Oberhessen
Lehrertagung in Staufenberg.
Nachdruck verboten'
25 Fortsetzung.
ausgewichen.
kam
Eine närrische Anwandlung.
(Fortsetzung folgt!)
„Das hat er mir nicht geschrieben. Aber ich denke, als Schiffsarzt. Er war doch Assistenzarzt
mußt haben."
„Ich kann morgen abend nicht schon wieder weg. Fred. Wir müssen uns mittags einen Augenblick treffen, und ich gebe dir das Geld." Sie senkte den Kopf. Also doch feige, entschlußlos war sie nochmals
Fred Lorenzen lief im Wohnzimmer seiner Wir-- j^'Krankenhaus'von Dundee; das liegt "in Schott- tin, der braven, rundlichen Frau Lorenz, auf unb [ (and. ----- ~ '■*'
hinaus.
Sonderbar, er war doch ein Mann, wie jetzt diese feuchte Wärme in seine Augen!
Nahrungsmitteln zu sorgen. Das Reichserbhofgesetz schafft hierfür die Vorbedingung, indem es den Boden der Spekulation entzieht. Denn Bauer und Boden bilden in ihrer Gemeinschaft die Grundlage der Wirtschaft. Der Boden muß unteilbar und unveräußerlich sein. Eng mit diesem hängt das Entschuldungsgesetz zusammen. Wenn auch dem Einzelnen manche der Bestimmungen der genannten Gesetze unbequem sind, ja sogar hie und da kleine Nachteile bringen mögen, so darf er sich doch dadurch den Blick auf das große Ganze nicht trüben lassen, denn die Zukunft unseres Volkes ist wichtiger als das Interesse des Einzelnen. Um aber seine Aufgabe lösen zu können, braucht der Bauer Frieden, und er reicht deshalb dem Bauerntum aller Völker die Hand.
In üblicher Weise schloß nach diesem Vortrag der Leiter die Tagung.
Sängertreffen in Garbenteich.
* Garbenteich, 26. Aug. Die unter Leitung von Chormeister H a r n i s ch-Steinberg stehenden Männergesangvereine „Eintracht" Klein- Linden, „Germania" Watzenborn, „Eintracht"
Er schnupfte sich im halbdunklen Korridor aus. Scheu und recht leise. Er versteckte sich. Dann war das vorüber. Eine närrische Anwandlung. Dl- Nerven, nicht wahr. Wir sagen immer, es sind die Nerven, wenn etwas von dem, was man nicyr bezeichnen kann und mit dem Wort Seele kaum andeutet, in uns merkbar wird.
Tisch herum gestatten. Sonst war Frau Lorenz sehr dafür, daß man den schon etwas schadhaften Teppich schonte und in ihrem Zimmer still saß.
„Was haben Sie denn für ein Pech gehabt, Herr Lorenzen?"
Er blieb stehen. Theatralisch hob er beide Hände. „Sie haben mein Bild gesehen, Frau Lorenz, die Omnibusse, die voll von jungen heiteren Menschen an die Seen hinausfahren. .Wochenendfahrt an die See — mit der bequemen BVG.' Das war ein- prägsam, das mußte ziehen. Aber diese Leute am grünen Tisch wissen selber nicht, was gut für sie ist. Sie haben meinen Vorschlag abgelehnt und mir das Material zurückgeschickt."
„Sie werden eben ein noch hübscheres Bild bekommen haben, meinen Sie nicht?"
denken zu können.
Sie blieben nicht lange. Antje kam zeitig nach Hause, wie sie es Frau Billing versprochen hatte. Sie kam auch allein. Der Hosrat saß vergebens hinter der Gardine des Vorderfensters. Antje hatte ihren Freund schon weit vor dem Haus verabschiedet. Er sah sie allein kommen und in das Haus treten.
Andertags unter Mittag traf sie Fred Lorenzen auf einen Augenblick vor dem Laden des Schlachters Kunze Sie gab Fred das Geld. „Danke, Antje, ich komme mir vor, wie —", er sagte nicht, an was er gedacht hatte, sondern ließ den Satz ohne Ende. „Hattest du Unannehmlichkeiten, deswegen?"
„Unwesentlich, Fred. Frau Billina wunderte sich vielleicht, daß ich am zweiten Tag Vorschuß wollte, aber ste gab mir das Geld. Ich sagte etwas von
Richtfest bei der Baugenossenschaft 1894
Zehn Eigenheime an der Zahnstraße.
Frau Lorenz. Aber wie ich Ihnen schon andeutete, ich bin der Bruder Stein am Bein, ich habe Pech. Er aber ist der Hans im Glück. Und er weiß das. Zugleich aber, da er ein feiner Kerl ist, versucht er ein bißchen, auszugleichen." Er reckte sich. „Glauben Sie mir, wenn ich in der Lage sein werde, und das kann bald sein, die Graphischen Werke — aber lassen wir Zukunftsmusik beiseite —, also, was wollte ich sagen, ja, ich wäre genau so, Frau Lorenz. Ich würde alle
Sie dachte, einer Frage von Wichtigkeit auszu- weichen ist nicht gütig, sondern grausam. Oder es zeigt Gleichgültigkeit. Sie stand weder dem Mann noch seinen Wünschen gleichgültig gegenüber. Sie liebte Fred. Doch, es war wohl Liebe. Aber vielleicht gibt es vielerlei Liebe oder zumindest Abstufungen. Ein beklemmender. Gedanke segelte vorüber; zum Glück nur kurz; die Tanzmusik entführte ihn wieder. „Wenn Rudolf Terbrügge mich dies gefragt hätte, würde ich die Antwort besser und rascher ge-
einem Kleid in der Reinigung und was man so an raschen Notlügen erfindet."
„Ich werde es dir zu danken wissen"', gelobte er. Sie fand soviel Aufhebens überflüssig und verabschiedete ihn. „Ich muß machen, Fred, der Braten soll gleich aufs Feuer. Außerdem steht der Hofrat, glaube ich, hinter der Tür und zählt die Minuten, die ich fortbleibe. Weißt du, die Stellung wäre sehr schön, wenn der alte Mann nicht wäre. Oder wenn er wenigstens nicht immer im Hause wäre."
„Wie alt ist er?" erkundigte sich Fred Lorenzen heiter.
„An die siebzig", antwortete Antje.
Fred Lorenzen tat eine Handbewegung, die etwa hieß: dann ist er ungefährlich, dann mag er bleiben. Er täuschte sich, aber das wußten weder er noch Antje zu dieser Zeit. Es sollte noch etliche Tage1 gut gehen, ehe das neue Unheil über Antje herein- brach.
10. Kapitel.
„Es gibt, scheint es, eine bestimmte Menge Un- ___D____v_... glück oder, gelinder ausgedrückt, Pech auf der Welt.
Er meinte, sie schäme sich, und drückte ihre Hand, Diese Menge muß von der Menschheit geschluckt
die noch in der seinen lag. Ihm war die Geschichte werden. Die Verteilung auf den einzelnen aber ist
selber unangenehm. Man nimmt nicht gern als ganz zufällig. Auch menschliche Qualitäten ent-
Mann Geld von einer Frau; auch nicht leihweise, scheiden da nicht."
Ader er sagte sich viele Gründe, und am Ende entschuldigte die Logik wirklich seine Handlungsweise. Er war ein Mann, ihm war es gegeben, logisch
die Idee des genossenschaftlichen Zusammen- schlusses unter dem Gedanken „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" in die breitesten kreise der Bevölkerung hineinzutragen und dadurch die genossenschaftliche Gemeinschaftsarbeit zu fördern.
Nachdem er allen Richtfestteilnehmern einige frohe Stunden des gemeinschaftlichen geselligen Erlebens gewünscht hatte, gedachte er noch besonders mit einem eindrucksvollen Treugelöbnis des Mannes, der den deutschen Volksgenossen durch seine seelische Stärke, seinen unbeugsamen Willen und seinen unerschütterlichen Glauben die Hoffnung auf eine friedvolle und glückliche Zukunft roiebergegeben hat. Den Führer' und Reichskanzler Adolf Hitler, den Baumeister des Dritten Reiches, grüßte die Versammlung mit freudigem Sieg-Heil-Ruf, dem der gemeinsame Gesang der beiden ersten Verse der Nationalhymnen folgte.
Bürgermeister Prof. £>r. Hamm übermittelte die Grüße des durch anderweitige dringende Dienstgeschäfte am Erscheinen verhinderten Oberbürgermeisters und betonte, daß die Stadtverwaltung, die schon seit Jahren das Wirken der Baugenossenschaft mit warmem Interesse verfolgte, auch für die Zukunft der Baugenossenschaft bei ihrer Arbeit des gemeinnützigen Wohnungsbaues fördernd zur Seite stehen werde.
Die Baugenossenschaft könne mit Befriedigung auf iyr Werk zurückblicken, und wenn auch
Unbekannte Fracht
Hom in von Zranl nun.
„Aber der Vers!" Er war, wie die meisten Menschen, auf eine Produktion besonders stolz, die nicht eigentlich in sein Fach schlug.
„Na, solche Verse mache ich Ihnen auch, Herr Lorenzen." Sie lachte mit breiter werdendem Doppelkinn. „Ins Grüne mit dem Omnibus — ist billig und doch ein Genuß!"
Er sah sie mit offenem Mund an. „Der ist beinahe noch besser als meiner. Warum haben Sie mir nichts vorher gesagt, daß Sie Verse machen können."
Frau Lorenz wurde ernst. „Das ist ja nun schade", sagte sie. „Da sehe ich wohl am Ersten keine Miete von Ihnen?"
„Doch", versicherte er. „Einen Teil ganz bestimmt. Mein Bruder, wissen Sie, der Hans, er fährt neuerdings zur See, hat mir aus Singa- pore geschrieben, er habe seine Bank beauftragt, mir ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk zu überweisen. Das Geld kommt aus England. Ich weiß ja nun nicht, wieviel es sein wird; aber kleinlich war der Hans nie." Er stieß einen Seufzer aus. „Das ist ja auch ein anderes Leben, yrau Lorenz, der Junge sieht die ganze Welt. Nun fährt er sogar nach China."
„Als was denn?"
Zuschauer zu starkem Beifall. Nach den gesang- lichen Darbietungen spielte die Kapelle zum Tanz auf, und alt und jung verblieb noch lange in Fröhlichkeit beisammen.
Zuchlviehversteigerunq in Alsfeld.
} Alsfeld, 26. August. Heute fand hier eine Zuchtvieh -Ber st eigerung der Landes- bauemschaft Hessen-Nassau durch das Tierzuchtamt Gießen für Fleckoiehbullen und Zuchteber des veredelten Landschweins und des deutschen Edel- schweins statt. Es wurden 60 Bullen zur Versteigerung gebracht, die fast alle verkauft wurden. Die Preise bewegten sich zwischen 500.— und 1200.— Mark. Für die Eberoersteigerung standen insgesamt 50 Tiere zum Verkauf. Die Preise bewegten sich zwischen 160.— und 300.— Mark. Verkauft wurden 34 Eber. Die Zuchtviehversteigerung erfreute sich eines sehr guten Besuches aus den Käuferkreisen.
candkr-ls Gießen
£ 5ß i e \ e d , 26. Aug. Der Spar- und 23 o r- schußoerein hielt am Dienstagabend in seiner Geschäftsstelle, Gießener Straße 127, eine Vorstands- und Aufsichtsratssitzung ab, die neben der Behandlung der laufenden Angelegenheiten auch einen Rückblick über das verflossene erste halbe Geschäftsjahr 1936 bot. In dieser Sitzung wurden fünf neue Mitglieder ausgenommen. Sieben vorliegende, vertretbare Kreditgesuche in Höhe von 12 430 Mark wurden bewilligt. Die Spareinlagen sind im ersten Halbjahr 1936 gegenüber 1935 ganz bedeutend gestiegen und übersteigen die hauptsächlich für Bauzwecke gegebenen Darlehen noch um 5067 Mark. Die Zahl der bis zum 30. Juni dieses Jahres aufgenommenen neuen Mitglieder überfteigt die des vorigen Jahres um elf. In derselben Zeck wurden 31 Sparbücher mehr ausgestellt als im Jahre 1935. Diese gute Entwicklung der Geldver- hccktnisse beim Spar- und Vorschußverein ist sehr zu begrüßen, zumal alle Spareinlagen im Orte selbst wieder Verwendung finden, um kreditbedürftigen Volksgenossen auszuhelfen, ganz besonders jedoch um die Bautätigkeit zu heben und damit Arbeit schaffen zu helfen.
# Wiefeck, 26. August. Von den zehn Klassen der hiesigen Volksschule unternahmen gestern insgesamt neun ihre Sommerausflüge, die vom besten Wanderwetter begünstigt waren. Während die Jahrgänge der Grundschule Ausflugsorte in der näheren Umgebung auffuchten, hatten sich die oberen Klassen den Westerwald als Ziel gewählt. Nach einer Bahnfahrt bis Katzen- furth ging es in über 30 Kilometer weitem Marsch über Greifenstein, Dianaburg ins Lahntal nach Braunfels. Leicht wurden die nicht geringen körperlichen Anstrengungen ertragen, und große Freude bereitete das Abkochen, wozu schon vorher durch Bildung von Gemeinschaftsgruppen die notwendigen Vorbereitungen getroffen waren. Allen Kindern wurde diese schöne Fahrt zu einem inneren Erlebnis, das ihnen zeitlebens im Gedächtnis bleiben wird. Das achte Schuljahr unter Leitung von Lehrer Stoll wird die ganze kommende Woche Landschulaufenthalt in der Jugendherberge Weilburg nehmen und von dort aus Lehr- und Besichtigungsgänge durchführen. Das Lagerleben an sich soll vor allem auch der Förderung des Kameradschaftsgeistes im Sinne nationalsozialistischer Erziehungsmaßnahmen dienen.
$ Alten-Buseck, 26. Aug. Infolge des guten Wetters in der letzten Zeit war es unseren mit unermüdlichem Fleiß schaffenden Bauern möglich, bie Getreideernte fast völlig einzubringen. In unserem Dorf wird im Gegensatz zu den meisten anderen Ortschaften das Getreide vom Feld unmittelbar zum Drusch gebracht. Die Dreschmaschine läuft jetzt schon seit einigen Wochen Tag und Nacht, um den Erntesegen zu bewältigen. Der Körner- ertrag ist vollkommen befriedigend. Auch die ©rummeternte ist in vollem Gange und verspricht ebenfalls ein gutes Ergebnis. Bei dem Abernten des Flachsanbaues haben Jungvolk, Jungmädel und Schule tüchtig geholfen. Der Ob st ertrag erfüllt alle Erwartungen: die Apfel-, Bim- und Zwetfchenbäume tragen fo reichlich, daß die Aefte stellenweise stark gestützt werden müssen. Im allgemeinen können unsere Bauern mit der ertragreichen Ernte zufrieden fein. Einen Grund zum Klagen haben eigentlich nur die Imker, die mit diesem Jahr ein zweites äußerst schlechtes Honigjahr hinter sich haben.
£ Lollar, 26. Aug. In der Gastwirtschaft „Zur Bergschenke" fand eine Versammlung der Blockwarte und Selbstschutzkräfte des Reichs lüft-
ln früheren Jahren eine Zeitlang kein guter Stern übet der Geno enfchajtsarbeit gewaltet habe, so könne doch jetzt mit besonderer Befriedigung auf die Tätigkeit der Genofsenschafts- leitung hingewiesen werden, die ihrer Aufgabe voll und ganz gewachsen fei.
Er wünschte namens der Stadt, daß die Baugenossenschaft unter Führung ihrer aegenroärtigen leitenden Männer weiter so gut und so glücklich arbeiten möge, wie bisher.
Dank an die Bansenoffenschast.
Nach den Dankesworten des Vorsitzenden Schneide r an die Stadtverwaltung und ihren Sprecher, Bürgermeister Pros. Dr. Hamm, brachten die Vertreter der an dem Bau beschäftigten Firmen ihren Dank für den Bauauftrag und ihre besten Wünsche für die Baugenossenschaft und für die künftigen Bewohner der Häuser zum Ausdruck, wobei sie gleichzeitig versicherten, daß sie es als eine Ehre und Freude betrachteten, an den Werken der Baugenossenschaft mitarbeiten zu können. Herzliche Worte des Dankes und der Anerkennung sprachen auch ein künftiger Bewohner eines Eigenheimes und einige Vertreter der Bauarbeiterschaft. Alle Ansprachen legten eindrucksvoll Zeugnis ab von dem guten Verhältnis zwischen der Leitung der Baugenossenschaft 1894 und ihren Helfern am Werk, wie auch zu den Mitgliedern der Genossenschaft.
Bei gutem Mahl, einem vortrefflichen Glas Bier und schöner Unterhaltung mit vielen gemeinschaftlich gelungenen Volksliedern saßen die Teilnehmer einige Stunden in bester Kameradschaft der Arbeit beisammen.
..... — -...... —-------- u‘w“ —„0, —, —- tianü." Er sah Frau Lorenz an. „Haben Sie eine ab. Da er lange genug bei ihr wohnte, durfte er Ahnung, was solche Leute verdienen? Ich meine sich solche Rede wie auch die Wanderung um den J Schiffsarzte. Nicht, schade, ich auch nicht. Ich habe ihm nämlich von fträulein Antje geschrieben und von meiner bevorstehenden Verlobung. Vielleicht wenn er gut verdient, läßt er noch einen Hunderter springen." Er bemerkte Frau Lorenz' Gesicht und ahnte wohl ihre Gedanken. „Sie dürfen nicht denken, daß ich der geborene Nassauer bin,
Wieder einmal stehen die kleinen Richtfestbäume auf Wohnhausbauten der Baugenossenschaft 1 8 9 4. Fleißiger Hände Arbeit der am Bau beschäftigten Männer hat inneralb weniger Wochen 10 Eigenheime an der Iahnst r a ß e im Rohbau soweit vorangebracht, daß am gestrigen Nachmittag der alte Brauch des Richtfestes wiederum die Bauherren und die Männer des Baues zu froh-gestimmtem Feiern und Rückblick vereinigen konnte.
Gegen 16 Uhr trafen sich die Vertreter der Baugenossenschaft 1894 mit den Maurern und Zimmerleuten, Dachdeckern und Handlangern, sowie den Vertretern der Baufirmen und einer Anzahl Gäste vor den gefälligen Wohnhausbauten an der Iahn- straße, die im Scheine der Nachmittagssonne und inmitten der reizvollen Landschaft einen guten Eindruck machten und die Hoffnung aufkommen ließen, daß die Käufer und späteren Bewohner dieser Eigenheime sich in den Räumen wohlfühlen werden.
Von der Baustelle ging es gemeinsam in geschlossenem Zuge zum Gasthaus „Zur Stadt Lich", wo das Richtfest, in der Fachsprache die „Bauhebe" genannt, in froher Stimmung gefeiert wurde. Die Baugenossenschaft 1894 bereitete hier bei Speis und Trank, der üblichen Zigarre, den zunftgerechten Klängen eines „Schifferklaviers" usw. den Werkmännern nach ‘ schwerem Schaffen einige vergnügte Stunden, die allen Beteiligten in guter Erinnerung bleiben werden.
Oer Vorsitzende der Baugenossenschaft H. Schneider
wies in feiner Begrüßungsansprache an die Arbeitskameraden der Stirn und der Faust mit Genugtuung darauf hin, daß die Baugenossenschaft innerhalb Jahresfrist zum zweiten Male gemeinsam mit Männern des Bauhandwerks ein Richtfest feiern könne. Er betonte dabei den tiefen Sinn dieses zur Tradition gewordenen Zunftgebrauchs, der in der Verwirklichung einer edlen Volksgemeinschaft besteht, die dem stark pulsierenden Leben der Nation dient und ihr den Kampf um Glück und Größe des Volkes erleichtert.
Sodann sprach er den geistig und körperlich Schaffenden am Bau namens der Baugenossenschaft 1894 den wohlverdienten Dank für ihre gute Arbeit aus und hob dabei hervor, daß die in verhältnismäßig kurzer Zeit unter der umsichtigen Leitung des Architekten Dirksmöller im Rohbau errichteten Bauten nicht nur die Befriedigung der Verwaltung der Baugenossenschaft ausge'löst, sondern darüber hinaus auch in der breitesten Öffentlichkeit Beachtung und Anerkennung gefunden hoben; alle Männer, vom Architekten bis zum letzten Gefolgsmann, hätten hier wiederum vorbildliche Arbeit geleistet; er erinnerte dabei an das Wort des Führers: „Es ist nicht entscheidend, was der einzelne schafft, sondern wie er es schafft."
Nach einem besonderen Gruß an die Ehrengäste betonte Herr Schneider u. a.,
die Baugenossenschaft 1894 habe sich unter Ausschaltung aller spekulativen Gewmnbestrebun- geu eine zwiefache Aufgabe gestellt: erstens durch Arbeitsbejchaffung der Wirtschaft zu dienen und zweitens durch Wohnraumschaffung der noch nicht behobenen Wohnungsnot entgegenzuwirken. Darüber hinaus fei sich die Leitung der Baugenossenschaft aber auch der weiteren Pflicht bewußt, das große Siedlungswerk der Reichsregierung fördern zu helfen, zu stützen und zu verwirklichen.
Wesentlich sei es dabei, der Seßhaftigmachung unserer Volksgenossen den Weg zu ebnen, weiterhin eine in der deutschen Geschichte einzigartige Gelegenheit zu schaffen, auf diesem Wege die deutsche Heimat mitgestalten zu helfen.
Der Redner sprach sodann Oberbürgermeister Ritter, Bürgermeister Professor Dr. Hamm, Stadtbaurat G r a v e r t und Vermessungsrat Karle den herzlichen Dank der Baugenossenschaft aus für die stets bekundete warme Anteilnahme und für die eifrige Förderung der Unternehmungen der Genossenschaft, und er bat die Stadtverwaltung, der Baugenossenschaft angesichts ihrer gemeinnützigen Tätigkeit auch für die Zukunft Unterstützung und Förderung zuteil werden zu lassen. Er bat weiterhin die Gäste, stets _______
Steinberg und „Frohsinn" Garbenteich, hatten sich au ihrem diesjährigen Kameradschaftstreffen am Sonntag in Garbenteich eingefunden. Der Gesangverein „Germania" Steinbach konnte wegen eines Trauerfalls leider nicht erscheinen. Die Sänger begeben sich um 14.30 Uhr zunächst in langem Zuge zum Kriegerehremal auf dem Fried- Hof, um der gefallenen Helden zu gedenken. Nach dem gut gewählten Chor „Mahnung", sprach Vereinsführer Wahl, Garbenteich. Er betonte, daß das heldenhafte Sterben dieser Helden nicht umsonst war, da ein Mann, wie unser Führer Adolf Hitler dem Vaterland Ehre, Einigkeit und Stärko wiedergegeben hat. Als äußeres Zeichen des Dankes legte er im Namen der Sänger das Symbol des deutschen Liedes am Ehrenmal nieder. Zum Abschluß der Feierstunde erklang der Chor „Deutschland, heilger Name" in die feierliche Stille. Anschließend begaben sich die Sänger in das Vereinslokal „Zum weißen Roß", wo nach einigen Musikstücken die einzelnen Vereine Volkslieder und Chöre zu Gehör brachten. Der Vortrag, sowie Klangschönheit und Reinheit zeugten von gutgeschultem Stimm-Material, mit dem der über die Grenzen der engeren Heimat hinaus bekannte Chormeister Harnisch erneut den Beweis seines unermüblidipn Willens und des Idealismus für das deutsche Lieb erbrachte. Die
meine Schulden bezahlen und die Antje wie eine kleine Prinzessin verwöhnen."
Frau Lorenz verzog den Mund. Es war ein gutes Lächeln. „Hoffen wir also auf den Wechsel, nicht wahr!"
Er lachte sie spitzbübisch an. „Aus den Wechsel, den mein Bruder schickt, oder meinten Sie auf den Umschwung?"
Auf die Glückswende, Herr Lorenzen." Sie sagte es ernst, bedeutungsvoll, ihm wollte scheinen, sogar feierlich. Solcher Zuspruch, er empfand die Worte so, tat ihm wohl. Wir bleiben alle in einem Herzenswinkel Kind. Es wird schon alles gut werden, mein Junge. — Hätte sie noch über seinen Kopf streicheln sollen? Freddy, kleiner Liebling . . . Wie lange war das her? Kindheit, Kindheit, solange die Mutter lebte, war es doch das Schönste im Leben. Die Wünsche, klein und nahe, waren alle erfüllbar. Es gab keine Sorgen. Die Mutter trug sie und man ahnte es nicht einmal. Die Mutter' . . . Verschüttetes kam zum Vorschein. Er spürte eine Wärme in der Brust, dort, wo das Herz sitzen mußte. Warum jetzt, weshalb in diesem ungeeigneten Augenblick? Frau Lorenz da vor ihm sah seiner Mutter nicht ähnlich. Die war schön gewesen, nicht dick, nicht alt; sie war gestorben in der Blüte, auf dem Höhepunkt ihres Lebens. Das Altern, die Enttäuschungen waren ihr also erspart geblieben. Ein beneidenswertes Los? Er wußte es nicht. Nachdenklich stand er und sah seine Wirtin an, die runzeligen Hände mit den dicken Adern, die Krähenfüße bei den Augen, der faltige Mund ...
Frau Lorenz wußte diesmal nicht, was in ihrem Mieter vorging, und lächelte freundlich. Da riß er sich los und ging mit einem stummen Grutz
OO Stauf enb er g,26.August. Nachdem in der vorigen Woche in unserer Gegend überall die Schule nach den Sommerferien wieder begonnen f)at, fand hier bei Gastwirt Zecher eine Tagung des Bezirks Lollar des NSLB statt. ' Der Bezirksobmann Lehrer E m m e l von hier eröffnete die Tagung. Er erinnerte zunächst an die glänzend verlaufene Olympiade, gedachte der Bedeutung Friedrichs des Großen, dessen 150. Todestag in die vergangene Woche fiel, und gab weiterhin eine Schilderung der Zustände in Spanien, die er in Gegensatz stellte zu den geordneten Verhältnissen in unserem Vaterlande.
Im Anschluß an die Bezirkstagung tagte die Arbeitsgemeinschaft „Volksschul e", in der ebenfalls Lehrer E m m e l sprach. Sein Thema lautete: „Neue Bauerngesetze seit 1 93 3". Er führte aus: Die Gesch>chte des deutschen Bauerntums ist früher in vielen Stücken falsch dargestellt worden. Der alte, echte Adel, der an der Scholle hastete, stand immer an der Seite des Bauern, da er ja aus dem Bauerntum her- norqegangen war. Das sehen wir z. B. in den Kämpfen der Schweizer und der niederländischen Bauern. Die Verhältnisse änderten sich unter den Hohenstaufen und Habsburgern, so daß viele Bauern ihre Heimat verloren. Der Weg des Bauerntums ist oft ein Leidensweg gewesen. Adolf Hitler hat nach der Machtübernahme aus dem Gedanken heraus, daß das Reich nur auf der Grundlage eines gefunden Bauerntums bestehen und gedeihen kann, als erstes großes Ziel die Rettung des Bauerntums angekündigt und in Angriff genommen. Nach der „Aufräumungsarbeit" folgte die deutsche Bauerngesetzgebung. Das Gesetz über den Aufbau des Reichsnährstandes als erstes, dann das Gesetz zur Sicherung der Getreidepreise und das Reichserbhofgesetz. Dem libe- ralistischen, kapitalistischen System wurde damit der Todesstoß versetzt. Die Preise wurden auf neuer Grundlage geregelt. Während früher nach liberalistischer Ansicht Angebot und Nachfrage den Preis bestimmten und so Preisschwankungen her- Dorriefen, die vielfach der Spekulation übermäßige Gewinne ermöglichten, gewährleistet der beute festgesetzte Preis dem Erzeuger eine Kalkulation auf weite Sicht. So verhält es sich heute nicht nur mit den Getreidepreisen, sondern auch die Milch- und Butterpreise sind auf einer Grundlage festgesetzt, die sowohl dem Erzeuger, als auch dem Verbraucher Rechnung trägt. Pflicht des Bauern ist ^ueuusnius jui uu» ucui]«^ —
I es für ausreichende Versorgung des Volkes mit j Vorträge veranlaßten die zahlreich erschienenen


