in die man hier blickt, und kein Lächeln verrät, daß sie im Lande „des sieghaften Sozialismus das glückliche und wohlhabende Leben des Sowjetmenschen" leben. Sie wickeln sich fröstelnd in die abgeschabten Mäntelchen, ihre Tücher haben sie sich zum Schutz gegen die herrschende Grippe eng um Kopf und Hals geschlungen und nur hier und da rückt sich eine, auch hierin ihre „Verbundenheit mit den spanischen Brüdern" bezeugend, ihre Baskenmütze keck aufs Ohr. — „Was ist los?", fragt man den nächsten Vorübergehenden und erfährt, daß es ein „Meeting der Solidarität" ist, wie sie heute überall und zu Tausenden in der ganzen Union abgehalten werden.
Und dann im Saal... An der Stirnseite steht der „Dorstandstisch", hinter dem einige Funktionäre Platz genommen haben. Drei, vier Redner von den Gewerkschaften, von der Partei oder anderen Organisationen versuchen, die Frauen der werktätigen Eisenbahner „zu flammendem Protest" aufzurütteln. „Wir erklären uns solidarisch mit der Erklärung des Genossen Maisky (des Sowjetbotschafters in London ..." — „Die frechgewordenen Faschisten sollen nicht Madrid bekommen! Madrid wird das Grab der Interventionisten werden! Wir verlangen, daß unsere Regierung zugunsten der spanischen Revolutionäre eingreift!" — „Wir werden es nicht zulassen, daß das freie Spaniervolk in seinem Blute ertrinkt." — „Genosse Maisky hat nur unsere Gedanken richtig widergegeben: Wir setzen die Kraft und die Größe unseres sozialistischen Vaterlandes zur unerschöpflichen Hilfe für Spanien ein."
Nach dem MeeUng aber gehen die Frauen w i e- der wortlos und ergeben nach Hause. Auf den Straßen herrscht herbstlicher Matsch. Durch ihre undichten Schuhe dringt das Wasser ein — denn die traditionellen Galoschen, von Lederschuhwerk ganz abgesehen, gibt es in diesem Notherbst nirgends in Moskau zu kaufen. Ihre Mägen sind leer — denn die in Zentralrußland, im Südosten und in der Ukraine heraufziehende Hungersnot macht sich auch schon in Moskau bemerkbar. Und ein wattierter Wintermantel, ein neuer Schafspelz oder auch nur eine wollene Jacke, sie find einmal im Preise unerschwinglich, zum zweiten aber auch nicht zu haben — denn was die Industrie liefern kann, geht an „die spanischen Brüder" ab. Müde und abgehärmt, mit hunger- und leidverzerrten Zügen, den Blick nach innen ge= kehrt, gehen die Sowjetfrauen ihres Weges, — um bestimmt am nächsten Tage, wenn sie klassenbewußte Proletarier (oder Frauen solcher) sind, aus den Zeitungen zu erfckhren, welch einhellige Begeisterung in der Versammlung geherrscht und welch ungeheure Stärkung die Sache der spanischen Marxisten dadurch erfahren habe.
Die Versammlung in dem Kolonnensaal, die hier beschrieben wurde, hat am Wochenende stattgefunden — wie gesagt, eine von den Tausenden Versammlungen, die im ganzen Lande systematisch seit Wochen abgehalten werden, um die „kochende Volksseele" zu schaffen, um gegenüber dem Ausland mit der „Einmütigkeit der Forderungen der Sowjetvölker" aufwarten und damit die Einmischung in spanische Verhältnisse, d. h. die Legalisierung der Waffenlieferungen, „begründen" zu können. In Tula, Woronesch, Kalinin und Smolensk, in Minsk, Mohilew genau so, wie in Omsk, Irkutsk und Wladiwostok, in Archangelsk genau so wie in der Krim und in Turkestan, auf den Polarinseln wie im subtropischen Kasakstan und Usbekistan, in Weißrußland wie in vstasien — überall wird gehetzt, wird die Kriegsstimmung geschürt und — gesammelt. Hunderttausende und Millionen werden dem darbenden Volk abgeknöpft, im Wege der „Freiwilligkeit" — was, ins Sowjetische übersetzt, organisierter Zwang heißt — werden Tages-, Zwei- und Dreitageslöhne abgezogen, es werden Konzerte und Vorstellungen veranstaltet, man eröffnet Museen und gibt Bücher, Bilder und Plakate heraus, deren Reinerträge für die spanischen Marxisten verwendet werden, und durch das ganze Land geht eine Agitation, die unter der Losung „Die spanische Sache ist unsere Herzenssache" — „Nichteinmischung" genannt wird. , . ,„r.
In der Luftlinie mag zwischen der sowietrusstsch- polnischen und der französisch-spanischen Grenze 2300 Kilometer sein. Wohl diesem Umstand durfte es zuzuschreiben sein, daß Spanien heute noch nicht offiziell zur Räterepublik erklärt wurde. Bestimmt aber ist es auf diese Tatsache zurückzuführen, daß die großen Westmächte sich wieder einmal so glänzend ununterrichtet darüber gezeigt haben, was man hierzulande unter dieser „Nichteinmischung" versteht und wie man sie zu betreiben beliebt, daß man sich am Freitag in London an den Kopf griff und das als Farce bezeichnet, was in der Sowjetunion jedem, der es hören will, schon lange als blutiger Ernst dargereicht wird. Es ist gewiß grotesk, wenn der Londoner Botschafter Steinmann- Maiski sich hinstellt und erklärt, daß die Sowjetunion zwar für ihren eigenen Teil die Politik der Nichteinmischung auch nominell aufgebe und von nun ab die spanischen Marxisten mit Waffen Der»
Burgos, 27. Oft (DNB. Funkspruch.) Nach den letzten Meldungen rücken die nationalen Streitkräfte auf ihrem Marsch nach Madrid auf dem rechten Ufer des Tajo rüstig voran. Es verlautet, daß die nationalen Truppen, um die Front nicht unnütz zu vergrößern und um Kräfte zu sparen, bei ihrem weiteren Vormarsch auf die Hauptstadt Aranjuez umgehen werden. — Das ständige Vorrücken der nationalistischen Truppen im Frontabschnitt Navas del Marquas nördlich von Madrid zeigt, daß El Escorial fast völlig umgangen und eingekreist ist. Anscheinend ist aber geplant, sich nicht in Kämpfe um das berühmte Kloster, in dem sich st a r f e marxistische Truppen verschanzt haben, einzulassen, in der Erwägung, dadurch die unersetzlichen historischen Kunstwerke, die im Escorial untergebracht sind, vor der Zerstörung zu retten. Man wird hier den Vormarsch wahrscheinlich auf der großen bis auf 12 Kilometer vor Madrid heranführenden Autostraße, die durch unbesiedeltes Gelände geht, weiter führen. (Die vom Sender Sevilla Samstag- nacht verbreitete Meldung von der Eroberung Es- corials dürfte also nicht zutreffen.) Zwei Pan- Z e r z ü g e der Roten mit 400 Mann Besatzung, die von Madrid zur Verstärkung nach Escorial entsandt sind, werden im Eisenbahntunnel bei Rob- ledo de Chavela von den nationalen Truppen belagert.
Die wenigen von der Front in die Öffentlichkeit gelangenden Nachrichten lassen erkennen, daß die Einkreisung Madrids planmäßig fortschreitet. Durch die Einnahme einiger Ortschaften der Linie Illescas—Sesena können die roten Truppen aus Aranjuez und Umgebung nicht mehr zur Verstärkung in die Hauptstadt gebracht werden. Sie sind von Madrid völlig ab geschnitten. Am Samstag erschienen über Madrid 28 nationale Bomben- und Jagdflieger und belegten die Stadt, hauptsächlich die Not- befestigungen um den Stadtgürtel mehrere Stunden hindurch bis zum Einbruch der Dunkelheit mit Bomben. Die nationalen Flieger, die fast unbehelligt die Flugplätze Cuatro Dientos und Getafe sehr niedrig anfliegen konnten, machten die Beobachtung der fast vollständigen Räumung dieser beiden Plätze. Auch am Montag haben fünf nationalistische Bombenflugzeuge, die von sechs Jagdflugzeugen begleitet waren, die Kasernen und die Eisenbahnanlagen von Madrid bombardiert. Anschließend statteten sie auch dem Zivilflughafen Barajas nordöstlich von Madrid einen Besuch ab, roo sämtliche Apparate zerstört wurden, die sich dort befanden. Ein Brennstofflager ging in Flammen auf.
Ein Ultimatum Francos an die rote „Regierung^.
Burgos, 27. Ott (DNB. Funkspruch.) Der spanische Staatschef General Franco soll die Absicht haben, der roten Scheinregierung in Madrid ein Ultimatum, in dem die sofortige Ueber- gabe der Hauptstadt gefordert wird, zu übermitteln. Wenn auf dieses Ultimatum nach Ablauf von 48 Stunden keine Antwort eingegangen sei, würden die nationalen Truppen den letzten Widerstand der Roten brechen und Madrid mit Gewalt besetzen.
„Mit Hat und Tat/'
MoskausHilfe für die spanischen Marxisten
Par i s, 27. Oft. (DNB. Funfspruch.) Der „Ma- tin" veröffentlicht eine Meldung aus Madrid, wonach der Außenminister der roten spanischen „Regierung" sich vor dem Ausschuß der roten Milizen
sorgen werde, daß sie aber dennoch im Ausschuß bleibe und damit dessen Grundsätze der Nichteinmischung anerfenne — das ist grotesf! Denn wie will man das miteinander in Einklang bringen? Aber steckt nicht das eigentlich Groteske darin, daß Steinmann einer illustren Versammlung von Staatsmännern der führenden Mächte Europas einen solchen Roßtäuscherkniff darzubieten wagt? Ist nicht das in erster Linie grotesk, daß der Westen das hinnimmt?
Auf dem 7. Kongreß der Komintern in Moskau im Sommer des vergangenen Jahres wurde der strategische Plan aufgestellt, daß in allen Ländern, die als „reif" angesehen werden, sogenannte Volksfronten aus allen marxistischen Strömungen von den anarcho-kommunistischen bis zu den halbsozialistischen und radikalen gebildet werden. Diese Volksfronten, die alle unzufriedenen Elemente zu umfassen hatten, sollten Regierungen „für die Uebergangs- 3 e i t" bilden, deren vornehmste Ausgabe darin bestand, die Länder „st u r m r e i f" zu machen zur Revolution der proletarischen Diktatur. Währenh.- dessen sollte die Sowjetregierung durch ihre „Politik der Friedensliebe und der Friedensstiftung sich der Sympathien der internationalen Volksmafsen" versichern, sich im Völkerbund und anderswo Popularität verschaffen und im Interesse des „ungeteilten Friedens" und der demokratischen Grund- sätze tätig fein, um ihren Einfluß im Bedarfsfälle
über die Tätigkeit des sowjetrussischen Botschafters Moses Rosenberg geäußert habe, der der Madrider „Regierung" jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehe. (!) Außenminister del Dayo wies ferner auf hie mächtige Hilfe hin, die Sowjetrußland Spanien leiste und erklärte, daß in allernächster Zeit große sowjet - russische Kriegsmateriallieferungen erwartet würden. — Nach einer englischen Agenturmeldung aus Port Said fahren drei sowjetrussische Dampfer, von Wladiwostok kommend, durch den Suez-Kanal auf dem Wege
Burgos, 27. Oft (DNB. Funkspruch.) Lin Wadrider Einwohner, dem es gelang, nach Burgos zu fliehen, gibt einen erschütternden Bericht über das Leben in der von roten Horden drangsalierten spanischen Hauptstadt Ein ungeheurer Druck liege über der ganzen Bevölkerung, die ständig in der größten Unsicherheit lebe, da die kleinste Berdächtigung genüge, um ohne Nachprüfung erschossen zu werden. Die Zahl der bis zum 10. Oktober in Madrid von den roten Horden ermordeten Menschen, die sich niemals etwas zu schulden hätten kommen lassen, als daß sie höchsten den roten Mordbrennern nicht freundlich gesinnt waren, betrage 19 000 (!). — 17 0 0 0 Männer und 2000 Frauen und Mädchen seien auf bie entsehlichste Art ums Leben gebracht worden. Haussuchungen und „Beschlagnahmungen" seien an der Tagesordnung und arteten in regelrechte Raubzüge aus, seitdem eine Verordnung erlassen sei, die eine Beschlag- nähme gewisser haushaltsgegenstände erlaube. Wage jemand auch nur die leiseste Widerrede, käme er noch verhältnismäßig leicht davon, wenn sein Protest nur mit dem Entzug der Lebensmittelkarten geahndet werde. Allgemein würden aber die, die sich mit derartigen „Beschlag-
Lissabon, 27. Oft (DNB. Funfspruch.) Der portugiesische Außenminister Monteiro hat am Montag eine amtliche Verlautbarung bekanntgegeben, in der der Abbruch der diploma- tischen Beziehungen zu der sog. Madrider „Regierung" ausführlich begründet wird. In der an den früheren spanischen Botschafter Albornoz gerichteten Note wird u. a. folgendes aufgeführt:
1. Das Vorgehen der Madrider „Regierung" beim Völkerbund und den Mitgliedern des Nichteinmischungspaktes über die angebliche Hilfeleistung Portugals für die Nationalisten wird als unfreundlicher Akt betrachtet.
2. Die Verletzung des diplomatischen Postgeheimnisses und die unbefriedigende Erklärung über diesen Vorfall seitens des Madrider Innenministeriums wird ebenfalls als unfreundlicher Akt bezeichnet.
3. Die Durchsuchung der diplomatischen Post in Alicante sowie ein politisches Verhör des portugiesischen
zugunsten des revolutionären Landes in die Waagschale werfen zu können.
In Spanien hat die Volksfront diese Ideen der Komintern bis zum letzten Punkt auf dem i ins Leben umzusetzen versucht. Als sich die gesunden Kräfte des Landes aber gegen die Revolutionäre und Marxisten erhoben, schrien alle Volksfronten der Welt um Hilfe für die bedrohten spanischen Genossen. „Liefert Bomber und Kanonen! Helft den bedrohten Genossen!" Hier und da hatten Vertreter der Volksfront, die in den Regierungen anderer Länder saßen, die Unvorsichtigkeit, zu erklären, daß eine Niederlage der spanischen Marxisten eine Niederlage der Idee der Volksfront sein würde. —
Und sie haben recht behalten. Nicht nur für sie — die Volksfrontler in Frankreich, die Laboristen in England und die Sozialdemokraten anderswo — auch für d i e Komintern (und das ist das Wesentliche!) geht es in Spanien nicht nur um die Entscheidung für dieses Land allein. Stalin schrieb in seinem berühmten Telegramm an die Genossen in Madrid, „es sei Sache der ganzen fortschrittlichen^ Menschheit, was sich in Spanien ereigne", und der italienische Kommunist und Mitglied des ZK. der Komintern E r c o l i plauderte in diesen Tagen in der Prawda aus der Schule, indem er erklärte, daß in Spanien sich die Richtigkeit der Linie der Komintern zu erweisen haben werde. Wenn die Jswestija schließlich
unumwunden mitteilt, es sei für die Sowjetunion ein unerträglicher Gedanke, daß ein Sieg Francos einen Sieg des Nationalismus und damit eine Schwächung der Volksfrontidee bedeuten würde, so ist damit gesagt, worum es für Moskau in Spanien geht. Es ist nicht nur der Verzicht auf ein Sowjetspanien, was Dimitroff und Stalin unerträglich ist, sondern es sind vor allem die Aus» strahlungen eines Sieges Francos, die man in der Komintern fürchtet.
Und so tun die Sowjets vorläufig, was sich nur tun läßt, sie versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Sie „mobilisieren die Volksmeinung" vom Eismeer bis zu den Grenzen Indiens, von den an Polen grenzenden Gebieten bis nach dem äußersten Zipfel Oftasiens; sie senden Dampfer mit „Konserven" nach Barcelona (und man weiß in Europa wohl schon ziemlich genau, welcher Art diese „Konserven" sind): sie haben den Bürgerkriegsspezialisten Antotonow-Owsejenko und seinen Gehilfen Haikiß in Spanien (neben dem Moses Rosenberg, dem Bela Kun, dem Hoffmann, dem Ginsburg-Kolzow, dem Ehrenburg und vielen anderen): sie füllen ihre Zeitungsspalten täglich mit Dutzenden von Berichten und Artikeln (so sehen wir z. B. in der „Krasnaja Gaseta" v. 15. 10., daß drei Seiten des Blattes und ein großer Teil der vierten Spanien gewidmet ist, sind wir zählen elf Illustrationen, sechs Portraits, ater Gedichte, eine Karte Spaniens und sechzehn Ar-


